shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Was ist aus den Ossis bloß geworden?

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 Sibenik

Foto/Quelle: Ferienhaus Vlahov

Da links in der Ecke haben wir, glaube ich, gesessen. Mit Vater irgendwann mitten in den 70ern. Wunderte mich so frühverdorben als Kind, wieso die Kellnerin so gar kein Engagement an den Tag legte, uns Getränke zu bringen. In der Hotelanlage gleich um die Ecke in Vodice war das anders. Und Vater erklärte, daß sie im Sozialismus ja nix davon habe,  die „Bedienung“, wenn sie mehr einnähme. Ach so! MomoRulez lernt die Welt.  Diese würdevolle Haltung, dieses „Glaubt bloß nicht, ich springe jetzt für euch, ihr Dreckstouris“ des Dunja Rajter-Doubles („Sag noch mal, sag noch mal, was Du immer sagst zu mir!“), das war mir aber irgendwie sympathisch.

Sibenik, das da oben, war übrigens, wenn ich mit recht entsinne, der Ort, wo „Katze Bulat“ herkam, kleiner Insider-Witz für St. Paulianer – nur am Rande. Eigentlich wollte ich jetzt von Supermarktkassiererinnen schwärmen. Ist sonst schon mal jemandem aufgefallen, was für ein stoisch-würdevoller Schlag Mensch das so ist?Ich bin zu niemandem freundlicher als zu Supermarkt-Kassierinnen. Und wer die anpöbelt, weil irgendwas nicht schnell genug geht oder so, der kriegts’s dann immer mit mir zu tun. Für die, die immer aussieht wie Dunja Rajter in den späten 30ern, nur fülliger, hole ich manchmal auch was aus dem Tchibo-Regal.

Und wollte eigentlich ganz im Sinne unserer Rubrik „Alte Männer plaudern von früher“ erzählen, wie ich mit der Ost-Berliner Cousine meiner Mutter an der Alster saß, damals, ’88 – so ohne Familie durfte die uns zu besonderen Anlässen besuchen – und sie sich für die Fülle von Joghurtsorten imKühlregal begeisterte.  Und ich entgegnete empört, daß sie mal bloß nicht glauben solle, daß hier ganz Wilhelmsburg jeden abend Tüten voller differenter Joghurt-Sorten nach Hause schleppen würde. Das letzte Mal, als ich sie traf, war sie höchstverschuldet und traf sich zwei mal die Woche mit ihrer Bank.

Gestern so deliererend zappend beim MDR hängen geblieben. „Wie der Osten Urlaub machte“ oder so hieß das. Diese nicht-existente Reisefreiheit – der pure Horror. Kennen Afrikaner z.B.  heutzutage ja auch gut, was das heißt. Gibt’s eigentlich ’nen Schießbefehl vor Gibraltar? Wahrscheinlich nicht. Auch in Mügeln wäre der u.U. gar nicht nötig! Aber zurück zur DDR: ‚N Drittel der Gesamtbevölkerung, wenn ich mich nicht verrechnet habe,  drängte im Sommer an den Ostseestrad, und da war’s dann eng.

Interessant war auch, und das gibt dem Klassenfeind dann recht, wie sich marktanaloge Strukturen, Privatzimmervermietung z.B., sozusagen naturwüchsig etablierten, weil die Leute keine Lust hatten, sich nur von Gewerkschaften oder Betrieben die Urlaube organisieren zu lassen. Auch die Entwicklung, daß im Zuge allgemeinen Arbeitskräftemangels – der bei möglicher Reisefreiheit wohl noch ausgeprägter gewesen wäre –  manche Betriebe dann besonders schicke Urlaubsquartiere bauten, um Personal zu werben, was ja auch so eine gegenüber favorisierte Struktur ist, zu glauben, daß da alles so funktionieren würde, warganz spannend. Weil sie zugleich auch zeigt, wieso es Interesse an Massenarbeitslosigkeit gibt, dann muß man sich solche Mühe nicht geben.

