shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Archiv für August 27th, 2007

Der verschwiegene Hintergrund von Mügeln

mit 8 Kommentaren

Während Inder, die nach Deutschland einreisen wollen, nachmittags für 80 Euro ihr 6-monatiges Visum abholen, werden Deutsche, die nach Indien einreisen wollen, von den indischen Behörden gefragt, ob sie Sozialhilfe
bekommen, wie hoch ihr Einkommen ist, welchen familiären Hintergrund sie haben, warum sie nach Indien reisen wollen, wo sie bleiben usw. usw. Deutsche müssen horende Summen für ein Visum nach Indien bezahlen und
alls dieses abgelehnt wird, bekommen sie auch nicht einmal das Geld  zurück….

Geschrieben von che2001

August 27, 2007 um 10:42

Veröffentlicht in Nicht kategorisiert

“In Angleichung des Gefühlslebens an kleine Mädchen”

mit 13 Kommentaren

Ähem, räusper.

Ich liebe und verehre Horkheimer und Adorno aufrichtig, finde, daß mit vielem, was sie geschrieben haben, so als begnadete Aphorismen-Schreiber (die “Minima Moralia” ist das wohl methodisch konsequenteste Werk Adornos), auch heute noch verdammt viel anzufangen ist. Ich würde für sie mit den wehenden Fahnen der Kritischen Theorie in jede Diskussion ziehen.

Aber, als ich nun auf Ches Geheiß hin in dieser Diskussion mal wieder die “Elemente des Antisemitismus” in der Dialektik der Aufklärung” las, da fand ich ja doch, daß zwischen lauter Highlights auch einiges an Mist sich dort findet. Das hier zum Beispiel:

 ”Die psychoanalytische Theorie der pathischen Projektion hat als deren Substanz die Übertragung gesellschaftlich tabuierter Regungen des Subjekts auf das Objekt erkannt. Unter dem Druck des Über-Ich projiziert das Ich die vom Es ausgehenden, durch ihre Stärke ihm selbst gefählriche Aggresionsgelüste als böse Intentionen in die Außenwelt und erreicht es dadurch, sie als Reaktion auf solches Äußere loszuwerden, sei es in der Phantasie durch Identifkation mit dem angeblichen Bösewicht, sei es in der Wirklichkeit durch angebliche Notwehr.”

Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, Dialektik der Aufklärung, Frankfurt/M. 2004, 15. Auflage, S. 201

Das ist ja in etwa das, wenn ich nicht irre, was manche Herrn Schäuble unterschieben, wenn sie über ihn als postraumatisch Gestörtem rumpsychologisieren, was wieder Andere PI unterstellen würden: Daß nämlich eine “Reinwaschung” z.B. durch Projektion der Unterdrückung von Frauen in muslimische Lebenswelten deshalb erfolgen würde, weil’s hier mittlerweile tabu sei, Frauen zu unterdrücken, obwohl’s natürlich Tag für Tag geschieht.

Soweit, so gut und bezüglich PI wohl auch potenziell richtig  – aber was macht “das Es” denn da?  Warum dieser Umweg über die “ihm selbst gefährlichen Aggressionsgelüste”, und woher kommen die denn? Und warum ist das “pathisch”? Diese Aggressionsgelüste sind so unbewußt ja nun auch nicht, siehe Mügeln. Das ist dumm, falsch, brutal, verlogen, menschenverachtend, aber doch nicht “pathisch”. Bis zu einem gewissen Punkt ist das schlicht im allerschlimmsten Sinne normal, behaupte ich jetzt einfach mal.
Wird aber noch besser, die Passage:

 ”Das ist Aggression umgesetzte Verpönte ist meist homosexueller Art. Aus Angst vor der Kastration wurde der Gehorsam gegen den Vater bis zu deren Vorwegnahme in der Angleichung des bewußten Gefühlslebens ans kleine Mädchen getrieben und der Vaterhaß als ewige Ranküne verdrängt. In der Paranoia treibt dieser Haß zur Kastrationslust als allgemeinem Zerstörungsdrang. Der Erkrankte regrediert auf die archaische Ungeschiedenheit von Liebe und Überwältigung. Ihm kommt es auf physische Nähe, Beschlagnahme, schließlich auf die beziheung um jeden Preis. Da er die Begierde sich nicht zugestehen daraf, rückt er dem anderen als Eifersüchtiger oder Verfolger auf den Leib, wie dem Tier der verdrängende Somodit als Jäger oder Antreiber. Die Anziehung stammt aus allzu gründlicher Bindung oder stellt sich her beim ersten Blick, sie kann von den Großen ausgehen wie beim Querulanten und Präsidentenmörder oder von den Ärmsten wie beim echten Pogrom. Die Objekte der Fixierung sind substituierbar wie die Vaterfiguren in der Kindheit; wohin es trifft, trifft es; noch der Beziehungswahn greift beziehungslos um sich. Die pathische Projektion ist eine verzweifete Veranstaltung des Ich, dessen Reizschutz Freud zufolge innen unendlich viel schwächer als außen ist: unter dem Druck der gestauten homosexuellen Aggression vergißt der seelische Mechanismus seine phylogenetische spätestete Errungenschaft, die Selbstwahrnehmung, und erfährt jene Agggression als den Feind in der Welt, um ihr besser gewachsen zu sein.”

Ebd., S. 201-202

Mmmmpf. Ich verstehe das noch nicht mal wirklich, was die Autoren da sagen wollen. Erklär mal, Che ;-) … jetzt mal ganz ab von dem Motiv, daß natürlich nicht gelebte Lüste dem eigenen Geschlecht gegenüber schon seltsame Blüten treiben können und ich bei Abu Ghraib oder wie sich das schreibt auch immer das Gefühl hatte, da spielen Leute SM-Pornos nach unter Realbedingungen, weil sie gar nicht wissen wohin mit ihrer Lust angesichts der gedemütigten Leiber:  Was ist denn das ansonsten bitte für  ein Brei, gedanklich, das da oben?

Und das alles passiert so mit den Pathischen, so, daß sie ohne Hilfe ihres Psychoanlaytikers gar keine Chance hätten, sich das zu vergegenwärtigen? Und woher weiß ich, daß es sich bei dem Geschriebenen nicht selbst um eine pathische Projektion handelt? Auf welcher Ebene ist das konstatierbar, wer sagt mir, was mein Unbewußtes treibt, und woher weiß der das?

Und inwiefern drohen denn autoritäre Väter mit Kastration?  Klar, symbolisch, aber ist das nicht ein wenig schwanzfixiert, diese überbordende Metaphorik?

Außerdem dringt da so ein “ihr seid doch alle Schwuchteln, ihr Nazis!” durch, aber das ist noch nicht mal der Punkt, der mich da nervt:  Ist sowas wie Mügeln nicht viel klarer? Kann man mit solchen Psychoanalytismen wirklich Faschismus erklären?

Das ist ja der Grund für’s Posting, das wurde ja unten in der Diskussion behauptet: Faschismus sei Pathologie. Ich glaub das nicht … Diskussion eröffnet.

Geschrieben von momorulez

August 27, 2007 um 7:40

Veröffentlicht in Faschismus und Antifaschismus

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