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Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

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Für solche Spiele wurde Fussball erfunden!

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„Der Verein vom Hamburger Millerntor, der mit sieben Millionen Mark in der Saison auskommen muss, blieb nach dem 1:0-Sieg gegen Spitzenreiter 1. FC Nürnberg auch das zehnte Spiel in Folge ohne Niederlage. „Wir gehören spielerisch zu den stärksten Mannschaften, haben viel Euphorie und Spaß am Fußball“, freute sich Mittelfeldspieler Markus Lotter, der vor 18.005 Zuschauern am Donnerstag das entscheidende Tor gegen den überraschend schwachen Herbstmeister erzielte.“

Ja, der magische FC St. Pauli. Mußte natürlich die ganzen Tage schon, wenn ich nicht gerade in „Verschwende Deine Jugend“ las, an jenes Spiel zurückdenken – an diesen supercoolen Freistoß von Markus Lotter damals, fast direkt von der Eckfahne, war schließlich mein erstes St. Pauli – Nürnberg-Spiel am Millerntor. Und eines der schönsten … war’s nicht das, wo Patsche mit dem Rücken zur Gegengerade das Publikum zur Welle animierte? Doll war das.

Aber heute auch. Hätte ich die Zeichen da in meinem Hirn, die wirren Assoziationen, richtig gedeutet, dann hätte ich ja ahnen können, daß es heute wieder ein 1:0 gibt. Gegen einen richtigen Gegner diesmal sogar! Die ersten 10, 15 Minuten dachte ich noch: „Oh Mann, wenn das mal gut geht!“, da standen die super, waren zweikampfstärker und richtig gut – aber als unsere Boys in Brown, ja, der Kampfsportverband FC St. Pauli dann aber das Spiel beschleunigte, und wie beschleunigte, also, da ging’s dann rund: Ich sah ständig braune Pfeile über den Platz flitzen, sah immens imposante Solo-Läufe über den halben Platz von Kalla, den alle immer „Schnecke“ nennen, sah einen Trojan, der einfach nicht zu stoppen war und den Gegner zum Eigentor dann zwang, also, hallelujah, das war einfach gigantisch heute.

Da braucht man weder über Regenlieder noch über Voodoo noch über Londoner Trendfrisuren schreib, da passierte nix als Fußball, Höchstspannung, Mann, war das aufregend! Das hätte aber noch richtig schief gehen können in den letzten 15 Minuten, fast nur noch Spiel auf ein Tor, leider unseres,  und als der Herr Gräfe gefühlte 20 Minuten zu lange spielen ließ und der Ball noch an unseren Pfosten ging, nachdem er ein Tor für uns nicht gegeben hatte und einen Elfer nicht gepfiffen und dafür der Hain einmal eher aussah, als sei er samt Ball in’s eigene Tor gesprungen, alles lange vor dem Pfostenschuß, allerdings – da bebte das Millerntor, da waren alle voll da, wundervoll laut war’s, da wirkten Adrenalinschübe in den Spielern, daß denen noch bei der Ehrenrunde so eruptive Jubel-Zappler passierten, da wollte keiner gehen, weil, für solche Spiele wurde Fussball erfunden. Und der heilige Geist, der bei uns unterm Rasen wohnt, das ist jener, der Leidenschaft zum Heiligtum erklärte. Ohne die wäre das Leben ja auch doof.

Geschrieben von momorulez

November 2, 2008 um 20:36

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Die mit dem Zebra tanzen …. jaaaaaaa!

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Na, dann gratuliert mir mal, liebe Leser!

Habe ja neulich die Auswärtsniederlage ganz auf mich genommen, wo war das noch? Hoffenheim war’s nicht, hähähä – doch während Ring 2 durch München irrte auf der Suche nach einer Kneipe, in der das heutige Spiel zu sehen war, habe ich heroisch den Liveticker gemieden! Auch in der 70. habe ich nicht hineingeschaut, nicht in der 80., nein – steige so 19.25 h aus dem Frühabendschlaf-Bett, schalte das Radio ein, höre nur noch irgendwas zu Koblenz, 0:1 oder andersrum.  Haste zum Computer, fahre ihn hoch, denke schon bei der Startseite, St. Pauli-Forum, ist ja klar, „Mönsch, viel los hier, fast Vierstelstunde nach Spielende, entweder war’s ein Total-Debakel, oder, wer weiß? Vielleicht ja doch?????“, bewege mich zu kicker.de, und, und , und: Jaaaaaaaaa. Laute Jubelstürme treiben den Hund unter dem Bett hervor, tatsächlich, nach all den Chören am Freitag, in denen ein „Auswärtssieg!“ gefordert wurde, jaaaa, 2:1 für uns, jaaaaaaaaa.

Das wird aber für ordentlich schlechte Laune in der NDR 2-Sport-Redaktion gesorgt haben, die konseqeunt soeben lieber unendliche Vorberichte zu den Rothosen brachten, anstatt UNSEREN ersten Auswärtssieg zu feiern!

