shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Verzichte nie auf Poesie!

with 46 comments

„Nach der Jahrhundertkatastrophe, die der Hurrikan Katrina im August 2005 in New Orleans verursachte, meldete sich der 93 Jahre alte Milton Friedman zu Wort: „Die meisten Schulen von New Orleans liegen in Trümmern.(…) Das ist eine Tragödie. Es ist aber auch eine Gelegenheit, das Bildungssystem radikal zu reformieren.“

So, dann mal wieder Vorurteile reproduzieren, wie  das so meine Art ist, Ergebnisse vorwegnehmen und einfach mal draufhauen. Nee, in diesem Fall gar nicht auf Milton Friedmann, sondern auf Naomi Klein, deren Buch ich aber noch gar nicht gelesen habe. Wir können hier jetzt ja einfach so lange darüber schreiben, bis es jemand gelesen hat, und dann nehmen wir alles zurück. Bis dahin zitieren wir dann Hans Albert und Sir Popper, was die so zu den Begriffen zu sagen haben, die Frau Klein auch verwendet.

Was mich nämlich bei all den Rezensionen schon gewundert hat, ist, wie Pinochet und New Orleans in einem Atemzug genannt werden. Und, ganz ehrlich, daß Herr Friedmann da vorschlägt „achgottchen, wenn da eh alles kaputt ist, laß uns doch mal Neues probieren!“,  das finde ich an sich eher außerordentlich tugendhaft.

Ja, ich weiß, zu  New Orleans gibt es auch all die Berichte, daß außerordentlich gezielt versucht würde, insbesondere ärmere Schwarze von dort fernzuhalten im Zuge des Wiederaufbaus, aber so lange Herr Friedman denen keine Schul-Gutscheine verweigern will, kann ich mich da im konkreten Falle gar nicht empören. Wobei ich ja tatsächlich nur um die 5 Rezensionen gelesen habe, vielleicht vertieft Frau Klein das ja.  Aber in der heutigen FR taucht ein Passus auf, der mir irgendwie plausibel scheint:

„Die Schwäche ihres Buches besteht darin, dass es der Autorin nicht hinreichend gelingt, dieses Zusammenspiel analytisch zu durchdringen. Sie kommt nicht über die Feststellung hinaus, dass die Schocks auf politischer, wirtschaftlicher und psychologischer Ebene „irgendwie miteinander“ zusammenhängen. Gelegentlich erweckt sie sogar den Eindruck, zwischen den drei Arten von Schocks bestehe ein kausaler Zusammenhang, wo man bestenfalls von einer Analogie reden kann.

Die Versuche von Ärzten, psychisch Schwerkranke mit Elektroschocktherapien mental zu „entprägen“ – so der amerikanische Psychiater Ewen Cameron – oder von Folterknechten, Oppositionelle zum Reden zu bringen, hängen mit den wirtschaftlichen Schocktherapien der „Chicago Boys“ allenfalls metaphorisch zusammen („Cameron will den menschlichen Geist, Friedman die Gesellschaft ,entprägen'“). Diese nur metaphorisch zu verstehende Analogie entkräftet jedoch die zahlreichen, verstörenden Befunde nicht, wonach sich neoliberaler Marktradikalismus und staatsterroristische Folterpraktiken zeitlich oft parallel entwickeln.

Diese Befunde lassen keinen Schluss auf eine Kausalität zu, aber sie belegen, dass die neoliberale Grundthese, zwischen Markt und Freiheit bestehe eine zwangsläufige innere Verbindung und „freie Märkte führten auf ihre Weise eine freie Gesellschaft“ herbei (Friedman), auf schwachen Füßen steht. „

Mmmmmph, und das – also die Metaphorik, nicht die Conclusio – ist nun tatsächlich ein Problem der politischen Mythologie an sich: Daß im Narrativ-Werden analytischer Raster die Poetik Rollen zu spielen beginnt, die nicht jenen Bereichen entspricht, in denen sie als Kunstwahrheit eigentlich zum Tragen kommen sollte. Wem das jetzt zu abstrakt war, dem erkläre ich’s in den Kommentaren.

