shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Sehr zu empfehlen: Einrichtungstipps vom Fachmann

with 25 comments

Wie dagegen im engsten Umkreis Menschen dort verdummen, wo ihr Interesse anfängt, und dann ihr Ressentiment gegen das kehren, was sie nicht verstehen wollen, weil sie es allzu gut verstehen könnten, so ist noch die planetarische Dummheit, welche die gegenwärtige Welt daran verhindert, den Aberwitz ihrer eigenen Einrichtung zu sehen, das Produkt des unsublimierten, unaufgehobenen Interesses der Herrschenden….Es gibt kein richtiges Leben im Falschen….Die Reinigung des Menschen vom trüben und ohnmächtigen Affekt steht in geradem Verhältnis zum Fortschritt der Entmenschlichung..

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Written by che2001

2. Dezember 2007 um 17:18

Veröffentlicht in Aufklärung?, die Moral, Philosophie

25 Antworten

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  1. Na, da könntest Du aber auch ruhig die Quelle angeben …

    momorulez

    2. Dezember 2007 at 18:33

  2. giftige gutmenschliche betroffenheitssülzige mystik, wie alles von dem. (das war mein versuch verständnis zu zeigen für rationale „libertäre“. )

    T. Albert

    2. Dezember 2007 at 19:22

  3. Du weiß es eh, aber man kann ja andere Leser raten lassen. Es ist einer der kürzeren und präziseren Texte eines Autors, dem böse Zungen nachsagen, er wäre vom ziemlich vom Wiesengrund abgehoben. 😉

    che2001

    2. Dezember 2007 at 19:24

  4. Ich hab’s gelesen! Ich hab’s gelesen!

    Karsten

    2. Dezember 2007 at 19:59

  5. Ja, ist schon klar. Klarer geht es kaum noch. Das begreift sogar ein geisteswissenschaftlich ungebildeter Banause wie ich.

    Allerdings würde ich mich weder beim Einrichtungsstil, noch beim Schreibstil, noch beim Musikgeschmack nach Tipps von diesem guten Mann richten.

    MartinM

    2. Dezember 2007 at 20:21

  6. Mein Geschmack ist es nicht. Ich kann mit Adorno und seiner erhabenen Wortschluffigkeit nicht viel anfangen, sorry. Beispiele (gleich an das Zitat von oben anschließend):

    Jeder Gedanke ist ein Kraftfeld, und wie vom Wahrheitsgehalt des Urteils dessen Vollzug nicht sich abtrennen läßt, so sind wahr überhaupt nur Gedanken, die über die eigene These hinausdrängen.

    Quatsch. Eine wahre These ist i.d.R. keine bloße These mehr. Dazu kommt: Ein richtiger Gedanke wird nicht dadurch falsch, wenn er kontextgebunden ist bzw. nicht in der Lage ist, „über die eigene These hinauszudrängen“.

    Noch Meinungen von äußerstem Radikalismus werden verfälscht, sobald man nur darauf pocht, und die Gesellschaft bestätigt das eilfertig, indem sie die Doktrin diskutiert und damit aufsaugt.

    Doppelt falsch. Einer bloßen Meinung fehlt i.d.R. die verbindliche Suche nach Objektivität bzw. das Wahrhaftigkeitsstreben. Deshalb heißt eine entsprechende Aussage ja nur „Meinung“. Wenn nun Adorno unterstellt, dass ganz besonders das darauf pochen [nämlich auf ihre Richtigkeit] einer Meinung sie zwangsläufig falsch macht, dann ist das erkenntnistheoretisch falsch. Das „Pochen“ auf einer Meinung kann – unter Umständen und bei geeigneter Methodik – ein Moment der Wahrheitssuche sein. Es muss nicht in unbedingt in einer Doktrin oder im Irrtum enden. Aber, eine Meinung verlässt den Bereich des bloß Meinungshaften, wenn man sie sorgfältig genug untersucht und dabei das Glück hat, ausreichende Gründe zu ihrer Bestätigung oder Ablehnung zu finden. Sie wird zur fundierten These bzw. zum Irrtum. Eine Doktrin kann beides davon sein, sogar zugleich – aber gerade ihr Kritikunwillen, das heißt, die mangelnde Bereitschaft, ihre eigene Richtigkeit zu überprüfen bzw. überprüfen zu lassen, macht ja eben ihre Doktrinhaftigkeit aus. Vielleicht meint Adorno das, aber dann hätte er es anders formulieren müssen.

    Das aber wirft seinen Schatten über den Begriff der Theorie. Da ist keine, die nicht vermöge ihrer Konstitution (…) paranoische Züge ausbildete.

    Quark. Die angesprochene Gefahr mag in Sozialwissensschaften größer sein, aber die Behauptung, dass jede (!) fundierte Theorie automatisch paranoide Züge in sich trage, ist falsch. Es gibt in den Naturwissenschaften jede Menge Theorien, die keine paranoiden Züge enthalten.

    Diese gerade verschaffen ihr die Wirksamkeit.

    Gemeint: Das paranoide und unkritische Pochen auf die Richtigkeit einer Meinung [darüber spricht Adorno m.E. eigentlich] erhöht ihre Durchschlagskraft im Meinungskampf. Das mag dort gelten, wo die Widerlegung einer Meinung (bzw.: einer Theorie) besonders schwierig ist. Das gilt – m.E. mit Einschränkungen – für den Bereich der Politik, aber dort, wo es relativ leicht fällt, die Richtigkeit einer Theorie zu widerlegen, wird sie auch durch einen bis zur fixen Idee reichenden Starrsinn nicht durchschlagskräftiger.

