shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Denunziation des Tages – und ein Lob der Liebe, universell und auch ganz weltlich!

with 22 comments

„Ich dachte etwa an eine Kategorie “Ideologie, als Wissenschaft etikettiert”. Entsprechend “Wirtschaftswissenschaften” als “Wissenschaft”, wo Ökonomismus als Ideologie drinsteckt.“

Wer hat’s gesagt? Und man frage sich ergänzend:Ist jetzt das Umschreiben des Zitates denunziatorisch oder der verlinkte Handelsblatt-Artikel? Und, je nachdem in welchem Fall, wenn ja, warum?

Aber so als devianter Denunziant (…. der schlimmste Lump im ganzen Land …) darf ich das wahrscheinlich gar nicht fragen … weil ein solcher Begriff ja für wissenschaftliche Objektivität im Sinne der Statistik steht (lacht da wer?). Und diskriminiert werden ja eh nur Christen. Verdankt sich deren Glaube eigentlich auch einer Virus-Infektion im Mutterleib, der dann die Inhalte des Denkens biologisch determiniert? Ist das vielleicht sogar der realgeschichtliche Hintergrund für den Mythos der unbefleckten Empfängnis???? Würde dessen epidemische Ausbreitung damals erklären … sorry, daß ich sowas kurz vor Weihnachten schreibe. Bin ja selbst pro Jesus, ohne Scherz, und frage mich immer wieder, wie das geht, daß jene, die universelle Liebe beschwören, gleichzeitig in Kategorien totalisierten Eigeninteresses denken können …. Und wer „Gutmensch“ schreibt, ist eh Antichrist.

Na, das so als Predigt des Tages, bin noch in sowas wie einem ekstatischen Glaubenserlebnis so tief verstrickt, emotional – wenden wir uns also den weltlichen Formen des Glaubens zu und zitieren jene, die die Worte des gestrigen Abends sprachen:

Jürgen Klopp:
Das wichtigste vorneweg: Herzlichen Glückwunsch, St. Pauli. Sie haben sich den Sieg verdient, weil sie über 90 Minuten alles in die Wagschale geworfen haben.

André Trulsen:
Für uns war das mit dem Aufstieg, der Südtribüne und den nun 22 Punkten ein sehr ereignisreiches Jahr und ein krönender Abschluss heute. Ich hoffe, wir sehen uns in Mainz wieder, wenn der FSV den Aufstieg und wir den Nichtabstieg geschafft haben.

Fabio Morena:
Was in diesem Jahr passiert ist, ist schon unglaublich. Vor zwölf Monaten standen wir noch auf dem zwölften Platz der Regionalliga, heute sind wir Zehnter in der zweiten Bundesliga.

Ach, auch weltliche Liebe kann soooooooooo schön sein ….

Ach ja. Seufz. Glaube, Liebe Hoffnung ….

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Written by momorulez

15. Dezember 2007 um 11:42

22 Antworten

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  1. Seufz auch immer noch und schleppe meine Kinder auf dem Ottenser Weihnachtsmarkt, um drei der Glaubensbrüder zu treffen 😉

    ring2

    15. Dezember 2007 at 15:50

  2. […] der Kumpels per SMS ein. Kurz, die von Willi, voller herrlicher Schreibfehler die von Momo, in denen aber vor allem die Spannung und die Freude rübersprühen, die Freude darüber, dass St. […]

  3. Hihi, vertan – die Nikoläuse zeichnen erst morgen. ;(

    Erik

    15. Dezember 2007 at 17:49

  4. Und hätt´ Maria abgetrieben, wär´ uns was erspart geblieben. Wir bleiben unserm Grundsatz treu: Rot, pervers und arbeitsscheu.