Einziger Wermutstropfen oder was auch immer man da so trinkt am Niederrhein ist, daß es ausgerechnet bei den Duisburgern war. War immerhin der Verein meines Vaters, der, in Meiderich geboren, noch auf dem Weg zur finalen OP fragte, wie denn sein Verein gespielt habe …. ja, das sind Fans. Da ist man auch 17 Jahre danach noch richtig stolz auf den Erzeuger. Und das keineswegs nur deshalb. Aber auch!

Kann nun aber auch sein, daß es gar nicht an meinem Fernbleiben vom Ticker lag, daß wir da, in der halben Wiege meines Werdens, gewonnen haben. Sondern daran, daß Ring 2 gar nicht durch München irrte, sondern flugs irgendein charmantes Lokal im Glockenbachviertel oder unweit des Gärtner-Platzes fand, wie hieß noch der Fassbinder-Laden, „Deutsche Eiche“? Sowas halt, und dort fieberte er mit Exil-Duisburgern und Exil-Hamburgern zu dem Kampf unserer Jungs.

Und um das herauszufinden, was nun der wahres Sieggrund war, muß Ring 2 jetzt jedes Mal zum Auswärtspiel nach München fliegen, um es dort zu schauen. Ich bleibe derweil vom Liveticker fern, und wenn wir dann immer gewinnen, dann war’s zumindest einer von uns beiden ;-) – was zwar die Ausgangsfrage nicht klärt, aber wenn jetzt auch nur nur einer von uns das Ritual ändert, dann ist das Risiko, doch wieder zu verlieren, einfach zu hoch. Also, Ring 2, da mußte jetzt durch!

Geschrieben von momorulez

Oktober 29, 2008 um 20:38

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Die Kritik der Kritik und ihre Anwendung auf’s Fußballspiel

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„Oder ihr Essay „Against Interpretation“. Darin beschwört sie das Eigenleben der Kunst und verdammt die intellektuelle Suche nach „Bedeutungen“. Die Interpretation sei die „Rache des Intellekts an der Kunst“, denn wer das Kunstwerk auf seinen „Inhalt“ reduziert, der zähmt es. Es ist ein Hohelied auf die „sinnliche Erfahrung“. Es war, in gewissem Sinn, ein Angriff der Kritikerin auf ihr ureigenes Geschäft, der antiintellektuelle Wutausbruch einer Intellektuellen.

Es ist ein alteingesessenes intellektuellenfeindliches Vorurteil, dass das Denken lustfeindlich wäre. Wie falsch das ist, zeigen viele Intellektuellenleben. „Sinnliche Erfahrung“, „sensorische Fähigkeiten“, „Abstumpfung“, „Erotik der Kunst“ – es sind solche Formulierungen des reichen Erlebens, die Sontags „Interpretations“-Essay durchziehen.

Antagonistisch zum kritischen Räsonieren muss eine solche Sensitivität nicht sein. „Intellektuelles ,Begehren’ wie sexuelles Begehren“, notierte sie in ihr Tagebuch.

Na gut. Als Kunstwerk war das Spiel gestern dezidiert anti-intensiv, aber auch fernab jeglicher Ironie.

Nur ist, was der Fan nach dem Spiel zum Spiel schreibt, für das Spiel eigentlich das, was die Ornithologie für Vögel ist? Ist es falsch, das Spiel auf seinen Inhalt zu reduzieren – okay, gewonnen, 3 Punkte, super, man muß ja nicht immer brillieren – oder gar Bedeutungen in ihm zu suchen? Vor allem, welche fände man dann eigentlich, wenn man sie suchte? Ist „Ich will ein Kind von Dir, Brunne“, dieser wohlverständliche Sehnsuchtsschrei, heute im St. Pauli-Forum niedergeschrieben, ach, könnte ich, würde ich auch wollen, all dieses pseudointellektuelle Rumschwadronieren hier ist ja der pure Gebärneid, Teil der Bedeutung des Spiels?

Na, immerhin ist Fußball ja ein relevantes Thema. Schon wegen dieser Aufrufe gegen Rassismus und Homophobie vor dem Spiel, um das Lieschen Müller aus dem Politbüro unter den Lesern zu befriedigen. Und ich fand die auch richtig gut.

Und die Kategorie der Abstumpfung paßt ebenso auf den Stil des Fußballerns der Wehen-Wiesbandener, also, sowas leidenschaftsloses habe ich ja selten gesehen. Schön war’s trotzdem, als die beiden Wehen-Wiesbadener Mannen nach Matchende sich zu dem kleinen Rolli-Fahrer am Fuße unsers Blogs gesellten, der so vehement 120 Minuten lang die Wehen-Wiesbadener Fan-Flagge inmitten von lauter St. Paulianern geschwenkt hatte, und ihn feierten. Und klar, der eine der beiden hatte sich natürlich ein St. Pauli-Trikot geschnorrt, weil das ja auch viel cooler ist als seines.

