shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Die Eliminierung des Sozialen

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Habe mich ja schon oft gefragt, woher dies seltsame Vorliebe liberaler Diskussionspartner für den Biologismus stammt. Und vor allem, warum sie sich dann gar nicht die Frage stellen, wieso sie überhaupt darüber diskutieren und was dieses Diskutieren dann hinsichtlich der Aussagekraft ihrer eigenen Thesen bedeutet. Auf das naheliegendste komme ich natürlich wieder nicht, so als überzeugter Gutmensch:

„Die Dechiffrierung des genetischen Programms soll uns glauben machen,  was die neoliberale Programmatik immer schon politisch unterstellt hat: Es gibt keine sozialen Verhältnisse. Tendenziell läßt sich alles auf informationelle Begriffe und indiviuelle Biologien zurückführen.“

Thomas Lemke, Die Regierung der Risiken, in: Ulrich Bröckling u.a., Gouvernementalität der Gegenwart, Frankfurt/M. 2000, S. 259

Unglaublich erhellender Aufsatz, den Herr Lemke da verfaßt hat. Einer unserer Co-Autoren hier hat ja, glaube ich, Kontakt zu Herrn Lemke, vielleicht läßt der sich ja zu Gastbeiträgen motivieren? Schaun mer mal.

Diese ganze Materialfülle, die er dort aufbereitet, kann ich hier nicht mal eben so wiedergeben; ich beschränke mich mal auf die großen Thesen.

„Genomanalyse und und genetische Diagnostik  stellen nicht nur eine bestimmte Repräsentation von Individuum und Gesellschaft bereit, sie artikulieren auch ein Führungswissen, welches zugleich ein Halndlungsfeld eröffnet und eine Grenze zwischen“angemessenen“ und „effektiven“ Handlungsformen und illegitimen, weil „unökonomischen“ Praktiken etabliert. Daher ist die Genetifizierung der Gesellschaft als eine „genetische Gouvernementalität“ zu begreifen, die das molekulargenetische Wissen mit Formen sozialer Regulation und individueller Selbstführung koppelt. Sie impliziert nicht nur ein Wahrheitsprogramm, sondern ebenso ein Spektrum möglicher, politischer Handlungsoptionen. Wenn soziale Probleme ihr Ursache in der individuellen Biologie haben und diese tendenziell auf genetisch Faktoren zu reduzieren sind, werden Staat und Gesellschaft aus ihrer Verantwortung für die sozialen Bedingungen entlassen, in denen diese Probleme entstehen. Der genetische Reduktionismus funktioniert also im Rahmen neoliberaler Rationalität zunächst als ein Instrument im Kampf gegen wohlfahrtsstaaliche Programme (…)“

Ebd., S. 239

Im weiteren Fortgang der Argumentation zeigt Lemke auf, wie ergänzend zunnehmend „Pflichten gegenüber sich selbst“ formuliert werden – eben ein pflichtgerechter Umgang mit dem je eigenen Gen-Material.

So diskutiert man zudem und erweiternd mittlerweile schon in Kommentaren zur Rechtssprechung, ob nicht gegenüber Eltern, die trotz „Gen-Defekt“ Kinder in die Welt setzen, eben diese Kinder dann einen Rechtsanspruch auf „Wiedergutmachung“ hätten. Zudem werden zunehmend Methoden favorisiert, doch vo der Einpflanzung in den Mutterleib die Zellhaufen erst mal auf „genetische Defekte“ hin zu untersuchen und so die „pränatale Diagnostik“ vorzuverlagern.

Selektion halt. Wir machen unsere Evolution jetzt selbst, und wer am besten an die Gen-Wissenschaften angepaßt wird, der darf überleben.

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122 Antworten

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  1. Tolles Buch dazu: Oliver Tolmein, Wann ist ein Mensch ein Mensch? Ethik auf Abwegen.

    che2001

    4. September 2007 at 7:23

  2. @ MomoRulez
    Dem muss ich jetzt aber mal ein bisschen widersprechen. Als Diskursanalyse mögen die Zitate vom Herrn Lemke ja noch durchgehen. Vielleicht gibt es ja wirklich Leute, die so pauschal denken. Aber als Realitätsbeschreibung taugt es nicht so viel. Dafür ist es viel zu pauschal und undifferenziert. Wie so oft wird ein einzelner Einflussfaktor absolut gesetzt während alle anderen möglichen Kausalfaktoren plötzlich angeblich gar keine Rolle mehr spielen. Rhetorisch sieht das dann so aus: „Wenn soziale Probleme ihr Ursache in der individuellen Biologie haben und diese tendenziell auf genetisch Faktoren zu reduzieren sind, werden Staat und Gesellschaft aus ihrer Verantwortung für die sozialen Bedingungen entlassen, in denen diese Probleme entstehen“. Aus einem Nebel von unbestätigten Axiomen und fraglichen Kausalketten taucht am Ende des Satzes eine einzig mögliche Konsequenz auf: Staat ist überflüssig und Gesellschaft eine Fiktion.

    Da lässt sich ein wahrscheinlich sehr intelligenter Autor künstlich auf das niedrige intellektuelle Niveau seiner fiktiven Subjekte herab. Marcel Reich-Ranitzky würde die Hände vor’m Kopf zusammenschlagen, tiefer in seinen Sessel rutschen, und sagen „Därr deutsche Autorr macht seinen Protagonisten immärr wiedärr zum Toren. Und warum macht er das? Weil er selbst einärr ist. Ja, Frau Löfflärr, so ist das eben. Da brauchen Sie gar nicht so ungläubig zu gucken.“

    Wenn solche Überlegungen zur „genetischen Gouvernementalität“ mehr als nur Feuilleton sein sollen, dann müssten die Autoren tatsächlich mal belegen, dass jede unserer Handlungen zu 100% genetisch determiniert ist. Sonst machen sie nämlich nur die Aussage, dass die genetischen Faktoren dem möglichen Handlungsspielraum einer Person Grenzen setzen. Genauso wie die Tatsache, dass wir keine Flügel haben oder nur zwei Hände. Was innerhalb dieses biologisch gesetzten Handlungsspielraums passiert ist Gesellschaft. Und da gibt es auch in Zukunft eine wichtige Rolle des (Wohlfahrts-)Staats.

    reformstau(b)

    4. September 2007 at 8:46

  3. Klingt ziemlich weit hergeholt und wer von Neoliberalismus faselt scheint mir sowieso eher weniger ernst zu nehmen.

    Aber mal im Ernst: Gegen wohlfahrtsstaatliche Programme gibt es genügend Argumente. Da braucht sich kein neoliberaler Neofaschist Genetik-Professoren kaufen.

    Boche

    4. September 2007 at 8:48

  4. @Reformstau(b):

    Na, die ganzen Belege habe ich ja nicht mitzitiert, das ist ist schon eine ganze Menge, was er da anführt. Und Leute wie Steffen H. proklamieren ja genau solche Philosphien lautstark, Thatcher – die in einer Fußnote zur zitierten Passage auftaucht – hat mit dem Motto, es gäbe nur Individuen, keine Gesellschaft, Politik gemacht, Statler und Rayson bauen darauf ganze Wirtschaftstheorien auf, Frau Merkel hat zeitweise so getan, alls sei die Biotechnologie die Lösung schlechthein für den „Arbeitsmarkt“, Herr Miersch erklärt alle zu Faschisten, die was gegen Gen-Mais haben, und politisch wirkt das ganze ganz unabhängig von seinem Wahrheitsgehalt, auch eine These in dem Aufsatz.

    Natürlich hält der Autor das für falsch, daß alles genetisch determiniert sei, aber dieser und ähnlichen Thesen pflichten doch massenhaft ausgerechnet jene aus dem liberalen Lager bei, die da drüben bei den B.L.O.G.s bei der „gefährliche Gedanken“-Diskussion mitdiskutierten.

    Übrigens braucht man nur CSI etc. zu gucken, um festzustellen, wie stark diese Focussierung auf Biologismen den „Profiler“ längst ersetzt hat. Warum schwärmen denn alle so von Dr. House? Weil der eine psychische Überlastung in Arbeitssituationen gerade NICHT diagnostizieren würde, sondern ein herrlich mechanistisches Weltbild bedient, wie praktisch.

    @Boche:

    Wieso glaubst Du denn, ernst zu nehmen zu sein? Daß spätestens seit Reagan und Thatcher ein POLITISCHES, neoliberales Dispositiv existiert mit enormen Machtwirkungen, in dessen Rahmen Du durchgängig argumentierst, das ist doch unabweisbar. Da kannste auch noch so oft auf die Wikipedia linken. Und da paßt schon deshalb diese ganze Bio-Wissenschaft mit rein, weil das zugleich ein enormer Wirtschaftszweig ist. Warum lassen sich denn irgendwelche Leute Biologismen patentieren?

    momorulez

    4. September 2007 at 9:08

  5. @MR

    Wieso glaubst Du denn, ernst zu nehmen zu sein?

    Weil ich so viel ernste Dinge denke.

    Daß spätestens seit Reagan und Thatcher ein POLITISCHES, neoliberales Dispositiv existiert …

    Das Wort Dispositiv sagt mir nichts und die Wikipedia-Definition dazu ist mir zu lang. Ich geh mal davon aus, dass meine Assoziation zu diesem Ding, dass ich als Altenpfleger älteren Herren anlegen musste, falsch ist.
    Ansonsten kann ich mir nicht vorstellen, dass ein unhistorisch falsch verwendetes Adjektiv dadurch richtig wird, dass man es an ein tolles Wort dranhängt.

    Und da paßt schon deshalb diese ganze Bio-Wissenschaft mit rein, weil das zugleich ein enormer Wirtschaftszweig ist.

    Die Wohlfahrtsindustrie passt dann auch hinein? In das neoliberale Dispodingens?

    Abgesehen davon ist deine Interpretation unserer Genetik-Fragem-Diskussion auf bleibende Weise falsch aber doch irgendwie auch anrührend. Miersch und die Anti-Gentechnik-Faschisten – das gefällt mir aber noch besser.

    Boche

    4. September 2007 at 9:16

  6. @Boche:

    Urinale meinte ich nicht, nee … war auch immer so schwierig, den Querschnitten das Kondom zu kleben, wenn die ’nen Spasmus im Penis hatten …

    Was ist denn Deiner Ansicht nach die „Wohlfahrtsindustrie“? Und kennst Du das Teekesselchen-Spiel? Das ist so ein Beispiel dafür, daß man gleiche Worte unterschiedlich verwenden kann … ’ne „wahre Wortbedeutung“ gibt es nicht …

    momorulez

    4. September 2007 at 9:26

  7. Wohlfahrtsindustrie würde ich den Bereich nennen, in den eben die staatlichen Wohlfahrtsgelder gesteckt werden. Staatliche Schulen, Kindergärten, Altenheime etc. etc.

