shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Verhalten formen, nicht wie gewünscht

with 45 comments

Erstaunlich: Nachdem eine niedere Vorstufe des real-existierenden Faschismus nunmehr in Form eines sogenannten „Nichtraucherschutzgesetztes“ auch meine geliebte Hansestadt erreicht hat und unablässig triumphierende Verhöhnungen durch selbstgerechte, ent-persönlichte Effekte eines Volksgesundheitsdiskurses (und die halten sich weiter für Subjekte, lächerlich) bereits erste Freundschafen bedrohen, ist einmal mehr festzustellen, daß Recht zwar Verhalten formt, aber – da in der Intention des Gesetzgebers irgendwo auf dem Niveau der Hundeerziehung situiert – eben gerade nicht so, wie erwünscht, sondern zumeist ganz anders.

Und schlaue Leute wie dieser seltsame Mensch aus Hessen, der gerade mit Kanzlerinnendeckung fast wörtlich Ronald Schill kopiert, wissen das ja auch: Daß Delinquenz eben nicht bekämpft wird, sondern produziert, weil jene, die behaupten, sie bekämpften sie, sie brauchen. Ja, habe ich von Foucault, der hatte da aber recht.
Und so werden eben fröhlich „Milieus“ erzeugt, die es ohne die Gesetzgebungen gar nicht gäbe. Was, allen Unkenrufen zum Trotze von jenen, die die Kochsche Debatte vorwegnehmend neulich schon behaupteten, mit sowas wie den Grundrechten könnnten „Gastarbeiter“ gar nicht gemeint gewesen sein, weil die Verfassungsväter diese ja gar nicht kannten, für den Sozialstaat eben nicht im selben Sinne gilt wie für Fragen des Strafrechts. Übergebe ich mal an die Diskussion, diese Frage.

Regeln haben ja die Eigenschaft, daß sie zum Trotze animieren, und das gilt übrigens auch für diese hier: „Hauptsachen in Hauptsätze!“. Aber eben auch für das „Rauchverbot“, jenes so wichtige Stalingrad auf dem Wege zur Befreiung Europas vom Rauch(er). Sterilität und Volkshygiene sind bei analsadistischen Charakteren ja irgendwie sowas wie eine Utopie, und da ich die nicht mag, außer vielleicht manchmal beim Sex, wollte ich schon gar nicht mehr mittags in mein Stammlokal spazieren. Mußte genötigt werden durch moralischen Druck von Kollegen.

Und, siehe da: Gesetzeswidrig quarzte der das Widerstandsrecht noch ernst nehmende Staatsbürger, das Gastrecht der Nichtraucher mißbrauchend, dann eben trotzdem an der Bar mit Billigung des Wirtes. Dann verbringt man den Abend wider Erwarten auf einmal inmitten eines Anwaltsklüngels, der stolz Prozesse des Marken- und Wettbewerbsrechts am BGH so vor sich hin gewinnt und das auch gleich als erstes in die Runde wirft, die im Restaurant da auf St. Georg, von homophoben Muslimen wie üblich gänzlich unbehelligt, sich tummelt, und, siehe da: Auch hier wartet eine gemütliche Bar im Hinterzimmer auf die „Uneinsichtigen“, das Milieu konstituiert sich kichernd, und auf einmal quatscht man sich bestens amüsierend mit wildfremden Leuten und erfährt die Binnensolidarität der Delinquenz.

Lange nicht mehr so eine nette Runde erlebt, war lustig, und zur Krönung wird dann um kurz vor 12 das Rauchverbot auch an den Tischen aufgehoben, weil eh nur noch Raucher da weilten. Nichtraucher, dieses asoziale Pack, waren natürlich längst allen in den Federn und schliefen sich gesund im Sinne der Effizienmaximierung für den Arbeitsmarkt.

Und nun frage ich mich: Bin ich jetzt eigentlich Mitwisser einer Straftat oder einer Ordnungswidrigkeit? Müßte ich das anzeigen? Gibt es wie beim Hundesgesetz eines Mitwirkungspflicht an der je eigenen Strafverfolgung, diese lustige Errungenschaft aus dem „3. Reich“? Eigentlich egal: Solch Abend läßt doch hoffen, daß es vielleicht doch noch Hoffnung gibt in Deutschland … willkommen im Mlilieu!

