shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Solidarität über Kleingruppen hinaus

with 6 comments

Na, dann soll noch einer sagen, Kunstproduktion könne nix bewegen. Was jedoch, das wird sich erst zeigen.

Eines der wenigen, widerständigen gallischen Dörfer inmitten allgemeiner Nivellierungsmaßnahmen ist die Hamburger HfbK. Das sorgte für bundesweites Aufsehen, immerhin. Die aktuelle Pressemeldung der Studiengebühren boykottierenden und drum exmatrikulierten Studentenschar hat’s einmal mehr in sich:

„Der Studiengebührenboykott der HFBK ist konsequent und unumgänglich. Er findet statt in einer von der Regierung völlig aufgegebenen Institution, immerhin – und deshalb geben die Studierenden nicht auf – einer der besten Kunsthochschulen in Europa. Die Qualitäten der HFBK werden, weil von einer kurzsichtigen Politik nicht erkannt, jedoch seit Jahren systematisch zerstört. Zunächst wird die Angebotsvielfalt mit der Auslagerung der Architektur zurückgenommen, dann wird der renommierte Bereich des Autorenfilms systematisch ausgedünnt und sich demnächst völlig in der Eliteeinrichtung HMS auflösen. Die Werkstattleiter haben jahrelang Auslagen für Materialien privat vorgestreckt und nun gemeinsam den Bankrott der Werkstätten erklärt. Es wird im kommenden Semester keine Einführungskurse und Lehrveranstaltungen geben.

 (…)

 Die Studierenden der HFBK treten ein für die Freiheit von Kunst und Wissenschaft und widersetzen sich hiermit dem Trend, das Grundgesetz zur politisch hinderlichen Angelegenheit zu erklären. Sie suchen nun vermehrt den Kontakt zu anderen Einrichtungen und Verbänden, die sich gegen den Ausverkauf von Allgemeingütern und Bürgerrechten stemmen.“

via rebelart

Na, dieses kleine, aber feine Blog können sie auf jeden Fall schon mal dazuzählen. Auch die bei rebelart verlinkte Veranstaltungsreihe liest sich gut.

Und, ernst gemeint Frage: Was würde der Friedmansche Vorschlag der Bildungsgutscheine da eigentlich dran ändern? Würden die den Studiengebühren äquivalent Kohle kosten? Oder gelten die nur für Schulen?

Scheiße, gestern gerade gelesen, wie er Schulen und universitäre Bildung unterscheidet, der Herr Friedman, und schon wieder vergessen – abgesehen von dem Passus, daß nach seinen Rezepten dann ja auch die besten und fähigsten der „Farbigen“ (ja, da kann er nix für, ist die Übersetzung) beste Bildungschancen hätten. Über die Schlechten und Unfähigen schrieb er übrigens nichts.

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Written by momorulez

24. September 2007 um 15:59

6 Antworten

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  1. Ich weiss ja nicht. Den letzten Absatz nehme ich natürlich positiv zur Kenntnis. Irgendwas sträubt sich gerade in mir, aber das hat nichts mit Zustimmung oder Ablehnung von Studiengebühren zu tun. Ich stelle immer eine Verknüpfung damit her, dass hier ab nächstem Jahr der Kindergarten mit Bildungsprogramm obligatorisch wird. Dass Kunststudenten ihre Schule so liebhaben, finde ich merkwürdig. Seid mir nicht böse.

    T. Albert

    24. September 2007 at 21:02

  2. Die Studierendenproteste rühren ja eher von der finanziellen und zeitlichen Mehrfachbelastung der Kunststudierenden als von der Liebe zur Hochschule her.
    Ich habe mal hier was dazu geschrieben

    lars

    24. September 2007 at 22:45

  3. @T. Albert:

    Niemals könnte ich Dir böse sein – aber ich habe mein Uni-Leben schon auch sehr geliebt, trotz Phil-Turm, scheußiliches Ding, verstehe das insofern voll und ganz. Das war schon toll, und wäre es nicht so free and easy gewesen, hätte ich im späteren Job nur halb so viel erreicht.

