shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Metakommunikation

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„Unter Unvernehmen wird man einen bestimmten Typus einer Sprechsituation verstehen: jene, bei der einer der Gesprächspartner gleichwertig vernimmt und auch nicht vernimmt, was der andere sagt. Das Unvernehmen ist nicht der Konflikt zwischen dem, der weiß und jenem, der schwarz sagt. Es ist der Konflikt zwischen dem, der „weiß“ sagt und jenem, der auch „weiß“ sagt, aber keineswegs dasselbe daraunter versteht bzw. nicht versteht, dass der andere dasselbe unter dem Namen der Weiße sagt. (…) Die Fälle des Unvernehmens sind jene, bei denen der Streit darüber, was Sprechen heißt, die Rationalität der Sprechsituation selbst ausmacht. Die Gesprächspartner verstehen und verstehen nicht dasselbe mit den denselben Wörtern. Es gibt alle möglichen Arten von Gründen, warum X einen Y vernimmt ud zugleich nicht vernimmt, weil, obwohl klar hörend, was ihm der andere sagt, er nicht den Gegenstand sieht, von dem ihm der andere spricht, oder weil er unter demselben Wort einen anderen Gegenstand versteht und verstehen muß, sieht und sichtbar machen will, einen Grund im selben Argument. So beginnt die „politische Philosophie“ im Staat Platons ihr Dasein durch das das lange Protokoll des Unvernehmens über ein Argument, über das sich alle einig sind: dass die Gerechtigkeit darin besteht, jedem zu geben, was ihm zukommt.“

Jean Ranciére, Das Unvernehmen, Frankfurt/M. 2002, S. 9-10, 10-11

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Written by momorulez

5. September 2007 um 16:39

Veröffentlicht in Das Netz, die Moral, Ja, Philosophie

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