shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Um die „Seele“ geht’s: Umerziehung im neofeudalen Sinne

with 47 comments

Frau Thatcher war wenigstens ehrlich. Kann man ja bei Batista-Fans und anderen täglich lesen, daß es sich bei dem ganzen neoliberalen Gerede im wesentlich um ein Herrschaftswissen zur Sozialtechnologie handelt. Nunmehr findet man bestätigt, daß die Propagandisten das sehr wohl, gegenteiligen Beteuerungen, ihr Denken habe auch nur irgendetwas mit „Freiheit“ zu tun,  immer schon wußten, daß dem so ist: In der FR vom Samstag findet sich die Urmutter der organisierten Menschenverachtung wiefolgt zitiert:

„Die Wirtschaft ist nur die Methode. Das Ziel ist es, die Seele zu verändern.“

In dieser Mischung aus Pastoralmacht und Psychoanalytiker-Gestus geht das zumeist auch auf, dieses Denken; entnommen ist der Satz einer Rezension über David Harveys „Kleine Geschichte des Neoliberalismus“. Matthias Becker, derRezensent, subsummiert:

 „Als wirtschaftspolitisches Konzept sieht die Bilanz schlechter aus, selbst am eigenen Maßtstab gemessen: „In den 1960er Jahren lagen die jährlichen Wachstumsraten der Weltwirtschaft bei etwa 3,5 Prozent, selbst in den krisenhaften 1970er Jahren gingen sie lediglich auf 2,4 Prozent zurück“. Heute liegt das globale Wachstum bei etwa einem Prozent, während die Ungleichheit der Einkommen explodiert. Das Hauptmerkmal des Neoliberalismus ist für Harvey die „Akkumulation durch Enteignung“: der Transfer von Reichtum über die Finanzmärkte beziehungsweise Profite durch Privatisierung. Diese Strategie könne aber nicht länger aufrecht erhalten werden, schon weil Finanzkrisen sich häuften.“

Matthias Becker, Die Freiheit, ein verirrtes Pferd, in Frankfurter Rundschau, 6.10. 2007, S. 23, die Zitate sind aus David Harvey, Kleine Geschichte des Neoliberalismus, Rotpunktverlag, Zürich 2007

„People have the Power“ singt Patti Smith hier gerade, während ich schreibe. Na, vielleicht kommen wir da ja wieder hin.
Because the night belongs to lovers. Und the Day ja eigentlich auch. Aber genau das wollen sie uns ja versauen … und das Buch von Herrn Harvey muß ich mir dann wohl man zulegen.

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Written by momorulez

8. Oktober 2007 um 7:55

Veröffentlicht in Ökonomie, Regierung der Kultur

47 Antworten

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  1. Hilfe zur Selbsthilfe.
    Was in der Entwicklungshilfe gut ist, ist in der Wohlstandsgesellschaft Ausdruck von „Herrschaftswissen“ und „Sozialtechnologie“.

    Boche

    8. Oktober 2007 at 8:20

  2. Wem wurde denn da geholfen? Den englischen Bergarbeitern, deren Streik mit Knochenbrechen und Gas niedergeschlagen wurde, oder den Obdachlosen, denen Thatcher die Stütze kürzte, oder den rebellierenden Jugendlichen in Nordirland, denen Áugen rausgeschossen wurden? OK, wenn die gesellschaftlichen Widersprüche groß genug sind, führen solche Verhältnisse zum ASufstand, das wäre dann eine indirekte Hilfe zur Selbsthilfe 🙂

    Ansonsten würde ich die Thatcher´sche Politik als ein Programm gezielt betriebener Verarmung weiterer Bevölkerungsschichten als Voraussetzung zu einer verschärften unmittelbaren Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft bezeichnen.

    che2001

    8. Oktober 2007 at 8:35

  3. Wer sagt denn, was in der Entwicklungshilfe gut sei? Zudem da in der Entwicklungshilfe von „Hilfe zur Selbsthilfe“, was ich schon in der Behindertenarbeit als Motto eine Unverschämtheit Behinderten gegenüber fand, entprechend aufrecht gehenden Afrikanern gegenüber erst recht, eh nur von „Liberalisierung der Märkte“ die Rede ist auf der einen Seite und paternalisierenden Hilfprojekten auf der anderen, jetzt mal das Vernünftige außen vor lassend 😉 , während man deren Quellen verscherbelt und Rohstoffe abgezogen werden wie eh und je … der einzige Grund, daß Merkel da in Afrika gerade rumturnte, ist doch, daß eure Chinesen gerade dabei sind, sich den Kontinent unter den Nagel zu reißen.

