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Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Der Münte, die Dauer des Rentenbezugs und überhaupt

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Abgesehen von dem Theaterdonner, der um den Rücktritt oder Nichtrücktritt von Münte gemacht wird, der aber auch gar nicht zur Debatte stünde und andererseits doch (wenn ja, warum nicht?) stellt sich die Frage nach Verlängerung des AlG1-Bezugs ja eigentlich nur für die Betroffenen. Und da möchte ich einmal ein paar dissidente Gedanken äußern. Als sich mein Studium dem Ende näherte, so Anfang der 1990er, fingen Diejenigen meiner FreundInnen, die ihr Studium fertig, aber noch keinen Job hatten, meist für ein halbes Jahr bei Bosch oder VW am Band an, um so für Leistungen des Arbeitsamts berechtigt zu sein. Dabei war ihnen weniger das Arbeitslosengeld wichtig als vielmehr die Möglichkeit, eine Umschulung oder Weiterbildung, u.U. auch ein Aufbaustudium finanziert zu bekommen. Wurde aus dem studierten Beruf nichts, schuf man sich so selber Alternatuven. Wir nannte es die selnstorganisierte duale Ausbildung. So lernten Diplomsozialwirte Schreiner, Diplomgeografinnen Buchhändlerin und Diplomchemiker Physiotherapeut, um dann teils im Weiterbildungsberuf, teils im studierten Fach beruflich Erfolg zu haben, oder mal ließ sich zum Mediengestalter oder Grafikdesigner ausbilden und machte aus dem Mix Wissenschaft und Mediakompetenz einen hochattraktiven neuen Job. Ich empfand es damals als einen Skandal, als das SGBIII geändert wurde und man mindestens 1 Jahr beitragspflichtig arbeiten musste, um Leistungen beziehen zu können. Noch immer war die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes, heute AlG 1, recht großzügig geregelt: Bei beitragspflichtiger Arbeit von einem Jahr Dauer 6 Monate AlG, bei drei Jahren Arbeit 9 Monate AlG, bei fünf Jahren 12 Monate AlG, bei zehn  Jahren waren das schon 24 Monate, und wer nach einem langen Erwerbsleben mit 50+ arbeitslos wude, konnte davon ausgehen, die Zeit bis Eintritt in die Rente mit Leistungen des Arbeitsamts zu überbrücken. Wer, Finanzierbarkeit vorausgesetzt, für die Bezugsdauer von AlG 1 heute eine vergleichbare Regelung durchsetzen will hätte meine Wählerstimme. Warum gibt es eigentlich keine linke Kampagne dafür?

In Italien wird gerade über den Sozialpakt abgestimmt. Über die Arbeitsmarkt- und Rentenreform befinden die Betroffenen, nämlich Angestellte, Arbeiter und Arbeitslose (und nicht Unternehmer oder Selbstständige) per Wahl. Zur Wahl steht unter anderem eine Heraufsetzung des REntenbezugsalters von 58 auf 62. Abgesehen von einer solch kommoden Lebensarbeitszeitsregelung finde ich, dass das durchgeführte Referendum klare Demokratievorteile bietet.   

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Written by che2001

9. Oktober 2007 um 12:11

6 Antworten

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  1. Das ist doch eh so, daß diese ganzen sich auf Neoliberalismen berufenden Reformen ja nur zementieren, weil keiner sich mehr traut, mal umzusatteln und lieber frsutriert in Jobs rumhängt, keiner mehr den Raum bekommt, sich Fundamente zu schaffen etc. – all die Kohle, die ich mittlerweile so in Sozialkassen und Steuersäckle zurückbefördert habe, weit mehr, als mein Studienplatz gekostet hat, konnte ich auch nur generieren, weil ich im Studium rumprobieren konnte. Da habe ich Sachen lernen können, die man sonst eben nicht lernt, wenn man so straight und verschult und „lückenlos“ agiert. Von wegen „flexibel“ – mißbrauchbar wird man durch diesen ganzen Quatsch, linientreu und feige.

    momorulez

    9. Oktober 2007 at 12:54

  2. @momo: Das ist doch jedem System eigen, dass auf Anwartschaft aufgebaut ist. Je näher ich der „Belohnung“ komme, desto vorsichtiger werde ich. Da ist es vom Stuhl bei Jauch zur 55-jährigen Abteilungsleiterin nicht weit.

    @Che (erstmal herzlichen Glückwunsch zum 40ten 😉
    und wer nach einem langen Erwerbsleben mit 50+ arbeitslos wude, konnte davon ausgehen, die Zeit bis Eintritt in die Rente mit Leistungen des Arbeitsamts zu überbrücken.

    … und wer soll das? Jeder der mag? Beamte, die seelisch gepeinigt durch Behördenkumpane und Verwaltung dann zu neuem Leben erblühen, als Consulatant? Kranke? Alle, die mehr als 30 Jahre arbeiteten? Nur die, die sozialversicherungspflichtig waren? Die ganze Zeit, oder sind UNterbrechungen ok? Was ist dann mit den anderen, die nur 15 Jahre, dafür aber vielleicht das doppelte eingezahlt haben?

    Eine wichtige Diskussion, die da stattfindet. Landen wird sie, so sie ernsthaft geführt wird, bei einem Modell der allgemeinen Grundversorgung, wie dem Bürgergeld. Das werden wir aber nur erleben, wenn die Macht derer, die an der verschwurbelten Verwaltung des Elends partizipieren schwindet. Dummerweise ist die auf Verfassungsebene angesiedelt und wird an der Börse gehandelt – ohne Wohnsitz in Deutschland!

    ring2

    9. Oktober 2007 at 14:22

  3. @Ring2:

    Deshalb bin ich ja mittlerweile auch für die bedingungslose Grundsicherung statt der Versicherungssysteme, auch bezüglich Bildung und Gesundheit, und nicht für Anwartsschaftssysteme, wie Du ja offenkundig auch.

    momorulez

    9. Oktober 2007 at 14:32

  4. Schön dass Subjekt- statt Objektförderung zunehmend sexy wird. Da kommen dem Neoliberalen fast die Freudentränen.

    googlehupf

    9. Oktober 2007 at 20:58

  5. Ähem, das hatten die Grünen (1983) vertreten, als noch kein Liberaler daran dachte, und davor ein Vertreter der Frankfurter Schule (Erich Fromm). Also schönes Beispiel einer Transformationsleistung 🙂

    che2001

    9. Oktober 2007 at 21:11

  6. Der einzige Schnittpunkt ist die Kritik an der Verwaltung (Objekt), die da neoliberale Ansichten und linsliberale eint. Letzlich ist die neoliberale Position doch nur eine Unerstützung objetivierter Machtsysteme, wie Markt und frei agierendes Kapital.

    Sorry, aber für Freudentränen ist es zu spät.

    @momo: ja, da sind wir wohl beide mal wieder einer Meinung. Schwer wirds trotzdem, das in einem Klima von „scheinbarer sozialer Gerechtigkeit“ zu verwirklichen.

    ring2

    10. Oktober 2007 at 6:58


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