So plauderten dann diverse Ex-Urlauber von früher, und schon bei der Empörung, daß es nur 3 Wurstsorten gegeben habe, wunderte ich mich dann doch. Gut, wir fuhren immerhin nach Biarritz und nicht nach Usedom, aber da haben wir dann auch jeden abend Thunfischsalat gegessen, weil das Öl so teuer war, und in den Dosen war halt wat mit drin. Ist natürlich immer die Frage, mit was man nun gerade vergleichen will, der Jugoslawien-Urlaub mit Vater war schon üppig, als ich jedoch Anfang der 80er Schulpraktikum in einem Kindergarten in Vahrenheide/Hannover machte, da hatten die meisten Kids auch noch nie Kühe gesehen, weil sie aus ihrem Hochhaus-Viertel nie rauskamen.

Richtig geärgert hat mich die Empörung einer Interviewpartnerin aber an einem ganz anderem Punkt: Sie regte sich darüber auf, daß es jeden abend um 17.30 h Abendbrot gegeben habe, weil das Personal früh Feierabend machen wollte. Echauffierte sich geradezu über diese Unverschämtheit der Kelllner und Küchenhilfen, so ein dreistes Bedürfnis zu entwickeln.  Und endete mit der Hammer-Pointe, daß sie „perverserweise“ dafür auch noch Verständnis gehabt hätte. Unglaublich! Was eine Perversion! Zum Glück ist sie ja jetzt gesundet.

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Written by momorulez

29. August 2007 um 7:15

19 Antworten

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  1. doch, das find ich genauso, das mit den Kassiererinnen. Dann verdienen die ja derartig viel, dass sie sich das Öl aus der Thunfischdose leisten können, und immerhin die zugewiesene, geförderte Wohnung im Hochhausviertel – wer kann das schon? Früher sind die, als es für westliche Kassiererinnen noch weststaatlich erlaubte unbegrenzte Reisefreiheit gab, zu Hauf in die Sowjetunion gefahren zum Shoppen, oder nach China, um kleinere Menschen in ihrer Ursprünglichkeit zu bestaunen. Wenn sie vom Urlaub wieder heim kamen, bekamen sie von den privaten Reiseagenturen, die jetzt verstaatlicht und Teil der Geheimdienste sind, Rabattmarken für die nächste Reise irgendwohin. – Also, ich versuch das mal so auszudrücken, was ich meine. (Sonst gibt`s wieder Ärger wegen Erfahrungs-Akzeptanz.)

    Dass Ihr das Öl aus der Thunfischdose gegessen habt, hatte aber nichts mit Eurer finanziellen Situation zu tun, sondern das ist einfach eine unterschichtige Mentalitätssache. Genau wie nach Kroatien oder Biarrritz in Urlaub zu fahren. Das machen die Unterschichten. Die brauchen gar keine Reisefreiheit. 1991 hat mal auf einer Hochzeitsfeier in Potsdam ein ruhrgebietlicher Konzern-Manager die Frage gestellt, ob denn jede Putzfrau jedes Jahr in Urlaub fahren muss, wohin sie will.

    T.Albert

    29. August 2007 at 8:12

  2. Dabei komme ich aus dem klassischen Bildungsbürgertum, aber mit zwei „Aufsteiger“-Eltern – Vaddern stammte noch aus echten Proll-Regionen, Mutter aus dem gebildetem Kleinstbürgertum, aber Flüchtlingskind …

    „1991 hat mal auf einer Hochzeitsfeier in Potsdam ein ruhrgebietlicher Konzern-Manager die Frage gestellt, ob denn jede Putzfrau jedes Jahr in Urlaub fahren muss, wohin sie will.“

    Ja, genau das isses ja …

    momorulez

    29. August 2007 at 8:34

  3. Was bin ich denn jetzt für ein Perverser, wenn ich zum Fischessen ins Konoba Stari Grad in Budva fahre? Ist das dekadente westliche Bourgeoisie, die den armen Osten ausbeutet, kosmopolitisches Jet Set in seiner liberalen Aufgeklärtheit oder ostalgische nationalbolschewistische Unterschichtsabstaubermentalität?

    che2001

    29. August 2007 at 8:56

  4. So lange Du egal aus welchem Motiv auch immer akzeptierst, daß Leute gerne pünktlich nach Hause wollen und sie nicht zu Service-Sklaven degradierst, ist das schlicht schnurz …

    momorulez

    29. August 2007 at 9:01

  5. Wenn ich lese, was gerade so durch gewisse Ideologieblogs der freiheitlichen Totalitarismusfreunde läuft sowie der toitschen Erretter Israels fällt es mir schwer, auch noch irgendetwas ironiefrei zu kommentieren.

