shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Warum ich mich in den Adorno-Debatten bislang nicht geäußert habe

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Es gibt einen äußeren und einen inneren Grund. Der äußere war, neben einer mehrwöchigen phantastischen Umbrien-Reise, viel hätte nicht gefehlt und ich wäre dageblieben, berufliche und private Verpflichtungen. Den inneren Grund versuche ich nachfolgend darzulegen.

 

Unter „Verzichtet nie auf Narrative“ hatte ich auf Schnädelbach rumgehackt, was Momorulez zu der Frage Anlaß gab, ob ich auf Schnädelbach rumhacken wolle, obzwar ich es doch bereits getan hatte.

Nun ist es so, daß Seltsames über Adorno mich nicht kalt läßt. Insoweit ist meine bisherige Enthaltsamkeit eher wider meine Natur. Zu ein wenig Äußerung bewog mich Momorulez‘ Replik:

 

„Willste hier auf meinen Herrn Schnädelbach rumhacken? Auf mir ja immer liebend gerne, aber der ist als Philosophielehrer schon das Großartigste, was ich so erleben durfte – daß er final von Adorno sozusagen abfiel, das hatte schon gute Gründe.“

 

Das hatte durchaus Gründe. Aber sie waren nicht gut.

 

Es war a) der akademische Karrierismus, der immer dem ritualisierten Schema des Abfalls vom Lehrer folgt, und b) die intellektuelle Not, die Schnädelbach, Schweppenhäuser, Tiedemann und noch ein paar mehr unter der Meßlatte hindurchlaufen ließ, die Adorno aufgelegt hatte. Eine Weile versuchten sie noch, hüpfend die Latte von unten mit den Fingerspitzen zu berühren. Als das nicht gelang, fiel man ab.

 

Zwei Dinge sind Ursache des intellektuellen Versagens:

 

Es ist zum einen die nicht hinreichende Vertrautheit mit der erkenntniskritischen Tradition. Ohne gründliches Studium des Aristoteles, Thomas, Kant et al ist Philosophie nicht möglich, jedenfalls nicht die knallharte Nummer der Erkenntniskritik (auf gut Neudeutsch „Erkenntnistheorie“ und „Wissenschaftstheorie“), als welche jene Philosophen ihre Profession verstanden und erfüllten.

 

Es ist zum zweiten, und mehr noch, die Ferne zu ästhetischen Sachverhalten, in der S, S & T leben. Daher können sie den Komponisten Adorno nicht begreifen, weil sie die von ihm entwickelte Verschränkung der diskursiven und der ästhetischen Gestalt des Gedankens nicht verstehen.

Folgerichtig findet sich in Schnädelbachs langer Veröffentlichungsliste, wie auch bei Tiedemann und Schweppenhäuser, nicht ein (!) Titel zu einer ästhetischen Themenstellung. Und so was will uns einen vom Adorno erzählen, geriert sich gar als verbessertes Nachfolgemodell? Sorry, aber das finde ich saukomisch, denn niemand kann von etwas abfallen, worin er nie zu Hause war.

 

Der Kritschen Theorie ist substantiell, daß dem Mythos die Bilder, nicht „das Narrative“ konstitutiv sind. Die Stufen des zu sich selbst kommenden, sich selbst denkenden Geistes, des nous nouesoumenos, wie Aristoteles genial es sagt, sind: altgriechische Göttermythen/vorsokratische Naturphilosophie/Platon/Aristoteles und deren Fortentwicklung zur Bilderlosigkeit. Die Lektüre des Empedokles, Herakleitos, Homer, Hesiod, Platon und des Stagiriten im altgriechischen Originaltext hilft. Schnädelbach konnte es nicht helfen, da er der Sprache nicht mächtig ist. Eben darum ordnete ich den Herrn Professor Schnädelbach in meinem vorigen Posting den bildungsfernen Schichten zu.

    

Die Schwierigkeit der Lektüre der „Ästhetischen Theorie“ und der „Negativen Dialektik“ – nach Adornos Eigenbewertung „das, was ich in die Waagschale zu werfen habe“ – besteht darin, daß – Che hatte bereits darauf hingewiesen – in jedem Satz die Tradition vorausgesetzt wird, ohne daß Adorno dies je entfaltet. Damit sind für jeden, der die Tradition nicht kennt, Adornos Sätze enigmatisch verkapselt. Sie entziehen sich qua den Leser belastenden Traditionsentzug. Adorno lesen ohne seine Voraussetzungen zu kennen, ist Ursache auch dieser verzweifelt-trostlosen Adorno-Lektürekurse, in denen die Teilnehmer auf seine Sätze starren und sie umgraben und umgraben, und alles ist ihnen doch nur ein Nostradamus.

 

Eben diese Insuffizienz der Emotions-Adorniten ist es, die spiegelbildlich auch die positivistischen Emotions-Antiadorniten nutzen: Nach dem Motto „Aus der Dummheit eine Waffe machen“ ist ihnen die Kenntnislosigkeit der Tradition feste Grundlage fürs Adorno-Bashing. Wenn sie Adornos Satz „Die Halbbildung geht der Bildung nicht voraus, sondern folgt auf sie“ läsen, verstünden sie ihn nicht. Sie äußern Merkwürdiges wie „Dialektik gegen Wissenschaft“ und erfreuen sich an Kindereien wie dem altbackenen „Münchhausen-Trilemma“. Die Ursache hierfür erkennen wir, wenn wir in ihrem Nacken die Tätowierung „Patient von Dr. med. Mabuse“ lesen.

 

Wäre ich im sog. „Positivismusstreit“ an der Stelle Adornos gewesen, hätte ich dem Hänschenklein der Erkenntnistheorie ein paar Lektüreempfehlungen gegeben, verbunden mit dem Hinweis, daß er nach deren Studium, so in zehn Jahren, sich wieder zu Wort melden darf. Stattdessen fabriziert Adorno endlose Bleiwüsten. Da ist er eben ganz der deutsche Professor, der den anderen ernst nimmt, bloß weil der auch ein Professor ist.

   

Eine Szene aus meinem Studium: Der Mann mit den zwanzig maßgeschneiderten grauen Nadelstreifen-Dreiteilern, den über hundert Fliegen und den nie niemals never Adorno-Zitaten sagt am Ende der Vorlesung: „Ehm, was machen wir denn im nächsten Semester?“ Die erfahreneren Studenten wissen: Wer jetzt antwortet, verliert. Wer sich jetzt bewegt, verliert. Wer jetzt atmet, verliert. Stille. Erstarrung. Erstarrung. Stille. Reglos auch der Professor, wie die Spinne im Netz, jedoch in liberaler hochschuldidaktischer Maske. Eben darin besteht ja die Falle.

Eine Kommilitonin steht auf. Diesmal haben wir also wieder ein Opfer, nachdem die beiden letzten Semester mit einem grinsenden „Dann muß ich mir das wohl selber überlegen“ endeten. Mit einer erkennbar von ihr gefühlten heldenhaften Überwindung sagt sie, sie habe hier nun schon Fichte, Descartes und Aristoteles gehört, und auch die Interpretation von Adalbert Stifters ‚Narrenburg‘ sei etwas ganz anderes als „bei diesen Germanisten“ (der Professor schiebt unmerklich sein Bäuchlein nach vorne, woran ich erkenne, daß ihm die gegen die Germanisten gerichtete abwertende Bemerkung gut gefallen hat), sie liest Adorno, was mit dem hier wohl was zu tun hat, aber es kommt nie was über Adorno, sie versteht vieles bei Adorno nicht, und sie möchte, daß es eine Adorno-Vorlesung gibt.

Jetzt kommt Bewegung in den steinernen Gast, der da vorne steht. Er tritt herab von dem Podest, auf dem das Pult steht, lächelt und sagt: „Aber schauen Sie … in gewisser Weise … mache ich doch die ganze Zeit gar nichts anderes.“

Das war Philosophie!

 

Hier noch ein Schmankerl: Im Adorno-Archiv in Frankfurt sitzt man gerade über Walter Benjamins Original-Manuskripten für eine Neuherausgabe seiner Werke, damit wir in ein paar Jahren den originalen Benjamin lesen können. Den Tiedemann könnt ihr dann verbrennen.

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Written by Noergler

25. September 2007 um 13:58

Veröffentlicht in Nicht kategorisiert

70 Antworten

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  1. @Noergler: Und das sagst Du, nachdem mir noch 3 Bände fehlen?!!!!

    lars

    25. September 2007 at 14:22

  2. Good journalism: Ich habe die Information veröffentlicht als ich sie hatte.
    „Al the news that fit to print.“

    Noergler

    25. September 2007 at 14:39

  3. Na, das geht jetzt aber schon schwer in Richtung „schmutzige Wäsche waschen“, aber wenn Du’s brauchst.

    Zu den Themen, zu denen ich etwas sagen kann:

    „Und so was will uns einen vom Adorno erzählen, geriert sich gar als verbessertes Nachfolgemodell?“

    Sorry, aber der mich für mich wichtigste Lehrer, bei dem ich 5 Jahre studierte, hat sich nie als „verbessertes Nachfolgmodell“ präsentiert, völliger Humbug.

    Sondern er hat aus seiner eigenen Studienzeit bei Adorno und Horkheimer berichtet und deren Bücher als Thema in die Seminare aufgenommen; es gibt zudem sehr gute Aufsätze zur Kritischen Theorie von ihm, die über die Jahre zunehmend distanzierter wurden, u.a. aufgrund dessen, was er als den Gesinnungsterror der „wahren Adorno-Versteher“, der reinen Hüter der Lehre, als höchst problematisch und esoterisch erlebte. Wenn überhaupt, war das kritisch-ergänzend zum Habermas-Umfeld, was er an eigenen Positionen vertrat, aber ohne diese ganze Basherei gegen Foucault etc.