Auch, wo der Vergleich, immer erlaubt, zur erkenntiskonstituierenden Analogie wird, ist der Wechsel in die Astrologie doch naheliegender als die Behauptung dessen als Politik. Lasse ich mir selbst auch gerne auf’s Brot schmieren, wenn’s mir mal passiert. Und mir schwant, daß  gerade im Bereich der „Globalisierungskritik“ so ein um’s andere mal das dann passiert … daß ein mythengründendes Epos als solches nicht erkannt wird. Ob das auch auf manche Schlußfolgerungen  aus dem 11. September zutrifft, das wäre diskussionsfähig, ebenso auf die „große Erzählung“ von der Heilslehre Markt, dem Land, wo Milch und Honig fließen, wenn man nur eigenverantwortlich genug ist.  An die „großen Erzählungen“ Lyotards damals, jene aus dem Nebelschwadenreich der Postmoderne, kann in diesem Kontext auch mal wieder erinnert werden.

Um so spannender, was der wohl großartigste Philosophie-Vermittler der Republik, Rüdiger Safranski, heute ebenfalls der FR erzählte (habe ich Online nicht gefunden). Der hat gerade ein offenkundig wichtiges Buch über die Romantik veröffentlicht, und dort schildert er, wie er, selbst „68er“, diese Bewegung als „romantische Bewegung“ begreift:

 „68 war für mich eine romantische Bewegung. Bis hin zur RAF. Die beschrieben im Anschluß  an Melvilles Roman ihren Kampf als den gegen den weißen Wal. Diese Art, das politische Geschehen zu überblenden mit literarischen Bildern und so dem politischen Geschäft eine tiefere Bedeutung zu geben, die hat Novalis so beschrieben: „Indem ich dem gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es“.“

Die Erzählbarkeit des Denkens, Interview mit Rüdiger Safranski, Frankfurter Rundschau 18.9. 2007, S. 34.35

Mußte beim „weißen Wal“ als erstes an den Leviathan denken, und gibt ja auch sonst viele weiße Wale derzeit: Der Islam, der Staat, der Sozialismus, ja, ja, auch der Neoliberalismus.

Mal wieder ganz altklug zum Schlusse: Hüte Dich vorm Narrativen, das als Sachwahrheit auftritt, aber verzichte nie auf Poesie – aber bitte da, wo sie hinpaßt. In der Liebe zum Beispiel. Da hat sie ungleich mehr zu suchen als das Recht. Und wahr ist sie auch – aber anders. Oooops, anders, und das dann noch positiv verwendet –  gegen das Andere, als Anderes konstituierte anzurennen, das heißt doch neuerdings „Freedom of Speech“. Mist, wieder ein Fettnäpfchen und gegen alle Regeln des Antitotalitären verstoßen …

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Written by momorulez

18. September 2007 um 19:58

Veröffentlicht in Gegenmoderne, Links?, Postmoderne

46 Antworten

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  1. Atlas zuckte die Schultern (Ayn Rand)
    Telemachus nieste (Atlanta Hope)
    Satan bereute (Mordechai der Arglistige)
    Pfeif nicht, wenn Du pisst (Hagbard Celine)
    Es gibt keinen Gott außer Ra, und die Sonne ist nur eine Anballung aus fusionierendem Plasma (The nine unkwnone men)

    che2001

    18. September 2007 at 21:18

  2. Ist das dieselbe Sonne, die da aufgeht jeden Morgen?

    ring2

    19. September 2007 at 10:14

  3. Wie, was jetzt?

    momorulez

    19. September 2007 at 10:17

  4. Achja, ich war ja immer eher für den Wal, und nicht für Ahab. Aber der Melville steht imnmer noch als Penguin-Ausgabe ungelesen in meinem Regal

    lars

    19. September 2007 at 10:45

  5. Ich kenne tatsächlich nur die Verfilmung mit Gregory Peck 😉 …

    momorulez

    19. September 2007 at 10:53

  6. Ja, die habe ich mal als Kind gesehen

    lars

    19. September 2007 at 10:55

  7. Ich fand „Des Königs Admiral“ als Kind aber viel toller, was immmer das jetzt auch über mich aussagen könnte … und „Ein Herz und eine Krone“ hat uns kindliche Gemüter auch zu Tränen gerührt. Später fand ich dann „Ich kämpfe um Dich“ ganz toll, obwohl das ja die verfilmte Traumdeutung ist, echt Vulgär-Psychoanalyse – aber spannend! Später bin ich aber auf „Schnee am Kilimandscharo“ umgeschwenkt, weil die Hilde da mitspielt.

