shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Nachwuchs und Frustrationen

with 21 comments

Also irgendwie klappt es nicht nur nicht mit den Nachbarn, sondern auch nicht mit dem Nachwuchs. In diesem Semester drängt sich mir der Kulturkonservativismus mit Gwalt auf. Egal wie man es angeht.

Fragt man, was denn in dem zu besprechenden Text steht, prallt man gegen eine Wand des Schweigens und starrt in riesige leere Augen.

Fragt man, wie sie sich denn das Seminar vorstellen und wie sie mit den Texten umgehen möchten: dito.

Versucht man, das Seminar mit Material aufzupeppen, kommt nach einigen Minuten die Frage: „Können wir nicht den Film
weiterschauen?“ Und das in einem Seminar zur Kulturindustrie…
Als Kommentar zu Adorno und Horkheimer: „Das klingt aber traurig.“

Derweil haspelt man sich an einem Monolog entlang, um die Situation irgendwie zu retten.

Aber hinterher fordern sie alle mehr Autorität und Struktur.

Verdammt, sind die/ich/wir wirklich so unfrei?

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Written by lars

19. November 2007 um 21:46

Veröffentlicht in Aufklärung?, Moderne, Ordnungsrufe

21 Antworten

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  1. Hatte in einem ganz anderen – Dir ja bekannten – Kontext, so meiner Leitungsphilosophie „Die Leute ihre Potenziale enfalten lassen und ggf. Hilfestellungen geben“ folgend, neulich auch die Situation, daß mir entgegnet wurde: „Menschen brauchen Führung!“. Da war ich echt fassungslos.

    Mündigkeit ist out, ich sach’s Dir. Da haben unsere Klassenfeinde einfach nachhaltig gewirkt, daß die Frage nach wirtschaftlicher Verwertbarkeit, von Experten anempfohlen, eben durchgreifend das Dasein prägt – und da niemand wissen können kann, wie man sich selbst verwertet, warten sie, daß Du es ihen sagst, vermute ich.

    Und lesen ist auch out. Visuell sind die alle topfit, aber Text und Sprache, nö.

    MomoRules

    19. November 2007 at 23:01

  2. Ja, die Gouvernementalität hält uns ganz schön im Griff.

    Was die visuelle Fitness betrifft: Ich glaube andererseits, dass auch da Fehlanzeige herrscht.

    Vielleicht mal andersherum gesagt: Die Können nicht nur nicht Bücher und Filme lesen: Die ganze Welt scheint ihnen unlesbar geworden zu sein. Ich frage mich immer, wie weit das noch mit der Uni geht. Ich hatte den Studis heute abend versucht, zu erklären, das ihr schönes neues Credit Point System bei den BAS und MAs sie nicht nur von jeder Anstrengung entlässt, sondern sie auch dazu zwingt, sich irgendwie durchzuwurschteln, und dabei also die Möglcihkeiten, sich in der Erfahrung zu bilden, zunehmend verkümmern. Der Gebrauchswert erodiert zugunsten des Tauschwerts. Und dass das halt unmoralisch sei, weil man nun die Strukturen für alles mögliche verwenden könne und dass daraus die Selbstdistanzierung zu den eigenen Praktiken (in extremo: Militär und Progromen) resultiere.
    Beim Verlassen des Gebäudes sagte dann eine Studentin noch: „Sie! Sie sind so… Sie wirken irgendwie frustriert.“ Weit gefehlt: Genau dieser Satz war das eigentlich frustrierende.

    lars

    19. November 2007 at 23:26

  3. :-)))

    Meine Uni-Prediger sind auch an mir und meiner zähen Verweigerung verzweifelt. Überzeugt hat mich, als meine geistige Ziehmutter (Gisela Dischner) mich, als ich dem rumänischen Weine (‚Banater Mädchentraube‘ oder so …) beim Anhören von ‚tabular bells‘ erlegen war, fürsorglich eine Decke über die zitternden Schultern gelegt hat und dafür sorgte, dass ich wohlbehalten nach Hause gekommen bin – einem solchen Menschen habe ich viel, viel mehr geglaubt als jedem noch so klugen Philosophen.

    Andreas Ullrich

    20. November 2007 at 0:17

  4. Es ist also tatsächlich so, wie ich es befürchtet habe.

    Andererseits: Menschen, die nicht wissen, was sie wollen („weshalb man es ihnen sagen muss“) kenne ich schon seit Jahrzehnten. Und Leute, die behaupten, dass Menschen Führung bräuchten, kenne ich sogar aus meiner Schulzeit – einige waren von Beruf Lehrer, und es waren leider nicht nur die Alten.