Aber das ist ja wahrscheinlich auch schon wieder die Rache des Intellekts an der Fußballkunst, jetzt wie doof im Gedächtnis nach Randanekdötchen zu suchen, weil das Spiel so seltsam langweilig war. Bis zu diesem Doppelschlag von Brunnemann und Boll hatten sich alle wenigstens noch damit unterhalten können, gramvoll sicher zu sein, daß wir uns sowieso in der siebzigsten Minute nach einem Dutzend vergébener Chance das 0:1 vom Tabellenletzten fangen würde. Damit war man als St. Paulianer ja schon die ganze Woche beschäftigt, sich in lustvollem Fatalismus von Smalltalk zu Smalltalk zu begeben und die so anvertraute Leidensmine zu tragen, weil ja die Grundbefindlichkeit des Fanseins abgrundtiefe Enttäuschung ist, hat Hornby das nicht geschrieben?

Und dann wurde man das gar nicht, konnte trotz dieses einen, einzigen Pfostentreffers der Wehen-Wiesbadener sein intellektuelles Begehren ganz auf Björn Brunnemann richten, weil der Rest der Spieler es ja nicht wirklich brachte gestern – okay, Ebbers hat schon super gespielt, hätten die anderen Spieler das zwischendurch mal bemerkt, wie und was der eigentlich gespielt hat, hätten wir 7:0 gewonnen, aber die wollten ja durch plötzliche Vorstöße allesamt selbst brillieren. Na, und Hoilett ist natürlich ein Kleinod ohnegleichen. Was jetzt aber wohl wieder ein komplettes Verkennen des Eigenlebens der Fußballkunst meinerseits ist, hier rumzuinterpretieren. Dabei würde ich doch die Jungs nie zähmen wollen …

Würde ich mich künstlerisch dem Spiel annähern, dann müßte ich jetzt ganz ganz viel schreiben ohne jegliche Pointe, aber mit vielen Anläufen zu solchen, das kann ich gut, um dannn nach zwei Dritteln zwei Hammersätze rauszuhauen, solche, über die man noch in 2 Jahren in der Blogosphäre schreibt, um dann weiter zu labern, bis sich alle wundern, daß der Text plötzlich aufhört.

Aber das so zu sehen, das liegt wieder daran, daß ich die sinnliche Erfahrung der Spieler einfach nicht teile, so als Zuschauer, der überdacht sitzt -  die ganzen blauen Flecken, die man sich abholt, die müder werdenden Beine, dieses Gefühl der von Nieselregen und Schweiß getränkten Trikots auf dem durchtrainierten Körper (alleine schon die sinnliche Erfahrung durchtrainierter Körper ist mir etwas abhanden gekommen), das Horchen auf die gemeinen Sprüche der gegenerischen Spieler… obwohl, mal abgesehen von der 18, wenn die Wehen-Wiesbadener Sprüche so waren, wie die Fußball gespielt haben, dann war das bestimmt in der Hinsicht auch ein ödes Spiel – und ein Kritiker ist ja auch nur gut, wenn der Künstler und sein Werk als Antagonisten ihm wirklich was bieten, nicht wahr?

Ein wenig war das Wehen-Wiesbadener Spiel sogar der antifußballerische Ausbruch von Fußballern, und immerhin habe ich jetzt eine echte Trend-Frisur, hat mein Friseur mir gestern gesagt. Der kam nämlich gerade aus London zurück, und jeder, der da was auf sich hält, hat so eine Frisur wie ich jetzt, was aber nix gegen die von Björn Brunnemann ist, in so einem blondierten Wuschel wühlt man ja eigentlich gerne mal rum, wenn man denn dazu käme. Und auch mein Friseur fragte als nun bestimmt Zehnter in den letzten Wochen, ob ich denn im Paul Weller-Konzert gewesen wäre, und auch ihm habe ich gesagt „Nee, ich war bei Joan Baez, war am gleichen Tag“, und auch der gackerte da überheblich vor lauter Eighties-Distinktionswille, weil er der sinnlichen Erfahrung beim Joan Baez-Konzert nämlich gar nicht gewachsen wäre, jawohl – ja liebe Leser, ist so: Mehr fällt mir zum Spiel gestern tatsächlich nicht mehr ein.

Geschrieben von momorulez

Oktober 25, 2008 um 14:24

Ich bin schuldig!

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Ja, teert und federt mich. Ich hatte mir noch vorgenommen, den Liveticker erst nach Spielende hochzufahren. Und was mache ich Idiot? Viertelstunde vor Spielende tu ich’s doch, es steht 2: 1 für uns – und wie geht’s aus? 3:2 ausgerechnet für Augsburg, den bis dahin Tabellenletzten! Was für eine Scheiße!!!

Und was für absurde Ergebnisse sind das eigentlich? Kann mich an gar kein Zweitliga-Spiel, das jemals 9:0 ausging, erinnern – und das schaffen ausgerechnet die Rostocker, ein Verein, bei dem ich mir alle näheren Bezeichnungen lieber spare? Und Duisburg schafft ein 6:1? Und wir halten noch nicht mal eine Auswährtsführung und fangen uns in der 92. Minute noch den Führungstreffer????????????