    Was ja irgendwie alles zum Ausgangsthema paßt 🙂 … man stelle sich vor, die 68er und später die RAF wären zutiefst von „Ein Herz und eine Krone“ beeinflußt worden, was wäre da wohl bei rausgekommen?

    momorulez

    19. September 2007 at 11:11

  8. Die kenn ich ja alle nicht. Habe mir als Kind aber nie Titel im Fernsehen gemerkt und meine Eltern hatten keinen Video

    lars

    19. September 2007 at 13:03

  9. Video hatten wir auch nicht … aber z.B. Fantomas oder Winnetou gucken, sowas hat man dann auch mit Nachbarskindern gemacht!

    momorulez

    19. September 2007 at 13:12

  10. „Do your movie yourself…“ von Eco. Habe ich letzte Nacht gelesen, weil ich nicht schlafen konnte, unbedingt lesen.

    David

    19. September 2007 at 13:21

  11. Vom Umberto Eco?

    lars

    19. September 2007 at 13:42

  12. Von dem habe ich – Danke noch mal, Ring2! – gerade eine Aufsatzsammlung geschenkt bekommen, im Gegensatz zu all den Eco-Unkern mag ich den ja auch gerne lesen. Ist das auch ’ne Aufsatz-Sammlung oder ein Sachbuch oder …? Und warum kannst Du nicht schlafen? Zu viel aufregende Blog-Debatten? 😉

    momorulez

    19. September 2007 at 13:44

  13. Meine Eltern hatten lange Zeit so eine Fernsehdiät-Pädagogik, so dass ich doch häufiger gelesen habe. Lustig insofern, als ich dann in den letzten zehn Jahren mir systematisch einen Filmkanon zusammensah.

    Und Karl May ist bei mir auch so eine derartige Bildungslücke, weder gesehen noch gelesen…

    lars

    19. September 2007 at 13:46

  14. Lars! Das ist ein Verstoß gegen die Leitkultur, Karl May weder gesehen noch gelesen zu haben!

    Zudem ich den ja, von seinen christlichen Exkursen über Schutzengel und so mal abgesehen, besser finde als seinen Ruf, zumindest hinsichtlich dessen, was ich so erinner. Da tauchen sogar Transsexuelle auf (Frau tarnt sich als Mann), und der „edle Wilde“ ist mir ja immer noch lieber als der „Primitive“. Und nach Winnetou 3 bin ich als Kind sogar nachts noch mal aufgewacht, um noch mal zu weinen (David, gestern vielleicht wieder zu viel „Winnetou“ geguckt?) … und vorm Fernseher heulen kann sooooo toll sein!

    Mein Lieblingsplatz war allerdings auch die Bücherei und nicht der Fernseher. War aber dann auch eher „5 Freunde“ oder „Die drei ???“, die ich da so las, und nicht „Moby Dick“ … „Robinson Crusoe“ fand ich toll, komisch, daß ich trotzdem kein richtiger Liberaler wurde 😉 …

    momorulez

    19. September 2007 at 13:55

  15. Ich habe es mal mit den Bücher versucht, aber nach ein paar Seiten wieder weggelegt.

    Wahrscheinlich, weil zumindestens 5 Feunde immer auch auf die Wildheit der Kinder setzte, die hatten doch immer was anarchisches. Und da gab es ja auch noch Georgia, die unbedingt ein Junge sein wollte. Es gab ja auch die tolle „Rote Zora“-Serie.

    lars

    19. September 2007 at 14:02

  16. „Und warum kannst Du nicht schlafen? Zu viel aufregende Blog-Debatten?“

    Eher zu viel Kaffee.

    „Vom Umberto Eco?“

    Genau, findet sich in dem dtv-Eco-Büchlein „Parodien und Travestien“. Er stellt in diesem Text „Multiple Sujets“ vor, mit denen man Filme im Stil bekannter Regisseure selbst machen zu können soll. Besteht immer aus einem Grundlegenden Text, in dem die meisten Bestandteile indiziert sind, und zu dem es dann „Abwandlungen“ gibt: Für jeden Index Alternativen, sodaß viele unterschiedliche mögliche Handlungen entstehen. Saukomisch.