    Meist bezieht sich, wie beim Verfolgungswahn, die fixe Idee auf die Zuteilung von Schuld.

    Quatsch. Weder muss ein manifester Verfolgungswahn auf „die Zuteilung von Schuld“ bezogen sein (das ist in der psychologisch-psychiatrischen Prasis eher selten), noch gilt dies für die fixe Idee. Im Übrigen missfällt mir die von Adorno betriebene Psychiatrisierung der Erkenntnistheorie.

    Das Wahnsystem vermag das Wahnsystem, den Schleier der gesellschaftlichen Totalität, nicht zu durchschauen. Darum wird auf ein ausgesondertes Prinzip losgeschlagen, bei Rousseau die Zivilisation, bei Freud den Ödipuskomplex, bei Nietzsche das Ressentiment der Schwachen. Ist die Theorie anders geartet, so kann immer noch die Rezeption sie paranoisieren.

    Hey, hier hat Adorno Recht! Es gibt also auch Wahrheit in einem Meer von Irrtum. Was allerdings in Bezug auf die Aussage von Adorno ein Paradox ist…, aber nun, Adorno ist als Denker weitaus weniger auf „ein Prinzip“ festgelegt, als es die vorher angeführten Herren sind. Sein Weg zur Wahrheit ist also nicht so stark verbaut.

    Denker, denen das paranoide Element ganz abgeht (…) bleiben wirkungslos oder werden schnell vergessen.

    Was ist mit Max Weber, Albert Einstein, Kurt Tucholsky? Diese sind ziemlich quicklebendig – im Gegensatz zu den meisten paranoiden Zeitgenossen.

    Definierte man die Wahrheit als das schlechthin Nichtparanoische, so wäre sie zugleich nicht nur das schlechthin Ohnmächtige und in Konflikt mit sich selber.

    Dass sich nichtparanoides Wahrheitsstreben nicht oder sogar niemals durchzusetzen vermöge, ist eine Arbeitsthese von Adorno – und als solche falsch. Richtig ist, dass die Durchsetzung wahrer, nichtparanoider Erkenntnisse in der Wissenschaftsgeschichte immer ein mühevoller Prozess war. Das ist dann aber eine andere Aussage, als sie Adorno vornimmt, der m.E. allzu einseitig auf politische Theorien abhebt, ein Bereich, wo ich beinahe geneigt bin, ihm Recht zu geben. Allerdings kann auch in diesem Bereich redliches Wahrheitsstreben laut und lärmend vorgetragen werden, also mit den gleichen Mitteln, wie es die tendenziell paranoid Gesinnten tun. Nicht der paranoide Inhalt ist die Voraussetzung zum Gewinnn in einer Meinungsschlacht – und das gilt besonders dann, wenn ein möglichst großer Teil der geistigen Elite nach Wahrhaftigkeit streben.

    Adorno hat allerdings Zeiten erlebt, wo die geistigen Eliten – besonders in dem für Adorno wichtigen Bereich von Sozialwissenschaften und Politik – auf Wahrheitsstreben und Wahrhaftigkeit gespuckt haben. Insofern mag man für die Irrtümer des Adorno Verständnis haben und sie zugleich als Mahnung lesen, davor, was geschehen kann, wenn die Wahrhaftigkeit der geistigen Eliten schwindet.

    So, hier mache ich zunächst Schluss, schon allein, um Adorno-Liebhaber nicht weiter zu verstimmen. Ich hoffe aber, es ist mit Freude und Zustimmung vernommen worden, dass Adorno Freud für paranoid hielt.

    Dr. Dean

    2. Dezember 2007 at 22:47

  7. Kleiner Seitenhieb auf die still kichernden Zaungucker von der anderen Seite des Blogufers: Wenn die Wirtschaftslibertären die minima moralia von Adorno wirklich gelesen hätten (auch ich empfehle das),dann wären sie voller Begeisterung z.B. über diesen Satz gestolpert:

    Dem Rückschauenden verschwimmen alle Gesellschaftsutopien seit der Platonischen in trüber Ähnlichkeit mit dem, wogegen sie je ausgesonnen waren.

    Na, ist das nichts?

    Dr. Dean

    2. Dezember 2007 at 23:05

  8. @Dr Dean
    „“Noch Meinungen von äußerstem Radikalismus werden verfälscht, sobald man nur darauf pocht, und die Gesellschaft bestätigt das eilfertig, indem sie die Doktrin diskutiert und damit aufsaugt.“

    „Dem Rückschauenden verschwimmen alle Gesellschaftsutopien seit der Platonischen in trüber Ähnlichkeit mit dem, wogegen sie je ausgesonnen waren.““

    -hängt aber schwer zusammen. (TRotz Deines erkenntnistheoretischen Problems, das Du siehst.)

    T. Albert

    2. Dezember 2007 at 23:18

  9. @T.Albert
    Nun, ich meine: Die „großen“ Entwürfe gesellschaftlicher Utopien hatten oft Mängel, die – hier wende ich ein Argument von Adorno an – m.E. auf ihre einseitige Dokrin eines paranoid „ausgesonderten Prinzips“ zurückzuführen sind, welches sowohl in seiner Einseitigkeit, wie auch in seiner erkenntnisfeindlichen Dokrinhaftigkeit nicht imstande ist, den „Schleier gesellschaftlicher Totalität“ zu zerreißen bzw. zu wirklicher Erkenntnis über die Gesellschaft zu gelangen. Ja, T.Albert, man kann hier einen Zusammenhang herstellen bzw. sagen, dass das Fehlen eines wirklich kritischen Bewusstseins fast jede Idee von Gesellschaft in eine paranoide Degeneration überführt.

