shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Rassismus auf der Oberfläche des Netzes.

with 47 comments

Nach den Makaken nun mal wieder die Schwarzen. Unglaublich! Widerlich! Aber Hauptsache, es kommt aus Harvard…

je tiefer – desto potenter

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Written by lars

16. Januar 2008 um 13:40

Veröffentlicht in Bio-Macht und Bio-Politik, Das Netz

47 Antworten

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  1. Fistelstimmen als Rasse?

    David

    16. Januar 2008 at 14:00

  2. Anscheinend

    lars

    16. Januar 2008 at 14:02

  3. Wobei der Rassismus durch das Symbolfoto von Web.de hineingelegt wurde. Also wirklich auf der „Oberfläche“ des Netzes.

    MartinM

    16. Januar 2008 at 14:13

  4. Ich interpretiere die Meldung so: es gibt bei den Frauen eines Volkes in Afrika (von dem ich vorher nie etwas gehört hatte) ein kulturelles Vorurteil, nach dem Männer mit tiefer Stimme die besseren Jäger seien – und deshalb als Sexualpartner gefragter. Wo da der Rassismus steckt? Vielleicht darin, dass nicht zeitgleich eine Studie über vergleichbare kulturelle Vorurteile in den USA abgehalten wurde.
    Die Titelzeile: „Je tiefer, desto potenter“ gibt die Meldung nicht her.

    MartinM

    16. Januar 2008 at 14:20

  5. Na, wo die da so forschten, das ist ja auch nicht ohne … im Hotel Atlantik war das ja nicht …

    momorulez

    16. Januar 2008 at 14:24

  6. Wie so oft; man sollte vielleicht die Studie kennen. Aber zu dem Artikel: Was das Bild betrifft, gebe ich Martin recht. Das ist zumindest plump. Aber der Artikel scheint mir davon auszugehen, daß die Erkenntnisse über einen einzelnen afrikanischen Stamm auf die Menschheit hochskaliert werden können. Es heißt im Teaser:

    Männer mit tiefer Stimme haben nach Erkenntnissen von Anthropologen mehr Kinder als solche, die in höheren Tonlagen sprechen.

    Und nicht:

    Hadza-Nomaden mit tiefer Stimme haben nach Erkenntnissen von Anthropologen mehr Kinder als solche, die in höheren Tonlagen sprechen.

    Rassismus vermag ich da wirklich nicht zu erkennen, schon eher ein Extrem auf der anderen Seite.

    David

    16. Januar 2008 at 14:36

  7. Nönö, das geht nur mit Schwarzen,weil Verhütung bei Europäern eine solche Studie unmöglich machen würde. vgl. hier:

    http://www.weltderwunder.de/infotainment/News/2007/1002/00967/

    Interessant auch, dass den Nomaden nachgesagt wird, sie seien „seriell monogam“. Wir etwa nicht?

    che2001

    16. Januar 2008 at 14:42

  8. Selbstverständlich ist so eine Studie nur möglich, wenn keine Verzerrungen durch Verhütung vorliegen. Und? Rassismus (oder einfach Skrupellosigkeit) wäre das dann, wenn man ihnen die Verhütungsmittel vorenthielte, damit man die Studie durchführen kann. Ist das so?

    David

    16. Januar 2008 at 14:48

  9. Wer das genau wissen will, sollte die Dame doch einfach fragen. apicella@fas.harvard.edu

    che2001

    16. Januar 2008 at 15:20

  10. @Wie so oft; man sollte vielleicht die Studie kennen….

    che2001

    16. Januar 2008 at 15:22

  11. @Martin: Dieses Bild war natürlich der Aufhänger für den Rassismus.

    Und: Die Argumentationsstruktur Stimme – Fähigkeit als Jäger – Attraktivität für Frauen – Potenz ist schon ziemlich abenteuerlich.

    lars

    16. Januar 2008 at 15:28

  12. @David Da fängt also Rassismus an, interessant.
    @alle – das erklärt für mich nun endlich auch die Phänomene Barry Manilow und Bruce Lowe.