    David

    19. September 2007 at 14:03

  17. Ah! Blyton! Die sammelt der Kurbjuhn, weil sie im Original (vor der politischen Korrektur) wohl teilweise gern mal leicht rassistisch war…

    David

    19. September 2007 at 14:05

  18. Obacht, Unterstellung: Vielleicht sammelt er sie NICHT nur deshalb.

    David

    19. September 2007 at 14:06

  19. Solche Aktionen sollten wir hier auch mal initiieren … habe es ja ansatzweise schon versucht weiter oben … ’ne Blog-Kommentar-Soap oder so … manchmal sind wir ja so schon nahe dran, ich meine, das Figurenrepertoire ist schon mal ziemlich gut, auch stark genug typisiert 🙂 – Konflikte gibt’s auch genug, aber was für Plots generieren wir denn mal daraus?

    @Lars:

    Ich habe die ja auch verschlungen, die 5 Freunde, und wie hieß noch mal der feige, spießige, weibliche Gegenpart zu George? Habe ich glatt vergessen … die Rote Zora war schon nach meiner Zeit, ganz im Gegensatz zur Roten Flora!

    momorulez

    19. September 2007 at 14:10

  20. @David:

    Ja, die Diskussion um Frau Blyton gibt’s tatsächlich, die Bücher waren trotzdem sauspannend! Die „Abenteuer“-Reihe mochte ich liebsten, aber die „Geheimnis um …“-Reihe gar nicht so gerne, trotz des Scotch-Terriers. Und statt „Hanni und Nanni“ habe ich allen Unkenrufen zum Trotz „Burg Schreckenstein“-Bücher gelesen …

    momorulez

    19. September 2007 at 14:14

  21. Ja, ich mochte die Blyton-Bücher ja auch.

    „wie hieß noch mal der feige, spießige, weibliche Gegenpart zu George?“

    Georgia, glaube ich.

    David

    19. September 2007 at 14:24

  22. Mal ein Beispiel aus „Do your movie yourself“:

    Sampieri, Bellocchio, Faenza

    (ich kenne die zwar alle nicht, aber das tolle an dem Text ist, daß man sich die Art der Filme, trotz aller Parodie, lebhaft vorstellen kann – das zeichnet ja auch u.a. eine gute Parodie aus, meine ich)

    … und vereinigt sich mit seiner Mutter[j] in biologisch korrekter Weise[k] …

    Abwandlungen:

    j: Großmutter; Tante; Schwester; Stiefbase; Base zweiten Grades; Schwägerin; den Vater; den Bruder;

    k: rektal; durch Einführung einer Dynamitkerze in die Vagina; mit einem Maiskolben (nach einem Faulkner-Zitat, das der linksradikale Architekt, siche g-h, zufällig fallenläßt); durch Cunnilingus; indem er sie wüst verprügelt; in Frauenkleidern; so gekleidet, daß er aussieht wie sein eigener Vater (Großmutter, Tante, Mutter, Bruder, Kusine); in der Uniform der Föderierten; in der Uniform der Marines; in einer Diabolik-Maske aus Plastik; in SS-Uniform; in Radikalen-Kluft; als Scorpio Rising verkleidet; in einem Anzug von Paco Rabanne; im Priesterkleid;

    etwa so geht das die ganze Zeit.

    David

    19. September 2007 at 14:34

  23. lars

    19. September 2007 at 14:34

  24. Faenza vereinigt sich mit der Base zweiten Grades in einer Diabolik-Maske indem er sie wüst verprügelt?

    momorulez

    19. September 2007 at 14:36

  25. Na, de Sade läßt grüßen.

    lars

    19. September 2007 at 14:37

  26. Naja, Faenza ist ja nicht als Alternative vorgesehen, das ist einer der Regisseure die damit imitiert werden sollen. Und „in einer Diabolik-Maske“ und „indem er sie wüst verprügelt“ sollten sich eigentlich ausschließen – aber es scheint viel reizvoller, da die Ketten zu sprengen, von daher: ja!

    David

    19. September 2007 at 14:38

  27. Pasolini kommt auch vor, aber in einem Sujet, nicht als eins.

    David

    19. September 2007 at 14:39

  28. ich dachte da jetzt eher an das Original, wegen der Dynamitkerze/Vagina

    lars

    19. September 2007 at 14:40

  29. „Die Londoner Times berichtete im August 2007 über die Absicht, die Fünf Freunde neu, und diesmal im Erwachsenenalter, zu verfilmen.“

    Na, das regt dann ja auch die Fantasie an … George vereinigt sich mit dem Bruder in einem Anzug von Paco Rabane!