    che2001

    15. Dezember 2007 at 19:37

  5. Ich versuche, mal ernst zu bleiben: Was den von Dir verlinkten „Handelsblatt“-Artikel angeht, bin ich, obwohl er eindeutig die Gender-Forschung denunziert, auf Seiten der empirischen biologischen und neurologischen Forschung – und gegen den „Gender“-Ansatz. Also der Ansicht, dass die geschlechtliche Indentität (weitgehend) biologisch bestimmt ist. Aaaber – was in dem Artikel untergeht, wie auch in populären Sachbüchern zum endlosen Thema, warum alle Männer nicht zuhören, alle ihre getragenen Socken rumliegen lassen, alle nach dem Sex einschlafen usw. (ich übertreibe nur geringfügig) – der „typische Mann“ und die „typische Frau“ sind lediglich statistisch ermittelte Idealtypen, d. h. die statistische Durchnittsfrau hat ein schlechteres räumliches Orientierungsvermögen und eine bessere Farbwahrnehmung als ein „typischer“ Mann. Rückschlüsse über das Individuum nur aufgrund seines Geschlechts sind nicht ohne weiteres möglich.
    Also: meiner Ansicht nach sind sowohl die „Gender-Mainstreamer“ wie die klassifizierenden Bio-Deterministen völlig auf dem Holzweg.
    Damit ähnelt die Situation auf vertrackte Weise der ökonomischen Frage: auf der einen Seite die „Staats-“ bzw. „Interventionsgläubigen“, auf den anderen Seite die „Marktgläubigen“. Und obwohl ich als Nicht-Volkswirt da „gar nicht mitreden“ kann, werde ich den Verdacht nicht los, dass beide Seiten im Unrecht sind.

    Bei anderen Problemen fällt mir die Standortbestimmung leichter. Es ist meiner Ansicht nach allzu einfach, zugleich die universelle Liebe zu beschwören und in Kategorien totalisierten Eigeninteresses zu denken. Man muss sich nur auf einen Calvinistischen Fundamentalismus einlassen: unbedingter Glaube an die Prädestination und daran, dass sich die Gnade Gottes als Erfolg im Leben mitteilt – und jeder Selbstzweifel schon dem Teufel den kleinen Finger reicht. „Liebe“ ist in diesem System moralische Pflichterfüllung.

    MartinM

    16. Dezember 2007 at 0:35

  6. Na, die Gender-Leute unterscheiden ja schon auch zwischen sozialem und biologischen Geschlecht, und daß es sowas wie sozial konstitueirte Geschlechterrollen gibt, das finde ich unabweisbar. Zudem die eigentliche Komik des F.A.B.-Original-Zitates ja darin besteht, daß natürlich IMMER Wissenschaft ihren Gegenstand auch konstituiert durch ihre Methodik.

    Auch die Alternative Markt- versus Staatsgläubigkeit halte ich für eine unzulässig, liberale Vorgabe. Da schleicht sich immer so eine Alternativen-Konstruktion ein, die doch gar nicht sein muß …

    Und Liebe als moralische Pflichterfüllung im Sinne einer Liebe zu Gott, na, ich weiß ja nicht. Das mit „Liebe Deinen Nächsten“ finde ich ja so übel eigentlich auch nicht, und indem ich das tue, partizipiere ich an der universellen göttlichen Liebe, so verstehe ich das ja eher …

    momorulez

    16. Dezember 2007 at 10:22

  7. Noch in den 80er Jahren stand in einem der wichtigsten Humanbiologie-Lehrbücher für den deutschen Wissenschaftsbetrieb, dass Kinder skandinavischer Herkunft über bessere Raumorientierung verfügten als solche jüdischer Eltern, die dafür besser rechnen könnten und Afrikaner fauler seien als Japaner. Sorry, der ganze Aufwasch, inklusive dieses Büchhchens/Filmchens „Warum Männer lügen und Frauen schlecht einparken“ (eine alte BDM-Funktionärin in meiner Verwandtschaft fand das richtig gut) ist nichts anderes, als die verklausulierte, unter Bedingungen der „Zensur“ vertretene Variante der NS-Rassenhygiene.