    MomoRules

    8. Oktober 2007 at 8:38

  4. Wobei Merkels Angebote dann auch eher Augenwischerei sind, wenn der Chines´ mal auf die Schnelle dem Sudan das ganze Eisenbahnnetz neu baut.

    che2001

    8. Oktober 2007 at 8:45

  5. @che

    Ich bezog mich auf den Link hinter den kritisierten Begriffen. Zu Thatcher und dem, was du da schreibst, kann ich mangels Kenntnis nichts sagen.

    @MR

    Zudem da in der Entwicklungshilfe von “Hilfe zur Selbsthilfe”, was ich schon in der Behindertenarbeit als Motto eine Unverschämtheit Behinderten gegenüber fand,…

    Bist du behindert? Vielleicht solltest du die besser mal fragen, ob sie lieber Almosen oder Unterstützung bei einem möglichst selbstständigen Leben haben möchten. Dank persönlicher Bekanntschaft zu Behinderten tippe ich für meinen Teil auf letzteres.

    … eh nur von “Liberalisierung der Märkte” die Rede ist auf der einen Seite und paternalisierenden Hilfprojekten auf der anderen

    Liberalisierung der Märkte ist sicher ganz doll schlimm für die sozialdemokratische Wahlklientel in Deutschland. Um die sollte es doch aber nicht gehen, oder?
    Und was du jetzt mit paternalisierenden Hiflsprojekten meinst, während ich von Hilfe zur Selbsthilfe schrieb, ist mir unklar.

    während man deren Quellen verscherbelt und Rohstoffe abgezogen werden wie eh und je …

    Wer verkauft da wem was und wer bekommt das Geld dafür? Das ist doch die eigentlich interessante Frage, mit der wir eher bei lokalen Unzulänglichkeiten wie Diktaturen und nicht-freien Märkten landen als beim bösen Kapitalismus des Westens.

    der einzige Grund, daß Merkel da in Afrika gerade rumturnte, ist doch, daß eure Chinesen gerade dabei sind, sich den Kontinent unter den Nagel zu reißen.

    Ach so, ja. Unsere Chinesen. Alles klar. Da kann ich jetzt nichts erwidern und verbleibe sprachlos vor deiner Argumentgewalt.

    Boche

    8. Oktober 2007 at 8:48

  6. Eigentlich gehören die Chinesen sich selbst 😉

    che2001

    8. Oktober 2007 at 8:53

  7. Sollten Sie. Leider wurden sie von den Kapitalisten aufgekauft und müssen nun zu Hungerlöhnen schuften.

    Boche

    8. Oktober 2007 at 9:01

  8. So, da warte ich einfach weiter auf das folgende Buch:
    Wolfgang Fach: Die Regierung der Freiheit. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 2003.

    lars

    8. Oktober 2007 at 9:08

  9. Mit fiele da noch Timothy Garton Ash ein, der 1998 im SPIEGEL-Interview sagte, eine gesunde Volkswirtschaft müsste einen Bodensatz von 20-30% Bevölkerung haben, die dauernd im Elend leben, um so den Druck aufzubauen, dass die Erwerbsbevölkerung zu allen Bedingungen arbeitet, die ihr vom Kapital geboten werden, und es müsse das Ziel sein, in den nächsten zwei Jahrzehnten Frankreich und Deutschland durch Zerschlagung der Sozialsysteme dort hinzubekommen.

    che2001

    8. Oktober 2007 at 9:15

  10. Dann ist ja endlich die Diskussion um die Bedeutung beendet. Das es dazu nur eines alten Thatcher-Zitates aus einer Neoliberalismus-Kritik die sich selbst als „Kleine Geschichte“ bezeichnet (Geschichte soll wohl objektiv klingen) bedurfte verwundert mich nur. Dass Ökonomie als fester Teil eine der Säulen einer jeden Gesellschaft auch ein wichtiger Faktor was Mentalität/Kultur/etc angeht ist zumindest für mich keine Überraschung.

    Und wenn ich mich recht erinnere wollen ja viele durch eine „andere“ Ökonomie sich auch eines solchen Mechanismus bedienen.

