shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Ayn Rand: erste Eindrücke.

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Also: Vorhin klingelte der Postbote und lieferte mir das Buch „Capitalism: The Unknown Ideal“ von Ayn Rand. Da ihre Sachen auf deutsch schwer zu kriegen sind, also das englische Original. Es wurde erstnals 1967 veröffentlicht. Das Buch liegt als Paperback im Penguin Verlag vor und hat 7 Euro nochwas gekostet. Es ist ein Sammelband von 24 Essays und zwei Appendix-Texten sowie einer Liste mit empfehlenswerter Literatur. Von diesen 24 Essays wurden 3 von Alan Greenspan verfasst, 2 von Nathaniel Branden, von devon m sich Rand in einem Zusatz zur Einleitung 1970 distanziert und 1 Essay enstammt der Feder von Robert Hessen.

Die Aufsätze sind in zwei großen thematischen Blöcken verfasst: „Theory & History“ und „Current State“.

Aus den Überschriften der einzelnenAufsätze spricht bereits eine Wertschätzung von Rhetorik, wenn nicht sogar . das wird noch zu untersuchen sein – eingewisser Populismus:

„The New Fashism: Rule by Consensus“, „The Cahing-In: The Student „Rebellion“, „The Pull Peddlers“, „Let Us Alone!“, „America’s persecuted Minority: Big Business“, „Conservatism: An Obituaty“ …

Der erste Satz der Einleitung lautet:

„This book is not a treatise on economics. It is a collection of essays on the moral aspects of capitalism.“ A. Rand (1967):: Capitalism: The Unknown Ideal, p. vii.

Man darf jetzt also keine Ökonomische Theore erwarten, sondern wahrscheinlich eher eine moralische Legitimation des Kapitalismus.

und weiter unten auf der selben Seite, zu ihrer philosophischen Richtung des Objektivismus:

„Objectivism is a philodophical movement; since politics is a branch of philosophy, Objectivism advocates certain political principles – specifically, those of laissez-faire capitalism- as the consequence and the ultimate practical application of its fundamental philosophical principles. It does not regard politics as a seperate or primary goal, that is: as a goal that can be achieved without wider ideological context.“(ebd., p. vii).

Okay, das klingt doch aber schon ziemlich nach Libertarians und Anarchokapitalismus, oder täusche ich mich da. BTW.: Ich kenne den Greenspan nur als Politiker, wo kommt der denn sonst noch so her?

Desweiteren, und hier wird spannend, schriebt sie etwas über ihr Verständnis von Politik und liefert auch ein Selbstverortung als Nicht-Konservative und als Radikal-Kapitalistin. Aha, schon mal was gelernt. Schon mal eine fehleinschätzung meinerseits, andererseits muss man erstmal nachschauen, was sie unter „Konservativismus“ versteht. Auch da könnten sich ja Differenzen auftun. Aber zurück zu dem Politik-Zitat:

„Politics is based on three other philosophical disciplines: metaphysics, epistemology and ethics – on a theory of man’s nature and of man’s relationship to existence. It is only such a base that one can formulate a conssitent political theory and achieve it in practice. … Objectivists are not ‚conservatives.‘ We are radicals for capitalism; we are fighting for that philosophical base which capitalism did not have and without which it was doomed to parish.“ (ebd., p vii.).

Sie zitiert sich im übrigen selbst, aus der ersten Ausgabe den „The Objectivist Newsletter“.

Erster Kritikpunkt wäre die Exklusion der Ästhetik aus den philosophischen Disziplinen der Politik. Bereits 1967 war ja eine Politik des Ästhetischen schon längst formuliert. Das wiegt umso schwerer, als Rand selbst in allen Disziplinen gearbeitet hat: „The Virtue of Selfishness“ ist eine ethische Schrft, „Introduction to Objectivist Epistemology“erklärt sich ja selbst, und „Philosophy: Who needs it?“ scheint miir eine metaphysische Schrift zu sein. Aber der Witz sit eben, dass sie Romane egschrieben hat, und zwar bevor sie philosophisch tätig wurde, in denen sie ihre Vorstellung ausarbeitete und das sowjetische Regime kritisierte. Seltsam. dass sie das hier nicht auführt. Wikipedia schreibt ihr übrigens hinsichtlich der ästhetischen Position einen Romantizismus zu.