    che2001

    16. Dezember 2007 at 12:35

  8. „Sorry, der ganze Aufwasch, inklusive dieses Büchhchens/Filmchens “Warum Männer lügen und Frauen schlecht einparken” (eine alte BDM-Funktionärin in meiner Verwandtschaft fand das richtig gut) ist nichts anderes, als die verklausulierte, unter Bedingungen der “Zensur” vertretene Variante der NS-Rassenhygiene.“

    Ja, das seh ich eben leider auch so. Ich habe da enorme Schwierigkeiten mit, und ich denke auch, dass diese ganze Genderisierung, die ja nun so schnell institutionell wurde wie sonst kein Konzept ausser dem des Marktradikalismus, linke Konzepte und Diskurse nachhaltig kaputtgemacht hat. Darüber streite ich mich gerne mit jedem, das ist aber auch, andererseits, der grund, warum ich zu dem Thema so wenig sagen möchte.

    T. Albert

    16. Dezember 2007 at 12:45

  9. Kann das sein, daß ihr zwei verschiedene Sachen meint? Und ich das gleiche wie Che? Ich meine keine Maßnahmen wie das „Gender-Mainstreaming“, sondern Theorien, die eben nicht biologisierend Menschen Eigenschaften zuschreiben, sondern „Geschlecht“ als sozial konstituiert, was kein Bestreiten biologischer Geschlechter bedeutet, sondern eben einen freieren Umgang damit und ein Sich-Wehren gegen deterministische Zuschreibungen. Und da kann ich nicht sehen, daß das linken Konzepten nachhaltig geschadet hätte, ganz im Gegenteil, geht ja um Freiheit und Vielfalt im sich-zu-sich und zu-Anderen-Verhalten.

    momorulez

    16. Dezember 2007 at 12:57

  10. Ja, MR, Dir ist die Provokation gelungen:
    Die Alternative Markt- versus Staatsgläubigkeit lehne ich, wie Du vielleicht weist, ab. In dem Sinne, dass Pest oder Cholera auch keine Alternativen sind. Ich stelle nur fest, dass reale wirtschaftpolitische Diskussionen meistens so verlaufen, als wären diese beiden Glaubenssysteme Alternativen.

    Ich habe auch nichts gegen moralische Pflichterfüllung. Allein: Man sollte sie nicht „Liebe“ nennen. Es ist legitim, zu verlangen, dass Eltern sich gegenüber ihren Kinder in der Pflicht fühlen. Und es ist legitim, zu verlangen, dass Kinder ihre Eltern respektieren sollten. Aber niemand kann verlangen, dass sie sich lieben.
    Das Problem beim Satz: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ ist, dass calvinistische Fundamentalisten sehr oft sich selbst hassen.

    MartinM

    17. Dezember 2007 at 11:49

  11. Die etablierte Genderforschung an Universitäten, die teilweise schon zu einer Möglichkeit verkommen ist, auf dem Feminismus-Ticket-Karriere zu machen, und die Gender-Diskussion in der politischen Theoriebildung oder auch in linker und schwullesbischer Politik sind verschiedene Schuhe.

    che2001

    17. Dezember 2007 at 12:41

  12. Und,um dem nochmal eine andere Dimension zu geben: In der Anthropologie sind gerade die radikalsten Ansätze in der Genderdebatte, z.B. Judith Butlers Dekonstruktivismus hochaktuell. Die Radikalposition „Eine an zwei biologischen Geschlechtern festgemachte Geschlechtlichkeit ist ein soziales Konstrukt“ mutet erstmal absurd an,aber komm mal woanders hin – es gibt in Sibirien und Melanesien Völker mit bis zu 7 Geschlechtern. Dort gelten etwa Transsexuelle als eigenständiges Geschlecht (werden meist Schamanen), Schwule und Lesben auch, z.T. auch Kinder und Alte,und für jedes dieser Geschlechter in der Sprache eigene Endungen und eigene Fürwörter (also neben „Ihr -ihm“ etc. entsprechende Formen für jedes weitere Geschlecht). Die würden mit unserer bipolaren Geschlechterauffassung nichts anfangen können.