    Aber, ich will ja nicht nur das Frohlocken der Wirtschaftslibertären hervorlocken, ich lege auch – wie ich es doch gerne tue – sogleich einen Finger in die wirtschaftlibertäre Wunde:

    Die Lehre vom richtigen Leben. Was einmal den Philosophen Leben hieß, ist zur Sphäre des Privaten und dann bloß noch des Konsums geworden, die als Anhang des materiellen Produktionsprozesses, ohne Autonomie und ohne eigene Substanz, mitgeschleift wird. Wer die Wahrheit übers unmittelbare Leben erfahren will, muß dessen entfremdeter Gestalt nachforschen.

    Anders gesagt: Wer sich für die Gestalt entfremdeten Lebens nicht interessiert, wer hier nicht nachforscht, wer sozial weitgehend blind ist und vielleicht sogar behauptet, dass die soziale Wirklichkeit auf Märkten „per definitionem“ Freiheit sei, der kann keine sinnvollen gesellschaftspolitischen Aussagen treffen.

    Das geht einfach nicht.

    Dr. Dean

    2. Dezember 2007 at 23:44

  10. Ich weiß nicht, was es bringen soll, einzelnen Formulierungen Adornos ihre Unplausibiltät nachweisen zu wollen, ohne den Gesamtzusammenhang,in dem sie entstanden sind zu kontextualisieren, außer, dass Du zeigst, dass auch Du methodisch in der Lage bist, Zitate aus dem Zusammenhang zu reißen. Hast du doch nicht nötig. Wenn Du, wie etwa Lysis, z.B. die Psychoanalyse grundsätzlich verwerfen und sagen würdest: Der Freudomarxismus als Ganzer stimmt nicht. Da Du als Linksliberaler auch Marx nicht magst, wäre es weiterhin konsequent, ein alternatives Theoriemodell zu entwerfen, sagen wir einmal, eine Verbindung aus Max Weber und Bertrand Russell oder aus Ricardo und der Verhaltenspsychologie bzw. behavioristisch begründeter Entwicklungssoziologie.

    che2001

    2. Dezember 2007 at 23:45

  11. Och Che, so schrecklich übel gehe ich mit Marx nicht um, außer, wenn ich übertreibe. Was ja auch vorkommt. Ich denke, sein präzises Interesse an Entfremdungs- und Ausbeutungszusammenhängen, aber auch seine intellektuelle Brillanz machen Marx auch für diejenigen interessant, die seine Wirtschaftheorie für unwahr bzw. unausgereift halten. Ich denke sogar, eine kleine Prise Marx tut jeder Beurteilung sozialer Verhältnisse gut. Die Idee, man könne allein durch Überwindung des bürgerlichen Besitzes von Produktionsmitteln ein Reich von Freiheit und Wohlstand errichten, halte ich allerdings für geradezu penetrant falsch.

    Ein umfassendes, totales Theoriemodell? Nö, sowas habe ich nicht, dazu – für ein komplettes Modell künftiger Gesellschaft unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Gesellsachaft – ist mein Verstand allemal zu klein – und dort, wo er groß genug ist, eignet er sich nicht zum Bau turmhoher theoretischer Gebäude, schlimmer noch, er nimmt als ein seiner Eigenarten sofort seine Spitzhacke in die Hand und prüft, wie fest das Fundament ist, meistens mit negativem Ergebnis.

    Ganz aus dem Zusammenhang gerissen, meine Adorno-Lektüre? Ach Che, bei allem Respekt gegenüber Deinem Ärger, aber das glaube ich nicht – aber ich lasse mich gerne von Dir überzeugen. Sag doch einfach, wie der „richtige“ Zusammenhang ist, damit die von mir kritisierten Aussagen wahr werden. Anyway, Adorno zu lesen, ohne ihn zu kritisieren, halte ich für aberwitzig…

    Und wenn sich in einem fundamental bedeutenden Werk wie der Minima Moralia die Fehler tümmeln, dann kann man ja trotzdem Achtung davor haben, denn er sagt ja nicht nur Falsches, und Adornos Mut, den großen Zusammenhang sehen zu wollen, verdient Respekt. Tja, und halt auch Kritik. Seine Verdinglichungskritik hat mich überrascht, weil sie weitaus differenzierter ist und – in überraschend starken Ausmaß – dem tatsächlichen Leben relativ hochgradig gerecht wird. Es lässt sich also auch Gutes finden, wo man sonst vieles verwirft, verwerfen muss. Die „große Antwort“ bietet Adorno nun aber bestimmt nicht, eher eine Vielzahl von Anregungen und vor allem Fragen.

    Aber, wo bleibt das Positive, die große Vision? Keine Ahnung. Wo ich kann, hangele ich mich an dem entlang, was ich für wahr halte, sofern ich das überhaupt beurteilen kann – und nur selten einmal sind das mehr als nur kleinste, unzusammenhängende Flecken, die kaum eine größere Wegstrecke möglich machen, schlimmer noch, oft erweisen sich diese Flecken bei näherer Betrachtung dann doch als schwankender Grund, wo man zuvor noch darauf hoffte, einen festen Halt gefunden zu haben.