    ‘ne “wahre Wortbedeutung” gibt es nicht …

    Das wäre schlecht. Denn dann könnte man Verdrehung und sinnentstellende Darstellung des Gesagten ja gar nicht mehr erkennen.

    Boche

    4. September 2007 at 9:37

  8. Gegen diese Form der Wohlfahrtsindustrie habe ich rein gar nix, wird nur zuviel kohletechnisch gestrichen in letzter Zeit …

    Zur Wortbedeutung: Solange man die Verwendungsregeln angeben kann, gibt’s auch keine Verständnisprobleme.

    Das ist aber was anderes als die Beschreibung eines Sachverhaltes, die kann natürlich richtig oder falsch sein.

    momorulez

    4. September 2007 at 9:45

  9. Gegen diese Form der Wohlfahrtsindustrie habe ich rein gar nix

    Kann ich mir denken. Bist eben Sozialist und für verordnetes Glück, das von gestohlenem Geld bezahlt wird. (Die Zuspitzung ist meinem vormittäglichen Hunger geschuldet, der keine Differenzierung zulässt.)

    Interessant aber, dass manch enormer Wirtschaftszweig ins neoliberale Dings passt, manch anderer enormer Wirtschaftszweig nicht.

    Zu den Verständnisschwierigkeiten sag ich nichts mehr, um nicht missverstanden zu werden. 😉

    Boche

    4. September 2007 at 9:49

  10. Ich zitiere mich mal selber, Begriffe sind nämlich nicht beliebig, und politische Kategorialbegriffe sind definiert.

    Seit den 1930ern und bis in die 1980er folgte in den USA und seit 1947
    im Nachkriegseuropa Wirtschaftspolitik der Maxime, ökonomische Vorgänge gestalten, lenken, organisieren zu wollen, man spricht auch vom organisierten Kapitalismus (zu dem wäre dann außerdem auch der Faschismus zu rechnen, aber das wäre eine andere Debatte, mit der ich hier kein Fass aufmachen möchte). Dazu gehören eine hohe Staatsbeteiligung an Unternehmen oder auch staatseigene Unternehmen und eine starke Einbindung von Unternehmerverbänden und Gewerkschaften in die Entscheidungsfindung ebenso wie eine staatlich moderierte Lohn- und Preispolitik und großzügige Sozialleistungen. Man bezeichnet dieses Zusammenwirken aus Staat, Unternehmen und Verbänden auch als Korporatismus. Für die korporatistische Wirtschaftsweise charakteristisch gehört auch eine spezifische Unternehmenskultur, die sich durch ein teilweise kooperatives und fürsorgerisches Verhältnis des Unternehmens zur eigenen Belegschaft (Betriebskrankenkasse, von der Firma bezahlte Kuren, starke Rolle des Betriebsrats, ev. Mitarbeiteraktien) auszeichnet. Nach dem Role Model dieser Unternehmenskultur spricht man auch von Fordismus. Dazu gehören auch Maßnahmen, die auf weitgehende Autarkie des Unternehmens abzielen, z.B. firmeneigene Fuhrparks oder Caterer.

    Seit den späten 1970ern wurde die korporatistisch-keynesianische Wirtschafts- und Sozialpolitik zunehmend durch eine Spar- und Privatisierungspolitik ersetzt, die ganz offiziell als „Liberalisierung“ bezeichnet wurde. Der Begriff „neoliberal“ leitet sich daher, dass die ursprüngliche liberale kapitalistische Wirtschaft Dinge wie Staatsbeteiligung an Unternehmen und umfangreiche staatliche soziale Leistungen nicht kannte, und dieser Zustand nun, siehe Reagan, Thatcher, Özal, wiederhergestellt werden sollte.

    In der neoliberalen Wirtschaft wandelte sich unter neuen Vorgaben auch der Charakter der Industrie-Unternehmen, weg vom Autarkiemodell, weg von der freiwilligen Gewährung weitgehender Arbeitnehmerrrechte, Verschlankung der Produktion, Outsourcing von vorher selbstverständlich von eigenen Abteilungen wahrgenommenen Dienstleistungen etc,. man spricht hier von Postfordismus.

    Und beides zusammen, einschließlich aller damit zusammenhängenden Veränderungen in Volkswirtschaft, Sozialpolitik und Unternehmenskultur, heißt Neoliberalismus.

    che2001

    4. September 2007 at 9:57

  11. „Bist eben Sozialist und für verordnetes Glück, das von gestohlenem Geld bezahlt wird“.

    Stimmt, eigentlich sollten krepierende Alte wieder in die Armenhäuser von einst abgeschoben werden, so im Sinne des „verordneten Glücks“, und wer sich den Krebs-Spezialisten nicht leisten kann, soll halt verrecken, Hauptsache kein Geld stehlen … und Automobilindustrie und Kindergärten sind auch das gleiche.

    momorulez

    4. September 2007 at 9:59

  12. WAs heißt hier überhaupt verordnetes Glück, das von gestohlenem Geld bezahlt wird? Wenn ich Dich, Boche, jetzt mal beim Wort nehme, bist Du als Liberaler also gegen verordnetes Glück, also gegen die Allgemeine Schulpflicht, gegen Kindergartenplätze, gegen Altenheimunterbringung im Alter, gegen staatliche Rentenversicherung. Und betrachtest Steuern als Diebstahl, müsstest konsequenterweise also Null Steuern zahlen und den Zwangsvollstrecker, wenn er dann wegen dauernder Steuerverweigerung vor Deiner Tür steht, dieser verweisen.

    che2001

    4. September 2007 at 10:01

  13. Übrigens ist Hinterziehung der gesamten Steuern ein weitaus schwereres Delikt als Diebstahl 😉

    che2001

    4. September 2007 at 10:02

  14. @MR

    Endlich entlarvt: Liberale sind also doch Faschisten! In welchem „Rahmen“ ich diskutiere, weiß ich natürlich nie selbst – den sieht nur der Betrachter, den ich bei dieser Gelegenheit aber an seinen eigenen relativen Wahrheitsbegriff erinnern würde…

    Aber mal ernsthafter: Was sollen Liberale (also jetzt nicht das von Linken selbstgeschaffene Feindbild „Neoliberale“ – wird das eigentlich nie langweilig, sich etwas zu basteln, dessen einziger Zweck es ist, die eigenen Vorurteile zu bestätigen?) mit „Biologismus“ anfangen? Also vielleicht noch jenseits der Lust daran, allzu platte Phrasen hinsichtlich der absoluten Dominanz des Sozialen relativiert zu sehen? Dazu fehlt es unsereinem schon an einer Vision davon, wie eine Gesellschaft denn letztlich auszusehen und welche Rolle wer darin zu spielen habe. Also ich wüsste jetzt nicht, wo ich im Liberalismus den Biologismus unterbringen sollte – es sei denn natürlich, man erklärte alles zu „Biologismus“, was ungleiche Verteilungen hinnimmt, weil ja ohne „Biologismus“ nach Überwindung sozialer Schranken etwas anderes als Gleichverteilung gar nicht mehr zu rechtfertigen sei. Wenn also das Bekenntnis, dass jeder Mensch die gleichen Rechte hat, aber sonst (in einer Mischung aus genetischer Ausstattung und sozialer Prägung) keinem anderen gleich ist, „Biologismus“ ist, bin ich schuldig im Sinn der Anklage… Die Verwendung des Wortes „Selektion“ in diesem Zusammenhang hielte ich allerdings für gewaltig überzogen und allzu vulgär-darwinistisch angehaucht.

    @Che

    „gegen die Allgemeine Schulpflicht“

    Kann man gut begründet sein. Die Dänen z.B. brauchen auch keine.

    „gegen Kindergartenplätze“

    Warum? Werden die jetzt auch Pflicht?

    „gegen Altenheimunterbringung im Alter“

    Siehe oben.

    „gegen staatliche Rentenversicherung“

    Aber sicher. Ich fand es z.B. schon sehr peinlich, wie der gute Walter in SPON schreiben konnte, die Rentenreform von 1957 habe das Problem der Altersarmut „gelöst“. Irgendwann in den nächsten Tage werde ich wohl zum Thema „erzwungenes Glück“ auch mal was bloggen. Das hat nämlich implizite Bedingungen und Folgen, die nicht jedem gefallen müssen.

    „Steuern als Diebstahl“

    Das sehen die so, die ohne Staat auskommen wollen. Zu denen gehören wir nicht. Aber dass Steuern Zwangsgelder sind, lässt sich nicht von der Hand weisen.

    Rayson

    4. September 2007 at 10:35

  15. Es ist wirklich – und das sage ich ohne jede Ironie – interessant, dass Anhänger des Wohlfahrtsstaates dem Bürger, dem sie als gute Demokraten natürlich voll und ganz vertrauen, plötzlich, wenn es darum geht, Entscheidungen für sich selbst zu fällen, so abgrundtief misstrauen. Was ist das eigentlich für ein finsteres Menschenbild?

    Boche

    4. September 2007 at 10:45

  16. hinter „voll und ganz vertrauen“ fehlte ein Halbsatz: „…, wenn er als Wähler handelt,…“

    Boche

    4. September 2007 at 10:46

  17. Rayson, der oben von mir definierte und angeführte Begriff des Neoliberalismus ist ein, wie dort ausgeführt, politischer Kategorialbegriff, der auch historische Entwicklungen beschreibt, und keine Bastelei zur Bestätigung politischer Vorurteile. Dass Du das weiterhin nicht zur Kenntnis nimmst, bewegt sich auf dem gleichen Niveau, wie zu behaupten, es gäbe keine Sozialdemokratie oder eine Gauß´sche Kurve existiere nicht.

    che2001

    4. September 2007 at 10:50

  18. @che

    Dass du mit dieser Definition einen bereits (anders) definierten Begriff zu besetzen versuchst, ist dir aber bewusst, oder?

    Boche

    4. September 2007 at 10:51

  19. @Boche, das liegt wohl daran, dass Momo und ich noch nie eigene Entscheidungen getroffen haben. Ich frag immer Mutti 😉

    che2001

    4. September 2007 at 10:53

  20. Frag lieber mich. Ich sag dir, welche freien Entscheidungen du am besten triffst. 😉

    Boche

    4. September 2007 at 10:54

  21. @Rayson:

    Der Neoliberalismus ist ja als gouvernementale Doktrin was anderes als der klassische Liberalismus, in dessen Tradition sogar Habermas irgendwie steht und ich ja auch.

    Das bringt’s auch wenig, wenn dann irgendwelche Wirtschaftsprofessoren auf irgendwelche Meetings ’38 verweisen, wenn Regierungspolitiken anders ticken. Wäre ja schön, wenn statt auf Herrn Pinker zu verweisen, ihr mal zwischendrin auch so richtig liberal argumentieren würdet, das nebenbei.