    Da war nix, aber auch gar nix vom Wunsch nach „Nachfolgemodell“ zu spüren, anders als bei Habermas, dem man das, wenn überhaupt, in die Schuhe schieben könnte, der aber auch einen ganz anderen Theorie-Typus vertreten hat. Die Aristoteles bis Kant-Vorlesungen waren außerordentlich lehrreich, gerade weil sie auf dieses „studier erst mal 20 Jahre altgriechisch, bevor Du es wagst, die Stimme zu erheben“ bestens verzichten konnten. Und da in diversen Interviews darauf verwiesen wurde, daß es einen Ästhetiker Schnädelbach nicht geben würde, weil er dieses für die schwierigste Disziplin hielte, das ist das ein Erkennen der je eigenen Grenzen, das man sich bei Adorno selbst doch gelegentlich gewünscht hätte.

    Ich weiß ja nicht so ganz genau, was Dich hier zu Deiner Abrechnung motiviert, aber wundern tue ich mich schon.

    Über Schweppenhäuser, Tiedemanns und so kann ich mich nicht äußern, aber das Selbstverständnis des Herbert Schnädelbach, den ich erleben durfte, war in der Tat diametral jenem entgegengesetzt, daß Du hier formulierst:

    „Die Schwierigkeit der Lektüre der “Ästhetischen Theorie” und der “Negativen Dialektik” – nach Adornos Eigenbewertung “das, was ich in die Waagschale zu werfen habe” – besteht darin, daß – Che hatte bereits darauf hingewiesen – in jedem Satz, die die Tradition vorausgesetzt wird, ohne daß Adorno dies je entfaltet.“

    Mag ja alles sein, aber manchmal wäre es dann vielleicht doch sinnvoller, lieber gleich Krimis zu schreiben. Das Selbstverständnis meines hochgeschätzten Lehrers bestand tatsächlich nicht darin, nunmehr allen permanent um die Ohren zu hauen, was sie so alles lesen müßten, um in die Weihen seines Genies zu kommen und sich erst mal ganz klein neben Kant zu fühlen, das hätte ja auch was von Scientology.

    Was ihn auszeichnete, war, daß er Zugänge zu Traditionen, großen Autoren und aktuellen Debatten ermöglichte und ermutigte, diesen Weg dann eigenständig weiter zu gehen. Kann ich nix Übles dran finden.

    Was jetzt alles nix darüber aussagt, daß es sich bei Adorno mit Sicherheit um den größeren Philsophen handelte, ist doch klar.

    Als Philosophie-Lehrer ist Schnädelbach überragend, und u.a. hat er sehr dabei geholfen, sich nicht hypnotisieren zu lassen, von wem auch immer. Ähnliche Diskussionen wird es ja im Heidegger-Gefolge z.B. auch geben, und er half enorm dabei, sich den je eigenen, kritischen Geist auch zu bewahren.

    momorulez

    25. September 2007 at 14:51

  4. Wenn man ohne Aristoteles nicht philosophieren kann,
    ist Aristoteles keine Philosophie.

    D.D. Erler

    25. September 2007 at 14:52

  5. Also: Ich kann auch kein Griechisch, bin kein Philosoph, komme aus Bildungsnahen Schichten, mag manches von Schönberg… habe ich ihn jetzt verstanden???

    Nein, so einfach kannst Du die Argumente nicht beiseite wischen. Ich folge ja auch nicht Momo’s Schnädelbachsche Adornolektüre, kenne die ja auch gar nicht. Dennoch kannst Du das nicht einfach zusammenschalten. Der soziale Hintergrund und fehlendes Wissen der Adepten mag eine Rolle spielen. Aber die gegenteilige Strategie, aus einer vermeintlichen Arkanität und Voraussetzungswürdigkeit der Kritischen Theorie ein Ausschließungskriterium zu machen, halte ich für mindestens genauso problematisch. Im Übrigen finde ich die Schilderung der Episode mit der Studentin eher entwürdigend. Ich hätte da empört den Raum verlassen.

    lars

    25. September 2007 at 14:55

  6. Zudem es in diesem Eintrag ja weniger darum geht, wie man sich Adorno annähern kann oder auch nicht, was ja Sinn machte, vielleicht geht das ja wirklich nur nach Jahren des Sonstwas-Studiums, kann ja sein – sondern eher darum, bestimmte Persönlichkeiten zu diskreditieren, was ich nach dem ersten Schock ganz außerodrdentlich widerlich finde … ehrlich, das ist komplett stillos und noch weit mehr.

    momorulez

    25. September 2007 at 18:07

  7. Hmm, stimmt. Das ist noch nicht einmal mehr witzig.

    David

    25. September 2007 at 18:12

  8. Schon wieder sowas: darf ich als absolut bildungsferner, nicht komponierender bildnerisch künstlerischer Idiot den Adorno gar nicht lesen?
    Ich werde jetzt etwas jammerig, Jungs, also ich lese auch Mises nie wieder, Friedman werde ich bestimmt nie anrühren, selbst wenn ich fehlgeleitetes Interesse verspüren sollte, meinen Benjamin, in dessen Tiedemann – Passagenwerk „Erkenntnistheoretisches“ steht, schon sehr lange, klopf ich in die Tonne. Dafür rede ich hauch nie wieder über ästhetische Praxis., echt nicht.

    T. Albert

    25. September 2007 at 19:05

  9. Na ja, jenseits aller Eitelkeiten und Verletztheiten steht fest, dass zumindest bei der „Dialektik der Aufklärung“ die Kenntnis von Homer, Bacon, Kant, de Sade, Marx, Nietzsche, Freud und Bergson stillschweigend vorausgesetzt wird, sonst macht die Lektüre in der Tat wenig Sinn.

    che2001

    25. September 2007 at 20:01

  10. @Che: Bei mir war das genau anders rum: Ich habe die DdA zuerst gelesen und bin von da aus dann zu Marx, Nietzsche und de Sade und Homer gelesen. Bergson und Bacon sind immer noch ungelesen. Und wer immer behauptet, man würde das Buch beim ersten Mal vollständig erfassen, muss entweder sehr sehr alt oder sehr sehr belesen sein.

    lars

    25. September 2007 at 20:08

  11. Außerdem, Che, klingt Deine Einschätzung dann doch wesentlich bodenständiger als Nörglers „Schnädelbach war ja so doof, der konnte nichtmal Altgriechisch“.

    David

    25. September 2007 at 20:18

  12. Das nenne ich mal eine echte Immunisierungsstrategie. Nur wenigen Auserwählten ist der Blick und die Erkenntnis des Allerheiligsten möglich.

    cut

    25. September 2007 at 20:29

  13. Ist mir aber eigentlich so lange recht, wie auch die Auswirkungen auf die Auserwählten beschränkt bleiben.

    David

    25. September 2007 at 20:32

  14. Es mag schwer sein, die Messlatte Adornos zu erreichen. Unbenommen dieses Umstands kann man sich mit einzelnen Gedanken und Argumentationen Adornos auseinandersetzen, und dies, sofern man dies sorgfältig und geistreich genug tut, auch mit Gewinn.

    Es ist nicht notwendig, für ein derartiges Unterfangen den „ganzen Adorno“ zu kennen und zu verstehen, genauso notwendig ist es, den „ganzen Hayek“ zu kennen, um sich eine Meinung zu bilden.

    Hmm. Ich habe – Reste der Kultur aus der ich stamme – einen vielleicht angeborenen, jedenfalls recht starken Reflex der Abwehr und des Zweifelns, sobald eine Idee oder Person auf den Thron gestellt wird.

    Für mich ist Adorno mitnichten der König der Philosophen, aber stets ein anregender Autor (das ist deutlich mehr als ich beispielsweise von Hayek sagen könnte, deren Schriftwerk doch an vielen Stellen platitüdenhaft und vorhersehbar ist – mithin langweilt).

    Angesichts des Umstands, dass von Adorno (wie übrigens auch von anderen Geistesgrößen) sogar der erbärmlichste Dünnpfiff verfasst wurde, verbietet sich kritiklose Bewunderung wie sich m.E. im Bereich von Politik und Philosophie jedes unkritische Lesen verbietet.

    Dies sei auch der bloggenden rechtslibertären Heilsfront ins Gebetbuch geschrieben.

    Schwerträger

    25. September 2007 at 20:56

  15. […] schreibt “Schwerträger” hier drüben, und liefert mir damit die Einleitung zu meinem abschließenden Beitrag über die […]

  16. @Che:

    „Na ja, jenseits aller Eitelkeiten und Verletztheiten steht fest, dass zumindest bei der “Dialektik der Aufklärung” die Kenntnis von Homer, Bacon, Kant, de Sade, Marx, Nietzsche, Freud und Bergson stillschweigend vorausgesetzt wird, sonst macht die Lektüre in der Tat wenig Sinn.“

    Was zum einen vom Herrn Schnädelbach exakt so gelehrt wurde, was aber schon auch ein Problem des adornitisches Diskurses ist. Das ist ja in der Tat eine Immunisierungsstrategie, um Größe zu suggerieren, indem man viele Bezüge versteckt. Und neben meinem Lehrer, der sich an mich übrigens gar nicht erinnern würde, waren’s für mich dann immer Autoren wie Ernst Tugendhat, die auch in der Lage waren, diesen ach so großen Gestus auf den Teppich zu bringen, auch wenn der das eher bei Heidegger machte. In vielerlei Hinsicht war dann die Methodik der Sprachanalyse auch die Rettung vor allzu Suggestivem, und daß Adorno dann zu Recht stolz darauf zu sein meinte, daß das Dinge sind, von denen er nichts versteht, spricht nicht für ihn.

