shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Lange Haare an deutschen Waschlappen 1980

with 13 comments

Die Diskussionen, oder die Abfolgen von Statements, auf diversen Blogs zu Gewissensnotlagen sind ja interessant. Aus vielem, was ich lesen konnte, schliesse ich, dass es Leute gibt, die genau wissen, wie das Gewissen anderer Leute, die sie an eigener Stelle handeln lassen, um nicht Opfer zu werden, wie das zu funktionieren hätte. Kurz und gut, die haben keine Ahnung von Gewissensfreiheit. Punkt. Dass sie nicht selber handeln müssen, ist, mit Verlaub, unser Glück, insofern ist es gut, wenn sie in ihren Sesseln, von denen aus sie ihre Gewissen an andere delegieren, mit grösster argumentativer Klarheit, auf ihren Ärschen sitzen bleiben. Natürlich sind diejenigen, die handeln müssen, und dabei ein Gewissen haben, in aller argumentativen Unklarheit der Begründung situativen, irrationalen, nachträglich zu reflektierenden Handelns, Waschlappen, die nicht begriffen haben, um was es geht, wenn wir keine Opfer werden wollen.

Irgendwo habe ich von einer gebildeten deutschen und transatlantischen Autorin etwas gelesen, das davon ausgeht, die ganze Misere,- ich schliesse da an -, natürlich auch die Gewissensmisere, komme daher, dass die 68er solche Waschlappen seien, bis heute. Die haben die Wehrtüchtigkeit zerstört. Bis heute. Naja. Das ist nur für denjenigen interessant, der zur Zeit des sowjetischen Einmarsches in Afghanistan zum Beispiel in der Kaserne für eventuelle Gegenmassnahmen übte, damals noch verfassungskonform. Wir hatten natürlich alle kurze Haare unter dem besten Stahlhelm der Welt, und waren glatt rasiert. Und die langhaarigen Reservisten, die plötzlich an unseren Essplätzen sassen, spielten vielleicht in ihren niedersächsischen Dörfern Dorfhippies der zweiten oder dritten Generation in Nachfolge der 68er, wurden aber jetzt wehrertüchtigt wie es nur ging, und zwar in einer historischen Situation, in der sie nicht nur Angst um ihre wehrzersetzenden langen Haare hatten. Ich hatte, wie gesagt, wehrpflichtmässig keine langen Haare, dachte aber schon manchmal auch daran,was die langen Haare, die wir von den 68ern übernommen hatten, so bedeuten sollten, schliesslich gab es immer noch Streit ihretwegen mit unseren Vätern und Grossvätern, die seit 1939 unglaublich wehrtüchtig gewesen waren, die mit ihren Gewissen nicht zu Rande kamen, die nicht mehr sprachen, oder nur noch denselben Mist in Wiederholung ihrer falschen Ziele auf der falschen Seite sprachen, oder von ihren endlosen Legitimationsversuchen, oder den berechtigten Selbstanklagen, usw.Sie sprachen ja diesbezüglich nicht von sich. Ich hatte da Glück, aber ich kannte ältere Väter, die wiederum mit ihren Müttern Probleme hatten, weil die ihre kurzen Haare so gern an ihnen gesehen hatten, all die Jahre, und gar nichts gegen den Haarschneidezwang unternommen hatten, die deutschen Mütter, die deutschen Frauen, die so stolz gewesen waren auf diese giganteske weltumspannende Wehrtüchtigkeit ihrer Söhne, und auf ihre eigene Fähigkeit ihre Söhne zu opfern im Kampf gegen das bolschewistische Judentum mit der langen Nase, an der man es ihm ansieht. Araber haben auch lange Nasen. Wegen all diesen Vätern und Grossmüttern, denen eine Menge ganz egal war, hatten wir ein bisschen längeres Haar, und Streit darum. Die heiligen ehemaligen deutschen Trümmerfrauen waren nicht so geduldig wie ihre Rentenansprüche. Aber meine Mutter hatte für diesen ganzen Militaristenmist in Westdeutschland nichts mehr übrig, und stritt sich mit den Grossmüttern für die Enkelsöhne. Da hatte ich schon wieder Glück, sie getraute sich nämlich als Tochter ihres Vaters auf der richtigen Seite zu stehen, für sie waren die Amerikaner durchaus Befreier, was aber offen und heimlich nicht unbedingt konform war, wenn mal richtig die Sprache darauf kam. Und wenn die Sprache darauf kam, wehrten wir uns tüchtig gegen denselben Wortmüll, der gerade wieder zu hören ist. Als wehrtüchtig galten wir damals auch nicht, im Ernstfalle wäre dasselbe Versagen von uns zu erwarten gewesen, wie von unseren Vätern, da argumentierten unsere deutschen Grossmütter gerne mit ihrer kompensierenden Bewunderung für die Sieger, die uns besetzt hielten, und nicht befreit hatten. RockundRoll blieb Affenmusik in der Judenschule.
Das wollte ich mal loswerden. Richtig, ich bin dank meiner Mutter, an deren Kindernase ein bisschen rumverdächtelt worden war, ein richtiger deutscher Waschlappen geworden, obwohl ich das Glück hatte, erstmal in einem Land aufzuwachsen, dessen Wehrtüchtigkeit als beneidenswert galt.
Aber jetzt werden jüngere deutsche Frauen das Ruder wieder rumreissen, und noch jüngeren deutschen Männern erklären, wie ihr Gewissen instrumentell zu funktionieren hat. Damit das rationeller vor sich geht, werden sie die Wehrpflicht abschaffen, für Rechtssicherheit gegenüber den Berufssoldaten sorgen, Gefallene ihren Familien zur Beisetzung entreissen, usw., usw. Alles mit bestem Gewissen, wie immer. Pfeifenköpfe.