    Dann könnte man natürlich sagen, dass es darum geht dass diese „Seelenveränderung“ (Herz und Seele im Original – komisch warum das nicht mitübersetzt wurde) „von oben“ durchgedrückt würde – was an sich definitiv ein gutes Argument ist. Da könnte aber natürlich auch wieder der gemeine liberale Reflex kommen, der behauptet der andere Zustand wäre „von oben durchgedrückt“ wo wir wieder so ungefähr bei jeder zweiten Diskussion angekommen wären – und so schließt sich der Kreis der Diskussionökonomie.

    googlehupf

    8. Oktober 2007 at 9:25

  11. Wenn er das so gesagt haben sollte (ich könnte mir bei dir aber durchaus auch eine vorgenommene Dramatisierung vorstellen), sage ich, dass es immer einen Bodensatz an Intellektuellen geben muss, die Schrott erzählen. Damit wir uns positiv davon abheben können.

    Boche

    8. Oktober 2007 at 9:27

  12. Schade, dass MIR diese Formulierung damals nicht eingefallen ist, wäre ja ein guter Aufhänger für eine Antwort im SPIEGEL gewesen 😉

    che2001

    8. Oktober 2007 at 10:29

  13. *wendet sich ab und murmelt was von „unerträglich wie die katholische Kirche mit ihrem Monstranzen, die Liberallalas…“*

    jolly rogers

    8. Oktober 2007 at 11:18

  14. @Boche:

    „Bist du behindert? Vielleicht solltest du die besser mal fragen, ob sie lieber Almosen oder Unterstützung bei einem möglichst selbstständigen Leben haben möchten.“

    Ich bin’s nicht, habe aber 5 Jahre lang in dem Sektor gearbeitet. Und Selbstbestimmung hieß für mich gerade nicht, denen nun ständig „Hilfe zur Selbsthilfe“ aufzuquatschen und sie zwanghaft zu „fördern“, ob sie nun wollen oder nicht, sondern ihren Willen zu respektieren, z.B. auch deren Recht auf Faulheit. Das ist für mich ganz außerordentlich entscheidend, dieser Unterschied.

    „Liberalisierung der Märkte ist sicher ganz doll schlimm für die sozialdemokratische Wahlklientel in Deutschland.“

    Ist das ein Argument? Nach allem, was ich bei Balou und auch sonst so lese, ist das aber auch gar nicht die Frage, was deutsches, sozialdemokratisches Klientel da denkt, sondern was die erzwungene Liberalisierung für Länder z.B. in Afrika bedeutet.

    „Wer verkauft da wem was und wer bekommt das Geld dafür?“

    Das gehörte jetzt freilich vertieft; der Fall ist z.B., daß irgendwelche Fimren den Leuten das Wasser wegsaufen usw. – das ist dann eine in der Tat empirische und keine prinzipielle Frage.

    Na, und „eure Chinesen“ eben, weil die ja das machen, was euch offenkundig immer mal wieder vorschwebt: Kapitalismus ohne Demokratie … für das, was Statker drüben beschreibt, brauchst Du keine.

    @Googlehupf:

    Nee, so einfach ist die Sache nicht, wenn man Statlers Argumentation oder Herrn Friedman liest. Das sind Umerziehungsdoktrinen, und es Beratertätigkeit für Regierungshandeln. Diese ganze Anreiz-Argumentation ist ja nun explizit eine Forderung, Verhalten von Personen über eben diese zu steuern.

    MomoRules

    8. Oktober 2007 at 13:48

  15. @MR

    Das Recht auf Faulheit – nette Idee. Ich werde sie gern auf Relevanz prüfen, wenn angefangen wird, Behinderte zu Zwangsarbeit zu verpflichten.
    Bis dahin kann ich nur von meinen Erfahrungen ausgehend urteilen. Und die sprechen von dem Willen, möglichst selbstständig zu sein, trotz Behinderung.

    „Erzwungene Liberalisierung“ ist wie „unbefleckte Empfängnis“: Im Rahmen eines Glaubens akzeptabel aber außérhalb dessen kaum sinnvolle Diskussionsgrundlage.
    Ich würde mal ganz stark davon ausgehen, dass gerade Afrika auf Liberalisierung warten dürfte.

    Na, und “eure Chinesen” eben, weil die ja das machen, was euch offenkundig immer mal wieder vorschwebt: Kapitalismus ohne Demokratie …

    Offenkundig? Quatsch mit Soße.

