shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

links, liberal: Deswegen sind wir hier

with 9 comments

Ja das fällt schon auf, dass sich in letzter Zeit alternde Popper zu politischem Aktionismus hingezogen fühlen. Der Kulturbetrieb, auch der poppige, kann eben keinen Diskurs führen, der auch wirkt. Das liegt zum einen darin begründet, dass viele die in Deutschland für Kultur sich zuständig fühlen zum System und damit zum Problem gehören. Zum anderen es einfach niemanden interessiert. Denn auf den Ersten und Dritten findet das nicht statt, was Menschen 2007 bewegt.

Nun ist zu den ganzen alten Männern – Che ausgenommen – die sich hier zusammenfinden und politisch agieren, stänkern und beeinflussen wollen, noch eine Frau hinzu gekommen, die mir so nocht nicht politisch aufgefallen ist. Die Teilnahme am Projekt Tagesspiegel scheint Weiterentwicklung zu fördern. Und das sage ich natürlich nur, weil sie mir tlw. die Rede schreibt:

Ökonomie und nicht Kultur ist die neue Politik: Zu diesem Punkt kommen wir
natürlich auf verschiedenen Wegen und die folgende kurz einleitende Erzählung,
versucht hier erstmal eher historische Momente zusammenzutragen – jüngere
Momente aus der Geschichte der Linken, ältere aus der des Neoliberalismus – und
man muss gleich sagen, dass wir bestimmte Punkte teilen, andere sicher weniger.
Ich würde beispielsweise nicht fragen, ob es einen linken Neoliberalismus braucht.
Er ist dringend notwendig, denn man entkommt der Ordnung des Neoliberalismus
nicht, wir sind schon drinnen. Deshalb ist es Zeit, die Diskurse vom Kopf auf die
Füße zu stellen. Nachdem die Welt sich ja nicht mehr so verhält, wie man es
gewohnt war. Ich meine, hey. Wir sind ja eher spät dran.

Ich nenne mal ein paar Felder: Globalisierung, Internet, Klimaschutz, Terrorismus,
Festanstellung, Frieden durch Krieg, das Problem mit der Jugend, die keine
Bedrohung der Gesellschaft mehr, sondern fest in der Hand der Alten ist, sowieso
ein niemanden mehr irritierender Popdiskurs, auch auf Grund der voranschreitenden
Rechts-Links-Konvergenz, also Entpolitisierung, Politik sowieso nur noch
Verwaltung, außerdem Angst-ist-das-neue-Links und Hier-meine-Payback-
Kartenüberwachung-ja-gerne. Nichts funktioniert mehr so, wie man es gewohnt war
– warum auch. In diesem Kuddelmuddel muss man versuchen, mal ein paar Punkte
einzufordern

… was wir hier ja auch tun.
In diesem Zusammenhang meldet sich auch die Jugend hier zu Wort. Die liest immerhin noch Karl May, es ist eben doch noch Hoffnung in der Welt und vor allem in Berlin, was ja nicht unwesentlich wichtig werden könnte.

Ich lese jetzt diesen Aufsatz zuende. Mal sehen ob er so viel versprechend weitergeht, wie er begonnen hat. – und Momo, das ist als Stachel und Vorlage zugleich gemeint –

Advertisements

Written by ring2

4. September 2007 um 10:41

9 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Daß am Popdiskurs sich niemand mehr reibt, das liegt daran, daß mittendrin Leute sitzen, die mit einer Aufzählung von Leitartikel-Versatzstücken einen „linken Neoliberalismus“ beschwören wollen …

    Falsch ist’s zudem, natürlich reiben sich alle an Bushido, weil der eben als Symptom neoliberaler Entwicklungen sich prächtig verkauft … und damit meine ich nicht dessen „Migrationshintergrund“ als prototypisch für „Globalsierung“ (’ne globalisierte Flüchtlingspolitik würde ich mir ja wünschen), sondern daß an diesem eben die proklamierte Aggression der allgemeinen Verwertungslogik deutlichst wird und der weiß, wie man Märkte bedient. Dissen ist eben auch ’ne Form der Konkurrenz 😉 …

    momorulez

    4. September 2007 at 11:08

  2. Den hat der Staat tatsächlich ziemlich mies erzogen.

    David

    4. September 2007 at 12:33

  3. War das der Staat?

    momorulez

    4. September 2007 at 12:36

  4. Vielleicht auch seine durch und durch neoliberalen Eltern? Fiese Möpp…

    David

    4. September 2007 at 12:41

  5. Ich glaube, der hat zwar ’nen tunesischen Vater, ist aber von alleinerziehender Mutter großgezogen … wobei’s ja ein Gerücht ist zu glauben, daß Prägungen im wesentlichen durch Schulen und Eltern erfolgten … die meisten Kids sind doch heutzutage von liberalen Blogs geprägt 😉 …

    momorulez

    4. September 2007 at 12:55

  6. Es ging Bunz mit Popdiskurs um was anderes – wohl um Spex und De:Bug etc, wo eben heute nahezu nichts mehr an linken Positionen zu finden ist. Den linken Neoliberalismus-Vortrag durfte ich live von ihr auf dem 9to5-Festival letzte Woche erleben und fand ihn eher mässig. Anton Landgraf + Kooautorin hatten eine ganz passable Kritik daran in der FR verfasst: ob man es nicht einfach „Realpolitik“ nennen könnte. Das Ganze lässig vorgetragen und mit Foucault begründet. Die Schlußfolgerung, dass man auch die Abschaffung dieses ökonomischen Systems einfordern könnte, kommt Bunz nicht in den Sinn.