    Julian ist bestimmt Abteilungsleiter in irgendeiner Schulbehörde und ist verheiratet mit einer drögen Schönheit, die ihn zu Tode langweilt; Anne hat im Zuge der Pubertät die ganz wilde Revolte durchgezogen, und hängt jetzt mit ihrer Ratte Justus Jonas ständig besoffen und abgerockt in irgendwelchen Post-Punk-Kneipen in London ab, Dick hat nach Jahren des Rucksacktourismus und einiger Anläufe, die allesamt scheiterten, an Schaupsielschulen dann doch lieber ’nen Backpacker-Shop in Exeter (wegen Perry Clifton) eröffnet und träumt dort versonnen vom großen Abenteuer, während George als einzige richtig Karriere gemacht hat und Chef-Designerin bei einem Modelabel für sportliche Frauenklamotten geworden ist. Sie hat natürlich den mittlerweile dritten oder vierten Tim.

    Doch nun wird der greise Quentin Kirrin entführt und niemand weiß, ob mafiöse Großkonzerne oder finstere Islamisten dahinterstecken – zum Schluß stellt sich dann raus, daß die zusammenarbeiten 😉 -, und die 5 raufen sich noch einmal zusammen, um ein letztes, großes Abenteuer zu erleben (wie bei „es“ halt).

    Einstieg in die erste Szene ist das Close-Up eines Kakadus, der „Bill will Dill“ sagt, weil man den ja auch noch einbauen muß, irgendwie …

    momorulez

    19. September 2007 at 14:52

  30. Genial. Und etwas makaber, daß einer der 5 schon den dritten oder vierten Nachfolger hat. Das ist doch wie Led Zeppelin ohne Bonham.

    David

    19. September 2007 at 15:03

  31. Na, Tim ist doch aber ein Hund … die leben halt nicht ewig.

    momorulez

    19. September 2007 at 15:10

  32. …dann gleich ein Schwenk auf einen Haustierhandel, in dem der Käfig mit dem Kakadu steht. Überall Käfige, gefüllt mit Katzen, Mäusen, Meerschweinchen, Aquarien, Hamstern, Eulen und sonstigem Gekreuch-und-Fleuche. Georgia steht vor einem großen Zwinger, der knuddelige kleine Welpen enthält. Georgia dreht sich um und wendet sich an den Verkäufer, ein kleiner Herr mit Glatze, aber buschigen Augenbrauen und sagt: Haben Sie nicht etwas mehr sportliches? Sie wissen schon, was abenteuerliches? Die schauen alle aus, als könnte man sie zu den Hummelfiguren in die Vitrine stellen.“

    lars

    19. September 2007 at 15:16

  33. „Tim ist doch aber ein Hund … die leben halt nicht ewig.“

    Klar, aber das ändert doch nix.

    David

    19. September 2007 at 15:21

  34. Verkäufer: (schweigt)
    Georgia: Hey, Mann, haben Sie ’nen Stock verschluckt?
    Verkäufer: (grinst diabolisch)
    Georgia: Ich kann auch woanders … (dreht sich ab und will den Laden verlassen).
    Verkäufer: Das würde ich an Ihrer Stelle nicht tun …

    SCHNITT; SZENENWECHSEL

    Anne sitzt an einem abgerockten Thresen, einfach ein paar Bretter auf Bierkisten gelegt. Der Typ hinter der Bar trägt einen Augenklappe, Iro und nur ein zerfetztes Unterhend über dem Schmerbauch. In einer Ecke des verdreckten Raumes spielen zwei Altpunks, deutlich vom Klebstoffschnüffeln gezeichnet, Backgammon. Aus den Boxen dringt lautstark „Guns of Brixton“ von The Clash. Anne lallt den Text mit halb, spricht sie, halb singt sie. Ein Handy klingelt. Anne greift in eine gelbe, halb zerfetzte Ledertasche mit sich ablösenden Nieten, holt ein brandneu funkelndes Handy heraus, kann es kaum halten; es rutscht ihr aus der hand, sie muß es aufheben, noch nach unten gebückt nimmt sie den Anruf entgegen, während Justus Jonas sich an ihrem Oberarm festkrallt.