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Written by talbert

19. September 2007 um 0:19

13 Antworten

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  1. Ha, auf diesen Quatsch im Transatlantic-Forum oder wie das heißt, nicht daß ich das wieder verwechsel, hatte ich ja auch mal ’ne Antwort versucht, aber die war irgendwie im Gegensatz zu dieser hier mißglückt ….

    momorulez

    19. September 2007 at 6:21

  2. Verständnisfrage: Welche Autorin ist hier gemeint? Doch nicht etwa die von lebenslamgem 68-er Verfolgungswahn getriebene Röhl?

    jolly rogers

    19. September 2007 at 9:50

  3. Ich mag auf die Seite jetzt gar nicht noch mal gehen, das war schlimm da – so eine Rechtsanwältin aus Köln war das mit den „Waschlappen“ … die will ich auch nicht verlinken, die haben eigentlich nur Ignoranz verdient und indriekte Bezugnahme.

    momorulez

    19. September 2007 at 9:53

  4. ok.

    jolly rogers

    19. September 2007 at 10:42

  5. Hier, über den Link bin ich dahin gestolpert:

    http://blog.freiheitsfabrik.de/?p=914

    Die Freiheitsfabrikanten sind da ja skrupelloser als ich …

    momorulez

    19. September 2007 at 10:59

  6. Hm. Das war ja interessant… Da muss man sagen – auch wenn’s nicht so leicht fällt – Frau Röhl hat Niveau.

    jolly rogers

    19. September 2007 at 15:38

  7. Bei dem Galla-Text habe ich etwa bis zur Hälfte lesen müssen, um tatsächlich glauben zu können, daß sie den ernst meint.

    David

    19. September 2007 at 15:53

  8. Das ist wahrscheinlich auch so ein Versuch, das Innenleben einer satirischen Filmfigur zu kreiieren und zu erkunden, indem man fingiert, sie würde Blog-Einträge schreiben, so als literarische Übung, sozusagen … so, wie man denen halt auch fiktive Biogrphien schriebt und so …

    momorulez

    19. September 2007 at 16:06

  9. Oh, Momorules, Du unverbesserlicher Menschenfreund! Dieses Traktat einer (vermutlich underfucked) Christa-Mewes-Schülerin und 30erin ist nichts anderes als ein Produkt des Neids auf un- oder weniger konventionell lebende Menschen. Da liegt der Hase im Pfeffer. Im Gegensatz zu einer Röhl fehlt hier das echte bürgerliche Bewusstsein und es wird krampfhaft nach Abgrenzung nach „unten“ gesucht. Das Gegreine über imaginierte, unerzogene Waschlappen als Produkt der 68er lässt jedenfalls darauf schließen: Die Autorin ist selbst eines, das nicht mit der Freiheit umgehen konnte und kann, die die Eltern ihr gewährten.

    In einer Sache braucht man sich übrigens keine Sorgen zu machen: Der Blogbetreiber hat auch früher schon AutorInnen stillschweigend entsorgt, die nicht in seinem Sinne schrieben.

    jolly rogers

    19. September 2007 at 17:12

  10. So, das gibt mir jetzt Anlass zu einem Bekenntnis, das ein wenig straighter ausfällt als der grüne Parteitag:

    Keine fremden Truppen in Deutschland – keine deutschen Truppen im Ausland!

    Raus aus der NATO – rein ins Vergnügen!

    che2001

    19. September 2007 at 17:38

  11. Ficken für den Frieden!

    jolly rogers

    19. September 2007 at 17:59

  12. Schwerter zu Zapfhähnen!

    che2001

    19. September 2007 at 19:37

  13. Das ist jetzt zuviel für Frau Galla. Oder wie die heißt.

    jolly rogers

    19. September 2007 at 20:28


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