Konstantin und Trigorin

Angesichts dessen, daß ich mich auf eine jener Professuren, deren Besetzung dort drüben ebenso wortreich wie, na, pardonnez-moi, irgendwie doch auch ein wenig minderbemittelt attackiert wird, auch beworben habe, bin ich ja fast froh, nicht genommen worden zu sein. Oder auch gerade nicht: Wer sich von so einem Wortwust einschüchtern ließe, hätte ja nun auch nicht das Zeug dazu, Kunst zwischendurch mal wieder ernst zu nehmen - was die Verfasser des Pamphletes, so scheint’s mir zumindest, gar nicht tun. Weil sie vermutlich gar keine Ahnung von dem haben, was sie kritisieren, und Lehrer fordern, die es ihnen gleich tun. Na, und mich da eines Besseren belehren zu lassen, das hätte mir dann doch gefallen.

Weiß gar nicht, ob meine Unterlagen je zur Berufungskomission vorgedrungen sind, Frau bin ich auch nicht. Bin wahrscheinlich sofort wegen “zu  wenig künstlerisch” auf irgendeinem Abweisungs-Stapel gelandet, jenem für doofe Kommerzheinis. Als ich dann las, daß Pepe Danquard die Stelle erhielt, konnte ich daran gar nix Schlimmes finden, hatte dieser in seinem Film über die Tour de France doch einen Blickwinkel in’s Bild gesetzt, der das Medium in einer bestimmten Hinsicht auch wirklich ausreizt und neue Perspektiven schafft. Okay, da ist mein Oeuvre viel breiter gefächert und in der Tat kommerzieller angelegt, hat eher inhaltlich Maßstäbe gesetzt, hat formal auch Gruseliges in Bewegung gesetzt, kann ich ja nix für, und ich bin trotzdem verdammt stolz darauf.

Wenn ich dann allerdings das folgende lese:

“Wir glauben nicht an Spielfilmrezepte, nicht an Fernsehästhetiken, nicht an die Masse des Gebrauchsfilms und wir wollen uns nicht als Auszubildende in einem solchen Parametersystem wieder finden.”

… dann frage ich mich trotzdem, was das eigentlich heißen soll. Sind doch Floskeln. Insbesondere dann, wenn weiter unten sich dann zwei außerordentlich widersprüchliche Aussagen finden:

“Unbegrifflichkeit macht Kunst für uns aus.”

und:

“Wir brauchen einen Lehrkörper, der Assoziationsräume öffnet, Theoriebögen schlägt, Kritik argumentieren kann, philosophische Auseinandersetzungen mitträgt, allgemeine wie persönliche Diskurse befruchtet und eine inspirierende, tatsächlich interdisziplinäre Umgebung schafft.”

Und das dann im Sinne des reinen, nicht-begrifflichen Ausdrucks? Oder wie? Literatur nunmehr der Kunst entäußert, und Dokumentarfilm habe mit Begriffen nix zu tuen? Wie jetzt?

Nix gegen Widersprüche, die sich nicht auflösen lassen, aber das kippt wirklich in Nonsens um, so in Kombination. Adornos Nichtnachlassen in der Arbeit am Begriff, der über sich hinauszutreiben, zu dynamisieren ist, scheint den sich Sloganhaftigkeit ergebenden Studenten da drüben zumindest noch niemand beigebracht zu haben. Nicht-begrifflich landet man zumindest nicht bei interdisziplinären Diskursen, noch nicht mal beim Sex. Gruselig auch das Konsumentenschema den Professorenbiographien gegenüber:

“Als Vorbilder fordern wir Menschen, die ihr Metier leben und lieben – über sich hinaus auf ein künstlerisches Mehr verweisend.”

Ja, Frau Goetsch hat sich neulich gegen den Herren von der FDP gewandt, dieser solle nicht für Raucherzonen plädieren, er sei schließlich Vorbild. In irgendeiner Fernsehdiskussion vor der Wahl war das, wo Herr von Beust jeden Satz mit den Worten “Ich will!” oder “Ich will nicht!” begann, ein Gestus, der den Verfassern des Pamphletes auch nicht fremd zu sein scheint. Und woher wissen die denn, daß man als Kommerzheini sein Werk nicht auch lebt und liebt? Und wie man das tut? Da fühle ich mich tatsächlich persönlich angepißt. Was eine Hybris.

Wer das künstlerische Mehr eines Films über die Tour de France nicht wahrzunehmen vermag, scheint doch über einen sehr spezifischen Begriff von Kunst zu verfügen und den dann auch der Welt verordnen zu wollen. Klar fällt da auch der Satz: “Für Filmkunst darf es keine normative Definition geben”, genau davon findet sich aber jede Menge im Text selbst: Spielfilmlänge z.B. scheint jedenfalls tabu zu sein, oder wie ist der folgende Passus zu verstehen:

“sondern als singulärer, künstlerischer Ausdruck, dessen Wertigkeit nicht an seiner Länge messbar ist. Es hat es nicht nötig, sich an den Konventionen des abendfüllenden Programms zu orientieren.”