    Und ich bin heilfroh, daß ich nicht durch diese ganze Bachelor/Master-Verschulung mußte, daß damals die Philosophie noch nicht auf bildungsbürgerliche Kompensation durch ein wenig Kant und Platon lesen zurückgeschrumpft war und die Soziologie noch nicht als Wiwi flankierende Marktforschung verstanden wurde. Wenn ich’s richtig verstehe, wehren sich die Leute da an der HfbK gerade gegen die gouvernementale Umgestaltung hin zur nivellierten Marktgängigkeit noch der Künste, der Abbau des „Autorenfilms“ spricht doch Bände, es ist ja ein ziemliches Desaster, was diesbezüglich so an Unis gelehrt wird (Köln ist, glaube ich, die Ausnahme).

    Zudem man ja immer nicht vergessen darf, daß hier in Hamburg immer schon die „Armgardstraße“, also die „anwendngsbezogenen Künste“, Mode, Design, Grafik, direkt um die Ecke residieren und in die Fachhochschulen Kohle ohne Ende gepumpt wird. Und daß parallel dieser autoritäre und sozialtechnokratische Senat dann, im Widerspruch zu sich selbst, von oben neue „Szeneviertel für Kreative“ verordnen will, was eben zeigt, was er sich unter diesen so vorstellt.

    Das ist schon alles ein Faß, was größer ist als die reine Frage nach den Studiengebühren, die aber schon schlimm genug ist.

    momorulez

    25. September 2007 at 6:19

  4. Was Du jetzt sonst noch beschreibst, das weiss ich natürlich alles nicht, diese hamburger Spezialitäten. Aber da bin ich natürlich ganz Deiner und der Studenten Meinung. Die Bachelor/Master- Verschulung ist ja eben das eigentliche Thema bei der SAche, und da hätte ich mir ja überhaupt Gegenwind von den Studenten gewünscht. Die haben das aber, wie wir alle. im grossen und ganzen hingenommen, auch die undemokratische Art, wie das so verfügt wurde. Stattdessen wird nur über Stud.gebühren diskutiert, was ich immer doof, weil falsch fand, als ich selbst noch an der Uni Lehrer war. Eben, das ist ein grösseres FAss. Das Schliessen von Hochschulen und Studiengängen in einem europ. Zusammenhang von Lenkung des Angebots gehört da dazu. Ich habe Freunde, die sitzen als Professoren nur rum, weil sie als Beamte, die sie geworden sind, nicht einfach entlassen werden können; ihr Fach wurde aber abgeschafft. Einer hat die Schliessung seines Fachbereichs aus der Zeitung erfahren, usw. Sehr interessantes Thema.

    T. Albert

    25. September 2007 at 9:08

  5. Nunja, wir haben das damals versucht. Der Bologna-Prozess war ja eine derartige Unverschämtheit. Weder demokratisch legitimiert noch mit den betroffenen Gruppen entwickelt. Die Folgen kriege ich ja jeden Tag in der Lehre mit.

    lars

    25. September 2007 at 13:48

  6. @T.- Albert:

    Ich finde ja immer, daß man die Frage nach den Studiengebühren vom rest trennen kann, weil da eine ziemlich konstante Leit-Ideologie hintersteht. Die ja noch nicht mal davon ausgeht, daß man sich dann als Student eben für das Geld aussuchen kann, was man gerne hätte, was ich jetzt auch nicht ideal fände, keine Frage, nee, es wird auch noch dirigiert, für was man bezahlen soll, ganz unabhängig von tatsächlichen Interessen. Und diese Form des Regierens mit neoliberalen Versatzstücken begründet ist ja noch nicht mal dieser selbst, als sei der nicht schon schlimm genug …

    momorulez

    25. September 2007 at 13:57


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