Archiv für August 2008
PI: Huckepack-Bloggen
Kaum schwappt die Hooligan-Rauferei Abseits des Spiels Altona 93 gegen den FC Chemnitz vom vergangenen Sonntag in den Mainstream (Spiegel Online), greifen sich die selbsternannten politisch inkorrekten die Gelegenheit für einen frustrierten und höhnischen Rundumschlag.
wo keine Rechten sind, muss man sie sich backen. 240 Schläger der roten Antifa-SA griffen in Hamburg friedliche Fußballfans aus Chemnitz, das die Mauermörder “Karl-Marx-Stadt” nannten (Foto) an und machten Jagd auf Familienväter und Kinder. Chemnitzer Bürger sind zum Totschlag freigegeben, nachdem sie von den Linkskriminellen zu “Rechten” erklärt wurden.
Das ist putzig. Ich wette mindestens 50%* der Chemnitzer Fans werden lieber Nazi-Hools genannt als derart als “friedlich” verarscht zu werden. (*Mehrere Zeugenberichte sprechen von 200 der ca. 400 Chemnitzer-Fans, die das Stadion an der Hoheluft vor dem Spiel verlassen haben – sicher um nachzuschauen, was sich vor der Hohen Luft so an “Antifa” versammelt hat).
In ihrer Argumentation folgen Autor und Kommentatoren dann auch der Nebeltaktik rechter Gruppen, ignorieren das Vorhandensein von anti-demokratischen Strukturen noch, wenn sie auf das Gegenteil verlinken, wie einen Bericht über das Fanprojekt Chemnitz. Hier findet man deutliche Hinweise auf Chemnitzer Nazis, auch wenn man sich natürlich bemüht, dies ein wenig, nun, zu vergangenheitlichen:
In ganz Deutschland ist bekannt, wofür die Chemnitzer Gruppierung „HOONARA“ steht, die besonders in den neunziger Jahren aktiv war.
weiter heisst es:
Es hat sich 2004 eine neue Gruppierung, die „New Society“, gegründet, die ursprünglich als Nachwuchsgruppierung der Ultras Chemnitz gedacht war. Schnell war aber deren eindeutige politische und „erlebnisorientierte“ Orientierung klar, was auch bei dem Spiel gegen St. Pauli am 1. April 2006 deutlich wurde. Wieder ist Chemnitz wochenlang deutschlandweit äußerst negativ in den Schlagzeilen gewesen. Die rechten Symbole die einige der Mitgereisten damals hochgehalten haben und einige der Gesänge sind nun mal nicht wegzureden.
Ganz ehrlich – bis dahin hatte ich die Situation und Entwicklung unterschätzt. In Chemnitz ist die Gruppe der Jugendlichen mit rechtem Gedankengut sehr hoch, das geht natürlich an der Gesamtstruktur der Fanszene nicht vorbei.
Aber darum geht es PI gar nicht. Sie machen lieber den Rechten online Konkurrenz. Reden sich in Rage über die linksgesteuerte Presse, schmeißen fröhlich Muslime, Paulianer, Antifaschisten und Nazis in einen Topf, dass es eine Freude ist. Zitieren dabei den Spiegel-Artikel in einem Ausmaß, dass bestimmt nicht durch das Zitatrecht gedeckt ist. Bin da mal gespannt, wie man bei Spon reagiert.
Die Doppelmoral des Westens
Im Augenblick ist überall zu hören, dass das scharfe Vorgehen Russlands völkerrechtswidrig und überhaupt nicht zu akzeptieren sei, und ganz besonders Frau Merkel lehnt sich dabei weit aus dem Fenster. Aber was ist eigentlich geschehen? Vor etwa 20 Jahren hatte Georgien sich mit Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker aus der Sowjetunion verabschiedet. Die nicht-georgischen Minderheiten im Land, besonders die Süd-Osseten, Abchasen und Russen wurden seither benachteiligt, so wurden etwa um 2000 massenhaft Russen in Georgien aus ihren Jobs entlassen, um Stellen für arbeitslose Georgier zu schaffen. Das Programm der NPD “deutsche Arbeit für Deutsche”, in Georgien ist Vergleichbares praktizierte Politik. Nachdem Georgien bislang 9 Kriege gegen seine nationalen Minderheiten geführt hat, griff bei den letzten Massakern der georgischen Armee an Südosseten Russland ein und erkannte in der Folge die Unabhängigkeitserklärungen von Süd-Ossetien und Abchasien an, die demselben Selbstbestimmungsrecht der Völker folgen wie die seinerzeitige Unabhängigkeitserklärung Georgiens. Das wird nun etwa von Bush und Merkel als Bruch des Völkerrechts betrachtet, da die territoriale Integrität Georgiens nicht angegriffen werden dürfe. Ach ja? Die Menschenrechte der Nicht-Georgier im bisherigen Georgien interessieren wohl ebensowenig wie die frühere territoriale Integrität Jugoslawiens, für die zur Durchsetzung der Selbstbestimmung der Kosovaren die NATO weit größere Zerstörungen durchgeführt hat als die russischen Streitkräfte jetzt.
Lügt das Wall Street Journal?
