shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

„Do African-American men have higher levels of testosterone, on average, than white men?“

with 24 comments

Fragte neulich Herr Pinker. Und wie ist das eigentlich bei Indern? Und wie bei den Eingeborenen in „Mügeln“? Gibt’s da Gene, die in Kombination mit Alkohol dann zu einem plötzichen Ansteigen des Testosteronspiegels führen?

Ich plädiere für eine groß angelegte Forschungsaktion da vor Ort! Das wird man ja wohl fordern dürfen – das Tabu, Mügeler oder wie die sich nennen, nicht empririsch-biologisch vermessen zu dürfen, das muß fallen! Da liegen doch bestimmt gerade ein paar Leichen in irgendeinem Leichenschauhaus, deren Gehirne man sezieren könnte, so von alteingesessenen Mügelern,  meine ich, die potenziell – reine Hypothese! Die wird man ja wohl aufstellen dürfen! – Inzucht über Generationen betrieben haben, um zu gucken, wo der dabei entstandene Defekt wohl liegt.

Gerade gestern ist’s wieder passiert: Ein Kunde sprach von meinem Kollgen als jemandem mit „Migrationshintergrund“.  Dabei ist der ein waschechter Düsseldorfer – gut, aus dem Rheinland nach Hamburg migriert, okay. Der Kunde ist insofern ein cooler Typ, daß er immer zwanghaft witzeln muß, daß er zwanghaft rassistische Witze reißen müsse, wenn er auf diesen Kollegen trifft. Mit anderen Worten: Er thematisiert wenigtens seine eigene Irritation angesichts dessen, daß der „schwarze“ Typ da nicht auf der Bühne steht und rappt oder seinem Testosteron hüftschwingend freien Lauf ließe,  sondern daß dieser genau den gleichen Job ausübt wie ich. Weil’s ihm wenigstens auffällt, daß es ihn irritiert.
Um so erstaunlicher, daß die taz in ihrer Spurensuche vor Ort in Mügeln zu Terminus „Ausländerfeindlichkeit“ greift und so die Konstituion des Anderen reproduziert.

Wenn ich’s richtig verstehe, dann sind das ja Ortsansässige gewesen, die da gehetzt wurden. Und während manch Mügeler oder wie die sich nennen Nazis aus Nachbarorten – so eine Art Vorstufe zu „Ausländern“ – verantwortlich machen wollen, um das eigene Nest als sauber zu behaupten,  sprechen Andere laut taz deutlich aus, worum es ihnen geht:

„Daneben steht ein etwa 25-jähriger junger Mann mit Bärtchen und kleinem Bauch, der dazu eifrig nickt – aber nur, um sich gleich darauf ausdrücklich als Rechtsradikaler zu bekennen. Ja, er sei dabei gewesen und habe vor der Pizzeria auch ausländerfeindliche Parolen gerufen, nachdem „zwei von uns“ schwer verletzt worden waren. „Die sollen ihr Leben leben, die Kanaken, und uns in Ruhe lassen.““

„Wir“ und „die da“ halt.

Fälle wie der hier, schon eine Weile her, hatten nicht die selbe Chance auf prominente Berichterstattung. Da gilt dem normalen Durchschnittsdeutschen ja das hier, und alles andere ist „Ausnahme“. Wär’s eine Horde muslimischer Deutscher mit dunklen Haaren und sexy Teint gewesen da in Landshut, dann hätte noch die Chance auf etwas breitere Berichterstattung bestanden.

Es geht mir nicht um „Opferkonkurrenz“. Quatsch.Ich schreibe ja nicht bei „Gaywest„. Da habe ich heute vergeblich auf den Eintrag gewartet, daß diese Inder doch selbst schuld hätten, wenn man sie jagdt, weil diese ja immer Schwule verprügeln würden. Aber wahrscheinlich war sich man sich da drüben im Westen nicht sicher, ob das nicht vielleicht Hindus oder Sikhs waren. Und da hat man dann ja gar keine Wahrnehmungsfolie parat, die man überstülpen könnte. Und man würde sowas natürlich auch nie schreiben, Gewalt üben ja immer nur „die Anderen“ aus. Der nomale Durchschnittsdeutsche an sich selektiert ja das Gegenüber genauestens, anhand dessen er dann dann seine Selbstgerechtigkeit konstituiert. Darum geht’s mir. Und daß über Mügeln berichtet wird liegt einzig daran, daß in diesem Fall die Selbstgerechtigkeit sich noch nicht völlig durchgesetzt hat.

Es ist der pure Horror, was da in Mügeln passierte. Der verweist eben ganz zentral gar nicht auf „Ausländerfeindlichkeit“, sondern auf das Selbstbild Durchschnittsdeutscher, das eine erstaunliche Konstanz aufweist: Hetero, weiß, männlich. Und, dessen ungeachtet:  Rassismus muß ja erst einmal bewiesen werden und ist juristisch sowieso irrelevant (ich meine manche Kommentare, nicht den Eintrag, den fand ich gut).