    Was neu ist, ist das sich altes, autoritäres Denken in modernem Remake mit einem Lebensentwurf einhergeht, in dem Authentizität nicht vorgesehen ist. Das liegt nicht nur an der Arbeit Eurer Klassenfeinde. Daran mitgewirkt haben leider auch meine Gesinnungsgenossen (im weiteren Sinne) aus der Ecke „New Age“ „Selbstverwirklichung“ „Spritueller Supermarkt“ usw.. Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer.

    Gegenaufklärung ist das Akzeptieren selbstverschuldeter Unmündigkeit.

    MartinM

    20. November 2007 at 0:30

  5. In meinen Tutorien (Anfang-Mitte 90er) begannen die meisten Sätze der Studis mit den Worten „Müssen wir…“. Als nächstes kam dann die Frage, wie man möglichst leicht an einen Schein kommt. In einem Zweig der Geisteswissenschaften, der ohnehin in die Arbeitslosigkeit führt, konnte ich mir diese Haltung damals schon nicht erklären. Mein einziges Seminar als Dozent gab ich mit einem Kollegen bei den Germanisten, einem noch eher ambitionierten Volk. Aber auch diese wußten wir binnen weniger Wochen recht erfolgreich zu vertreiben. „Was hat Germanistik denn mit Philsophie zu tun?“ war die Frage. Ja, was?
    Der Gipfel aber war die Frage einer Studentin, ob sie die Lektür, über die sie eine Hausarbeit verfassen wollte, denn auch lesen müsse. So ist er, der deutsche Bildungsroboter.

    flatter

    20. November 2007 at 0:31

  6. @Lars
    ja, das ist (beinahe) alltägliche Erfahrung für mich. Dazu gehört auch, dass ich Leute, die an meinem Programm vorbeiziehen und selbstständig arbeiten wollen, wie die Schutzmantelmadonna undercover halten muss. Die kriegen sonst Krach mit der Leitung. Wenns ruchbar wird, ich auch. (Weshalb ich kaum noch unterrichten darf: ich halte die Kriterien nicht ein. ) Andererseits sollen sie „Selbstständigkeit und Persönlichkeit“ beweisen.

    T. Albert

    20. November 2007 at 9:46

  7. @Lars::

    Na, visuell fit heißt ja nicht, Filme lesen zu können, sondern irgendwie so, daß es cool aussieht, Bilder aneinanderzuhängen. Und Erfahrungen machen war ja immer schon gefährlich für’s Individuum …

    @Andreas Ullrich:

    „einem solchen Menschen habe ich viel, viel mehr geglaubt als jedem noch so klugen Philosophen.“

    Komisch, wenn man bei euch drüben so liest, merkt man das gar nicht 😉 … liest sich aber charmant, die Szene mit der Mädchentraube.

    @Martin:

    Den Zusammenhang zu New Age verstehe ich nicht …

    @Flatter:

    Ja, das kenne ich auch noch aus meinem Studium. Auch diese tiefe Empörung, wenn mal mehr als eine Seite zu lesen war und es ein wenig schwierig wurde. Vor allem bei den Soziologen gab’s das 😉 … bei den Philosophen aber tatsächlich viel weniger, das war ganz angenehm. Und die Historiker waren es schlicht gewöhnt, daß Quellen-Arbeit das Non-plus-ultra ist und waren irgendwie geduldiger.

    Habe aber das Gefühl, daß durch diese ganze Bachelor-Nummer und Credits-Points und diese ganzen Döeneken dann auch noch jenen, die ’s ja auch gab, die nämlich eine eigene Mission zu entwickeln in der Lage waren und sich durch die Strukturlosigkeit der Massenuniversitäten eben durchschlugen, nun gleich mit abgeschafft werden. Dabei sind das eben jene, die es in meinem beruflichen Umfeld am weitesten bringen. Komischerweise werden solche Zusammenhänge im Kontext von „Eigenverantwortung“ und „Flexibilität“ gerade nicht thematisiert.

    momorulez

    20. November 2007 at 9:50

  8. @Momorulez
    das passt. In „monopol“ sagt ja irgendeine Oberkunstlehrerin der düsseldorfer Akademie dies: „Düsseldorf hat in den letzten Jahren eine enorme Professionalisierung erfahren.“ Beeindruckend fand ich das. Als sie noch unprofessionalisiert waren, lehrten dort grossartige Leute und grossartige Leute kamen raus. Meine Frau gilt als „zu ernsthaft“. Haste ja gesehen. DAS ist ein Kriterium.
    Kürzlich hat ein Kunsthistoriker von der berliner „Universität“ der Künste, der früher an der berliner Hochschule der Künste forschte, obwohl ja erst jetzt geforscht wird und früher nicht, zu mir gesagt, in den siebziger Jahren hats so viele Diskussionen und unterschiedliche Lebensweisen gegeben, irgendwie ist das gar nicht mehr so.