    Was übrigens einer der Gründe vom „Abfall“ vom Guru war: Daß vieles, was Bezüge zu Marx (da wurde vor allem das „Warenfetisch“-Kapitel rezipiert) oder Kant suggerierte, dann eben doch vor allem ein verkappter Nietzsche oder Bergson war, Lebensphilosophie, die einem totalisierten Bacon als implizites, normatives Fundament entgegengestellt wurde („Verdinglichungskritik“) und mit allen, teilweise auch rechtslastigen und reaktionären Klisches der Kulturkritik der 20 Jahre verrührt wurde.

    Wenn man z.B. die Bezüge einens Benjamin zu einem Ludwig Klages rauskramt, um den da mal eben mit einzugemeinden, habe ich zufällig gerade gelesen, ist das zwar eine etwas böswillige Lesart, die ist aber nicht nur falsch, ebenso, wie sie nicht nur richtig ist – möglich muß sie aber sein, will man das, was an Theorie kritisch sein kann, auch ernst nehmen, anstatt Heileigenverehrung zu betreiben. Genau das sollte uns doch den rechtlibertären Hyayek-Verehrern, auf die Schwerferger anspielt, unterscheiden.

    Und gerade im Zuge dieser teils grotesken Vernunftkritik der späten 70er und 80er Jahre gehörte mein Lehrer noch zu jenen, die dagegen anschrieben, Horkdorno noch als Glutamat in diese postmoderne Suppe einzurührern. Wozu es dann in der Tat Sinn machte, sich näher mit dem geistesgeschichtlichen „Klima“ der 20 jahre zu beschäftigen.

    Bemerkenswerter Weise hat Noergler ja auf Habermas keinen Bezug genommen, warum eigentlich nicht?

    momorulez

    26. September 2007 at 6:25

  17. verbietet sich kritiklose Bewunderung wie sich m.E. im Bereich von Politik und Philosophie jedes unkritische Lesen verbietet.- dies allerdings sollte verallgemeinert und dreimal dick unterstrichen werden.

    che2001

    26. September 2007 at 9:36

  18. Jau!!!

    momorulez

    26. September 2007 at 9:44

  19. „Schon längst verstehen die Bürger ihre eigene Philosophie nicht mehr.“ (Theodor W. Adorno)

    „Schmutzige Wäsche“ – wo, wie? Es gibt hier keine schmutzige Wäsche. Was vermutest Du? Das ist doch bloß ein Spruch, um durch persönliche Unterstellung die Sachargumentation zu umgehen.

    Es ist nicht so, daß Adorno eigener Grenzen nicht gewahr wurde. Die Beethoven-Fragmente dokumentieren das. Bereits mit Anfang dreißig beschäftigte er sich damit, um Jahrzehnte später einzubekennen, daß er der „Missa Solemnis“ nicht gewachsen war. Ein grandioses Scheitern, so wie Benjamin und das Passagenwerk.

    „Habermas“ ist dann auch so ein Stichwort, das mir stagelgrün aufliegt. Hat der Kommunikations- und Staatsphilosoph irgend etwas mit radikaler Kritik zu tun? Ich weise auf den Umstand hin, daß MR die Verbindung Habermas/Schnädelbach hergestellt hat, nicht ich. Als auf rebellmarkt dieses Blog als „linksliberal“ bezeichnet wurde, hätte ich fast einen wütenden Kommentar abgesetzt. Unterdessen mußte ich sehen, daß der falsch gewesen wäre.

    Um es rund heraus zu sagen: Es wird mir hier zu viel mit dem Bestehenden paktiert. Das findet zunächst in der Form statt. Wenn man – und damit bin ich beim nächsten Stichwort, das ich gerne aufgreife – Arkanität vorwirft, dann erstaunt mich das angesichts der Fülle der Anlässe, zu denen der Vorwurf nicht erhoben wurde. Seit Wochen und Monaten ist hier der Bildungs- und Belesenheitprotz t. albert unterwegs, MR möchte auch gern, aber er schwächelt ein wenig hinterher.

    Da kommt dann so was, in cooler Kleinschreibung, und die Blanks sind auch falsch:

    „duchamp,rodchenko, el lissitzky, arp, eiffel, moholy-nagy, schindler, neutra, saarinen, ,braque, tatlin, majakowski, mondriaan, albers, bill, scharoun, bayer, meyer, salvisberg, roth, sert, miro, breton, mendelssohn, artaria, schmidt, haesler, terragni, libera,tami,lingeri, taut, tel aviv, theater gelsenkirchen, britz,rotterdam, ernst-reuter-platz, siemensstadt, praunheim, weissenhof, hansaviertel, brünn, karl-marx-hof, fiatwerke, faguswerk….“

    in
    http://che2001.blogger.de/stories/883970/#891600

    aber die Arkanen sind die Anderen.
    „In einen hohlen Kopf geht viel Wissen“, sagt Karl Kraus, und ich nenne t. albert, dem Momorulez nie widersprochen hat, hiermit einen bildungsverprotzten Faselhans, zumal er nicht in der Lage war, der präzisen von mir, lebemann und anderen vorgetragenen Argumentation auch nur irgend etwas entgegenzusetzen. Hirnlose Listen gegen Argumente, das ist hier der Stil, wenn wir, Momorulez, mal von Stilfragen sprechen. Und ihr wollt „Kritiker“ sein? Ich habe diesen Sommer kein Huhn getroffen, das darüber nicht gelacht hat.

    Was nun das Paktieren mit dem Bestehenden dem Inhalt nach betrifft, so darf ich nochmals an die den Kernbestand betreffende Äußerung eines positivistischen Jüngelchens erinnern, der im Zusammenhang der Diskussion über den „Positivismusstreit“ die denunziatorische Formulierung „Dialektik statt Wissenschaft“ gebrauchte, was unter kritischen Normalmenschen zur Anmerkung geführt hätte, daß es um Wissenschaft statt Positivismus geht. Aber hier geschah nichts dergleichen.

    Am 14. September, als ich mich im umbrischen Torgiano befand, wo ich um ein Haar zum Trüffelschwein und Olivenölsäufer mutiert wäre, postet Momorulez in einer cutpaistingmäßigen Wikipedia-Übernahme – so macht man das, wenn der Lehrer Schnädelbach hieß – das „Münchhausen-Trilemma“.

    Nun wäre diese bereits antikisch abgehalferte Dämelei eine gute Gelegenheit gewesen, der Hänschenkleinfraktion das Genick zu brechen. Als ich Momorulez‘ Head las, dachte ich, jetzt macht er das; dafür hat er das Thema aufgegriffen. Doch da hatte ich ihn überschätzt. Auch die Kommentatoren haben nicht recht verstanden, worum es in der Sache geht.

    So sind sie, die Linken. Genau so.

    Nörgler

    26. September 2007 at 13:27

  20. Na, Dein Pseudonym haut auf jeden Fall schon mal ganz gut hin … was heißt denn „Arkanität“? Für solch hinterschwächelnde Bildungsprotze wie mich ist das ja schon jenseits des erreichbaren Begriffsumfangs.

    Und klar, wer glaubt, er habe die Definition dessen, was denn nun Kritik sei und was als Pakt mit dem Bestehenden zu klassifizieren sei, gewissermaßen für sich gepachtet und dieses in hehren Andeutungen nutzt, Andere abzuqualifizieren, der radikalisiert tatsächlich jene Seite Adornos, die schon andere zur Distanznahme von diesem motivierte. Zum Glück kann man den ja auch anders lesen.

    Ansonsten wüßte ich jetzt ehrlich gesagt gar nicht, worauf man da eingehen können sollte von dem, was Du geschrieben hast, in meiner Bildungsferne lese ich da einfach nur wüste Beschimpfungen ohne allzu viel Sinn und Verstand und finde die Sachfrage nicht, die Du behauptest, kannst Du mir da vielleicht auf die Sprünge helfen?

    So sind sie, die Linken, genau so, stimmt schon, daß es dieser Gestus war, der mich immer von allen Formen linker, politischer Organisation ferngehalten hat. Die einzige Sachfrage, die ich da im von Dir Geschriebenen finde, ist jene, inwiefern Habermas was mit Kritik zu tun habe. Soll ich das jetzt ausführen?