    che2001

    29. August 2007 at 9:31

  6. Den Effekt hatte ich auch gerade, daß ich mich bei der ganzen rassistischen Grütze, die durch prominiente Rechts-Blogs dümpelt, ständig in schallendes Gelächter ausbrechen mußte, obwohl das ja wirkt, das Zeug …

    Meinst Du diese Think Thank-Geschichte bei Dir drüben, oder noch was anderes?

    momorulez

    29. August 2007 at 9:35

  7. Das nur unter vielem. Ein befreundeter Blogger bekommt täglich ein Dutzend Kommentare wie „Stirb endlich, liberal rules!“ (Sehr liberal, das!), man solle ihn an die Wand stellen, er sei ein schwuler Ziegenficker usw.

    Dann sowas hier: http://kritikundpolemik.myblog.de/kritikundpolemik/art/5349126/Wer_nicht_horen_will_#comm

    und die Kommentarsektionen einiger Spezialfreunde sind auch nicht von belichteten Eltern.

    che2001

    29. August 2007 at 10:13

  8. Das mit dem „Ziegenficker“ hatte ich, glaube ich, sogar mitbekommen, diese „Liberal Rules“-Geschichten nicht, geschweige denn „Stirb endlich“-Ausfälle, paßt aber bestens, muß ja dahin führen, ’ne bestimmte Denke, aber der Link verwirrt mich eher, gebe ich zu …

    momorulez

    29. August 2007 at 10:22

  9. Der Link läuft darauf hinaus, dass jeder, der meint, israelische Produkte oder bestimmte israelische Produkte seien zu boykottieren (meine ich nicht und tat ich nie, wäre aber zu bestimmten Zeitpunkten, z.B. Libanonkrieg von 1982 zu überlegen gewesen), aber auch jeder regelmäßige Indymedialeser Antisemiten seien bzw. deren Geschäft besorgen würden. Differenzierte Auseinandersetzung, die linken Antizionismus kritisiert, aber vom Antisemitismus, insbesondere vom extinktorischen Antisemitismus unterscheidet, sei abzulehnen und jedwede Kritik an der israelischen Politik mit Letzterem gleichzusetzen, ja selbst jedes Verständnis für diese Kritik. Dann kommt halt mal wieder hinzu, dass jede Kapitalismuskritik, die den Kapitalismus anhand konkreter Beispiele und Einzelfälle kritisiert und gegen diese konkret vorgehen will nunmal struktureller Antisemitismus sei, kombiniert mit einer persönlichen Fehde mit einem anderen Blogger und sehr viel Schaum vorm Mund. Scheint aber noch nicht ganz trocken hinter den Ohren zu sein, der Gute.