    ring2

    16. Januar 2008 at 15:36

  13. In einem bestimmten Teil der biologischen Anthropologie ist die völlig normal, und das ist längst Allgemeingut unter Leuten, die nicht vom Fach sind. vgl hier:

    http://rebellmarkt.blogger.de/stories/303345/#303814

    http://netbitch1.twoday.net/stories/846353/

    che2001

    16. Januar 2008 at 15:40

  14. Na, die Neger schnackseln halt gerne, da kann man sowas am besten untersuchen, so ganz frei von zivilisatorischen Einflüssen, gibt halt nich so viele intervenierende Variablen, so ganz nah an der Natur in Afrika – das ist ein klassisch rassistisches Stereotyp, die Indentifikation von „schwarz“ mit „Sex“ und „Natur“, da braucht man die Studie noch nicht mal zu lesen.

    momorulez

    16. Januar 2008 at 16:04

  15. Besser hätt ich’s auch nicht ausdrücken können.

    lars

    16. Januar 2008 at 16:35

  16. „Kinder skandinavischer Herkunft erzielten bessere Leistungen in der Bewegungskoordination und Raumorientierung als solche jüdischer Eltern, die dafür über eine stärkere Fähigkeit zum abstrakten Denken verfügten.“

    Aus einem Humanbiologiebuch für die universitäre Lehre in den 1980ern.

    che2001

    16. Januar 2008 at 17:02

  17. „@David Da fängt also Rassismus an, interessant.“

    Zu der Frage, wo Rassismus anfängt, habe ich mich an keiner Stelle geäußert.

    „das ist ein klassisch rassistisches Stereotyp, die Indentifikation von “schwarz” mit “Sex” und “Natur”, da braucht man die Studie noch nicht mal zu lesen.“

    Die Identifikation hast bisher allerdings bloß Du angedeutet, mit diesem Satz.

    David

    16. Januar 2008 at 17:38

  18. Reicht doch 😉 … steckt im Text schon mit drin, der da verlinkt ist.

    momorulez

    16. Januar 2008 at 17:47

  19. Kannste mir auch zeigen, wo? Oder ist das wieder so eine Information, die nur die finden, die schon wissen, wo sie ist?

    David

    16. Januar 2008 at 17:50

  20. Nein, da reicht der Ansatz, ein solches Thema eben bei afrikanischen Stämmen zu untersuchen, und nicht etwa bei den B.L.O.G.-Autoren.

    momorulez

    16. Januar 2008 at 18:10

  21. Ach so. Und wenn Linguisten Untersuchungen zu Absolutiv-Ergativ-Sprachen bei australischen Eingeborenen oder Indianerstämmen durchführen, und nicht in England oder Deutschland, ist das dann auch Rassismus?

    David

    16. Januar 2008 at 18:14

  22. nein, denn da handelt es sich ja um eine Unterscheidung im Funktionieren unterschiedlicher Sprachen, die auch nur einen begrenzten Aussagewert haben: Ergativsprachen unterscheiden sich halt von Akkusativ-Sprachen in der Verweisungsstruktur auf das Subjekt des Satzes. Natürlich wäre es legitim, unterschiedliche Sprachsysteme in Afrika herauszuarbeiten. Aber das ist etwas anderes, als an einer spezifischen Praktik (es mag ja sein, dass diese Frauen tiefere Stimmen erotischer finden, möglicherweise auch, dass sie diese Männer für bessere Jäger halten), aber dass dieses dann auf Potenz umgelegt wird (hier wäre dann tatsächlich zu fragen, wie groß die Stichprobe war) und mit der Argumentation von Fruchtbarkeit und besserer Ernährung gekoppelt wird, halte ich für äußerst probelmatisch(in Europa ist das ja anders herum: die Zahl der Schwangerschaften im Leben einer Frau hat sich ja trotz einer allgemeinen Qualitätssteigerung der Ernährung reduziert).

    lars

    16. Januar 2008 at 18:28

  23. Aber das ist etwas anderes, als an einer spezifischen Praktik (es mag ja sein, dass diese Frauen tiefere Stimmen erotischer finden, möglicherweise auch, dass sie diese Männer für bessere Jäger halten), aber dass dieses dann auf Potenz umgelegt wird (hier wäre dann tatsächlich zu fragen, wie groß die Stichprobe war) und mit der Argumentation von Fruchtbarkeit und besserer Ernährung gekoppelt wird, halte ich für äußerst probelmatisch