Schön wäre es ja, wenn man den Eindruck hätte, daß die Verfasser auch nur die geringste Ahnung davon haben, wie denn die Verwertungslogik, die Logik der industriellen Fertigung und die Konvention, gegen die vermeindlich sie sich richten, beschaffen sind. Nur dann kann man sich auch künstlerisch-kritisch dazu verhalten - übrigens auch und gerade dazu, daß es die Singularität ist, die die Malerei auf Kunstmärkten zu diesen ungeheuren Preisen trieb. Verknappung und Exklusivität sind halt Kennzeichen jedes Hochpreissegmentes, ebenso wie das Ausscheren aus dem “Gewöhnlichen”, z.B. der gängigen Fernsehästhetik. Und so’n Autorenname ist auch ein Markenzeichen.

Diese Berufung auf den Autorenfilm der 70er ist mir eh bei der HfbK ein Rätsel, Roland Barthes hatte ja gute Gründe, den Tod des Autors zu beschwören. Und das Medium Film ist genau deshalb so reizvoll, weil es zumeist Teamwork ist, es sich kommunikativ konstituiert: Cutter, Kameramänner, Beleuchter und all die Leute, die man auch beim Dokumentarfilm braucht, liebt und mit denen gemeinsam man eine Welt erschafft die eben mehr ist als die Summe jener, die ihr zuarbeiten, genau das macht doch das Einzigartige dieses Mediums aus. Und der so gemeinschaftlich erzeugte Gegenstandsbezug. Das unterscheidet den Dokumenatrfilm ja von anderen Formen bildender Kunst. Er ist auch ein Crossover zwischen Journalismus und künstlerischen Mitteln, schon deshalb geht die Argumentation dort drüben schlicht fehl. Als Dokumentarfilmer hat man Hunter S. Thompson und Truman Capote ebenso ernst zu nehmen wie Kafka oder Beckett. Und auch den “Ulysses”.

Wim Wenders wußte doch, wieso er Nick Cave und solche Leute auf die Bühne stellt im “Himmel über Berlin”: Weil Kunst in Relationen verortet ist und kein Medium besser dazu taugt, diese auch zu reflektieren, als eben der Film.

Da greifen Sinn-Ebenen ineinander und kommentieren sich wechselseitig, Ton (!!!), Text und Bild prallen aufeinander oder vereinen sich, je nachdem, und dieser “Zeitkunst” (wie auch die Musik oder das Fussballspiel es sind) eröffnen sich Erlebnisräume, die für den einzelnen, sich ausdrückenden Künstler viel zu groß sind. Genau deshalb malt der Daniel Richter doch so großformatig und schreibt dann “Captain Jack” darauf, genau deshalb liebt er “Buffy im Banne der Dämonen” : Weil er es weiß. Genau deshalb die Referenzen auf “Freitag der 13.” bei Peter Doig und die Verfielfältigung der Marilyn bei Warhol.

Insofern ist es mir auch unverständlich, welche gesellschaftliche Vision und Verantwortung sich bei Leuten zeigt, die sich so inständig weigern, in Konfrontation mit Realitäten, z.B. ökonomischen, zu treten. Und damit meine ich ganz ausdrücklich nicht den Protest gegen Studiengebühren oder sonstige “Reformwerke”, diese ganze Kritik am Institutionellen teile ich, aber, wie der Volksmund sagt: Schütte das Kind nicht mit dem Bade aus.

Man muß diesen ganzen Creative Writing und “wie schreibe ich ein Drehbuch”-Müll schon kennen, will man sich zu ihm verhalten. Man muß schon wissen, wie Guido Knopp - formal - arbeitet, wenn man was gegen ihn hat. Dann, und nur dann, kann man’s nämlich anders machen.

Ohne die Poetik des Aristoteles und dem, was aus ihr wurde, wären Tschechows Stücke nur halb so lustig, und der Konflikt zwischen Konstantin und Trigorin in “Die Möwe” gar nicht verständlich, geschweige denn die Struktur des Werkes - und solchen Werken raubt auch die Verständlichkeit nicht ihre Magie. Das Genie eines Picassos verweist auf die Salonmalerei, und genau deshalb konnte er so virtuos die frühe Moderne fortschreiben.

Nur wenn die Studenten da an der HfbK sich so inständig weigern, Salonmalerei, RTL2-Reportagen und die Rezeption C.G. Jungs in Hollywood zur Kenntnis zu nehmen, werden sie bei Gesellschaft nie ankommen. Schade eigentlich.

20 Responses to “Konstantin und Trigorin”

  1. Andererseits hat diese studentische Einstellung schon was. Wenn man bei uns Theorie um ihrer selbst willen bespricht, dann wird schnell der “fehlende Praxisbezug” kritisiert. Vor allem BWLer, die VWL-Pflichtvorlesungen hören müssen, neigen dazu — alles muß irgendeinen direkten, unmittelbaren, verwertbaren Praxisbezug haben. Die HfbK-Studis dagegen fordern ausdrücklich Lehre, die ihnen nicht helfen wird, Geld zu verdienen. Das ist leichtsinnig, aber nicht unsympathisch.