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Written by momorulez

8. Januar 2008 um 10:45

45 Antworten

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  1. Na, genau das werde ich heute abend machen,ich Gauner, ich!

    che2001

    8. Januar 2008 at 11:07

  2. Auf Hoffnung hoffen? (Meine besten Stilblüten bekommt immer keiner mit … oder aber man schweigt in Pietät …)

    momorulez

    8. Januar 2008 at 11:09

  3. Nein, das ist ein leichter Schimmer im Dunkel des Pessimismus der entsteht, wenn man eine Hoffnung bekäftigen will, selbst aber nicht mehr so felsenfest davon überzeugt ist.

    lars

    8. Januar 2008 at 13:38

  4. „Binnensolidarität der Delinquenz“ gibt es in Sachen Rauchen ja schon lange. Das wohlige Einvernehmen, dass man im Kampf gegen die eigene Gesundheit nicht so alleine ist. Da habe ich als ich noch rauchte mich auch immer am wohlsten drin gefühlt in der Wolke.

    Natürlich bin ich als nichtrauchender Raucher mit jungfräulichem Anhang – auch was die Lunge angeht – natürlich ganz anderer Meinung.
    Dich mit Tine Wittler und dem umgekehrten Autobahnargument auf einer Seite wiederzufinden bringt mir so viel Spaß, dass mir weitere Kommentare gar nicht mehr einfallen wollen 😉

    ring2

    8. Januar 2008 at 13:45

  5. Am meisten schade ich meiner Gesundheit nicht durch’s Rauchen, sondern durch meine Arbeitssituation, und arbeiten verbietet ja auch keiner im Sinne des Gesundheitsschutzes (zudem ja auch Arbeitslosigkeit der Gesundheit schaden soll)-und Tine mochte ich sehr gern, damals, by the way …

    momorulez

    8. Januar 2008 at 14:33

  6. Ich habe ja den Verdacht, der tiefere Grund hinter aller praktizierten Politik ist die Einschränkung vin Lebensfreude.

    che2001

    8. Januar 2008 at 14:38

  7. Ich kenne Tine ja nicht wirklich, ihre merkwürdige Kampagne gegen das Rauchergesetz fand ich dann aber doch sehr nervig.

    (Für alle, die nicht wissen worüber wir hier streiten der Momo und ich; http://parallelwe.lt/index.php?id=116)

    Gibt es eigentlich eine Skala des Schadens? Ich hätte den Vergleich ja nicht gemacht, aber ist der Schaden durch Passivrauchen nicht unmittelbarer als der, den ich ertragen muss, wenn Dich Deine Arbeit schädigt? Schädigst Du mich dann mit, oder müssen wir das erst polemisch konstruieren. Da liegt doch der Hase im Pfeffer begraben.
    Ich verstehe nicht, dass das so schwer anzuerkennen ist.

    Passivrauchen macht krank. Und es ist ungewollt. Das reicht mir schon, kein Argument kommt im Kern dagegen an.

    Wennschon komische Vergleiche, dann doch den, dass in Tine Wittlers Kneipe die Mehrheitsgesellschaft, die der Raucher, die Minderheit, die nichtrauchenden Fuzzis und Besserwisser, die man ja eh nie eingeladen hat – ab 1900 Uhr haben ja Kinder mit Eltern gefälligst zuhause zu bleiben, was die Umkehrung Deiner Beschreibung wäre, die imho sowieso besser passt – ebendie nach denselben Prozessen ausgrenzt, die wir öfter mal besprechen. Das ist dann ok, im Bezug auf Rauchen, wenn man das als Verein macht. Als Gaststätte geht das nicht. Ist doch eigentlich klar, oder?

    Inwieweit sich dann je nach Situation eine Art temporärer Verein gründet, wie von Dir beschrieben, das steht auf einem anderen Blatt.

