shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Alter Schwede!

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In Schweden nimmt die Prostitution drastisch ab, seit die Inanspruchnahme sexueller Dienstleistungen als Ausübung sexualisierter Gewalt bzw. sexuelle Ausbeutung unter Strafe steht. Dazu begleitend findet ein umfangreiches staatliches Anti-Prostitutionsprogramm statt, das von Ausstiegshilfen für Huren bis hin zur Erzeugung von Problembewusstsein bereits im Grundschulalter reicht. Schweden setzt damit seine Tradition einer progressiven Genderpolitik fort. Trotzdem weiß ich nicht so richtig, ob ich das Ganze gut finden soll. Auf der einen Seite konnten viele in die Priostitution gezwungene Einwanderinnen aus ihren Sklaverei-ähnlichen Lebensverhältnissen befreit werden. Die Zahl der Vergewaltigungen hat aber zugenommen. Scheinbar ist da dann doch ein Ventil für psychosexuelle Pathologie verschlossen worden, die sich anderswo verheerend auswirkt. Oder was meint Ihr? Ich bin da etwas ratlos.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,515779,00.html

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Written by che2001

12. November 2007 um 19:35

12 Antworten

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  1. Ich finde sowas ja immer etwas scheinheilig. Wenn sich Gesetzgebungen rund um irgendwas ranken, was mit Sexualität zu tun hat, dann ist das eigentlich immer ein Ablenkungsmanöver, ein Indikator dfür, das ganz woanders was im Argen liegt – z.B. davon, daß Zwangsprostitution eben die Wahrheit des Marktes ist, zumindest metaphorisch.

    Wo kommen denn diese ganzen Sklaverei-ähnlichen Lebensverhältnisse her? Aus der wirtschaftlichen Liberalisierung des Ostens. Das hat für mich auch nix mit Gender-Politik zu tun. Finde da die arbeitsrechtliche Absicherungsmöglichkeit, wie sie von Hurenverbänden in Deutschland angestrebt wird, viel ehrlicher, gutes Beispiel übrigens dafür, daß, wer gegen arbeitsrechtliche Absicherungen vototiert, indirekt auch gegen Zwangsprostitution nix zu sagen hat.

    Und, auch mal ganz im Ernst: Das, was die CDU als heilige Ehe beschreibt, war doch historisch auch oft nur eine Form der Zwangsprostitution, und interessanter wäre es zu fragen, wo das auch heute noch der Fall ist.

    momorulez

    13. November 2007 at 9:34

  2. „Der größte Zuhälter ist der Staat,“ fällt mir da eine alte Demoparole des FrauenLesbenbblocks ein.

    che2001

    13. November 2007 at 9:58

  3. Gibt auch diese herrliche Anekdote … kurz bevor der Ede Geyer mit Cottbus an’s Millerntor kam, gab er etwas ungeschickt ein Interview, in dem er seinen Spielern diagnostizierte, diese würden saufen und rumhuren „wie die Nutten auf St. Pauli“. Ein Aufschrei ging über den Kiez, alle solidarisierten sich mit den Mädels, was es doch für eine Unverschämtheit sei, diese mit den Cottbusser Spielern zu vergleichen, stolze Dominas haben noch irgendeine Aktion im Stadion gemacht, die Gegengerade sang „Ede in den Puff, Ede in den Puff, Ede, Ede, Ede in den Puff!!!“, und er schämte sich – und obwohl wir in der Sasison fast alle Spiele verloren haben (nur das gegen die Bayern nicht 😉 ), haben wir, ich glaube 4:0, gewonnen …

    momorulez

    13. November 2007 at 10:24

  4. By the way, (fast) alle Arbeit ist Prostitution, und Sabotage moralische Ökonomie.

    che2001

    13. November 2007 at 10:27

  5. Naja, da hätte der André Gorz ja was anderes gesagt. Ich bekomme so auf die schnelle die Differenz nicht mehr hin, aber damals leuchtete mir das ein. (Ist aber auch schon ein paar Jährchen her, dass ich den gelesen habe.)

    lars

    13. November 2007 at 11:57

  6. -Da stellt sich mir die Frage, ob das Unterstrafestellen der Inanspruchnahme sexueller Dienstleistungen in Schweden denn nur auf Zwangs- bzw. Armutsprostitution beschränkt ist, oder ob auch Habbyhuren, Callboys usw. darunter fallen. Dann nämlich wäre das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.

    che2001

    13. November 2007 at 12:41

  7. Na, Netbitch hat zumindest noch mal ordentlich hingelangt, bevor die auch hier auf so dumme Gedanken kommen 😉 … würde schon passen zu vielen anderen Maßnahmen, die eben auf Regulierung privater Verhaltensweisen setzen, weil ja das eigentlich regulierungsbdürftige, Märkte, eben unter den Schutz des absoluten Guten gestellt wird. Hat Foucault ja herrlich dargestellt, wie man solche Zusammenhänge „lesen“ kann …

    momorulez

    13. November 2007 at 12:45

  8. Ich zitiere mal mich bzw. den Jacques Donzelot:

    Und 1769 schlägt ein Philantrop

    “…eine Institution vor, die die Vorzüge der Klosterschule, des Bordells und des Waisenhauses in sich vereint. Dorthin können sich alle jungen Mädchen begeben, die von ihrer Familie nicht zur Ehe ausersehen sind. In diesem königlich inspirierten Hause werden die schönsten von ihnen zur Befriedigung von Kunden bestimmt, die sie eventuell heiraten können. Die anderen und alten Frauen widmen sich der Erziehung der aus diesen Verbindungen hervorgegangenen Kinder und stellen so einen ‘Ziehgarten von Subjekten in den Dienst des Staates, die ihm nicht direkt zur Last liegen (weil die Kunden bezahlen) und über die er eine unbegrenzte Nacht ausüben wird, weil hier die väterlichen Rechte und die des Souveräns in eins fallen.”ebd., S. 38.

    lars

    13. November 2007 at 13:02

  9. Ist in Schweden die Vergewaltigungsquote gestiegen? Oder gibt es eine Art „Beobachtungseffekt“, nämlich, dass Berichterstattungsmoden den Fokus der Aufmerksamkeit und Wahrnehmung verändert haben? Sowas ist jedenfalls möglich. Ich kann mich an Zeiten erinnern, wo übergeschnappte Kindergärtnerinnen den Kindern Belästigungen und sexuelle Übergriffe geradezu eingeredet haben. Man verstehe mich bitte nicht falsch.

    Ich glaube, dass Vergewaltung ein ernstes Problem ist, aber ich bezweifele, dass Prostitution die Lösung ist.

    Dr. Dean

    13. November 2007 at 17:26

  10. Das hat so unmittelbar auch niemand behauptet.

    che2001

    13. November 2007 at 17:34

  11. […] … so viel zu “Sex will be important” von Morten Lund […]

  12. Die gegenwärtige Situation in Schweden halte ich für höchst bedenklich. Prostitution ist sicher kein hinreichendes Rezept zur Prevention von Vergewaltigungen, aber ene liberalere Haltung seitens des Gesetzgebers und der Gesellschaft würde die Vergewaltigungsquote senken. Doch was will man erwarten in einem Staat in dem das geselschaftliche Korsett der Konvetionen deutlich zu eng geschnürt ist. Dagegen ist Deutschland ja schon fast ein Vorbild an Liberalität.

    Dr.Magnolia

    15. November 2007 at 1:51


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