    Anne: George? (guckt auf einmal hellwach) George? George, zum Teufel, was ist denn los? Waaaaaaaaas ist los?

    momorulez

    19. September 2007 at 15:27

  35. @David:

    Doch, so haben wir den Anstoß zur Handlung …

    momorulez

    19. September 2007 at 15:28

  36. OK, das nennt man wohl „aus Not eine Story machen“. Gefällt mir.

    David

    19. September 2007 at 15:35

  37. Ja, dann schreib doch einfach weiter!

    momorulez

    19. September 2007 at 15:39

  38. George: „Stehe hier am Flughafen. Du musst mich abholen. Scheiße!“

    ring2

    19. September 2007 at 15:46

  39. Anne: Aber isch …. Du weischt doch, ich kann … George, bitte, quäl mich nicht immer … Luke …

    Umschnitt, George am Flughafen. Sie zittert am ganzen Körper, im Hintergrund der Pet Shop. Fluzeuglärm, ein Kind mit Meerschweinchenkäfig und auf sie einsabbelnder Mutter kommt aus dem Shop. Der Verkäufer tritt hinter den beiden aus der Tür und grinst, grinst immer breiter, fängt laut an zu lachen. George zuckt zusammen.

    George: Meine Güte, kannst Du nicht mal einen Tag im Leben nüchtern bleiben?
    Anne: Aberr Luke … Du weischt doch … er war soooo gemeinnnnnnn …
    George: Flenn nicht, Heulsuse.
    Anne: Aber er hat mich geschlagen und hat Justus …
    George: Was suchst Du Dir auch immer für Typen aus? Fuck, weißt Du, was Julian gerade treibt?
    Anne: …. und, ich meine, ich hätte auch nicht zu ihm sagen dürfen …

    George drückt das Gespräch weg und schaut sich panisch um. Das Lachen des Verkäufers wird immer lauter.

    Umschnitt: Die dröge Gattin serviert Julian ein Steak, zwei kreischende Balgen sitzen mit am Tisch. Julian rückt sich Krawatte zurecht.

    momorulez

    19. September 2007 at 15:57

  40. Totale auf das Steak: Es ist sehr sehr blutig. Man hört Julian flüstern: „goddam fucking bloody“.
    Man sieht, wie Messer und Gabel das Steak anschneiden. roter Bratensaft tritt aus. Beim auseinanderschieben der Fleischstücke kommt ein weißes Zettelchen zum Vorschein, das zwischen den Fleischfasern hervorlugt.

    Man sieht Juians verwirrtes Gesicht. Er setzt an: „Schatz…?“

    Man sieht Messer und Gabel das Zettelchen herausfischen. Darauf steht: „Allahu Akbar“ (natürlich auf arabisch, mit entspechenden Untertiteln)

    Dann ein sehr schnelle Shnittfolge, blitzartig:

    1. Man sieht den Haustoerverkäufer, wie er mitten auf dem Flughafen auf allen vieren kniet, eine Hundeleine am Hals und bellend

    2. George, wie sie vor einem riesigen neoklassizistischen Marmorgebäude steht, auf dem in gußeißernen Lettern
    „TIM I TIM II TIM III, TIM IV“ mit entsprechenden Jahresangaben steht.

    3. Anne, die aufschreit, während ein Mann einer Ratte (Justus Jonas) den Schwanz abbeißt.

    4. Julian, der plötzlich klirrend Messer und Gabeln fallen lässt und die erschrockenen Gesichter seiner Kinder.

    Man sieht das Esszimmer von Julians Familie. Zum Tisch stürmt seine Frau, ruft „Julian!“, die Kinder sind mittlerweile von ihren Stühlen geklettert und drängenm sich neugierig um den bleichen Vater.

    Dann ist wieder die Kneipe zu sehen, in der Anne sitzt und ihr Handy anstarrt. Sie klappt es zu, will es wieder in ihren gelben Fetzen stecken, dann hört man einen Klingelton, der die Ankunft einer SMS anzeigt. Sie öfnet das Handy wieder (es ist eines dieser Klapphandys), drückt auf die Tasten und liest.

    lars

    19. September 2007 at 17:24

  41. „Wenn dunkle Berge Samstags kreisen
    dann wollen wir uns Mut beweisen
    wenn Ratten sie in’s Leben schmeißen
    dann wollen wir denen in Schwänze beißen.“

    steht da. Anne nippt an ihrem Bier, lächelt. Der Typ hinter der Bar gibt ihr noch ein paar Kurze.

    Anne: Von Dick.