    Daß das problematisch sein mag, streite ich doch gar nicht ab. Aber so, wie es im Artikel (von dem Photo abgesehen, das aber ja wohl auch Dein Hauptanlaß für diesen Eintrag – wohl aber nicht für due „Hauptsache aus Harvard“-Anmerkung – war) präsentiert wird, erkenne ich darin nunmal nichts rassistisches. Der Stamm wurde ausgewählt, weil dort offenbar nicht verhütet wird (oder stellt ihr das in Zweifel?) und er deshalb für eine Untersuchung, die sich für die Zeugungsfähigkeit von Männern interessiert, interessanter ist, als z.B. der Stamm der Schwaben. Wie man eben auch AE-Sprachen bei Leuten untersuchen würde, die auch eine sprechen.
    Aus dem Artikel läßt sich doch nirgendwo eine Behauptung über spezifische Eigenschaften der Stammesmitglieder oder allgemein Schwarzer herleiten. Im Gegenteil, wie ich oben schon anmerkte, scheint man das Ergebnis als universell repräsentativ anzusehen. Wo ist das bitteschön rassistisch?

    David

    16. Januar 2008 at 18:40

  24. Sollen wir das jetzt immer wieder wiederholen? Alles, was Du schreibst, ist doch kein Argument gegen unsere These. Wieso denn Schwarze und nicht Mongolen bei einem solchen Thema? Und wieso untersucht da in Afrika niemand z.B. die Wirtschaftbeziehungen zwischen Stämmen und das implizite politische System innerhalb derer(das ist bei den Königen an der Westküste, glaube ich, ganz spannend ist, auch historisch). Der Focus auf die Fragestellung alleine reicht schon, zudem da auch dieses „und die verhüten noch nicht mal!“ ja nun auch noch Interpretationen zuläßt … und man sieht nur das im Lichte … das sind Stereotype, Klischees. Landschaft, kleine Kinder mit großenm Augen, hungernd, korrupte Diktatoren, große Schwänze, volle Lippen, das ist’s so, was dann in’s Licht gerückt wird, wenn es um Afrika. Und Halbnackte, wie Drogba in der Kakoa-Werbung. Kennst Du diesen Text „Wie schreiben Sie übber Afrika?“ oder wie der heißt? Schreiben Sie über Tiere! Geben Sie Ihnen eine Seele! Und das ist doch in der Wissenschaft nicht anders.

    momorulez

    16. Januar 2008 at 18:50

  25. @David:

    „Aus dem Artikel läßt sich doch nirgendwo eine Behauptung über spezifische Eigenschaften der Stammesmitglieder oder allgemein Schwarzer herleiten. Im Gegenteil, wie ich oben schon anmerkte, scheint man das Ergebnis als universell repräsentativ anzusehen. Wo ist das bitteschön rassistisch?“

    Also zum einen beträgt die Auswahlgruppe, soweit ich das aus dem BBC-Artikel rekonstruieren kann (den die Autorin auf ihrer Seite verlinkt und zumindestens nicht widersprochen hat), 49 Männer und 52 Frauen. Für eine repräsentative statistische Anlayse ziemlich wenig. Zudem gibt es da einige Unklarheiten über den Status der Verhütungsmethoden-Begriff: Sie sagt das so, aber laut der Human Relations Area Files (einem Metaarchiv für alle publizierten Ethnographischen Studien) gibt es keine Gesellschaft, die die Möglichkeit der Abtreibung nicht kennt. Gleichzeitig wissen wir, dass die Abtreibung in vielen Fällen explizite Techniken der Verhütung ersetzt, aber nicht offen zugegeben werden darf. Hier hätten zumindestens Zahlen zur der Abtreibungen pro Frau-Mann-Dyade mitgezählt werden müssen.

    Zudem wird ganz klar eine evolutionäre Fiktion engeführt, die noch ebenfalls aus der kolonialen Zeit der Anthropologie/Ethnologie kommt, die in Jäger- und Sammlergesellschaften die ursprüngliche Vergesellschaftungsform des Menschen begreift, aber an einer linear vorgestellten Technologieentwicklung festgemacht wurde, obwohl Gesellschaften dahingehend durchaus Vor- und Rückschritte machen können. Es gibt ja durchaus Kulturen, die z.B. die Schrift wieder verlernt haben. Nein, hier steckt ganz klar eine im kolonialen Rassismus gründende Vorstellung, dass dieser Stamm aufgrund eines technologischen Mangels näher an der Natur bzw. am Ursprung menschlicher Entwicklung liegen und dass sich an ihnen universale Aussagen über den Menschen treffen lassen, weil sie noch nciht so stark von ihrer Natur entfremdet seien.