    Ansonsten ist das eben auch eine Form der „Individualisierung von außen“, diese Gen-Nummer. Und während in Deinem Fall man ja tatsächlich nicht behaupten kann, daß Du irgendeine übergreifende Vorstellung einer besseren Gesellschaft hättest, inosfern bist Du da dem Hayek auch treuer als andere, läßt sich bei Statler im Sozialdemokratie-Thread anderes nachlesen.

    Diese Vorliebe für den Biologismus wunderte mich ja selbst bisher, aber von Zettel bis hin zu Dir tauchen ja immer wieder Versatzstücke in euren Blogs auf. Da fragt man sich natürlich, warum, und das oben ist zumindest eine mögliche Antwort.

    Das mit der Selektion ist z.B. im Falle der pränatalen Diagnostik längst der Fall, und Herr Lemke führt eben dieses Beispiel der „Früherkennung“ noch angesichts von Zellhaufen auf die Suche nach Möglichkeit, noch früher zu selektieren, an. Und was machste denn dann, wenn jemand Dir als potenziellem Vater gegenüber die Existenz eines „Alkoholiker-Gens“ behauptet?

    momorulez

    4. September 2007 at 10:54

  22. @Boche:

    „Es ist wirklich – und das sage ich ohne jede Ironie – interessant, dass Anhänger des Wohlfahrtsstaates dem Bürger, dem sie als gute Demokraten natürlich voll und ganz vertrauen, plötzlich, wenn es darum geht, Entscheidungen für sich selbst zu fällen, so abgrundtief misstrauen.“

    Wieso, Du opponierst doch gegen eine Mehrheit, die sozialstaatliche Grundsicherung eben will. Sich dafür entscheiden will. Stattdessen willst Du denen die Möglichkeit nehmen, sich dafür zu entscheiden. Da ist doch offensichtlich, wer bevormundet und mißtraut.

    momorulez

    4. September 2007 at 10:58

  23. Entscheidungen, die auf Kosten anderer getroffen werden, zähle ich zu einer anderen Kategorie, richtig.

    Boche

    4. September 2007 at 11:07

  24. Also sind die Kündigungswellen in der Deutschen Bank illegitim?

    momorulez

    4. September 2007 at 11:09

  25. Touché! Ich sehe auch überhaupt nicht, was das Vorhandensein sozialer Sicherungen mit der Abwesenheit von Freiheit zu tun hat. Der Logik nach wäre es ein Fortschritt an Freiheit, die Küche eines Krankenhauses dicht zu machen und den Patienten zu sagen, sie sollten auf eigene Rechnung beim Bringdienst bestellen. Größere Wahlfreiheit haben sie dann ja.

    che2001

    4. September 2007 at 11:13

  26. @MR

    Wieso das? Wenn der Vertrag eine Kündigung erlaubt, ist das doch in Ordnung.

    @che

    Der Patient bucht den Service inkl. Küche. Die Wahlfreiheit hatte er (im optimalen Fall) vorher.

    Boche

    4. September 2007 at 11:17

  27. @Boche: Ich meinte das, um im Bilde zu bleiben, für die notfallmäßig Eingelieferten, einschließlich Intensivstation 😉

    che2001

    4. September 2007 at 11:54

  28. @che

    Ok. Aber ich sehe mich und die meisten meiner Mitbürger nicht als notfallmäßig dem Staat ausgeliefert. Das Bild ist also etwas schief, oder? 😉

    Boche

    4. September 2007 at 11:58

  29. @Boche:

    Zum einen habe den „Sozialabbau“ ma intensivsten bei Behinderten miterleben dürfen, und glaub’s mir, die würden sich auch lieber selbst ihr Süppchen kochen und waren froh, aufgrund von Sozialhilfe (so hieß das damals noch) überhaupt ’ne eigene Wohnung haben zu dürfen. Und die AIDS-kranke Freundin war auch froh über staatliche Unterstützung …

    Insofern ist also der Vertrag prioritär gegenüber dem „auf Kosten anderer“? Mit anderen Worten: Verträge auf Kosten anderer sind ebenso in Ordnung wie Verträge auf Kosten Dritter?

    momorulez

    4. September 2007 at 12:09

  30. @MR

    Mit den wirklich Bedürftigen kann man den Umfang des Sozialstaats aber nicht rechtfertigen. Wie hoch war noch die Quote der staatlichen Transfers? Alles Behinderte und AIDS-Kranke?

    Insofern ist also der Vertrag prioritär gegenüber dem “auf Kosten anderer”?

    Selbstverständlich.

    Verträge auf Kosten anderer sind ebenso in Ordnung wie Verträge auf Kosten Dritter?

    Versteh ich nicht. Was sollen Verträge auf Kosten anderer bzw. Dritter in meinen vorangegangenen Beispielen sein?

    Boche

    4. September 2007 at 12:20

  31. @Aber ich sehe mich und die meisten meiner Mitbürger nicht als notfallmäßig dem Staat ausgeliefert.- sobald jemand arbeitslos wird ist er das aber.

    che2001

    4. September 2007 at 12:33

  32. @che

    Aber ich sehe mich und die meisten meiner Mitbürger nicht als notfallmäßig dem Staat ausgeliefert.

    Du rechtfertigst aber die Übergabe der Freiheit (dummerweise auch meiner) an staatliche Betreuer (in Fragen Rente, Schule, Krankenversicherung, Dosenpfand, Regularien in allen Lebensbereichen) als seiest du es.

    sobald jemand arbeitslos wird ist er das aber.

    Und wenn Arbeitslosigkeit durch dne Wohlfahrtsstaat geschaffen bzw. als Problem erst so weit verschärft würde, dass sie zur Not würde? Dann wäre das Medikament gleichzeitig das Gift, dessen Symptome zu behandeln es vorgibt.

    Boche

    4. September 2007 at 12:38

  33. @Che:

    Eben.

    @Boche:

    Natürlich geht das aus Deinen Beispielen nicht hervor, was ein Vertrag auf Kosten Dritter ist, das wäre dann ja auch außerhalb des ideologischen Musters verortet … und was macht man innerhalb dessen denn mit Leuten, mit denen niemand Verträge schließen will?

    momorulez

    4. September 2007 at 12:44

  34. Zurück zum Thema und Schlagworte wie „Neoliberalimus“ mal beiseite gepackt: tatsächlich geht mit der „Genetifizierung der Gesellschaft“, so wie es aussieht, nicht etwa eine Gesellschaftsauffassung einher, die den Einfluß „sozialen Verhältnisse“ einfach leugnen würde – sondern eine, die „soziale Einflüsse“ rein sozialtechnisch begreift. (Dass das mit einer Ideologie einhergehen kann, die „sozialen Erfolg“ ausschließlich auf „gute Gene“ zurückführt, streite ich gar nicht ab.) Die Hartz-Reformen sind ein Beispiel (zugegebenermaßen unausgegorener) „Sozialtechnik“: Wie schaffe ich ein arbeitwilliges Sub-Proletariat, ohne dass es zu Unruhen kommt? Wobei es im Grunde völlig egal ist, ob das System „neoliberal“ (also: Kapitalismus in Reinform), neoliberal (im Sinne von „Ordoliberal“ – „soziale Marktwirtschaft“), Keynesianinisch („gelenkter Kapitalimus“) oder staatskapitalistisch (China) ist – entscheidend ist die starke Hierarchisierung der Gesellschaft (die eine „Basisdemokratie“ gar nicht mehr zulässt), die Verschmelzung von politischer und ökonomischer Entscheidungselite, die Verengung von Staats- und Unternehmenszielen auf wenige „Kennzahlen“ – und die „Vernutzung des Menschen“ – seine Zurichtung zum Produktionsmittel, zum „Menschenmaterial“. Am weitesten fortgeschritten interessanterweise in den „Leistungseliten“, in der die Selbstoptimierung längst Realität ist. (Erich Fromm beschrieb dass schon vor über 30 Jahren als „Marketingcharakter“ – sich „selbst verkaufen“ wird zum durchgehenden Lebensprinzip. „Oben“ unterwirft man sich dem „freiwillig“, um „oben“ zu bleiben, „Unten“ wird es einem aufgezwungen.
    In letzter Konsequenz: eine Gesellschaft, in den es zwar ein materiell privilegiertes „Oben“ und ein deklassiertes „Unten“ gibt, aber keine „freie“ Herrenschicht, sondern nur noch „Obersklaven“ und „Untersklaven“ einer Megamaschiene. Die „Genetifizierung“ stellt „nur“ eine weitere Verfeinerung des Systems dar, allerdings eine, die für die Stablität des Systems entscheidend ist: wirklich stabil ist die „Megamaschine“ erst dann, wenn der Mensch selbst zum Industrieprodukt geworden ist.
    Auf die Spitze getrieben von Aldous Huxley, und zwar schon vor 75 Jahren: „45 identische Arbeiter bedienen 45 identische Maschinen. Da weiß man das erste Mal in der Geschichte wirklich, woran man ist!“) Disziplinierung und Normalisierung in höchster Perfektion: zwang ist nicht mehr vonnöten, weil das, was man „will“, schon in die Gene und in die frühkindliche Konditionierung eingebaut ist.

    MartinM

    4. September 2007 at 12:48

  35. @Martin.

    Ja.

    momorulez

    4. September 2007 at 13:00

  36. @MR

    Ich habe doch nichts von Verträgen auf Kosten Dritter geschrieben.

    und was macht man innerhalb dessen denn mit Leuten, mit denen niemand Verträge schließen will?

    Kommt drauf an. Die sind dann sicher Fälle für die Wohlfahrt.

    Boche

    4. September 2007 at 13:00

  37. @Boche:

    „Ich habe doch nichts von Verträgen auf Kosten Dritter geschrieben.“

    Ja, eben.

    momorulez

    4. September 2007 at 13:03

  38. Danke Martin, das war nötig!!!

    @Boche:

    Du rechtfertigst aber die Übergabe der Freiheit (dummerweise auch meiner) an staatliche Betreuer (in Fragen Rente, Schule, Krankenversicherung, Dosenpfand, Regularien in allen Lebensbereichen) als seiest du es.

    – Was für eine Freiheit denn? Wo gebe ich a priori Freiheit auf, wenn ich soziale Sicherheit bekomme? Wieso ist es Aufgabe von Freiheit, wenn ich in eine Kasse einzahle und dafür im Alter Geld bekomme?

    Verhungern dürfen, statt soziale Sicherheit zu haben ist dann also Freiheit?