In der aktuellen Ausgabe der Wirtschaftswoche wird auf einen Artikel im Wall Street Journal Bezug genommen, demzufolge die Analyse des russischen Truppenaufmarschs gegen Georgien ergäbe, dass die russische Armee mangelhaft gerüstet sei. Die noch in den 1970ern gefertigten T72-Panzer, die dort bisher zum Einsatz gekommen sind, verfügten über keinerlei Schutzvorrichtung gegen moderne Panzerabwehrraketen.
Daher sei davon auszugehen, dass demnächst Milliardenbeträge zur Verstärkung der Panzerungen ausgegeben würden, die hinsichtlich der zivilen Wirtschaftsentwicklung in Russland fehlen würden und deshalb negative Auswirkungen auf die russische Konjunktur erwarten ließen.
Nun besitzen einerseits die T72-Panzer hochfeste sog. Cobham-Panzerungen aus Mehrschichtmaterial, die seit den 1970ern nachgerüstet wurden, andererseits sah ich auf den Fernsehbildern zu besagtem Konflikt vor allem hochmoderne T80 und T90-Panzer, die vor Reaktivpanzerungen (externe Sprengladungen, die aufprallende Geschosse durch entgegengesetzte Explosionen neutralisieren) strotzen. Solche Panzer sind nur noch mit schwerer Artillerie oder speziellen Kampfhubschraubern oder Jagdbombern zu bekämpfen.
Die für jeden sichtbaren Fernsehbilder stehen also in völligem Gegensatz zur Aussage des Wall Street Journal, einer an und für sich hochseriösen Zeitschrift. Was hat das zu sagen? Peinlicher Redaktionsfehler oder bewusste Meinungsmache, wenn ja, zu welchem Zweck?
In nuce: DGB=Mindestlohn=Hitler=DAF, oder wie der Schwachsinn sonst geht
Mal zur Klarstellung für einige liberale und rechte Geschichtsphantasten.
Die deutschen Gewerkschaften wurden am 2. Mai 1933 von den Nazis gewaltsam zerstört, was der Logik der Nazis nur entsprach. Es spricht für die Gewerkschaften. Dafür wurde die DAF gegründet.
Hier steht das Nötige.
Quelle: http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/organisationen/daf/index.html
Deutsche Arbeitsfront (DAF)
Wenige Tage nach der Zerschlagung der Gewerkschaften wurde am 10. Mai 1933 die Deutsche Arbeitsfront (DAF) gegründet. Durch die “freiwillige, aber erwünschte” Einheitsmitgliedschaft und die von ihr organisierten Aktivitäten ermöglichte es die DAF dem NS-Regime, die arbeitende Bevölkerung sowohl im Beruf als auch in der Freizeit zu kontrollieren und zu indoktrinieren.
Die DAF sollte als neue einheitliche Organisation “durch Bildung einer wirklichen Volks- und Leistungsgemeinschaft, die dem Klassenkampfgedanken abgeschworen hat” die Interessen “aller schaffenden Deutschen” wahrnehmen. Diese Zwangsgemeinschaft von Arbeitnehmern und Arbeitgebern war mit 25 Millionen Mitgliedern im Jahr 1942 die größte Massenorganisation im Deutschen Reich. Ihr Reichsleiter Robert Ley versuchte mit einer Bürokratie von 44.000 hauptamtlichen und 1,3 Millionen ehrenamtlichen Mitarbeitern in nahezu alle Bereiche der nationalsozialistischen Wirtschafts- und Sozialpolitik einzudringen.
Die DAF war rechtlich ein der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) angeschlossener Verband, der gemäß dem Führerprinzip in Bezirke, Gaue, Kreise, Ortsgruppen, Betriebs-Gemeinschaften, Zellen und Blöcke hierarchisiert war. Unterhalb der Reichsleitung der DAF waren zehn Ämter für die unterschiedlichsten sozialpolitischen Belange und Aufgaben eingerichtet. Mit diesen Behörden gelang es der DAF, ihre Kompetenzforderungen zu untermauern, indem sie staatliche Behörden und Unternehmensleitungen mit ihren Maßstäben unter Druck setzte. In diesem Sinne handelte auch das “Amt für Berufserziehung und Betriebsführung”, das die Tätigkeit des Deutschen Instituts für technische Arbeitsschulung fortsetzte und eng mit dem Arbeitswissenschaftlichen Institut der DAF zusammenarbeitete. Daneben gab es das “Amt für soziale Selbstverantwortung”, das den Leistungskampf der deutschen Betriebe durchführte und damit an der Kürung von nationalsozialistischen Musterbetrieben beteiligt war. Es organisierte außerdem den Reichsberufswettbewerb. Das “Amt für Schönheit der Arbeit” hatte dafür zu sorgen, daß die Arbeitsstätten pfleglich behandelt wurden und sozialhygienisch einwandfrei blieben.