    lars

    16. Januar 2008 at 19:24

  26. Oweih, und dann initiierte die Autorin auch noch eigene Olympische Spiele, um den Zusammenhang von Stimme, Jagderfolg und Reproduktion zu analysieren.

    lars

    16. Januar 2008 at 19:40

  27. David, wenn man nun z.B. an Roma eine Untersuchung durchführen würde, was für ein Verhältnis die zu Diebstahl haben, wäre das dann auch rein wissenschaftlich gesehen erst einmal möglich?

    che2001

    16. Januar 2008 at 19:41

  28. @MR: Daß man sowas systematisch beobachten kann, streite ich doch gar nicht ab. Daraus läßt sich aber noch nicht herleiten, daß in diesem speziellen Fall tatsächlich Rassismus vorliegt. Ein strukturelles Phänomen kann doch nicht ohne weiteres auf den Einzelfall zurück projiziert werden. Vielleicht hat die Frau auch einfach nur Verwandte in Tansania und hat deshalb die Afrikaner den Mongolen vorgezogen?
    Mit dem „die verhüten nichtmal!“ unterstellst Du außerdem wieder eine Wertung, die gar nicht vorliegt. Ich sehe nicht, wo sich irgendwer über die Überlegenheit der verhütenden Rasse verbreitet hätte. Wenn in diesem Stamm nicht verhütet wird, dann ist das deren Sache, und ich bewerte das in keiner Weise. Dafür, daß die Wissenschaftlerin es getan hat, sehe ich ebenfalls keine Anhaltspunkte.

    @Lars:

    Vom methodischen Standpunkt her kann ich zu der Studie nichts sagen, deshalb werde ich auch Deiner Kritik diesbezüglich nicht widersprechen. Nur hierfür:

    Nein, hier steckt ganz klar eine im kolonialen Rassismus gründende Vorstellung, dass dieser Stamm aufgrund eines technologischen Mangels näher an der Natur bzw. am Ursprung menschlicher Entwicklung liegen und dass sich an ihnen universale Aussagen über den Menschen treffen lassen, weil sie noch nciht so stark von ihrer Natur entfremdet seien.

    sehe ich als einzigen Anhaltspunkt, daß in diesem Stamm eben nicht verhütet wird. Das kann man zwar als besonders natürlich betrachten, wenn man Freude daran hat, aber es scheint mir zumindest der einzig maßgebliche Punkt zu sein. Und die Schlußfolgerung eher die, daß, würde in Europa z.B. nicht verhütet, das Ergebnis dasselbe wäre wie bei den Afrikanern.

    David

    16. Januar 2008 at 19:46

  29. David, wenn man nun z.B. an Roma eine Untersuchung durchführen würde, was für ein Verhältnis die zu Diebstahl haben, wäre das dann auch rein wissenschaftlich gesehen erst einmal möglich?

    „Once the rockets are up, who cares where they come down?
    That’s not my department, says Wernher von Braun.“

    Rein wissenschaftlich ist natürlich erst mal alles möglich, was nicht heißt, das man’s auch toll finden muß, da bin ich ja völlig bei Euch. Aber gerade die Analogie, die Du da aufzustellen versuchst, sehe ich ja nicht: So wie sich mir das durch den Artikel darstellt, war das Interesse ja nicht spezifisch darauf gerichtet, wie Schwarze auf unterschiedliche Stimmhöhen reagieren, sondern die Ergebnisse werden gerade als universell betrachtet. Dem entspräche also schon eher, anhand einer Untersuchung bei Roma das Verhältnis von Menschen allgemein zum Diebstahl untersuchen zu wollen. Dann ist es natürlich immernoch seltsam, sich an einem Klischee aufzuhängen. Aber gerade das sehe ich im aktuellen Fall ja auch nicht gegeben. Wenn das maßgebliche Kriterium für die Auswahl dieses Stammes war, daß man dort nicht verhütet, dann müßte das Klischee sein, daß dieser Stamm nicht verhütet. Meine Annahme ist zugegebenermaßen, daß es sich da nicht um ein Klischee handelt sondern um eine Tatsache. (Und jetzt bitte keine radikale erkenntnistheoretische Kritik; es sei denn, ihr bezweifelt das ernsthaft. Lars‘ Argument bezüglich der Abtreibungen ist da natürlich noch interessant, aber können wir das ohne Kenntnis des Artikels wirklich noch sinnvoll diskutieren?)

