shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Alles Hip?

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Ich habe vor längerer Zeit diesen Beitrag schon einmal woanders gepostet, aber dadurch verliert er nicht an Wahrheit.

 Jede historische Epoche hat ihren spezifischen Stil und Ausdruck, der wiederum Ausfluß einer bestimmten Mentalität und Denkungsart ist. Ob Renaissance, Manierismus, Brarock, Rokoko, Klassik, Revoltionsstil, Directoire, Empire, Historismus oder Jugendstil, all diese Stile drückten jeweils eine veränderte Weltsicht und unterschiedliche politische Ideale aus. Spätestens seit der Französischen Revolution (-> Sansculotten) ist es üblich, dass revolutionäre Bewegungen sich durch eigene Mode, eigene Musik u d eigenen Sprachduktus, ja zunehmend eine eigene Subkultur von der Masse und vom Mainstream abheben. Antonio Gramsci hat postukliert, dass eine Revolution nur gewonnen werden könne, wenn es den revolutionären Kräften gelungen ist, einme kulturelle Hegemonie herzustellen oder zumindest die kulturelle Hegemonie der herrschenden Klasse zu durchbrechen.
Die proletarischen Revolutionen von der Pariser Kommune bis zum Roten Oktober waren in diesem Sinne Resultate der zerbrochenen bürgerlichen Hegemonie, der sich eine immer selbstbewusste proletarische Gegenkultur ständing im Alltag widersetzte.

