shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Herman wollte gefährlichen Hitler heilen

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Die Herman-Familie

Während „Shifting Reality“, die führende Website für gesellschaftliche Neutralanalyse, engagiert versucht, nunmehr auch durch bildhafte Darstellungen Eva Herman in der Darlegung ihrer Position zu unterstützen, gibt es neue Aufregung um Hermann. Nachdem die Autorin vor laufenden Kameras „Heil Hitler!“ sagte, scheint der Fall für ihre Gegner endgültig klar, zumal der Zuspruch aus der rechten Szene noch stärker wird. So erklärt Anja von Schrenck, Pressesprecherin der „Wehrsportgruppe Ehrendolch Himmler“: „Endlich kommt Eva Herman weg von den gutmenschelnden DVU- und NPD-Volksverrätern!“

Hermans Anwalt hingegen will gegen die Wehrsportgruppe auf Unterlassung klagen: „Frau Herman ist unter keinen Umständen bereit, das ihr übersandte Exemplar eines Ehrendolches öffentlich zu tragen. Meine Mandantin war schon immer gegen jede Art von Dolchen.“

Herman selbst fühlt sich mißverstanden und falsch zitiert. Hier ihre Klarstellung im Wortlaut:

„Ich habe gerade gelernt, dass schon wieder eine, genau wie in der letzten Zeit, falsche Äußerung getan wurde. Nämlich, es wird gesagt, ich hätte mich missverständlich über einen Gruß des Dritten Reiches geäußert, und das habe ich definitiv nicht getan.
Ich habe gesagt, dass der durchgeknallte und irre Hitler geheilt werden sollte, bevor er Unheil wie die 68er, so habe ich gesagt, „Heil‘ Hitler!“, nämlich „Heile Hitler!“, dass er geheilt werden sollte. Ich sprach nicht von einem Gruß des Dritten Reiches, sondern ich sprach vom Heilen der Menschen. Es geht um das Heilen, was vorher bestanden hat, ich sag doch vorher, das Bild des Heilens in Deutschland wieder, was leider mit dem Nationalsozialismus, also vorher bestanden hat.“

Auf „Fuck und Friktionen“, einer der zahlreichen Herman-Unterstützerwebseiten, erklärt deren Betreiber „debil“: „Schon wieder ein Beweis dafür, wie die medienbeherrschenden Alt-68er lügen, heucheln und gleichschalten!“

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Written by Noergler

12. Oktober 2007 um 14:21

Veröffentlicht in Nicht kategorisiert

15 Antworten

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  1. hmm…Neutralanalysen. Ich nehme mal an, das war auf mich gemünzt. Der Witz ist doch aber, dass diese Regierungsbemühungen im 18. Jahrhundert die Mutter erst als „natürlich Liebende“ erfinden und damit zum Vorläufer der faschistischen Familienpolitik wurden, für die ja bei der Herosierung der Mutter gelichzeitig eine bevölkerungspolitik betrieben, in der es quasi egal war, wer Vater und Mutter sind, hauptsache es ist blond und blauäugig. Der Schritt von der liebenden Mutter zur Vlksgebärmaschine ist keine originäre Erfindung des Fashismus (freilich radikalisiert dieser die Biopolitik der Familie), sondern ein zentrales Moment liberaler Bio-Politik.

    lars

    12. Oktober 2007 at 14:52

  2. ..und die Herman steh sozusagen genau in dieser Tradition, die Mutter zu glorifizieren, weil sie als einzige dazu von Natur aus in der Lage sein soll, das Kind für den Staat/die Gesellschaft und darüber hinaus genau diese zu retten, wobei sie ja auch da mit dem Nationalsozialismus konform geht, der ja Gesellschaft auf Gemeinschaft reduzierte.

    lars

    12. Oktober 2007 at 14:58

  3. Es war auf niemanden gemünzt. Es ist nur ein ironischer Bezug darauf, dass diese Site eben gerade nicht ’neutral‘ im Sinn der positivistischen Wertfreiheit ist.