    Boche

    8. Oktober 2007 at 13:58

  16. Ich würde mal ganz stark davon ausgehen, dass gerade Afrika auf Liberalisierung warten dürfte.
    Ach ja? Was WEltbank und Internationaler Währungsfond dort machen und dort auch „Liberalisierung“ heißt (die nennen das wirklich so) ist das Verkaufen bisher staatlicher Wasserrechte an private Firmen, die dann den Bauern das Wasser für Geld verkaufen. Und wer keins hat – na, im Verrecken waren die Schwarzafriksner dem Rest der Welt ja schon immer voraus.

    che2001

    8. Oktober 2007 at 14:04

  17. @che

    Grundsätzlich dürfte die Privatisierung aber richtig sein. Weil dann der Erhalt der Infrastruktur wahrscheinlicher ist als wenn ein korrupter und möglicherweise klammer Staat sich drum kümmern soll.
    Wie das konkret und im Einzelfall aussieht und ob die Versorgung dadurch schlechter als vorher ist und ob es tatsächlich dazu führt, dass Leute gar nichts mehr bekommen – das wäre zu betrachten. Auch, wie Weltbank und IWF soziale Härtefälle berücksichtigen.

    Die Geschichten klingen mir ein wenig zu pauschal und plakativ, als dass ich sie für bare Münze nehmen könnte.

    Boche

    8. Oktober 2007 at 14:08

  18. Sicher, auch in Darfur gibt es in Wirklichkeit nur religiöse Meinungsverschiedenheiten, die man lieber herrschaftsfrei ausdiskutieren sollte, dass dort Hunger und Massenmord stattfinden ist ein wenig zu pauschal und plakativ, als dass man das für bare Münze nehmen könnte.

    che2001

    8. Oktober 2007 at 14:15

  19. Es bleibt pauschal und plakativ. Hab grad besseres zu tun.

    Boche

    8. Oktober 2007 at 14:20

  20. Eine Fülle pauschaler und plakativer Fälle findet man bei Stieglitz (Nobelpreistärger und Ex-Weltbankchefökonom)in „Schatten der Globalisierung“. Was man dort auch findet ist, dass insbesondere der IWF „Härtefälle“ nicht berücksichtigt, sondern Härtefälle massenhaft und flächendeckend überhaupt erst schafft.

    Nörgler

    8. Oktober 2007 at 14:26

  21. Ach was, auch der Zweite Weltkrieg war nur eine zufällige kumulative Anhäufung einiger Millionen bedauerlicher Einzelfälle.

    che2001

    8. Oktober 2007 at 14:27

  22. Aus neoliberaler Sicht war der zweite Weltkrieg ein Akt kreativer Zerstörung nebst Beseitigung überflüssiger Biomasse, die im zunehmend rationalisierten industriellen Produktionsproszess nicht mehr gebraucht wurde.

    jolly rogers

    8. Oktober 2007 at 15:19

  23. Eben da setzen Hartmann, Heim, Aly und Roth mit ihrer „schöpferischen Zerstörung“ und „Vernichtung der überflüssigen Esser“ an.

    che2001

    8. Oktober 2007 at 16:29

  24. @Momo:
    Gut; sagen wir dass es nicht so einfach ist. Dann würde mich aber mal der fundamentale Unterschied zu linker „Verhaltenserziehung“ interessieren – jetzt mal in verschiedenen Ausprägungen: Mal plakativ angefangen bei der pater|maternalistichen(?) Öko/Gesundheitserziehung über Basisinitativen „alternativen“ Wirtschaftens hin zum „neuen Menschen“?

    googlehupf

    8. Oktober 2007 at 16:44

  25. Wären meine Eltern nicht so auf „pauschal“ der Hut gewesen, vor allem gegenüber „organisierten Hilfestellern“, wäre ich jetzt auch „offiziell behindert“.
    Das hätte sicher meine Seele verändert.

    (Tolles Zitat!)

    ring2

    8. Oktober 2007 at 16:45

  26. Wie so mancher der sich hier als „marktradikal“ vorstellenden Kommentatoren auch. Du bist nicht allein, Ring2.

    jolly rogers

    8. Oktober 2007 at 17:30

  27. @Googlehupf:

    Na, in diesen, von Dir skizzierten skizzierten Entwicklungslinien sehe ich ja „neoliberale Projekt“, insbesondere in jener des „neuen Menschen“, weil ich diese Form der DDR-Agitation immer schon widerlich fand und mich vieles aus der Wiwi-Ecke, was dann Politik implementiert wird, genau daran erinnert.