    Und wenn die Betreuer nicht staatliche, sondern Firmen sind oder die Caritas, dann ist die Aufgabe von Freiheit keine mehr? Wenn ich statt einem Amt eine Versicherung als Gegenüber habe, die im Gegensatz zum Amt an mir verdienen will, wird das ansonsten identische Abhängigkeitsverhältnis plötzlich zur Freiheit, weil ein privates Unternehmen kein Staat ist?
    sobald jemand arbeitslos wird ist er das aber.

    Und wenn Arbeitslosigkeit durch dne Wohlfahrtsstaat geschaffen bzw. als Problem erst so weit verschärft würde, dass sie zur Not würde? Dann wäre das Medikament gleichzeitig das Gift, dessen Symptome zu behandeln es vorgibt.

    Solange es Wirtschaftskrisen, internationale Konkurrenz und offene Grenzen gibt und keine staatliche Arbeitsplatzgarantie wird es auch Arbeitslosigkeit geben. Arbeitslosigkeit weird immer zur Not, wenn es kein garantiertes Mindesteinkommen gibt unabhängig davon, ob jemand arbeitet oder nicht, und hoch genug bemessen, um eine volle Teilnahme am kulturellen und gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.

    che2001

    4. September 2007 at 13:05

  39. @MR

    Keine Ahnung, was du mir sagen willst.

    @che

    Wieso ist es Aufgabe von Freiheit, wenn ich in eine Kasse einzahle und dafür im Alter Geld bekomme?

    Weil du nicht mehr entscheiden kannst, wie du am liebsten und für dich am besten für dein persönliches Alter vorsorgen möchtest.
    Weil du sogar gezwungen wirst, eine Vorsorgeform zu nehmen, die schlechter ist als alle anderen, die gleiche Sicherheit bieten.

    Aber ich will natürlich nicht bestreiten, dass es auch glückliche Sklaven gibt.

    Verhungern dürfen, statt soziale Sicherheit zu haben ist dann also Freiheit?

    Der Mensch muss also zu seinem Glück gezwungen werden, weil er verhungert, wenn man ihm die Verantwortung für seine Zukunft selbst hätte?
    Wie gesagt – interessantes Menschenbild.

    Wenn ich statt einem Amt eine Versicherung als Gegenüber habe, die im Gegensatz zum Amt an mir verdienen will, wird das ansonsten identische Abhängigkeitsverhältnis plötzlich zur Freiheit, weil ein privates Unternehmen kein Staat ist?

    Das Abhängigkeitsverhältnis ist in der Regel eben grad nicht identisch. Kleiner Tipp: Es gibt dann so etwas befreiendes wie den Wettbewerb der Anbieter.

    Solange es Wirtschaftskrisen, internationale Konkurrenz und offene Grenzen gibt und keine staatliche Arbeitsplatzgarantie wird es auch Arbeitslosigkeit geben.

    Selbstverständlich gibt es immer einen Prozentsatz krisenbedingter Arbeitslosigkeit.
    Der scheint aber um so geringer zu werden, je weniger stark der Staat die Verteilung des Wohlstandes in seine Hände nimmt. Oder warum sind die klassischen Wohlfahrtsstaaten von besonders hohen und vor allem besonders hartnäckigen Problemen in dieser Hinsicht betroffen?

    Staatlich garantierte Arbeitsplatzgarantie und Mindesteinkommen wird es aber tatsächlich mit offenen Grenzen und der Freiheit, Geschäfte mit selbst gewählten Partnern zu machen, nicht geben können. Da war der Sozialismus schon durchaus folgerichtig mit seinen Mauern und Schießbefehlen.

    Boche

    4. September 2007 at 13:20

  40. „Wenn ich statt einem Amt eine Versicherung als Gegenüber habe, die im Gegensatz zum Amt an mir verdienen will, wird das ansonsten identische Abhängigkeitsverhältnis plötzlich zur Freiheit, weil ein privates Unternehmen kein Staat ist?“

    Wenn das Amt nicht wirtschaftlich arbeitet, dann wird es durch Steuern bezuschußt werden müssen. Steuern zahlt man natürlich sowieso, und die Bezuschussung läuft intransparent genug ab, um nachher nicht mehr zu wissen, was man für dieses Amt eigentlich genau abgetreten hat. Aber die eigentlichen ‚Beiträge‘, die sind niedrig. Wenn’s das ist.

    David

    4. September 2007 at 13:20

  41. Weil du nicht mehr entscheiden kannst, wie du am liebsten und für dich am besten für dein persönliches Alter vorsorgen möchtest.
    Weil du sogar gezwungen wirst, eine Vorsorgeform zu nehmen, die schlechter ist als alle anderen, die gleiche Sicherheit bieten.

    Wieso, ich habe meine staatliche Rentenversichetung und stocke noch zwei private auf plus ne Lebensversicherung und diverse andere Kapitalanlagen. Finde ich prima, diese Kombination. Es verbietet mir ja niemand, das, was ich noch an Geld habe, entsprechend anzulegen. Aber keine überhaupt gesetzliche Renten/und Sozialversicherung bedeutet, dass die sozial Schwächsten im Zweifelsfalle vor die Hunde gehen.

    Verhungern dürfen, statt soziale Sicherheit zu haben ist dann also Freiheit?

    Der Mensch muss also zu seinem Glück gezwungen werden, weil er verhungert, wenn man ihm die Verantwortung für seine Zukunft selbst hätte?
    Wie gesagt – interessantes Menschenbild.

    Ziemlich bizarre Wahrnehmung meiner Aussage. Für bestimmte Leistungen bezahlen zu mpüssen nehme ich nicht als Verlust von Freiheit war. Verlust von Freiheit ist für mich Zensur, mangelnde Freizügigkeit, Einschränkung in der Berufswahl etc., aber nicht, für Versicherungsleistungen Geld zahlen zu müssen. Ich bin der Auffassung, dass ich die Verantwortung für meine Zukunft habe, in dieser Gesellschaft, wie sie ist. Abgesehen davon, dass mir die politischen Partizipationsmöglichkeiten zu gering sind und ich gerne andere politische Kräfteverhältnisse hätte, aber: Meine persönliche Freiheit wird doch durch das System sozialer Leistungen nicht eingeschränkt. Gäbe es keinerlei soziale Leistungen und Rechte auf Fürsorge/Unterhalt, dann könnte es allerdings sein, dass Menschen verhungern. Unterstützung Notleidender hat doch nichts mit Zwang zu tun. Ich verstehe die ganze Argumentation nicht, finde sie aber absurd.

    Wenn ich statt einem Amt eine Versicherung als Gegenüber habe, die im Gegensatz zum Amt an mir verdienen will, wird das ansonsten identische Abhängigkeitsverhältnis plötzlich zur Freiheit, weil ein privates Unternehmen kein Staat ist?

    Das Abhängigkeitsverhältnis ist in der Regel eben grad nicht identisch. Kleiner Tipp: Es gibt dann so etwas befreiendes wie den Wettbewerb der Anbieter.

    Bei der Liberalisierung der Stromanbieter etc. habe ich das teilweise eher als ärgerlich empfunden, bei den Telefonanbieten schon als befreiend. Allzu groß finde ich die Unterschiede aber nicht.

    che2001

    4. September 2007 at 14:10

  42. Hauptunterschied: Beim profitorientierten Anbieter muss ich mehr bezahlen als beim Staat.

    che2001

    4. September 2007 at 14:12

  43. „Aber keine überhaupt gesetzliche Renten/und Sozialversicherung bedeutet, dass die sozial Schwächsten im Zweifelsfalle vor die Hunde gehen.“

    Ich verstehe nicht, weshalb man gleich eine ganze staatliche Rentenversicherung brauchen sollte, um sicherzustellen, daß das nicht geschieht. Zumal man ja aus der gesetzlichen Rentenversicherung auch nur Zahlungen erhält, wenn man eingezahlt hat. Aber, mein eigentlicher Punkt: Warum den ganzen ineffizienten Apparat am Laufen halten, wenn das Ziel doch die Versorgung sozial schwacher ist? Warum nicht lieber die Beihilfen genau dort ansetzen, wo sie gebraucht werden, also den Schwachen die Beiträge zahlen, das Angebot aber vom Markt bereitstellen lassen?

    David

    4. September 2007 at 14:18

  44. „Hauptunterschied: Beim profitorientierten Anbieter muss ich mehr bezahlen als beim Staat.“

    Bist Du Dir da sicher? Hast Du meinen Kommentar Nr. 40 zur Kenntnis genommen? Mag ja sein, daß ich mich irre – aber kurz drauf eingehen wäre schon nett, sei’s auch nur, um mich aus meiner selbstverschuldeten Unwissenheit zu befreien. 🙂

    David

    4. September 2007 at 14:21

  45. Wieso, ich habe meine staatliche Rentenversichetung und stocke noch zwei private auf plus ne Lebensversicherung und diverse andere Kapitalanlagen.

    Tja, du kannst es dir eben leisten, die Verluste der staatlichen Rentenversicherung durch die Gewinne privater Lösungen zumindest teilweise auszugleichen. Manch einer, der weniger verdient, kann das nicht.

    Aber keine überhaupt gesetzliche Renten/und Sozialversicherung bedeutet, dass die sozial Schwächsten im Zweifelsfalle vor die Hunde gehen.

    Schwarz oder weiß, alles oder nichts? Warum nicht eine steuerfinanzierte Mindestrente für die Bedürftigen? Dazu braucht es nicht diese desaströse Rentenversicherung, die, wäre sie eine private Veranstaltung, als Schneeballsystem verboten würde.

    Für bestimmte Leistungen bezahlen zu mpüssen nehme ich nicht als Verlust von Freiheit war.

    So lange ich die Leistungen meinen Bedürfnissen entsprechend aus- und ggf. auch abwählen kann, geht es mir genauso.

    Meine persönliche Freiheit wird doch durch das System sozialer Leistungen nicht eingeschränkt.

    Der Spruch mit dem glücklichen Sklaven ist arg polemisch, zeigt aber an, in welche Richtung ich denke, wenn ich deine Worte lese.

    Gäbe es keinerlei soziale Leistungen und Rechte auf Fürsorge/Unterhalt, dann könnte es allerdings sein, dass Menschen verhungern.

    Das mag sein. Über Grundsicherungen (die auch diesen Namen verdienen und nicht dem entsprechen, was die GEZ-Mafia als „Grund“versorgung bezeichnet) können wir uns ja sicher noch einigermaßen einig werden. Aber der Staat ist ja längst über dieses Stadium hinaus.

    Unterstützung Notleidender hat doch nichts mit Zwang zu tun.

    Wenn die Unterstützung mit per Zwang eingezogenen Geldern finanziert wird – selbstverständlich!
    Im Sinne der eben besprochenen Grundsicherung kann man ja überlegen, ob man diesen Zwang braucht. Aber seine Existenz sollte man doch bitteschön nicht bestreiten, das wäre unlauter.