    Noergler

    12. Oktober 2007 at 15:00

  4. eOhh, dann wohl gründlich missverstanden 😉

    lars

    12. Oktober 2007 at 15:01

  5. Der Schritt von der liebenden Mutter zur Vlksgebärmaschine ist keine originäre Erfindung des Fashismus (freilich radikalisiert dieser die Biopolitik der Familie), sondern ein zentrales Moment liberaler Bio-Politik.

    Da ich die höheren Weihen und Kenntnisse liberaler Biopolitik bisher noch nicht erlangt habe, bitte ich da um Klärung, falls möglich.

    David

    12. Oktober 2007 at 15:43

  6. Ich auch; obwohl ich mich professionell einige Jahre mit Biopolitk bzw. Eugenik befasst habe, ist mir keine spezifisch liberale Biopolitik bekannt, abgesehen mal vom parteiübergreifenden eugenisch-sozialdarwinistischen Konsens in der Kaiserzeit und Weimar.

    che2001

    12. Oktober 2007 at 15:50

  7. Ja genau z.B. das, wass im 18. und 19. Jahrhundert in der Organisation der Familie zu Tage trat. Da gab es diese ganzen Ratgeber an die bürgerlichen Mütter, endlich ihre Kinder zu lieben, sie aus den Fängen der Ammen und Dienstboten zu entreißen, die dem Kind nur schlechtes wollen und es verziehen, während man die Familien der Armen nach dem bürgerlichen Modell umerzog, ihnen Wohnungen bereit stellte, in denen man eben höchstens zu viert oder zu fünft leben konnte, indem man für Drehschalter an Waisenhäusern installierte, um dort die Kinder proletarischer Familien besseren Aufzuchtbedingungen zukommen zu lassen, die dann in die Armee übernommen werden konnten. Kürzlich habe ich aber auch von Einrichtungen der Kinderpflege und -erziehung in zwei Textilfabriken in Bremen zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehört, die dort Säuglingsschulen und Stillkrippen für die arbeitenden Mütter einrichteten, den älteren Kinder wurde nachmittags ein eigener Unterricht (Stricken und Nähen frür Mädchen; Technisches für Jungs) gegeben, was von der Arbeiterbewegung zu recht auch als Vereinnahmung kritisiert wurde. Man holte ja nicht nur die Kinder von der Straße (wo sie im Übrigen auch eine ganze Reihe erlernten: Streiks organisieren, Umgang mit der Polizei, kleine Botengänge etc.), sondern man zog sich auch seine eigene loyale Arbeitskraft für die Zukunft heran. Und das wurde über einen nicht zu unterschätzenden Eingriff in das Familienleben (und das ist sehr wohl Biopolitik)gemacht.

    lars

    12. Oktober 2007 at 16:25

  8. Puh, da setzt Du jetzt aber die historisch situierte, konkrete Entwicklung der französischen und wohl auch deutschen, soweit vorhanden vor 70/71, bürgerlichen Gesellschaft mit dem politischen Projekt des Liberalismus gleich, was zwar zusammenhängt, aber so nicht das gleiche ist …

    momorulez

    12. Oktober 2007 at 16:34

  9. Naja, also im kern geht es diesen einzigen Politik aber schon darum, dir liberale Gouvernementalität in ihrem Kern als biopolitische nachzuzeichnen. As ging ja eindutug auch darum, Familien so zu gestalten, dass sie sich in den Produktionsprozess einfügen. Ein anderes aktuelles Beispiel: Unter den Bestsellern der Elternratgeber ist seit mehreren Jahren das Thema „Schlafen“ signifikant. Da geht es also immer wieder darum, wei das Kind richtig schläft, wie es gesund schläft, welche Schlafstörungen es haben kann, welche Tricks es gibt, das Kind zum Schlafen zu bringen etc. Das eigentliche Ziel, der das Devianzkriterium ist dabei aber ganz häufig „Das nicht durchschlafende Kind“, oder das Kind, dass zu den falschen Zeiten schläft. So, jetzt darf man raten, wann das Kind schlafen soll: Nämlich nachts. und eigentlich ist das Kind auch gar nicht das Problem, sondern der fehlende Schlaf der Eltern und die damit einhergehende Bedrohung der Leistungsfähigkeit. Da geht es um die Durchstrukturierung des familiären Alltags und als ist solches eben family making in der Hinsicht, dass man morgens früh aufsteht und nicht den fehlenden nächtlichen Schlaf nachholen muss, der zu einem lLeistungsabfalll führen könnte.