  2. @Statler:

    Schön, daß wir das mal mit umgekehrt verteilten Rollen haben ;-) … soweit finde ich das ja auch sympathisch. Geht mir ja auch gar nicht um einen unmittelbar verwertbaren Praxisbezug, wie auch, so als Philosoph, der ich mal war, wäre das ja auch albern - sondern, daß man, wenn man mit künstlerischen Mitteln, konkret: filmischen, Gesellschaft kritisieren will, nicht einfach ignorieren kann, wie sich Verwertungslogiken im konkreten Feld vollziehen und breit machen und jeden, der weiß, wie’s geht, dann weg beißt.

    Und wenn man die nur beschwört, ohne sie zu kennen, wird’s irrwitzig. Und daß man sich schon gar nicht auch auf eine fiktive Position des autonomen Künstlers zurückziehen kann, das geht bei Film nicht wirklich.

    Und deren Position entzieht sich dem ja gar nicht. Das IST eine Form der Verwertungslogik, siehe den Exkurs zum Kunstmarkt.

    Das ist so, als würden Wiwis ignorieren, daß es Verwertungslogiken gibt und lieber in Ruhe reine Mathematik betreiben.

    Was in den klassischen Formen bildender Kunst, glaube ich, sogar geht, Malerei, Skulptur, auch in der Musik und wohl auch im Experimentalfilm - beim Dokumentarfilm wird das aber widersinnig.

    Und auch in den anderen Formen muß man schon wissen, daß es auch Tapeten gibt und nicht nur Mondrian und auch wissen, wie Tapetendesigner da rangehen, behaupte ich jetzt einfach mal.

    Das ist ja die Relation Kunsthandwerk versus Kunst, im Grunde genommen, und Kunst ohne Reflexion auf’s Kundhandwerk ignoriert die gesellschaftliche Wirklichkeit, stelle ich jetzt mal als These auf.

    Was noch lange nicht heißt, daß man selbst kunsthandwerklich arbeiten muß, um künstlerisch tätig zu sein. Aber Kippenbergers “Lieber Maler, male mir” ist eben doch die avanciertere Position, glaube ich.

  3. Ich kann Dich absolut verstehen, aber ich glaube, bei den Studis kommt noch was anderes dazu. So durchdacht ist das alles gar nicht, sondern da ist noch ein wenig jugendliche Rebellion gegen das Establishment dahinter (und dazu gehört Danquart ja nun sicher inzwischen, oder?). Das haben wir doch alle mal durchgemacht, daß wir Kunst mit Unverdaulichkeit, Provokation usw. gleichgesetzt haben. Erst dachte man, richtig große Kunst sei nur das Frühwerk der Neubauten, und ein paar Jahre später kam man dahinter, daß ein relativ melodiöses Lied zur “Befindlichkeit des Landes” auch recht subversiv sein kann. Erst hält man nur einen eingelegten Haifisch für richtig große Kunst, und dann landet man irgendwann zufällig in der Glyptothek und findet Gefallen an Dingen, die man bisher für reinen Kitsch gehalten hätte.

    Also, irgendwie ist das ganze auch schon ein Generationenkonflikt. ;-) Dort rebellische, angehende Jungfilmemacher, hier der entspannte Connaisseur mit mehr Erfahrung und Gelassenheit.

  4. Momorules

    Deine Diskussion verstehe ich nicht ganz, auch wenn der studentische Text etwas plakativ daherkommt. Die meinen ja nur die Befürchtung, dass ihre Ausbildung in einem Sinne unfrei werden könnte, dass subjektiver Umgang mit künstlerischen Mitteln, oder dem Kunsthandwerk, wie Du es nennst, immer eingeschränkter möglich werden könnte. Das kann ich verstehen. Mit Verweigerung von Verwertung hat das ja erstmal nicht viel zu tun, aber mit der Sehnsucht nach der Erkenntnis von MItteln und deren KOmbinationen schon. Das Problem ist ja, dass wir bezüglich Verwertung von Kunst und Kunsthandwerk eine irre Diskussionsweise haben, die irgendwann jedem Stagnation vorwirft, der im entsprechenden Moment nicht die nötigen “kreativen” Wendemanöver zu vollführen bereit oder in der Lage ist.
    Natürlich brauche ich die Möglichkeit grösster Subjektivität, um auch kunsthandwerkliche Mittel neu anwenden zu können. Die neuen Möglichkeiten muss ich aber finden können, ohne dass mich ein Lehrer ständig auf Kriterien festnagelt. Was aber gerade geschieht wie in der Akademie des ausgehenden 19. Jhdts.. Da wird gerade Freiheit verspielt.

    Und: wieso darf denn Kunst die gesellschaftliche Wirklichkeit nicht ignorieren?
    Also, das wäre in meinen Augen eben genau der Punkt, der am meisten der Verteidigung würdig ist: das Recht, einen Gegenstand herzustellen, der nur poetisch ist, und sich eben nicht bezieht. Das ist doch auch das Recht des Individuums, und Barthes` Konstatierung mit einer Forderung zu verwechseln, das hat ja nun nicht weit getragen. Wir waren, als wir das dachten und gegenüber mancher Kritik verlangten, doch nicht gleichzeitig bereit auf die Unterschrift unterm Werk zu verzichten, schon gar nicht, wenn es in den Verwertungszusammenhang gelangen sollte.

