shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Archiv für September 7th, 2008

Was heißt hier eigentlich politisch unkorrekt?

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Da, wo ich herkomme, wird es als politisch unkorrekt angesehen, wenn jemand mit antisemitischen Ressentiments agiert, als politisch unkorrekt gelten auch Künstler wie Ice T. oder Wiglaf Droste (von einem alten Freund von mir zeitweise Wichsaff Kotze genannt), also Leute, denen besonders heftiger Sexismus nachgesagt wird. Das Blog PI würde ich hingegen nicht als politisch unkorrekt, sondern als faschistoid und tendeziell rassistisch bezeichnen. Hierbei kann ich die Grundannahme der PIler, der Konsens in der bundesdeutschen Medienlandschaft sei links bzw. linksliberal und einseitig muslimfreundlich “politisch korrekt” aber auch überhaupt nicht nachvollziehen. Wenn es denn in der BRD einen politischen Mainstream in der Medienlandschaft gibt, so ist dieser seit den frühen 1990ern wirtschaftsliberal und arbeitnehmerfeindlich. Es gab in den 1990ern bei den öffentlich-rechtlichen Sendern und den großen Tageszeitungen gewisse Rücksichtnahmen in der Tonalität bei Themen, die mit Migranten und Flüchtlingen zu tun haben, dafür gibt es aber auch einen guten Grund. Ich kann mich gut daran erinnern, wie nach Hoyerswerda und Hünxe die Fernsehsender (ich machte damals ein Praktikum beim HR) darum wetteiferten, wer am dramatischsten vom heißesten Pogrom berichtet. In diesem Zusammenhang hatte damals ein Fernsehteam Skinheads dafür bezahlt, ein Flüchtlingswohnheim anzuzünden, um das filmen zu können. Die Reaktion beim HR war damals die, über solche Themen überhaupt nur dann zu berichten, wenn es verwertbare Täterbeschreibungen gibt, und ansonsten vor allem positiv besetzte Ausländerthemen zu bringen, über interkulturelle Projekte, Antifaaktivitäten usw. zu berichten, die sensationshaschende Berichterstattung über rassistische Ausschreitungen aber zu unterbinden. Ich fand das damals richtig und schrieb das auch einem Freund nach England, der mir antwortete: “Che, fühle Dich getreten! Den Deutschen gehört ihr Rassismus um die Ohren gehauen. Danach können dann meinetwegen auch ausländerfreundliche Berichte kommen.” Mehr und mehr habe ich mich im Lauf der Jahre diesem Standpunkt angenähert, muss allerdings auch sagen, dass sich die Rücksichtnahme in Hinsicht Migrantenthemen allmählich verflüchtigt hat, auch wenn Wortschöpfungen wie “Migrationshintergrund” politisch korrekter klingen mögen als “Ausländer”. Bezeichnend ist, dass bei Straftaten, die von Nichtdeutschen begangen werden, immer auf deren Nationalität hingewiesen wird. Begeht ein Deutscher eine Straftat, wird hingegen in kaum einer Funk-oder Zeitungsmeldung gesagt “Der Täter ist Deutscher”. Diese Unterscheidung in der Berichterstattung würde ich nicht politisch korrekt, sondern latent rassistisch nennen. Und insofern sind Leute, die für sich in Anspruch nehmen, gegen den Stachel der political correctness zu löcken aus meiner sicht auch nur Verstärker des gesellschaftlichen Mainstreams.

Aber vielleicht ist die Sichtweise der politisch inkorrekten ja bereits Bestandteil der “Umwertung aller Werte” (A.Hitler)?

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