shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Archiv für August 19th, 2007

Damals, in Vietnam

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Das Bild gehört zu meinen prägendsten Eindrücken aus der frühen Kindheit. Es zeigt eine Reihe junger Burschen mit Stricken oder auch Holzgabeln um den Hals, aufgestellt wie eine Sklavenkarawane und in Schach gehalten von US-Soldaten mit Gewehren im Anschlag und der Ansage dazu “Das sind 17 jährige Kriegsgefangene in Vietnam”. Ich erinnere mich auch an eine Tagesschau, in der davon die Rede war, dass auf einer Konferenz beschlossen wurde, die 12 jährigen Kriegsgefangenen freizulassen, während über das Schicksal der 17 jährigen Gefangenen noch keine Einigkeit erzielt worden sei. Da wurden also Minderjährige nach Altersklassen unterteilt als Kriegsgefangene gehalten und offensichtlich entsprechend den Alterklassen Unterschiede in ihrer Behandlung gemacht. Nirgendwo in der mir bekannten Literatur zum Vietnamkrieg oder zu den 68ern taucht das auf. Als Kindheitserinnerung sehe ich es überdeutlich, finde aber keine Quellen. Kann mir da jemand helfen? Ich wüsste gerne etwas über den Hintergrund.

Geschrieben von che2001

August 19, 2007 um 14:10

Veröffentlicht in Nicht kategorisiert

Bleibt von der Moderne nur zurück, was unter Verzicht auf sie zu haben ist?

mit 4 Kommentaren

Auch wenn’s niemand interessiert hat (aber wer schreibt schon zielgruppen- und meinungsmarktgerecht? Korrupte Duckmäuser und schleimige Marketing-Strategen allenfalls) : Die fast vergessene Wirkungsgeschichte des weiter unten zitierten Habermas-Aufsatzes bestand nicht im Vollenden des Projektes der Moderne, da hat der Staatsneoliberalismus schon für gesorgt, daß zu jenem Zeitpunkt, da es möglich gewesen wäre, nämlich rund herum um den Mauerfall, stattdessen Banken mithilfe ihrer West-Apparatschiks ostdeutsche Landstriche unterwarfen. Die kurz darauf dann per Grundgesetzändernung gegen alles Fremde abzuschotten waren. Wo habe ich neulich gelesen, daß die Linke zu Zeiten des Mauerfalls so mit ihrem Antifaschismus beschäftigt war, daß sie es schlicht versäumt hätte, zu jener Zeit linke Wirtschaftspolitik zu fordern? Ist nur die halbe Wahrheit, ist aber was dran. Aber wer weiß, ob die korrumpierten Ossis dabei mitgemacht hätten. War ja auch ‘n bißchen viel auf einmal für die, damals.

Noch weiter östlich und südöstlich sieht das alles noch viel komplizierter aus; wer sich’s zutraut, das in Relation zum Thema “Moderne”auszuformulieren, ist jederzeit gerne zu einem Gastbeitrag eingeladen (und die Stamm-Autoren sollten sich da ja auch nicht von abhalten lassen).

Nö, die fast vergessene Wirkungsgeschichte bestand in dem Auslösen der Postmodernismus-Diskussion, die dann um die 15 Jahre in Philosophie und Sozialwissenschaften tobte und die auch die Geschichtswissenschaften nicht kalt ließ, geschweige denn die Literaturwissenschaften, Kunst- und Architektur.

Die Linie, die Habermas vorgab, hat gerade in Deutschland viel Unheil in der Rezeption z.B. Foucaults ausgelöst.  Im “philosophischen Diskurs der Moderne” 1985 vertiefte er die Diagnostik noch, und es wurde wahrlich scharf geschossen über den Rhein und zurück.

Habermas sah”das Projekt der Moderne” vor allem durch diverse Konservatismen gefährdet, und  skandalöserweise reihte er Bataille, Foucault und Derrida unter dem Emblem “Jungkonseravtive” dort ein:

 ”Mit modernistischer Attitüde begründen sie einen unversöhnlichen Antimodernismus. Sie verlegen die spontanen Kräfte der Imagination, der Selbsterfahrung, der Affektivität ins Ferne und Archaische und setzen der instrumentellen Vernunft manichäisch ein nur noch der Evokation zugängliches Prinzip entgegen, ob nun den Willen zur Macht und die Souveränität, das Sein oder eine dionysische Kraft des Poetischen.”