    Im Bereich der Wirtschaftstheorie halte ich einen linken, fortschrittlichen Ordoliberalismus (also etwas, was als Theorie eher noch zu errichten ist, als dass sie schon besteht) in seinen Grundzügen und Grundannahmen für gleichermaßen realistisch, wissenschaftlich haltbar wie menschengerecht. Aber wesentlich mehr als ein paar Grundzüge gibt es da halt noch nicht, jedenfalls, wenn man es mit dem gesellschaftlichen Ganzen vergleicht, dem es irgendwie gerecht werden soll.

    Wenn man bedenkt, wie viel uns von einer humanen Gesellshaft wie von einem menschenwürdigen Wirtschaften noch trennt, auch in Einzelfragen, ganz ohne Theorie sozusagen, wenn man weiß, wieviel noch zu tun ist, dann empfinde ich auch keinen Mangel daran, dass der große doktrinäre Entwurf nicht da ist (ähem: die Wirtschaftslibertären haben einen solchen Entwurf – und man kann mit Adornos Worten recht gut begründen, warum der wenig taugt).

    Vielleicht ist dieser Mangel an einer umfassenden Theorie sogar ein Vorteil. Ich lasse mich in meinem Urteil weder fortreißen von irgendwelchen Genderstudien, nicht von bewegungslinkem Solidaritätsempfinden, noch vom irrsinnigen, angeblich „liberalen“ Neoliberalismus. Ich lasse mich nur ungern einfangen durch eine „große“ gesellschftliche Theorie.

    Wozu ein „alternative Theoriemodell“ von der Voreingenommenheit und Größenwahnhaftigkeit des Marx’schen Modells? Bitte, versteh mich nicht falsch, ich habe durchaus Respekt gegenüber Leuten, die ihren Marx gut verstanden haben, übrigens, auch vor Leuten, die ihren Neoliberalismus gut verstanden haben.

    Wir beide wissen, dass die Zahl dieser Leute nicht so sonderlich groß ist.

    Dr. Dean

    3. Dezember 2007 at 0:57

  12. Wenn ich ja auch finde, daß man bei Adorno wie bei allen anderen auch auch „aus dem Zusammenhang gerissene Zitate“ sehr wohl zerpflücken können sollen dürfte – und bei dem findet sich ja nun in der Tat auch viel Murks -: Wenn man an dessen Denken jene Maßstäbe anlegt, die Theoriemodelle, die er mit guten Gründen kritisiert, formulieren, dann wird es doch absurd.

    „Im Bereich der Wirtschaftstheorie halte ich einen linken, fortschrittlichen Ordoliberalismus (also etwas, was als Theorie eher noch zu errichten ist, als dass sie schon besteht) in seinen Grundzügen und Grundannahmen für gleichermaßen realistisch, wissenschaftlich haltbar wie menschengerecht.“

    Das mag man ja finden oder auch nicht, daß ist nur dermaßen weit weg von Adonros Terrain, also würde man Beckett vorwerfen, nicht einen Hollywood-Streifen auf die Bühne gebracht zu haben oder Brecht, nicht unmittelbar an „La Traviata“ angeknüpft zu haben …

    momorulez

    3. Dezember 2007 at 10:43

  13. … oder der Psychologie vorzuwerfen, dass sie keinen sozialistischen Gesellschaftsentwurf hervorgebracht habe oder Hayek dafür zu kritisieren,dass er nicht komponiert hat. Theoretiker sind meist auch erbärmliche Stierkämpfer…

    che2001

    3. Dezember 2007 at 10:58

  14. Ach Quatsch. Als Komponist interessiert mich Adorno nicht, seine ästhetischen Urteile interesieren ebenso wenig wie die Sendung Daktari oder finnischer Tango. Da mag jeder seine persönlichen Interessen haben und, meinetwegen das auch, diese im arroganten Gestus eines Philosophenkönigs als ästhetische Praktik darstellen. Oder auch nicht. Sowas ist schnurz.

    Interessant ist Adorno als Gesellschaftstheoretiker und als Soziologe. Wenn Che nun nach Alternativen zu Marx und Adorno fragt, dann war meine Antwort ja wohl doch passend – oder Che hat sie nicht besonders gut verstanden. Es ist es in meinen Augen schon reichlich neben der Spur liegend, von einem Komponierenden Hayek zu sprechen. Wer will den sowas? Es ist schon schlimm genug, dass einer wie Hayek heute als bedeutender Vordenker des Liberalismus gilt.

    Metier verfehlt? Wir sollten, jedenfalls hier, gebildet genug sein, um zu wissen oder wenigstens zu ahnen, dass das gesellschaftspolitische und ökonomische „Metier“ des Ordoliberalismus sogar recht weitgehend eben die Felder berührt, an denen sich Marx und Adorno abgearbetet haben.

    Sie kamen zu anderen Antworten – und in vielen Bereichen stehen die Antworten noch aus.

    Und wie gesagt, Adorno schätze ich als Fragensteller, mitunter auch wegen einzelner Analysen, ich schäzte ihn als eher literarisch orientierten Ideenlieferanten, aber ganz gewiss nicht als Wissenschaftler.

    Denn das war er nicht. Er untersuchte nicht, er spekulierte – und im Spekulieren war er recht gut.

    Er hasste alle Empirie, teils mit gut vorgebrachten Gründen, aber das, was er selbst an Theoriebildung zustande brachte, das war ausschließlich wüste Spekulation, oder noch weniger, reine Literatur. Was, nebenbei bemerkt, auch einen wissenschaftlichen Wert haben kann, dann, wenn man sowas als Ausgangspunkt von Untersuchungen wählt und den meist willkürlichen, jedoch oft plausibel klingenden, Aussagen von Adorno hinterherprüft.