    Die Frage der Ökologie ist ja zunächst mal keine, die Menschen irgendwelche Charaktereigenschaften oder ähnliches abverlangt.

    Das war für mich immer eine des Versuchs zu überzeugen. Daß z.B. die Ökosteuer sich auch diesen „Anreiz“-Philosophien verdankt, das ist wohl der Fall, selber schuld. Und „alternatives Wirtschaften“ ist ja nix, was per Gesetz zwangsverordnet, sondern allenfalls geschützt werden sollte meiner Ansicht nach.

    momorulez

    8. Oktober 2007 at 18:20

  28. Liberalen zu unterstellen, sie könnten einen Weltkrieg als kreative Zerstörung verstehen, ist wirklich der Tiefpunkt des Argumente-Mülls. Vom Jolly-Troll bin ich das ja gewohnt. Aber dass es sich hier die anderen zu eigen machen, erübrigt meine Anwesenheit hier.

    Boche

    8. Oktober 2007 at 18:23

  29. Komisch, Dir fällt das noch auf… Ich überlese solchen Nonsens inzwischen einfach.

    David

    8. Oktober 2007 at 18:28

  30. @Boche: Nicht Liberalen unterstelle ich so etwas, sondern ein bestimmter Ansatz in der Sozialhistorie geht davon aus, dass die objektive Funktion, die Kriege für die Wertschöpfung haben, darauf hinausläuft, und dass z.B. die Verheizung von Kindersoldaten durch das Ayatollah-Regime oder die ethnischen Säuberungen im Jugoslawien-Krieg eine volkswirtschaftlich intendierte Maßnahme im Sinne der Vernichtung „überflüssiger Esser“ sind. Die zu Ende gedachte Konsequenz der Logik der Kostendämpfung und gleichzeitig Fortsetzung der „Ökonomie der Endlösung“ nach dem Ende des Dritten Reichs durch andere.

    che2001

    8. Oktober 2007 at 20:13

  31. @Momo:
    Dann geh ich nochmal auf das alternative Wirtschaften ein (sei das jetzt eine Gegenwirtschaft, Tauschringe, regionale Versorgung, etc.). Würdest du mir widersprechen, dass auch dort eine der Zielrichtungen eine Änderung der Mentalität/Kultur (tlw. gar der ganzen Gesellschaft) ist? Ich vermute mal nicht. Und in diesem Fall sehe zumindest ich die Diskussion eben wieder an der gleichen Stelle – wie in meinem ersten Beitreg angedeuet – angekommen.

    Denn du würdet vermutlich wie im Beitrag eben entgegnen dass dieses eben nicht per Gesetz zwangsverordnet ist. Für mich ein absolut gültiges Argument. Aber wie gesagt – der Liberale Reflex ist da vorhersehbar wie einfach (die sich da jetzt mal wieder ihrer Überlegenheit bestätigt sehen sind eingeladen zu dieser Selbsterkenntnis zu schweigen). Eine Rückführung des Staates (hier jetzt mal im wirtschaftsliberalen Fall – macht die anderen Baustellen nicht nichtig) schafft für „uns“ eben auch Zwänge ab.

    Und da sind wir dann wieder bei den großen Grundsatzfragen: negative/positive Freiheit, „Zwang“, Eigentumsrechte, etc.

    Oder findest du ich machs mir da zu einfach?

    googlehupf

    8. Oktober 2007 at 20:18

  32. @che

    Die „Logik der Kostendämpfung“ – das ist für dich doch etwas, was du dem Liberalismus (oder wie es bei euch dann wohl einschränkend heißt: Wirtschaftsliberalismus) zuschreibst. Nicht ohne Grund widersprichst du dem Jolly-Müll ja nicht sondern bestätigst ihn durch ergänzende Worte (die, wenn ich das richtig sehe, ja gar einen KZ-Arzt ins Spiel bringen).

    Das halte ich für eine recht miese Art der Diskussion. Auch deshalb, weil es ja ganz grundlegende Ideen des Liberalismus (wissentlich, muss ich bei dir, nicht beim Troll, denken) ignoriert.
    Ach was – was dem Liberalismus untergeschoben werden soll, ist mir eigentlich schnuppe. Mir geht es in Wirklichkeit darum, dass ich keine Lust habe, persönlich in solche Ecken gestellt zu fühlen und mich mit wirrem bis widerlichem Gerede von „zu Ende gedachten Kostendämpfungen“ und „beseitigter Biomasse“ auseinanderzusetzen.
    Macht das mal allein weiter.