    Ach, und noch’n Satz, der was sagt:

    „Was nun das Paktieren mit dem Bestehenden dem Inhalt nach betrifft, so darf ich nochmals an die den Kernbestand betreffende Äußerung eines positivistischen Jüngelchens erinnern, der im Zusammenhang der Diskussion über den “Positivismusstreit” die denunziatorische Formulierung “Dialektik statt Wissenschaft” gebrauchte, was unter kritischen Normalmenschen zur Anmerkung geführt hätte, daß es um Wissenschaft statt Positivismus geht.“

    Ja, hättest Du doch schreiben können, wenn’s Dir fehlte, so als Normalmensch. ‚tschuldigung, Kritischer Normalmensch.

    momorulez

    26. September 2007 at 13:50

  21. Ich zitiere noch mal den hier aus der Diskussion da drüben, von Dir:

    „Weniger gut, weil Sprechblasen der dogmatischen Linken der 70er als Diskursverfahren übernehmend, gefällt mir der Einsatz der Worthülsen „ahistorisch“ und „undialektisch“ (hier in der Formulierung „wäre dem dialektiker verständlich“). Das war bei den K-Gruppen stets Stufe 1, wenn es um die begründungsfrei-bannstrahlhafte Installation von Argumentationsvermeidungsstrategien ging.“

    Setz doch da mal den „Pakt mit dem Bestehenden“ und die „radikale Kritik“ ein so, daß es paßt …

    momorulez

    26. September 2007 at 14:06

  22. […] nicht so schnell: nachdem ich beobachten konnte, auf welchem höchsten Niveau heute über Adorno verhandelt wird, möchte ich nur diejenigen zum eifrigen Mittun […]

  23. och, Nörgler, du hast völlig recht. Ich bin der grösste faselnde Bildungsprotz. Also halt ich die Klappe, damit du nicht noch klüger wirst und lass dich als zurückgebliebene Ein-Mann-K-Gruppe stehen. Adieu. Ich hab zwar keine Ahnung von Schnädelbach, aber es scheint jedenfalls keine Schande zu sein, gleich nach ihm beschimpft zu werden, obwohl eins mit dem anderen nichts zu tun hat. Find ich gut. An eine Diskussion, in der es um Argumente gegangen wäre, ausser dass jemand „Herrschaftsarchitektur“ geschrien hätte, was jeder K-Gruppler tat, kann ich mich nicht erinnern.(Doch, bloss nicht von deiner Seite.) Huch, meine Liste in cooler Kleinschreibung, du argumentierender Freund, entsprang einem Schrecken, nicht meiner Bildung, die im Gegensatz zu deiner sehr zu wünschen übrig lässt, und einigermassen einseitig ist. Thomas von Aquin kann ich weder im Original noch übersetzt lesen, auch nicht Homer und Bacon. Klein schreiben, wenn du willst, kannst du auch; ich mache das, wie ich aus zeitgründen gerade will: was hätte das mit bildung zu tun? und als ästhetische diskussion wäre eine über die kleinschreibung, die du cool findest, auch nur eine wiederauflage der siebziger. leute, die durch umbrien fahren, während sie anderen leuten solch merkwürdige vorwürfe bezüglich des bestehenden machen, gefallen mir: ihnen zum trotz steht umbrien noch.

    T. Albert

    26. September 2007 at 18:37

  24. Ich sach doch: Ihr habt mehr mit den Freiheitsfabrikanten gemein als ihr ahnt 😉

    Rayson

    26. September 2007 at 18:42

  25. Ich mag die ja auch, die Freiheitsfabrikanten … ich amüsier mich da immer bestens. Wahrscheinlich auch Teil meines Pakts mit dem Bestehenden, die bestehen ja auch schon ’ne Weile.

    momorulez

    26. September 2007 at 18:45

  26. Als Klassenfeind vermag ich dich natürlich nicht so harsch zu kritisieren, wie du es verdient hast. Was ich bedaure.

    Rayson

    26. September 2007 at 18:56

  27. Wie meinen?

    momorulez

    26. September 2007 at 19:14

  28. Ach so. ich Wollte mich noch Bei karsten beDanken, von deM iCh Was üBer adOrNO gelErNt hAb. Das HaB icH nOcH gar NichT gESagt. Un D be i MO moRuLEZ auC h, bei DeM ICh WAS übeR HanS alBert Gelernt hab e, und èBErhauPt EIniGEs. ICh Hab SOgar voM BöSen STAtler EIniges Gelernt, DANKe Dem beSTEhEndEN.

    NÖRGLER

    DiEs CorbusIER-zItat gegen Camillo Sitte (Bildung!) geht übrigens sO:

    „Die gewundene Strasse ist der Weg der Esel, die gerade Strasse ist der Weg des MEnschen.“

    20 Jahre später hat er`s umgedreht.

    T. Albert

    26. September 2007 at 19:16

  29. Nun gut, wir wollten hier ja auch Dissens. Damit habe ich eigentlich kein Problem. aber die Frage stellt sich mir schon, worauf Noergler eigenrlich hinaus wollte?

    Als Argumente gegen STS wurden Karrierismus (woran festgemacht?), ungenügende Auseinandersetzung mit den erkenntnistheoretischen Grundlagen (ein Standpunktargument, dass sich am philosophischen Kanon orientiert: Ohne Popper in extenso gelesen zu haben, zeigte mir z.B. die Art, in der mir dessen Wissenschaftskonzeption vorgetragen wurde, worauf das hinausläuft und die Kritik daran wie sie etwa von Adorno formuliert wurde, dass das nicht zu halten ist) und eine mangelnde Auseinandersetzung mit dem ästhetischem Werk Adornos ins Feld geführt. Das scheint mir einigermaßen gerechtfertigt, insofern Adorno tatsächlich ohne seine ästhetischen Dimensionen nicht denkbar sind.
    Aber, und das macht den Unterschied ums Ganze, was ist denn Noerglers Ideal der Adorno-Rezeption? Es kann ja wohl nicht darum gehen, sich selbst zu einem Double zu machen. Der Mann hat schließlich gelebt, seine Theorie ist ein Lebenswerk. Nun kann man sicherlich davon ausgehen, dass man auch Interesse an etwas anderes als Adorno hat, wenn man nicht Adorno ist. Fragestellungen verschiebem sich, Ich habe ja schon öfters auch auf den Zeitkern von Wahrheit hingewiesen. Und die Konzeption des Intellektuellen bei der älteren Kritischen Theorie war ja eine Theorie als Praxis und nicht eine Theore als Theorie. Das hat zwangsläufig Verscheibungen im theoretischen Fokus zur Folge. Denn man ist auch als solcher nicht außerhalb. Vielleicht ist es zu viel verlangt, von den verschiedenen Erben der Kritischen Theorie (die freilich mit dem Erbe unterschiedlich gut umgingen – aber das ist zu diskutieren und nicht einfach zu konstatieren) eine ideale Interpretation abzuverlangen. Und mir ist ehrlich gesagt eine distanzierte und nicht ideale Auseinandersetzung immer noch lieber als eine ehrfürchtige oder abschätzige Nennung der Namen ohne sie zu diskutieren, die bei den Studenten in eine Aversion dagegen umschlägt, die Bücher überhaupt noch zu lesen, aus Angst sie sowieso nicht zu verstehen.

    lars

    26. September 2007 at 19:44

  30. Zumindest ist ja Verlass darauf, dass die meisten das sowieso nicht verstehen gut hinkriegen 🙂

    che2001

    26. September 2007 at 20:54

  31. @MR

    Wenn ich nur Altgriechisch könnte, würde ich aber sowas von zuschlagen.

    Rayson

    26. September 2007 at 21:08

  32. Ich kann Beda in Übersetzung lesen, bewundert meine Glorie.

    David

    26. September 2007 at 21:16

  33. @Lars:

    Na, gegen Dissens an sich habe ich ja nun auch rein gar nix und bibber jetzt ja vor allem davor, daß Rayson altgriechisch lernt … aber auch beim Dissens kann das ja vielleicht ohne die Abqualifizierung des Gegenübers vonstatten gehen.

    Zum Konstruktiven: Schon „STS“ als Gruppenbezeichnung geht mir ja auf den Senkel, diese affigen Streitigkeiten um das „wahre Erbe“, mit Verlaub, das ist ja etwas dürftig.

    Und auch wenn mir „Zeitkern der Wahrheit“ ja doch entschieden zu metaphorisch ist, sollte man ja vielleicht nicht vergessen, in welchem Kontext die ehemaligen Adorno-Schüler da verortet waren, und da war’s nun auch nicht nur zweckdienlich, nun vor allem die Ästhetische Theorie in den Mittelpunkt der Debatte zu stellen.

    Irgendwann zu Beginn der 80er setzte ja nun der Streit um die Postmoderne ein, wo Habermas tatsächlich mehr Unheil als Klärung zu schaffen vermochte, „Der philosophische Diskurs der Moderne“ ist nun wirklich das blödeste, was er je geschrieben hat.

    Er kam aber zu dieser Blödheit, weil ihm Zuge der späten 70er auch durch die Rezeption der Postmodernen und Dekonstruktivisten eine starke Ästhetisierung der Philosophie einsetzte, na, und was Benjamin zur Ästhetisierung des Politischen ergänzend schrub, das wissen wir ja auch alle.

    Das fusionierte dann mit Öko-Bewegungs-inspirierer, allgemeiner und auch totalisierter Vernunftkritik im Stile der Gebrüder Böhme, reine Romantik, und da mußte man schon in Adornos Sinne der „Sache der Vernunft“ mal wieder Geltung verschaffen, mit Nachdruck.

    Daß dabei die ästhetische Theorie auf der Strecke blieb, das ist ein gigantisches Manquo, weil man tatsächlich ohne diese Adorno nur sehr dürftig verstehen kann, das war aber ja zunächst mal gar nicht das Problem, weil die Diskussionslage eine ganz andere war.

    Zudem einfach die gesamte deutsche Philosophie, auch die der „Kritischen Rationalisten“, schlicht versäumt hatten, mal zu schauen, was es mit dem „Linguistic Turn“ seit Wittgenstein so auf sich hatte, jetzt mal ganz egal, ob kritisch oder nicht, da kam man einfach nicht dran vorbei, dazu waren die Argumente zu stark, und genau das ist der große Verdienst von Habermas, das zumindest versucht zu haben, diesen für die politische Philosophie und Gesellschaftstheorie fruchtbar zu machen, ganz unabhängig von den konkreten Ergebnissen. Ansonsten kommt bei einem „postmodern ästhetisierten“ Adorno (meine Couisne war so eine, die das betrieben hat, mit schlimmen Ergebnissen) Adorno, wirkungsgeschichtlich, wenn man Pech hat, eben dessen exaktes Gegenteil raus, nämlich Tempo und Norbert Bolz, und genau gegen diesen Gestus hat man damals noch angewettert.

