shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Fidele Ökonomie

with 8 comments

Da hat sich Georgieboy, der weltpolitische Laienspieler, mal wieder gewaltig vergaloppiert, wenn sein treuer Bronco ihn nicht schon abgeworfen hat. In der Absicht, Castros in die Knie zu zwingen, hatte die US-Regierung die 2000 gelockerten Handelsbestimmungen im Kuba-Im- und Export 2004 wieder verschärft.ö Doch aus „Yankees, wehrt Euch, kauft nicht bei Kuba!“ wurde ein Schuss ins eigene Knie: Überall dort, wo US-Handelspartner ausfielen, kamen Unternehmen aus anderen Staaten als Ersatz. Größter Partner der Kubaner ist jetzt Kanada. Der kanadische Metall- und Erzkonzern Sheritt erzielt mittlerweile 40% seiner Umsätze mit kubanischem Nickel und Kobalt. Mittlerweile fördert Kuba dank venezolanischer Hilfe eigenes Öl und Gas, Tourismus und Export von Medikamenten sind Wachstumsmärkte, die Handelsbilanz ist ausgeglichen, und in der ersten Jahreshälfte 2007 war die Exportquote um 44% angestiegen. China will Glasfasertiefseekabel legen, um unabhängig von Satelliten und US-Servern Kuba eine DSL-Verbindung zur übrigen Welt zu verschaffen und hat mit Kuba die Lieferung von 6000 Bussen und 100 Lokomotiven vereinbart. Wo Nachfrage ist, ist auch ein Angebot, und zieht ein Player sich zurück, ziehen andere nach. Diese einfache ökonomische Weisheit haben die Kubaner und ihre kanadischen, venezolanischen, deutschen, italienischen, spanischen und chinesischen Partner eher begriffen als die ideologen in Washington.

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Written by che2001

30. Dezember 2007 um 19:40

8 Antworten

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  1. China will Glasfasertiefseekabel legen, um unabhängig von Satelliten und US-Servern Kuba eine DSL-Verbindung zur übrigen Welt zu verschaffen

    Bestimmt will China seine Filtertechnologie zur Zensur des Internets gleich mit dazu legen. Es ist schwer vorstellbar, dass das große China oppositionelle Internetaktivität fürchtet, das kleine Kuba aber jedem Bürger äh Genossen gestattet, sich weltweit frei zu informieren und auszutauschen.

    NUB

    1. Januar 2008 at 11:13

  2. Ja, das wäre dann eine Win-Win-Situation. Nicht für die Freiheit, nicht für die Menschenrechte, für die beteiligten Regime aber sehr wohl. Die Bundesrepublik Deutschland hat sich beim Verkauf von UBooten an Apartheid-Südafrika oder Panzern und Tornados an Saudi-Arabien ja auch nicht lumpen lassen. Keine Atempause – Geschichte wird gemacht. Es geht voran!

    netbitch

    2. Januar 2008 at 11:03

  3. Ich habe ja auch nicht behauptet, dass ich das, was da passiert, rundweg gut finde, sondern rein deskriptiv gesagt, was Phase ist, plus Häme Richtung Bush. Tatsache ist aber auch, dass die Krokodilstränen, wie wegen der fehlenden Demokratie in Cuba vergossen werden, bei Millionen Toten im Kongo nicht vergossen wurden. Schließlich kommen da Diamanten und das Coltan für unsere Handys her. Was sind schon ein paar Millionen tote Schwarze, wenn es um das preisgünstig mobil Telefonieren geht…

    che2001

    2. Januar 2008 at 19:44

  4. Frohes Neues, Netbitch und Che.

    @Netbitch

    Sehr richtig, und dummerweise kann man sich jeweils aussuchen, ob aus Gründen des Profits nichts dagegen unternommen wird oder aus Gründen der Ideologie, weil Kritik an XY nicht opportun ist.

    @Che

    Tatsache ist aber auch, dass die Krokodilstränen, wie wegen der fehlenden Demokratie in Cuba vergossen werden, bei Millionen Toten im Kongo nicht vergossen wurden.

    Genau genommen hat ja jedes politische Lager so seine Diktaturen, bei denen man sich mit Kritik zurückhält. Ich fange das neue Jahr mal mit Ehrlichkeit an und sage, dass es dieses Phänomen bei jeder Großmacht gibt. Jeder hat so seine „Lieblinge“… Vielleicht kann man im Grunde sagen, dass dies keine Phänomene marktwirtschaftlicher oder sozialistischer Versuche sind, sondern dass es sich um Phänomene (neo-)nationalistischer oder pseudonationalistischer Art dreht. Alle Vorteile für den eigenen Machtbereich und alles Übel oder zumindest die Nachteile über die konkurrierenden Gegner ausschütten.

    NUB

    2. Januar 2008 at 20:02

  5. Ja, nur bei Cuba erfolgt dies mit einem konditionierten Mechanismus, der einem, wenn man weder patriotischer US-Amerikaner noch 68er ist seltsam anmutet.Frohes Neues auch Dir!

    che2001

    2. Januar 2008 at 20:05

  6. ….Und bei Schwarzen müssen es schon ganz besonders viele Todesopfer sein, bis die Welt sich rührt. Läge Darfur in Jugoslawien, man hätte längst interveniert, und niemand wird so gerne abgeschoben und so intensiv an den Außengrenzen abgefangen wie schwarzafrikanische Flüchtlinge. Manchmal denke ich, es ist politisch erwünscht, dass die dezimiert werden, so eine Art schleichende negative Eugenik.

    che2001

    2. Januar 2008 at 20:12

  7. Manchmal denke ich, es ist politisch erwünscht, dass die dezimiert werden, so eine Art schleichende negative Eugenik.

    Ich vermute eher, die Unterstützung der Welt ist wie ein Raster. Entweder Du bist für irgendjemand so wichtig/interessant/notwendig, dass er Dir hilft – oder Du fällst aus dem Raster heraus.

    Das ist doch ein Kritikansatz der Linken bzgl. der sozialen Kälte in der Gesellschaft – dass Menschen aus dem Raster herausfallen, nicht interessieren, weswegen dann z.B. der Staat regulierend eingreifen soll. Nur übertragen auf die Welt gibt es diesen globalen Staat bzw. die Weltregierung nicht. Nur einen Blogger, der sich so nennt. 😉

    Falls ich richtig liege, läge der praktische Wert von Menschenleben (so wie es global gelebt und durchgesetzt wird) ungefähr proportional zum Nutzen, den diese Menschen anderen bringen. Und m.E. ganz unabhängig davon, welches politische Etikett dabei vertreten wird.

    NUB

    2. Januar 2008 at 20:26

  8. Es wäre zu diskutieren, inwieweit beide Ansätze Schnittstellen haben.

    che2001

    2. Januar 2008 at 23:45


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