    Bei der Liberalisierung der Stromanbieter etc. habe ich das teilweise eher als ärgerlich empfunden, bei den Telefonanbieten schon als befreiend. Allzu groß finde ich die Unterschiede aber nicht.

    Je nach Marktsegment ist der Wettbewerb natürlich mal wirkungsvoller und mal weniger. Besser als die staatliche Alternative ist er aber zwangsläufig. Auch, wenn der Staat wunderbar Kosten vertuscht, in dem er staatliche Leistungen kreuz- und querfinanziert.

    Boche

    4. September 2007 at 14:28

  46. Sich aus seiner selbstverschuldeten Unwissenheit befreien kann der Mensch ja immer nur selbst 😉 😉

    Meine Überlegung ist die, dass der private Anbieter ja im Gegensatz zu einer Behörde Gewinn machen will. Schließlich kostet die private Krankenversicherung auch mehr als die gesetzliche. Insofern stimme ich Deiner Betrachtung nicht zu, etwas Anderes, wenn man sich bei einem nicht profitorientierten Wohlfahrtsverband nach dem Prinzip der Kostendeckung versichern könnte.

    che2001

    4. September 2007 at 14:34

  47. Schließlich kostet die private Krankenversicherung auch mehr als die gesetzliche.

    Gewagte Behauptung. Was kostet denn die gesetzliche Krankenversicherung?

    Boche

    4. September 2007 at 14:37

  48. „Insofern stimme ich Deiner Betrachtung nicht zu, etwas Anderes, wenn man sich bei einem nicht profitorientierten Wohlfahrtsverband nach dem Prinzip der Kostendeckung versichern könnte.“

    Und ich sehe keinen Grund, warum es so etwas nicht geben sollte – Interesse daran dürfte ja vorhanden sein, also braucht es nur noch die nötigen Philanthropen – ohne Sarkasmus gesagt. Ob sich das dann tatsächlich besser bewährt, als die gewinnorientierte Methode, die im Rahmen des Wettbewerbs ja gerade auch Preiskonkurrenz voraussetzt und bei der die Gewinne ja auch zum größten Teil Investitionssummen darstellen dürften, das müßte sich dann eben zeigen. Gerade die Ergebnisoffenheit ist ja das schöne daran.

    David

    4. September 2007 at 14:38

  49. Das mag sein. Über Grundsicherungen (die auch diesen Namen verdienen und nicht dem entsprechen, was die GEZ-Mafia als “Grund”versorgung bezeichnet) können wir uns ja sicher noch einigermaßen einig werden.

    Da brauchen wir uns gar nicht erst drüber zu streiten

    Aber der Staat ist ja längst über dieses Stadium hinaus.

    Ist er das? Ich habe phasenweise selber von Sozialhilfe gelebt und kenne Leute, die das tun, mehr als Deckung des allernötigsten Bedarfs ist das nicht, eigentlich kommt masn nur über due Runden, wenn man nebenher schwarz arbeitet.

    Unterstützung Notleidender hat doch nichts mit Zwang zu tun.

    Wenn die Unterstützung mit per Zwang eingezogenen Geldern finanziert wird – selbstverständlich!
    Im Sinne der eben besprochenen Grundsicherung kann man ja überlegen, ob man diesen Zwang braucht. Aber seine Existenz sollte man doch bitteschön nicht bestreiten, das wäre unlauter.

    Viele Leute bekommen aber gar keine Arbeit mehr, unabhängig davon, ob sie das wollen oder nicht.

    Wer mit 40+ arbeitslos wird und nicht in den nächsten paar Wochen einen neuen Job hat, kann in den meisten Branchen davon ausgehen, dass er in seinem Leben keine Anstellung mehr bekommt, höchstens als Leichenwäscher, Rausschmeißer oder ähnlich tollen Branchen.

    che2001

    4. September 2007 at 14:40

  50. Ich denke schon seit längerem darüber nach, ob ein erfolgversprechendes Konzept nicht eine Kombination aus wirklich tragfähigen Sozialleistungen und dafür möglichst vollständiger Liberalisierung des Arbeitsmarktes wäre.

    David

    4. September 2007 at 14:47

  51. @che

    Ist er das? Ich habe phasenweise selber von Sozialhilfe gelebt … mehr als Deckung des allernötigsten Bedarfs ist das nicht

    Das will ich gar nicht bestreiten und glaube es gern. Mir geht es auch vielmehr um den restlichen Umverteilungs- und Regulierungswust. Wenn sich der Staat auf die Hilfe für die Bedürftigen beschränken würde, könnte er die sicher viel großzügiger und ohne Schikanen leisten.

    Viele Leute bekommen aber gar keine Arbeit mehr, unabhängig davon, ob sie das wollen oder nicht.

    Das ist richtig. Aber woran das liegt, ist ja noch die offene Frage.

    Wer mit 40+ arbeitslos wird und nicht in den nächsten paar Wochen einen neuen Job hat, kann in den meisten Branchen davon ausgehen, dass er in seinem Leben keine Anstellung mehr bekommt, höchstens als Leichenwäscher, Rausschmeißer oder ähnlich tollen Branchen.

    Letztens las ich in der Zeitung von einem Urteil irgendeines europäischen Gerichts. Da wurde beschlossen, dass ein Unternehmer bei Angestellten, die älter als X (ich glaube, es waren 50) Jahre sind, befristete Verträge nicht grundlos verlängern darf sondern in unbefristete umwandeln muss.
    Ein kleines Beispiel, das zeigt, wie man Unternehmer von Staats wegen dazu erzieht, die Älteren arbeitslos zu lassen. Und dann liegts am Neoliberalismus…

    Boche

    4. September 2007 at 14:58

  52. @Mir geht es auch vielmehr um den restlichen Umverteilungs- und Regulierungswust.- Da werden wir uns, glaube ich, schnell einig. Von Dänemark lernen heißt da siegen lernen. Was die Sache mit befristet und unbefristet angeht: Bei sehr vielen Mittelständlern, die ich so kenne, wird nach Gusto geheuert und gefeuert, da spielen befristet oder unbefristet usw. überhaupt keine Rolle. Da werden Leute, die auf ihrem Kündigungsschutz beharren, schon mal von ein paar kräftigen Meistern handgreiflich aus der Firma befördert.

    che2001

    4. September 2007 at 15:05

  53. @che

    Von den Zuständen der von dir beschriebenen Mittelständler kann unser Betrieb nur träumen. Da sitzen zwei Kollegen, von deren Hinauswurf alle anderen profitieren würden. Dummerweise sind die seit Jahrzehnten im Betrieb und damit praktisch unkündbar. Das haben wir gerade durch. Schick doch mal die kräftigen Meister vorbei und verrate den Geheimtipp, wie man damit beim Arbeitsgericht durchkommt.

    Da werden wir uns, glaube ich, schnell einig. Von Dänemark lernen heißt da siegen lernen.

    Aber ist grad da die Möglichkeit zum Heuern und Feuerns nicht viel größer?

    Boche

    4. September 2007 at 15:10

  54. @David & Boche:

    Das mit der kompletten „Liberalsierung“ des Arbeitsmarktes ist ein zweischneidiges Schwert – das erzieht schon deutlichst zu Duckmäusertum, Nicht-Identifikation mit der Arbeit, die man macht, und dem Unternhemen usw..

    Umgekehrt, gäbe es im Gegenzug dieses bedingungslose Grundeinkommen, dann würde ich, wenn ich denn was zu sagen hätte, mitziehen. Und dafür den ganzen Verwaltungspopanz dichtmachen. Würde meinerseits auch aktuell eher für Ausbau der Grundsicherung plädieren und dafür allerlei Staffelungen z.B. beim Arbeitslosengeld lieber bleiben lassen. Glaube auch, daß sich das mit Sen z.B. begründen läßt.

    Daß es alle möglichen unsinnigen, staatlichen Regelungen gibt, das finde ich aber ja auch. Deshalb ist’s mir ein Rätsel, wieso schwerpunktmäßig auf den eh schon Schwächsten rumgehackt wird und nicht lieber auf Innungsordnungen und ähnlichem Krempel. Die ganzen Zunftsordnungen finde ich viel idiotischer, zudem ich da auch ernstzunehmendes Potenzial für Arbeitsplätze sehen würde. Habe mir einmal ’nen Kostenvoranschlag von einem Tischlermeister geholt, das mache ich nie wieder. Und so schlecht verdiene ich nun wirklich nicht. Das können sich aber nur Firmen oder SAP-Gründerleisten. Die dann ja auch millionenschwere Brasilianer in die Zweite Liga lotsen (groll).

    Soll man doch lieber die Alten, Kranken und von mir aus auch Arbeitsunwilliugen in Ruhe lassen und die Diskussion mal verschieben, dann könnte man sich viel Polemik sparen …

    momorulez

    4. September 2007 at 15:15

  55. Da bewegt man sich mal für ein paar Stunden in die Stadt, und schon geht’s hier heftig los… Da ich vollkommen den Überblick verloren habe, beschränke ich mich hiermit auf zusammenhangloses Klugscheißen:

    @Che

    Nochmal zurück zum Schlagwort. Ob ich nun deiner Definition folge oder der mir (übrigens seit der Schulzeit) geläufigen, ist eigentlich unbedeutend. Für meinen Einwurf ist allein entscheidend, wie der Begriff in der Diskussion meist verwendet wird (zuletzt auch bei rebellmarkt), also als Passepartout für von links negativ beurteiltes Verhalten und Entscheiden.

    „Meine Überlegung ist die, dass der private Anbieter ja im Gegensatz zu einer Behörde Gewinn machen will. “

    Richtig. Und weil er das will, setzt er die Ressourcen effizienter ein, so dass sogar mit Gewinn das erzeugte Produkt günstiger wird. Interessant übrigens dein Vergleich in Sachen PKV. Sag das mal dem Lauterbach… Aber da geht es wirklich um Obst vielerlei Art.