    Was meinst Du mit Kippenbergers “avancierterer Position”? Dass er Malerei vom Plakatmaler herstellen liess, mit der etwas müden Behauptung, dass das eben jeder Plakatmaler könnte? Oh, an Kippenberger ist viel Sprache.

    Vielleicht ist das aber wirklich viel spezifischer auf den Dokumentarfilm bezogen zu diskutieren, weil es in Malerei und Skulptur einfach zu viele tolle Leute gibt, die ihre Metiers wirklich als eine Art reiner Mathematik auffassen und betreiben, z. B. wie der grosse Josephson hier in Zürich. Oder wie Brancusi, oder Giacometti.

  5. Sagen wollt ich noch:
    Die Sprache, die die Studenten benutzen, ist allerdings diese dämliche Begründungssprache, die allenthalben erwartet wird. Die haben sie doch schon gut drauf. “ein künstlerisches Mehr” auf das Menschen als Vorbilder verweisen - toll. Insofern…… Also, Bunuel würde auch nicht Professor an der Kunsthochschule. Ausserdem sind die doch supernett, die Studenten: sie fordern Vorbilder.

    (Ich hatte ja Glück in den Achtzigern mit Lehrern, die uns auch ab und zu zum Vatermord ermunterten. Aber jetzt ist modernes Denken endgültig out.)

  6. @T. Albert:

    Das sind jetzt aber viele, große Fragen auf einmal ;-) …. was mich an dem Text nervt, das ist ja eher die Art der Attacke auf jene, die da berufen wurden. Und da spielt dann von mir aus auch meine Subjektivität mit rein, klar - weil mir als Kommerzheini dieser Dünkel natürlich auf den Geist geht und ich im konkreten Fall auch nicht umhin kam, mir vorzustellen, wie die wohl auf mich reagiert hätten ;-) . Da hätte es dann wahrscheinlich Sitzstreiks und Uni-Besetzungen gegeben.

    Was ich echt schwierig finde, ist diese ungeheure Hybris und Anmaßung in der Beurteilung der Arbeit von Leuten, die echt was gerissen haben, wie dieser Danquard zum Beispiel. Würde mich auch interessieren, ob bei Sönke Worthmann der gleiche Aufstand stattgefunden hätte, dem mit Abstand schlechtesten Dokumentarfilmer der Republik, der für seinen Mist auch noch mit Preisen überhäuft wurde.

    Das ist nun mal ein Feld, in dem ich seit 15 Jahren nervenzehrende Kämpfe durchzustehen habe, und da scheint mir dann diese studentische Position - mit Verlaub - ebenso dämlich wie jene der ganzen “Techniker” und Lieschen-Müller-Fetischisten in meinem Umfeld.

    Wie die die neuen Lehrenden mal eben so in einen Topf werfen mit Leuten wie Herrn Dräger, das ist schon dreist. Wie sie denen sogar Liebe und daß sie ihr Werk auch leben würden absprechen, was eine Unverschämtheit.

    Selbst man selbst im Rahmen der falschen Regelwerke agiert hat, heißt das ja noch lange nicht, daß man Studenten nicht auch genau jene Wege weisen könnte, die Du einforderst - gerade weil man die falschen Regelwerke so gut kennt. Das ist ja schon fast sowas wie Xenophobie, was die da betreiben, die Studenten. O Schreck, ein Kopftuch in meiner Kirche!

    Natürlich darf Kunst auch gesellschaftliche Wirklichkeit ignorieren, nur wenn man die für sich in Anspruch nimmt, die Kritik derer, wie die Verfasser des Pamphletes es ja tun, dann sollte man sich schon auf sie einlassen. Zudem ich da auch wirklich Differenzen sehe zwischen dem, was Du tust, und dem Dokumentarfilm (nur über den wollte ich schreiben). Natürlich sind z.B. auch rein selbstrefenrentielle Dokumentarfilme denkbar, aber man kann ja nun nicht alle Welt wiederum auf so ein Programm festnageln wollen.

    Weil im konkreten Feld sich tatsächlich viele Fragen völlig anders stellen als in der Malerei und mir doch scheint, als sei da eine gewisse Faulheit und ein gewisser Eskapismus bei den Verfassern des Manifestes der Fall.

    Das fängt doch schon bei Materialfrage an: Da ist Film nun mal viel klarer definiert als all die Medien in der Malerei. Klar, gibt Video, Film, die ganzen neuen digitalen Kameras, neuerdings HD, und diverseste Bearbeitungsmöglichkeiten, verschiedene Projektionstechniken, Übergänge zum Videoinstallation sind möglich, gibt Handy-Cam undundund, wir arbeiten in einer Produktion auch gerade mit Cartoon- und Streetart-Elementen im “Dokumentarfilm”, man kann auch Scherenschnitte und sonstwas einsetzen, die Videobänder schmirgeln oder wasweißich, Du kommst um gewissen Basics trotzdem nicht herum und landest in keinem Fall bei dieser ungetrübten Subjektivität, die in Deinem Metier ja auch nur selten so richtig zum Tragen kommt. Man kann auch nicht Philosophie studieren und Kant igorieren oder Wittgenstein, selbst wenn man alles Scheiße findet und total blöde, was die so fanden.

