shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Ich frag mich’s wirklich ….

with 14 comments

Wenn ich diesen Eintrag von Ingo Way so lese, der sich ja ein wenig wie der zusammenfassende Witz über politische Diskussionen in der Blogosphäre also solche liest (natürlich nur ein wenig, ich will hier den ernsten, sachlichen Gehalt gar nicht bestreiten geschweige denn das folgende irgendwie auf die Inhalte der „Antifa-Debatte“ bezogen sehen), dann frage ich mich in tiefer Nostalgie, wie ich eigentlich vor dem Hineinschnuppern in die frontenreiche Welt der Blogs politisch diskutiert habe. Und ich meine mich zu entsinnen, auch meinerseits den Stalinismus- und Totalitarismus-Vorwurf deutlichst dosierter verwendet zu haben, sehr, sehr viel seltener, da waren eher „autoritär“ und so meine Vokabeln … von sehr speziellen Arbeitssituationen mal abgesehen.

Und nun kam ich mir neulich sogar schon richtig moderat vor, den Großteil der liberalen Blogosphäre als im Kern als lediglich rechts-konservativ klassizifiert zu haben (eine Diagnose, die ich so aufrecht erhalten würde) , eigentlich ja tragikomisch in vielen Hinsichten – und bin natürlich ansonsten der festen Überzeugung, daß ich als Blog-Persona nur so geworden bin, weil die Anderen mich dazu gemacht haben, was meiner eigenen Theorie der Kreis- bzw. Spiralförmigkeit von Kommunikation doch drastisch widerspräche und schon deshalb nicht stimmen kann. Ja, es gibt ansonsten auch den ganz normalen Alltag, der einen, weil er so ist, wie er ist, dann radikalisiert – trotzdem reibe ich mir verstört die Augen, wenn ich das da drüben lese … ist’s wirklich nur die Anonymität des Netzes oder nicht vielmehr die Tatsache, daß dort vor allem jene politischen Positionen sich am stärksten ballen, die im „wahren bundesdeutschen Leben“ jenseits des Stammtisches in öffentlichen Räumen am wenigsten Gehör und Präsenz finden oder, gerade im Falle des Wirtschaftliberalismus, zwar als legitmatorisches Grundsummen in Chefetagen Wohlbefinden stiften, aber so unverblümt dann doch nicht ausgesprochen werden? Oder irre ich? Keine Ahnung. Dieses sich als Opposition zu den „Mainstream-Medien“ positionieren, das so selbstgefällig viele Blogs am Leben hält, die dann ihre „reinen Wahrheiten“ der Lüge entgegenzusetzen glauben, das spräche jedenfalls dafür … wenn das so ist, dann wäre das Netz sowas wie die – metaphorisch verstanden – „nicht-integrierten Persönlichkeitsbestandteile“ in manchen psychologischen Schulen, der Schatten, das Verdrängte der Öffentlichkeit. Und das könnte ja wahr sein.

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Written by momorulez

5. Dezember 2007 um 10:35

14 Antworten

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  1. Ich frage mich allmählich wirklich, ob es eine gute Idee war, bei B.L.O.G. zum Thema „Antifa“ zu schreiben. SO genau wollte ich es nämlich gar nicht wissen, wie bestimmte Menschen „hinter den Blogs“ so ticken (bzw. austicken). Denn mein Beitrag war nicht als Provokation gedacht, auch wenn das manche meinen.

    MartinM

    5. Dezember 2007 at 10:50

  2. Ich fande Deinen Beitrag hervorragend, und der hat es doch auch echt gebracht – da haben schon viel ihren eigen „Schatten“ (im Sinne C.G. Jungs) drastisch offenbart … brauchst Dir wirklich nicht anziehen, wie Andere da reagieren!

    momorulez

    5. Dezember 2007 at 10:55

  3. Und ich meine mich zu entsinnen, auch meinerseits den Stalinismus- und Totalitarismus-Vorwurf deutlichst dosierter verwendet zu haben, sehr, sehr viel seltener, da waren eher “autoritär” und so meine Vokabeln … von sehr speziellen Arbeitssituationen mal abgesehen.

    Oh ja. Ich werde mir manchmal selber antipathisch.

    T. Albert

    5. Dezember 2007 at 15:02

  4. Blogs als digitaler Nachhall unseres besserwisserischen Schattens. Das gefällt mir.

    Erik

    6. Dezember 2007 at 11:54

  5. Wenn der „Schatten“ doch immer nur besserwisserisch wäre, Erik. Ich fürchte, bei Fragen, die etwas „abseits“ der gewohnten Fronten liegen, offenbaren wirklich einige „liberale“, „pro-westliche“ und „tolerante“ Blogger ihren Schatten im jungschen Sinne, also als die negativen, sozial unerwünschten und daher unterdrückten Züge der Persönlichkeit. Offensichtlich liegt das Thema „Umgang mit der Antifa“ quer zu den üblichen Fragestellungen, bei denen die Äußerungen der Beteiligten völlig vorhersehbar sind. Oder positiv ausgedrückt: Fehlen die Worthülsen, kommen die wahren Ansichten, Haltungen, Meinungen zum Vorschein.