Dann habe ich natürlich (HAHA!) einige Vorbehalte gegen ein projekt, dass mir Anthropologisch dünkt, also Moral und menschliches Handeln auf Natur zurück führt, für die der Kapitalismus die adequate Lebensform darstellen soll. Hier bin ich aber auch mal gespannt, a) was für einen Naturbegriff Rand vertritt und b) wie sie den industriellen Fortschritt positiv verbindet.

Im folgenden wirft sie den Verfechtern des Kapitalismus vor (wer genau das sein soll, ist nicht klar), dass sie zu seiner Zerstörung beigetragen ahben, indem sie nicht auf einer moralisch-philosophischen Ebeme argumentierten. Dabei basiere die Zerstörung des Kapitalismus gerade darauf, den Menschen nicht zu sagen, worin der Kapitalismus bestehe, sondern

„It is being destroyed in the manner of a nightmare lynching – as if blind, despair-crazed mob were burning a straw man, not knowing that the grotesquely deformed bundle of straw hiding the living body of the ideal.“ (ebd., p. viii)

Und weil man nunmal die Politiker ales alte Menschen seien, würden gerade die jüngeren nicht erfahren, was der Kapitalismus eigentlich sei. – Okay, das ist einerseits ein Erfahrungsargument, ähnlich dem der Kritischen Theorie, andererseits, wird im Gegensatz zu dieser im Namen einer konkreten Gruppe gesprochen, nämlich der Jungen (the young). Das ist ärgerlich, denn für ein Ideal zu schreiben ist die eine Sache, aber es im Namen von einer bestimmten Gruppe zu schreiben, die es aufzuklären gilt, (und dann auch noch die Jungen – die Macht der Unschuld!), das ist hochgradig traditionelle Legitimation:

„What they have to discover, what all efforts of capitalism’s enemies are frantically aimed at hiding, is the fact that capitalism is not merely the ‚practical‘, but the only moral system in history.“ (ebd., p. ix)

Ich befürchte, ich muss zum Kontrast ein Ppar Arbeiten von Horkheimer hinzuziehen, gerade was den Vorwurf betrifft, es hätte kein Darstellung des Kapitalismus gegeben. Spontan fällt mir jetzt der Aufsatz „Egoismus und Freiheitsbewegung“ ein, aus dem ich gestern in meinem Blog zitierte . in Politik zu übersetzen

Nach einer Bedauernsbekundung, dass Philosophy so abstrakt sei, dass sie nicht mehr in Politik zu übersetzen sei, verweist sie noch auf einiege ihre Bücher, um den Hintergrund der Essays zu verdeutlichen, erwähnt ihre Co-Autoren und distanziert sich 1970 recht hübsch von Nathaniel Branden:

„P.S. Nathaniel Branden is no longer associated with me, with my philosophy or with The Objectivist.

A.R.

New York, November 1970 „

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Written by lars

17. September 2007 um 14:15

19 Antworten

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  1. Lustig, irgendwie paßt das zu dem, was ich Rayson gerade im „Nationaliberalismus“-Thread geantwortet habe, nur daß Frau Rand dann eben eindeutiger ist als z.B. Friedman …

    momorulez

    17. September 2007 at 14:24

  2. Ja, über Eindeutigkeit kann ich michg bislang nicht beklagen. Nur sind mir ihre Feinde nicht ganz klar.

    lars

    17. September 2007 at 14:27

  3. Die bösen Bolschewiken und die daran hängende kommunistische Weltverschwörung, zu der Gewerkschaften und Demokraten gehören.

    che2001

    17. September 2007 at 14:35

  4. Ja, aber nicht nur die. Sie will sich ja auch gegen Konservative abgrenzen und einige Verfechter des Kapitalismus hält sie ja auch für dessen Totengräber.