    che2001

    17. Dezember 2007 at 13:17

  13. Ich kann damit auch nix anfangen 😉 – die ist schlicht totalitär.

    momorulez

    17. Dezember 2007 at 14:23

  14. ???

    che2001

    17. Dezember 2007 at 14:32

  15. wenn ich Che unterstellend interpretieren darf, unwissenschaftlich und fachfremd natürlich, dann sind diese melanesischen und sibirischen Gesellschaften sogenannte traditionelle Gesellschaften. Keine Ahnung, ob die einen, wie auch immer aussehenden, Begriff von Geschichtlichkeit und Fortschritt haben, von dem aus wir sie als traditionell bezeichnen. Sollten sie, was ich vermute, in den geschichtlichen Begegnungen und daraus resultierenden Entwicklungen eine Vorstellung davon entwickeln, dann werden sie wohl versuchen die den unsrigen, westlichen anzugleichen. Wie auch immer. Was anderes wird ihnen nicht übrigbleiben, vorerst zumindest, um Kompensation für ihre Verluste aus diesen Begegnungen zu bekommen. Dann kriegen sie die ganze Genderisierung mitgeliefert. Die ist nicht die sich permanent selbst aufklärende Seite der Ökonomisierung, sondern ihr schlichter Bestandteil. Wie hier auch. Momo, ich sehe das eben nicht als Anthropologe, sondern mir begegnet das als Politik. Davon rede ich. Ich erfahre das, wie die Multikulti-Ideologie als flexibles Tool, das bedarfsweise eingesetzt wird. Als Dauerausländer kenne ich mich langsam aus. ( Als ehemaliger Hochschullehrer auch. )

    T. Albert

    17. Dezember 2007 at 15:37

  16. @Che:

    Na, ich habe keinerlei Verständnis für Bipolarität. und das sich als Wissenschaft tarnende Dogma der Zweigeschlechtlichkeit halte ich für totalitär.

    @T. Albert:

    Ich glaube alles zu verstehen, was Du meinst, aber wieso sagt das was gegen „Geschlecht“ als soziale Kategorie?

    momorulez

    17. Dezember 2007 at 16:42

  17. nee, das sagt nix gegen Geschlecht als sozialer Kategorie als Versuch eines Modells. Aber: vielleicht ist es die Sprache, die mich immer stutzig werden lässt. Ich bin nämlich als Subjekt, das sag ich ja absichtlich so, keine Kategorie, kein Wert, keine Konstruktion. Ich bin nicht der Anlass einer Analyse, während ich mich mein Leben lang um Vervollständigung, Integration bemühe. Der Virus konstituiert mich eben nicht. Mir gehts dabei wie Dir: ich vermute den Therapeuten um die Ecke stehend, und inzwischen sitzt er überall, im Kindergarten, bei der Fremdenpolizei, in der Hochschhule, im Finanzamt, usw. Wer will schon dekonstruiert werden? Folter ist Dekonstruktiion, Bomben sind Dekonstruktion von Kategorien.
    Jedenfalls habe ich noch nie erlebt, dass das Modell derartig mit de Wirklichkeit ineins gesetzt wird, wie dabei. Und ich kriege die ganze Zeit den Zusammenhang zu sexueller Orientierung anderer Leute nicht hin, die sie für mich eben einfach haben, ohne dass ich davon wissen müsste oder wollte, oder wissen wollen müsste, was ich auch nicht will, wenn ich nicht soll. Damit meine ich, dass ich den Anderen eben erstmal einfach zu akzeptieren habe, als Subjekt, wie es mir erscheint.
    – Aber Du siehst, das ist mir alles ein Wust aus Unwissen und dem, wie die Sache sich mir im Alltag darstellt.