    Der Typ hinter der Bar beginnt, auf arabisch etwas in ein kleines Büchlein zu kritzeln.

    Anne: Ach, Dick …. weißte, wir, also wir 5, damals auf der Schatzinsel, das war was … oder mit dem „Zigeuenermädchen“ …. ooops, das darf man ja heute nicht mehr sagen! (kichert) Enid war da ein wenig, na ja, politisch nicht so ganz (kichert noch blöder).

    Der Typ lächelt. An einem Zahn klebt Blut. Er kritzelt weiter in sein Buch, reißt die Zettel heraus und steckt sie in Steaks, die bereit liegen auf dem lange nicht geputzten Thresen.

    Anne: Ach, wir fünf … immer diese Höhlen …. blöde … der Dick, als der dann durch die Welt reiste, da hat er auf irgendeinem Tripp beschlossen …. na ja, und wenn sich’s jetzt reimt, dann weiß ich immer …. er faselte da manchmal was von irgendwelchen „Versuchen“, ha, der Spinner! (lacht laut und gackernd)

    Die Tür öffmet sich, auf allen Vieren kommt ein älterer Herr in Unterwäsche hereingekrochen, ein paar Pfundoten zwischen den Zähnen. Er kriecht zu Anne und wackelt mit dem Hintern. Anne stellt ihr Bier ab, seufzt,

    Anne: Ich muß mal wieder …

    Sie legt dem älteren Herrn Halsband und Leine an und führt ihn in ein Hinterzimmer.

    momorulez

    19. September 2007 at 18:19

  42. Während man Hundegejaule aus dem Off hört, nimmt der Typ hinter dem Tresen den Hörer ab, wählt eine nummer (es ist so ein altes Ding mit Wählscheibe) und sagt;

    „Ja Hallo. Ich muss mich dringend mit dem Boss sprechen. Ja, Duweißtschonwer ist wieder gekommen.Was? Nein, das geht jetzt schon die ganze Woche so. Immer kommt der, schnappt sich das Mädchen und dann muss ich mir das Gejaule…Hörst du das? Das nervt. Pass auf, Du sagst dem Boss, dass er diesen Typen endlich mal wieder ordentlich beschäftigt, oder er kann sich mal sein Geld bei den Köchen abholen gehen. Was? Hör zu, das ist keine Drohung, das ist einfach nur die angemessene Reaktion. Beschäftigt den typen ordentlich, oder er fliegt hier raus und das war die letzte Zeit euer Viertel. Und vergiß nicht, die Köche sind gierig auf neue Töpfe. Der Boss weiß das genau.“

    lars

    19. September 2007 at 18:36

  43. Das Telefon fliegt in die Luft, nix mehr übrig von dem Typen – seine Einzelteile fallen zwischen die Steaks, und wie Jeanny X erscheint Frau Galla und applaudiert entrückt.

    Frau Galla: War eh nur ein Waschlappen. Hat sich gegen Wehrdienst und Ersatzdienst entschieden.

    Sie nickt mit dem Kopf und ist verschwunden.

    SCHNITT:

    Anne und der ältere Typ mit der Hundeleine laufen blutverschmiert eine dunkle Gasse entlang, Georgina mitten in die Arme.

    George: (stößt gehetzt aus) Der Boss hat gesagt, es sei dringend …

    SCHNITT:

    Julian bringt sein Kinder in’s Bett, murmelt vor sich hin: „Was zum Teufel heißt Aloha Akbar?“

    SCHNITT:

    Dick in seinem Backpacker-Shop, sortiert die Schlafsäcke auf seinen Regalen, singt „Can’t help falling in love with you“. Palimpalim, die Tür öffnet sich …

    SCHNITT:

    ANNE: (wie zu sich selbst) Wie zum Teufel ist sie vom Flughafen bloß so schnell hierher gekommen?

    MomoRules

    19. September 2007 at 18:50

  44. SCHNITT

    In der Tür steht Julians Frau. Dick stöhnt gereizt auf. „Was willst Du denn hier, Donna?“

    „Ich weiß nicht so recht wie ichews erklären soll.“
    Totale auf ihr Gesicht. Man sieht, dass sie hätte schön sein können, wenn sie nicht so früh geheiratet hätte. Dann schießen ihr Tränen in die Augen.

    Dick nähert sich mißtrauisch, umkreist sie und betrachtet sie von allen Seiten.