    lars

    17. September 2007 at 14:41

  5. Die ist ja auch ziemlich paranoid.

    che2001

    17. September 2007 at 14:50

  6. Ich befürchte eher das Gegenteil: Dass die nur zu gut wußte, was sie schrieb, und dass wenn schon ich daran paranoid werde… so, als Gegenkur gehe ich jetzt den Leo Löwenthal lesen…

    lars

    17. September 2007 at 14:56

  7. Ahh… das steigert natürlich die Spannung.

    lars

    17. September 2007 at 15:52

  8. Robert Anton Wilson hat in seiner Illuminatus-Trilogie und den Folgebänden Ayn Rand eine köstliche Persiflage gewidmet. Dort ist sie keine Rechtslibertäre, sondern im Gegenteil Cheftheoretikerin einer gewalttätigen Moral-Majority-Sekte, der „God´s Lightning“, und heißt Atlanta Hope. Was gleich ist, ist das rigorose und in klischeehafter Realitätsvereinfachung befangene Denken. „Atlas Shrugged“ heißt „Telemachus nieste“.

    che2001

    17. September 2007 at 17:00

  9. Ich kenne sie ja eher aus dem Roman „Sewers, Gas and Electrics“ von Matt Ruff, fa wird ein Rand-Anhänger mit einer Ausgabe von „Atlas wirft die Welt ab“ erschlagen und später taucht sie als schlecht gelauntes, stets rauchendes besserwisserisches Hologramm in einer Sturmlaterne auf, als das sie eine der Hauptfiguren begleitet und sich schließlich als Bombenzünder entpuppt.

    lars

    17. September 2007 at 17:34

  10. Gefällt mir. Solange man lebt, soll man rauchen.

    David

    17. September 2007 at 17:43

  11. Übrigens, in meinen Kriesen ist Illuminatus ja Allgemeinbildung, aber wer es nicht kennt, solltec es unbedingt lesen:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Illuminatus-Trilogie

    che2001

    17. September 2007 at 17:57

  12. aus der Weltwoche (s. Link)
    „Was von ihr bleibt? Zwei grosse, programmatisch funkelnde Romane. Und viele kluge Texte, die unsere Gegenwart verstehen helfen.Das Grassieren von Verschwörungstheorien etwa. Die Trendyness immer neuer Religionsderivate. Die Macht politisch korrekter Pressure-Groups. Aus Rands Sicht sind wir eine mutlose Gesellschaft geworden, die Prinzipien als altmodisch betrachtet, den Verstand entmachtet hat, Wahrheit als Sache der Mehrheitsverhältnisse ansieht und jeden diffamiert, der sich aus dem Mittelmass emporreckt.“

    Um das obige zu verstehen brauche ich Locke und Kant, nicht Rand 🙂

    Fragezeichen

    17. September 2007 at 19:16

  13. Frage an Lars
    Schreibt Frau Rand bei Max Stirner ab?

    http://de.wikipedia.org/wiki/Stirner

    Fragezeichen

    17. September 2007 at 19:20

  14. Keine Ahnung, ich habe Stirner nicht gelesen und bisher hat sie ihn noch nicht zitiert…

    lars

    17. September 2007 at 19:32

  15. […] Erzähler unserer Zeit ist, kann ich den Roman beruhigt ein weiteres Mal genießen. Erste Eindrücke zum Vorwort gibt es hier. Ausgelegt von lars Abgelegt unter Politics, […]

  16. Wilson führte übrigens als Erklärung für ihr seltsames Weltbild die Tatsache an, dass sie die tollsten Beaus der Film- und Literaturszene gehabt hatte, aber völlig frigide war 🙂

    che2001

    17. September 2007 at 20:01

  17. Hallo,
    am meisten hat mich Ayn Rands Buch „Wer ist John Galt?“ fasziniert. Eben habe ich hierzu in meinem Blog geschrieben, dass dieses Buch (Originaltitel: Atlas Shrugged) nun mit Angelina Jolie verfilmt wird.

    Gruß Thomas

    Thomas

    7. Oktober 2007 at 19:28


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