    Es hat schlicht mit Anstand und Respekt vor der Gesundheit des anderen zu tun, wenn man nicht raucht, solange ein Nichtraucher anwesend ist. Und wenn das freiwillig nicht funktioniert, dann finde ich ein umrahmendes Gesetz gut.

    Für Tine Wittler übrigens war das doch eine willkommene PR-Aktion für ihre Kneipe.

    So.

    ring2

    8. Januar 2008 at 15:50

  8. Ja, nicht unmittelbar nutzenorientierte Lebensfreude wurde ja immer schon bekämpft im Sinne der protestantisch-kapitalistischen Ethik, nix anderes steckt doch auch hinter der Hetze gegen Homos, ist zu zweckfrei, dieses Rumgelutsche, und wenn man Natur mit Funktionalismus identifiziert, dann ist sowas halt sogar unnatürlich …. und all das dient lediglich zur Ablenkung von ökonomischen Gegebenheiten … man hetze Bevölkerungsgruppen aufeinander, damit die nicht an Klassenkampf denken, sozusagen … man konstituiere ein „guck mal, die da, wie benehmen die sich denn!“ … usw. … reine Logik der Herrschaftssicherung, alles beides … und da das „aufgeschobene Glücksversprechen“ in Zeiten kurzfristiger Gewinnmaximierungsorientierung nicht mehr funzt, das der Selbstdisziplinierung, um für später wat auf die hohe Kante zu legen (oder für’s Jenseits Tugend anzusparen), verlagert man das Ganze halt auf isoliert nur betrachtete Lebenserwartungsfragen, hat ja Richartd Sennett sehr schön analysiert in die „Kultur des Kapitalismus“ oder so, die Sache mit dem „aufgeschobenen Heilsversprechen“ …

    momorulez

    8. Januar 2008 at 15:55

  9. @Che Bei mir entsteht Lebensfreude ja auch immer dann, wenn das ambivalente des Menschen sich in einem Moment zusammenfügt. Da gebe ich Momo ja auch recht, das kann ein solcher Moment sein; quasi als Outlaw mit wildfremden Menschen eine temporäre, der Ordnung widrige Gemeinschaft zu bilden. Das hatte ich mal bei der Strandung eines ICE im Sommer. Die Speisewagenbesatzung gab dann allen Gästen das restliche Weissbier aus, bevor wir dann „evakuiert“ wurden.

    ring2

    8. Januar 2008 at 15:55

  10. @Ring2:

    Na gut, dann gehen wir uns halt von jetzt ab auch aus dem Weg …

    momorulez

    8. Januar 2008 at 15:57

  11. Wenn Du rauchst, dann entscheide das immer noch ich 🙂

    ring2

    8. Januar 2008 at 16:14

  12. Hoioioi….

    Finde das Gesetz zwar selbst als Nichtraucher scheiße, fühle mich aber dennoch in nicht verrauchten Kneipen wohler. Was mach ich jetzt?

    lars

    8. Januar 2008 at 16:16

  13. War nicht irgendwo mal zu lesen, das Rauchverbot diene auch dazu, den Bereich der kleinen Privatgastronomie, der Eickkneipen langfristig gegen die Wand zu fahren und als Rückzugsraum proletarischer Autonomie zu liquidieren? Kneipen im Zweifelsfall wegen häufiger Verstöße gegen das Rauchverbot dichtmachen und langfristig durch lauter Starbucks, Pizza-Huts usw. ersetzen.

    netbitch

    8. Januar 2008 at 17:24

  14. @Ring2:

    Da glaubst Du aber nur … geh doch alleine zum Testspiel, wenn ich so respektlos Dir gegenüber bin.