Ich habe fertig … wenn jetzt noch der eklige HSV die Tabellenspitze wiedererobert, dann ist erst mal eine Woche Depression angesagt …

Geschrieben von momorulez

Oktober 19, 2008 um 15:01

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Kann einem St.Pauli auf den Geist fallen?

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http://de.youtube.com/watch?v=7ji1vvxhlsA&feature=related

Geschrieben von chezweitausendeins

Oktober 18, 2008 um 18:44

Veröffentlicht in Fussball, Liebe, Links?, Medien, Pop, [kleine Form], about

Hamburger Wetter

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Wenn jemand den Himmel betrachtet und zu mir sagt: „Ich denke, es wird bald regnen, also bin ich“, dann verstehe ich ihn nicht.

Soll Ludwig Wittgenstein gesagt haben, in einer Diskussion in Oxford. Wahrscheinlich verstand er das nicht, weil das ein Tag wie heute in Hamburg war und es schon längst geregnet hat. Was gerade für jene auf der Gegengerade und auf den Stehplätzen in der Nord wohl als fortgesetzt selbstreferentieller Existenzbeweis wirkte: Höchsten Respekt und tiefste Bewunderung für jene, die ihr Fleisch und ihre Knochen da mehr als 2 Stunden in’s konstante Nass stellen. Wo ich schon auf der Haupttribüne mich wegen eines kurzen Fussmarsches anwitzeln lassen mußte, wo ich denn meinen Föhn gelassen hätte.

Und dieser Bengel mit der hübschen Lederjacke am Bierstand, der behauptete, er sei seit 3 Tagen in Hamburg und es habe fortwährend nur geregnet, sich ein „Du lügst!“ im Chor der Bierausschanksbediensteten anhören mußte.

Als wäre nicht selbst auf den Balearen der Oktober der regenreichste Monat, wie ich 1990 erfahren durfte, als ich am 3. Oktober, vor ihm flüchtend, dann ausgrechnet in Arenal (blöde Idee) mich wieder fand, zum Glück mit holländischen Omis am Pool und nicht am „Ballermann“: Sogar Hotels mußten evakuiert werden angesichts der damaligen Jahrhundertgewitter. Sahen aber cool aus, so vom Hotelfenster betrachtet mit ordentlich Brandy im Blut und „Lay all your love on me“ von ABBA im Ohr.

An diese Szenerie dachten dann wohl auch unsere Spieler heute, als sie sich nach dessen magischer Tanzeinlage alle auf Goofy warfen:


Quelle: ring2

Ja, für Mitblogger aus der Region tut das weh kurz vor Ende, so’n 0:5 auswärts ist ja nicht schön, wir kennen das ziemlich gut, aber ausgerechnet gegen Koblenz, kicher, auch noch gleich um die Ecke, hihihi, na, lassen wir das: Also, der Marius Ebbers, der guckt ja immer so, als könne er kein Wässerchen trüben, aber das ist ja doch ‘ne verdammt coole Sau! Wie auch der Matze Hain, der jedes mal „It’s raining man“ im Ohr hatte und davor weg (hält ja kein Mensch mehr aus, das Lied) zum Ball lief und sprang, wenn er ‘ne Glanzparade hinlegte wie andere ‘ne Sohle auf’s schlüpfrige Parkett: Wow!

Daß es ihn dann einmal von hinten in den Mann trieb, okay, das kann schon passieren, wenn man ausgerechnet die „Weather Girls“ – wider Willen! – vor sich hinsummt, die ich ja mindestens schon 22 mal bei irgendwelchen Homo-Events gesehen habe.

Die Melancholie des so wundervollen „Here comes the rain again“ der noch viel wundervolleren Annie Lennox wollte auch nicht so recht aufkommen, eher schon das hymnische Purple von Princes Rain, von dem es ja nix bei Youtube zu gucken gibt, deshalb hier ein ganz hinreißendes Karaoke-Video. Niedlich. Süß.

Il y avait quelques gens, qui avais le chanson de Dalida dans leurs yeux oder so (fuck the richtige Schreibweise, auf Schüleraustausch war das ja auch egal und trotzdem Völkerverständigung) nach dem Spiel, ja, es war spannend, es war toll, es war mitreißend, und ich bin ja heute nur so frankophil, weil es gestern ein ganz wundervolles Jacques Brel-Portrait auf ARTE gab, aber würde ich jetzt noch mehr von dem verlinken, dann würde das wohl die Stimmung verhageln.

Das mit Zeiger der Kirchturmuhr, der von Strich zu Strich zu Strich rückt (Hanne Wieder kennt ja auch wieder kein Schwein, dabei hat die das wundervolle „Ein Neandertaler, ein Neandertaler, den ich kämmen kann auf seinem Schulterblatt, ein Neandertaler, ein Neandertaler, der so’n richtigen Meisterringerkörper hat!“ gesungen), das hatten wir zwar schon heute nachmittag schon („Immer warten nur die Leute auf den Ball, die wirklich lieben!“ hat er vor allen beiden Toren gesagt, der Ebbers, habe ich Lippenleser genau erkannt!) , aber der Zeiger war wirklich immens wichtig für’s Spiel: Immerhin fielen die Tore für uns in der 2., 45. und 46. Minute, cooles Timing, aber man stelle sich nur mal vor, der Herr Brych, der immer pfeift, sobald jemand umfällt, ganz egal, warum der fällt, hätte einfach 2 mal 2 Minuten später an- und einmal eine Minute früher abgepfiffen, dann hätten diese Aachener mit den sexy gelben Socken 2: 0 gewonnen!