    Boche

    8. Oktober 2007 at 20:29

  33. Die Logik der Kostendämpfung war ursprünglich mal eine vom Nationalsozialismus zu Ende gedachte Logik der Sozialpolitik der Weimarer Republik und nichts genuin Wirtschaftsliberales. Dass heute Politiker und Sozialingenieure jeder Couleur in diesen Maßstäben denken, würde ich als faschistische Nachkriegskontinuität bezeichnen, aber wiederum als nichts spezifisch Wirtschaftsliberales. Du unterstellst mir hier ständig, ich würde Dir etwas unterstellen, das ich Dir nicht unterstelle.

    che2001

    8. Oktober 2007 at 21:02

  34. @Googlehupf:

    Die Pointe habe ich nicht ganz verstanden … für mich gelten ja Prinzipien wie bedingungslose Grundversorgung und auch staatlicher Schutz der je Schwächeren, also z.B. auch afrikanischen Kleinbauern vor internationalen Agrarmultis.

    Das ist ja nix, was staatlich verordnet in Lebensformen, Selbstverständnisse, „Identitäten“ oder so eingreift, was bei diesen ganzen mit Zwangsmitteln versehenen, schröderschen Tugendlehren eben fundamental anders ist.

    Insofern gibt es da schon Begrenzungen „wirtschaftlicher Freiheiten“, aber ganz im Sinne des Kantischen Zweck an sich selbst wie auch jenes Passus in dessen Rechtslehre, auf den abstrakt immer alle sich einigen können, nämlich daß meine Freiheit da endet, wo die des Anderen anfängt. Und da streiten wir uns ja sozusagen um den Anwendungsfall der Regel.

    Das ist aber was völlig anderes, als wie gegenüber, wo ich trackbackspammte und wo auch sonst mal wieder gelogen wird, was das Zeug hält, scheint Teil des politischen Programms zu sein, wobei ich die Möglichkeit zu ausgeprägter Dummheit da auch nicht ausschließen würde, ferndiagnostisch, darüber zu diskutieren, welche Anreize welches Verhalten bewirken.

    Mit anderen Worten: Ich sehe keine Begründungsmöglichkeit für „Pflichten gegenüber sich selbst“, etwas, was ja diese ganze Sozialtechnologie ganz explizit bewirken will, da gibt’s ja keine Pflichten Anderen gegenüber mehr, sondern nur noch sich selbst gegenüber, was ja das einzige ist, was Frau Rand interessant macht, daß die das so unverblümt ausspricht.

    Und wenn ich z.B,. gezielt Fair Trade-Produkte kaufe, weil ich das für richtig halte, dann ist das ja nix, was irgendwer mir per Anreiz verordnet, sondern etwas, was ich richtig finde. Und solche Art von Gründen, die ja wirken, bleibt in diesen ganzen Modellen wie drüben komplett unterbelichtet, deshalb können die auch gar nicht stimmen.

    momorulez

    9. Oktober 2007 at 6:23

  35. @Boche:

    „Auch deshalb, weil es ja ganz grundlegende Ideen des Sozialismus (wissentlich, muss ich bei dir, nicht beim Troll, denken) ignoriert.“

    Ja, das ist schon so eine Sache mit dem Ideal und der Wirklichkeit, Boche … und angesichts dessen, daß mal wieder flächendeckend in irgendwelchen Blogs anderen Leuten ungeachtet historischer Relationen und Konstellationen Fantum für Massenmörder untergeschoben und frenetische Begeisterung für jegliche Form des Totalitarimus unterstellt wird, neben so lustigen Geschichten wie einem inflationären Antisemitismus-Vorworf, auch von Dir gerne und oft behauptet,immer wieder und oft und neu ausgepackt aus der Kaderschmiedenkiste, finde ich die Empfindlichkeiten doch etwas seltsam. Da vereinfacht es die Sache natürlich ungemein, wenn man sich selbst die Defintionshoheit für das, was denn „Freunde der Freiheit“ sind (früher hieß das „großes Friedenslager“), zugesteht und somit immer schon aus dem Schneider ist, weil das je eigene Ideal ja sowieso nirgens verwirklicht ist und man notfalls immer behaupten kann, daß eben dieses der Fall ist, man daher zumindest prinzipiell und grundsätzlich, wenn schon nicht wirklich, recht hat. Kommt mir irgendwie alles bekannt vor … glaub’s mir, der historisch reale Che hielt die Batista-Anhänger auch für Feinde der Freiheit und Lenin auch die Schergen des Zaren.

