shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Doitschland aus Migrantensicht

with 35 comments

Es hat sich schon rumgesprochen, daß das Verbrennen von libane-

sischen Kindern und das Umbringen von »Niggern« und »Kanaken«

eine zahlenmäßige Armseligkeit darstellt im Vergleich zu den effekti-

veren Mitteln der Kasernierung und der Schnellverfahren an den

Grenzen. Außerdem ist es ein völkisch wirtschaftlicher Unsinn, deut-

sche Baukomplexe (Flüchtlingsheime) und deutsche Wohncontainer

(Flüchtlingsquartiere) abzubrennen. Hinzu kommt, daß solche Taten

dem Ansehen des Landes im Ausland schaden.

Noch wird darauf Rücksicht genommen. Wie lange noch? Noch sind

die Verlierer unten zu wenig und die Sieger oben berechenbar. Was ist

bei der nächsten Krise? Bei der nächsten Rezession? Dieses Land hat

schon mal bewiesen, daß nicht alles immer rational läuft. Dieser Even-

tualität müssen wir Rechnung tragen. Um nicht wiederum mißverstan-

den zu werden: Der Rassismus ist immer und überall ein Verbrechen,

unabhängig von der Vergangenheit eines Landes, unabhängig von sol-

chen Eventualitäten:

Nur, aufgrund der Shoa bedeutet das Nicht-Verhalten im Rassismus,

daß das Verbrechen von damals akzeptiert wird. Wer nicht bereit ist,

diese Mindestanforderung wahrzunehmen, akzeptiert das Verbrechen.

MigrantInnen und Flüchtlinge als der einzige Maßstab, mit dem wir die

Verfaßtheit dieser Gesellschaft bewerten können. Alles andere ist irre-

levant!

Im Herbst ’91 sind in Deutschland drei Dinge passiert:

Erstens: Die Population dieses Landes hat klar und deutlich ihre

Bereitschaft signalisiert, End-Lösungen aktiv zu unterstützen.

»Was kann ich dafür, daß mir beim Anblick dieser Zigeuner der

Gedanke an Gasöfen kommt«, sagt einer im Spiegel, der seinen Laden

zigeunerfrei führt. »Das, was in Hoyerswerda gelaufen ist, war

schrecklich. Aber es war notwendig«, sagt ein deutsches Mädchen im

Fernsehen. Zwei Äußerungen von Hunderttausenden.

Diesem Tatbestand werden die jetzigen und alle zukünftigen Regie-

rungen so oder so Rechnung tragen müssen.

Zweitens: Die deutsche Intelligentia ihrerseits hat ebenfalls bewie-

sen, daß ihre Teilnahme an der Schaffung der entsprechenden ideolo-

gischen Infrastruktur, wo der Mob mit gutem Gewissen seine rassisti-

schen Ekstasen ausleben kann, möglich und nötig ist: Angefangen von

der Erstellung von bevölkerungspolitischen Konzepten, um den

Zugriff, die Kontrolle und die Überwachung von MigrantInnen und

Flüchtlingen zu effektivieren, bis hin zur ideologischen Rechtfertigung,

ja Bewunderung des völkischen Aufruhrs als etwas Rebellisches. Mal

ist der Modernisierungsschock daran schuld, mal die SED-Diktatur,

mal die Wohnungsnot. Wie gehabt. Die Täter wiedermal zu Opfern

machen. Der Rassismus wird somit als ein Naturrecht der Deutschen

propagiert, der auf die Tagesordnung gehört, wenn es den Deutschen

dreckig geht.

Drittens: Die politischen Formationen der Deutschen kennen inzwi-

schen in Sachen Rassismus keine Ideologien und keine Parteien mehr.

Nur noch Deutsche. Von CDU/CSU/FDP über SPD/Grüne bis hin zu

PDS, DKP, DVU, NPD, Bündnis-90. Eine Differenzierung bezüglich Ras-

sismus ist nicht möglich. Zwei Zitate aus der deutschen Parteienland-

schaft:

a) »Wirklich politisch Verfolgten müsse auch in Zukunft Asyl gebo-

ten werden. Vorfälle wie in Hoyerswerda sind eine Schande. Wir brau-

chen nämlich keine Anheizung der ohnehin schon viel zu sehr aufgela-

denen Atmosphäre durch die schon seit Jahren währende Diskussion,

ob das Grundgesetz geändert werden muß. Es braucht nicht geändert

zu werden.«

b) »Eine Ursache dafür (für die Pogrome, d.V.) liegt sicher darin,

daß die Folgelasten der Einwanderungswelle der vergangenen Jahre

die Bevölkerung und hier vor allem die ärmeren Teile zu tragen haben.