    @Lars:

    Da haben die Liberalen ja ausnahmsweise mal recht: Eine Kennzeichnungspflicht Raucher- oder Nichtraucherkneipe hätte doch völlig gereicht. Dann hätte ich mich mit Dir auch liebend gerne in Nichraucherkneipen gesetzt und wäre vor die Tür gegangen und hätte Dich mit Sicherheit auch nicht genötigt, mit mir Raucherkneipen zu besuchen. Es ist sowieso schlicht ein Rätsel, wieso Nichtraucher seit Jahrzehnten in irgendwelche verrauchten Schuppen gelatscht sind, woher kommt denn diese gnadenlose Blödheit, die ich als Suchtkranker jetzt ausbaden muß? Was müssen sich Nichtraucher auch überall zwanghaft reindrängeln, um dann genußvoll andere Leute zu maßregeln? Muß ’ne Form von Verhaltensstörung sein …

    @Netbitch:

    Halte ich für völlig korrekt. Fing ja – neulich auf dem NDR zu sehen – damit an, daß man rauchen in Straßenbahnen verboten hat. Wo natürlich vor allem quarzende Hafenarbeiter drin saßen. Und diese Sprüche, die man in letzter Zeit zu hören bekommt, rauchen würden doch eh nur „Prolls“, die weisen ja in genau diese Richtung …

    momorulez

    8. Januar 2008 at 18:20

  15. MR, du bist so engagiert, dass ich glatt Lust bekomme, mir eine anzuzünden. (Mache ich aber nicht, ich bin Nichtraucher.)

    MartinM

    8. Januar 2008 at 23:19

  16. Und nicht mal debil, der Text! 😉

    David

    9. Januar 2008 at 0:08

  17. @Martin:

    So engagiert wird man, wenn man seit 40 Jahren auf allen Ebenen immer wieder und ganz allltäglich gesagt bekommt, man solle nicht sein, wie man ist, und nicht tun, was man macht, und nicht denken, was man denkt 😉 … und ganz im Ernst: Vielleicht wäre ich auch schon längst Nichhtraucher, wenn es nicht seit Jahren diese Hetze gäbe. Aber so ist mir schon aus Trotz dieser Weg versperrt 😉 …

    @David:

    Siehste, geht doch noch, manchmal 😉 ….

    momorulez

    9. Januar 2008 at 10:14

  18. Da fühle ich ganz mit, geht mir gerade malwieder ähnlich. Meine Denkweise sei nicht zielführend, heißt es. Wie sagt man seinen Chefs, dass sie durch die Komplexität meiner Denkweise geistig überfordert sind und ihnen das Wissen fehlt, um meine Analysen zu verstehen?

    che2001

    9. Januar 2008 at 12:04

  19. Ich vermittel den meinen ja das auch ganztägig, und bei uns wird das dahingehend „gelöst“, daß sie sich als die Populären und jene mit dem Wissen um den Massengeschmack behaupten und bei jedem zweiten Wort von mir unterstellen, daß das eben nix für unser Genre sei, da ginge es um Unterhaltung, und da habe es ein dumpfer Philosoph wie ich ja nur mit ihrer weisen Unterstützung drauf – so wird deren Studienabbrechertum und Unvermögen, komplex zu denken, dann kurzerhand zur Tugend umgedeutet. Während ich umgekehrt mal wieder bei einer Bewerbung auf eine Professur als „zu kommerziell“ und „zu populär“ aussortiert wurde. Das hat man dann vom Grenzgängertum …

    momorulez

    9. Januar 2008 at 12:40

  20. Was letztere angeht, wurde mir schon mal die wissenschaftliche Ernsthaftigkeit abgesprochen, weil ich zwischen Magister und Promotion außerwissenschaftlich gearbeitet habe und während des Schreibens an der Diss auch noch journalistisch tätig war.Das entsprechende Gutachten war geradezu in einem Tonfall des Ekels formuliert und in naserümpfendem Schnöselton. Die Tatsache, dass man neben der hehren Forschung auch für den puren Broterwerb arbeiten muss ist in Kreisen von ehemaligen DFG-Stipendiaten und Stdienstiftlern wohl nicht vorstellbar.Neben Diss und Dozententätigkeit auch noch als Reporter unterwegs sein würde ich in meinem persönlichen Koordinatensystem ja eigentlich als Ausdruck besonderer Vielseitigkeit und Belastbarkeit verstehen…