    momorulez

    9. Oktober 2007 at 6:34

  36. Auch hier schafft es ein Boche nicht, meinen „Unsinn“ einfach zu ertragen oder zu überlesen und kommt nicht ohne Beleidigung aus. Das ist wahrlich liberal.

    jolly rogers

    9. Oktober 2007 at 7:26

  37. ja, und in Assisi vorgestern haben böseste, blödeste, grünlinke, antiamerikanische italienische Gutmenschen u. a. gegen die Diktatoren in Myanmar demonstriert. Die interessiert doch das gar nicht,oder?

    – Ich bin`s ja irgendwie leid, Boche und so.

    T. Albert

    9. Oktober 2007 at 9:41

  38. T. Albert! Back again! Wie war’s denn bei Giotto? Dann kann ich jetzt ja auf Deine mail antworten 😉 …

    momorulez

    9. Oktober 2007 at 9:44

  39. Assisi, Giotto? Da war ich auch gerade. Ich will schon die ganze Zeit etwas darüber schreiben, bin aber noch nicht dazu gekommen.

    Nörgler

    9. Oktober 2007 at 16:29

  40. @ MR

    Na, bei Signor Giotto wars super. Wir mussten halt durch den Pilgerwahnsinn wegen dem S. Franziskus hindurchsehen, um die Malereien sehen zu können. Aber es gab auch ruhigere Momente, dann kkonnten wir mehr sehen. Was soll ich sagen? Ich find immer: konsistenter geht es kaum, wenn einer denkt. Der konnte auch noch sein eigenes Staunen im aufklärenden Licht mitmalen, nicht nur die Dinge. Aber jetzt hör ich auf mit bildungsprotzen.
    Das noch solchen und solchen Freunden: der kölsche Kardinal hat recht :-). In Assisi ist die Religion derartig in Wirtschaft aufgegegangen, es gibt gar keinen Unterschied; alle Trennung von Kult, Kunst, vertragsfreiheitlichem Kapitalismus, Leiblichkeit, Politik ist entfallen. Beeindruckend, echt.

    T. Albert

    9. Oktober 2007 at 17:05

  41. Ich habe ja nur ’nen kleinen, bescheidenen Bildband zu Giotto, aber das sind Andachtsminuten, wenn ich den hervorkrame … und ich Depp war damals nur in Castiglione del Lago oder so, als ich mal in Umbrien war, am Trasimeno-See, und habe mir Hardrock-Theaer angeguckt, und außerdem schlossen wir Freundschaft mit einer jugoslawischen Volkstanzgruppe 😉 … aber da war ich ja auch noch blutjung.

    „alle Trennung von Kult, Kunst, vertragsfreiheitlichem Kapitalismus, Leiblichkeit, Politik ist entfallen“

    Aber ist denn das nicht schrecklich?

    momorulez

    9. Oktober 2007 at 18:26

  42. Das ist ausgesprochen schrecklich schrecklich. Es ist eklig.

    T. Albert

    9. Oktober 2007 at 18:56

  43. @Momo: „da gibt’s ja keine Pflichten Anderen gegenüber mehr, sondern nur noch sich selbst gegenüber, was ja das einzige ist, was Frau Rand interessant macht, daß die das so unverblümt ausspricht.“

    Tja da kann ich nur sagen, dass ich das nicht so sehe. Ich sehe es nämlich als meine Pflicht eben nicht alles was mir so mißfällt als Pflicht aller anderen zu sehen. Und trotzdem ginge ich nicht einfach an einem Schwerverletzen vorbei (auch wenn der „Anreiz“ „unterlasene Hilfeleistung“ nicht existieren würde). Ich finde man hat grundsätzlich Pflichten gegenüber sich und gegenüber anderen.

