shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

„Rational Choice“

with 33 comments

image18.gif

Quelle

Das da oben spuckt die Google-Bildsuche aus, wenn man „rational choice“ eingibt. Nun stelle man sich einfach mal vor, das hinge in einer Größe von 2 mal 3 Meter an einer Museumswand. Ist das dann wie die alte Duchamps-Nummer mit dem Urinal? Oder ist ein Urinal nicht viel schöner? Hat das was mit den Konstruktivisten zu tun, das da oben?

Überhaupt: Welche Form der Literatur, des Films, der Musik imaginiert man, wenn man „rational choice“ hört, so als Wortdouble? Ein existentialistisches Drama, ein Sozialdrama über Kündigungswellen im Nordengland der späten 70er, ein Epos über einen Heiratsschwindler? Kraftwerk oder Stockhausen oder nicht doch Dieter Bohlen?

Politisch wirkt oft die Ästhetik, sach ich mal. Wie wirkt denn die da oben, und wie so ein Begriffspaar?

Advertisements

Written by momorulez

31. August 2007 um 7:57

Veröffentlicht in Nicht kategorisiert

33 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Da fällt mir nur zu ein, dass wir in jungen Jahren das Testbild im Fernsehen geguckt haben, wenn wir sehr bekifft waren.

    che2001

    31. August 2007 at 8:10

  2. Das kenne ich auch noch, auch als Nicht-Kiffer. Habe eine meiner ehemals besten Freundinnen kennengelernt bei einer Party, wo so als Installation überall Fernseher aufgestellt waren, auf denen man das Testbild sah, und dann unterhielten wir uns sehr angeregt über eben dieses, stundenlang …

    Was fangen nur diese Generationen nach uns, die ohne das Testbild aufgewachsen sind, mit ihrem Leben an???

    momorulez

    31. August 2007 at 8:20

  3. Sehr spät gibt es noch Testbilder, aber ich frage mich ohnehin, was die mit ihrem Leben anfangen. Vor ein paar Jahren war ich auf einer Hacker-Party, da wurde der Quellcode des Mainframes eines Uni-Rechenzentrums, den sie gerade geknackt hatten, auf die Wand projiziert, und man unterhielt sich darüber mit dem Bier in der Hand wie Männer, die über schnelle Frauen oder schöne Autos reden.

    che2001

    31. August 2007 at 8:26

  4. Interessanterweise führt die Bezeichnung „rational choice“ ja ihre eigene Negation mit sich. Wenn Entscheidungen nämlich, was die Theorie voraussetzt, per definition rational wären, dann müssten ihre Vertreter auf das Attribut „rational“ eigentlich verzichten. Tun sie aber nicht. So impliziert die Theorie dann selbst, dass es auch irrationale Entscheidungen gibt. Z.B. stundenlang ein Testbild anzusehen – egal ob mit oder ohne den Einfluss bewusstseinserweiternder Drogen. Ich würde übrigens gerne mal das Diagramm sehen, mit dem RationalChoicer das Testbildgucken modellieren. Das wäre dann eher Magritte als Duchamp.

    reformstau(b)

    31. August 2007 at 9:05

  5. Für welches Modell wäre denn Dalí das Diagramm?

    che2001

    31. August 2007 at 9:08

  6. @Refomstau(b):

    Ich vermute ja eh ein rationalitätstheoretisches Defizit bei den „rational choice“-Theoretikern 😉 … sonst wäre die niemals so populär unter Wiwis. Und beim Testbildgucken kehrt sich wahrscheinlich dieser Entscheidungstrichter um, den man über Google-Bildsuche auch bekommt, wenn man „rational choice“ eingibt.

    @Che:

    Dali? Oha. Das hätte auf jeden Fall zwei Ebenen, Dali als Diagramm, so wie die Oberflächen- und Tiefenstruktur in der Generatiben Grammatik. Und während die eine Ebene (Oberflächenstruktur) wahrscheinlich eine Freudianische Taxinomie ergäbe, wäre die Tiefenstruktur eher wie ein asiatisches Kochbuch strukturiert … kurz: Eine Kreuzung aus Psychoanalyse und Rezept.

    momorulez

    31. August 2007 at 9:40

  7. Aesthetik hat nie einen rationalen Anteil. Das waere ja schlimm. Ich empfinde den Begriff „rational choice“ als doppelt gemoppelt, da eine Entscheidung immer Rational ist, insofern, dass jede Entscheidung immer einen Grund hat. Der einzige interessante Aspekt daran ist, dass der Grund manchmal unerkennbar, und sogar manchmal unmoeglich zu erkennen ist.