132

133


Zweitens: Weil wir diese Population nicht nach gesellschaftlich-

marginalen Positionen beurteilen können, sondern danach, wie die

erdrückende Mehrheit denkt und handelt.

Das nur der Vollständigkeit halber, aber auch weil diese Männer

und Frauen ein wichtiger Grund sind, warum viele von uns überhaupt

noch hier sind.

Denn es ist keine Selbstverständlichkeit in diesem Land, immer und

immer wieder Versuche zu unternehmen, ein Hauch von Kontinuität

zu bewahren und weiterzuentwickeln. Es ist keine Selbstverständlich-

keit trotz rassistischer Sozialisation den Versuch zu unternehmen, über

die eigenen Schatten zu springen und Konsequenzen für das eigene

Verhalten zu ziehen. So krass sind die Verhältnisse mittlerweile gewor-

den, daß selbstverständliches Verhalten auf einmal besonders hervor-

gehoben werden muß.

Für das freie Fluchen!

Frankfurter MigrantInnen

 

Aus: Geschichte, Rassismus und das Boot

Advertisements

35 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Bei solchen Texten werde ich das Gefühl nicht los, dass sie um „feste Einsichten“ herumkomponiert wurden. Es fehlt die Bereitschaft, den eigenen Standpunkt zu hinterfragen – der Rassismus der Gesellschaft wird vorausgesetzt und auf unbeholfene Weise wird dann aus missinterpretierten einzelnen Vorgängen eine Gesellschaftstheorie eines angeblich stets und ständig herrschenden Rassismus gezimmert.

    Wer immer der Autor oder die Autorin dieser Zeilen ist, er/sie ist unredlich, und zwar so unredlich, wie es politische Extremisten nun einmal typischerweise sind. Das ist keine Analyse, sondern ein monadisches Auskotzen über eine nur konstruierte – nie aber tatsächliche – Realität.

    Der/die Autor/in mag waidwund sein, aber es handelt sich hier offenkundig vorwiegend um Selbsttraumatisierung.

    Ich halte das, und die zur Schau gestellte innere Haltung für verachtenswert.

    Dr. Dean

    7. Oktober 2007 at 12:42

  2. Nebenbei: Für – eine leichte Form von – Rassismus würde ich es halten, wenn man derartigen politischen Hass- und Unsinnstexten nicht widerspräche, deshalb, weil sie (angeblich) von Migranten fabriziert wurden. Die Gruppe „Kanack Attack“, die eine ähnliche Haltung einnimmt, schreibt sehr ähnlichen Müll – aber in vorhandener Einsicht dafür, dass sie damit in erster Linie provozieren wollen.

    Übrigens habe ich die chauvinistischen männlichen Wortführer bei „Kanack Attack“ als echte Vollidioten erlebt, als ekelhafte und aggressive Politspinner – während die weiblichen Mitglieder der Gruppe sehr vernünftig waren – jedoch nicht den geringsten Niederschlag in den veröffentlichten Texten finden konnten. Sie vertraten tatsächlich eine den Gruppenführern entgegen gesetzte Position, waren enorm differenziert, aber sie unterlagen dem massiven Sexismus, der m.E. für linksextreme politische Gruppierungen nicht gerade untypisch ist.

    Die lautesten und aggressivsten Schreihälse haben das Sagen. Wirklich: Das gehört zur sozialen Realität hinter derartigen Texten – und dieser Umstand – also chauvinistischer Sexismus – erklärt auch den Großteil der eingenommenen Haltungen und der gewählten Formulierungen.

    Dr. Dean

    7. Oktober 2007 at 12:56

  3. Das der Dean durchaus in der Lage ist Kommentare zu verfassen die sich zwischen hahnebuechenem Unsinn und gequirlter Scheisse bewegen ist ja durchaus bekannt, das ich aber mal richt bock haben koennte auf ‚delete‘ zu hauen ist hingegen mal was ganz neues.