Zum Glück hatte der Brych seinen i-Pod nicht dabei, sonst hätte er wie sonst immer vor jedem Spiel noch Jermaine jackson & Pia Zadora gehört, so zum warm machen, auf die steht der nämlich, dann hätte er dem Machwerk noch gelauscht, während doch eigentlich schon die Tore fallen sollten, und alles wäre ganz anders gekommen!

Das ist aber ja das Schöne am Leben: Alles fließt, man steigt niemals zwei Mal in den selben Fluß, und irgendwann begräbt man dann sein braunweißes Herz an der Biegung des Flusses „Elbe“ und hat noch immer – Mist, geht auf’s Textende zu, dabei muß ich doch noch irgendeine Hommage an den Hoilett loswerden, meine Güte, wat’n Wiesel im Bachgeriesel des Fußballspiels, aber Madonnas „Rain“, nee, das habe ich ja noch nie gemocht, das kann ich ihm doch nicht antuen – ach, dafür kriegt er das, obwohl’s ja nicht wirklich paßt. Aber immerhin hat er maßgeblich dazu beigetragen, den Aachenern ein One Way-Ticket to the Blues zu verpassen – yeah!

PS: Eigentlich wollte ich ja den Text auf meinen Erinnerungen an das Mega-Dance-Festival in Dühren und meine Begegnung mit Stella Getz dort aufbauen, nun erwarte ich aber ein Dankeschön dafür, daß ich’s nicht tat, die Musik-Verlinkungen hätte KEIN MENSCH durchgestanden ;-)

Geschrieben von momorulez

Oktober 6, 2008 um 0:05

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Ja, ich heule! Lustvoll heule ich!

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Ach, wenn ich den lese (habe ich lange gar nicht getan), dann erregt mich das ja immer. Dann möchte ich ihm die Springerstiefel lecken, will mit jeder Sehne, jedem Muskel meines Körpers, daß er mich dabei beschimpft. Ja! Gib’s mir!!

Allein schon die folgende Lyrik, mmmh (*lustvolles Stöhnen*), das ist ja fast schon Pornographie:

„Aus diesem einfachen Grund hassen auch die meisten Antifas unter den Rostocker Fans den Anhang der St. Paulianer. Wer seit Jahren auf einem Feindbild kleben bleibt, um das eigene Image als radikaler und linker Ultrahaufen und die damit einhergehende Identität zu schützen, der macht sich auf der anderen Seite mächtig viele Feinde. Diese linke Arroganz und die Tatsache, dass die Antiimperialistischen Zellen aus Hamburg keine wirklich emanzipatorische Option darstellen, sondern nur autoritäre Linkfaschisten die Che Guevara auf weiß-braunen Hintergrund vor sich herschwenken, ohne auch nur die leiseste Ahnung davon zu haben, dass mit der gleichen Farbkombination und dem selben Konterfei die Neonazis durch die Straßen marschieren könnten, sind einige der Gründe warum der Anhang des St. Pauli in Rostock nicht willkommen ist.“

In Sack und Asche gehen wir, wie präzise er uns doch identifizierte und jedem Drecksnazis somit noch mal ein weiteren Freibrief zum Zeckenklatschen mit auf den Weg gab: Gegen autoritäre Linksfaschisten helfen nur Schläge, Steine und Verachtung!

Eine emanzipatorische Perspektive hingegen zeigt die geile Sau uns im folgenden Passus auf:

„Seine darauffolgende Behauptung das er schon in fast allen Stadion des Landes war, desauviert sich allein durch den nachfolgenden Satz: “Dazu Gesänge über “schwule Hamburger”, der alte Gassenhauer “Ihr seid Hamburger, asoziale Hamburger…” wurde reaktiviert (falls er hier jemals eingemottet worden war).” Also mal ganz langsam zum Mitschneiden für den Autor dieser Zeilen, Patrick Gensing (Nachrichtenredakteur und Autor für tagesschau.de sowie als Online-Redakteur und Autor für das Politmagazin Panorama), und alle anderen Vollpfosten: Die Gegner zu beleidigen hat etwas mit Fußball, Kapitalismus, Haß auf sein Leben und Alkohol zu tun, aber nicht mit Rechtsextremismus! Das Wort “schwul” wird, ob es einem gefällt oder nicht, allgemein in der deutschen Umgangssprache, nicht nur beim Fußball, dazu benutzt sein Gegenüber zu erniedrigen.“

Na, dann ist ja alles gut, wenn all das nur mit Alkohol, aber nix mit Faschismus zu tun hat.