    T. Albert

    20. November 2007 at 10:39

  9. Der Zusammenhang zu New Age ist doch evident – ganz entspannt im Hier und Jetzt, besser funktionieren, positiv denken, kritische Gedanken har nicht erst zulassen. Wurde im Tempo schon 1993 unter „Systeme der Kraft“ ganz positiv als gute Methode zur Alltagsbewältigung angepriesen. Im Übrigen hatte ich schon Anfang der 1990er dieses Problem, als Studierende, denen ich die Dialektik der Aufklärung vortrug, das beim besten Willen nicht kapierten und erst einen Erfolg erzielte, als ich das Kapitel über die Kulturindustrie mit Begriffen wie „Das ist so das Prinzip <>“ runterbrach. In dem Augenblick, in dem ich so drastisch vereinfachte, dass ich das Gefühl hatte, in sträflicher Weise zu entstellen, erntete ich Beifall für die „eindrucksvolle Erläuterung eines komplexen Themas“. Eine Frau, die nach eigenem Bekunden praktisch nichts verstand, aber von ihrem Hintergrund als Ethnologin die DDA als „eurozentrisch“ kritisierte, veranstaltete ein Jahr später auf Basis ihrer Mitschrift zum gleichen Thema ein Seminar. Als ich die Ur-Basis des antideutschen Denkens in seiner adornitischen Variante, nämlich „Der Weg zur inneren Einheit“ von Wolfgang Pohrt referierte (ich trug hauptsäüchlich unkommentiert Originalpassagen vor), waren die Studis nur mühsam davon zu überzeugen, dass dies keine Satire sei.

    che2001

    20. November 2007 at 10:59

  10. Hinter „Das ist so das Prinzip“ gehört der Halbsatz „Für jede Sehnsucht gibt´s nen Film“.

    che2001

    20. November 2007 at 11:01

  11. @Momo: War mir schon klar, aber die Erfahrung, dass selbst die einfachste Bildsprache Sprachlosigkeit erzeugt, wollte mitgeteilt werden. Den Link muss ich noch lesen.

    @Andreas Ulrich: Naja. Man kann das ja auch pragmatischer sehen. Mir geht es ja nicht notwendig darum, die Studis von einem Text zu überzeugen, sondern um die Anwendung einer bestimmten Perspektive. Ganz positivistisch gesehen könnte man also fragen: Was passiert mit der Ausbildung an (Hoch-)Schulen, wenn man sie unter den Aspekten der Kulturindustrie thematisiert. Was gibt das dann für ein Bild?

    Aber die Studierenden wissen ja selbst, dass die derzeitige Organisation ihres Studiums eine Katastrophe ist, die zwar ihren „workload“ bemisst, nicht aber die Leistung. Das ist vor dem Hintergrund einer Homogenisierung von Leistung (als Ziel des Bologna-Prozesses) doch paradox.

    lars

    20. November 2007 at 11:14

  12. @T. Albert:

    Zu ernsthaft? Das ist ja wohl ’n Scherz … wobei, kann das nicht auch mit der Kippenberger/Oehlen-Generation zu tun haben? Und ist das nicht durch Leute wie Daniel Richter und dem allseits geächteten Neo Rauch eigentlich wieder am Kippen, trotz dieser albernen Bild-Titel bei dem Richter?

    Habe neulich mal wieder „Himmel über Berlin“ von Wenders gesehen, wow … war zum Jubiläum der HFF in München, seltsamerweise, und die dahinterstehende Denke, gibt es die noch irgendwo? Lernen die da in München nicht mittlerweile nur noch Hollywood-Dramaturgien? Ein aktiver Charakter hat ein Ziel, das er unbedingt erreichen will, und die Dramarturgie ergibt sich aus den antagonistischen Kräften, die ihm entgegenstehen? Die Ideologie dieses Konzeptes ist ja offenkundig … ist halt das Äquivalent zur Wiwi-Ideologie … der Engel bei Wenders will zwar auch Mensch werden, aber ja doch deutlich anders.