    Aber mehr als lautstark den Kopf zu schuetteln faellt mir dann doch nicht ein …

    loellie

    7. Oktober 2007 at 14:01

  4. Neinein, das war jetzt wirklich ein Typo und ich habe ueberhaupt nicht an ‚Richtblock’gedacht … 😉

    loellie

    7. Oktober 2007 at 14:20

  5. Ja, so ist er, unser Grödaz, der größte Denker aller Zeiten, der von Ökonomie mehr versteht als Marx, von Musik mehr als Schönberg und von der Schöpfung mehr als Gott.

    Nörgler

    7. Oktober 2007 at 14:46

  6. Tja, Dean, ich würde ja nun sagen, das ist ein von MigrantInnen anfang der 1990er, unter dem Eindruck von Hoyerswerda und Hünxe, verfasster Text, der mich sehr betroffen gemacht hatte und dessen Aussagen ich zur moralischen Richtschnur meines eigene Handelns gemacht habe. Ansonsten schließe ich mich Loellie an.

    che2001

    7. Oktober 2007 at 14:53

  7. Ich auch! Dean, Du lieferst den Beleg für die Tatsächlichkeit des Textes. Schon stilistisch. Und überhaupt. ManManMan.

    MomoRules

    7. Oktober 2007 at 17:55

  8. Das Ding mit „GröDaZ“ ist ja nun wirklich fade – insofern nicht einmal ein typischer Noergler. An Marx bleibt nicht sehr viel mehr, als dass er einige brillante Essays verfasst hat – und einen wichtigen, aber sehr randständigen Blick auf die Ökonomie verfasst hat. „Wissenschaft“ war daran nichts, sein Kategoriensystem taugt nichts und seine ökonomische Analyse ist zum Mäusemelken – höchst dürftig. Ob Schönberg mit seinen Kompositionen „Musik“ verfasst hat – oder nicht eher mathematische Rätsel, ist wieder eine andere Frage, aber kaum eine, die sich in Richtung „Musik“ beantworten lässt. Zur Schöpfung allerdings, um den dritten Punkt abzuhandeln, habe ich kaum etwas zu sagen, außer, in Anlehnung an Einstein, dass noch der kleinste Käfer ein Vielfaches mehr Wunder enthält als die komplizierteste von Menschen gemachte Maschine.

    Und was an dem „von Migranten“ verfassten Text grundfalsch ist, das seht ihr nicht???

    Der quillt doch über vor Falschheit.

    Dr. Dean

    7. Oktober 2007 at 21:12

  9. Du quillst über vor Borniertheit.

    che2001

    7. Oktober 2007 at 21:49

  10. Eine andere Meinung zu vertreten, nennt Che „Borniertheit“. Er täte besser daran, sich für die „Borniertheit“ zu interessieren – wenn er sich schon so schwer tut, sie zu verstehen.

    Achja: Um eben, diesmal echte, Borniertheit zu verhindern. Ich habe allerhand Verständnis für ideologische Voreingenommenheiten, nun, aber ich kann diesen ach-so-gradiosen Text völlig auseinander nehmen, wenn das gewünscht ist.

    Borniert wäre es, diesen Hasswerk und Erguss angeblicher Migranten inhaltliche Richtigkeit zuzuschreiben. Dieses Machwerk enthält Dutzende von Sätzen, die verkehrt sind, sogar völlig verkehrt.

    Ist es verkehrt, darauf hinzuweisen?

    Dr. Dean

    8. Oktober 2007 at 20:13

  11. In der selbstgerechten Form des Priesterrichters, der sich strikt weigert, die Erlebniswelt Anderer anzuerkennen, ist das verkehrt, arrogant, borniert und außerordentlich unerträglich, ja.

    MomoRules

    8. Oktober 2007 at 21:03

  12. Ich finde es einfach entsetzlich, wie paternalistisch Du über Migranten urteilst und ihnen vorzuschreiben meinst, wie sich sich zu definieren haben.

    che2001

    8. Oktober 2007 at 21:05

  13. na dean, dann mal butter bei de fische – was ist an dem „hasswerk“ und „erguss“ die „falschheit“?

    – etwa der fakt, dass seit mitte der 1980er jahre eine „asylpolitik“ von einer ganz großen koalition gefahren wird, die sich auf die begriffe repression und „raus mit denen bringen lässt?

    – etwa der fakt, dass seit den ersten wahlerfolgen von reps und dvu ende der 80er sich tatsächlich alle parteien darum bemüht haben, deren „ausländerprogrammatik“ in ihre programme aufzunehmen?