Mit ihren Aktivitäten unterstützte die DAF den Gedanken der Volksgemeinschaft, wobei sie insbesondere auf die Integration der Arbeiterschaft abzielte. So sollte die Einführung von Werkpausenkonzerten den Arbeitern das Gefühl vermitteln, daß sie kein kulturelles Schattendasein führten. Die im November 1933 gegründete DAF-Organisation Kraft durch Freude (KdF) organisierte Freizeitaktivitäten und erreichte damit, daß der Zugang zu bisher bürgerlichen Privilegien wie dem Luxus des Reisens nun auch für Arbeiter erschwinglich wurde. Selbst die Anschaffung eines Autos rückte durch das Projekt des mit Anleihen finanzierten Volkswagens (VW), des sogenannten KdF-Wagens, in den Bereich des Möglichen. Auf den zum 1. Mai, dem “Tag der nationalen Arbeit”, stattfindenden Massenveranstaltungen wirkte die DAF bei der propagandistischen Selbstdarstellung des Regimes als “volksgemeinschaftlicher Arbeiterstaat” mit.
Unbedeutend blieb die Rolle der DAF in Tarif- und Arbeitsvertragsfragen. Sie hatte nur beratende Funktion; die Tarifautonomie der Arbeitnehmer und Arbeitgeber war mit dem am 19. April 1933 erlassenen Gesetz über die Einsetzung von Treuhändern der Arbeit durch staatliche Zwangsregelung ersetzt worden.
Die DAF finanzierte sich mit dem beschlagnahmten Vermögen der Gewerkschaften, mit den vom Lohn abgezogenen Zwangsbeiträgen, die 1939 etwa 539 Millionen Reichsmark betrugen, und mit Gewinnen aus Wirtschaftsunternehmen, die der DAF gehörten oder an denen sie beteiligt war. Dazu gehörten Wohnungsbau- und Siedlungsgesellschaften, Bauunternehmen, Versicherungsgesellschaften, Banken, Verlags- und Druckereiunternehmen, Werften und das VW-Automobilwerk in Wolfsburg. Außerdem gehörte dazu das Gemeinschaftswerk der DAF, in dem 1939 rund 500 gewerbliche Betriebe aller Art und circa 14.000 Verkaufsstellen der früheren Konsumvereine zu einer Verkaufsorganisation zusammengeschlossen waren. Dies machte die DAF zu einem wichtigen Faktor des deutschen Wirtschaftslebens, der wesentlich bei der Umstellung der deutschen Wirtschaft auf die Kriegsproduktion im Rahmen des Vierjahresplans half.
(kw)
Whole Lotta Love: I’m a man
Na, dann setze ich doch mal meinen Grundkurs in “den anderen Revolutionen” für meinen autonomen Mitblogger fort
:
Ulf Poschardt, DJCulture, Reinbek bei Hamburg 1997, S. 112
Achtung, der Sound bei der zweiten Verlinkung ist äußerst grenzwertig, aber man bekommt eine Ahnung, wenn man in diese längst vergangenen Pionier-Zeiten hinein hört …
Man soll ja …
… nicht zu Themen bloggen, von denen man so gar keine Ahnung hat.
Bei anderen Themen habe ich ja zumeist wenigstens welche in homöopathischen Dosen (bevor jemand rumhöhnt: IN HOMÖOPATHISCHEN DOSEN!) - bei allem rund um den “Kaukasus-Krieg” habe ich bisher jedoch lieber die Klappe gehalten, eher vermutend denn wissend, daß da keine Seite irgendwelche besonderen Sympathien verdient hat – wobei ich mit “Seite” kein einziges der Opfer meine, denen Emphatie bei Kriegshandlungen grundsätzlich gilt, sondern die politisch Agierenden.
Nun gibt es ja die These von Foucault, Politik sei die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln, und in diesem Fall scheint sich das ja zu bewahrheiten.
Der Grund des Eintrages knüpft da eher an: Eine ganz ehrlich gemeinte Frage! Hat Genscher das damals im Falle Sloweniens und Kroatiens nicht auch gemacht, also die Anerkennung derer als unabhängige Staaten zu einem Zeitpunkt, als das völkerrechtlich alles andere als unumstritten war?
Eben in Planten & Bloomen
Gehe eben durch Planten&Bloomen, vorbei am Untersuchungsgefängnis und den frisch gemähten Rasenflächen, die zu dieser Tageszeit von lesenden Studenten, knutschenden Pärchen und kiffenden Alkis frequentiert werden. Eine bunte Mischung an Menschen, die nur ein Umstand eint: sie arbeiten nicht an diesem Nachmittag, zumindest nicht im Büro.
Drei junge Männer fallen mir auf, die an einer Brüstung rumhängen und erstaunlich streng in die Gegen blicken. Einer der Männer springt über die Brüstung, rollt sich ab, springt wieder hoch und vollendet dieses dynamische Manöver mit einem Schlusssprung, der brasilianischer Selbstverteidigung ähnelt. Der zweite jumpt hinterher und rollt sich zu dem anderen.
Der dritte zögert.
»Ej, bist Du schwul?”, ruft der größte der drei.
»Nee, natürlich nicht«, rechtfertigt der Zaudernde, springt dann den anderen hinterher.
Im Springen setzt er noch eins drauf, ballt die Faust und ruft ein wenig zu laut: »Ich bin eher homophob«.
So ein Weichei.