    Nicht, daß der Wenders da auch zehn Jahre oder so war, in den USA, wo’s ja in den 70ern/80ern auch dolle Sachen gab, mit „Pulp Fiction“ und so konnte ich mich dann ja nicht mehr anfreunden, und das alles liest sich jetzt wie „Früher war alles besser“, aber wenn irgendwas international erfolgreich war, dann ja nicht „Gib Gas, ich will Spaß!“, sondern Wenders oder Fassbinder; nicht Herr Poschardt oder Herr Bolz, sondern Heidegger, Adorno und Habermas – na gut, Modern Talking und Scooter auch.

    In Die Zeit war auch ein wundervoller Text von Dominik Graf über das Experimentierfeld Fernsehen in den 70ern, das US-Krimis adaptierte, und das eben gerade nicht im Sinne der Spaßigkeit und ungebremsten Ironie und verflachenden Aneignung von mit Credit Points zu versehenden Regelwerken arbeitete. Alles weg gefegt von dieser unsinnigen Implementierung irgendwelcher eher zur Hundeerziehung taugenden Konditionierungs- und Anreiz-Theorien in administrative Systeme, wo noch nicht mal die in Hundeschulen hippe positive Verstärkung Anwendung findet, sondern nur deren negative Variante, die Sanktion. Grotesk, das alles.

    @Che:

    Ich bin ja kein New Age-Experte, aber zumindest auf die Astrologie trifft das nicht zu, was Du schreibst. Die Brocken Esoterik, die ich kenne, sind kein „Positive Thinking“-Plagiat.

    MomoRules

    20. November 2007 at 11:49

  13. @Momorulez
    doch, das kann sein, dass das mit der Kippenberger-Oehlen-Generation zu tun hat, bloss waren die ja wirklich witzig, weil intelligent, auch wenn sie mal plump danebenhauten. Das war nicht diese verwahrloste Harald-Schmidt-mit-Gas-duschen-ist-lustig-Ironie, die mittlerweile für Sprachästhetik gehalten wird, ganz unironisch. So geht Spass halt heut in Deutschland. Das Problem ist, dass Kunst, auch in der Ausbildung, tatsächlich einerseits wieder nach sogenannten formalen Kriterien zu funktionieren hat, die werden irgendwie festgelegt, andererseits nur noch „inhaltlich“ gedacht und rezipiert werden soll. Das hat ja zu den dümmsten Erscheinungen der ästhetisch-sozialen Selbstbefriedigungsstrategien beamteter Künstler geführt, und ich fürchte, dass hat dann wiederum mehr mit unserer Generation zu tun, als mit den Kippenbergers: „Performance“ als eigener Studiengang beispielsweise, oder „Videoskulptur“, undso. Für sowas müssen dann natürlich „Kriterien“ entwickelt werden, und mittlerweile haben wir Lehrer und Schüler und Händler und „Kunsvermittler“(auch ein Bologna-Wort), die sich gar nicht mehr vorstellen können, dass das, was sie lehren, sich antiinstitutionell begründete und deswegen neue Formen entwickeln konnte. Aber das ist in Deutschland und der Schweiz so, in Italien auch: ohne Selbsteingliederung nimmt der Produzent sich selbst nicht ernst, selbst wenns geschäftlich läuft, und das wird mit dem Aufgeben des Selbstdenkens im institutionellen Zusammenhang freiwillig bezahlt. Dafür brauchen wir dieses Kriterien-Gewäsch. (Wobei es, je nachdem, wie man arbeitet, ja Kriterien gibt, bloss sind die nicht gemeint, und die Studenten wollen die auch nicht meinen: das würde bedeuten, sich mit historischen und kunsthistorischen, ikonologischen und ikonographischen und philologischen Fragen zu beschäftigen, was wir in den 80 Jahren ja noch mussten. Wir haben das sogar freiwillig getan, damit wir uns selbst verstanden. )

    T. Albert

    20. November 2007 at 12:35

  14. @T. Albert:

    Wollte jetzt auch gar nix gegen Kippenberger oder Oehlen gesagt haben, zum Teil finde ich das super, was die so machten – das ist aber wie bei so vielen Sachen aus den 80ern, daß eben das Potenzial, daß eigentlich in ihnen steckte, zum Gegenteil der Intention führte. Die Tempo ist da ja für mich immer der symbolische Übergang, das Umkippen, sozusagen. Was dann in der Tat zu Pocher und so führt.