    – etwa der fakt, dass es seit beginn der 1990er tausende und abertausende an- und übergriffe nicht nur, aber speziell gegen flüchtlinge, migranten und leute mit anderer hautfarbe gibt – mit inzwischen ca. 130 toten als folge?

    – etwa der fakt, dass es in dieser zeit in diesem land die ersten pogrome seit dem „dritten reich“ gegeben hat, in hoyerswerda und besonders rostock dazu unter geradezu staatlicher beihilfe? wenn die bevölkerung dieses landes mehrheitlich tatsächlich konsequenzen aus dem ns gezogen hätte, wäre spätestens(!) mit diesen pogromen ein totaler stillstand des betriebs hier angesagt gewesen, hätten sich millionen auf den strassen befinden müssen. wie wir alle wissen, sah die realität etwas anders aus – rostock war parteiübergreifend anlaß für die verschärfung des asylrechtes.

    – etwa der fakt, dass die staatliche „flüchtlingspolitik“ nach gnadenlosen und ökonomisch selektierenden vorgaben arbeitet – und bei ihrer umsetzung dabei ebenfalls regelmäßig leichen produziert (dass sie dazu bspw. in form der residenzpflicht zum vorbild für ähnliche maßnahmen gegen alg-2-empfängerInnen geworden ist – ab dafür).

    – etwa der fakt, dass zu all dem beschriebenen die absolute mehrheit der bevölkerung nicht nur im stillen beifall klatscht (das wird dann nur dann durch die simulation von protest zb. in form von lichterketten unterbrochen, wenn die obrigkeit mal wieder schiß ums landesimage hat).

    zum text ließe sich eher anmerken, dass sich heute in der gesamten eu ähnliches finden lässt – und die 6000 toten flüchtlinge im letzten jahr an den eu-südgrenzen sind offensichtlich für otto, pierre und james durchschnittseuropäer kein großes problem. sind ja nur „wirtschaftsflüchtlinge“.

    nee dean, was Sie da präsentieren, kommt mir so vor wie das geschrei eines privilegierten weißen mannes, der das system, in dem er existiert, zwar kritik- und verbesserungswürdig, aber im großen und ganzen eigentlich okay findet – und sich eben darum bei einer tatsächlich fundamentalen und auch unversöhnlichen kritik auf den fuß getreten fühlt. und das ist tatsächlich nicht nur eine form von borniertheit, sondern ein beleg für einen großen weißen (!) blinden fleck in Ihrer wahrnehmung.

    mo

    8. Oktober 2007 at 21:28

  14. @Asyl und AlG2: Wie schon 1992 in der Schrift „Das Ausländerleistungsgesetz, Rassismus im Sozialstaat“ zu lesen war, ist die Asyl- und AusländerInnenpolitik so eine Art Testrange, wo die künftigen Strategien der Sozialpolitik gegenüber der gesamten ärmeren Bevlkerung ausprobiert werden.

    Mir kommt die Dean´sche Sicht als eine etwas andere Variante von „Die Juden sollen nicht immer so jammern wegen dem Holocaust“ oder „die Vergewaltigte sollte sich fragen, ob sie nicht provoziert hat“ vor.

    che2001

    9. Oktober 2007 at 7:36

  15. Dean ist bestimmt bald Schweizer.
    Ansonsten – für einen wenig in eure Rituale involvierten – klingt das hier sehr nach Klassenkloppe.
    Klassenkloppe unter mehrheits- und sozialweissen Mittelschichtbengels an einer Schule in HH-Altona, wo die Deans dieser Welt sich das erste Mal in ihrem Leben in einer Minderheit sehen.

    Diese masochistische Art, sich immer wieder mit euch/uns anzulegen, bewundere ich übrigens ein wenig.
    Und ich glaube auch zu verstehen, was ihn an diesem Text stört. Es ist die wütende Polemik.

    ring2

    9. Oktober 2007 at 7:40

  16. Ja, weil’s gute Gründe für Wut gibt, ist das eine wütende Polemik. Man kann natürlich Migranten auch noch das Recht auf Wut absprechen, klar.