    T. Albert

    17. Dezember 2007 at 19:27

  18. @Momorulez, dann bin ich beruhigt, ich dachte, Du schrübest, Butler sei totalitär.
    @T.Albert: Aber die Gender-Theorien sind doch unter anderem von den Erfahrungen von Ethnologen mit dem Geschlechtrollenverständnis solcher traditionellen Gesellschaften geprägt worden. Der ganze Dekonstruktionismus und Poststrukturalismus ist dem Ursprung nach stückerlweise das Ergebnis eines Einbruchs der nicht-eurozentrischen Ethnologie in die Geistes- und Sozialwissenschaften,

    che2001

    17. Dezember 2007 at 19:45

  19. Ich verstehe ja bei aller nachvollziehbarer Kritik an sozialen Geschlechtskonstrukten immer noch nicht wie man die Existenz eines biologischen Geschlechts beim Menschen wegdiskutieren will, was es dazu dekonstruieren gibt und inwiefern das totalitär ist. Wir müssen es auch gar nicht bipolar nehmen und können da gerne auch noch Trisomie, etc. hinzufügen, kein Problem.

    Aber für gefühlte 95,23% der Weltbevölkerung ist es offensichtlich und trifft es zu dass es im Regelfall zwei biologische Geschlechter beim Menschen gibt.

    googlehupf

    19. Dezember 2007 at 3:18

  20. @Googlehupf:

    Die Frage ist ja, welchen Status man diesen biologischen Geschlechtern zuweist … bei uns ist nun mal die ganze Kultur auf dieser Entgegensetzung aufgebaut und Frau zumeist als vom Manne irgendwie abgeleitet gedacht. Und „totalitär“ ist ja für mich die Gleichschaltung von Lebensformen, und natürlich handelt es sich da um sowas. Ebenso, wie ein totalsierter Biologismus eben eine solche vollbringt. Wieso sollen denn ein paar Titten, Schwänze und Mösen dieses ALLES Soziale konstituierende Rolle spielen?

    @T. Albert:

    Folter ist Destruktion, Bombenangriffe ebenso.

    Dekonstruktion ist ursprünglich eine bestimmte Lesart von Texten, und darauf bezieht sich’s auch weiterhin: Auf Weltbilder, Deutungsweisen, Weltbeschreibungsweisen, und fungiert da – mal etwas platt – als Dezentrierung und Pluralitätsbeförderungspraxis, bringt Dinge in’s Laufen und setzt den Flow der Fixierung entgegen, sozusagen. Ein fixes Zeichen ist kein fixes Zeichen, sondern ein praktisch immer neu vollzogener Verweis auf andere Zeichen, und das bringen dekonstruktive Praktiken in’s Schwingen … Tschechow (mit dem habe ih’s gerade aus beruflichen Gründen) versus „Spiderman“, sozusagen. Und da steckt mit Sicherheit die Heldensage hinter dem Irak-Krieg und der Folter, nicht das frei flottierende Mosaik eines Tschechow.

    „Ich bin nicht der Anlass einer Analyse, während ich mich mein Leben lang um Vervollständigung, Integration bemühe.“

    Doch, indem Du diesen Satz schreibst, analysiert Du Dich selbst, und es gibt kein Selbstverständnis außerhalb sozial wirksamer Skripte, wie man sich zu analysieren habe. Diese texte konstituieren Dein Dich-zu-Dir-Verhalten, und wenn da ein Sich-Zum-Text-Verhlaten zwischenschaltet, dann ist das Freiheit …