    David

    16. Januar 2008 at 19:59

  30. Und nochmal: Alles worum es mir hier geht ist, klarzumachen, daß ich in dieser Untersuchung keinen Rassismus am Werk sehen kann. Das heißt nicht, daß ich sie automatisch für besonders gut gemacht, relevant oder gar wissenschaftlich wertvoll halte. Dazu möchte ich mir auch gar kein Urteil erlauben.

    David

    16. Januar 2008 at 20:01

  31. „(…) Sie zeichnete dort die Begrüßung „Hujambo“ von rund 50 Männern auf und spielte sie danach Frauen desselben Stammes vor. Apicella veränderte dabei teils die Stimmlage desselben Mannes nach oben oder unten. Auch hier hätten die Frauen immer die Tonaufzeichnung mit der tiefsten Stimmlage gewählt (…)“

    – da staunt der wissenschaftliche Laie aber schon. Das ist doch Kunst. Sowas machen Künstler.

    T. Albert

    16. Januar 2008 at 20:43

  32. David, was mich betrifft, habe ich auch nicht behauptet, dass ich dort evident Rassismus am Werk sehen würde. Ich habe sogar die email der Forscherin gepostet, damit, wer Interesse hat, sich selbst mit ihr in Verbindung setzen und das Untersuchungsdesign nachfragen kann. Nur, so, wie es in dem oben angegebenen Link rüberkommt, einschließlich Bild, erweckt es rassistische Assoziationen.

    che2001

    16. Januar 2008 at 20:55

  33. @David:

    „Mit dem “die verhüten nichtmal!” unterstellst Du außerdem wieder eine Wertung, die gar nicht vorliegt.“

    Da sind wir dann an dem Punkt, über den wir schon mal stritten – ich glaube, daß im Falle der „Humanwissenschaften“ eine solche wertfreie Perspektive schlicht nicht möglich ist, weil sich kulturelle Vorverständnisse sozusagen notwendig einschleichen.

    Um aber nicht das ganze Faß aufzumachen: Würden im Fall der Studie genau diese Sterotypen auch diskutiert, dann könnte man das weiter diskutieren, und dazu müßte ich sie dann doch lesen, okay.

    Ansonsten finde ich aber schon, daß man sowas aktuell doch lieber bleiben lassen und an Bayern erforschenn sollte. Als gute Katholiken verhüten die doch auch nicht, oder? Und Ches Beispiel mit den Roma finde ich auch sehr treffend.

    momorulez

    16. Januar 2008 at 20:56

  34. Da sind wir dann an dem Punkt, über den wir schon mal stritten – ich glaube, daß im Falle der “Humanwissenschaften” eine solche wertfreie Perspektive schlicht nicht möglich ist, weil sich kulturelle Vorverständnisse sozusagen notwendig einschleichen.

    Da kannst Du ja durchaus recht haben, aber das wäre doch schon nachzuweisen, anstatt nur zu postulieren, oder? In diesem Fall erkenne ich aber nur die Assoziationskette: Studie über Potenz und Nachwuchs + Schwarze –> Vorverständnisse über sexgeile Schwarze. Das ist dann doch etwas dürftig.
    Im Übrigen könnte man solche Studien auch gerne mit Bayern durchführen, falls man da z.B. in irgendeinem Bergdorf eine vergleichbare Gruppe findet.

    Was den Roma-Vergleich betrifft: Wie gesagt, ich sehe die Analogie nicht. Kinder zu kriegen ist ja nun nichts, das traditionell spezifisch Schwarzen zum Vorwurf gemacht würde.

    David

    18. Januar 2008 at 14:15

  35. Nein, aber generell den Unterprivilegierten: Seit der französischen Revolution bekommen bekanntlich die falschen Gruppen die Kinder.