Bitte, erniedrige mich! Jaul!

Geschrieben von momorulez

Oktober 1, 2008 um 9:55

Awoopbabaloobap …

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„Nach aktueller Darstellung der BVB-Freunde („Diese Information kommt von höchster Stelle in Hoffenheim“) sei Dietmar Hopp mittlerweile „auf Fan-Jagd, anders kann man es nicht sagen“. So würden „seine Anwälte das Internet nach möglichen Beleidigungen und herablassenden Äußerungen gegen seine Person … durchforsten“. Daher sollten in besagtem Forum „sofort alle Avatare, Signaturen und eigene Beiträge löschen, die beleidigend gegen Hopp sind“ – zudem „bereits Anwälte … im Forum“ diesbezüglich aktiv gewesen wären.“ (via savlog)

Ich finde zwar auch, daß unsere Mannschaft in der letzten Saison dem Herrn Hopp die deutlich bessere Antwort gegeben hat (was ein Spiel! Ach, das Leben kann sich so dermaßen lohnen ….) als die der Dortmunder Mannen an diesem Wochenende, dieses Plakat mit der Zielscheibe auf’s Konterfei projiziert fand ich unter aller Sau und menschenverachtend – dennoch: Mit was würden unsere tapferen Kämpfer für die Meinungsfreiheit den Herrn Hopp denn wohl vergleichen, wo sie doch sonst um keinen Vergleich verlegen sind?

Geschrieben von momorulez

September 25, 2008 um 20:13

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VOODOO oder: Wie man Spiele lesen muß!

mit 4 Kommentaren

„Man begreift: Die Szenerie des „Dornröschen“ entstammt Werken wie der „Rückkehr von der Herberge“ von Pieter Brueghel d. J., die Kulissen im „Dschungelbuch“ sind den Urwald-Visionen des malenden Zöllners Rousseau geschuldet. Und Piranesis schwindelerregende Treppen kehren wieder im „Schneewittchen“, in „Cinderella“ und „Alice im Wunderland“.“

So fragt sich halt der St. Paulianer am Morgen danach bei der werweißwievielten Zigarette danach, was im gestrigen Spiel an Verweisen auf alte und neue Meister wohl enthalten war.

Klar ist: Der Herr Bierofka von 1860 München, der war entschieden zu selten in der Pinakothek der Moderne und hat stattdessen zu viele Chuck Norris-Filme geguckt! So hat er sich zumindest bewegt. Was ein Poser!

Ging ja so weit, glaubt man der Hompepage von 1860 München, daß er sich in der Pause ohne Betäubung ganz in Rambo-Tradition hat nähen lassen. Oder er hat’s sogar selbst gemacht, sich ein rotes Tuch um die Stirn und den Schenkel ab-gebunden, die Nadel über irgendeinem Feuerchen desinfiziert und dann rein in’s Fleisch und kräftig durchchgezogen – so wie der da kraftstrotzdend, aber fußballerisch eher C-Movie-like über den Platz posierte, das war schon ein wenig erbärmlich.

Muß man ja auch mal sagen dürfen: Nee, der Gegner gestern war echt schlecht. Wer so blöd ist wie der süße Benny Lauth und sich beim HSV das Talent gründlich austreiben läßt, der landet halt irgendwann wie Christian Rahn in Rostock. Höchststrafe also. Warten’s ab, Herr Lauth, seit gestern steigen Ihre Chancen für derartiges Schicksal umgekehrt proprotional zu Aktienkursen in den USA …

Ansonsten, rein kunstgeschichtlich, lagen unsere Jungs gestern eher auf der Linie früher Arbeiterkunst: Nicht schön, aber im Schweiße ihres Angesichts rackernd und irgendwie sogar ein klein wenig heroisch.

Obwohl’s in der ersten Halbzeit ein paar Spielzüge gab, die wirkten so, als hätten sie den frühen Kompostionen Kandinskys auf den Platz gelegt und würden die Linien entlang laufen, das war schon verdammt elegant, und die Münchener standen auch recht beeindruckt daneben und guckten einfach mal zu. Wiewohl: Der Abschluß fehlte dann zumeist, schön war’s trotzdem.  Jetzt Filip Trojan loben wäre ja ebenso langweilig wie völlig zu recht Alexander Ludwig zu beschimpfen, da hat ja Ring2 schon all das aufgeschrieben, was ich ihm gestern so beim Döner noch diktiert habe. Sogar die Überschrift, die ich eigentlich verwenden wollte, hat er antizipiert und somit abgeguckt, der Schlingel. Aber auf die Idee mit dem Kunst-Vergleich isser nich’ gekommen, hähähä …

Eigentlich immer, wenn’s um Kunst geht, geht es um Magie, und das ist beim Fußball ja auch so.