    lars

    12. Oktober 2007 at 16:46

  10. LOL

    Erik

    12. Oktober 2007 at 17:13

  11. Okay, wobei für mich ja – aber da können mir dann Historiker weiterhelfen – diese Implementierung des Neoliberalen in’s Regierungshandeln mit den sich daraus ergebenden, neuen Subjektivierungsweisen, bei Friedman ja überdeutlich diagnostizierbar, eher die letzten, na, 50 Jahre betrifft, in der ordoliberalen und wirklich neoliberalen Variante (ja, ich weiß, daß man die Ordoliberalen ursprünglich die Neoliberalen nannte).

    Das, was Du beschreibst, ist doch aber eher ein Ergänzungsverhältnis von Abschaffung (harhar) des Feudalismus, Etablierung parlamentarischer Demokratie und einer dieser partiell oder ein wenig folgenden Nationalstaaten, liberal inspiriert, die dann einen neuen und anderen Begriff von „Bevölkerung“ dachten, und der Industrialisierung als Spezialfall des Kapitalismus, wenn man den mal als Privateigentum von Produktionsmitteln begreift – und welcher diese eben zunächst z.B. auf einen hohen Bevölkerungszuwachs und fitte Arbeitskräfte angewiesen war, durchaus auch in der Konkurrenz zwischen Nationen.

    Und gleichzeitig die Etablierung der Humanwissenschaften natürlich auch, was ja auch ein Phänomen des 19. Jarhunderts ist (ja, gab’s auch schon vorher, aber nicht so strikt), also einer „Einzelverwissenschaftlichung“, wo dann Psychiatrie, klinische Psychologie etc. dazugehörten. Wie auch des Denkens einer „Nationalökonomie“.

    Aber kann man diese Faktoren schon als das begreifen, was auch das aktuelle, gouvernementale Handeln bestimmt? Ist das nicht ein völlig anderer Rahmen und somit auch ein anderes Denken?

    momorulez

    12. Oktober 2007 at 17:19

  12. Momo, ich bin da ganz bei Dir. Was Lars da „liberale Bio-Politik“ nennt, würde ich eher die Bio-politische Massenpsychologie der Formationsphase des Industriezeitalters nennen. Das Zeitalter der Industrialisierung war ja nicht durchgehend liberal, auch wenn der Liberalismus die politische Haupttendenz dieses Zeitalters darstellt.

    che2001

    12. Oktober 2007 at 18:12

  13. In Anbetracht der Bierernsthaftigkeit des Eröffnungsbeitrags ist mir diese Diskussion hier viel zu witzig.

    Nörgler

    12. Oktober 2007 at 18:31

  14. Das liegt an der Gleichschaltung. Hermine war wieder im Bonker.

    che2001

    12. Oktober 2007 at 19:38

  15. Gut gut. Ich will ja gar nicht behaupten, dass man das Liberale auf die Bio-Politik reduzieen soll. Aber mehr als nur Beiwerk der Industrialisierung ist dasja schon. Die Regulation der Familie ist da schon auch zentral für die Züchtung industriöser Menschen. Aber das ist halt immer so eine Sache, wenn man parallelen aufzeigen will. Ich will auch nicht behaupten, dass man die gesellschaftlichen Projekte des Liberalismus und faschistische Bio-Politik ineins setzten kann. Nur gibt es halt doch auch Momente, in denen sie sich kreuzem. Und z.B. die Installaton der Mutter als zentrale Erziehungsfigur war doch eher eine liberale denn eine konservative oder sozialistische Unternehmung. Aber es sit eben nur ein Objekt der Regierung und bildet keineswegs die Grundlage für einew erschöpfende Genealogie des Liberalismus.

    lars

    13. Oktober 2007 at 2:43


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