    Rayson

    4. September 2007 at 15:26

  56. @Rayson:

    „Und weil er das will, setzt er die Ressourcen effizienter ein, so dass sogar mit Gewinn das erzeugte Produkt günstiger wird.“

    Na, wenn man Pech hat, werden so einfach alle Produkte schlechter …

    momorulez

    4. September 2007 at 15:36

  57. Ganz schoen heftiger Brocken, sich dieses ganze Scheissgelaber hier durchlesen zu muessen.

    Ich versteh wirklich nicht wesshalb ihr angesichts eures Umgangs hier, neulich ueberlegt habt, ob der NPD-/Futzi geloescht werden soll. … naja, iss wohl auch kein Akademiker, der Kamerad

    loellie

    4. September 2007 at 15:41

  58. @MR

    „Diese Vorliebe für den Biologismus wunderte mich ja selbst bisher, aber von Zettel bis hin zu Dir tauchen ja immer wieder Versatzstücke in euren Blogs auf. Da fragt man sich natürlich, warum, und das oben ist zumindest eine mögliche Antwort.“

    Möglich ist vieles, sinnvoll weniges. Wo argumentiere ich denn mit „biologistischen“ Ergebnissen? Unser Zwist geht, was diese Sache betrifft, doch eher darum, wie man Fragestellungen einordnet, die, auf eine bestimmte Art bejaht, gesellschaftlich unangenehme Folgen zeitigen könnten. Während die einen in der Frage schon selbst einen (zu bekämpfenden) politischen Akt sehen, beharre ich auf der Idee des Entdeckungsverfahrens, die bewusst abseitige Ausprägungen, und zwar in alle Richtungen, hinnimmt, eben weil sie per se keine Zielvorstellung hat. Auch keine biologistische. Und schließlich blogge ich auch über Fußball, ohne dass das irgendeinen Einfluss auf mein liberales Engagement hätte…

    „Das mit der Selektion ist z.B. im Falle der pränatalen Diagnostik längst der Fall, und Herr Lemke führt eben dieses Beispiel der ‚Früherkennung‘ noch angesichts von Zellhaufen auf die Suche nach Möglichkeit, noch früher zu selektieren, an. Und was machste denn dann, wenn jemand Dir als potenziellem Vater gegenüber die Existenz eines ‚Alkoholiker-Gens‘ behauptet?“

    Willst du auf diese Frage eine „liberale“ Antwort? Da muss ich dich enttäuschen, denn die kann es nicht geben. Der Liberalismus zeichnet sich ja gerade durch seine Bescheidenheit aus 😉 Ernsthafter: Es geht ihm darum, solche Dinge freiwilligem menschlichen Handeln zu überlassen. Welche Werte dann individuell dieses Handeln bestimmen, das interessiert den Liberalen nicht, die sind nicht in seinem Sortiment. Das mag für Linke, die einen etwas umfassenderen Anspruch auf Gestaltung erheben, vielleicht nicht akzeptabel sein, ist für unsereins aber enorm wichtig.

    Ich könnte dir eine, allerdings rein theoretische Antwort nach meinem Werteverständnis geben, aber das ist sicher nicht etwas, das diese Diskussion weiterbringen würde.

    Rayson

    4. September 2007 at 15:45

  59. @MR

    „Na, wenn man Pech hat, werden so einfach alle Produkte schlechter …“

    Was der Anbieter wohl dann auch meist zu spüren bekommen würde.

    Rayson

    4. September 2007 at 15:47

  60. @Rayson:

    Immer diese doktrinären Antworten … ich rede doch mit Dir (natürlich nur, weil Du auch Akademiker bist, so unter uns, sozusagen) und nicht mit „den Liberalen“, die Rekonstruktion diskursiver Formationen meint ja ziemlich explizit keine Personen.

    Und die Pinker-Debatte eröffne ich nicht neu, so lange konstant meine Argumente irgendwelchen Doktrinen unterworfen werden und sonstwie sich verdreht finden. Wenn man sich da wenigstens mal verstanden fühlen würde …

    „Welche Werte dann individuell dieses Handeln bestimmen, das interessiert den Liberalen nicht, die sind nicht in seinem Sortiment.“

    Ja, das ist dann in der Tat ein Problem. Weil das eben keine Frage des „Gestaltungswillens“ ist, sondern eine Abwehrschlacht gegen Leute, die mich abgetrieben hätten.

    Pardonnez-moi, aber bei dieser Haltung ist nun – in aller Freundschaft – tatsächlich kein Wunder, daß die Liberalen dem 3. Reich so wenig entgegenzusetzen hatten …

    Insofern will ich tatsächlich keine „liberalen Antworten“, sondern menschliche …

    momorulez

    4. September 2007 at 15:56

  61. @Rayson:

    Nicht, wenn alle Anbieter gleich gewinnmaximierend vefahren und dann irgendwann keiner mehr mit IKEA konkurrieren kann …

    momorulez

    4. September 2007 at 15:58

  62. @MR

    Was heißt doktrinär? Mir kommt es, weil der Eingangsbeitrag ja nicht von mir sprach, sondern von mehreren „Liberalen“, schon sehr darauf an, etwas zu unterscheiden. Aber bei solchen Wertfragen wirst du von mir immer Antworten bekommen, die sich aus meiner christlichen Orientierung speisen, und bei der ist Abtreibung schon mal ein prinzipielles Problem. Ich bekenne mich hiermit als Abtreibungsgegner in allen Fällen, in denen die Mutter nicht in Gefahr ist.

    Andererseits: Ich kann auch Menschen nicht verurteilen, die sich unter schwerem Druck anders entscheiden. Wir wollen doch mal davon ausgehen, dass sich keine potenzielle Mutter eine solche Entscheidung leicht macht.

    Deswegen die Betonung auf „freiwillig“. Aus liberaler Sicht könnten die Menschen, die dich abgetrieben hätten, nur deine Eltern sein. Und da würde ich die Entscheidung auch wirklich belassen wollen. Alles andere wäre wohl ein gesellschaftlicher Rückschritt.

    Rayson

    4. September 2007 at 16:06

  63. „Nicht, wenn alle Anbieter gleich gewinnmaximierend vefahren und dann irgendwann keiner mehr mit IKEA konkurrieren kann …“

    Ein Maximum ist kein Extremum, sondern ein Optimum. Wer also Gewinne maximieren will, tut gut daran, die Nebenbedingungen zu beachten. Wenn den Nachfragern also Qualität wichtig ist (und nur dann sollten die Anbieter sie auch liefern), wäre das eine. Deren Nichtberücksichtigung widerspräche dann dem Ziel der Gewinnmaxmierung.

    Frag nach bei Toyota.

    Rayson

    4. September 2007 at 16:10

  64. @Rayson:

    Diese Abtreibungsthematik finde ich auch sehr, sehr schwierig, gebe ich zu … ich bin da ziemlich nahe bei Dir, allerdings würde ich wie Du keine gesetzliche Regelung wollen. Was sich jetzt als Homo tatsächlich leicht dahersagt …

    MomoRules

    4. September 2007 at 16:11

  65. „Was sich jetzt als Homo tatsächlich leicht dahersagt …“

    Sagen wir: als Mann.

    Rayson

    4. September 2007 at 16:15

  66. @Rayson: Die Tatsache, dass Du Dich permanent weigerst, zur Kenntnis zu nehmen, dass der Begriff „Neoliberalismus“ außerhalb der politischen Ideengeschichte noch für einen ganz bestimmten nsozioökono0mischen Gesamtkomplex steht und dieser Terminus innerhalb der Politkwissenschaft ein feststehender Grundbegriff ist und warum das so ist zeigt dann leider, dass man mit Dir über bestmmte Dinge nicht diskutieren kann.
    @Loellie: Ist mir scheißegal ob Akademiker oder nicht, abngesehen davon, das sie es gar nicht alle sind. Im Unterschied zu dem Nazi haben die niemanden umgebracht.

    che2001

    4. September 2007 at 17:02

  67. Lieber Che,

    ich weigere mich gar nicht. Ich möchte nur nach Anwendungsgebieten unterscheiden.

    Rayson

    4. September 2007 at 17:07

  68. Che, was Du oben schriebst, Neoliberalismus als Bezeichnung u.a. für die Politik Reagans, war mir so völlig neu. Das, was bei „uns“ oft darunter verstanden wird, ist wohl eher „German Neoliberalism„. Heute nehme ich den Ausdruck, so wie er verwendet wird, allerdings als ‚Halde‘ für alles unbeliebte wahr, von Sozialabbau über Marken- und Patentrecht bis hin zum Einwanderungsrecht oder zum Überwachungswahn. Damit möchte ich gar nicht behaupten, daß *ihr* alles darunter subsumiert. Aber ich hoffe doch, daß das verständlich macht, daß dieser Ausdruck mir nicht mehr allzu scharf konturiert und nützlich erscheint.

    David

    4. September 2007 at 17:17

  69. oben: „das alles darunter subsumiert“

    David

    4. September 2007 at 17:18

  70. „Ist mir scheißegal ob Akademiker oder nicht, abngesehen davon, das sie es gar nicht alle sind. Im Unterschied zu dem Nazi haben die niemanden umgebracht.“

    Nee, schon klar. Die sitzen mit’m Arsch im trockenen und johlen blos wenn’s in Kannikistan mal wieder Splitterbomben regnet, oder, Hartz sei Dank, Rotzgoeren ausm vierten Stock fliegen, weils dann einen Assoz weniger hat den ’se durchfuettern muessen, unsere versammelten Leistungstraeger hier.

    Ich mach mir euren Umgangs wegen langsam wirklich sorgen.

    loellie

    4. September 2007 at 17:39

  71. 😀

    David

    4. September 2007 at 17:44

  72. Manchmal brauche ich schon Input von außen, der mir mitteilt, was ich wirklich denke…

    Rayson

    4. September 2007 at 17:46

  73. Ja, das war wieder mal ein richtiger Selbsterkenntnisschub.

    David

    4. September 2007 at 17:50

  74. […] ich verstehe es nicht. Sowas hier. Den Fortschrittspessimismus, die Düsternis dahinter, die apokalyptischen Erwartungen — […]

  75. Loellie, die Neocon-Fraktion ist hier gerade nicht versammelt, den hättet Du wenn, dann Statler verpassen müssen, den mit Kannikistan

    Die aus den Fenstern fliegenden Kinder, tja, dem Thema müßtet ihr euch aber schon stellen – „eure“ Quotenhomos legen ja immer so große Wert auf „zivilisatorische Standards“, und daß die Neoliberalsierung (ätsch) West- wie Osteuropas da nicht gerade durchschlagend erfolgreich in dieser Hinsicht war, konnte man ja gerade wieder in Mügeln bewundern. Und weiter östlich geht’s auch ganz schön rund, von den Riots in Pariser Vororten oder den „Rassenunruhen“ in London einst mal ganz zu schweigen.

    Das ist ja die zweite Strategie zur Eliminierung des Sozialen neben der Biologisierung, die ich erstmals bei den Riots intensiver mitbekommen habe und die seitdem doch ziemlich erfolgreich ist, nämlich irgendwelche „kulturellen Determinismen“ zu behaupten, die dann zu sowas führten. Auch nicht besser.

    Um hier mal nicht zu viel Harmonie aufkommen zu lassen. Wäre ja auch langweilig. „Konflikt! Konflikt!Konflik!“ sind ja die drei Regeln, um einen verdammt guten Roman zu schreiben.

    @David:

    Jetzt den Terminus „Neoliberalismus“ einfach für irrelevant zu erklären ist natürlich ziemlich praktisch. Selbst aus dem Wikipedia-Link, den Boche neulich gesetzt hat, ist ja eine durchgängige Strategie ziemlich klar erkennbar, auch wenn’s ursprünglich mal die Ordoliberalen waren, die man so nannte und deren Erkenntnisse ja unsereins eher gegen „euch“ zu verteidigen gewohnt ist.