    Hergolz Rengler

    31. August 2007 at 11:40

  8. Für mich hätte rational coice etwas mit Selbstmord zu tun. Oder Mord, meinetwegen.

    ring2

    31. August 2007 at 12:17

  9. … oder Tätowieren.

    ring2

    31. August 2007 at 12:17

  10. […] 31st, 2007 by NUB Allein diese beiden Kommentare haben das Blog shifting reality schon mit Sinn […]

  11. @Ring2:

    Das läßt sich bestimmt kombinieren, Tätowieren und Selbstmord 🙂 … auch mal ’ne Performance-Idee.

    @Hergolz Rengler:

    „Ich empfinde den Begriff “rational choice” als doppelt gemoppelt, da eine Entscheidung immer Rational ist, insofern, dass jede Entscheidung immer einen Grund hat.“

    Stimmt! Da fangen dann ja auch richtige Rationaltätstheorien an: Bei Gründen und Kriterien.

    momorulez

    31. August 2007 at 12:41

  12. Och nee, das geht jetzt in Richtung von Monomas Standpunkt, der Tätowieren mit Selbstverstümmeln in Verbindung bringt, was ich ja für falsch halte…

    Ich sollte mir mal wieder was stechen lasssen 😉

    che2001

    31. August 2007 at 12:50

  13. „wie die Oberflächen- und Tiefenstruktur in der Generatiben Grammatik.“

    Wahh. Transformationsgrammatik ist pfui. 😉

    David

    31. August 2007 at 13:53

  14. Ästhetik hat nie einen rationalen Anteil?

    Das geht aber wieder schnell hier.MeinlieberSchieber.

    T. Albert

    31. August 2007 at 14:14

  15. @David:

    Ich habe das x-bar-schema auch gehasst wie die Pest … „wh-hopping“, igittigitt …

    @T.Albert:

    Ich glaube, er meinte das ironisch …

    momorulez

    31. August 2007 at 14:29

  16. Naja, das X-bar-Schema alleine geht ja noch, das hat einen gewissen Wert und setzt ja nicht unbedingt Transformationen voraus.

    Wußte bisher übrigens gar nicht, daß Du auch Linguistik in dieser Form betrieben hast. Hast Du da viel gemacht?

    David

    31. August 2007 at 14:38

  17. „wh-hopping“

    slashing

    David

    31. August 2007 at 14:41

  18. Nee, ich hatte am Anfang Hauptfach Franzöisch, habe das aber nach 2 oder 3 Semestern wieder bleiben lassen. Und da war Linguistik Pflicht – ich fand das aber auch, allen Images zum Trotze, spannender als den literaturwissenschaftlichen Zweig. War aber de facto nur eine sehr spannende Einführungsvorlesung und ein ziemlich ödes Seminar zu Fanselow/Felix.

    Wobei natürlich immer die Frage ist, ob der sprachanalytische Zweig der Philosophie nicht auch sowas ähnliches ist. Und der war mir schon wichtig.