Zunächst sollte man eigentlich Zeichen zu deuten verstehen. Als gestern mittag meine heißgeliebte Pimp-Sonnenbrille von Sean John (oder wie dies P. Diddy-Label nun auch ganz genau heißt) die Treppe hinunterfiel und ein Glas aus dem Gestell sprang, hätte ich eigentlich nur einmal genau hingucken müssen: Klar, 1 zu 0. Daß die nette Optikerin auf dem Schulterblatt mir das gute Stück dann mal eben schnell wieder reparierte, war ein weiters gutes Omen.

Dann, so durch Planten & Blomen mit der Angst vor dem Spiel in den Knochen schurfend, weht auf einmal „Summer of 69″ von Bryan Adams zu mir herüber. Denke noch kurz „Ist da noch ‘ne andere Veranstaltung auf dem Heiligengeistfeld?“, da höre ich schon das gellende Pfeiff-Konzert, alles klar, die St. Pauli-Geschmackspolizei hat außerordentlich treffsicher zugeschlagen und völlig zu Recht diesen akustischen Dreck aus dem Stadion gebuht. Geht ja auch gar nicht. Sowas paßt vielleicht zu den Truckertreffen im Niedersachsenstadion, aber doch nicht zu uns.

Dann das Fanlied der 1860er: Also, da fällt mir noch nicht mal ein Vergleich ein, so schlecht war das. Und Vereine mit schlechten Fanliedern verlieren eigentlich fast immer bei uns.

Später blieben immer mehr Hauptribünensitzer ganz, wie es sich gehört, auch wirklich sitzen, als die Südtribüne mal wieder „Aufstehen, Aufstehen!“ rief. Und prompt fiel das 1:0. Das konnte ich dann zwar deshalb nicht richtig sehen, aber: Wer sich nicht fügt, gewinnt, und schon deshalb haben wir Sitzenbleiber das Spiel gestern eigentlich gewonnen.

Dann jedoch die Zitterphase: Die Südtribüne fing an, ausgerechnet „Rivers of Babylon“ von Boney M. zu summen. Das hörte sich sich schon ziemlich cool an, als es gar nich mehr aufhörte, aber jetzt mal ehrlich, „Sunny“ oder „Ma Baker“, das ginge ja noch, aber „Rivers of Babylon“??? Wie kann man so leichtfertig einen Sieg auf’s Spiel setzen!

P.A. neben mir gefährdete den Sieg dann aber so richtig. Hätte ich ihn nicht gestoppt, wäre das noch richtig schief gegangen. Zwanzig Minuten vor Schluß wollte er mir seine Spielananlyse präsentieren!!!! Aaaaargh! Ich konnte gerade noch so intervenieren, „Sag das jetzt bloß nicht!!!!“, hatte er doch schon schon das 2:0 verhindert. Ich so ( ;-) ) vor der Ecke: „Fertig machen zum Torjubel, die geht rein!“, und er so: „Direkt!“, und natürlich klappte das dann nicht, weil die Beschwörung viel zu konkret war.

So zitterte man also doch noch ein wenig, zum Glück habe ich dann noch den Ludwig rausgepöbelt, nach 5-10  Minuten konstanten Gemeckers hat der Stani das spirituell empfangen und den dann endlich rausgenommen und Fußballgott Schultz gebracht. Und da war ja dann klar, daß wir’s schaffen würden, was sich auch daran zeigte, daß die Südtribüne uns mal wieder ohne diese botsigen „Aufstehen, Aufstehen!“-Chöre zum Wechselgesang aufforderte, und dann konnte ja gar nix mehr schief gehen.

So stimmte ich aus aus ganzem, braun-weißen Herzen zu, als sie bei der Ehrenrunde der Boys in Brown „That’s the way we like it“ anstimmten! Was rhythmisch hammerhart schwer zu singen ist, das würden wir auf der Haupttribüne tatsächlich nicht hinbekommen.

Und so stellte sich heraus: Das ganze Spiel hatte gar nix mit bildender Kunst zu tuen, sondern mit Musik!

Während sich die Münchener im B-Movie fühlten, eben zweitklassige Fußballdarsteller – und wer solche Spiele so derart falsch liest, der verliert dann auch.

Geschrieben von momorulez

September 20, 2008 um 9:32

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Ja! Ich predige! Gebt mir eine Kanzel! Wie verbringt man denn jetzt …

mit 26 Kommentaren

… den Rest des abends, wenn sowat schon wieder passiert?

Wenn man die ganze Woche dabei ist, sich eine Zukunft aufzubauen, ein paar Pflöcke einrammte, die wirklich halten könnten, wenn man bereits zum zweiten mal in 3 Tagen mit spannenden neuen Menschen mittags im O-Feuer sich wieder findet und spürt, daß man mit denen wahrscheinlich noch tolle Zeiten verbringen wird, und die Boys in Brown ziehen einfach nicht mit, sondern bewegen sich schnurstracks in Richtung Vergangenheit?

Nee, Leude, mit der „Back to the Future“-Palin haben wir doch nun wirklich nix zu tun! Change, Leute! Yes, we can! Zeigt das doch mal auch auswärts!