    che2001

    9. Januar 2008 at 13:32

  21. Bei meinem eigentlich Fach hätte ich diesbezüglich ja auch niemals ’ne Chance, auch bei den Medienwissenschaftlern nicht, bin ja auch nicht promoviert, aber hier war schon die umfängliche Praxiserfahrung Vorraussetzung, nicht Promotion oder wissenschaftliche Arbeit, hochkarätig preisgekrönt bin ich auch, hat aber alles nix genutzt 😦 …

    momorulez

    9. Januar 2008 at 15:14

  22. Ja, die setzten in Berufungen eben doch auch vermehrt auf Stardom. Schade, hätte mich wirklich für Dich gefreut.

    lars

    9. Januar 2008 at 15:17

  23. Stardom? Was meint das?

    momorulez

    9. Januar 2008 at 16:19

  24. Man muss aus einem Stall sein, zum Bleistift bei Mommsen, Niethammer, Hausen,Habermas, Eßbach, Schweppenhäuser oder so promoviert haben und der persönlichen Gefolgschaft eines dieser Profs angehören.

    che2001

    9. Januar 2008 at 16:24

  25. Genau so, von der KHM in Köln weiß ich, dass dann halt ein Alfred Biolek dort Gastprofessor ist.

    lars

    9. Januar 2008 at 16:56

  26. Hätte meinerseits tatsächlich mehr aufpassen müssen, nicht unter der Flagge einer Firma oder von Teams oder Projekten zu segeln, sondern eben namentlich präsent zu sein und klarer zu machen, für was ich so stehe. Zudem eben auch unsere Sujets absurderweise im Hochschulkontext als irgendwie niedere gelten, auch wenn die Resonanz oft enorm war und sie meiner Ansicht nach gesellschaftlich höchst relevant sind.

    Biolek ist allerdings jemand, der in bestimmten Hinsichten einfach ein Top-Prof für die KMH in Köln ist. Der hat schon echt was gerissen, hat in verschiedenen TV-Bereichen eine Erfahrung wie kaum ein anderer und ist auch echt alles andere als blöd. Das finde ich schon völlig in Ordnung, weil der nie nur Gesicht war, sondern vieles darüber hinaus. Der hat auch viele Leute gestützt und gefördert, und dem kann man rein gar nix vormachen.

    Wat meinen Philosophie-Prüfer betrifft, so war das damals sogar eine ganz schlaue Wahl, aber das habe ich Depp ja nicht weiterverfolgt … in letzter Zeit schwächelt der allerdings auch …

    momorulez

    9. Januar 2008 at 18:31

  27. Man muss aus einem Stall sein

    – kenn ich nur so. auch bei andern. ausserdem glaub ich, dass das in letzter zeit immer schlimmer wird. ausserdem glaub ich, dass wir es mit verkastung und verhärtung zu tun haben, und: das ganze gerede von sogenannter leistung dient dem gartenzaunbau der kasten, je lauter es wird. man muss nicht nur zur kaste gehören, man sollte auch keine diskussionen anfangen, was das dümmste ist, was man machen kann. grosszügige leute in den hochschulischen bereichen kenne ich fast nur welche, die älter sind als ich, gleichaltrige und jüngere kenn ich so nicht, das ist eben die ständig geforderte vernetzngsmentalität, die, solange es um ddr-leute ging, als bösrtige bildung von seilschaften bezeichnet wurde. es geht im breschnewschen stagnationsmodell nur darum, nach oben zu stagnieren. im kunstbereich läufts nur noch so, und dass man dabei sein eigener superbürokrat zu sein habe, ist mittlerweile allgemein akzeptierte forderung, wir bilden die jungen leute auch so aus. es ist ein riesenschwachsinn. je älter ich werde, umso mehr bin ich wieder für underground und samisdat.

    T. Albert

    9. Januar 2008 at 19:24

  28. „das ganze gerede von sogenannter leistung dient dem gartenzaunbau der kasten, je lauter es wird“

    Ja, definitiv. Und da gibt es auch keine allzu erheblichen Differenzen zwischen administrativen und größeren, ökonomischen Systemen.

