shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Das Münchhausen-Trilemma

with 23 comments

Wo sich der Herr Friedman hier schon als totaler Traffic-Killer erweisen hat, machen wir doch gleich dort weiter, was viele lesen, ist ja eh nicht gut: Wie kann man eigentlich Freiheit als letzten, ersten, alles andere überragenden  „Wert“ (ist ja eh Quatsch, egal, nehmen wir mal an, Freiheit sei ein „Wert“) begründen, ohne sich in das Albertsche Münchhausen-Trilemma zu verstricken, also den infinitien Regreß der Begründung?

„Jeder Versuch einer unanzweifelbar gültigen Begründung einer Aussage, sei dieser deduktiv, induktiv, kausal, transzendental oder auf jedwede andere Weise geführt, muss daran scheitern, dass eine sichere Begründung wiederum sicher begründet werden muss, sodass man zu keinem Ende kommt; es sei denn, man betrügt sich und/oder andere mit einer zirkulären Begründung oder bricht das Verfahren irgendwo willkürlich ab. (Das ist praktisch immer möglich, verzichtet dann aber darauf, die ursprüngliche Zielsetzung einer Letztbegründung einzulösen.)“

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Written by momorulez

14. September 2007 um 7:45

Veröffentlicht in die Moral, Philosophie, Wissenschaft

23 Antworten

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  1. Ich glaube nicht, dass Friedman der Traffic-Killer war…

    Aber zumindest ich ziehe es vor, das Werk erst ganz zu lesen und erst dann was zu bloggen, und das wirkt sich wohl auch auf mein Kommentarverhalten aus. Beim Foucault bleibt mir auch nichts anderes übrig, denn der erste Teil, an dem ich noch knabbere, mag vielleicht historisch ergiebig sein, und die Sprache ist noch nicht so verquast, wie ich befürchtet hatte, aber das Thema reißt mich auch noch nicht vom Hocker. Ich halte also durch in der Erwartung, der Autor wolle auf etwas hinaus. Da hast du es mit dem Friedman da leichter, der ist in einzelne Kapitel unterteilt, die man unabhängig voneinander lesen kann…

    Rayson

    14. September 2007 at 8:33

  2. Es gibt auch noch ein Berufsleben. Ich wundere mich ja eh, dass hier am Wochenende, wo ich endlich mal Zeit habe, mich gründlich mit Beiträgen zu befassen, sich alles verabschiedet. Ich habe bisher nicht die Zeit gefunden, etwas zu dem Friedman-Thread zu schreiben, das wird aber noch kommen. Dieses Blog hier ist inhaltlich so anspruchsvoll, dass ich für Antworten auf manche Beiträge ein paar Tage brauche.

    che2001

    14. September 2007 at 8:44

  3. Stimmt schon, Foucault, das ist schon ein Gesamtentwurf bzgl. historischer Entwicklungen.

    Bei Friedmann schien sich mir das schon anzubieten; zudem eben das „Lektüreprotokoll“ auch den Vorteil hat, daß man die Lesart sozusagen gleich mit dokumentiert. Und auf das Münchhausen-Trilemma bin ich auch wieder gekommen, weil der „Freiheit als Wert“ voraussetzt, ohne dieses selbst zu begründen.

    Und das kann man nur bei einer transzendentalen oder quasi-transzendentalen Begründung machen, auch im Falle praktischer Vernunft, glaube ich, also genau dem, was Albert an Habermas und Karl-Otto Apel kritisierte, und das muß sich auch an deren Entwürfen messen lassen, glaube ich. Was ja konsequentest ausgeblieben ist, meines Wissens.

    Mal gucken, wie ich das bei den weiteren Kapitel mache. Gestern habe ich mir ’ne Friedman-Pause gegönnt 😉 … Patti Smith hören finde ich aktuell doch noch bereichernder.

    momorulez

    14. September 2007 at 8:47

  4. Offen gestanden kann ich Dir nicht mehr folgen. Vielleicht sollte ich mal zur Entspannung ein paar Quantengleichungen oder eine DNA-Doppelhelix osten…

    che2001

    14. September 2007 at 11:01

  5. Ich mach mal ’nen Eintrag zur Diskursethik und der Apelschen Transzendentalpragmatik, dann wir das klarer 😉 …

    momorulez

    14. September 2007 at 11:06

  6. @Rayson:/Momo: Um wlchen Foucault handelt es sich denn?

    lars

    14. September 2007 at 12:09

  7. „Überwachen und Strafen“

    momorulez

    14. September 2007 at 12:39

  8. Mir wurde „Überwachen und strafen“ empfohlen.

    Rayson

    14. September 2007 at 12:39

  9. Gleichklang 😉

    Rayson

    14. September 2007 at 12:39

  10. Ach, dann kannst dich ja nächstes Semester zu meinen Studis setzen, mach da nämlich ein Lektüre-Seminar zu. Jede Woche 30 Seiten!

    lars

    14. September 2007 at 12:52

  11. Naja, das Münchhausen-Trilemma bezieht sich doch auf jede Aussage, ist doch insofern kein spezielles Problem des Friedman, oder?

    Mein Begründungsversuch wäre der, dass Freiheit die Entfaltung aller anderen Werte ermöglicht, aber nicht erzwingt.