    unkultur

    4. September 2007 at 15:19

  7. Das ist ja gerade das, was mich ärgert: Diese Selbstbezüglichkeit der Pop-Diskursler von Spex, Bunz und De:Bug. Als gäbe es nur Berlin Mitte und die dort versammelte Journaille. Slebst Köln wurde ja nun exkludiert, dabei gibt’s dan wenigstens noch so ein Anti-Schicki-Micki-Ethos. Für die Pseudo-Hipster ist natürlich ein „linker Neoliberalismus“ ziemlich unproblematisch, die leben den ja eh, meistens gezwungenermaßen, und dann macht man mit so einem affigen Konstrukt, wo man natürlich als Blattmacher weiß, daß auch brav Deppen wie ich hinterher drüber diskutieren, dann einfach aus der Not eine Tugend.

    Mein volles Migefühl, daß Du Dir dieses Gebunze antun mußtest (sorry, Ring2).

    „Die Schlußfolgerung, dass man auch die Abschaffung dieses ökonomischen Systems einfordern könnte, kommt Bunz nicht in den Sinn.“

    Weil sie eben nicht in chinesischen Fabriken schuftet … kann man ja auch als „Linken Neoliberalismus“ beschreien, was da so läuft, wenn man boshaft ist. Und weil sie nicht am Mümmelmannsberg rumhängt, auf dem Otto-Katalog-Sofa, und von Ammer-Parties träumt (Gruß an Mignon, die hier nicht mitliest).

    momorulez

    4. September 2007 at 15:33

  8. ‚Wir können sicher sein: Mit einer kulturellen »Elite«, die solche Zumutungen fraglos akzeptiert, kann alles gemacht werden. Ihr können der sozialpolitische Rückschritt als Reform, die imperialistische Aggression als Friedenspolitik, der Irrationalismus als erstrebenswerte intellektuelle Disposition, gnadenlose Anpassung und würdelose Unterwerfung (die beispielsweise in den postmodernistischen »Diskursen« gang und gäbe sind) als »kritische«, gar »subversive« Haltungen verkauft werden. Vor allem kann ihr jedoch die Entstrukturierung ihrer Lebensverhältnisse und die destruktive Wirkung eines zunehmenden »lebensweltlichen« Bewährungsdrucks (»Angst vor dem Absturz«) als Chance selbstbestimmter Lebensgestaltung vorgegaukelt werden.‘

    seppmann

    m.a.c.k.e.

    6. September 2007 at 9:44

  9. Erstmal verweise ich hier mal auf die Rezension von Peter Scheifelein der Spex.

    Und dann wäre ja eine Auflösung der Erwerbsbiographie an sich ja nichts schlechtes, nur riechen die DigiBohm’s halt ganz streng nach Distinktion und kulturökonomischer Elite. Bei den älteren Modellen war ja zumindestens eine Lebensarbeitszeit und eine Ausgliederung reproduktiver Tätigkeiten aus der Produktionssphäre angedacht, während mir eben in diesem „linken Beoliberalismus“ doch genau diese Sphären ineinanderzufließen scheinen. Und dann kann man noch so sehr Geschichten erzählen wollen, die Macht sichtbar machen sollen. Das sind doch selbst Arrivierte, Journalisten, Akademiker. Diese Selbstprojekte, die sie auf Entrepreneurships, Krativität und temporäre Projekte stützen, ist doch genau dieses Modell an unternehemerischer Gouvernementalität, wie es sich schon Bändeweise in der Managerliteratur findet.

    Auf der re:publica im April hat ja dieselbe Garde gesprochen. Auch da fiel mir bereits auf, dass so überhaupt nicht die Bedingungen (Arbeitsteilung, Billige Produktion in der südostasiatischen Computerindustrie) ihrer eigenen intellektuellen Posuitionen reflektiert wurden. Dazu gab es nur einen einzigen Workshop, und der wurde von den Grünen (sic!) organisiert. Interessanterweise wurde damals vorwiegend darüber diskutiert, wie man mit den neuen Medien genau das machen kann, was die alten Medien bisher leisteten. Wie kann man ein großes Publikum erreichen, wie kann man Vertrauen erzeugen etc… Man hatte stark den Eindruck, dass man mit neuen Mitteln weitermachen will wie zuvor, oder eben als Nutzer und Entwickler dieser Technologien eben genau die Positionen derer einnehmen will, die bis jetzt auf den enstprechenden Positionen im Kulturbetrieb sitzen.

    lars

    6. September 2007 at 13:17


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s