shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Multikulturalismus als Projektionskonzept

with 6 comments

Letztlich ist Multikulturalismus nichts Anderes als ein Projektionskonzept. Abgespaltene Teile der eigenen Persönlichkeit werden nach außen gekehrt und mit „Dem Fremden“ identifiziert. Ob die Lebenswelten der Zugewanderten in der Manier der Konzepte von „guten“ oder „edlen“ „Wilden“ als verglichen mit der eigenen Lebenswirklichkeit heile, bessere oder authentischere Welten wahrgenommen werden, wie bei vielen Multikulturalisten aus dem alternativen Spektrum (All die linken Frauen, die keinem deutschen Mann vermeintlich oder tatsächlich sexistische Verhaltensweisen durchgehen lassen, aber bei Kurden, Latinos oder Schwarzen ist das was ganz Anderes, die linken Männer, die hochdifferenziert gegen linken Dogmatismus und stalinistische Strukturen eingestellt sind, aber bei Befreiungsbewegungen sind die Leute sooo authentisch), ob Antiimperialisten in den Kämpfen von Migranten eine stellvertretende Sozialrevolte ausmachen, die eigentlich von Einheimischen gemacht werden müsste,  oder ob es sich, wie bei Antideutschen und Kulturalisten bei den Lebenswelten der Eingewanderten  um üble patriarchale Gewaltwelten handelt (die Kinder mißhandelnden Bremer oder Sachsen-Anhaltiner Eltern sind ausgeblendet, wenn es um den Sexismus-Autoritarismus von Muslimen geht, für den ihr ganzes ethnisches Kollektiv haftbar gemacht wird) und endlich, ob offene Rassisten Migranten für Arbeitslosigkeit und soziale Härten verantwortlich machen, die dem politisch-sozialen System des westlichen Kapitalismus immanent sind: Die Projektionsschablone funktioniert immer. Willkommen bei den Elementen des Antisemitismus, sie haben eine greatfull recovery erfahren!

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6 Antworten

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  1. Im Prinzip stimme ich dir zu. Der Haken ist aber schon der Begriff „multikulturell“, auch als -ismus, der selbst schon Projektion ist. Jede halbwegs offene Gesellschaft (also die nordkoreanische eher nicht) ist „multikulturell“, bzw. Kultur als solche hat immer multiple Wurzeln. Insofern ist die sinnvolle Frage nach der „Multikultur“ die nach Integrationskonzepten. Läßt man die Kulturen möglichst „rein“ nebeneinadner leben? Fördert man die Einflüsse, die „Kulturen“ aufeinander haben? Oder setzt man eine „Leitkultur“ als einzig richtige, der sich abweichende kulturelle Strömungen zu unterwerfen haben? Letzteres hieße, sie zum Verschwinden zum bringen. „Multikulturelle“ Konzepte wären insofern bedingt berechtigt, nämlich als Gegenentwurf zur „Leitkultur“.

    flatter

    21. Dezember 2007 at 1:17

  2. Du hast genau den Punkt gefunden, Flatter, den „-ismus“, das Umschlagen einer Haltung in ein (dogmatisches) Weltdeutungssystem oder eine Ideologie. Da verhält sich Multikuturismus ähnlich zur multikulturellen Gesellschaft wie Ökologismus zum ökologischen Denken. Außerdem sind scheinbare Alternativen wie „Multi-Kulti oder Leitkultur“ kaum mehr als rhetorische Tricks, die eine Schwäche des „abendländischen Denkens“ ausnutzen, den Dualismus. Bei „Freiheit oder Sozialismus“ ist der Trick, hoffe ich, durchschaubar. Tatsächlich könnte in beiden Phrasen statt „oder“ auch „und“ oder „weder noch“ stehen.

    MartinM

    21. Dezember 2007 at 9:42

  3. Ähem, Multikulturaklismus im politischen Sprachgebrauch in Deutschland beinhaltet eigentlich ein ganz bestimmtes politisches Konzept, das im Wesentlichen von Daniel Cohn-Bendit, Thomas Schmid und Dan Nitescu ausformuliert wurde und darauf hinausläuft, eine offeneEinwanderungspoltik zu betreiben, ethnische und soziale Unterschiede aber quasi als naturgegeben zu betrachten, den „Ethnopluralismus“ der Neuen Rechten also mit einer positiven Sinngebung umzudrehen und damit aber auch zu übernehmen. U.a. wird Einwanderung auch als Bereicherung „unserer“ Gesellschaft betrachtet, weil Flüchtlings Jobs machen, für die sich Deutsche zu schade sind.

    http://www.nadir.org/nadir/archiv/Diverses/pdfs/diskus_zivilgesellschaft.pdf

    che2001

    21. Dezember 2007 at 11:33

  4. @che: „beinhaltet eigentlich ein ganz bestimmtes politisches Konzept“ … Wenn das die Defnition ist, hast du recht, aber der „politische Sprachgebrauch“ geht weit darüber hinaus. Da beziehe ich durchaus auch den der Rechten mit ein, die etwa „Multikultischwuchteln“ am Werk sehen – die andere Seite der Projektion.

    flatter

    21. Dezember 2007 at 12:22

  5. Die kannst Du auch mit einbeziehen. Wichtiger ist mir, was Multikulturalismus nicht ist, nämlich ein emanzipatives Projekt, das sich gegen Fremdenhass und für individuelle Rechte und Entfaltungsperspektiven positioniert. In der flüchtlingsarbeit unterscheidet man öfter zwischen multikulturalismus und Antirassismus, aus diesem Grund.

    che2001

    21. Dezember 2007 at 15:35

  6. che2001

    21. Dezember 2007 at 18:05


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