    Aber ansonsten: Ja. Wenn ich schon „Evaluierung“ höre, auch als jemand aus nicht-akademischen Kontexten, habe ich immer gleich das Geräusch eine Kreissäge im Ohr.

    momorulez

    20. November 2007 at 13:10

  15. Tja, da bin ich nun außen vor. Kippenberger und Öhlen, die Namen höre ich zum ersten Mal, und Pulp fiction, das ist genau meine Art Film, finde ich super – Himmel über Berlin aber auch.

    che2001

    20. November 2007 at 15:13

  16. @ Momo: Che hat es ja schon erläutert, wieso ich die „New Age“-Welle für mitverantwortlich für den traurigen Zustand nicht nur des akademischen Nachwuchses halte.
    Ich kann noch ergänzen: nach meiner Beobachtung gingen damals (1980er) viele, die vorher „anpolitisiert-alternativ“ waren, „auf den Eso-Trip“. Damit einher ging eine massive Endpolitisierung. Ein anderer Effekt der „Eso-Welle“, zu der auch der Neopaganismus einiges beitrug: autoritäre, hierarchische und anti-emanzipatorische Konzepte wie die Theosophie der Blavatski wurden wieder „salonfähig“ – was einiges dazu beitrug, dass die Idee einer „naturgegebenen“ hierarchischen Weltordnung in die veröffentlichte Meinung einzog.
    Der dritte Effekt der „New Age-Welle“ ist der extremer Dankfaulheit. Das Hauptproblem bei vielen Vordenkern des „New Age“ war, dass sie *nicht* dachten – sondern dazu neigten immer, wenn Nachdenken oder Recherche erforderlich wäre, in unklaren, aber wohlklingend Esoterik-Jargon flohen.
    Das färbte auch auf nicht-esoterische Kreise ab.

    MartinM

    20. November 2007 at 19:28

  17. Gebt ihnen noch ein paar Jahre, dann bloggen die so wie wir, über die die nach ihnen kommen.

    Erik

    21. November 2007 at 10:21

  18. @Martin: Dabei hatte die erste New-Age-Welle, die ursprüngliche Age-of-Aquarius-Bewegung 67 ff. noch radikal individualistische Züge, die nicht unter den Karma-Determinismus der späteren Esoterik fielen, wenn man mit Crowley und Gurdieff sagte „Nichts ist wahr, alles ist erlaubt. Tu was Du willst soll sein das ganze Gesetz.“

    che2001

    21. November 2007 at 10:34

  19. Stimmt schon, Che, aber der „radikale Individualismus“ schlug (was aufgrund tiefer kultureller Prägungen kein Wunder ist) bei sehr vielen „New Agern“ fehl. Die verhielten sich so wie Kinder im Kindergarten, die fragen: „Müssen wir wieder spielen was wir wollen?“
    (Heute sind diese Kinder Studenten, siehe oben!)

    Folge: die „Selbverwirklichung“ kippte bei einigen „Aquarianern“ in den „Ego-Trip“ um. Statt „tu was du willst“ – „mach, worauf du gerade Lust hast“. Andere suchten nach „neuen Leitbildern“ – und schlossen sich zu Tausenden Guru, „spirituellen Lehrern“ usw. an. Ich kann Jutta Ditfurths schroffe Ausagen über Esoterik, die sie durch die Bank für (öko-)faschistisch (und das „Vorfeld“ zwischen Waldorf-Schule und Tantra-Seminar als „faschistoid“) durchaus nachfühlen, auch wenn ihre Argumentation noch so löchrig und fadenscheinig ist.
    Die Sehnsucht nach klarer, kühler Vernunft, nach rücksichtsloser Aufklärung, nach Emanzipation.

    MartinM

    21. November 2007 at 21:31

  20. Der Jutta stimmte ich trotz, wie Du sagst, im Konkreten löchriger und fadenscheiniger (habe ich ihr damals auch so gesagt) Argumentation in dieser Hinsicht auch zu. Was im Übrigen vom Großteil meines Szeneumfeldes auch so gesehen wurde. Da gab es zwar auch Leute, die sich mit Mystik und Spiritualität befassten, aber auf ganz anderer Grundlage als der New-Age-Ideologie.

    che2001

    22. November 2007 at 9:23


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