    Aberw wieso sollte man solche Studien nicht an der Frankfurter Börsenelite oder an Ärzten durchführen, kann mir schon köstliche Hypothesen ausdenken:

    – Besonders Männer mit ADHS werden von Frauen bevorzugt, weil sie durch ihre Hektik schneller im Aktienspiel agieren und deshalb erfolgreicher sind (d.h. für mehrere Kunden agieren können, ergo mehr Geld verdienen). Allerdings ist die Performance des Nachwuchses dann in der Schule nicht besser, weil sich ADHS bekanntlich vererblich ist und sich die Kinder daher weniger konzentrieren können. Was zu einem sehr problematischen Widerspruch führt: Obwohl die Aktienhändler geradezu perfekt sind, um die Familie zu ernähren, zeugen sie nicht die besten Nachkommen…

    lars

    18. Januar 2008 at 14:33

  36. Weißt Du denn sicher, daß solche Studien *nicht* durchgeführt werden? Und, wenn sich die Wissenschaftlerin gerade für Stimmhöhen interessiert und ADHS nicht ihr Gebiet ist, warum sollte sie dann dazu forschen? Scheint mir immer wieder so, als ob diese Studie bereits die gesamte Wissenschaft sei. Warum beschäftigst Du Dich als Soziologe mit Kritischer Theorie und nicht als Mathematiker mit Zahlentheorie? Hälst Du Zahlentheorie etwa für uninteressant oder gar minderwertig? 😉

    David

    18. Januar 2008 at 14:38

  37. Im übrigen ist diese Studie ja von wesentlich höherem allgemeinem Interesse: Baggern nur mit Kater, der macht die Stimme tiefer. Prost!

    David

    18. Januar 2008 at 14:40

  38. Prost!

    Ich will ja niemandem etwas Böses unterstellen und habe die Kollegin ja selber auch nicht angemailt, aber die Aussage, die bei dem verlinkten Artikel für mich rüberkommt ist Folgende: Männer mit dunkler Stimme sind männlicher als Andere, richtige Machos halt, weil sie das sind kriegen sie eher ne Frau und setzen auch mehr Kinder in die Welt, nicht zuletzt aufgrund ihrer höheren Potenz, und bewiesen hat man das bei den Bimbos im Busch, die noch natürlich leben und vom ganzen Feminismus-Gedöns nichts gehört haben.

    che2001

    18. Januar 2008 at 14:55

  39. Es geht nicht darum, was sie untersucht, sondern wie sie eins pezifisches Feld untersucht und welche Antworten sie präsentiert. Ansich habe ich gar kein Problem mit der Anthropologie, solange sie historisch konkret bleibt statt universalistisch-evolutionistisch-psychologistisch.
    Es geht um die Form der Aussagestruktur, die ich für problematisch halte. Eigentlich erscheint mir die Studie auch stärker kulturalistisch als rassistisch, weil sie Annahmen vom Standpunkt der eigenen kulturellen Position aus trifft (etwa ein Urteil über Naturnähe und einen bestimmten Technikbegriff) sowie die Fiktion einer Ursprünglichkeit einführt, durch die das Experiment gerendert ist, und daher kein universalen Aussagen zur sexuellen Attraktivität möglich sind.

    lars

    18. Januar 2008 at 14:56

  40. Also bitte, hier mal was über Settings, mit denen Anthropologen z.T. so arbeiten:

    http://www.verwaltung.uni-mainz.de/archiv/html/breslau.htm#Heading12

    che2001

    18. Januar 2008 at 15:04

  41. Da verstehe ich eben noch nicht ganz, wie das zusammengeht: Du kritisierst den universalistischen Ansatz, also meinem Verständnis nach den Anspruch, etwas prinzipielles über „die Menschheit“ aufgrund einer Untersuchung eines einzelnen afrikanischen Stammes in Erfahrung zu bringen, aber gleichzeitig eine zugrundeliegende „Fiktion der Ursprünglichkeit“, die doch diesem Stamm dann gerade eine Sonderrolle als besonders ursprünglich zukommen ließe, womit die Möglichkeit universeller Aussagen auf der Basis von Erkenntnissen über den Stamm doch wieder stark in Frage gestellt würde. Die Grundannahme scheint doch vielmehr zu sein, daß das, was man über die Stammesangehörigen sagen kann, für alle Menschen gilt, man aber Unterschiede in der Zeugungsfähigkeit bei diesem Stamm besser sieht als bei Leuten die’s nur mit Gummi tun.

    David

    18. Januar 2008 at 15:08

  42. Ja, genau das ist diese Irrwitzerei

    Die Graundannahme die Du vorstellst ist ja das argumentationsmuster, dass Du kurz zuvor auseinander gelegt hast.