    Hätte Dean argumentiert, dann könnte man ja darauf eingehen…

    momorulez

    9. Oktober 2007 at 7:45

  17. Ich kenne diese Wut, die Angst und den Hass ja aus unmittelbarem Erleben. Wenn man mitbekommen hat, wie Polizeibeamte beim Tod einer Demonstrantin kommentieren „Könnt Euch gleich danebenlegen“ oder beim „Negerklatschen“ von Naziskins in einer Disco der Funkverkehr der beobachtenden Zivilstreife lautet „Ein ausländischer Mitbürger betritt die Disco. Bin gespannt, wie er wieder rauskommt!… Aus der Disco wurde soeben ein Notarztwagen verständigt. Ich glaube, unser Freund sieht gut aus.“ (kein Eingreifen der Polizei), wer mitbekommen hat, wie Leute, die schon blutend auf dem Bürgersteig liegen noch den „Bordsteinkick“ bekommen, der kann diese Wut und Betroffenheit nur zu genau verstehen. Um so unverständlicher erscheint mir Deans Abknanzelei des Textes. Bitte, Dean, zerpflück ihn en detail, nimm ihn auseinander, wundere Dich aber nicht, wenn ich Deine Argumentation genauso detailliert widerlege.

    che2001

    9. Oktober 2007 at 8:19

  18. „Für das freie Fluchen!“ steht da nicht umsonst.

    che2001

    9. Oktober 2007 at 8:20

  19. Das wär ja nun mal albern, jemandem das Recht auf Wut abzusprechen. Die direkte polemische Linie, die da vom „Verbrennen libanesischer Kinder“ zu „Bündnis 90“ gezogen wird ist es aber auch: albern. Das macht dann berechtigte Wut so überschäumend, dass sie dann weniger ernst wird.
    Das ärgert mich an dem Text, wenn ich seiner Grundaussage auch immer zustimmen kann, ob 1992 oder heute. Ich kenne auch die Erfahrungen mit un- oder anders motivierten Polizisten, alle selbst auch gemacht. Eine gesellschaftliche Verschwörung zur „völkischen Bereinigung Deutschlands“, bei der Bundestag, Polizei und sich bepissende Nazigröler Hand in Hand arbeiten ist aber arg paranoid. Oder lese ich das komplett falsch da oben?

    p.s. Für das freie Fluchen bin ich ja auch.

    ring2

    9. Oktober 2007 at 9:54

  20. „Eine gesellschaftliche Verschwörung zur “völkischen Bereinigung Deutschlands”, bei der Bundestag, Polizei und sich bepissende Nazigröler Hand in Hand arbeiten ist aber arg paranoid.“

    Nö, genau so habe ich das auch wahrgenommen. Exakt so.

    momorulez

    9. Oktober 2007 at 9:57

  21. Ich lese den Text jedenfalls komplett anders. Nicht eine gesamtgesellschaftliche Verschwörung, sondern ein gesamtgesellschaftlicher Konsens, bei dem AusländerInnen als Problem und Einwanderung als Zumutung für die ärmeren Schichten der deutschen Bevölkerung betrachtet wird, reicht von schwarz bis grün und eben auch braun. (Nicht umsonst gibt es z.B. beim niedersächsischen Innenmimnisterium ein Referat 42 für Ausssiedler, Asylbewerber und Müll.) Konsequenter Antirassismus wäre, zu sagen, Beibehaltung des einklagbaren Asylrechts als Garantie, keine Sammelunterbringung in Lagern, keine gewaltsame Abschiebung, kein Sonderrecht, das Flüchtlinge, Asylsuchende und Migranten schlechter stellt als Deutsche, kein Ausländerleistungsgesetz mit seiner Schlechterstellung nichtdeutscher Leistungsbezieher gegenüber deutschen Soziempfängern, Verfolgung rassistischer Straftaten als Terrorismus. Solche Positionen hat überhaupt keine im Deutschen Bundestag vertretene Partei geäußert, sondern alle haben sich mit unterschiedlichen Eskalationsgraden an einem Repressions- und Restriktionskatalog abgearbeitet. Außer den Autonomen und Menschenrechtsorganisationen wie Pro Asyl und teilweise den Kirchen hat solch umfassende antirassistische Forderungen niemand erhoben. Und ich finde es völlig legitim zu sagen, dass, wer angesichts rassistischer Pogrome, wie es sie damals gab, an einer restriktiven Flüchtlingspolitik festhält, sich aus Sicht der Flüchtlinge mitschuldig macht. Ich habe die verschiedenen Beiträge zur Wahrnehmung aus Flüchtlingssicht, z.B. auch dazu, was das multikulturelle Konzept mit Verkehrsberuhigung zu tun hat, nur aus Gründen der Lesbarkeit getrennt gepostet, sie müssen aber im Zusammenhang gelesen werden.

    che2001

    9. Oktober 2007 at 10:11

  22. kurz: wie Che seh ich das auch. Und zwar aus eigener und vermittelter familiärer Erfahrung. Man muss schon ganz dazugehören zum „einen Volk“, sonst wird das nix. Nur Volk sein reichte 92/93 jedenfalls akut gar nicht aus.