    Ich wüsste keinen guten Grund, Adorno wegen seiner gesellschaftspolitischen Ansichten auf den Götzenthron zu stellen oder ihn sonstwie anzuhimmeln. Ihn auf normales Maß herabzustutzen, macht ihn ja nicht gleich unwichtig.

    Wichtig an Adorno ist für mich u.a. auch, dass er die Bedeutung des Dissenz und der Kritik deutlich gemacht hat, die sogar dann bedeutsam sind, wenn sie sich (noch) nicht auf eine umfangreiche Empirie berufen können.

    Nicht alles war schlecht, manche Anregung lässt sich finden – und allein da überragt er z.B. jeden Meinhard Miegel oder Professor Unsinnn noch um diverse Längen, selbst dann, wenn Adorno ziemlich viel Mist zusammengeschrieben hat.

    Aber ein Gesellschaftsmodell? Von Adorno?? Nein, sowas ist nicht vorhanden, und dort, wo man eines sehen könnte, recht viel Mut zur Deutung vorausgesetzt, da wende ich mich mit Grausen ab. Seine Liebe zum Kommunismus, den er gerne selbstkritischer gehabt hätte, die teile ich ganz und gar nicht. Ich habs ja oben bereits beschrieben, Marx hatte einen relevanten Interessenfokus, im Gegensatz übrigens zu vielen der bürgerlichen Wirtschaftswissenschaftler und Soziologen, aber seine Gesellschaftsvision ist genau das, was Adorno eigentlich bemängelt, nämlich eine Überhebung von „einzelnen“ Prinzipien. Die marxistische Utopie taugt nicht viel.

    Da gibt es besseres. Was jetzt aber wirklich gut wäre, ganz konkret, das wäre, wenn Che auf meine Bitte einginge und mir plausibel zu machen versucht, wo ich was aus dem Zusammenhang gerissen hätte, wo falsche Zusammenhänge formuliert wurden, und welche Zusammenhänge denn nun konkret fehlen.

    Wenn schon Adorno hier im Blog u.a. für Che eine Art Hausheiliger ist, dann will ich aber auch sehen, genauer begründet erhalten, wo welche Zusammenhänge formuliert werden können – und wo angeblich nicht.

    Dr. Dean

    3. Dezember 2007 at 17:22

  15. Ach, vielleicht interessiert das hier jemanden, mir persönlich scheint – zumal nach ein wenig Adorno-Lektüre – die Machtkritik der klassischen Ordoliberalen ziemlich oberflächlich zu sein. Deren Hauptidee, man könne wirtschaftliche Macht durch einen fairen Wettbewerbsmechanismus und die Setzung von ORDO bändigen, hat zwar durchaus einiges für sich, wird aber in vielen anderen Problemstellungen den Problemen nicht gerecht. Viel haben sie geschrieben über die Gefahr, dass der demokratische Staat Beute eines könomisch motivierten Interessenpartikularismus werden kann, aber erschreckend wenig darüber, wie dieser Gefahr entgegen gewirkt werden kann. Viel wurde geschrieben darüber, dass die „laizzes faire“-Ökonomie ein gesellschaftlich völlig untaugliches Modell darstellt und mit zahlreichen Gefahren verbunden ist, aber sehr wenig darüber, wie man diesen Gefahren entkommt.

    Was ich damit sagen will: Ich bin nicht der Meinung, dass es auf alle gesellschaftspolitischen Fragen bereits Antworten gäbe, schon garnicht in der Richtung, der ich mich zugetan fühle.

    Dr. Dean

    3. Dezember 2007 at 17:30

  16. Dann fällt wohl mir zu, den guten Adorno gerade als Empiriker zu verteidigen.

    Gerade die Studien im Anschluß an den autoritären Charakter (Also Stars Down to Earth oder die Analysen dieses rassistischen Radiopredigers, generell seine Radioanalysen) fand ich sehr sehr einleuchtend. Ganz zu schweigen von seinen literatursoziologischen Arbeiten. Da sist ja nicht bloß ästhetische Theorie sonder eben auch Auseinandersetzung mit der empirischen Welt. Und das Koreferat zu Popper finde ich trotz aller berechtigter Kritik total klasse. Man müsste auch die Minima Moralia als Sammlung von Material für eine qualitative Analyse des beschädigten Lebens lesen. Dann lässt sich ja immer noch über seinen Elitismus streiten, aber ich ahbe Adorno stets als Empiriker wahrgenommen. Freilich entspricht die Form seiner Analysen gerade nicht den Erwartungen einer Disziplin, die im Quer- und Längsschnittsurvey ihr Ideal findet. Die kleine Form, die bei Adorno so prägnant ist, findet sich doch auch bei Soziologen der Chicagoer Schule oder der Phänomenologie. Und schließlich wurde ja in seinem Umfeld gerade die qualitativen Forschungsinstrumente der Gruppendiskussion und der Interviews ausgearbeitet.

    lars

    3. Dezember 2007 at 17:48

  17. Dr.Dean, dann ist Dir zufolge die Philosophie keine Wissenschaft.Du kommst mir vor wie ein Missionar,der überall seinen Ordoliberalismus propagieren will,auch an Stellen, wo es gar nicht reinpasst. Adorno war Musiktheoretiker, er war empirischer Soziologe, und er war Sozialphilosoph, der in der „Dialektik der Aufklärung“ und der „Negativen Dialektik“ an die empirischen Forschungsergebnisse aus den „Studien zum autoritären Charakter“ anknüpfend die Tatsache, dass der Mensch überhaupt zu so etwas Entsetzlichem wie Faschismus und Stalinismus fähig ist, dass der zivilisatorische Fortschritt Auschwitz möglich gemacht hat, aus einer anthropologischen Gesamtschau der Menschheitsgeschichte zu erklären versucht hat. Und dabei dann den manipulativen Charakter der Mediengesellschaft in geradezu hellseherischer Weise gleich durchanalysiert hat. Eine Adorno-Kritik, die Hand und Fuß haben will, muss dann auch den gesamten Rahmen aufspannen, statt sich faktenhuberisch an der formalen Widersprüchlichkeit einzelner Formulierungen aufzuhängen. Und mein Hausheiliger ist der noch lange nicht.