    Ziemlich albern, daß dieser Wirtschaftsonkel da drüben bei der „Wirtschaftlichen Freiheit“ jetzt auf diese pocht, die haben ja meines Wissens gerade nicht auf die totale Deregulierung gepocht, sondern waren politisch insofern ehrlicher, daß sie ihre Politik auch als Politik zugegeben haben und sich nicht durch irgendwelche „Anti-Etatismen“ tarnten.

    Seit Milton Friedman etc. hat sich da aber noch mal was verschoben und verschärft, nämlich genau das, was Che beschreibt. Sich dann hinzustellen und zu behaupten, das hätte es alles gar nicht gegeben, ist ja so, als würde man die Existenz der DDR bestreiten.

    Vielleicht isses das Politischwerden der Neoklassik? Würde das weiterhelfen?

    momorulez

    4. September 2007 at 18:32

  76. „Unsere“ Quotenhomos? Geht’s noch?

    „Jetzt den Terminus ‚Neoliberalismus‘ einfach für irrelevant zu erklären ist natürlich ziemlich praktisch.“

    Mein Bester, ich tu das nicht weil es besonders praktisch wäre, sondern weil ich schlicht nicht anders mit diesem Terminus umzugehen weiß. Einerseits wird er mir ständig unterstellt, andererseits steht er aber für massig Dinge die ich weder für neu noch für liberal noch jemals vertreten habe oder vertreten möchte. Wenn es zum Beispiel klar begrenzt wäre, auf das, was Che oben schrieb, dann könnte man darüber diskutieren. Das dumme ist nur, daß jeder Scheiß, der irgendeinem modelinken Pöbelfritzen gerade nicht in den Kram paßt, als neoliberal verschrien wird. Wenn Ihr da klarere Vorstellungen habt, was Ihr damit eigentlich meint, so klar, daß man auch ohne Bauchgefühl sagen kann: Ja, das fällt drunter; nein, das nicht; und wenn ihr die mitteilt; dann können wir auf Basis dieses Ausdrucks auch gerne diskutieren, weil ich dann auch weiß, was eigentlich gemeint ist. Dann ist mir auch eigentlich schnurz, ob der Ausdruck historisch korrekt, phantasievoll oder sonstwie verwendet wird. Wenn das Phänomen klar benannt wird, dann können wir es auch gern Beta3795-80/2 nennen. Das überlasse ich auch gerne Euch.
    Das ganze erinnert mich an das, was Rayson in einem seiner Antiamerikanismus-Beiträge schrieb: Das unter dem Label soviel zusammengeklatscht wird, daß es völlig unbrauchbar und eine genauere Benennung des konkreten Problems wesentlich sinnvoller sei. Damals hast Du da, glaube ich, ohne zu zögern zugestimmt.

    David

    4. September 2007 at 18:53

  77. „irgendeinem modelinken Pöbelfritzen“

    Und damit seit natürlich explizit nicht Ihr gemeint (muß ich hoffentlich nicht erwähnen) aber sowas prägt den Ausdruck eben mit, und das ziemlich stark.

    David

    4. September 2007 at 18:55

  78. + „halte“ nach „liberal“

    David

    4. September 2007 at 18:56

  79. Mir geht dieser Begriffsstreit wirklich über. Das grausame an so einem Begriff ist dass die sich über die Zeit ändern und mehrere Gruppen meinen für alle Zeiten festlegen zu können was sich jetzt dahinter verbirgt – oder mal schnell umzudeuten wenns opportun ist. Und ich finds ja schön wenn sich bestimmte akademischen Bereiche auf bestimmte Begriffe geeignet haben – ergibt ja auch einen Sinn. Man muss sich ja unterhalten können. Kriegt man als Nichtmitglied dieses Bereichs aber nicht mit. Und ich bin da ein bisschen widerwillig das dann einfach so zu schlucken, muss ich zugeben.

    Vorschlag zur Güte: Am besten hängt man jetzt immer und an jede Nachricht wenn man einen Begriff wie „Neoliberalismus“ oder „Linke“ benutzt eine 30 Seiten lange Fußnote dran in der man mal erstmal ganz dezidiert von unten nach oben erklärt was man darunter eigentlich versteht. Das ganze versteht sich als Hausaufgabe und die sind bei mir bis zum 30.11.2015 bei „Googlehupf neoliberal ThinkTank – sponsored by Ryan Industries Inc. (TM)“ einzureichen.

    googlehupf

    4. September 2007 at 19:23

  80. @David:

    „Damals hast Du da, glaube ich, ohne zu zögern zugestimmt.“

    Kann ja mal vorkommen 😉 …

    Zudem das im Falle Amerikas ja alles noch viel komplizieter ist.

    Und was schwierig auseinanderzuhalten ist, wenn man diesen ganzen Kram mit Subjektivierungsweisen nicht kennt, ist die politisch/ökonomische Theorie + Regierungspaxis zu ergänzen mit dem, was ich (und andere) glauben, daß es mit Leuten machen würde, dieser politsche Ökonomismus, das ist dann immer der wahlweise Hordkdornitische oder Foucaultsche Einschlag. An letzterem muß ich dann noch arbeiten, das verstöändlicher zu machen, da habe ich sozusagen die Bringschuld.

    Aber das politisch/ökonomische Muster ist doch eigentlich klar – methodologischer Individualismus bei gleichzeitiger Betonung vermeindlich selbstregulierender Marktmechanismen, Rück- bis Abbau sozialstaatlicher Sicheruungssysteme, Ablehnung jeglicher, staatlicher Intervention, und ganz praktisch auch sowas wie Zerschlagung von Gewerkschaften, siehe Thatcher und sogenannte „angebotsorientierte“ Politik, kurz: Gut ist, was Investoren nützt, weil das den Menschen nützt. Das Ganze kann dann flankiert werden durch eine utilitaristische Moral, muß aber nicht.

    momorulez

    4. September 2007 at 19:28

  81. „Warum schwärmen denn alle so von Dr. House? Weil der eine psychische Überlastung in Arbeitssituationen gerade NICHT diagnostizieren würde, sondern ein herrlich mechanistisches Weltbild bedient, wie praktisch.“

    Ach herrje, nun wird man schon analysiert, weil man House gut findet. Dann werfe ich mal noch was in die Runde: Ich mag nicht nur House MD, sondern auch All Creatures Great and Small. So, und jetzt erklär mir mal, was das politisch und sozialphilosophisch bedeutet. House und James Harriott. Und vielleicht noch Catweazle.

    statler

    4. September 2007 at 19:32

  82. Ach du meine Güte – jetzt muss auch noch Dr. House als Weltanschauung herhalten. Totalitarismus muss man mögen.

    Rayson

    4. September 2007 at 20:12

  83. naja, ich wünsche wirklich jedem Abschaffer, dass er nicht ab und zu wegen irgendwas entscheidungseingeschränkt in die wegen Krankenkassen und Steueraufkommen funktionierende Notfallabteilung und entsprchende Station des nächsten öffentlichen Krankenhauses muss. Bei uns funktioniert die nämlich, in der sozialdemokratischen Diktatur. Ich weiss es, drum bin ich sehr dafür. Ichh hätte auch schon die Möglichkeit gehabt, freiwillig zu sterben. Aber ich hab mich anders entschieden.

    T. Albert

    4. September 2007 at 22:05

  84. Getrocknetes Gras?

    googlehupf

    4. September 2007 at 23:01

  85. Der Taxifahrer, der mich eben nach Hause fuhr, meint übrigens, uns gehöre ordentlich der Mors versohlt.

    ring2

    5. September 2007 at 0:09

  86. Da wage ich nicht zu widersprechen.

    David

    5. September 2007 at 0:15

  87. Und sehe mich als eingeschlossen an.

    David

    5. September 2007 at 0:16

  88. wieso getrocknetes Gras? Zur Schmerzbekämpfung wurde von Schwester Maria Juana Heu benutzt. Das hat sie lächelnd auf mir verteilt.

    T. Albert

    5. September 2007 at 7:13

  89. der taxifahrer hat recht. BUBEN!

    T. Albert

    5. September 2007 at 7:14

  90. „…wo zu Beamtenzeiten jeder Brief ankam.“

    Selten so gelacht. Soviel nochmal zum Thema ‚Verklärung der Vergangenheit‘. Demnächst wird uns der Freidenker wohl auch erzählen, daß das einzige von der Deutschen Bundespost zugelassene 300-Baud-Modem einem DSL-Anschluß in jeder Hinsicht überlegen war.

    Überhaupt, man fragt sich bei der Lektüre, wieso eigentlich die DDR mit all ihren Schutzbestimmungen vor bösem Wettbewerb nicht der florierenste Staat war, der je auf deutschem Boden existierte?

    statler

    5. September 2007 at 8:46

  91. Statler,
    was hat das mit der DDR zu tun?

    Gar nix.

    DA ich mein Leben lang in IN- und Ausland nur ZUg fahre, weiss ich allerdings, dass z.B. die alte Deutsche Bundesbahn ein ausgesprochen zuvelässiger Verein des Personentransports war, mit der entsprechenden zeitgenössischenTechnologie. Das ist aber nicht mehr so, trotz der entsprechenden zeitgenössischen Technologie. Das wird auch bei den SBB nicht mehr so sein, wenn die so weit sind.

    Dass zu Beamtenzeiten jeder Brief ankam, daran erinnere ich mich seltsamerweise auch. Man traut sich ja kaum das zu sagen. Kürzlich hat mir einer erklärt, die ewigen, stundenlangen, kostengenerierenden Verspätungen der DB AG kämen durch den zu hohen Anteil des Personals mit alter Beamtenmentalität zustande. Aha.

    T. Albert

    5. September 2007 at 8:59

  92. Während man in Spanien im Gegensatz zu Deutschland nach dem ZUg die Uhr stellen kann. Böser Witz: Was heißt ICE?

    In Celle Endstation.

    che2001

    5. September 2007 at 9:13

  93. Ich weiß ja nicht. Ich bin ziemlich viel mit der Bahn unterwegs, komme auf rund 3500 bahncomfort-Punkte im Jahr, aber echte Probleme habe ich nur, wenn sich mal wieder jemand vor den Zug wirft. Mag ja sein, daß die Rheinschiene zwischen Düsseldorf und Basel eine löbliche Ausnahme im deutschen Schienennetz ist, aber ich kann jedenfalls nicht klagen.