    „im kunstbereich läufts nur noch so, und dass man dabei sein eigener superbürokrat zu sein habe, ist mittlerweile allgemein akzeptierte forderung, wir bilden die jungen leute auch so aus.“

    War allerdings im weiteren, wirklich weiteren Sinne Kunstbereich, und da bin ich wohl sofort aussortiert worden, hörte ich so über Freunde – Verkastung, ansonsten klüngel ich aber auch sehr, sehr, sehr wenig, ist halt ein Karrierehemmnis – in’s Gremium hinein, weil sie alle, die nach Superbürokraten oder Künstler-Unternehmern rochen, gleich aussortierten, und meine Bio kann man schon auch so lesen, als sei ich so einer, so der unternehmerische.

    „es ist ein riesenschwachsinn. je älter ich werde, umso mehr bin ich wieder für underground und samisdat.“

    Ja, aber bitte mit Grundsicherung trotz alledem 😉 … irgendwie muß man ja die laufenden Kosten auch decken 😦 ….

    momorulez

    9. Januar 2008 at 21:08

  29. nein, künstler-unternehmer darfst Du auch nicht sein, das ist gegen den akademischen kommers. klar reagieren die so. die frage ist: hast Du Dich genügend um preise und stipendien von wem auch immer gekümmert?, also das zirkuläre system öffentlichen und privaten sponsorings ( förderns und forderns) als Deinen Arbeitgeber anerkannt, ohne den nichts geht. was gar nicht geht, ist seinen film ohne das zu machen, weil der dann keine kunst sein kann. kunst ist nur im kunstkontext, ausserhalb seiner existiert keine kunst. Du kannst nicht einfach was machen ohne autorisiert worden zu sein. Du bist in der falschen sphäre. ich auch wieder.

    T. Albert

    9. Januar 2008 at 21:29

  30. achso, underground und samisdat und grundsicherung: das ist ja deren prinzip, sich die grundsicherung anders zu verdienen, in einer falschen sphäre, oder wirklich als künstler-unternehmer in eigener sache zu agieren und zwar an den sphärischen systemen vorbei. der witz daran ist ja, dass das jeder freie architekt, handwerker und ingenieur immer schon so gemacht hat. aber irgendwie hab ich den eindruck, dass Du auch zu alt bist. Du hast die falsche mentalität, bruder. künstler wird man zielgerichtet, um künstler-professor zu werden. Du wirst nicht professor, weil Du künstlerisch interessante sachen gemacht hast und machst. was Du meinst, ist vorbei.

    T. Albert

    9. Januar 2008 at 21:40

  31. Lars,

    den Biolek lassen die eben auch nur als Gastprof ein bisschen ran. Zur Kaste gehört der ja nicht. Ich kenne solche Fälle auch, da ging es immer darum, sich die Leute mit ihrer Lebenserfahrung zunutze zu machen, aber Gäste sollten sie gefälligst bleiben. Wenn möglich, ohne Bezahlung.

    T. Albert

    9. Januar 2008 at 21:54

  32. @T. Abert:

    Du machst mir Mut 😉 …. na, und den hierzulande wichtigsten Preis habe ich schon, und ob der Großteil meiner Kunden nicht im Grunde genommen sowas wie Stipendien vergibt, das wäre für unsere liberalen Freunde noch nicht mal mehr die Frage.

    Bin aber in der Tat in den Augen eben jener, die im System dieser stipendialen Kunden unterwegs sind und aus deren Feld sich dann auch die Dozenten und Professoren rekrutieren, ein ganz origineller, aber definitiv absolut systemexterner Pop- und Kommerz-Freak, beweglich im Kopf, handwerklich gut, da reden auch die Chefs mit mir (machen die ja nicht mit jedem) und wundern sich zugleich, irgendwo zwischen Respekt und dem Wissen „Oh, ein Outsider“, weil: Das ist eben irgendwie auch latent halbseiden und schwer zu fassen und eigentlich ja pubertär. Gerade auch, weil ich mich immer geweigert habe, meinen Projekten die Aura des künstlerisch-crediblen zu verpassen, was ja sau-einfach ist, deshalb ließ ich es ja auch bleiben, in Camp und Trash und falschem Pathos trojanische Pferdeherden zu züchten, das fand ich immer viel lustiger, als Hochkultur-Diskurse in Pop-Welten zu wiederholen.

