shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Wilhelminisches Hamburg?

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Na ja, nur fast. 500.000 haben mitgemacht, knapp 100.000 mehr hätten’s sein müssen, und das Ergebnis , auf daß es hinausgelaufen wäre, weiß man ja auch nicht – auf jeden Fall ist der Volksentscheid darüber, ob Volksentscheide nun bindend sind oder nur beratend, nicht durchgekommen. Weil zu wenig Volk darüber entscheiden wollte.

Ist das jetzt so eine Art negatives Ermächtigungsgesetz gewesen (ich schreibe ab jetzt nur noch und ausschließlich Einträge mit Nazi-Vergleichen, hier geht’s aber doch nur um den Wortwitz)? Also Ermächtigung dazu, wie in Hamburg ja Gang und Gäbe,  aus Experten-Attitüde heraus es weitgehend schnurz zu finden, was nun konkret das Wahlvolk wollen könnte, es sei denn, man kann Umfragen zur „inneren Sicherheit“ mißbrauchen – um stattdessen fröhlich weiter Sozialtechnologie zu betreiben, unsinnige Privatisierung auf Kosten der Bürger und sonstige, repressive Dönekens wie Hundegesetze durchzuprügeln, Videoüberwachungen zu forcieren, Penner zu drangsalieren und Drogenprobleme aus der Sichtbarkeit abdrängen, Strafgefangene dem AIDS-Risiko auszusetzen und dafür Journalisten nicht mehr dabei zusehen zu lassen,  raucherfreie Kneipen zwangszuverordnen usw.? Und ansonsten das umzusetzen, was BILD-Zeituung gerade als Kampagne betreibt, immerhin sitzt man im Senat von deren Gnaden? Und das alles mit präsidialem Grienen zuzukleistern?

Jenen, die vertreten, Demokratie sei nur und ausschließlich dazu da, Regierungen wieder los zu werden, und nicht etwa als sich verständigen auf Inhalte und von Wählern gewollte Ziele, werden entgegen gegenteiligen Bekundungen wahrscheinlich jubeln.  Der Hamburger Senat mit seinem wilhelminischen Auftreten ist ja das Paradebeispiel für das, was Leuten wie Herrn Friedman vorschwebt, nämlich eine Einschränken „kollektiver Entscheidungen“ zugunsten „wirtschaftlicher Freiheit“, in Hamburg betrifft das wohl vor allem Bauunternehmen.

Daß zugleich dabei raus kommt, daß nicht so immer neu in diese Stadt verliebte, alte Säcke wie ich, die nur einmal am Millermtor verpunkte Shanties hören müssen, um selig zu glotzen, doch lieber nach Berlin sich verdrücken und so jegliche Kreativität aus dieser Stadt vertrieben wird zugunsten behäbigen Geldadels, das ist ja mittlerweile sogar dem Senat selbst aufgefallen. Deshalb will man jetzt „Szeneviertel“ administrativ befördern.

So sehr ich ja fast allen mißtraue, die ansonsten sich auf die spontanen Ordnungen Hayeks berufen, besser kann man wohl diese nicht unterbinden. Was jedoch im wesentlichen an der Geldsackhaftigkeit dieser Statdt liegt: Wenn höhere Söhne und Töchter und in Nobelhotels Foren gründen, um die Prolls aus Wilhelmburg mittels Theater zu Werten zu erziehen, weil Werte und Wertschöpfung ja zwei Seiten der gleichen Medaille seien, dann ist das eben der Killer für jede Kreativität. Wer will schon gerne Hofnarr sein? Man kommt nur leider auch nicht drumrum …

Mit dem Volksentscheid hat das viel zu tun: Wahrscheinlich haben die meisten tatsächlich jeglichen Glauben daran verloren, daß Demokratie etwas sei, was irgendetwas ändere außer schicken, für Fetisch-Parties bestens geeigneten, neuen Polizeiuniformen – keine Sorge, Jungs, die Hoffnung ist schon verstorben. Nach Kohl und Schröder ja nicht allzu erstaunlich: Mittlerweile haben halt die meisten geschluckt, daß „die Wirtschaft“ eben treibende Kraft ist und sonst gar nix. Wobei: Eine Opposition von immerhin 40% ist da sogar noch erstaunlich. Aber wie gesagt, wer weiß, wie die entschieden hätten …