Jürgen Habermas, Die Moderne – eine unvollendetes Projekt (1980), in ders.: Die Moderne – ein unvollendetes Projekt. Philosophisch-Politische Aufsätze 1977-1990, Leipzig 1990, S. 52

Bezüglich Foucault ist das tatsächlich höherer Blödsinn; natürlich ist durchgängig für dessen Schriften zu einer Theorie der Macht gerade jener Epochenbruch, der auch in positiven Varianten der Geschichtsschreibung der Moderne der entscheidene ist, der Übergang vom 18. in’s 19. Jahrhundert, der Schritt  zur stärkeren Durchmachtung westlicher Gesellschaften. Was ja so dermaßen quer steht zur großen Erzählung  zunehmender “Humanität” eben dieser im Zuge ihrer Rationalisierung, daß es Habermas, der an Konzepten kultureller Evolution festhält, einfach aus der Fassung bringen mußte.

Wenn hinsichtich Bataille dieser These noch irgendwie beigepflichtet werden könnte, so ist sie hinsichtlich Derrida und Foucault schon ziemlich doof. Macht nix, ist ja gar nicht der Grund, sie auszubuddeln: Die Frage ist ja eher, ob Habermas’ Aufsatz noch irgeneinen aktuell relevanten, diagnostischen Wert hat oder ob seine Typologie nur dann verständlich ist,wenn man sich die Malerei der “Neuen Wilden” von damals anguckt. Am Ende des Ausatzes wittert Habermas derartige Attitüden nicht zufällig  bei den sich gerade erst etablierenden GRÜNEN, und das wohl auch nicht nur zu Unrecht.

Und mir scheint, daß die These darüber hinaus von Interesse ist … warum, das überlasse ich mal der Diskussion.

Der zweite Konservatismus, den Habermas als Gefährdung sieht, ist jener der Altkonservativen.

 ”Sie verfolgen den Zerfall der substantiellen Vernunft, die Ausdifferenzierung von Wissenschaft, Moral und Kunst, das moderne Weltverständnis und deren nur noch prozedurale Rationalität mit Mißtrauen und empfehlen ( worin Max Weber den Rückfall in materiale Rationalität gesehen hatte) eine Rückkehr zu Positionen vor der Moderne.”

Jürgen Habermas, ebd., S.52 

Gibt’s die noch? Dritte Strömung, die das “Projekt der Moderne” gefährdete,  seien die Neukonservativen:

 ”Sie begrüßen die Entwicklung der modernen Wissenschaft, soweit diese ihre eigene Sphäre nur überschreitet, um den technischen Fortschritt, das kapitalistsche Wachstum und eine rationale Verwaltung voranzutreiben. Im übrigen empfehlen sie eine Politik der Entschärfung der explosiven Gehalte der kulturellen Moderne. Eine These lautet, daß die Wissenschaft , wenn man sie recht versteht, für die Orientierung in der Lebenswelt ohnehin bedeutungslos geworden ist. Eine weitere These ist, daß die  Politik tunlichst von Forderungen moralisch-praktischer Rechtfertigung freizuhalten ist. Und eine dritte These behauptet die reine Immanenz der Kunst, bestreitet ihren utopischen Gehalt, beruft sich auf ihren Scheincharakter, um die ästhetische Erfahrung im Privaten einzukapseln. (…) Mit der definitiven Eingrenzung von Wissenschaft, Moral und Kunst in den autonomen, von der Lebenswelt abgespaltenen, spezialisierten verwalteten Sphären bleibt von der kulturellen Moderne nur noch zurück, was unter Verzicht auf das Projekt der Moderne zu haben ist.Für den frei gewordenen Platz sind Traditionen vorgesehen.”

Jürgen Habermas, ebd., S.  53

Identität und Unterschied zu dem, was man so seit dem Iak-Krieg an Neocon-Positionen kennengelernt hat, sollten offenkundig sein.

Ansonsten gewinnt an ja fast das Gefühl, daß es sich bei all den Pro-Westlern um so eine Art Rechts-Habermasianer handelte, wenn man die Typologie so liest.

Ich glaube nicht, daß das der Fall ist, wenn man das von mir hervorgehobene, final fettgedruckte ernst nimmt.

Aber wer will das schon, irgendwas ernst nehmen, wo man sich so schön in Parolen suhlen kann?

Den Rest überlasse ich mal der Diskussion …. ob es sich also bei dieser Diagnostik einfach nur um ein zeithistorisches Dokument handelt, daß die Diskussion der frühen 80er umschreibt, oder nicht vielleicht doch um mehr …

Geschrieben von momorulez

August 19, 2007 um 12:56

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