    momorulez

    19. Dezember 2007 at 10:33

  21. Mann, das weiss ich doch alles. Aber es hilft mir nicht. Es hat sich nämlich eine Sprach- und Sprechmacht draus entwickelt. Diese Lesarten und Findungsstrategien, die daraus erfolgen, die begegnen mir einfach überall, nicht nur bei Antirassisten, sondern in den kulturellen Institutionen, den Migrationsämtern, im Fernsehen, usw. „Studenten müssen sich im Kontext verorten können“, hallo, das ist Bologna-Normalo-Hochschul-Sprech inzwischen. Und Du sprichst von „dekonstruktiven Praktiken gegen die Fixierung“, das ist grossartig, aber erinnert mich eben wirklich an dekonstruktive Praktiken der Verflüssigung von Menschen. „Flow“ ist Marketing-Agenturen-Sprech, oder? Als Ende der 70er JAhre diese Sache durch Eisenmann und Derrida, gegen den ich nun wieder nicht viel habe witzigerweise, EIngang in die Bildende Kunst und Architektur fand, natürlich auch durch andere, kamen entsprechend der Rede auch Häuser raus, die von ihren Autoren „postmodern“ genannt wurden, wie die gleichzeitigen historisierenden auch. Eine Menge davon, auch die Zeichnungen, die fsazinierend waren, sah auch dekonstruiert und destruiert aus. Die angeblich starren Zeichen waren in Schein-Bewegung gbracht worden, es handelt sich um die Abbildung einer gedachten Bewegung, oder um die Nachbildung des Ergebnisses einer bewgung, der Einwirkung einer Kraft. „Site“ zB haben Kaufhäuser als dargestellte Ruinen gebaut, Eisenmann hat Le Corbusier`sche Strukturen zerhackt, er hat das auf den Städtebau übertragen,die Konsequenz davon ist, dass wir nicht mehr über räumliche Qualitäten im Sinne von beurteilten beschaffenheiten sprechen, sondern von den literarischen Abstraktionsverfahren, denen die schon existierenden Gegebenheiten unterworfen wurden. Wir haben ein Arsenal von Begrifflichkeiten entwickelt, das aus der Waffenkammer stammt, und verwechseln die Wirklichkeit damit, die ihrerseits mit derselben Begrifflichkeit rechtfertigt wird. Das funktioniert auch gut, weil ausser von einigen Reaktionären gar keine andere Sprache mehr gesprochen wird. – Ich muss das jetzt vertagen, weil ich weg muss. Mir gehts um die Übertragbarkeit literarischer Verfahren aufs Leben. Ich fand das ja auchl gut, aber seit einiger Zeit erschrecke ich ständig. Ich bin natürlich objektiv Anlass von Analyse, aber ich will es nicht sein, ausser in Texten. Ich möchte nicht von der Polizei analysiert werden, oder von einer Parteiburokratie.Sonst hast Du da ja recht.

    T. Albert

    19. Dezember 2007 at 12:11

  22. Das liest sich aber ein wenig wie der Einbruch der bösen Dekonstruktion in die heile Welt der natürlichen Sprache oder so … daß Du das überhaupt so auf den Begriff bringen kannst, das ist doch selbst einem Wissens- und Reflexionsschub zu verdanken, der eben in Strukturalismus und Poststrukturalismus, Dekonstruktion und Postmoderne erst möglich wurde. Und klar, der nächste Schritt ist immer die Dekonstruktion der Dekonstruktion …. und ob „flow“ jetzt Marketing-Agentur-Sprech ist, keine Ahnung, habe mit solchen Leuten wenig zu tun, zum Glück. Gab nur mal sehr süßen Typen aus der Nähe von Biarritz, der hat uns mal was angeboten, der irgendein Manager-Erlebnis-Training aufbauen wollte, weg von der Sprache hin zum Erlebnis, sich am Lagerfeuer verbrennen und so, um fit für den Arbeitsmarkt zu bleiben, sozusagen, der nannte sich so …. ausgesprochen charming trotz seines seltsamen Jobs.

    „Wir haben ein Arsenal von Begrifflichkeiten entwickelt, das aus der Waffenkammer stammt, und verwechseln die Wirklichkeit damit, die ihrerseits mit derselben Begrifflichkeit rechtfertigt wird.“

    Weil Wirklichkeit sich IMMER in solchen Waffenkammer-Begrifflichkeiten est konstituiert, so lange die klassenlose Gesellschaft noch nicht da ist … das ist doch nix neues und auch nix, was nun erst mit der Dekonstruktion über uns hereingebrochen ist.

    momorulez

    19. Dezember 2007 at 12:25


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