    MartinM

    6. Dezember 2007 at 12:38

  6. Habe gerade in einem Text, den ich redigieren muß, „Stalinist“ gelesen, obwohl da Statist steht … soweit isses gekommen …

    momorulez

    6. Dezember 2007 at 13:08

  7. Erik

    hallt Dein Schatten nach? ( Hier ist grad das Wetter so schlecht. )

    T. Albert

    6. Dezember 2007 at 13:44

  8. Geradezu erfrischend finde ich in diesem Zusammenhang Paul13, der hilflos „Was soll der Blödsinn?“ fragt. DAS jedenfalls kann ich gut nachvollziehen;-)

    che2001

    6. Dezember 2007 at 17:49

  9. Ansonsten denke ich, dass hier Spaltungsprozesse zwischen Kräften zum Tragen kommen, die nie wirklich zusammengehörten. Antideutsche, die in ihrer permanent fortgesetzten Distanzierung gegen antimperialistische Linke irgendwann zum Zweckbündnis mit prowestlichen Radikalliberalen, Rechtsliberalen und Neokonservativen gelangten, sind ebensosehr dogmatische Linksradikale wie klassische Antiimperialisten, nur mit umgekehrtem Feindbild hinsichtlich internationaler Frontverläufe (Ich mag den Ausdruck nicht, passt hier aber.)Mit antiimperialistischen, sozialrevolutionären und autonomen Antifas haben sie aber nach ganz rechts gesehen den gleichen Feind und die gleiche Art, diesen zu bekämpfen. Da erscheint es logisch, dass Antideutsche gegen Angriffe auf Antifas vom bürgerlichen Lager her recht entschieden reagieren. So wenig ich mit Antideutschen gemein habe – gegen Kritik von rechts würde ich sie jederzeit verteidigen.
    Romani ite domum! 😉

    che2001

    6. Dezember 2007 at 23:48

  10. Wobei ich jetzt den Eintrag gar nicht nur auf die antideutschen und „liberalen“ Antifa-Diskutanten beschränkt sehen wollte, sondern auch uns da durchaus einbeziehen würde, weil das, was wir im Netz schreiben, ja auch in meinem Arbeitsalltag zu „sozial sanktionierten“ zumindest in bestimmten Hinsichten gehört … und eben überhaupt allerlei, was in Blogs so passiert und auch im Netz im Allgemeinen.

    momorulez

    7. Dezember 2007 at 10:38

  11. Hier tue ich mich mit dem „wir“ schwer. Zur autonomen Antifa rechne ich mich selber, Shifting Reality insgesamt hingegen nicht.

    che2001

    7. Dezember 2007 at 11:16

  12. Nö, natürlich nicht; dann haste aber, glaube, noch nicht wirklich verstanden, was ich meine, oder findest es einfach nicht wichtig, kann ja auch sein … mir geht’s nicht um Antifa oder Nicht-Antifa.

    momorulez

    7. Dezember 2007 at 11:24

  13. Zu „dann frage ich mich in tiefer Nostalgie, wie ich eigentlich vor dem Hineinschnuppern in die frontenreiche Welt der Blogs politisch diskutiert habe. Und ich meine mich zu entsinnen, auch meinerseits den Stalinismus- und Totalitarismus-Vorwurf deutlichst dosierter verwendet zu haben, sehr, sehr viel seltener, da waren eher “autoritär” und so meine Vokabeln … von sehr speziellen Arbeitssituationen mal abgesehen.“ muss ich dann sagen, dass ich Stalinismus-und Totalitarismus-Vorwürfe zwar ebenfalls äußerst sparsam gebraucht habe, mein eigener Diskussionsstil aber sehr viel polemischer war, als ich ihn in der Bloggosphäre gebrauche und Sprechweisen wie „Ihr seid der letzte Kegelverein. Finde ich aber gut, dass wir in Bremen jetzt auch ein paar Schießbudenfiguren haben, über die wir lachen können“ durchaus üblich waren. Und dass ich als im Antifa-Binnendiskurs beheimateter Mensch in diesem Kontext meine Schwerpunkte anders setze als Du versteht sich ja von selbst.

    che2001

    7. Dezember 2007 at 11:50

  14. Den größten teil der liberalen Blogger würde ich als Leute bezeichnen, die einen dogmatischen, geradezu theologisch codifizierten Wirtschaftsliberalismus vertreten und in Fragen, die sich außerhalb des Bereichs Wirtschaft/Soziales/Ordnungspolitik/Steuern bewegen konservativ eingestellt sind. Jemand wie die Stimme aus dem Off, der „Kriminalität von Migranten“ einmal als eines seiner Hauptinteressen angab, macht Verdacht, ein Rechtsradikaler zu sein, aber auch der nennt sich noch liberal. Blogger, die unter dem Label „konservativ“ unterwegs sind, sind fast durch die Bank Kryptofaschisten.

    che2001

    9. Dezember 2007 at 19:23


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