    Die Nachfolge-Generation wie z.B. mein Prüfer Martin Seel, mal schauen, wie Nörgler den findet, hat dann ja versucht, den Ästhetiker Adorno wieder zum Leben zu erwecken, in einer wie bei Schnädelbach auch jedoch konsequentest unpolitischen Form, und das kann man denen tatsächlich ankreiden, allen beiden.

    Da ist dann aber die Frage, ob nicht genau das in Adorno bereits angelegt ist, und genau das hat z.B. Habermas dann ja auch an ihm kritisiert. Was der Habermas wenigstens noch versucht hat, ist, in der System/Lebenswelt-Differenz, ergänzt durch die These von der Kolonisierung der Lebenswelt, auch die ursprünglich mal in der Kritischen Theorie angelegte Konzeption einer Neuformulierung einer Kritik der politischen Ökonomie anzudenken und dem später durch basisdemokratsche Konzepte etwas entgegenzusetzen, was man durchaus alles völlig daneben finden kann, aber was hatten denn da bitte die älteren, Kritischen Theoretiker wirklich zu bieten?

    Im Grunde genommen war das reine Kulturkritik bei denen, Schopenhauerisch bei Horkheimer, im Sinne der künstlerischen Moderne bei Adorno, durch die man sich herrlich von der Masse der Verblödeten abheben kann, wo aber dann immer alles schon so schrecklich und entsetzlich ist, daß man ja eigentlich schweigen müßte, um nicht dem Banne des identifizierenden Denkens zu verfallen, weil man so ganz als Eremit im Loch aber auch nicht sitzen mag, betreibt man dann negativ dialektisierend und ästhetisch theoretisierend einen Mordsaufwand damit, latent narzißtisch die je eigene, gedankliche Diaspora auszuformulieren, aber das ganze bitte so, daß man vor allem die je eigene Passivität in politischer und ökonomischer Hinsicht als einzige Rettung und Gipfelerlebnis der Kritik abfeiert.

    Übrigens habe ich jedes Wort in den Diskussionen mit T. Albert und Loellie und Lars und anderen als Versuch gelesen, aus genau diesem Dilemma auszubrechen, was man dann gerne als ungenügend abwatschen kann, aber genau wegen dieses Versuchs wollte ich dieses Blog, weil man mit Che zudem noch einen profilierten Historiker und politschen Praktiker an der Seite hat, der dieses „Projekt“ vortrefflich stützen und bereichern kann. Hatte ich bei Dir auch gehofft, Nörgler, weil Deine Kommenatre echte Knaller sind, die ich beim Che regelmäßig bejubelt habe, schade, daß die Entwicklung jetzt anders verlief.

    Was dann ja für mich die eigentliche Frage ist: Wie kommt man denn bitte über die Kritische Theorie zu einer Renaisdance der Kritik der politischen Ökonomie? Geht das? Diese ganze Begriffslosigkeit und eingeschränkte Analysefähigkeit bei aktuellen, ökonomischen Fragen ist doch eine Erbschaft des Abschieds der Ältere, Kritischen Theorie von eben diesen Fragen und die Legimitation der Selbstbeweihräucherung jener, die im wesentlichen damit beschäftigt sind, sich im Sinne der „radikalen Kritik“ und „Verneinung des Bestehenden“ immer alles als „noch nicht genug!“ zu brandmarken, aber ansonsten ja offensichtlch so viel auch nicht zu sagen haben, man belehre mich eines Besseren.

    Was kann denn „radikale Kritik“ und „Verneinung des Bestehenden“ unter Bedingungen der Aktualität sinnvoll heißen? Nörgler scheint das ja zu wissen, sagt es uns aber nicht, ich nicht. Und wenn das einfach nur die richtige Adorno-Lesart ist, ist mir zumindest das zu wenig …

    momorulez

    27. September 2007 at 6:51

  34. Verständnisfrage: Wer sind die Brüder Böhme? Als hier schonmal von Böhme die Rede ar, dachte ich ja an den Mystiker Jacob Böhme.

    che2001

    27. September 2007 at 6:59

  35. Nee, ich weiß die Vornamen gerade nicht mehr, die haben ein Buch mit dem Titel „Das Andere der Vernunft“ geschrieben, welches damals sehr populär war und unter anderem Kant ziemlich unappetitlich auf die Glocke gab. Das war die popularisierte Variante dessen, Vernunft als reglementierend und repressiv zu begreifen.

    momorulez

    27. September 2007 at 7:16

  36. Kant allerdings ein wenig vom Kopf auf die Füße zu stellen ist so falsch auch nicht. In seinem Lexikon waren, ganz vernünftig, im Kapitel über die Rassen nützliche Hinweise darauf, wie der Neger zu peitschen sei.

    che2001

    27. September 2007 at 7:49

  37. Ja, und sowas wäre dann wahrscheinlich wieder eine dem Nörgler genehme Lesart, vermute ich, die denunziert so schön – natürlich findet sich bei Kant viel Müll, es gibt auch ziemlich doofe Zitate von Marx und Engels, andere sehen Hannah Arendt als maßgeblich für den modernen Rassismus, insofern sollte man gezielt den Rest des Werkes von diesen Zitaten ausgehend erkunden und das Ganze so treiben wie Derrida, manmanmn. Besser kann man gar nicht dafür sorgen, daß Andere dann Rassismus wie zuvor schon den Antisemitismus als linkes bis linksliberales Projekt behaupten, dem Herr Friedman dann völlig zur Recht den freien Markt entgegenstellte, andere verwenden das dann gegen die Aufklärung an sich, die doch nur katholische Menschenliebe zertrümmert habe, und die NPD feixt sich derweil einen … wie war noch dieses Kästner-Zitat, daß man den Kakao, durch man uns zieht, nicht auch noch trinken solle?

    momorulez

    27. September 2007 at 8:04

  38. Das geht noch weiter: Er muss einem sogar schmecken, wobei wir dann, bösi bösi, wieder bei Freuds Identifikation mit dem Aggressor wären.:-)

    che2001

    27. September 2007 at 8:23

  39. Original war das Zitat: “ Nie soll man so tief sinken, den Kakao, durch den man gezogen wird, auch noch zu trinken. „

    che2001

    27. September 2007 at 8:39

  40. … und es ging los mit: „Was immer auch geschieht!“

    Und hier die Böhmes:

    http://www.amazon.de/Das-Andere-Vernunft-Hartmut-B%C3%B6hme/dp/3518281429

    … die sich, wenn ich mich recht entsinne, da vor allem über Kants zwanghaften Tagesablauf lustig machen.

    Was man übrigens hinsichtlich des Rassismus-Themas Kant tatsächlich neben den von Dir zitierten Ausfällen auch systematisch anlasten kann, ist, daß er z.B. den „Südseebewohnern“ das Befolgen reiner Neigungen unterschob und damit implizit diese Gleichung aufmachte „schwarz = Natur“, die bis heute maßgeblich für alle Rassismen ist (z.B. in der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, BA 55).

    Dem stellte er dann die Pflicht als vernünftige Willensbildung gegenüber, nicht als das Befolgen „externer“ Verpflichtungen, wohlgemerkt, und sah das dann wohl in europäischer Kultur am Wirken. Und das Motiv wirkt ja schon fort bis zu diesen prowestlichen Vollidioten, die neuerdings sogar wieder Begriffe wie „Degeneration“ verwenden, wenn’s darum geht, dem Klassenfeind eins auf die Glocke zu geben. Und diesbezüglich unzivilsiert sind all diese niederen Kulturen aus dem Orient dann ja eh in deren Augen. Soweit kann man Kant auch einen verpassen, glaube ich, diesbezüglich hat der tatsächlich eine unangenehme Wirkungsgeschichte. Wobei er Südessebwohnern schon das selbe Vermögen, vernünftig sein zu können, zugesprochen hätte.

    momorulez

    27. September 2007 at 8:53

  41. Im Gegensatz zu Forster, der die Südseebewohner erlebt hatte und auf der Evidenz seiner Erfahrung behharrte und von Kant dann erzählt bekam, es reiche halt nicht aus, empirisch in der Welt rumzugurken, man müsse einen theoretischen Plan von dieser im Kopf haben, dann könne man auch in Königsberg bleiben und die Welt erklären. Ganz andrs verhielt sich zur Rassenfrage Hegel, der meinte, wer aus der Form des Schädels Charaktereigenschaften abliete, dem solle man diesen einschlagen. Übrigens waren Kants Vorschläge zur Prügelstrafe bei Schwarzen im Kontext der damaligen Zeit sozusagen „humanitär“ gemeint: Die Haut sollte aufplatzen und bluten, damit sich keine langfristigen Entzündungen bilden. Die hehrtsten Freiheitsvorstellungen griechischer Sophisten und Demokratiertheoretiker oder römischer Gracchen bekommen einen merkwürdigen Beigeschmack, wenn man list, was diese zu Sklaven meinten.

    che2001

    27. September 2007 at 9:09

  42. Wobei man nun auch nicht, mal ganz altbacken formuliert, das Kind mit dem Bade ausschütten sollte: Kant hatte schon gute Gründe für sein „transzendentales Programm“, und das gehört schon zu dem Großartigsten, was je ein Mensch erdachte, selbst dann, wenn man das so natürlich nicht mehr vertreten kann.