    “Die neuen Möglichkeiten muss ich aber finden können, ohne dass mich ein Lehrer ständig auf Kriterien festnagelt.”

    Das perfide ist ja die Unterstellung dessen. Wieso sollte irgendeiner der neuen Lehrenden das tun? Der kann doch auch nix anderes, als eben seine Erfahrung einbringen und Studenten dazu anregen, selber welche zu machen. Und so eine 3-Akt-Dramarturgie ist ja nicht a priori was Schlechtes, zum Beispiel. Vielleicht macht denen das ja Spaß, damit zu arbeiten, und wenn nicht, dann sollen sie’s doch lassen.

    Da gibt’s bestimmt irgendwelche Evaluierungs-Irre in irgendwelchen Gremien, aber das nun wiederum kann man den neuen Professoren doch nicht anlasten. Die werden doch einfach nur instrumentalisiert, wahrscheinlich von beiden Seiten.

    “Also, das wäre in meinen Augen eben genau der Punkt, der am meisten der Verteidigung würdig ist: das Recht, einen Gegenstand herzustellen, der nur poetisch ist, und sich eben nicht bezieht. Das ist doch auch das Recht des Individuums.”

    Ja, klar, und trotzdem nein: Was das übertragen auf den Dokumentarfilm heißen kann, das ist ja erst die Frage, und die Kids nehmen einfach die Antwort vorweg. Das ist ‘ne Form von Kommunikationsverweigerung, die - und darauf beharre ich - bei einem Teamwork wie im Falle des Films einfach hanebüchen ist. Diese Diven in meiner Branche sind nicht immer die ästhetisch dollsten, sondern oft einfach nur Ignoranten.

    “Was meinst Du mit Kippenbergers “avancierterer Position”?”

    Deren Vielschichtigkeit. Dazu gehört unter anderem die Rehabilitierung der Kunsthandwerker. Aber auch die Thematisierung dessen, was “Auftragsarbeit” heißt. Die Ironisierung dessen, wer oder was Künstler ist und heißt.

    Für mich geht die Barthes-Forderung auch sehr viel weiter: natürlich geht durch Subjektivität gewissermaßen hindurch, was historisch/gesellschaftlich so alles zum Thema wurde - und das Festnageln auf Autorenschaft ist immer zmu einen eine Möglichkeit, Gesellschaftliches als Individuelles auszugeben, zum anderen hat das für mich auch immer was von Strafrecht, von Haftbarmachung. Und von nix kommt ja nix, auch ich nicht.

    Und Kippenberger hat ja dieses “Lieber Maler, male mir” u.a. der Renaissance der Malerei im Falle der Neuen Wilden, die ich ja auch sehr mag, entgegen geschleudert, und das emfand ich als ein sehr intelligentes Statement zur Subjektivität.

    Weil es auch andere Formen gesellschaftlicher Wirklichkeit einbezieht, z.B. Lohnarbeit, jetzt doppel ich mich. Und im Grunde genommen dem Plakatmaler in bestimmten Hinsichten recht gibt. Und ich bin ja manchmal auch sowas wie’n Plakatmaler ;-) ….

  7. Oops, da lief jetzt was parallel …

  8. So what´s the real problem ?

  9. Kid, ja, tell it. What`s the real problem? Scheinst es ja zu wissen.

  10. Das Pferd wird hier von hinten aufgezäumt.
    Wir haben bereits Lehrende die uns mit 3-Akt-Dramaturgie und ökonomischer Realität konfrontieren, die Frage ist eher, wo gibts denn in Zukunft noch was anderes, zumal an einer Kunsthochschule ? Es wird eine Berufungsentscheidung und ihre politischen Auswirkungen kritisiert und nicht Einzelpersonen ( ein sicherlich nicht ganz aufzulösender Widerspruch, was aber in einer öffentlichen Institution möglich sein muss).
    Deutschland hat soviele Filmhochschulen, warum muss eigentlich der einzige grössere Fílmbereich an einer Kunsthochschule auch noch zu einer werden ?
    Die Argumentation hier trieft irgendwie von persönlichem sich angegriffen fühlen,
    schade eigentlich.
    Idealismus-bashing eines ehemaligen Philosophen und jetzigen “Plakatmalers” ?
    Der Frust ist ja zu verstehen, aber ob das nicht am falschen Ende ausgelebt wird ?
    Wirklich lachen musste ich ob der Verweigerung der Kenntnisnahme von RTL2, Salonmalerei und Jung in Hollywood, die hier vorgeworfen wird.
    Meine Güte, wie um alles in der Welt soll man das denn nicht zur Kenntnis nehmen ?
    Irgendwie ist das doch sehr abstrus !
    Als wären Guido Knopp und die 3-Akt-Dramaturgie
    irgendein Geheimwissen, hahaha.
    Da du Adorno zu mögen scheinst, wie wärs mal mit “Filmtransparente” von ihm, sehr lesenswert !
    Nichts für ungut.
    Kommando Kurt Kren

  11. Interessant.
    Richtet sich das jetzt an momorules oder an mich?

    Also, ich stelle mir ja eher Deine Eingangsfrage, wie oben ersichtlich ist.