    che2001

    29. August 2007 at 10:36

  10. MomoRules: An der „Sparsamkeit im Detail“ kann man, wenn man will, erkennen, dass Deine Eltern „Aufsteiger“ waren, denen buchstäblich die Angst vor der leeren Speisekammer in die Seele geschrieben war. Ein klassischer Pfennigfuchser aus dem etablierten Bürgertum wäre, denke ich, auf andere Weise geizig gewesen.
    Ich kenne das von zuhause auch nicht anders, wobei ich meiner Eltern tendenziell eher als „Absteiger“ sehe. Wobei mein Vater – und später auch meine Mutter – von je her eine Aversion gegen „falsche Sparsamkeit“ hatten – sparen durch Verzicht auf den Erholungsurlaub wäre ihnen z. B. (zum Glück) nicht eingefallen. Selbst wenn es vielleicht wirklich mal nur für Zeltplatz am Plöner See reichte.
    Zum DDR-Vergleich: Ich beneide meinen DDR-Cousin einmal ein wenig um das organisierte Ferienlager an der Ostsee, in das er „alleine“ verreisen konnte. So lange, bis ich erfuhr, wie „durchorganisiert“ das Ferienlager wirklich war. Ich hatte es mir so ähnlich vorgestellt, wie in englischen Internats-Romanen für Kinder, was er mir da erzählte, erinnerte mich eher an das, was ich im der Schule von der HJ erfuhr. Wobei die HJ doch deutlich mehr „Drill“ war, aber die Richtung, in die ein FDJ-Ferienlager lief, zielte doch deutlich auf „Disziplin durch Gehormsam“ ab, während es in den englischen und amerikanischen Kinderbüchern und den dort beschriebenen Internaten und Feriencamps mehr um „Diszplin durch Selbstorganisation“ ging. Aber interessant: in beiden Fällen sollten Kinder zu etwas „gekriegt“ werden, wie Michael Ende das in der „Unendlichen Geschichte“ (oder war es doch „Momo“?) ausdrückte. Nämlich zu jener „unhinterfragten“ Disziplin, die sie angeblich brauchen, um es „im Berufsleben zu etwas zu bringen“.
    ußerdem bekam ich indirekt mit, dass „Sozialitisches Land“ und „Sozialitisches Land“ ein Riesenunterschied sein konnte. Wenn ich meiner „Ost-Verwandschaft“ glauben darf, dann verhielten sich die Bedienung am Balaton in Ungarn so ähnlich wie die Kellnerin in Jugostlawien: sie rissen sich kein Bein aus, waren dabei aber freundlich. In der DDR, an der Ostsee, hatten sie aber oft den Eindruck, dass die Bedienung ihren Frust an den Gästen ausließ. Wobei sich die Frage stellt, woher dieser DDR-Frust kam. Meine Theorie geht dahin, dass die nervige „Rotlichtbestrahlung“, die ständig „freiwillige Mehrleistungen“, „Planübererfüllung“ usw. und vor allem: unbedingte Loyalität zum Staat forderte, in der DDR einfach intensiver war. Hinzu kam anscheinend noch der „typisch deutsche“ Hang zur Überorganisation, der den etwas gelasseneren Ungarn wohl abging. Es gab aber auch eine Punkt, in dem sich die Ungarischen Kellner oft von der Jugoslawischen Kellnerin unterschied: für Westgeld wurden sie auffällig eifrig. Das ging so weit, dass sie regelrecht ihre Blicke dafür trainiert zu haben schienen, wer West- und wer Ostdeutscher war.

    MartinM

    29. August 2007 at 10:45

  11. Also bitte, Jugoslawien ist da überhaupt nicht subsummierbar, das war ein völlig anderes Sozialismusmodell. Jugoslawien war von der DDR so weit weg wie, sagen wir, die BRD von Mexico.

    che2001

    29. August 2007 at 10:53

  12. @Che:

    Hmmmpf, diese Boykott-Geschichte fand ich aber ausnahmsweise so ohne nun auch wieder nicht, und daß die Intensität des „Rumhackens“ auf Israel nicht unbedingt jener entspricht, die man in anderen Fällen so an den Tag legt, das finde ich schon auch immer mal wieder erwähnenswert. Schlimm finde ich nur die Immunisierung gegen jegliche Kritik und natürlich sowieso diesen Quatsch mit dem „strukturellen Antisemtismus“, der ja selber einer ist.

    Kann mich aber trotzdem manchmal des Eindrucks nicht erwehren, daß, seitdem die Neue Rechte Hand in Hand mit manch Antideutschen Israel wirklich auf’s Ekligste, pathetischte und irgendwie auch strukturell nationalistischte mißbraucht, instrumentalisiert und letztlich ja rhetorisch vergewaltigt (Dein Rommel-Beispiel finde ich da immer sehr treffsicher), sozusagen im Gegenzug dann tatsächlich etwas eigentümliche Perspektiven auf Israel entstehen und man da dann auch gerne mal dem politischen Gegner auf den Leim geht.

    Würden die jetzt, wasweißich, Hildegard Knef, meine persönliche Lieblinssängerin, als Ikone des Prowestlichen ausrufen, hätte ich wohl irgendwann selbst was gegen die. Und das heißt dann eben, sich manipulieren zu lassen. Und das passiert schon dem einen oder anderen von „uns“ gelegentlich.

    @Martin:

    Das mit den Thunfisch-Dosen war ja nicht mit meinen Eltern 😉 … und Urlaube gab’s bei uns jeden Sommer. Da wurde nicht drauf verzichtet, und auch nicht wirklich gespart. Für meine Mutter waren aber so Sachen wie „gute Butter“ statt Magarine auf’s Brot immens wichtig, weil sie Magarine und z.B. auch Zukcerrübensirup immer mit der wirklich extremen Armut der Nachkriegszeit in Verbindung brachte.