    T. Albert

    9. Oktober 2007 at 10:35

  23. Es ist keineswegs albern die Gruenen im gleichen Atemzug mit DVU und NPD zu nennen, erst recht nicht im Zusammenhang mit Rostock. Die nach dem Brand stattgefundene Elefantenrunde mit Spitzenvertretern aller Parteien war das mit Abstand wiederlichste was ich je in Glotze ansehen musste. Ein ekelhaftes sich gegeneinander auf die Schulter klopfen, sich bestaetigen was man fuer saubere Demokraten sei, wie boese „die da“ seien und ueberhaupt, hat man damit ja goarnix zu tun.
    Vergessen das die NPD damals im Todeskampf am Tropf des verfassungsschutz hing, vergessen, das die Union auf dem „Das Boot ist voll“-Ticket Wahlkampf machte, vergessen, das die anderen Parteien dies aufgriffen und die Gruenen lieber mal den Ball etwas flacher hielten als auch schon.
    Mir ist unklar, wie man jetzt jemandem, der sich voellig zurecht in seiner Existenz bedroht fuehlte ueberschaeumende Wut nachtragen und Paranoia attestieren kann.

    Wenn man sich dann noch reinzieht, wie nonchalant Rayson hier unlaengst (wegen falscher Tatsachenbehauptung redigiert, MR) argumentierte und Boche gerade beim Balou Hayeks voelkisch motivierte Gewaltfantasien in Form von milliardenfach unterlassener Hilfeleistung … ok … mit Vorsatz und aus Habgier isses dann doch Mord … als „gesunden Menschenverstand“ aplaudiert …

    Und immer immer wieder frag ich mich aufs neue, wie so nette und blitzgescheite Jungs, wie sie hier zusammen sind, mit sowas ueberhaupt diskutieren koennen. Ich verstehs einfach nicht. Auf Hilfsschueler-Proll-Niveau heruntergebrochen seh ich da keinen Unterschied mehr, als wuerd ich mich zwischen den Brandschatzenden Mob in Rostock stellen und fragen „Hat wer noch ’nen Molli“.

    loellie

    9. Oktober 2007 at 10:36

  24. Rayson hat hier noch nie in seinem Leben (redigiert, MR), nun bleib mal auf dem Teppich, meine Güte. Rayson, wenn Du willst, lösch ich das prompt (ist erledigt).

    Den ersten Absatz kann ich aber voll unterschreiben.

    momorulez

    9. Oktober 2007 at 10:50

  25. Und was war das denn dann was er sich bei seinen letzten homophoben Ausfaellen zum Thema schwulen-ehe geleistet hat?
    Bleib du mal aufm teppich, echt jetze

    wenn de das loeschst kannste dir deine scheiss webseite hier reinschieben wo’s wehtut . dummbratz hirnloser

    loellie

    9. Oktober 2007 at 10:56

  26. Loellie, kürzer schalten, sowohl bei rayson als auch boche, soll´n das?

    Der Rest stimmt sehr wohl. Und es gibt schon gute Gründe, wieso das sehr empfehlenswerte Buch, aus dem die drei zitierten Passagen sind, ausgerechnet „Geschichte, Rassismus und das Boot“ heißt.

    che2001

    9. Oktober 2007 at 10:59

  27. Na, dann schiebe ich mir die Webseit jetzt da rein, wo’s weh tut, und lösche das, ich hirnloser Dummbratz. Bzgl. der Homo-Nummern habe ich mich nun weiß Gott intensivst genug hier rumdiskutiert, aber auch das geht ohne jegliche Bezugnahme auf’s 3. Reich oder verschärfte Unterstellungen, wobei das in dem Fall schon alles schlimm genug war …

    momorulez

    9. Oktober 2007 at 11:06

  28. Peace, fellows, peace! Regelt Euch mal´n bißken runter, ey! *kopfschüttel*

    che2001

    9. Oktober 2007 at 11:11

  29. „sondern ein gesamtgesellschaftlicher Konsens“

    Danke, das war wichtig.
    Komme mir als advokat hier auch langsam doof vor.

    ring2

    9. Oktober 2007 at 14:26

  30. @MR

    Danke.

