Die Machtfrage
Na, in Zeiten, wo alle unter dem repressiv-totalitären Joch der “Political Correctness” ächzen und gar nicht mehr Neger als Neger (dumm, faul, näher an der Natur), Schwuchteln als Schwuchteln (verderblich, Niedergang der Menschheit) und Kanacken als Kanacken beschimpfen dürfen und in diktatorischer Absicht verhindert wird, Ziegenficker als das zu denunzieren, was sie sind sind, nämlich Ziegenficker, Kinderficker, Frauenschänder, Brunnenvergifter – ach nee, das waren ja die anderen damals; in Zeiten, wo’s einzig der SPD um reine Macht geht, während einzig Wirtschaftsliberale auschließlich im Namen von Wahrheit und Freiheit unterwegs sind und ihre Gerede von “Eigenverantwortung” im moralfreien Raum situiert ist; in Zeiten, wo einfach nicht akzeptiert wird, daß der Mensch böse ist und nur Eigeninteressen folgt, aber wenn die Antifa das macht, ist das böse und reines Eigeninteresse und insofern zu kritisieren; in Zeiten, wo Antifaschisten die wahren Faschisten sind, weil sie die armen Faschisten unterdrücken, in diesen macht es wohl tatsächlich wieder Sinn, die Machtfrage zu stellen – was heißt denn das eigentlich, Macht?
Ein Vorschlag:
“Die “Macht” hingegen, die es hier zu analysieren gilt, ist dadurch gekennzeichnet, daß sie Verhältnisse zwischen Individuen und Gruppen ins Spiel bringt. Denn man darf sich nicht täuschen; wenn man von der Macht der Gesetze, der Institutionen oder der Ideologien spricht, dann nur soweit man unterstellt, daß “einige” Macht über andere ausüben. Der Begriff Macht bezeichnet Verhältnisse zwischen “Partnern” (und dabei denke ich nicht an ein Spielsystem, sondern einfach – um es zunächst ganz allgemein zu sagen – an ein Ensemble von Handlungen, die gegenseitig hervorrufen und beantworten). Sodann gilt es zu unterscheiden zwischen Machtverhältnissen und Kommunikationsverhältnissen, die eine Information durch eine Sprache, ein Zeichensytem oder jedes andere, symbolische Medium übermitteln. Obwohl das Herstellen und In-Umlauf-Bringen signifiknater Elemente sehr wohl Machtwirkungen zum Ziel oder zur Konseqeunz haben kann, sind diese nicht einfach Aspekte jener.”
Michel Foucault, Wie wird Macht ausgeübt, in: Dreyfus/Rabinow, Michel Foucault – Jenseits von Strukturalismus und Hermeneutik, Frankfurt/Chicago 1987, S. 251 – 252
Irgendwo muß man ja anfangen …
Ja. Leider. Das ist schliesslich eine Frage, die andere als Frage gar nicht interessiert.
T. Albert
November 1, 2007 um 11:05
Freiheit ist Sklaverei. Krieg ist Frieden. Unwissenheit ist Stärke.
che2001
November 1, 2007 um 11:19
Hm, Foucault hilft jetzt auch nicht gerade weiter. Vielleicht Karl Deutsch: Macht ist das Privileg, nicht lernen zu müssen. Wer also die Machtfrage stellt sagt: Jetzt reicht’s! Genug gelernt. Jetzt zeige ich Euch wo’s lang geht.” Macht ist dann vor allem was für Trottel und Monopolisten. Alle anderen werden ihre Ignoranz früher oder später spüren und aufgeben müssen. Da die SPD wohl keiner der beiden Gruppen eindeutig zugeordnet werden kann, wird sie die Machtfrage auch schnell wieder in einer ihrer Schubladen verschwinden lassen.
reformstau(b)
November 1, 2007 um 11:40
Dass es sich bei dem gegenstandsbefreiten Foucault-Gelalle, dieser Rede von Nichts, wie Hegel es gesagt hätte, um einen im Sinne der Erkenntis- und Gesellschaftskritik rasch zu entsorgenden Sprechmüll handelt, ist Euch aber schon klar.
Noergler
November 1, 2007 um 11:41
Che, ich kam natürlich drauf wegen dieses bei den B.L.O.G.s verlinkten Interview mit diesem Typen in der “Eigentümlich frei!”, in dessen Fall Rayson Dich sozusagen direkt aufforderte, dazu doch Stellung zu beziehen. Wollte Dir jetzt nicht vorgreifen, aber doch indirekt darauf hinweisen, daß das ganze Interview ein einziger Selbstwiderspruch ist – der nimmt durchgängig in Anspruch, was er zu kritisieren vorgibt. Und daß ständig die eine Seite der anderen den Machtwillen vorwirft, aber nicht wahrhaben will, daß es ihr selbst natürlich auch um Macht geht, gehört langsam auch mal in die Debatte.
momorulez
November 1, 2007 um 11:44
Nun ja, das ist ein Beitrag eines aus meiner Sicht Rechtsradikalen in einer Sektiererzeitschrift zwischen Anarchokapitalisten und rechtem Rand. Der ist sowas von grundfalsch, da stockt einem ja fast der Atem. Ich habe jetzt allerdings keine Zeit, mich damit näher auseinanderzusetzen, was ich rayson auch gesagt habe.
che2001
November 1, 2007 um 12:37
Und dass es den Autonomen normalerweise um “Keine Macht für niemand” geht wäre natürlich auch noch anzumerken.
che2001
November 1, 2007 um 12:38
Daß es sich bei dem gegenstandsbefreiten Nörgler-Gelalle, dieser Rede vom Nichts, wie Heidegger es gesagt hätte, um einen im Sinne der Erkennntnis- und Gesellschaftskritik zu entsorgenden Denkmüll handelt, ist euch aber schon klar?
Solange der Nörgler hier rumtrollt, bin ich raus. Ich brauche keine blog-internen Boche. Ciao.
momorulez
November 1, 2007 um 12:48