    Und selbst die viel gescholtenen privatisierten britischen Bahnen funktionieren offenbar nicht schlecht: http://www.railpassengers.org.uk/news-and-publications/document-search/document.asp?dsid=848

    Vier von fünf Passagieren sind zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrer Reise — da kann man nicht meckern, denke ich. Und wenn man sich dieses Beispiel im Detail anschaut, dann wird man feststellen, daß die privatisierten Bahnen seinerzeit ein völlig marodes Schienennetz vom Staat geerbt hatten. Seit den Siebzigern gab es da keine nennenswerten Investitionen in neue Strecken mehr, und selbst Erhaltungsinvestitionen wurden grob vernachlässigt. Kein Wunder, daß es einige Jahre brauchte, bis das Netz saniert war und wieder ein vernünftiger Betrieb möglich wurde.

    So, und was das alles mit der DDR zu tun hat? Offensichtlich meint der Freidenker, daß man unter Wettbewerbsdruck keine gute Arbeit abliefern kann, sondern ‚Schutzbestimmungen‘ den Anbietern die nötige Ruhe verschaffen müssen, um Qualität zu produzieren. Da ist sie, die DDR.

    statler

    5. September 2007 at 9:36

  94. Bei der Bahn kann ich das nicht beurteilen (ich für meinen Teil bin auch ganz zufrieden mit ihr), aber daß sich die Post verschlechtert hat, hielt ich bisher für unbestreitbar. Mich würden dabei allerdings die Unterschiede in den versteckten Kosten zwischen früher und heute auch sehr interessieren.

    David

    5. September 2007 at 12:43

  95. Mir hat z.B. mal jemand erzählt, ob es stimmt weiß ich nicht, aber es glang nicht unglaublich, daß die alte Bundesbahn an jedem (größeren) Bahnhof einen Ersatzlokomotivführer in Bereitschaft gehabt hätte, der zum Beispiel unter Schock stehende Kollegen aus Zügen, vor die sich einer geworfen hatte, ablösen konnte. Ich habe schon meine Zweifel daran, daß das wirklich wirtschaftlich machbar ist, gleich welche Vorteile es bringt.

    David

    5. September 2007 at 12:47

  96. Zur Post kann ich zumindest etwas Konkretes sagen. Wenn ich früher einen Brief von Hannover nach Hannover geschrieben habe, dann war der am nächsten Morgen da. Heute geht der erst ins Briefzentrum Magdeburg, wo er sortiert und nach Hannover zurückgeschickt wird, was je nach Einzelschicksal ein bis drei Tage dauert. Während es früher praktisch nie passiert ist, dass ein Brief verloren ging, ist heute ein gewisser Schwund schon einkalkuliert. Das hat aber nichts mit privat oder staatlich zu tun, sondern damit, dass das Briefzentrum ein Beschäftigungsprogramm für den Osten ist, in den auch ständig für staatliche Lockprämien Unternehmen aus dem Westen umziehen.

    che2001

    5. September 2007 at 13:03

  97. Entspricht so auch ziemlich genau meiner Erfahrung.

    David

    5. September 2007 at 13:23

  98. Allerdings ist Briefversand auch genau das Gebiet, wo die Post noch immer ihr Monopol hält.

    David

    5. September 2007 at 13:25

  99. Hundert!!!

    momorulez

    5. September 2007 at 17:45

  100. Nö, in den meisten Städten gibt es 1, 2 oder 3 private Citybriefdienste, die meist schneller und billiger sind als die Post, das Monopol gilt nur für den Fernbriefversand.

    che2001

    5. September 2007 at 18:06

  101. @che

    Private Briefdienste für den Nicht-Firmenkunden? Das ist mir neu.

    Boche

    5. September 2007 at 18:49

  102. Gibt es aber, zumindest hier in Hamburg, z. b. primeMail.

    MartinM

    5. September 2007 at 21:00

  103. @MartinM

    Mir scheint nach Durchsicht von deren Internetseite aber, dass die sich auf Geschäftskunden beschränken, oder?

    Würde mich auch wundern, wenn das umstrittene Briefmonopol tatsächlich schon unterlaufen würde.

    Boche

    6. September 2007 at 9:16

  104. Also hier fahren lauter grüne und orangene Menschen mit Fahrrädern durch die Gegend und verteilen Briefe, und von der Post sind die nicht …

    momorulez

    6. September 2007 at 9:17

  105. @MR

    Wie gesagt: Die könnten von Unternehmen beauftragt worden sein. Du kannst ja mal versuchen, denen als Privatmann einen Brief mitzugeben. 😉

    Boche

    6. September 2007 at 9:25

  106. Da ist schon der eine oder andere knackige dabei, das probiere ich mal. Wir kriegen übrigens häufig auch Briefsendungen per Fahhradkurier, die sind ja auch oft ganz schon niedlich und haben gute Waden! Und die könnte ich doch auch privat beauftragen?

    momorulez

    6. September 2007 at 9:37

  107. Womit?

    Boche

    6. September 2007 at 10:47

  108. Na, zunächst mal mit dem befördern von Briefen befördern 😉 …. ansonsten paßt’s schon, daß potenzielle, sexuelle Beziehungen in eurem Paradigma nur im Sinne der Prostitution vorstellbar sind, von wegen „beauftragen“ 🙂 … falls Du überhaupt auf solche Art der „Tauschbeziehung“ gedacht hast, mir passiert das bei Fahrradkurieren tasächlich häufiger, ich geb’s zu, irgendwie sind die extrem oft sexy …

    Laß uns doch mal über erotische Fantasien plaudern! Das wäre doch mal was anderes als Sozialstaatskritik- und Verteidigung!

    momorulez

    6. September 2007 at 10:57

  109. So lange der Andere den Auftrag annimmt – muss das aus liberaler Sicht Liebe sein!
    Um den Klischeebogen mal weiterzuspannen… 😉

    Meine erotischen Fantasien behalte ich aber lieber für mich. Sonst holst du wieder den Doktor Adorno raus und der weist mich nachher gar noch ein.

    Boche

    6. September 2007 at 11:10

  110. Dazu folgende Vorlage, lasst sich bestimmt auch mit der Biopolitik rückkoppeln. 😉

    lars

    6. September 2007 at 13:28

  111. @Boche, nana, wenns ums Einweisen geht fällt mir da ein ganz anderer Blogger ein, Du weißt schon wer 🙂

    che2001

    6. September 2007 at 13:58

  112. @che

    Einweisen muss man den doch gar nicht. Im Netz reicht das Ignorieren zum Glück vollkommen aus.

    Boche

    6. September 2007 at 14:05

  113. Zum Glück, ja.

    che2001

    6. September 2007 at 14:07

  114. @Lars:

    Da ist mir das Foto ja schon zu heteronormativ, paßt also zur Biopolitik …

    @Boche:

    Schade, das wäre mal ’ne andere Ebene gewesen 😉 …

    @Che + Boche:

    Ich fürchte, das mit Einweisung liegt im dem Fall schon bald gar nicht mehr in unserer Hand – reine Hypothese ohne jegliches Zusatzwissen. Aber diese manischen Phasen sind gemeingefährlich … wie gut daß es jetzt das Netz gibt, wie hat man denn früher sowas ventiliert?

    momorulez

    6. September 2007 at 15:30

  115. Als ich feststellte, daß sich der Wert erotischer Phantasien nicht in harten € beziffern läßt, habe ich diese natürlich augenblicklich aufgegeben.

    David

    6. September 2007 at 15:35

  116. Die Post soll früher besser gewesen sein? Das wäre von meinem anekdotischen Erleben heraus völlig Gegenteilig.

    Wie häufig sind mir früher Pakete verloren gegangen oder waren viel zu lange unterwegs. Heute? DHL schaffts in der Regel innerhalb eines Tages in Deutschland und ist meist sogar schneller als die anderen privaten Konkurrenten. Aber vielleicht liegts daran, dass ich Briefe so gut wie nie versende. Kann sein, dass das auf dem Sektor anders aussieht.

    Meine erotischen Phantasien kreisen im übrigen selbstverständlich nur über Geldsegen, Unterwerfung und Hierarchie sowie Fräulein Rand – ganz selten, aber zuverlässig taucht die Wagenknecht auf. Psychodynamisch alles sehr heikel. 😉

    googlehupf

    6. September 2007 at 18:32

  117. Komm, Googlehupf, mehr! Vor allem über Frau Wagenknecht 😉 … wie sah Frau Rand denn eigentlich aus?

    Ach, ich will endlich das ultimative Psycho-Encouter-Blog! Statler ist ja im anderen Thread schon nahe am Urschrei angekommen, ich finde da, genau da müssen wir anknüpfen, dann wird das vielleicht doch noch was mit der Revolution, so unter Umstürzlern, ganz im Vertrauen! Erst ändern wir uns selbst, und dann die Welt!

    momorulez

    6. September 2007 at 18:41

  118. Würde eigentlich passen wie die Faust auf’s Auge… gute Leistungen, wo Wettbewerb herrscht bei völliger Vernachlässigung des Gebietes, wo man noch ein Teilmonopol bsitzt. Ich würde ja jetzt die ökonomische Theorie für ihre phantastischen Vorhersagen loben, fände ich diese nicht so banal.

    Frau Rand sieht übrigens ziemlich dominant aus. Das paßt auch dazu, daß sie so gut bescheid wußte. Hier. Ob diese meine Einschätzung jetzt mehr über googlehupf oder mich aussagt, das überlasse ich Leuten, die was davon verstehen, zwischen den i-Punkten zu lesen.
    Hätte ich mich von erotischen Phantasien wegen des niedrigen ökonomischen Fetisch-Wertes nicht gänzlich verabschiedet, ich zöge die Wagenknecht jedenfalls vor.

    David

    6. September 2007 at 18:52

  119. Ich will ja nicht unken, aber Frau Rand hat für mich dann schon einen gewissen transsexuellen Touch …. wurde sie sich aus der Starre lösen, auf ’nem Piano wälzen und dabei frenetisch singen „Ich geb Dich nicht her für ein bißchen Orgasmus!“, das würde ich ihr glatt abnehmen … „10 Frauen möcht ich sein, 10 Frauen möcht ich sein, 10 mal ich selbst auf der Welt!“ oder so …

    momorulez

    6. September 2007 at 18:58

  120. Hihi. Auf jeden Fall sieht sie bei Weitem nicht so unheimlich aus wie H³. So wie den stelle ich mir Ted Kaczynski vor. Dessen Bild wurd bei mir nämlich noch nicht photographisch verdorben. Mal gucken.

    David

    6. September 2007 at 19:01

  121. Bei Illuminatus heißt die Dame ja Atlanta Hope, wird nach dem Erfolg Ihres Romans „Telemachus nieste“ Pressesprecherin der christlich-fundamentalistischen Terrororganisation „God´s Lightning“, und erklärt wird das alles mit ihrer totalen Frigidität.

    chezweitausendeins

    12. November 2008 at 14:49


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