    Übrigens halte ich gerad‘ diese dogmatischen Randisten persönlich für die eine Hälfte der Schmuddelkinder der Libertären (die andere kannste dir denken).

    googlehupf

    9. Oktober 2007 at 21:26

  44. @Googlehupf:

    Jatzt hast Du aber randistisch geantwortet – ich habe nicht die These vertreten, daß man Anderen die Pflicht für sich abverlangt, sondern, daß man keine Pflicht gegenüber sich selbst, aber sehr wohl eine Anderen gegenüber begründen kann. Das ist was anderes.

    momorulez

    10. Oktober 2007 at 6:34

  45. @MR

    und angesichts dessen, daß mal wieder flächendeckend in irgendwelchen Blogs anderen Leuten ungeachtet historischer Relationen und Konstellationen Fantum für Massenmörder untergeschoben und frenetische Begeisterung für jegliche Form des Totalitarimus unterstellt wird

    Betrifft das mich? Dann hätte ich gern die Verweise auf meine Beiträge zu Diskussionen, in denen ich dieses Unterschieben oder Unterstellen derart vorgenommen hätte.
    Falls es nicht mich betrifft, wüsste ich gern, was das mit meiner „Empfindlichkeit“ zu tun haben sollte.

    einem inflationären Antisemitismus-Vorworf, auch von Dir gerne und oft behauptet,immer wieder und oft und neu ausgepackt aus der Kaderschmiedenkiste

    Kaderschmiedekiste … hervorragende Diskursqualität. Wozu du mich ansprichst, wenn du mich mit einer solchen Kiste bestückt in Diskussionen gehen siehst, wird dein Geheimnis bleiben.
    Aber auch hier: Zeig mir, wo ich wem in welcher Diskussion (ach nein, „inflationär“: in welchen vielen, vielen Diskussionen) Antisemitismus vorgehalten habe. Ansonsten behalte das besser als verlogene Polemik für dich.

    Da vereinfacht es die Sache natürlich ungemein, wenn man sich selbst die Defintionshoheit für das, was denn “Freunde der Freiheit” sind (früher hieß das “großes Friedenslager”), zugesteht

    „großes Friedenslager“ – solltest du so verkommen sein, und mir meine DDR-Vergangenheit auf diese perfide Weise unter die Nase reiben, in dem du mir geistige Verwandtschaft zur damaligen Staats-Ideologie unterstellst?

    Ansonsten hast du nicht verstanden, was ich geschrieben habe. Das entschuldigt diesen dummen Einwurf, macht eine Erwiderung meinerseits überflüssig und dein Nachlesen empfehlenswert.
    Allerdings gehe ich langsam davon aus, dass du sehr wohl verstanden hast, was ich schrieb, dass du es zum Zwecke des Reinwürgens hier auf dir passende Weise verdrehst.

    und somit immer schon aus dem Schneider ist, weil das je eigene Ideal ja sowieso nirgens verwirklicht ist

    Nachlesen hilft auch hier, wenn du auf die Diskussion bei balou anspielen solltest. Ich schrieb, dass kein Ideal notwendig sei, dass der Verweis auf die Realität ausreiche. Verlogenes Zurechtbiegen des von mir Geschriebenen auch hier.

    Diese Anmerkungen, die ich angesichts der damit verschenkten Energie gleich bereuen werde, nur, damit hier nicht der Eindruck entsteht, ich hätte mich stillschweigend aus dem Staub gemacht. Aus dem Staub gemacht stimmt, was die weitere Präsenz in diesem Blog angeht. Stillschweigend stimmt hiermit nicht mehr.

    Boche

    10. Oktober 2007 at 13:10

  46. Ach so – die Fragen waren rethorischer Natur. Die Antworten interessieren mich nicht mehr.

    Boche

    10. Oktober 2007 at 14:15

  47. @Boche:

    Na dann … auf jemanden, der durchgängig und von kurzen, humorvollen Ausflügen abgesehen exakt das betreibt, was er anderen vorwirft, ist die Antworten auch tatsächlich zu anstrengend. Man hat dann nur noch die Wahl zwischen therapeutischer Intervention oder verbal auf die Fresse geben. Kann mich in Deinem Fall da immer nicht entscheiden.

    Übrigens finde ich die permanente Unterstellung des Lügens ungleich schlimmer als irgendwelche weit hergeholten Nazi-Vorwürfe, die einem ja auch dann noch unterstellt werden – nicht von Dir-, wenn man sie nie erhoben hat.

    Aber die „Freunde der Freiheit“ haben dann eben das Privileg zur persönlichen Beleidigung, zur Gewaltausübung etc.. Auch ’ne Form von Autopoesis. Dann sollte man das Kommunizieren lieber gleich ganz bleiben lassen, lieber Boche, weil man dann Basics einfach nicht gelernt hat. Das reicht dann eben nur für die Eckneipe mit Gleichgesinnten. Viel Spaß dort.

    momorulez

    10. Oktober 2007 at 15:23


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