    Was übrigens sogar einen FAZ-Kritiker wirklich einmal so richtig zur verbalen Raserei trieb, der hat in seiner Rezension richtig die Fassung verloren. Weil ich frisch-fröhlich-frei und verspielt Adorno-Anspielungen mit Pop-Diskursen und Realhistorie vermengt habe, was ja für diese steifen Geschöpfe und ihre künstlichen Grenzziehungen eine Vermengung ist, die ihnen allenfalls selbst zusteht, wenn überhaupt irgendwem, aber doch nicht einigermaßen angstfreien Pop-Fuzzis.

    Tja, und so steht man dann draußen vor der Tür, paßt wirklich alles zum Rauchverbot, und, ganz ehrlich, auf irgendeiner Ebene bin da ja sogar mordsstolz drauf 😉 …

    Das müssen wir alles irgendwe in Deinem Buch aufgreifen, laß uns da mal irgendwie loslegen!

    momorulez

    9. Januar 2008 at 23:29

  33. @17 😉 war ne weile weg, gartenzäune einreissen und mir die finger.

    Respektlos warste ja nie, dann können wir ja gemütlich zum Testspiel gehen.
    Ausserdem habe ich eine Weile gebraucht, um zu kapieren, dass das Rauchverbot hier als Metapher gebraucht wird.

    Vielleicht, auch als Trost gemeint, bist Du einfach auch noch zu jung für so eine Professur, gehört das mindestens einmal abgelehnt werden zum Initiationsritus.

    Das von einem, der wohl nie auch nur in die Nähe einer Uni wieder kommen wird 😉 – und ebenfalls Grenzgänger, was ja das eigentlich spannende ist.

    ring2

    10. Januar 2008 at 9:12

  34. Ich würde das alles auch noch viel enger fassen: Zun einer Schule zu gehören bedeutet, nicht nur den Forschungsansatz eines bestimmten Profs zu vertreten, sondern mit dessen Dotoranden, Wiss Mits und Assis Zitierkartelle zu bilden, für bestimmte angesagte Zeitschriften zu schreiben und mit der besagten Gesellschaft einmal die Woche Stammtisch zu haben. Das ist so die Grundvoraussetzung für die akademische Karriere.

    che2001

    10. Januar 2008 at 9:57

  35. Laßt uns Zeitungen gründen und Bücher schreiben und uns wechselseitig zitieren, und dann gründen wir einfach ’ne Privatuni für „Freigeist statt Liberalismus!“ und Grenzgängertum!

    momorulez

    10. Januar 2008 at 10:43

  36. JA!

    (Ich bin ja dran am Buche. )

    T. Albert

    10. Januar 2008 at 10:57

  37. OK, wo ist das Startkapital?

    che2001

    10. Januar 2008 at 10:59

  38. Schaun mer mal, habe da vielleicht bald ’nen Termin mit ’nem Mäzen 😉 …

    momorulez

    10. Januar 2008 at 11:33

  39. Yippieh 😉

    che2001

    10. Januar 2008 at 11:39

  40. Dran bin ich ja auch (am Buche).

    lars

    10. Januar 2008 at 17:35

  41. Gedrucktes ist tot 😉

    ring2

    10. Januar 2008 at 19:23

  42. nee, mein buch spricht wie gedruckt. (ohjeh)

    T. Albert

    10. Januar 2008 at 19:27

  43. Und meine erst!

    che2001

    11. Januar 2008 at 0:47

  44. Meins muss erst noch sprechen lernen. Nein ernsthaft: Wir sollten nochmal im Internen wegen des Treffens kommunizieren…

    lars

    11. Januar 2008 at 15:30

  45. Jau, habe heute auch gerade den Doc und Saniti noch mal angemahnt! Check ich auch noch mal mit denen, das sind ja so Foren-Muffel …

    MomoRules

    11. Januar 2008 at 17:48


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