Archiv für September 18th, 2008
Traurigkeit und Jugendstil
Eine Freundin, die mit in Riga war (die Fotos sind übrigens von ihr), hat irgendwann bemerkt, dass es im Jugendstil keine glücklichen Gesichter gibt. Ihre Züge wären stets ernst, traurig oder schmerzhaft. Das ach so Dekorative, Florale und Naturnahe hat nicht mehr viel mit Lebensfreude zu tun. Wenn wir über die Linke und Utopien diskutieren, dann sollte man sich schon auch ab und zu vergegenwärtigen, was für Blüten denn die dem modernen Bürgertum innewohnenden Sehnsüchte so alles hervortrieb. Im Kopf habe ich ein Bonmot von Adorno, dass die Frauen im Jugendstil den Charakter des “Frigiden” besäßen, finde es aber gerade nicht. Als utopischen Kern hätte der Jugenstil zumindestens etwas Erschreckendes.
Abseits des Realismus, was wären denn die nicht-linken Utopien, sofern sie nicht ins Faschistische abgleiten? Oder haben wir es Gegenüber mit einem gänzlichen Anti-Utopismus zu tun? Will mir ja nicht ganz einleuchten, weil man ja ansonsten in eine totale Prädestinationslehre kippte oder zumindest das “Ende der Geschichte” proklamierte. Bei aller Popper’schen Hegelkritik, die Zurückweisung einer Letztbegründung kann ja nicht einfach zu einem “so-und-nie-anders” führen. Das würde mich mal echt interessieren, weil das Bürgertum ja durchaus ästhetische Praktiken kennt, die einen anderen Zustand beschwören.