Gibt ja dieses wundervollen Song aus „Grease“, „There are worse things I could do„, aber ich kann ja jetzt schlecht unsere Abwehr beschimpfen, unsere Fußballgötter auf der Trainerbank anpöbeln oder – obwohl, jetzt höre ich gerade, was die da singt in diesem Grease-Song, hmmmm , vielleicht ja doch? Obwohl „Cold showers every day“, nee, das ist nix für Warmduscher wie mich.

Ja, ja, ja, Fussballfansein ist eigentlich Angstbewältigung, weil ja in der Regel es dann noch nicht so schlimm ist wie vorgestellt, wenn’s dicke kommt, denke ich ja immer. Ist die Illusion, Ohnmachtsgefühle auch überwinden zu können. Ist das Einüben in die Erkenntnis, daß das Leben ungerecht ist, weil die Coolsten ja eh viel zu selten das bekommen, was sie verdienen, die Erkenntnis, daß die Schweine sowieso immer mehr Geld haben, daß gerade Vereine wie Kaiserslautern sowieso durch Punktabzüge Dritter und ähnliche Lustigkeiten irgendwie in Ligen gehalten werden, daß es Söldner gibt und chronisch Ungebundene, denen schnurz ist, was mir heilig ist, und Unfähige auch  – all die Vorgänge, die des Lebens Würze vor den eigenen Augen breitest grinsend verspeisen, die allerorten anzutreffen sind und die deshalb man auf der nicht-symbolischen Ebene des Fußballspiels schon gar nicht mehr ertragen kann.

Weil’s da ja schon schlimm genug ist. Frustration erlernen und doch zur Demut übergehen: Ach, irgendwie christlich bleibt man doch … ja, Fußball simuliert das wahre Leben, deshalb redet man halt nur noch Müll, weil man’s nicht fassen kann und auch kein Ritual mehr hilft.
Wer nicht begreifen will, daß es darum geht, Einüben mittels Ersatzhandlung,  wie in allen großen mythischen Geschehen und allen Psychosen, Ersatzleid schaffen in halbwegs kontrollierten Rahmen, der wird auch Fußball nicht verstehen.

Wer glaubt, es ginge nur um Sport, um Leistung, um Konkurrenzkampf oder Vermarktungsinteressen, der deutet dieses Spektakel fehl und projiziert die Bedingung von etwas ins Etwas selbst hinein. Der verwechselt die Spielregel mit dem Spiel selbst. Und Fernsehen mit Fan-Interessen. Und so.

Hat nur einen Haken, diese Deutung: Somlu hat’s geschrieben – Liebesfähigkeit.

Selbst diesen Beck-Wählern in der Region ist diese unauslöschlich eingeschrieben in all ihrer rote Teufeligkeit, oder sogar gerade denen, es sei ihnen gegönnt, die haben ja sonst nix, nix als unverständliche Dialekte und guten Wein und Kurt Beck – und Liebe hebt wie in jeder Therapie dann auf diese Differenz zwischen Ersatzhandlung und der mittels ihrer verdrängten Realität.

(Das Kaminfeuer flackert, und Momorulez zündet sich noch eine Pfeife an und greift zum Grog).

Denn sie treibt die Geschichte voran, jede Geschichte, jede einzige verfickte kleine Story, mal klar und deutlich, mal verschämt, mal nur als Hass verzerrt oder als Macht deformiert,  und als neue Ebene ganz im Hegelschen Sinne erzeugt sie das, was ja eigentlich hinter diesen Elegien zur Schmerzbewältigung nach einer Niederlage steht: Poesie. Und die gibt’s ja vielen Varianten: Von Shakespeares Sonetten bis hin zu Baudelaires „Blumen des Bösen“ ist’s gar kein weiter Weg, und gäbe es keinen Verzicht, so bräuchte man das Leben ja auch nicht zu dichten, weil Dichten eben dieses Leben IST.

Ja, ich stell’s als These auf: Jeder verwaschene Schal, jede verdreckte Kutte, jeder vibrierende Schnurrbart auf der Schalker Nordwand oder in der Emscherkurve (Oberhausen, ich fühle mit euch, ehrlich!) ist eigentlich Poesie, und Poesie ist Leben und somit Liebe, jawohl.

Und, nun mal ganz im Ernst: Wie will man diesen pathetischen, so wundervoll pathetischen Quatsch in verwitterten Männeraugen, als Träne mal der Freude, mal des Leids, denn bitte mit einem Begriff wie EVOLUTION sinnvoll beschreiben?

PS: Und dieser ganze Wortschwall einzig nur, um nicht darüber nachdenken zu müssen, wie desatrös dieses 1:4 ausgerechnet bei FPKs Verein – Glückwunsch, übrigens – für uns ist, was das jetzt für uns bedeutet …. zitter …. bibber … von wegen Angstbewältigung …. von wegen Realitätsersatz …. die hat uns jetztaber wieder mal ganz heftig gepackt, die bittere Realität:

Jungs, liebe Mannschaft, bitte: Werdet wieder Poesie!!!

Jawohl!

Geschrieben von momorulez

September 12, 2008 um 20:01

Veröffentlicht in Fussball, Liebe

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