    Er: „Hat Julian Dich geschickt?“

    Sie: „Nein. Ja. Nein.“

    Er: „Aha“

    Sie kramt aus ihrer Handtasche den Zettel heraus und hält ihn ihm hin.

    Er: „Hmm. Lass mal sehen“ Er dret den Zettel. „Und sonst war nichts drauf?“

    Sie: „Nein. Als ich das Steak in die Pfanne warf, war er Zettel noch nicht drin. Er hätte mir doch auffallen müssen. Ich bin doch eine gute Hausfrau, Einer Hausfrau muss doch auffallen, wenn Ihr Essen nicht in Ordnung ist. Wenn sie nicht mal anständig kochen kann, dann ist sie doch keine gute Hausfrau, oder?“ Sie schaut verunsichert.

    Er: „Naja, immerhin war es eine ordentliche Mahlzeit.“

    Sie kichert nervös.
    „Weißt Du, Julian wollte nichts zu dem Zettel sagen, und ich kann diese Schrift nicht lesen. Und da dachte ich, Du bist doch so weitgereist, Du warst Doch auch in Marokko und in Ägypten. Du kannst das doch bestimmt entziffern.“

    Er: „Nein, ich nicht. Aber Nusrad kann das bestimmt.“
    Er schreit: Nusrat, Komm her.“

    Ein kleiner Mann, muslimisch aussehend kommt eine eiserne Wendeltreppe heruntergeklettert.

    Nusrat: Was gibt’s Dick?
    Dick: Lies mal bitte vor was da steht.
    Nusrat nimmt den Zettel, überfliegt ihn, schaut beide verwirrt an und sagt dann; „Das sind die Köche.“

    Dick:“DIE Köche?“
    Nusrat: „Genau: DIE Köche.“

    Donna schaut zwischen beiden verängstigt hin und her. Sie sind bleich und wie versteinert

    lars

    19. September 2007 at 19:11

  45. Nusrat: (nimmt den Zettel, teckt in in den Mund, kaut, schluckt, verschluckt sich daran, röchelt, fällt um, ist tot).

    Dick:

    So stirbt der Nusrat uns dahin
    ja, sagt, wo ist denn da der Sinn?

    RÜCKBLENDE:

    Enid Blyton 1942 (Schrifteinblendung) an ihrem Schreibtisch. Ihre Töchter Gillian Mary und Imogen stehen stramm davor.

    Enid Blyton: Ihr werdet euren Vater nie mehr sehen, so wahr ich Enid Blyton heiße. Jetzt ab.

    Die Kinder mit Tränen in den Augen, die völlig identische Frisuren tragen und offensichtlich gerade mit dem Schminkkasten ihrer Mutter gespielt haben, verlassen das Arbeitszimmer. Enid Blyton lacht höhnisch, nimmt ein Foto ihres geschiedenen Gatten, spuckt darauf und schmeißt es an die Wand. Die Scherben fallen in Slow Motion zu Boden.

    Sie klappt ein Manuskript zu, darauf in großen Lettern steht: „DIE Köche.“

    Eine Geheimtür neben dem Kamin öffnet sich. Ein Araber, der fast, aber nur fast so aussieht wie Nusrat, kommt hervor, in einen Gewand gehüllt wie aus 1001 Nacht. Er geht zu Enid Blyton und küßt sie leidenschaftlich.

    Frau Galla erscheint wie bezaubernde Jeanny.

    Frau Galla: Ja, ja, so fing das alles an …

    Sie nickt und verschwindet.

    SCHNITT, NEUE SZENE

    Anne, George und der alte Mann in der dunklen Gasse.

    GEORGE: Sie haben Quentin. Und wenn wir ihnen das Manuskript nicht besorgen, bringen sie ihn um.

    momorulez

    20. September 2007 at 6:26

  46. ANNE: Scheiße.
    GEORGE: Das kannst Du laut sagen.
    ANNE: Und wie kommen wir an das Manuskript?
    GEORGE: Wir müssen Dick und Julian finden.

    George rennt los.

    ALTER MANN: Wer ist Quentin?
    ANNE: Erzähl ich später.

    Rennt George hinterher.

    Der alte Mann steht hilflos rum. Er schuat ihnen hinterher. Dann zuckt er mit den Achseln, wendet sich in die entgegengesetzte Richtung und geht langsam und pfeifend davon.

    lars

    22. September 2007 at 17:47


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