Das Dogma des Undogmatischen

Das wäre dann ja wirklich mal ein lohnendes Dissertationsthema: Eine Rekonstruktion des Wertekanons, der in Künstler-Nachrufen sich spiegelt.
Weil Rauschenberg wahrscheinlich heute laut und dogmatisch wäre, würde er jetzt loslegen, alleine schon, um diesen Nachrufen zu entgehen. Und mit Pop würde er heute nichts zu schaffen haben wollen. Pop-Art hat ja wie alles Gute fatal gewirkt, [...]

Wer schreibt denn nun …

.. den Nachruf auf Robert Rauschenberg?
Bekenne, mich nie intensiver mit ihm beschäftigt zu haben - die weißen Leinwände jedoch und das Ausradieren des Werkes Willem de Konning sind kunstgeschichtliche Momente, die nirgends fehlen, wenn erzählt wird, und sagen mir auch was. Jack Daniels verstehe ich auch.
So schwant mir: Der Mann war ein Gigant, und doch, mir fehlen die [...]

Travestie, Gender oder Sex?

Natur, Kultur oder Kunst? Eine Ästhetik der Existenz oder des Erscheinens? Oder Möglichkeiten vor der Erfindung der Sexualität? Oder vielmehr Ausdrucks des Patriarchats?
Das “Pulverfass” gibt’s ja auch noch, aber Beatrix, Sarkozy oder Elisabeth schauen da nicht vorbei, wenn sie mal in der Stadt sind …
“Goethe sagte, als er in Rom Frauenrollen durch Männer dargestellt sah: [...]

Der Widerwille will bei mir nicht schwinden … und jubeln will ich heute doch!

Nee, nee, nee. Wat ich bin ich froh, daß die Briten, Amis und Iren uns befreit haben von mancher Bildungsbürgersauce.
Wenn man des Morgens Kaffee schlürfend auf dem Sofa sich räkelt, den Rosen beim Austreiben zuschaut und dabei van Morrison seine Ehrfurcht vor der US-Black-Culture in Gesang gurgelt und knödelt und dergestalt kurz glücklich macht, so [...]

Adorno an Thomas Mann - Santa Monica 1. 12. 1952

“Die Grenze, die Sie zwischen sich selbst und Wagner setzen, scheint mir keine bloß individuelle, sondern eine geschichtsphilsoophische. Wollte man Begriffe in den Mund nehmen, wie sie einem von Literatur- und Kulturhistorikern verdorben sind, so müßte man wohl sagen, daß bei Wagner, wie etwa auch bei Baudelaire, der romantische Ästhetizismus, also der ungebrochene Glaube an [...]

Ist der Satz …

… “Ich bin kein Geschichtenerzähler” nicht selbst eine?

Stimmt das?

“Selbst im extremen Fall der Kunst verhält es sich so, dass wir der nicht-propositionalen ästhetischen Erkenntnisse am Kunstwerk nicht ohne das Medium propositionaler Erkenntnisse über das Kunstwerk teilhaftig werden können.”
Martin Seel, Über Richtigkeit und Wahrheit. Erläuterung zum Begriff der Welterschließung, in ders: Sich bestimmen lassen, S.57
“Propositionale Erkenntnisse” sind, schlicht formuliert, solche, die sich in der [...]

Konstantin und Trigorin

Angesichts dessen, daß ich mich auf eine jener Professuren, deren Besetzung dort drüben ebenso wortreich wie, na, pardonnez-moi, irgendwie doch auch ein wenig minderbemittelt attackiert wird, auch beworben habe, bin ich ja fast froh, nicht genommen worden zu sein. Oder auch gerade nicht: Wer sich von so einem Wortwust einschüchtern ließe, hätte ja nun auch [...]

Erschöpfendes

Wie beschreibt man Erschöpfung? Von innen nach außen oder umgekehrt? An Geltungsansprüchen orientiert, expressiv, als Stimmung, die Welt mir erschließt oder als strategische Operation, Mitgefühl zu erheischen?
Setzt man an bei dem Gefühl, morgens kaum aus dem Bett zu kommen und doch nicht mehr schlafen zu können, das eigene Fleisch spürt sich so an wie grau? [...]

Zurück in den realen Raum

(Lautsprecher auf Anschlag), via