    Dieser ganze Quatsch mit den Vorträgen über Dolles aus aller Welt von jemandem, der nie Königsberg verlassen hat, die gheören in’s Reich der Anekdote und sind völlig haarsträubend.

    Aber wie er zu seiner Philospohie a priori gelangte und diese ausgestaltete, das ist noch mal ein ganz anderes Thema. Weil er im Gegensatz zu manchem Vorgänger ja gerade das Empirische nachhaltig stärkte, nicht wegdiskutierte.

    momorulez

    27. September 2007 at 9:29

  43. Das ist doch aber ohnehin klar. Die Hirnschrumpfer, die aus den zeitgebundenen Irrtümern Kants und seiner persönlichen Schrulligkeit eine Kritik der Aufklärung an sich oder zumindest von Kants Erkenntnistheorie ableiten sind nicht satisfaktionsfähig. Wenn ich Darwins Rassismus und Elitedenken kritisiere, werde ich auch nicht zum Kreationisten, und wenn ich gegen Stalinismus bin, werde ich nicht zum begeisterten Anhänger des Kapitalismus.

    che2001

    27. September 2007 at 9:54

  44. Hartmut und Gernot heißen die Märchenerzähler…

    lars

    27. September 2007 at 10:35

  45. Im Grunde genommen war das reine Kulturkritik bei denen, Schopenhauerisch bei Horkheimer, im Sinne der künstlerischen Moderne bei Adorno, durch die man sich herrlich von der Masse der Verblödeten abheben kann, wo aber dann immer alles schon so schrecklich und entsetzlich ist, daß man ja eigentlich schweigen müßte, um nicht dem Banne des identifizierenden Denkens zu verfallen, weil man so ganz als Eremit im Loch aber auch nicht sitzen mag, betreibt man dann negativ dialektisierend und ästhetisch theoretisierend einen Mordsaufwand damit, latent narzißtisch die je eigene, gedankliche Diaspora auszuformulieren, aber das ganze bitte so, daß man vor allem die je eigene Passivität in politischer und ökonomischer Hinsicht als einzige Rettung und Gipfelerlebnis der Kritik abfeiert.

    Um genau das auszudrücken, fehlten mir in meiner ahnungslosen, kleinen Adorno-Reihe die Worte.

    Karsten

    27. September 2007 at 16:05

  46. Gott, wo ich’s jetzt selbst noch mal lese, bin ich ja versucht, im Anschluß sofort eine flammende Verteidigungsrede auf die beiden zu halten, das war ja echt richtig böse, was ich da geschrieben haben … wozu einen Konflikte so treiben, Nörgler ist schuld ;-), das ist ja doch auch immer wieder erstaunlich … falsch isses auch wirklich nicht, überhaupt nicht, aber so richtig richtig ist das nun auch wieder nicht, was ich da schrub … ich bitte doch meine Pro-Adorno-Rede im anderen Tread ergänzend zu lesen! So isses nur die Antithese …

    momorulez

    27. September 2007 at 17:47

  47. In diesem Zusammenhang und dagegen erwähne ich gerne auch meine Adornosozialisation. Mein „Lehrer“, der diesen Terminus vielleicht ablehnen würde, hat theoretisch und empirisch äußerst nachvollziehbar das Konzept des nonkonformistoschen Intellektuellen bei Adorno/Horkheimer herausgearbeitet.

    Alex Demirovic (1999): Der nonkonformistische Intellektuelle. Die Entwicklung der Kritischen Theorie zur Frankfurter Schule, Frankfurt/Main: Suhrkamp.

    Darin übrigens ein schönes Kapitel zur „paradoxen Redeposition“ in der Minima Moralia:

    „Die Dialektik soll kein Mittel verfügender Rechthaberei sein, keine Subsumtion unter das Allgemeine, das man immer schon kennt, sondern vielmehr das Medium, in dem der Intellektuelle sich selbst in eine Art Schwebezustand der Erkenntnis versetzt, der ihn Aussagen machen läßt, die er aus Gründen der inneren Logik zurücknehmen muß und die doch gesagt worden sind und deswegen festgehalten werden, Geltung erlangen und kritisiert werden können, Apodiktizität verbietet sich aus der Bewegung des Denkens heraus von selbst. Dies führt Adorno schließlich gestisch zur genauen Umkehr der Behauptung vom Unwahren des Ganzen. Neben den erkenntnistheoretischen tritt der wahrheitspolitische Aspekt. Nicht nur entzieht sich das Ganze der Gesellschaft sowieso zunehmend der Erkenntnis und läßt den Intellektuellen an der Ohnmacht seines begrifflichen Denkens verzweifeln.(…) Der nicht-konformierende Intellektuelle muß bereit sein, auf den festen Zugriff, auf die eindeutige Stellungnahme zu verzichten und sich in der Dialektik zu verlieren.“ (ebd. S. 534)

    Das Zitat bezieht sich sowohl auf Stellen in der Minima Moralia und in der Negativen Dialektik.

    lars

    27. September 2007 at 17:56

  48. Das übnerschnitt sich jetzt.

    lars

    27. September 2007 at 17:59

  49. @MR: Hehe. Mir sind auch fast die Augen aus dem Haupte gefallen, als ich’s las.

    David

    27. September 2007 at 18:11

  50. Ich hatte keinen Lehrer. Ich habe zwar bei diversen ProfessorInnen studiert, aber meine Horkdorno-Interpretation ist nur meine. Der sich meine Profs im Nachhinein z.T. anschlossen.

    che2001

    27. September 2007 at 20:45

  51. bei mir war es haöt so, dass ich viel beim Alex besucht habe, der mir das gesellschaftstheoretische Denken einfach von Grund auf beigebracht hat. Kannte sowas ja gar nicht. Und das war so innig mit der Kritschen Theorie verknüpft, dass ich mir das gar nicht anders vorstellen konnte. Als der dann gehen musste, bin ich bei einer Empirikerin gelandet, die z.B. starke Aversionen gegen die Kritische Theorie (insbes. Habermas und Honneth) hat, von der ich mir aber gerade das grundlegende Handwerkszeug von empirischer Sozialforschung (im Sinne der soziologschen Chicago School) angeeignet habe, dass ich auf keinen Fall missen möchte. Die empirischen Arbeiten in der Zeitshrift für Sozialforschung gehören meines Erachtens auch zu den besten Arbeiten des Frankfurter Instituts – und da war die Kooperation etwa mit Lazarsfeld ja immens wichtig. Auch wenn die Differenzen groß genug waren, um sich gegenseitig zu bedünkeln.
    Naja, langer Rede kurzer Sinn: Seitdem suche ich nach einer Position, die die verschiedenen Momente – die Chicago School, die Kritische Theorie, den Poststrukturalismus und die Mentalitätengeschichte – einigermaßen kohärent und kritisch zusammenbringt.

    lars

    27. September 2007 at 21:00

  52. @Che:

    Ne, also ich bin da ja einfach zu hilflos und doof zum Selberdenken, nur deshalb der Verweis auf die Lehrer …

    @Lars:

    Das Zitat finde ich super, und es ja auch irgendwie ein Schlag in’s Gesicht der Hüter der „reinen Lehre“ … sowas so ungefähr meinte ich mit meiner Pro-Rede im anderen Thread.

    Und ansonsten isses doch schlicht nicht vorstellbar, man könne die Welt gewissermaßen aus sich selber schöpfen, und natürlich sind dann da auch die Lehrer wichtig, seien’s die, die man trifft oder die, die man liest. Es gibt ja Leute, die meinen das abfällig, wenn sie über „Kommunikationsphilosophen“ Habermas lästern, dabei war der einfach nur schlau genau, diese Selbstinszenierung des einsamen Rufers in der Wüste zu durchbrechen. Ein Stichwort wie „genetischer Intersubjektvsmus“ ist einfach drei Schritte weiter und richtiger als all diese monadischen Ego-Philosophien, die z.B. die Liberalen formulieren …

    momorulez

    28. September 2007 at 6:19

  53. @Momo: Ein Videorekorder ist dazu da, Filme anzuschauen, die man selber nicht sehen will, ein Flugzeugträger enthebt den Menschen von der mühseligen und verschleißenden Aufgabe des Flugzeuge tragens, ein elektrischer Mönch ist dazu da, Dinge zu glauben, die man selber nicht glauben will, und also lässt Du also auch auswärts denken, ganz im Trend der Zeit.

    che2001

    28. September 2007 at 6:46

  54. Ja, eben, ich Doofie …

    momorulez

    28. September 2007 at 6:53

  55. Ich würde ja nie zugeben, Habermas zu kennen, das wäre ehrenrührig…

    che2001

    28. September 2007 at 7:07

  56. Psssssst! Che! Vorsicht!

    momorulez

    28. September 2007 at 7:48

  57. Zumindest kenne ich die Rebecca aber ganz gut…

    che2001

    28. September 2007 at 17:45

  58. Schreibt die sich eigentlich jetzt mit „kk“, wie auf ihrer eigenen Homepage, oder mit „cc“, wie überall sonst?

    Fragen, die sich stellen, wenn man dank eines Kommentars von Che erfährt, dass es eine Rebecca/Rebekka Habermas gibt… 😉

    Karsten

    28. September 2007 at 22:11

  59. In Kenntnis aller Threads zu Adorno, hier und bei den „Bissigen Liberalen“, habe ich einen Kommentar gefunden, der das auch in meiner Sicht zentrale Problem in überlegener Weise fokussiert, gerade auch im Hinblick auf die Intention, der sich die Existenz von SR verdankt. (Damit sage ich nicht, dass alle anderen Kommentare unsinnig wären.)