    Zu den FDJ-Ferienlagern: Das wäre nun wirklich mal spannend, wenn Boche oder Stefanolix sich dazu mal äußern würden, und sei’s nur, um mir den Kopf zu waschen. Eine DKP-Freundin von mir ist in den 80ern immer an den Scharmützelsee gefahren, und das schien das durchaus ganz locker zu sein. Ein Ost-Verwandter von mir hat da auch Frisurenshows zur Abrüstung, ’87 war das, durchgeführt und schilderte das als sehr lustig. Genau so, wie die Jugendweihe selbst von einem, der über die Prager Botschaft geflüchtet war, noch als ganz wichtiger Moment beschrieben wurde, ein Kollegge von mir war das.

    Zum folgenden natürlich vollste Zustimmung:

    „Nämlich zu jener “unhinterfragten” Disziplin, die sie angeblich brauchen, um es “im Berufsleben zu etwas zu bringen”.“

    Und zum Ost-Frust: Ich glaube, dieses Gefühl des Eingesperrtseins, das war ein physisches. Gibt ja so UndergroundFilme aus den späten 80ern, die bestehen nur aus Mauern, Zäunen, Gittern.

    Zum anderen war’s aber auch diese irreale Vorstellung des Massenwohlstands im Westen, eben das mit den Joghurtsorten, behaupte ich einfach mal. Unsere Ost-Verwandten lebten, weil der Mann zu den wenigen Selbstständigen gehörte, auf einem höheren Lebensstandard als wir: 2 Autos, Videorekorder, schickes Haus usw..

    Die hielten aber uns für reich. Als ich die oben erwähnte Cousine dann zu Portugiesisch essen einlud, für mich als Student echt ’ne Stange Geld, fand die das völlig selbstverständlich, so als historisch Zukurzgekommene, und hat noch nicht mal „danke!“ gesagt. Mit anderen Worten: Irgendwie gab’s da ’ne Schlaraffen-Land-Vorstellung im Bezug auf den Westen, und deshalb war das Erwachen dann ja so bitterböse, als man sich vorm prall gefüllten Joghurt-Regal wiederfand und doch nur Kohle für die „gut & Billig“-Sorte hatte …

    momorulez

    29. August 2007 at 11:14

  13. @Hmmmpf, diese Boykott-Geschichte fand ich aber ausnahmsweise so ohne nun auch wieder nicht, und daß die Intensität des “Rumhackens” auf Israel nicht unbedingt jener entspricht, die man in anderen Fällen so an den Tag legt, das finde ich schon auch immer mal wieder erwähnenswert. – es ist noch nicht so lange her, dass türkische Reisebüros wg. Kurdistan boykottiert wurden, und kein anständiger Linker machte in der Türkei Urlaub. Also, so exklusiv auf Israel beschränkt sich das nicht. Trotzdem hat die Boykkottkultur der Linken vielfach etwas Kanonisches. Ich erinnere mich daran, dass zu den südafrikanische Obstanbietern, die zu Apartheid-Zeiten auf der Schwarzen Liste standen, neben Rio Grande die Marke Outspan stand. Als ich nach der Wende in Südafrika Outspan-Orangen kaufte – jetzt durfte man ja – stand auf dem Eitkett „Product of Botswana“ 😉

    Dass Produkte aus der Volksrepublik China hingegen nicht boykottiert werden ist schon bemerkenswert.

    Dass merkwürdige Verhältnis Ossis/Wessis damals war schon something special, ich hatte früher auf rebellmarkt mit Stefanolix darüber interessante Diskusionen. Ich habe bis in die Zeit nach 2000 Situationen erlebt, in denen Ossis mich für einen Geizhals hielten, wenn ich sie bei Besuchswochenenden mit Restaurantbesuchen, Kneipenausflügen und Museumsbesuchen nicht komplett aushielt, obwohl ich das Geld nicht hatte, und regelmäßig Probleme, was „wer bezahlt was“ angeht, immer auch ein latentes Mißtrauen, man wolle sie übers Ohr hauen.

    Als wir nach der Wende Besuch von Freunden aus der DDR bekamen, denen wir ein rauschendes Fest bereiten wollten, nutzten die unsere WG nur als Schlafplatz für eine Einkaufstour.