  12. @Kid Kommando Kurt Kren:

    “Filmtransparente” kenne ich schon, ist ja einer der Schlüssel, das “Kulturindustrie”-Kapitel gegen den Strich zu lesen, und ich fordere auch das Recht ein, mich persönlich angegriffen fühlen zu dürfen. Sozusagen stellvertretend auch für jene, die da nun berufen wurden - und natürlich aufgrund des Frustes eines ehemaligen Philosophen, der jetzt “Plakatmaler” ist , na, nicht nur das, aber auch das - also so what?

    Was ist denn daran schade?

    Jetzt exklusiv Frust-Rechte für Studenten einzufordern, das ist ja auch ein wenig billig - zudem die Verhöhnung des Frustes der Anderen für mich nun auch nicht gerade den Kern kritischer Gesellschaftstheorie oder eines künstlerischen Schaffens ausmacht, das nicht in der Selbstreferenz studentischer Lebensentwürfe verbleiben will.

    Nur was dieses beides ausmachen könnte, das wird in dem Pamphlet da bei Thing, wo ich ja gerne lese, nun gerade nicht ausgeführt, das fand ich ja so frustrierend, als ich den Text las. Der war irgendwie zu onanistisch, dann doch lieber auch mal Sex, und gerne mal schmutzig. Mir kam das vor wie das Negativ zum Positiv all dieser neoliberalen Saucen, und ich bezweifel, das das der richtige Weg ist, weil’s notwendig bezogen bleibt. Wer “Autor!” schreit, hat doch auch nur den Unternehmer im Kopf.

    “Als wären Guido Knopp und die 3-Akt-Dramaturgie
    irgendein Geheimwissen, hahaha.”

    Nein, die sind kein Geheimwissen, obgleich die institutionellen Regeln und Diskurse, die dieses hervorbringen, als das ja gerade zu Kritisierende schon auch Thema in einem künstlerischen Studiengang sein müssen.

    Wie und wo da in der Kritik man sinnvoll ansetzen kann, das habe ich im verlinkten Text einfach nicht gefunden. Das wäre ja viel interessanter gewesen, sich z.B. zu fragen, was z.B. “Tour de France” eigentlich für ein seltsames Sujet ist.

    Zudem ich schon behaupten würde, daß man Knopp oder RTL 2 nicht sinnvoll angreifen kann, wenn man sich nur die Produkte anguckt.

    “Wir haben bereits Lehrende die uns mit 3-Akt-Dramaturgie und ökonomischer Realität konfrontieren, die Frage ist eher, wo gibts denn in Zukunft noch was anderes, zumal an einer Kunsthochschule ?”

    Ja, was denn? Finde ja auch, daß es da mehr geben muß, viel mehr, und da ist “Die Möwe” schon mal ein guter Anfang, ziemlich zeitgemäß, die Überschrift ist mir nicht einfach nur rausgerutscht - was mich ja so frappierte, war, daß in dem verlinkten Lamento genau diese Frage, die Du stellst, nicht wirklich gestellt wurde.

  13. Na, verhöhnen ist doch noch mal was anderes, oder ?
    Die Stichwörter waren ja schon geliefert und Frust ist natürlich für alle da, er wurde hier ja auch eher nüchtern konstatiert.
    Beim Thema Onanie wiederum sind gewisse Defizite durchs “Schnellschiessen” auch den Verfassern durchaus schmerzlich bewusst (Aua, ja z.B. die “Unbegrifflichkeit” als alleiniges Erkennungsmerkmal für Kunst).
    Es ist trotzdem immer die Frage nach den halbleeren oder halbvollen Gläsern und persönliche Involviertheit scheint in obigem Artikel eher auf halbleer zu plädieren, das fand ich schade.
    Die Frage von mir, die du zitierst, schwingt u.a. durch
    die Forderung nach Alternativen zu herkömmlichen Filmhochschulen im “Pamphlet”, schon sehr stark mit, wie ich meine.
    “Die Möwe” ? Ja, als Prinzip auf jeden Fall sehr interessant und alles andere als von der Hand zu weisen, auch wenn ich das mit dem “schon mal ein guter Anfang” im Satzkontext nicht ganz verstehe.
    “Die Möwe” als die neue Strategie für Kunststudenten und nicht nur für die, oder wie ?

  14. “Es ist trotzdem immer die Frage nach den halbleeren oder halbvollen Gläsern und persönliche Involviertheit scheint in obigem Artikel eher auf halbleer zu plädieren, das fand ich schade.”

    Okay, vollauf akzeptiert. Haben mir ja auch meine Kommentatoren hier gleich in’s Blog geschrieben.

    “Die Möwe” ist insofern nur ein Anfang, weil sie ja nur ein Beispiel von vielen ist.

    Und weil sie zwar zeitlos ist, aber bestimmte Diskussionen aus der frühen ästhetischen Moderne vergegenwärtigt, die Ansätze zu einer Kritik genau dessen bieten, was euch an Fernsehästhetik und diesem ganzen pseudo-hollywoodesken Filmhochschul- und Zweitausendeins-Reader-Wissen nervt.

    Und das ja so dermaßen virtuos, daß ich sowas gerade für den Dokumentarfilm ungleich interessanter finde als 70er-Jahre-Autoren-Filme oder das bloße Beschwören adornitischer Brüche.