    che2001

    3. Dezember 2007 at 18:03

  18. Dr.Dean, dann ist Dir zufolge die Philosophie keine Wissenschaft.

    Es gibt Bereiche der Philosophie, wo sie noch Wissenschaft ist bzw. sein kann, z.B. im Bereich der Logik, bei der erkenntnistheoretischen Methodenlehre oder bei der Lehre vom guten Leben. Und da gibt es noch weitere Bereiche (wobei ja auffällt, mal als Nebenbemerkung, dass sich die Ökonomie zunehmend als Philosophie ausschickt – was hier m.E. gegen die Ökonomie spricht). Es ist nicht der Inhalt, der für sich schon die Wissenschaft ausmacht – es zählt das Verfahren, die Methodik der Wahrheitsuche. Viele Philosophen betreiben nur belanglose Rumspinnerei, ein sinnloses, erkenntnisfreies und willkürliches Abarbeiten an Begriffen, stets mächtig an Anmaßung und arm an echter Bedeutung – ein besonders missglücktes Beispiel dafür ist z.B. Heidegger.

    Für weite Bereiche der Philosophie trifft also zu, dass sie keine Wissenschaft ist, sondern nur Literatur, Che, – sie ist in vielen Bereichen sowenig eine Wissenschaft wie Theologie. Es ist oft – was immer noch nichts Übles sein muss – nur ein akademisch gebildetes Räsonieren. Was nun eben keine Wissenschaft darstellt, egal, mit wieviel Aufwand es betrieben wird.

    Im Übrigen habe ich gar keine Lust, eine generelle Adornokritik aufzuspannen. Wer bin ich denn? Warum sollte ich das wollen? Aber einzelne Aussagen von ihm – oder auch längere Passagen aus seinen Werken kann ich dennoch kritisieren – und ich sehe einfach nicht, wie die die vermurcksten Aussagen von Adorno (s.o.) retten bzw. in den „richtigen Zusammenhang“ rücken kannst.

    Versuch das doch mal.

    Dr. Dean

    3. Dezember 2007 at 18:31

  19. @Dr. Dean:

    Die hier von Dir in Anspruch genommen Wissenschaftsvorstellungen hat Adorno gerade kritisiert, und Deine Antwort bestätigt diese Kritik übrigens par excellence: Das ist ja das berühmte Umschlagen von Aufklärung in Mythologie, was Du hier gerade vorführst.

    Und in der Tat war z.B. die Faschismus-Skala, die Lars erwähnt, schon ganz schön dolle, und dieses Radio-Research-Projekt mit Lazarsfield, da kann man an deren Differenzen mehr über Empirie lernen als in Statistik-Vorlesungen.

    „Für weite Bereiche der Philosophie trifft also zu, dass sie keine Wissenschaft ist, sondern nur Literatur, Che, – sie ist in vielen Bereichen sowenig eine Wissenschaft wie Theologie.“

    Na, da ist Dir aber z.B. die gesamte sprachanalytische Schiene z.B. irgendwie noch nicht über den Weg gelaufen, und ansonsten sind die philosophischen Begriffe von Wahrheit völlig andere als in der Literatur. Da wirst Du der Literatur aber nicht gerecht in Deiner „Analyse“. Der Philosophie natürlich auch nicht. Du argumentierst ein wenig wie diese drei Affen mit Mund zuhalten usw. …

    „Ach Quatsch. Als Komponist interessiert mich Adorno nicht, seine ästhetischen Urteile interesieren ebenso wenig wie die Sendung Daktari oder finnischer Tango. Da mag jeder seine persönlichen Interessen haben und, meinetwegen das auch, diese im arroganten Gestus eines Philosophenkönigs als ästhetische Praktik darstellen. Oder auch nicht. Sowas ist schnurz.“

    Nein, eben nicht, wenn man den Erkenntnisgewinn der ästhetischen Rationalität eben nicht einfach ausklammert. Die ist zum einen nicht weniger wahren Erkenntnissen als die „wissenschaftliche“ rationalität, die eben einfach nur eine verkürzte ist, und zum zweiten ist ästhetische Rationalität ebenso konstitutiv für’s Soziale (und ökonomische somit mit) wie Moral auch. Und wer das ausklammert, hat einfach nix zu sagen, würde ich mal behaupten.

    momorulez

    3. Dezember 2007 at 19:07

  20. Ästhetik, ja, sogar ästhetische Theorie mag ihren Wert haben, aber einen wissenschaftlichen?

