Artikel getaggt mit ‘Freiheit’
Den Neoliberalen ihre Rhetorik mit Beuys entreißen: ” … dass jeder Mensch über schöpferische Impulse verfügt, die ihn befähigen, verantwortlich und frei zu handeln.”
Ach, das entspannt ja richtig nach dieser Beat Wyss-Kulturkampf-Rhetorik weiter unten, was Gabriele Walde heute in DIE WELT schreibt über Joseph Beuys:
Dankeschön! Ergänzend jedoch ist zu erwähnen: Ein TV-Screen-Design zum Beispiel ganz auf Warhol aufzubauen, das finden alle toll. Eines aus Filz, Fett, Honig und toten Tieren, das widerstrebt dann doch dem Publikum und den Sendern auch.
Ganz anders jedoch andere, mediale Praktiken, von den beiden Großkünstlern favorisiert: “Big Brother” einst als “soziale Plastik” zu begreifen, das fällt nicht schwer. Bemerkenswert jedoch, daß nach dem ersten Schock, der großen Kontroverse dann allen Machern auffiel, wie öde unter Fernseh-Bedingungen es ist, einfach so Leuten beim Rumhängen zuzuschauen (was Voyeur Wahrhol in “Flash” ja eigentlich auch nur gemacht hat). Kurz: Trotz Schamanengestus und Künstlerpriesterrollenspiel steht Beuys doch quer zur konevntionellen Dramarturgie, und das spricht für ihn.
“Big Brother” wurde drum im “Dschungel-Camp” dann fortgeschrieben, kurioserweise ja mit ziemlich eigenwilligen “Materialien” und als Komplett-Verdrehung eines “Zurück zu Natur” – fern läge es trotzdem nicht, das Ganze als Perfomance zu begreifen. Als gewaltfreie allerdings nicht, und somit steht’s schon quer zu Beuys. Und ist’s Wahrhols “Für 15 Minuten ein Star sein”, das “Deutschland sucht den Superstar” befruchtete?
Ist das der Unterschied zwischen der Suppendose, der Marilyn und selbst dem elektrischen Stuhl bei Warhol und dem, was Beuys proklamierte – daß bei Warhol das Nachsingen von Hits für Soul-Diven rauskommt, Beuys hingegen die Freiheit aus schöpferischer Tätigkeit wirklich ernst nahm?
Aber wahrscheinlich ist die Fragestellung wirklich anachronistisch, wer Schönberg am Piano spielt, ist ja auch schöpferisch tätig – oder?
Eigentum und Freiheit
Daraus mache ich mal ‘nen eigenen Eintrag, der Kommentar von T. Albert weiter unten ist zu gut, nicht, daß das unter geht:
“Wer ständig Freiheit ans Eigentum koppelt und Freiheit durch die Möglichkeit von Eigentum definiert, kommt irgendwann beim Entzug persönlicher Rechte für Nichtbesitzende an, was ja auch der Tenor gegenwärtiger antidemokratischer Diskussionen ist.”
Happy Birthday, Kalle!
Da blättert man wie jeden abend beim Kaffee in der Zeitung und entdeckt ganz plötzlich unter “Vermischtes” eine Geburtstagsanzeige für einen unserer Ahnherren: Karl Marx halt.
Scheint ‘ne Anzeige von Mitgliedern und Abgeordneten der Linkspartei zu sein; die beiden Zitate, die sie da drucken ließen, die sind so schön, die kann ich nicht vorenthalten. Es gilt:
“Alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.”
Und:
“An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.”
Wie jetzt? Was jetzt? Wollte der nicht die Menschheit durch Staatswirtschaft knechten, erniedrigen und versklaven? Ja, wo laufen sie denn?
Gut, beide Zitate doch sehr sloganisiert, Werber würden’s lieben, aber was konkret das heißen könnte, dafür bloggen wir ja
… und daß die Freiheit des Anderen die Bedingung meiner eigenen ist, nicht deren Hindernis oder einfach nur Grenze, das gehört ja ganz alltäglich proklamiert. Amen.