    Zudem genau der Konflikt zwischen “reiner Kunst” und “Auftragsarbeit” da ja diskutiert sich findet mit herrlicher Ironie, die aber eben nicht jene der Postmoderne-Light-Versionen der 80er Jahre ist. Und weil es eigentlich noch gar nicht bezogen sein kann auf all die Entwicklungen, die mit dem Film und später Fernsehen dann einsetzten und somit auch ganz andere Denk-Räume schafft, als wenn man jetzt unmittelbar auf Knopp losgeht.

    Und bezogen habe ich mich ja auf den Text, weil ich die Stoßrichtung der Kritik voll und ganz verstehe, mir aber die vorgestellte Auflösung dann zu sloganesk für eine Kunsthochschule erschien.

    “Die Möwe” ist dann einfach eine von vielen Möglichkeiten, sich dem Thema anders anzunähern und den künstlerischen Raum gleich mit zu thematisieren - auch und gerade, weil’s eben das Interdisziplinäre, Verspielte dann gleich mit einholt, daß ja die HfbK als Potenzial verstanden eigentlich mit sich bringt und zentrale Aspekte dessen, was euch da überrollt, auf hohem Niveau thematisiert.

    Was mir an diesem Blog so einen Spaß macht, das ist neben dem politischen Input vom Che und der soziologischen Kontextualisierung vom Lars, daß mit T. Abert auch ein bildender Künstler mitmacht, der noch sehr beharrlich an den Fragenstellungen von Newman und anderen Abstrakten festhält. Und wir regen und dann immer gemeinsam über die Leipziger Schule und solche auf.

    Und dann landet man, bezogen auf meine alltägliche Berufspraxis, annähernd notwendig bei Tschechow aus einer solchen Diskussion heraus.

    Und solche Orte aufzusuchen erscheint mir immer als eine viel elegantere Protestform als der in anderen Kontexten ja ebenso wichtige Spruch auf dem Transparent. Und das fehlte mir halt, da in dem Text drüben. Daß man diese Räume auch konkreter einfordert und vor allem selbst durchspielt.

  15. Auch auf die Gefahr hin, wieder einmal hoffnungslos naiv zu wirken, und wieder einmal in’s Fettnäpfchen zu treten: Aus meiner Sicht ist der Konflikt zwischen “reiner Kunst” und “Auftragsarbeit” ein imaginärer Konflikt, da die “reine Kunst” allenfalls als platonische Idee existiert - ich behaupte mal, jedes reale Kunstwerk ist zweckbestimmt. (Selbst im seltenen Falle “l´art pour l´art” gibt es immerhin noch z. B. psychologische Motivationen des Künstlers.) Aber eigentlich wollte ich gar nicht so abstrakt werden.

    Ich sehe den Dokumentarfilm als das filmische Gegenstück zur Industriearchitektur - weshalb ich mit momorulez darin übereinstimme, Sönke Worthmann für einen elend schlechten Dokumentarfilmer zu halten - sein “Sommermärchen” ist IMO das filmische Gegenstück zur einer mit bemaltem Stuck überladenen Gründerzeit-Fabrikhalle, die vergeblch so tat, als sei sie eine Kathedrale (in der dann in 12-Stunden-Schichten malocht wurde) , die aber schlecht belüftet ist, zuwenig Tageslicht einläßt und unzweckmäßig aufgeteilt ist.

    Wobei ich andereseits nicht glaube, dass ein Industriebau zwangsläufig in einem “sachlichen” Stil erbaut werden muss, um als gelungen zu gelten - sprich: das ein Dokumentarfilm auf jedes “unterhaltsame” Element verzichten sollte. Anderseits gibt es den “autonomen Künstler” selbst in grober Annäherung in der Industriearchitektur einfach nicht. (Wenn er denn überhaupt mehr als eine platonische Idee ist.)

    Ich würde die Unterscheidung eher zwischen eine “primären” und eine “sekundären” Motivation sehen: Auf der einen Seite Dokumentarfilmer, denen es vor allem darauf ankommt, zu informieren - meinethalben auch zu belehren - und die sich für die Sache, die sie da verfilmen, auch wirklich interessieren - und jene, die “sekundär” motiviert sind - “sekundäre Motivation” meint jetzt nicht Bezahlung - fehlendes Geld wirkt sehr demotivierend - sondern eine opportunistische Mentalität, mit der man allenfalls Werbefilme machen sollte. Oder aber Filme, die wie “Sommermärchen” in erster Linie von der Eitelkeit des Filmemachers motiviert zu sein scheinen - und die “ankommen”, weil sie der Eitelkeit des Publikums schmeicheln.

  16. “- die “reine Kunst” allenfalls als platonische Idee existiert - ich behaupte mal, jedes reale Kunstwerk ist zweckbestimmt. (Selbst im seltenen Falle “l´art pour l´art” gibt es immerhin noch z. B. psychologische Motivationen des Künstlers.) Aber eigentlich wollte ich gar nicht so abstrakt werden.”

    Oh Martin!
    Du widersprichst mir schon wieder bei dem Thema. Und ich hab noch nich mal was gesagt.
    Die psychologische Motivation krieg ich auch noch weg. Warte nur. Das brauchen wir alles nicht mehr, wir haben Handundfuss. Ha!