    Dr. Dean

    3. Dezember 2007 at 19:51

  21. Dem schließe ich mich vollinhaltlich an. Und ich dachte eigentlich, den positivistischen Wissenschaftsbegriff, den Du, Dean, hier vertrittst, hätte man so um 1970 herum endgültig ad acta gelegt. Ich würde es einmal so formulieren: Adorno beschäftigt sich philosophisch mit der Frage, wie die furchtbaren Zerstörungen de 20. Jahrhundert historisch möglich wurden, wieso Aufklärung nicht zum Austritt des Menschen aus der Unmündigkeit führt, sondern die aufgeklärte Wissenschaft zu neuen Methoden der Massenvernichtung führte und wieso statt der von Leuten wie Brecht progonstizierte demokratische Massenkultur durch das Radio nicht realisiert, sondern stattdessen eine manipulative Medienindustrie geschaffen wurde. In Minima Moralia im Speziellen geht es darum, vom Einrichten von wohnungen ausgehend zu zeigen, wie kalt und inhuman unsere Gesellschaft geworden ist, und über das Thema „Unbewohnbarkeit unserer Städte“, wie später Mitscherlich das nannte zu der Frage zu mkommen, wieso in dieser Gesellschaft gegen ihr eigenes objektives Intersse alle mitmachen, Identifikation mit dem Aggressor. Wenn dann ein Dr.Dean daherkommt und sich mit der Semantik einzelner Sätze Adornos auseinandersetzt um diesen Unplausibilität nachzuweisen, um dann in einer Art Übersprungshandlung seine eigenen politischen Ziele zu proklamieren, dann würde ich allerdings sagen: „Setzen, 6, Thema verfehlt!“

    che2001

    3. Dezember 2007 at 19:56

  22. Na, Musikwissenschaft gibt’s ja z.B. auch, aber Philosophie als begrifflich und reflexiv ansetzende Praxis ist ja mehr oder minder immer eine Theorie der Rationalität (oder Vernunftkritik) und entfaltet und kritisiert verschiedene Typen von Rationalität. Ein seit Wittgenstein, Husserl und Heidegger erhobener Vorwurf an die Wissenschaft ist eben jener der verkürzten Rationalität, die es in ihrer totalisierten Variante („Szientismus“) auch zu kritisieren gelte – zumeist werden „lebensweltliche“ Zusammenhänge wie z.B. der alltägliche Sprachgebrauch oder das „in der Welt Sein“ als der Wissenschaft vorgängig ausgezeichnet, und in marxistisch inspirierten Varianten ist dieses „immer schon“ dann der gesellschaftliche Zusammenhang. Während ja zuvor Kant noch eine Grundlegung der Wissenschaften in der Kritik der reinen Vernunft unternahm; jedoch auch hier ist schon die praktische Vernunft wie auch die Urteilskraft als eben „über Wissenschaftlichkeit hinausschießende Formen“ der vernunft betrachtete. Und Marx auch szientistisch argumentierte (man rüffele mich, weil das betsimmt eine verkürzte Marx-Deutung ist)).

    Insofern ist Philosphie wohl eher ein Reflexionsverhältnis zur Wissenschaft, und historisch ist die Ausdifferenzierung ja jüngeren Datums. Wobei tatsächlich die „reine“ Sprachanalyse eine empirische Wissenschaft ist, die meiner Ansicht nach z.B. für die Soziologie – trotz Habermas – viel zu wenig fruchtbar gemacht wurde. Und Wissenschaft ohne Philosphie ist blind.

    MomoRules

    3. Dezember 2007 at 20:02

  23. Heidegger ist nur noch erkenntnisfreies Geschwalle. Um nicht kritisierbar und hinterfragbar zu sein, baut dieser sich sogar eigene Begriffssysteme. Wie man das mit Wissenschaft in Verbindung setzen kann, ist mir unklar. Unklar ist mir auch, was nach Ansicht von Che in meinem Wissenschaftsverständnis „positivistisch“ ist, und noch unklarer, warum eine Form von Wissenschaft, die immerhin mehrere Jahrhunderte lang gut funktioniert hat und Erkenntnisse beförderte, nun endgültig „erledigt“ sein soll. Harter Tobak.

    Die politischen Ziele, lieber Che, und eine Andeutung eines für Dich schwer zu ertragenden Ordoliberalismus, die habe ich auch erstgebracht, weil Du danach gefragt hast. Wenn Du eine unmittelbare Antwort auf Deine Frage als „Thema verfehlt“ empfindest, dann ist das schon irgendwo schade. Vielleicht sollte ich mehr mit Zitaten arbeiten, damit klarer wird, welcher Satz sich worauf bezieht, aber sorry:

    Wozu die Mühen, wenn Che immer noch nicht einen Ansatz unternommen hat, trotz inzwischen dreifacher Bitte darum, mal konkret zu zeigen, an welcher Stelle ich den Kontext verfehlt hätte – also den Kontext nachreiht, um die mir unsinnig erscheinenden Stellen bei Adorno mit Sinn zu füllen.

    Kommt da noch was? Oder machst Du jetzt den Rayson?

    Dr. Dean

    4. Dezember 2007 at 2:40

  24. Wie kommst Du eigentlich darauf, dass Ordoliberalismus für mich schwer zu ertragen wäre? Sorry, aber Dein Diskursverhalten ist so, als ob Leute sich über Fußball unterhalten , Du hineinspazierst, darauf hinweist, dass die letzgenannte Mannschaft aber die Abseitsregel wiederholt verletzt und einen Elfer vergeigt hätte, um dann zu einem Wahlprogramm überzugehen.

    Aber schön, bitte: „Jeder Gedanke ist ein Kraftfeld, und wie vom Wahrheitsgehalt des Urteils dessen Vollzug nicht sich abtrennen läßt, so sind wahr überhaupt nur Gedanken, die über die eigene These hinausdrängen.“ meint das Nichtidentische, d.h. in diesem Fall die Tatsache, dass tiefere Wahrheiten sich vor allem in den Gedanken finden lassen,die den Anspruch haben,nicht nur die bestehende Welt zu beschreiben, sondern perspektivisch auf eine noch nicht entfaltete, befreiende Wirklichkeit hinauszulaufen.