    momorulez

    31. August 2007 at 16:26

  19. sowas an gross zu malen, das haben einige Studenten der Kunsthochschule in Zürich vor drei, vier Jahren gemacht. Sie haben es nicht direkt auf die Wand gemalt, wenn ich mich recht erinnere, aber einen wandmässig grossen Bildträger benutzt, den man nicht ohne weiteres überblicken konnte. Draufgemalt haben sie dann irgendeinen Teil der Illustrator-Farbpalette, wie man sie im Menu hat. Also, die haben das so ready-made-artig übernommen und aufgeblasen. Und s war ziemlich schlapp, echt. Der Duchamp war einfach intelligent und wirklich ein grosser Semantiker, im Gegensatz zu so vielen seiner bewussten und unbeabsichtigten Adepten der nunmehr 385 sten Generation. Und,
    lieber Momorulez,
    die Konstruktivisten, also, die Konstruktivisten waren, wie ihr Name schon sagt, keineswegs Spinner einer als vollkommen rational gedachten Ästhetik, wie auch immer die nun aussehen soll, was man mir ja gerne mal erklären könnte, sondern eben Konstruktivisten. die interessierten sich für den Aspekt der Konstruktion, und da sie, wie alle Künstler, jedenfalls, wie diejenigen, die ich kannte und kenne und von denen rückzuschliessen ich mir gemeinerweise einfach erlaube, eher mit nicht so überragenden mathematischen Kenntnissen ausgestattet waren, haben sie die zeitgenössishen Entwicklungen der Ingenieurskunst heftigst bewundert, zu recht ja, und versucht sich da anzuschliessen. Der unklare „rationale“ Aspekt wurde aber von ihnen nie totalisiert, wie viele sich das oft vorstellen, sondern war Teil einer Poetik des Raumes (und des Machens). Darüber konnten sie aber u.U. tatsächlich ingenieursmässig werden, wenn sie ihr experimentelles Vorgehen z.B. auf Kraftverläufe und Verbindungen konzentrierten. Die sie natürlich interessierten. Joganson hat dann seine bildhauerischen Konstruktionen tatsächlich in praktisch-industrielle Anwendung eingebracht. Das ist übrigens ein spannendes Beispiel für interdisziplinäres Denken und dafür, wie technische Rationalität aus poetischen Methoden des Machens, also freien entwerferischen Denkens ohne Ziel, hervorgehen kann, und umgekehrt. Die frühsowjetische Zeit ist voll davon. Es gibt ja kaum was spannenderes. Neben Le Corbusier, natürlich, den Ihr alle nicht mögt. -:)

    T. Albert

    31. August 2007 at 16:39

  20. @T.Albert:

    Kann mir vorstellen, daß das schlapp war. Wie ja die Theorie des „rational choice“ selbst eben auch, soweit mir bekannt. Wa ja immer der sowohl Luhmann als auch Habermas-Gegenspieler in der Soziologie: Verallgemeinerter Subjektivismus halt.

    Während z.B. das oben erwähnte x-Bar-Schema der Linguisten schon auch eine Ästhetik hat, die was hat. Und Milimenterpapier z.B. finde ich auch bis heute extrem faszinierend. Habe das da oben ja schon extra verschwommen gemacht, damit’s wenigstens nach irgendwas aussieht.

    Zu den Konstruktivisten: Da bin ich mir ja selbst Rechenschaft schuldig, woher meine irrationale Aversion da eigentlich kommt. Mondrian macht mich ja geradezu aggresiv, der gehört doch dazu? Man gut, daß Loellie die gerne mag, sonst ginge bei RAR echt was schief. Und Le Corbusier, da kann ich mir gar kein Urteil drüber erlauben.

    Beim Blättern in der neuen ART soeben fiel mi ein Bild auf, das fand ich dann wieder richtig gut, von Lubjew Popowa, welcher die Bewegung von Maschinen in die malerische Komposition umsetzte laut Bilduunterschrift. Das sieht aus wie ein sortierter Kandinsky. Die Bildunterschrift behauptet zudem, dieser habe dem „Suprematismus“ mit angehört, war da nicht auch der Held des schwarzen Quadrates zugehörig? Und haben diese Maschinenbewegungsästhetik nicht auch die Futuristen, also vor allem Geschwingkeit, thematisiert? Was ich von denen bisher so gesehen habe, gefiel mir ja auch richtig gut, deshalb habe ich nie verstanden, wie die Faschisten werden konnten, aber bei Nolde verstehe ich das ja auch nicht …. oder bringe ich gerade alles durcheinander?

    momorulez

    31. August 2007 at 16:56

  21. Bei den Futuristen spielt wohl eine generell Gewalt als Dynamik bewundernde Einstellung eine Rolle, die mehr Mentalität der Szene als künstlerisches Ausdrucksmittel war. Insofern ist die Hinwendung zum Faschismus von Vornherein zwar nicht angelegt, aber gegeben. Konstruktivisten würde ich nicht alle über einen Kamm scheren.Mondrian, aus dessen Ästhetik ja sogar Verpackungsdesign abgeleitet wurde (von Mondrian bis Persil) und Malewitsch sind kaum unter einen Hut zu bringen, bei Kandinsky vermischen sich Konstruktivismus und Expressionismus, bei Miró Konstruktivismus und Surrealismus.

    che2001

    31. August 2007 at 20:40

  22. Das A-Team sendet ein Testbild! Nur für Euch, nehme ich an.

    David

    1. September 2007 at 2:31

  23. @Che:

    Na, daß man nicht alles über einen Kamm scheren kann, das gilt ja immer. Und Miro finde ich auch doof 😉 … Malewitsch oder Kandinsky aber nicht.