Vielleicht ist aber das Gute an der Entwicklung etwas, was unsereins ja stets vergißt: Es könnte nämlich sein, daß das ein Indikator dafür ist, daß Marx doch noch recht behalten wird.  Weil’s ja sein kann, daß eben doch der Widerspruch zwischen Produktivkraftentwicklung und Produktionsverhältnissen so langsam greift …. schaun mer mal.

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Written by momorulez

14. Oktober 2007 um 22:04

7 Antworten

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  1. wieso, denk ich gerade, diskutiert jetzt das hier niemand?
    Ist der Friedman zu kompliziert für die, die ihn empfehlen? Oder dieser Text hier?
    Ich komme jezz gerade gar nicht mit.

    T. ALBERT

    16. Oktober 2007 at 13:20

  2. Ich glaube, der wird nur diskutiert, wenn man ihm immanent zustimmt. Externe Faktoren bei der Kommentierung der Lektüre hinzuziehen oder Widerspruch sind Zeichen dafür, daß man in einer anderen Welt lebt als jener der Friedman-Fans und daß deshalb eine Verständigung nicht möglich ist, was man bereits in Managergrundkursen lernt (deshalb behandeln ja jetzt die Wirtschaftsnobelpreisträger „Kommunkation“). Verständigung gibt’s nur im Falle des Reproduzierens der Weltsicht der Anderen, weil nur die wissen, was relevant ist und was nicht. Und sonst eben nicht.

    Ja, ich weiß, ich bin eine fiese Dreckschleuder, aber ich komme mal wieder über diese Denke nicht wirklich hinweg und habe sowieso wieder nur alles wahlweise falsch verstanden oder böswillig verdreht.

    momorulez

    16. Oktober 2007 at 13:32

  3. was biste auch empfindlich!! Bräsige Heulsuse, linke, verwirrte.

    T. ALBERT

    16. Oktober 2007 at 13:36

  4. Na ja, das wird sich ja jetzt ändern! Nach dem Nobelpreis, meine ich, also nicht dem für Gore, sondern dem für die anderen 3. Über die ich rein gar nix weiß und die den bestimmt verdient haben, die man aber wohl wie folgt zusammenfassen kann:

    „Wie setzt man die Anreize, die Spielregeln so, daß diese Individuen sich so verhalten, daß es entsprechend ihrer wahren Eigenschaften effizient ist? Oder anders: Wie bringt man sie (ohne Folter) dazu, durch ihr Handeln Informationen über ihre wahren Eigenschaften preiszugeben?“

    Entweder treibt man mir so wie wahren Eigenschaften „bräsig“ und „heulsusig“ und „verwirrrt“ aus, oder man wird erfahren, wie man Bräsigkeit, Heulsusigkeit und Verwirrtheit effizient einsetzen könnte.

    Und diese ganzen Blog-Debatten sind eigentlich nur ein großes, soziales Experiment, mich ohne zu foltern dazu zu bringen, meine „wahren Eigenschaften“, also das Eiegntliche, hatten wir ja schon, preiszugeben!

    momorulez

    16. Oktober 2007 at 13:44

  5. neenee, nix preisgeben! Halte durch! Wir sind unterwegs!

    T. ALBERT

    16. Oktober 2007 at 13:48

  6. Uijui, wir sind ja gaanich bei Deim Friedman. T. albert wieder nur, schimpft meine arbeitsethische Frau. OH!

    T. ALBERT

    16. Oktober 2007 at 13:56

  7. Na, einmal tauchte er ja schon auch auf in diesem Text, ist schon in Ordnung …

    momorulez

    16. Oktober 2007 at 14:50


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