    „Noch Meinungen von äußerstem Radikalismus werden verfälscht, sobald man nur darauf pocht, und die Gesellschaft bestätigt das eilfertig, indem sie die Doktrin diskutiert und damit aufsaugt.“ bedeutet, dass der radikalstegesellschaftliche oder auch künstlerische Gegenentwurf in dem Augenblick nichts mehr wert ist, in dem er zum Dogma erstarrt und gesellschaftlich integriert wird.In demAugenblick, in dem in der bestehenden Gesellschaft ein radikaler Entwurf etabliert ist, wird er auch integriert und verliert seine radikale Strahlkraft. Unter den Bedingungen der Kulturindustrie ist Avantgarde nicht mehr möglich.

    „Das aber wirft seinen Schatten über den Begriff der Theorie. Da ist keine, die nicht vermöge ihrer Konstitution (…) paranoische Züge ausbildete.

    Quark. Die angesprochene Gefahr mag in Sozialwissensschaften größer sein, aber die Behauptung, dass jede (!) fundierte Theorie automatisch paranoide Züge in sich trage, ist falsch. Es gibt in den Naturwissenschaften jede Menge Theorien, die keine paranoiden Züge enthalten.“ – Adorno befasst sich nicht mit naturwissenschaftlichen Theorien, sondern mit dem Umschlagen aufgeklärter politischer und philosophischer Theorie in Mythologie, z.B. mit der Entwicklung von Voltaire und Rousseau über de Sade, Nietzsche, Dühring und den Sozialdarwinismus sowie Wagner zum Nationaösozialismus oder das Umschlagen des radikal aufgeklärten Marxismus in den radikalgepressiven und auch regressiven Stalinismus. Und da steckt jede Menge Paranoia drin, der autoritäre Charakter ist ohne diese gar nicht denkbar.

    „Diese gerade verschaffen ihr die Wirksamkeit.

    Gemeint: Das paranoide und unkritische Pochen auf die Richtigkeit einer Meinung [darüber spricht Adorno m.E. eigentlich] erhöht ihre Durchschlagskraft im Meinungskampf. Das mag dort gelten, wo die Widerlegung einer Meinung (bzw.: einer Theorie) besonders schwierig ist. Das gilt – m.E. mit Einschränkungen – für den Bereich der Politik, aber dort, wo es relativ leicht fällt, die Richtigkeit einer Theorie zu widerlegen, wird sie auch durch einen bis zur fixen Idee reichenden Starrsinn nicht durchschlagskräftiger.“ – Adorno spricht eigentlich davon, wie normative Vorstellungen unter den Bedingungen des Totalitarismus, aber auch in der modernen Kulturindustrie (Vermittlung politischer Inhalte über Symbolsprache, ständiges Einhämmern der immer gleichen Werbeparolen)ein falsches Bewusstsein schaffen,das in seiner formalen Grundstruktur der Paranoia nicht unähnlich ist ( z.B., aber auch nur eines unter Vielen, Konditionieren von Ekelgefühlen beim Anblick des Juden, Schwarzen,Vagabunden, Kommunisten,Kaspitalisten, whatever im jeweiligen gesellschaftlichen Bezugssystem). Ansonsten ist dieIdentifikation mit dem Aggressor hier natürlich begriffliche Grundvoraussetzung des gesamten Argumentationsstrangs.

    che2001

    4. Dezember 2007 at 10:38

  25. @Dr. Dean:

    Na, Du bist ja so eine Art Weltgeist, was Du nicht so alles weißt, jetzt auch noch Heidegger-Experte? „Um nicht kritisierbar und hinterfragbar zu sein, baut dieser sich sogar eigene Begriffssysteme“ – völliger Humbug, der hat lediglich versucht, durch seine Sprache neuen Raum für’s Denken zu schaffen, u.a., um das Subjekt/Objekt-Schema hinter sich zu lassen, und das, was dabei rauskam, ist zumindest beim frühen Heidegger genau so kritisierbar wie alles andere auch. Und Du bist offenkundig einfach nur zu denkfaul, Dich da mal drauf einzulassen.

    „Wie man das mit Wissenschaft in Verbindung setzen kann, ist mir unklar.“

    Ja, dann lies doch mal, was ich weiter oben geschrieben hat. Das sind Strukturen, die Wissenschaftlichkeit vorgängig sind, die Heidegger beschreibt. Und diese erst möglich machen. Wobei dessen Wissenschaftstheorie nicht gerade zu den Highlights abendländischen Denkens gehört, ein philosophischer Gigant war das trotzdem.

    „warum eine Form von Wissenschaft, die immerhin mehrere Jahrhunderte lang gut funktioniert hat und Erkenntnisse beförderte, nun endgültig “erledigt” sein soll. Harter Tobak.“

    Diese Vorstellung „einer“ Form von Wissenschaft vertreten in der Regel nur Nicht-Wissenshaftler, das ist doch ein Gespenst, daß diese EINE Form gäbe – übrigens einer der wichtigen Kritikpunkte z.B. an der „Dialektik der Aufklärung“, daß diese das im Grunde genommen auch behauptet. Aber klar, tolle Gase, Waffen und Schädelvermesseungen hat die Wissenschaft hervorgebracht, und unter genau unter diesem Eindruck hat Adorno seine Bücher verfaßt.

    momorulez

    4. Dezember 2007 at 10:49


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