    Aber etwas allgemeiner gesehen ist es schon interessant zu sehen, wie mies die Ausbeute an Kommunikation in der Blogosphäre ist. Da argumentiert man sich hier und da einen Wolf, aber das bleibt ohne Spuren. Es gibt immer Menschen, und mir scheinen sie in der Mehrheit zu sein, denen es völlig egal ist, wie eine andere Position begründet wird, weil sie offenbar große Angst vor allem haben, was ihre eigene Welt aus Vorurteilen, in der man sich heutzutage wirklich herrlich bequem einrichten kann, bedrohen könnte. Die Argumente der anderen wollen sie gar nicht hören. Sie suchen nach bekannten soziologischen Mustern die permanente Selbstbestätigung unter Gleichen und die scharfe Abgrenzung nach außen. Die eigene, selbstgewählte Gruppenidentität trägt anscheinend nicht ohne das Feindbild, das deswegen unter allen Umständen aufrecht erhalten werden muss. Lieber ersetzen sie die Argumentation der anderen durch eine selbst entworfene, die mit ihren Zerrbildern in Übereinstimmung zu bringen ist.

    So macht es die Mehrheit, und eigentlich ist es auch nicht verwunderlich. Dankbar muss man für die paar Ausnahmen sein, die sich zwischendurch mal ergeben, aber auch nicht immer durchgehalten werden. Aber es stimmt auch traurig: Genau von diesen Mustern leben die Demagogen seit Jahrhunderten.

    Und wer jetzt meint, ich zielte damit auf eine bestimmte Gruppe, ist schon mitten drin in dem Schema…

    Rayson

    9. Oktober 2007 at 18:53

  31. @Rayson:

    Keine Sorge, ich zumindest habe das überhaupt nicht auf eine bestimmte Gruppe bezogen. Finde auch, daß Du da in jeder Hinsicht recht hast, was jetzt auch ausdrücklich als Selbstkritik gemeint ist (wobei ich mir bei Friedman z.B. immer sage: „Mönsch, Momo, geh jetzt da mal ganz vorurteilsfrei ran!“, und nach 3 Seiten hat er mich wieder davon abgebracht. Das bin nicht nur ich! Das ist er mindestens genau so!). Saß/lag, ach, irgendwas dazwischen, auch gerade auf meinem Sofa und grübelte so vor mich hin über eben diese Muster, da kommt auch gleich oder morgen früh noch mal was zu. Ist ja auch aktuell ziemlich akut, würde ich mal sagen.

    Was gleich oder morgen früh kommt, ist was über Sartre. Weiß gar nicht mehr, warum das Buch von Arthur C. Danto hier neben dem Computer rumliegt, über den Sartre eines, das paßte aber gerade. Dann guckte ich also rein, und stolperte fast als erstes über die legendäre Szene, in der Raymond Aron 1932 Sartre die Husserlscher Phänomenologie nahe brachte 😉 …. ist jetzt ein halber Insider, aber das ist doch irgendwie wenigstens ein klein wenig Fusion. In manchen Ursprüngen zumindest.

    momorulez

    9. Oktober 2007 at 20:08

  32. Stimme da auch zu. Und werde, glaube ich, den Dahrendorf erstmal nicht lesen, da warten noch ein Haffner, ein Habsbawm und mehrere Bände Quantenphysik auf mich. Vielleicht überkommt´s mich aber auch ganz spontan.

    che2001

    9. Oktober 2007 at 21:03

  33. Ich werde mich dann mal Boche anschließen, was die Präsenz hier betrifft. Nicht aus Verärgerung, sondern aus Einsicht. Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens scheint auch für übergreifende Diskussionen zu gelten. Wenn man feststellt, dass man selbst sich zu wiederholen beginnt und auch von der anderen Seite wieder nur allzu Bekanntes liest, wenn man merkt, dass die eigene Position nicht so wahrgenommen wird, wie man sie versucht darzulegen, sondern in einer als verfälscht und verzerrt erlebten Weise, dann hilft es auch nicht, wenn sich die diskutierenden Personen gegenseitig ihrer Wertschätzung versichern. Dann ist wohl einfach der Punkt erreicht, an dem es sinnvoll nicht mehr weitergeht.