    Aber zu den Futuristen würde mich ja schon interessieren, welcher Punkt da ist, wo die künstlerische Konzeption sozusagen umkippt – die haben doch auch Manifeste vefaßt und so …

    @David:

    Das Testbild damals im Fernseher war aber viel schöner 😉 … ich glaube eher, wir haben sie überzeugt, und deshalb haben sie sich abgschafft und wederauferstehen demnächst als linkes Blog!

    momorulez

    1. September 2007 at 7:48

  24. Da kippte nichts um. „Wir erklären, dass der Glanz der Welt sich bereichert hat durch eine neue Schönheit: Die Schönheit der Geschwindigkeit. Ein Rennwagen, dessen Motorhaube große Rohre schmücken, die Schlangen mit explosivem Atem gleichen, ein aufbrüllendes Automobil, das einem schießenden Maschinengewehr gleicht, ist viel schöner als die Venus von Samothrake.“ Manifsto di Marinetti, 1909. Marinetti forderte die Zerstörung der Kunstakademien,NMuseen, Bibliotheken und Galerien und bekannte: „Wir wollen den Krieg verherrlichen und den Militarismus.“ Kernaussage des Futurismus war, die ganze alte tradierte vorindustruielle Welt vernichten zu wollen. Leute wie Duchamp oder Egger-Lienz waren in diesem Zusammenhang keine Futuristen, sondern nur Künstler, die die Formensprache des Futurismus zeitweilig aufgriffen.

    che2001

    1. September 2007 at 9:28

  25. Also eher so in Richtung Jüngerscher Stahlgewitter?

    Daß bei so einer beschissenen Programmatik dann so coole Bilder rauskommen ….

    Erinnert Dich das nicht auch an die Neocon-Perspektiven, daß im Zuge eines Nation-Buildings von außen mittels Krieg die vermeindlich „vormoderne“, islamische Lebenswelt dann in Trümmer geleget werden muß?

    momorulez

    1. September 2007 at 10:25

  26. Ich finde deren Bilder ja nicht cool. Zum Thema Neocon-Programmatik habe ich einen doppelten Buchtipp: „Völkermord gegen soziale Revolution. Das Wirtschaftssystem nach Bretton Woods als Vollstrecker der nationalsozialistischen Neuen Ordnung“ von Detlef Hartmann in Autonmie Neue Folge Nr.14 und Detlef Hartmann | Dirk Vogelskamp
    Irak.
    Schwelle zum sozialen Weltkrieg
    Nachkriegsstrategien der US-Regierung und ihrer Think Tanks.

    che2001

    1. September 2007 at 14:02

  27. Das läßt sich bestimmt kombinieren, Tätowieren und Selbstmord 🙂 … auch mal ‘ne Performance-Idee.

    Da könntest du dich von Kafkas „In der Strafkolonie“ inspirieren lassen…

    abdel kader

    1. September 2007 at 14:13

  28. Au. Schon der Gedanke tut weh.

    David

    1. September 2007 at 18:30

  29. Ich muß da immer nur an diesen ekligen Knebel denken, wo schon so viele reinbeißen mußten, der da mit auftaucht in der „Strafkolonie“ …. schaurig … hatte ich zum Glück gar nicht mehr präsent, den Text …

    MomoRules

    1. September 2007 at 21:10

  30. MomoRules : „ich glaube eher, wir haben sie überzeugt, und deshalb haben sie sich abgschafft und wederauferstehen demnächst als linkes Blog!“

    Wunschdenken. 😉

    NUB

    2. September 2007 at 8:39

  31. Ich weiß gar nicht, ob ich mir das wünschen würde, ich brauche schon meine Antagonisten …

    momorulez

    2. September 2007 at 9:30

  32. Dunkle Männer die die Zeit stehlen?

    David

    2. September 2007 at 11:23

  33. Nee, das sind die Antagonisten, die ich so gar nicht brauchen kann 😉 … die brauchen immer nur mich, die Schweine, und lassen mich nicht los … und keine Kassiopeia weit und breit … aber die, die denen das Wort reden und ansonsten ganz nett sind, die finde ich schon wichtig …

    momorulez

    2. September 2007 at 12:03


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s