Diese Externalisierungen des „Übels“ und Konstruktionen dessen, was als das Andere begriffen wird, die sind das Problem. Durchgängig. Und die sind’s, die nach Mügeln und nach Landshut führen.

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Written by momorulez

21. August 2007 um 8:05

24 Antworten

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  1. *** WordPress wertet diesen Beitrag zur Diskussion als Spam, ich bin mir da nicht so sicher, fühle aber schon das Feuerzeig an meinem Hosenboden ***
    * – Ring2, moderiert:

    Die „guten“ Parteien ignorieren einfach die berechtigten Ängste der Menschen vor der Zerstörung ihrer sozialen Lebensverhältnisse, die NPD dagegen entwickelt und vertritt Konzepte, die die Lebensinteressen auch des Normalbürgers berücksichtigen und nicht nur die Freiheitsinteressen weniger Großkapitalisten.Und diese rechtsradikalen Konzepte versuchen in humaner Form, den Lebensinteressen aller Menschen durch das Konzept einer “ Welt der Völker“ Raum zu geben und unterscheiden sich damit von den plump-fremdenfeindlichen Haltungen, die den Hetzjagden auf Ausländer als Motiv zugrunde liegen. Die NPD behauptet, sie resozialisiere Jugendliche, die gegen Ausländer gewalttätig geworden sind, indem sie aufzeige, daß nicht der Ausländer der Feind ist, sondern ein System, welches zwecks Gewinnoptimierung die Lebensinteressen von Menschen verrät. Ich vermute, die ganze Gesellschaft braucht mehr bekennenden demokratischen Nationalismus, um dadurch die plump-fremdenfeindliche Haltung und die aus dieser Haltung erwachsenden Straftaten zu bekämpfen.

    Thomas Kurbjuhn

    21. August 2007 at 8:21

  2. Mal ganz grundsätzlich: Es geistert immer, auch durch Humanbiologiebücher, die Behauptung herum, ein hoher Testosteronspiegel korreliere mit erhöhter Gewaltbereitschaft.Träfe dies zu, wären Frauen im Klimakterium besonders gewalttätige Leute 😉

    che2001

    21. August 2007 at 9:02

  3. @momorulez: „…bei “Gaywest“. Da habe ich heute vergeblich auf den Eintrag gewartet, daß…“ – Das nennt man dann wohl Schmierenjournalismus. Man unterstellt anderen eine gewisse Haltung und wenn sie die NICHT an den Tag legen, schreibt man darüber ausführlich, was sie NICHT gesagt haben, als hätten sie es gesagt. Irgendwas wird schon hängen bleiben.

    Damien

    21. August 2007 at 9:12

  4. Ich würde behaupten, Geschichte, Ideologie und Tauschwert haben mehr damit zu tun als Testosteron und die Gene.

    Gutes Überblicksposting zu Mügeln gibt’s bei classless.

    lowlevel

    21. August 2007 at 11:08

  5. @Che: selbst eine Frauen im Klimakterium kommt nicht auf den Testosteronspiegel eines durchschnittlichen Manns. Testostoron in hohen Dosen macht tatsächlich reizbar (und unter Umständen aggressiv), wie zahlreiche Selbstversuchen dopender Sportler ergeben haben.

    MartinM

    21. August 2007 at 11:51

  6. […] Nach getanem Progrom geht man dann nach Hause, morgen ist man dann wieder guter Sachse. […]

  7. Das, Martin, ist zwar richtig, aber Menschen sind keine willenlosen Hormonroboter. Zum Beispiel sind auch Männer mit zwei Y-Chromosmen nicht aggressiver als Andere, was lange Zeit in den biologischen Lehrbüchern anders stand. Gewalttätigkeit wird kulturell vermittelt und ist nicht einfach Ausdruck des Hormonspiegels.

    che2001

    21. August 2007 at 11:59

  8. Herrn Kurbjuhns Blog ist interessant. SPRACHLICH. BEGRIFFLICH.

    T. Albert

    21. August 2007 at 12:08

  9. Beim Testosteronspiegel gibt es einen individuellen Soll-Wert

    REFERENZ-/NORMALWERTE alte Einheit SI-Einheit
    Männer 3,5 – 8,6 µg/l 12 – 30nmol/l
    Frauen bis 0.86 µg/l bis 3 nmol/l

    http://www.netdoktor.de/laborwerte/fakten/hormone/testosteron.htm

    Das heißt, wenn ein höherer Wert dem biologischen Soll-Wert der Person entspricht, ist die Person mit diesem Soll-Wert nicht aggressiver als eine andere. Aggressiver macht das Zeug erst, wenn noch höhere Werte als es für die Person richtig ist, erreicht werden. Sei es durch seltene Abweichungen in der Biochemie oder eben durch Doping. Bodybuilder sind da ja ein bekanntes Beispiel, wobei die auch noch andere Präparate verwenden und Terstosteron-ähnliche Substanzen, so dass man über die keine wirklichen Aussagen zu natürlichem Testosteron treffen kann.