    Das meine ich nicht als Vorwurf, sondern das ist einfach mein ganz persönlicher, höchst subjektiver Eindruck und als solcher natürlich auch nicht zu „widerlegen“.

    Die Polemiken und Postulate können wir uns von Blog zu Blog um die Ohren hauen, dazu muss keiner die Kommentarsektion des anderen besuchen. Und wenn es denn so ist, dass die Präsenz anderer Meinungen in der Kommentarsektion politischer Blogs von einigen Lesern ganz und gar nicht verstanden wird, dann tut man diesen damit sogar noch etwas Gutes.

    Für die Momente des Aneinanderreibens, die zwischendurch tatsächlich sowas wie produktive Energie erzeugt haben, also einstweilen vielen Dank. Man sieht sich.

    P.S.: Bei Foucault bin ich zwar nach ca. einem Drittel hängengeblieben, halte aber natürlich mein Versprechen, auch wenn es noch etwas dauern kann.

    Rayson

    10. Oktober 2007 at 13:40

  34. Na, kommt Zeit, kommt Rat, zumindest läse ich Deine Foucault-Interpretation gerne, wenn Du fertig bist.

    che2001

    10. Oktober 2007 at 14:15

  35. @Rayson:

    „wenn man merkt, dass die eigene Position nicht so wahrgenommen wird, wie man sie versucht darzulegen, sondern in einer als verfälscht und verzerrt erlebten Weise.“

    Könnte ja daran liegen, daß sie falsch ist, die Position, also gar nicht auf das referiert, worauf sie zu referieren glaubt.

    Ich stelle mir genau diese Frage bezüglich meiner eigenen Position täglich, sonst hätte ich mich auf all diese Kontroversen mit „euch“ überhaupt nicht eingelassen. Und sehe mich bisher in meinem alltäglichen Arbeitsleben wie auch beim Medienkonsum doch zumeist verifiziert, würde aber nie ausschließen, das sich das ändert, überhaupt nicht. Aber ich kann mich jetzt auch schlecht volkswirtschaftlichen Theorien gegenüber begeistert öffnen, die mit meinem Arbeitsalltag und allen mir sichtbaren, sozialen Umfeldern rein gar nichts zu tun haben, sorry.

    Während mir aber Perspektiven, die Du z.B. aus Deinen beruflichen Erfahrungen berichtest, tatsächlich halfen. Dieser Manager da in Zug neulich, habe drüben bei Metalust drüber geschrieben, dem hätte ich tatsächlich nicht zugehört, bevor ich mit Dir diskutiert hatte. Das hat mir beim Differenzieren vielleicht nicht beim Großen und Ganzen, sehr wohl aber beim Konkreten schon geholfen.

    Soll heißen: Die richtig scharfen Kontroversen entstehen zwar meist rund um Identitätsfragen in der einen oder anderen Form, und das sind ja dann meist auch die dööfsten, aber mir zumindest geht’s ja nicht darum, eine Reinheit der Lehre darzulegen, sondern auch euch als „potenzielle Falsifikatoren“ zu „nutzen“, aber da muß ja jeder selbst wissen, ob er sich nun lieber mit Welt oder mit sich selbst beschäftigen will.

    Und das ist dann eben der zweite Anlaß für Kontroversen: Nicht die Frage noch Deutungshoheit oder der „Stigmatisierung von Fremdgruppen“, sondern schlicht und ergreifend soziale Realitäten. Aber da fand sich ja neulich schon mal die Theorie, es mache halt glücklicher, wenn man diese nicht wahrnimmt, okay. Von mir aus.

    Ich meinerseits bin bis zu einem Punkt wie „Trackbackspammen“, was eben als Unterstellung nur die Unfähigkeit zur Kommunikation belegt, im Grunde genommen froh über jede Form von Gegenwind, oft froh erst mit Zeitverzögerung, zugegeben, auch massivem Gegenwind, sei’s von Loellie, dem Noergler oder Dir oder Boche. Alles andere würde ich als Stagnation erleben, ich finde das produktiv, alles andere widerspräche auch meiner Vorstellung eines guten Lebens. Man wächst nur an Widerständen, sozusagen. Ganz dialektisch.

    Insofern: Bye und schade! und ich freu mich auch auf Deine Auseinandersetzung mit Foucault.

    MomoRules

    10. Oktober 2007 at 15:02


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s