    In Deinem Posting # 33, Momorulez, wird imho das, worum es inhaltlich im Kern geht, so bündig auf den Punkt gebracht, dass ich mich darauf konzentrieren kann.

    „Was der Habermas wenigstens noch versucht hat, (…) die ursprünglich mal in der Kritischen Theorie angelegte Konzeption einer Neuformulierung einer Kritik der politischen Ökonomie anzudenken (…) was hatten denn da bitte die älteren, Kritischen Theoretiker wirklich zu bieten?“

    Was Letzeres betrifft, stimme ich Dir völlig zu: Was sie da zu bieten haben, ist schlichtweg nichts. Das wird zumal an den Stellen deutlich, wo sie sich direkt auf Marx beziehen, und wo regelmäßig sehr summarisch und mit erheblichen, ich sage mal: Unschärfen, über die Kritik der politischen Ökonomie hinweghudelt wird. Eine intensive Marx-Rezeption hat bei den Herren nie stattgefunden. Ich würde sogar noch weiter gehen als Du und sagen:

    1. Die von Dir genannte „ursprünglich mal in der Kritischen Theorie angelegte Konzeption einer Neuformulierung einer Kritik der politischen Ökonomie“ sehe ich nicht einmal. Das war nie das Programm. Es hätte auch der intellektuellen Sozialisation der Frankfurter nicht entsprochen. Adorno war altersmäßig schon in den Dreißigern, als er begann, überhaupt mal mit etwas anderem sich zu beschäftigen als mit Kierkegaard und ein bißchen drumherum.

    2. Obwohl nicht beabsichtigt, hat die Frankfurter Schule doch objektiv einen Anteil an der mangelnden Marx-Rezeption, da die quantitative und qualitative Mächtigkeit der Kritischen Theorie – zusammen mit den Nebensatz-Bezügen auf Marx – geeignet war, beim Leser den Eindruck zu erwecken, man sei da über Marx und alles Ökonomische ohnedies schon hinaus, hätte den Karl Heinrich eh völlig aufgesogen, verarbeitet und im Sack, so dass eine Beschäftigung damit überflüssig wäre.
    (Dieses „Muß ich jetzt nicht mehr lesen“-Problem tritt übrigens verschärft hinsichtlich Habermas auf. Nicht wenige haben sich ganze Bataillone wichtiger Autoren erspart, weil der Habermas doch immer so schön kurzgefaßt auf den Punkt bringt, was die sagen und was man davon zu halten hat.)

    Insoweit stimme ich zu, dass „diese ganze Begriffslosigkeit und eingeschränkte Analysefähigkeit bei aktuellen, ökonomischen Fragen doch eine Erbschaft des Abschieds der Ältere, Kritischen Theorie von eben diesen Fragen“ ist, wenngleich ich „doch auch eine Erbschaft“ sagen würde in dem Sinn, dass Adorno doch an niemandes Schreibtisch trat, um mit vorgehaltener Waffe die Marx-Lektüre zu verhindern. Schließlich gab es auch solche, die das eine taten ohne das andere zu lassen. Unsere bissigen Freunde würden das „Eigenverantwortung“ der eigenen Lektüreentscheidung nennen.
    Man mag daraus ersehen, dass ich den Adorniten zu Unrecht zugerechnet werde. Der Salonmarxologe und der Adornit passen unmöglich gleichzeitig in ein und dasselbe Gehirn, weil dem Adorniten Marx, den er nie gelesen hat, als unfein und veraltet gilt, während der Semiotizistische Salonmarxologe partout darauf besteht, dass etwas Aktuelleres als die Marxsche Theorie gar nicht vorstellbar ist.

    Auf die Passage von „Im Grunde genommen“ bis „der Kritik abfeiert“ gehe ich nicht ein, weil ein solches Eingehen hier inhaltlich nicht weiterführen würde.

    „Übrigens habe ich jedes Wort in den Diskussionen (…) als Versuch gelesen, aus genau diesem Dilemma auszubrechen“, was auch meinem Verständnis entspricht, und ich wüßte nicht, was ich gegen diese Intention haben sollte. Die Frage ist aber: Wie macht man das, in welche Richtung arbeitet man?

    Ich sehe, dass von mir gebrauchte polemische Formulierungen ad hominem dazu beitrugen, dass Emotionen sich zwischen die Diskussion und den Gegenstand schoben, obgleich ich hier nicht der einzige mit einer Befähigung zum Draufhauen bin.
    Dass aber die erkenntniskritische Tradition oft Resultate liefert, die dazu führen, den Nordpol nicht ein zweites Mal entdecken zu müssen, ist ein Umstand, für den ich nicht verantwortlich bin, weil ich ihn nicht geschaffen habe.

    Mit dem „Nicht genug!“ sehe ich mich durchaus ebenfalls konfrontiert: In einer der Aufzählungen von T. Albert kannte ich bei den Erwähnten vorneweg zwei Drittel nicht einmal dem Namen nach, und es wird hier immer wieder auf Autoren Bezug genommen, von denen ich im Ungefähren, wenn überhaupt, weiß, was sie sagten, die ich aber nie gründlich studiert habe.

    „Wie kommt man denn bitte über die Kritische Theorie zu einer Renaissance der Kritik der politischen Ökonomie? Geht das?“
    Aus dem, was ich oben über die Frankfurter und ihr Verhältnis zu Marx sagte, ist wohl schon klar, dass ich der Meinung bin, dass das nicht geht. Der Weg, der zur Kritik der politischen Ökonomie führt, kann nur sie selbst sein. Wie anders?

    Natürlich wäre es irreal zu fordern, es solle mal eben alles gelesen werden, was zwischen 800 vor und 1800 nach dem Essener erkenntniskritisch relevant war (obzwar das, gemessen an dem riesigen Zeitraum, herzlich wenig ist). Wenn aber ein kritischer Anspruch erhoben wird, dann scheint mir Marx, um es auf gut Neudeutsch zu sagen, unhintergehbar, auch hinsichtlich der Frage:

    „Was kann denn ‚radikale Kritik‘ und ‚Verneinung des Bestehenden‘ unter Bedingungen der Aktualität sinnvoll heißen? (…) wenn das einfach nur die richtige Adorno-Lesart ist, ist mir zumindest das zu wenig …“

    Dazu zwei Antworten:
    Ich kann für mich nur sagen, dass ich mich um die richtige Marx-Lesart stets stärker bemühte, als um die richtige Adorno-Lesart. Und zweitens muß man den Widerspruch aushalten, der darin besteht, dass das Allerdringlichste, die radikale Veränderung, zugleich das Allerunmöglichste ist.

    Nörgler

    14. Oktober 2007 at 14:44

  60. Zum Allerunmöglichsten würde ich sagen, dass es sich damit verhält wie mit dem wütenden Elefanten, der an einem dünnen Hanfseil durch das Gedränge des Marktes zu führen ist: Es ist nicht gänzlich unmöglich, nur unsagbar schwierig. Ich stimme der Nörgler´schen Darstellung zu, nur stellt sich mir da eine Frage zur Vorgeschichte der Frankfurter Schule. Soweit ich weiß, sollte es, nachdem Felix Weil das Institut für Sozialforschung gegründet hatte, ursprünglich bei der Arbeit des Instituts darum gehen, die Auswirkungen des tendenziellen Falls der Profitrate empirisch im Alltag der Menschen nachzuweisen. Wie kommt man von einer solchen Fragestellung von einer so marxfernen Sichtweise wie die Herren Horkdorno? Was ist da institutsintern/institutsgeschichtlich gelaufen?

    che2001

    14. Oktober 2007 at 15:25

  61. Das kam dadurch, dass 1930 (oder 31?) Horkheimer die Leitung des Institus übernahm. Über Streitigkeiten über die Arbeitsschwerpunkte oder die Person des neuen Leiters ist (mir) nichts bekannt.
    Davor war es tatsächlich eine wichtige Frage in der Forschung des Instituts, ob qua tendentiellem Fall der Kapitalismus von sich aus zusammenbricht oder nicht. Diese Frage war im Institut kontrovers.
    Horkheimer kam aus einer anderen Ecke und dann wurden die Schwerpunkte anders gesetzt. Aber bald nachdem Horkheimer Leiter wurde, mußte man ja Land gewinnen, und dann waren die Karten sowieso neu gemischt.

    Nörgler

    14. Oktober 2007 at 16:06

  62. Weswegen ja auch „Frankfurter Schule“ und „Kritische Theorie“ nicht das Gleiche sind. Das Eine bezeichnet eine Institutszugehörigkeit, das Andere eine Denkrichtung. Wobei mich mal interessieren würde, anhand welcher Kriterien man andere Vertreter des Freudomarxismus von der Kritischen Theorie abgrenzt. Wieso gehören Fromm und Negt dazu, Adler und Reich aber nicht? Und wie sind da eigentlich Lukasc, Mitscherlich und Sperber einzuordnen?

    che2001

    14. Oktober 2007 at 16:39

  63. @Noergler:

    Danke für die Klarstellung. Das mit dem Adorniten spare ich mir dann meinerseits auch.

    Angelegt war das Projekt einer Kritik der Politischen Ökonomie für mich in den Anfängen der Kritischen Theorie, weil es eben den meiner Meinung ja komplett gescheiterten Versuch unternahm, Freud und Marx zusammenzudenken und in Familienstrukturen sozusagen das Scharnier zwischen „ökonomischen Rollen und Funktionen“ und individueller Sozialisation zu verorten, welche dann ein Sich-Enfügen in einen herrschaftsorientierten, gesellschaftlichen Prozeß ermöglicht. Also all das, was rund um die Studien zu „Autorität und Familie“ so passierte, vor allem auch der frühe Fromm.