    NUB

    21. August 2007 at 12:09

  10. Danke, NUB hierfür, das verknüpft dann mal wirklich Neues und Bekanntes 😉

    che2001

    21. August 2007 at 12:35

  11. @T. Albert, et al

    Thomas Knüwer im Handelsblatt Blog hat einen Kommentar gelöscht, der auf ein Blog zeigte, das wiederum auf das NPD Parteiprogramm verkinkte.
    Ich vermute gefährliche Verschwurbelung hinter diesem Blog. Was meint ihr?

    ring2

    21. August 2007 at 13:34

  12. Was meinst Du mit Verschwurbelung?

    che2001

    21. August 2007 at 13:59

  13. Pseudodiskussion

    ring2

    21. August 2007 at 14:13

  14. Auf dem Blog mit NPD-Bezug oder bei Thomas?

    che2001

    21. August 2007 at 14:47

  15. Na Herrn Kurbjuhns Blog, das Vorgehen von Thomas hat mich ja erst noch weiter alarmiert.

    ring2

    21. August 2007 at 15:19

  16. ach, man soll das ruhig lesen. Die Liberalen sollten das Blog lesen, wo sie ihre ureigene Rede von „linken Gutmenschen“ etc. wiederfinden. Auch das bezüglich R. Giordano ist interessant. Man hat das alles schon mal gelesen, ganz woanders.

    T. Albert

    21. August 2007 at 17:25

  17. Es ist reines NPD-Gedankengut. Also, nicht Neonazi, sondern klassische nationalkonservative bis neurechte NPD-Position (so die Mußgnug-Linie). Als ich das ganz woanders zum ersten Mal im Web las, verortete ich es genau dort.

    che2001

    21. August 2007 at 17:40

  18. diese neurechte Position ängstigt mich noch mehr, als das hohle gejohle da aus jungen Säuferkehlen.
    T.A. gebe Dir recht, war auch mein erster Gedanke – hier eingeordnet verstümmelt sich das Geschwätz selbst.

    Zum Thema, meine neue Lieblinksfotograferin bei flickr:
    Stiernackenpack

    ring2

    21. August 2007 at 18:40

  19. @Alle:

    War den ganzen Tag in Berlin, mich von Migranten in Neukölln verprügeln lassen, sorry. Wollen wir den Herrn Kurbjuhn da ganz oben wirklich stehen lassen? Mir ginge das schon zu weit, kann aber tatsächlich einen heuristischen Wert haben … und verboten ist die NPD ja nicht.

    @NUB und Martin:

    Ich vermute, die Ironie ist euch nicht entgangen? Die von Pinker gestellte Frage baut auf denselben Begriffsrastern auf, die auch zu den Vorgängen bei Damiens potenziellen Freunden im Osten oder im Geiste oder sonstwo oder auch nicht führen. Fuck irgendwelche Hormonspiegel, echt. Insofern Zustimmung, @Che.

    @Damien:

    Komm, geh hetzen. Du bist nun wirklich der letzte, von dem ich mir irgendwas mit „Schmieren“ unterstellen ließe. Wenn Du sogar zu doof bist, nicht-journalistische Texte von journalistischen zu unterscheiden, solltest Du Dein Maul nach Möglichkeit nicht ganz so weit aufreißen, sondern erst noch mal ’ne Runde lernen gehen.

    @Ring2:

    Mir auch. Also, das mit dem Angst machen.

    momorulez

    21. August 2007 at 19:13

  20. Demnächst kommt von mir was zum Thema Wohlstandsrassismus, erinnert mich vielleicht noch mal dran!

    che2001

    21. August 2007 at 20:13

  21. naja, ich will den heuristischen Wert nicht über alles stellen.

    ich merke grad, wie schwer es mir fällt, sowas zu diskutieren. den ganzen sprachstuss kann ich nicht mehr ertragen:

    Ausländer, Ausländer, Ausländer
    Schwule
    rosarote Brille
    National-Sozialismus
    nationaler Sozialismus
    Ausländer, Ausländer, Ausländer
    linke Gutmenschen
    Opferdiskurs
    Ausländer
    Neosozialisten
    ethnisch-kulturell- religiöse Korrelationen
    Ausländerprobleme
    Judenfrage
    Emigrant
    Immigrant
    Asylant
    undsoweiter

    T. Albert

    21. August 2007 at 21:16

  22. Life of Brian: Chor „Wir sind alle Individuen!“
    Einzelstimme „Ich nicht!“

    che2001

    21. August 2007 at 21:20

  23. […] … danke T. Albert!  – das ist fast Kunst, wenn es nicht so ernst wäre. […]

  24. >Danke T. – ich merke gerade, dass auch Blogkommentare Kunst sein können.

    ring2

    21. August 2007 at 21:39


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