shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Jelinek und der Neid.

with 14 comments

So das muss ich jetzt zitieren, weil ich da gerade drüber gestolpert bin und es klasse finde.

„Die Liftanlagen sind veraltet und wenig attraktiv, da müßten doch endlich neue herkommen können und sich auf Dauer ansiedeln wollen! Aber wenn etwas bleiben soll, muß ihm etwas geboten werden, und das ist nicht einfach bei Menschen, die sich um Gebote nicht scheren, und kämen sie von Gott selbst, na, dann wird ihnen halt das Fell (oft von geschundenen Hunden, deren Haar sich sträubte, um schön auszusehen) über die Ohren gezogen, welches sich an einer feschen Parka–Kapuze befindet, ihr Schaden, wenn sie sich nicht selber scheren lassen wollen, sie versäumen soviel! Sie könnten so viel Spaß haben, ich sagte es schon. Das kann doch nicht so schwer sein, etwas Tolles geboten zu bekommen, Paris Hilton in einer Dose, nein, mit einer Dose, oder wen anderen mit einer tollen Stimme und einer tollen Anlage, damit diese Stimme verstärkt werden kann, aber bitte, mit silbernen Löffeln wird es nicht gehen, man wird hart arbeiten müssen in seinem Körperhäusel, das sich am zugigen Gang befindet, Substandardkategorie D minus — kein Wunder, daß die Leute wegfahren wollen, wir könnten davon sehr profitieren, wir könnten nur profitieren, wir alle können nur profitieren, wenn unsre faulen Kredite, aber auch die fleißigen, an die Heuschrecke Zerberus, dieses Heimchen, das uns unsere Heime kosten wird, verscherbelt werden, pauschal und zu einem guten Preis, wenn auch nicht für uns! – Hauptsache, unsere Körperwohnung, zumindest die noch vorhandene, wird überwiegend von jemand anderem bewohnt bzw. relativ rasch wieder der Nutzung zugeführt, von jemand andrem besessen zu sein und besessen zu werden! Mit Blei in den Füßen wird es vielleicht gehen, daß man hierherkommt, um leichtfüßig sein Geld auf den Kopf zu hauen, daß es schreit und eingeht, bis es ganz verschwunden ist.“

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Written by lars

11. Dezember 2007 um 16:37

14 Antworten

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  1. Wooth?

    Ich versteh‘ überhaupt nichts.

    Ist das eine Form dadaistischer Literatur?

    House

    11. Dezember 2007 at 22:15

  2. Nein, das ist brutal!

    ring2

    12. Dezember 2007 at 9:45

  3. Ich kann damit auch überhaupt nichts anfangen…

    che2001

    12. Dezember 2007 at 9:59

  4. Ja, ja, nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen für verständlich 😉 …

    momorulez

    12. Dezember 2007 at 10:15

  5. Wer in einem Ort mit Namen Mürzzuschlag geboren wurde muss wohl zwangsläufig bizarr draufkommen. 😉

    che2001

    12. Dezember 2007 at 10:31

  6. Es könnte eine „condensed novel“ sein – das sind experimentelle Texte, die nur aus Stichworten bestehen, die bestimmte Assoziationen beim Leser hervorrufen sollen, der daraufhin den knappen Text innerlich zu einem „vollwertigen“ Roman ergänzt. (Und das ist kein Witz.)

    MartinM

    12. Dezember 2007 at 10:46

  7. Nee nee, die schreibt fast immer so. Teilweise finde ich den Sprachwitz ja sehr gut und äußerst interessant, und ihre brutalen und entlarvenden Angriffe auf die kryptofaschistische österreichische Spießergesellschaft richtig klasse und allemal berechtigt. Im vorliegenden Fall finde ich es allerdings zu abgedreht. Meine Literaturgeschmack ist aber auch ein anderer, ich bevorzuge eher Leute wie Steward Home.

    che2001

    12. Dezember 2007 at 10:55

  8. Warum sollte das auch ein Witz sein? So funktioniert Kunst …

    momorulez

    12. Dezember 2007 at 10:56

  9. Es muss aber wirklich hart sein, in der Steiermark sozialisiert worden zu sein.Ich erinnere mich,mal einen Roman über einen tschetschenischen Flüchtling namens Shamsamuddin Shirikow schreiben gewollt zu haben, der in der Gegend lebt, sich Obstler hinter die Birne gießt und nachts den Hochlantzsch für den Kaukasus hält, insofern hat die Jelinek meine volle Empathie 😉

    Trotzdem lese ich den Stil nicht gerne, in dem sie inzwischen schreibt.

    che2001

    12. Dezember 2007 at 11:37

  10. „Warum sollte das auch ein Witz sein? So funktioniert Kunst …“

    Das wissen aber viele nicht. Andere wollen es nicht wissen.

    MartinM

    12. Dezember 2007 at 13:13

  11. Ich mag deren Granteln ja wirklich, da ist sie eine der wenigen, die in dieser Hinsicht dem Thomas Bernhard und dem Karl Kraus das Wasser reichen kann. Wer also dem Link nicht gefolgt ist, Auf ihrer Homepage ist ein „Privatroman“ namens „Neid“ veröffentlicht, das ist ein Zitat aus der 5. oder 6. Seite.

    lars

    12. Dezember 2007 at 13:59

  12. „Paris Hilton in einer Dose, nein, mit einer Dose“, finde ich allerdings schwach.

    ring2

    12. Dezember 2007 at 14:25

  13. stimmt…aber die will ja auch nicht witzig sein, da hat Momo schon recht. Wenn man lacht, dann sowieso nur kurz und gegenüber der Unglaublichkeit.

    lars

    12. Dezember 2007 at 14:30

  14. Bei den Wortspielen, die sie so veranstaltet, würde mir eher Finnegans Wake einfallen als Bernhard oder Kraus.Zu letzterem übrigens mal eine Expertenfrage:Weiß jemand, ob im deutschen Sprachraum in den 1980ern noch eine Zeitschrift mit dem Titel „Fackel“ erschienen ist?

    che2001

    12. Dezember 2007 at 14:32


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