    Das geht dann zwar auf die eigentlich ökonomische Fragen nur indirekt zu, aber hier läuft gerade aus Versehen Pocher im Fernsehen, der sich über Mark Medlock lustig macht, und da dann auf sadomasochistische Charaketere zu Zwecken der Herrschaftsstabilisierung abzuzielen, das macht ja schon noch Sinn, wenn man dann noch Frau Professorin Statlerin ergänzend hierzu liest. Ich halte ja deshalb, auch natürlich aus beruflichen Gründen, das „Kulturindustrie“-Kapitel immer noch für das beste an der Kritischen Theorie.

    Was ja genau auf das zielt, hinsichtlich dessen ich Deine Kritik, wenn sie überhaupt dahin zielte, auch wirklich verstanden habe: Ich bin ja geradezu prototypisch mitten in eine Phase hineinstudiert, in der dann zum einen die große Marx-Kritik ganz ausgesprochen trendy war, auch in Formen, die dann Herrn Glucksmann hervorbrachten, und wo man, statt den zu lesen, dann eben sprach- und Kulturphilosophie betrieben hat. Dann fiel noch die Mauer, und anstatt gerade angesichts dessen, wie ja die DDR-Bürgerbewegung das auch wollte, nun erst recht sich auf Ökonomie zu stürzen, erging man sich im Zelebrieren der generation Golf, sozusagen.

    Und das ist im Nachhinein betrachtet schon ganz außerordentlich gruselig.

    Bin dann in einem völlig grotesken Kontext dazu gekommen, mich mit Marx überhaupt wieder zu beschäftigen nach dieser ganzen Popkulturologie, und das war ein ziemlich böses und gutes Erwachehn zugeich – weil ganz grotesk der Marx genau die Arbeitssituation, in der ich damals steckte und die scheußlich war, fast höhnisch lachend kommentierte. Wenn man für sehr große Institutionen arbeitet, die Gemischt-Logiken zwischen ökonomisch und bürokratisch folgen und mit 3 zentralen Abteilungen auf Dich einwirken, selbst in einer Firma angestellt ist, die gerade einen Börsengang hinter sich gebracht hat, und so zwischen beidem zerrieben dann in Robert Kurz‘ „Marx lesen!“ (viel mehr schafft man ja neben der Arbeit nicht, also mal eben das Kapital durchforsten, das ist ja zeitlich und energetisch nicht möglich) stöbert, der psychische Effekt ist schon enorm.

    Was jetzt gar kein Bericht aus meinem bunten Leben sein soll, das ist sachlich-exemplarisch das,was auch zeitgeschichtlich-mentalitätstechnisch abging, glaube ich; was ich dann beim Bloggen suchte, und das sei als Zustimmung zu Deinen Ausführungen gemeint: Nur immer wieder im Zuge einer Verdinglichungskritik das Warenfetisch-Thema wortreich umspielen, das reicht dann eben doch nicht.

    Und diese ganze, streckenweise absurde Debatte mit den Liberalen war da schon auch sehr erkennntnisreich. das ist ja so erschütternd verbrettert, da hat man ja manchmal das Gefühl, man wolle Familienvätern aus den 50er Jahren erläutern, daß Vergewaltigung in der Ehe nicht in Ordnung ist, und die gucken einen noch nicht mal empört, sondern nur völlig verständnislos an und sagen: Du mußt doch begreifen, es gibt doch nur das generalisierte Eigeninteresse!

    Aber wie machen wir denn dann hier weiter, bei allem Verständnis für das, was Du meinst mit dem Aushalten des Widerspruchs?

    momorulez

    14. Oktober 2007 at 17:13

  64. Die Frage kann ich nicht beantworten, wollte das Ganze aber noch um eine biografische Notiz ergänzen. Ich kannte zwar andere Texte von Marx, aber das kapital (alle drei Bände) haben wir erst in einer Arbeitsgruppe gelesen, als die DDR gerade unterging, um nämlich bei Marx eine Erklärung dafür zu finden, wieso der Kasernenhofsozialismus gescheitert war. Wir fanden sie dort sogar sehr schlüssig, denn die Kritik der Politischen Ökonomie erklärt ja sehr genau, wie der Kapitalisnmus funktioniert und damit indirekt auch, wieso der Ostblocksozialismus nicht funktionieren konnte.

    che2001

    14. Oktober 2007 at 18:17

  65. Ich selber war kurzzeitig von der Freud-und-Marx-Sache fasziniert: Die Psychoanalyse als kritische Theorie des Subjekts, Marx als kritische Theorie des Objekts, und dann, klack, verzahnen. Aber das ist tatsächlich komplett gescheitert.

    Bei mir schienen die Bedingungen für eine Marx-Rezeption zunächst günstig. In einer sehr großen Fakultät einer sehr großen Uni hatte ich nicht nur die Zeit dafür. Marx gut finden, war auch der Stil des Hauses. Die Schwierigkeiten begannen, als ich zu lesen begann. Das Zeit-Privileg hatte ich natürlich weiterhin. Neben einem Job ist das nicht zu schaffen, ich kenne auch keinen, der das geschafft hätte.

    Zu Deiner Frage fällt mir auch nichts Geniales ein. Aber wirklich schlecht läuft es hier doch nicht, oder? Ich werde weiterhin gern dabei sein.

    Nörgler

    14. Oktober 2007 at 20:46

  66. Nö, läuft gar nicht schlecht! Kann richtig was draus werden, wenn man sich aneinandern gewöhnt hat …

    Und nachem ich jetzt den doofen Friedman fast durch habe, bin ich auch noch’n Stück mehr davon überzeugt, daß man wohl noch mal zu Marx zurückkehren muß 😉 … meine Güte, die Perspektive, die der einnimmt, ist wirklich so dermaßen weit ab von allen relevanten Erfahrungen, da ist so viel Tarnung und Ausklammern im Spiel, da finde ich ja schon die Marx-Zitat-Sammlung von dem Kurz ungleich ergiebiger. Also mal weiter jene Felder suchen, auf denen man da anknüpfen kann …

    momorulez

    14. Oktober 2007 at 21:22

  67. Kriterien, Abgrenzung, Einordnung – die an seinem Job als „Sektenbeauftragter für Linkswesen“ geschulte Vorgehensweise!

    Die Einordnung findet eben doch entlang des Institutionellen statt. Fromm war im Institut, Negt hat bei Adorno promoviert. Die weiteren von Dir Genannten gehören nach den Maßstäben der verwalteten Welt damit nicht dazu.
    Hinzu kommt, dass Adler therapeutisch gearbeitet hat und nicht primär gesellschaftstheoretisch, wenn wir den gleichen Adler meinen. Es gab zu Zeiten mehrere Links-Adler. Der späte Reich hatte Ideen, die etwas sonderbar wirkten, die Lebenskraft „Orgon“ und so.
    Lukacs wollte gar nicht dazu gehören, wegen „Grand Hotel Abgrund“ (die Formulierung als solche hat mir immer gut gefallen), in dem die revolutionsfaulen Bürger A&H sitzen. Zudem hätte seine Ablehnung der Literatur der Moderne nicht gepaßt, wiewohl er andererseits auch der plumpen parteitreuen „Arbeiterliteratur“ entgegengetreten ist.
    Für Mitscherlich und Sperber bin ich jetzt mal nicht zuständig.

    Nörgler

    14. Oktober 2007 at 22:43

  68. „Felder suchen, auf denen man anknüpfen kann“
    oder
    Laternen suchen, an denen man aufknüpfen kann 😉

    Nörgler

    14. Oktober 2007 at 22:48

  69. … wobei „Geschichte und Klassenbewußtsein“, welches ich nie gelesen habe, doch schon sowas wie Initialzündung für die Kritische Theorie war? Auch wenn sich Lukacszzcszcsz später davon distanzierte, aber das doch auch aus Linientreue? Irre ich?

    „War einmal ein Revoluzzer im Zivilstand Lampenputzer ging im Revoluzzerschritt mit den Revoluzzern mit und er sprach „Ich revolüzze!“, schob die Revoluzzermütze kühn hinter das linke Ohr, kam sich höchst gefährlich vor…“ fällt mir zu der Laterne ein. Also jetzt wirklich (!) nicht als Anspielung auf uns hier, sondern auf mich ganz allein 😉 …

    momorulez

    15. Oktober 2007 at 0:13

  70. Nicht die Inititialzündung für die KT, sondern für den „Neomarxismus“. G+K und die KT enstanden völlig unabhängig voneinander.
    Bisweilen wird die KT formell als eine Unterabteilung des Neomarxismus aufgefaßt, weil auch Horkdorno den Parteisozialismus, die sog. „materialistische Weltanschauung“ und dergleichen ablehnten.

    Man muß aber die radikal unterschiedliche Genese und Herkunft beachten: Der Neomarxismus entstand als Reaktion auf die gewaltigen Probleme, die in den 20er Jahren der Marxismus-Leninismus in der politischen Praxis und innertheoretisch hatte.
    Die KT hingegen ist ein Projekt der bürgerlichen Philosophie als deren Konsequenz.
    Der ML ist Bestandteil der Geschichte der Arbeiterbewegung. Mit der aber hatten Horkdorno nie etwas zu tun, weder der Herkunft ihres Denkens noch der persönlichen Herkunft nach.

    Nörgler

    15. Oktober 2007 at 1:49


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