    In Ägypten unterwegs als Rucksacktouristen wurden wir von einem Familienvater mit eigenem Haus angebettelt, und als wir sagten, wir wären selber nicht weit von der Armutsgrenze weg, erwiderte er: „But you come from a rich country.“

    che2001

    29. August 2007 at 11:44

  14. @Che:

    „Also, so exklusiv auf Israel beschränkt sich das nicht“ – nee, natürlich nicht. Aber die Bereitschaft, über Israel herzufallen, ist bei manchen, aber eben auch nur bei manchen doch ungleich höher als in anderen Fällen.

    Aber siehe oben: Wenn massenhaft Arschlöcher sich Pro-Israel-Sticker in’s Blog packen, dann macht das ja auch was mit einem. Armes Israel, solche Freunde zu haben ist auch nicht schön, als hätten die nicht schon genug eklige Feinde …

    Und China, da habe ich neulich einen Schreck bekommen, als ich Schuhe kaufte in irgendeinem szenigen Laden und erst zu Hause das „made in china“ sah. Die hätte ich tatsächlich nicht gekauft, wenn ich’s gesehen hätte. Da habe ich mich geschämt.

    Diese Ossi-Erfahrungen haben wir auch so gemacht, das war hammerhart …

    momorulez

    29. August 2007 at 13:05

  15. Als Don in Israe über die Antideutschen berichtete, fanden die Israelis das völlig strange, meinten dann, dass die Deutschen ihre Probleme mit ihrer Vergangenheit unter oder mit sich austragen und nicht Israel als Projektionsfläche mit reinziehen sollte. Es sind ja schon Antideutsche, die sich freiwillig zu den israelischen Streitkräften melden wollten, zurückgeschickt worden – ebenso wie Islamisten einer mit den Wahabiten verfeindeten Rechtsschule, die gegen die Hamas kämpfen wollten.

    che2001

    29. August 2007 at 13:18

  16. „Als Don in Israe über die Antideutschen berichtete, fanden die Israelis das völlig strange, meinten dann, dass die Deutschen ihre Probleme mit ihrer Vergangenheit unter oder mit sich austragen und nicht Israel als Projektionsfläche mit reinziehen sollte.“

    Kann ich mir bestens vorstellen. Ist ja auch wirklich grauenhaft, dieses Instrumentalisieren.

    momorulez

    29. August 2007 at 13:26

  17. Ist euch eigentlich schon mal aufgefallen, dass die Aldi-Kassiererinnen seit sie diese piepdinger haben und nicht mehr alle Artikel aus dem Kopf in die Kasse eintippen, so schnell, dass die hinten über fallen, weil ich nicht mitkomme, dass die seitdem schlechtere Laune haben? So hohl schauen, wie die anderen bei toom und so?

    ring2

    30. August 2007 at 8:00

  18. Zum FDJ-Ferienlager in der DDR: soweit mit bekannt, gab es außer der FDJ auch andere Träger von Ferienlagern – z. B. der FDGB oder auch einzelne Betriebe. Das von mir erwähnte Zeltlager muss Anfang der 70er Jahre stattgefunden haben und war eine „reine“ FDJ-Veranstaltung mit „Pfadfinder-Appeal“. Ich muss für Details noch mal nachfragen. Dass die DKP-Freundin die Lager am Scharmützelsee als „durchaus ganz locker“ beschreibt, erstaunt mich nicht: wahrscheinlich waren die Teilnehmer schon etwas „Erwachsener“, es war sicherlich kein reines FDJ-Lager und es war vermutlich auch kein „pfadfinderartig“ aufgezogenes Zeltlager. Hinzu kommt, dass das gesellschaftliche Klima in der DDR in der 80er Jahren nicht mehr so „verkramft“ war, wie z. B. in der Ulbricht-Ära (die Anfang der 70er noch nachgewirkt haben dürfte).

    MartinM

    30. August 2007 at 18:49

  19. Na ja, die DDR veranstaltete ja auch für DKP-MSB-SDAJ-und DFU-Mitglieder speziell organisierte Freizeiten, um ihre Vasallen im Westen an sich zu binden, aber auch, um an West-Devisen zu kommen, und da wurde den Gästen schon was geboten.

    che2001

    3. September 2007 at 9:20


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