    Die Anthropologie geht dann hier davon aus, dass sie aufgrund einer spezifischen Gruppe, die sie nach eigenen kulturellen d.h. spezifischen Gesichtspunkten auswählt (nicht Vorhandensein von instrumenteller (verstanden als werkzeugsorientierter Technologie), allgemeine Aussagen tätigen kann, weil sie in dieser Spezifik Ursprünglichkeit – also Allgemeinheit – sieht. Weil diese Aussagen dann aber doppelt gefiltert sind (erster Filter: die Auswahl eines partikulären Elements, dem Universalität zu kommen soll – experimentale Methodik; zweiter Filter: die Vorstellung einer Ursprünglichkeit des Objektes weil näher an der Natur (kulturalistische Interpretation), halte ich das Ergbnis für nicht universalisierbar. Allerhöchstens kann ich sagen, dass hier eine westlcihe biologistisch-evolutionär orientierte Psychologin Frauen einer anderen Kultur künstlich manipulierte Tonbandaufnahmen von Stimmen vorspielt, und diese Frauen befragt, welche der Stimmen mit der Bedeutung „besserer Jäger“ verbunden wird. Langsam wird die Studie für mich wirklich interessant. Hat sie z.B. auch andere Arbeitsteilungen dahingehend befragt? Was ist mit Tänzern, oder Heilern. Sind Männer eines anderen Stammes aufgenommen worden, oder geht sie davon aus, dass die Frauen die Stimmen nur anhand der Tonhöhe, nicht aber anhand von Lautbildungen erkennen und einzelnen Subjekten zuordnen. Und die Größe der Unetrsuchungseinheit ist selnbst unter quantifizierenden Methoden wirklcih nicht haltbar. Wo sind Vergleichsgruppen? Wenn man diese Stimmenhypothese an Europäern oder sonst wem auf Grund der technologischen Verzerrung nicht nachweisen kann, was berechtigt dann, diese Ergebnisse auf eben diese zu übetragen. Denn es ist ja schon problematisch, eine Hypothese für alle zu bilden, dann aber sagen zu müssen: Zeigen kann ich das nur an dieser winzigen Gruppe, aber wirken tut es bei allen anderen auch.

    Jetzt habe ich doch wieder zu viel dazu geschrieben.

    lars

    18. Januar 2008 at 15:47

  43. Folgt einfach mal meinem Link oben, ohne die dort wiedergegebenen Denkschulen (vgl. insbesondere Frau Christiansen)ist die fachimmanente Dynamik der Anthropologie nämlich gar nicht begreifbar. Und erst dann wird die eigentliche Problematik überhaupt erst sichtbar.

    che2001

    18. Januar 2008 at 20:07

  44. Ja, das zeigt natürlich, dass sich der Rassismus im Inneren des anthropologischen Feldes eingenistet hat. Und Wulf D. Hund arbeitet sich daran ja auch schon lange daran ab. Aber ich würde dementgegen die strukturalistische Anthropologie oder die ethnologischen Arbeiten von Geertz nicht per se als diesem Feld zugehörig betrachten.

    lars

    18. Januar 2008 at 21:09

  45. Nein, ist sie ja nicht. Die Frage, die sich mir stellt ist nur, wo die hier interessante Untersuchung im gesamten Spannungsfeld zu verorten ist und weiter, ob die Forschungsergebnisse, wenn sie nicht da hineingehören, von anderen in diesem Sinne interpretiert werden.

    che2001

    18. Januar 2008 at 23:37

  46. Okay, darauf können wir uns einigen.

    lars

    19. Januar 2008 at 2:58

  47. Und ansonsten würde ich jederzeit Dobzhanskys Vererbung und Menschenbild und Walters Populationsgenetik der Blutgruppensysteme des Menschen auspacken, um zu zeigen, dass es Ethnien im Sinne biologischer Abstammungsgemeinschaften gar nicht gibt. Das wird dann allerdings eine Argumentationsebene, auf der Leute, die von Biologie gar nichts verstehen nicht mehr folgen können. Vieeleicht sollte ich überhaupt viel mehr zur Arroganz des Interdisziplinären stehen: Ich weiß es tatsächlich besser, hah!

    che2001

    19. Januar 2008 at 12:37


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