    Karsten

    14. September 2007 at 15:01

  12. @Karsten:

    Etwas als Möglichkeitsbedingung zu behaupten, IST ja die transzendentale Begründung.

    Und natürlich betrifft das nicht nur Friedman, klar. Das ist ein ganz generelles Problem der Begründung von Aussagen, Regeln etc..

    Nur daß es eben Denker gibt, die dieses Problem berücksichtigen und andere, die einfach irgendwas drauflosbehaupten.

    MomoRules

    14. September 2007 at 15:20

  13. So, und jetzt die Kickers aus Offenbach schlagen 😉 … ganz empirisch.

    MomoRules

    14. September 2007 at 15:21

  14. @MR:

    Oh, als Bedingung nicht. Als Begünstigung ja.

    Jetzt aus echtem Interesse, falls ich mal beschließen sollte, ein großes philosophisches Werk zu verfassen (*ahem*): Wie berücksichtigt man denn das Trilemma?

    Ich sollte übrigens eigentlich damit aufhören, so gemein, wie Du gegenüber Kölle bist, aber ich drück‘ euch trotzdem die Daumen gegen Offenbach. 2-1 sieht doch schon mal gut aus…

    Karsten

    14. September 2007 at 17:38

  15. 3:1, bitteschön! Sah also noch besser aus 😉 …

    Was ist denn „Begünstigung“ in diesem Zusmmenhang?

    Und das Trilemma berücksichtig man dahingehend, daß man auf Letztbegründungen und invariante Transzendentalien verzichtet und dem Leben, den Dingen und den Menschen schlicht offen begegnet und eben weiß, daß Begründung ein steter, unabschließbarer Prozess ist … ganz feuilletonistisch also.

    momorulez

    15. September 2007 at 6:59

  16. OK, Ihr habt es so gewollt: „Auch die isolierten Bevölkerungen Europas lassen beträchtliche Variationen in den GC-Subtype Allelfrequenzen erkennen, wobei insbesondere die Saami und Basken mit stark von den übrigen europäischen Populationen abweichenden Allelfrequenzen auffallen…Die biologische Funktion der HLA-Genprodukte gibt einige Anhaltspunkte zur Erklärung der Ursache des enormen Polymorphismus des Menschen MHC und seines gebnetischen Aufbaus. Beim Vorliegen einer großen Zahl von Merkmalen ist zu erwarten, dass die Spezies (als Ganzes gesehen)gegen alle Krankheitserreger geschützt ist, da mit größter Wahrscheinlichkeit einige Genprodukte vorkommen, welche eine effiziente Präsentation des Pathogens im Laufe einer Immunantwort garantieren, so dass für einen Teil der Indidividuen der Spezies immer noch Schutz besteht.“

    So, daraus wird ja nun glasklar ersichtlich, dass Rassismus keine Grundlage in der empirisch beschreibbaren Realität hat, woll 😉

    che2001

    15. September 2007 at 10:01

  17. Ja, und um sowas dann behaupten zu können, sollte man schon auf die Bedingung der Möglichkeit von Erkenntnis reflektiert haben, weil diese ja zugleich die Möglichkeit der Gegenstände von Erkenntnis ist 😉 …

    MomoRules

    15. September 2007 at 13:40

  18. Das hat jetzt drei Implikationen bzw. implizite Hintertüren:

    1) Den Leuten, die ständig soziale Verhältnisse, politische Konflikte oder schlicht Armut und Elend, aber auch Geschlechtsrollenstereotypen oder Vorurteile über Minderheiten biologistisch begründen, denen gehört die Biologie um die Ohren gehauen, bis ihnen Hören und Sehen vergeht.

    2) Man könnte das ausdehnen und sagen, dass die Vorbedingung des über die Bedingungen von Erkenntnis Reflektierens ein Zustand der Raumzeit ist, der schon durch ein paar Quantenfluktuationen grundsätzlich verändert werden kann, was zum Namen dieses Blogs einen Bezug hat, den transzendent zu nennen ich für einen Euphemismus halte.

    3) Wir sollten weniger elaboriert bloggen, sonst kommt niemand mehr mit.

    Und nun zurück zum Kontext 😉

    che2001

    15. September 2007 at 14:04

  19. Ach, wir sollten noch viel elaborierter bloggen! Und wie die Schlote rauchen und auf öffentlichen Plätzen saufen, bis der Arzt kommt! Man muß Dissidenz halt da aufsuchen, wo sie gerade produziert wird 😉 …

    momorulez

    15. September 2007 at 16:28

  20. …und ich mühe mich gerade durch das Trauerspielbuch von Benjamin, finde dort große Poesie wie etwa

    Die Ideem verhalten sich zu den Dingen wie die Sternbilder zu den Sternen.

    und frage mich, was man damit anfangen könnte….

    lars

    15. September 2007 at 18:39

  21. Och, vielleicht es in Beziehung setzen zu Barnett Newmans Ausspruch, daß Ästhetiker für Künstler das seien, was Ornithologen für Vögel sind?

    MomoRules

    15. September 2007 at 19:32

  22. Hey, nicht schlecht!- Ja, im prinzip ist es das…

    lars

    15. September 2007 at 21:26

  23. […] der chramante Vergleich mit Vögeln und Ornithologen passt da auch wirklich wunderbar. Ausgelegt von lars Abgelegt unter Methodologie, Bildtheorie, […]


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