    Doof, dass ich keine Zeit habe. Ist ja endlich mal wieder was wichtiges.

    Ich wollte eigentlich auch noch mal die “ungetrübte Subjektivität” diskutieren, die ich nach momorules vertrete, aber die hab ich in den objektiven Umständen vergessen. Naja, also ungetrübt ist die Subjektivität ja nicht, das ist ja nicht möglich. Weil unmöglich, ist sie mir so wichtig.- Ein Näherungsvorgang. Wir wissen ja gar nicht, was das ist, und wo sie ist.

    Da würde mich der Kren, nach dem sich das Kommando nennt, ziemlich interessieren, weil ich zB mit dieser Otto-Mühl-Connection meine Mühe habe.
    Auch mit Brus. DAs ist ja jedenfalls nicht meine ungetrübte Subjektivität.

  17. Ich kann heute auch nicht mehr, aber morgen mehr dazu …

  18. Mit der Otto-Muehl-Connection habe ich auch so meine Mühe - allerdings fernab allen kulturellen Schaffens. (Ich meine damit die AAO und den direkten und indirekten Einfluss, den sie auf “Projekte zur Entwicklung alternativer Gesellschaftsformen” wie dem ZEGG oder Tamera hatte.)

  19. @Martin:

    Das ist noch nicht mal die Frage nach zweckfrei oder auch nicht - das ist schlicht die Frage, ob die Tatsache, daß man einen Auftraggeber hat, in das Werk sozusagen hineinwirkt und somit auch in das, was man damit sagen/zeigen will oder auch nicht.

    Van Gogh ohne die finanzielle Unterstützung des Bruders geht halt nicht. Auch Leute wie Daniel Richter haben ja jahrelang in irgendwelchen Grusel-Jobs ausgeharrt, um eben ihren Weg zu finden, Grafitti malerisch zuende denken oderwasweißich man ihm da auch zuschreiben will. Daß er dann auf dem Kunstmarkt erst danach so einschlug, ob das nun Zufall ist oder nicht, oder ob’s eben gerade die Wucht der ästhetischen “Aussage” (die immer auch ein Sich-dieser-entziehen sein kann), welche Rolle da Galeristen spielten usw., das ist dann die in der Tat spannende Frage.

    Tschechow hingegen hat angefangen, in streng limierten Zeilenumfängen für Witz- und Satirezeitschriften zu schreiben und hat damit seine ganze Familie ernährt und erst relativ spät mit “Die Steppe” zunächst in seinem
    erzählerischen Werk einen anderen Akzent gesetzt.

    Und die verlinkten Studenten wehren sich ja zu recht dagegen, daß Schwerpunkt ihrer Ausbildung bereits die Orienierung an dem, was marktfähig ist, sein soll, und daß das dann die künstlerischen Möglichkeiten einschränkt, und das heißt auch den Bereich des Sag- und Zeigbaren (oder auch nicht). Und glaub’s mir, da weiß ich wirklich, wovon ich rede ;-)

    “Sommermärchen”, in der Tat der schlechteste Dokumentarfilm der bundesrepublikanischen Filmgeschichte, was haben wir uns geärgert!!!, solche Möglichkeiten, solch ein Material, und dann so ein Film, eine Frechheit, da hätten meine Volontaire aber weit mehr draus gemacht! Funktioniert hat der aber wegen der Schlüssellochperspektive. Und natürlich, weil alle sich noch mal Party.-Nation mit ach so netten Spielern sehen wollten, da stimmt dann das mit der Eitelkeit.

    Aber der Vergleich mit der Architektur hinkt aus drei Gründen - versteht man ihn nicht als Metapher, was Du ja tust -: Geht nicht-funktionale Industriearchitektur? Eine selbstreferentieller, nur auf de eigene Materialität bezogener Dokumentarfilm hingegen ist durchaus vorstellbar, z.B.

    Industriearchitektur konstruiert auch nich im selben Sinne Realität wie Film und verweist auch nicht auf etwas, das ihr äußerlich wäre im selben Sinne, wie dass bei einem Abbild-Sein vorgebenden Medium ist. Industriearchitektur verweist schon auch auf Menschenbilder, Machtstrukturen, Produktionsweisen usw., der Dokumentarfilm stellt jedoch genau diese dar.

    Und, dritter Grund: Dokumentarfilm ist halt an der Schnittstelle zwischen Journalismus und künstlerischer Praxis angesiedelt, kann man sich bipolar vorstellen, dieses Verhältnis. Das ist ja das Spannende an ihm: Daß er Diskurstypen vermengt und auf viel mehr Sinn-Ebenen gleichzeitig funktioniert als z.B. die klassische, bildende Kunst. Und am wichtigsten ist eh der Ton. Diskursives fließt aber in Industriearchitektur noch viel mittelbarer ein als in den Dokumentarfilm.

    @T. Albert:

    “Ich wollte eigentlich auch noch mal die “ungetrübte Subjektivität” diskutieren, die ich nach momorules vertrete”

    Wann habe ich Dir das denn unterstellt? Weiter oben?

  20. http://www.nadir.org/nadir/periodika/jungle_world/_98/27/28b.htm

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