In diesem Sinne war nach Auffassung des griechischen Revolutionstheoretikers Nicos Poulantzas (dessen Theorie che2001 anhängt, im Gegensatz zu dem recht simpel leninistisch argumentierenden Che Guevara) der Sieg des Faschismus Resultat einer Situation, in der weder Arbeiterklasse noch Bürgertum die kulturelle Hegemonie besaßen und Herrschaft sich nur noch militärischen Mitteln oder Notstandsmaßnahmen herstellen ließ. In einer totalitären Diktatur findet kein Diskurs um kulturelle Hegemonie mehr statt, die Kultur wird vielmehr von oben verordnet. Die Auseinandersetzungen um die von den Nazis „KUlturbolschewismus“ genannte moderne Kunst zeigen, dass diese in der Tendenz über die bürgerliche Gesellschaft hinauswies, also musste sie, wie jede ÄÖußerung erwachende autonomer Subjektivität, zurechtgestutzt und drangsaliert werden. Seit dem Ende des Faschismus sieht sich der Westen nun immer neuen Lifestyle-„Revolutionen“ ausgesetzt. Insofern lässt sich von Haupttendenzen oder langen Wellen der Hipness sprechen. In den 50ern waren Bebop, Cool Jazz, Rhytm and Blues und Rock´n Roll hi p(es weiß heute ja kaum noch wer, dass Rock und Jaszz gemeinsame Wurzeln haben und Musik von der Straße sind), die zugehörigen subkulturellen Bewegungen waren Beatniks, Exzistentialisten und Halbstarke. Ihre Rebellion war eine Rebellion gegen den restaurativen Geist der 50er, gegen den Kalten Krieg, gegen Kommunistenjagden und moralische Säuberungskampagnen, die Reellion äußerte sich aber weniger politisch (wobei die Anti-Bundeswehr-Demos der 50er, bei denen immerhin Philip Müller erschossen wurde und der Verleger Rowohlt zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurde heute vergessen sind) als in erster Linie kulturell: Man wollte anders leben als die Alten. Das setzte sich in den 60ern mit Beatlemania und Schwabinger Krawallen fort, ehe sich ab 1967 vor allem Studenten, Abiturienten und Lehrlinge zunehmend politisierten und radikalisierten. Für eine rauschhafte Periode schien alles, was damals hip war, zusammenzufallen: Sex and Drugs and Rock´n Roll, links sein, gegen den Krieg sein und anders zu leben wurden als ein und dasselbe angesehen. Im Verlauf der 70er diversifizierte sich die Linke, behielt aber die kulturelle Dominanz über die Jugend, mit der Ant-AKW- und Friedensbewegung 1976-1984 ihre größte Mobilisierungsstärke in der deutschen Nachkriegszeit. Etwa ab der Wende, also der Regierungsübernahme Kohls, veränderte sich die Situation grundlegend. Mit dem Zerfallen der Friedensbewegung polarisierten sich die Fraktionen innerhalb der Linken. Die Debatten um die Gewaltfrage innerhalb der AKW- und Friedensbewegung mögen inhaltlich notwenduig gewesen sein, sie führten aber dazu, dass sich innerhalb des Spektrums um die erst in der Entstehung begriffenen Grünen Partei moralinsaure Oberlehrertypen durchsetzten. In der Folge setzten sich unter den radikaleren Linken antiautoritäre Gruppen sowohl von diesen als auch von den sektiereischen Leninisten ab: Die Autonomen. Einhergehend mit der Punk-Revolte, der New Wave und dem Metal waren diese aufs Engste mit den damals angesagten Jugerndkulturrevolten verbunden, während die Traditionslinken als verschnarcht und moralisch verbiestert angesehen wurden. Parallel dazu vollzog sich eine andere Revolte. Nachdem die 68er eine kulturelle Hegemonie erreicht hatten, die auch Kohl nicht brechen konnte, obwohl er eigens dazu angetreten war („Geistig-moralische Wende“), erschien die von ihnen geprägte Ästhetik und Sprache einer nachwachsenden Generation als moralinsauer, langweilig, piefig. Also kam es parallel zur Absetzbewegung der Autonomen von den mit den 68ern weitgehend identischen Traditionslinken und Grünen zu einer Lifestyle-und Zeitgeistrevolte, die sich um Dinge drehte wie das Bekenntnis zum Luxus, das Nichtmitmachen politisch korrekter Sprachzensur un einen eigenen Dresscode, der an bürgerlichen Chic angelehnt war, diesen aber auch persiflierte und teilweise bewusst geschmacklos war. Die Konfektionsindustrie war begeistert, und der Aufstieg von Marken wie
Versace, Dolce & Gabana, Prada, Chiemsee und Hilfiger ist mit dieser Rebellion überwiegend besserverdieneder Bürgerkinder verbunden. Da es sich um eine Rebellion gegen Rebellen handelte, ging aus dieser Zeitgeistrevolte keine politische Bewegung hervor, man setzte sich aber nachhaltig von der noch sehr bodenständi festgelegten Alltagskultur der eigenen Eltern ab, z.B. in deer Begeisterung für möglichst exotische Küchen, wie die japanische oder die mexikanische oder dem zeitweise modischen Liebäugeln mit sadomasochistischen Sexpraktiken. Für diese Zeitgeistbewegung kam die Bezeichnung Yuppies auf, womit Hunter S. Thompson ursprünglich nur junge New Yorker Börsenmakler gemeint hatte, in abschätziger Abgrenzung zu den wirklich großen Finanzjongleuren, den „Masters of the Universe“. Die politischen Ansichten der Yuppies waren uneinheitlich; die Mehrzahl war liberal , ohne auf eine bestimmte Partei festgelegt zu sein, es gab überzeugte Neokonservative, die das Yuppietum als die Zeitgeistbewegung zur Bonner Wende feierten (dazu ist Michel Friedman zu rechnen) und Leute, die in erster Linie die starke Politisiertheit der bis dato in der Jugend den Ton angebenden Linken zum Kotzen fanden und sich als defintiv unpolitisch betrachteten. Eine dritte Zeitgeistströmung wurde in den 80ernm ebenfalls stark, der Bolschewik-Chic, auch Rive Gauche genannt. Im Zusammenhang mit Gorbatschows Perestrojka wurde es in, sich mit roten Sternen, Sowjetorden und ähnlichen Accessoires zu schmücken und eine pazifistische, die Bürgerrechtsbewegungen des Ostens unterstützende, zugleich aber auch prokubanische Haltung einzunehmen. Daneben blühten viele Jugendsubkultulturen zeitweise kurz gewaltig auf, wie die Teds, die Psychiebillies oder die Neohippies. Im Großen Ganzen gab es aber drei Hauptfraktionen, die in den 80ern Hipness ausmachten: Die Punk-HipHop- und autonome Szene, die Yuppies und eine Szene von vorzugsweise dunkelgekleideten Hipsters, der sich im Spannungsfeld von Bolschewik-Chic und Blues-Brothers-Look bewegten, leher links, aber politisch nicht aktiv waren. DIe Strömungen hatten ihre regionalen Schwerunkte; so gab es beim bayerischen Rundfunk eine eigene Sendung, in denen ein immer vergnügter Oberyuppie erzählte, was gerade megain oder megaout war, während das Yuppietum nördlich des Mains und östlich des Sauerlands fast nur Angelegenheit von Finanzdienstleistern, IT-Beratern und BWL- oder Medizin-Studies war. Entsprechend hatten die Autonomen ihre Hochburgen in Oldenburg, Bremen, Hamburg, Berlin (fast nur SO 36, Wedding und Neukölln), Göttingen, Marburg, Gießen und Freiburg. War diese Bewegung soziokulturell mit Punk, New Wave, Hardcore, Metal, HipHop und House verbunden, hörten Yuppies bevorzugt sogenannte Post Wave-Musik wie Spandau Ballet, Duran Duran, Soft Cell oder Alphaville. Mit dem Mauerfall erledigte sich der Bolschewik-Chic (die spätere Ostalgie ist etwas völlig Anderes), die Bedeutung der Linken nahm insgesamt ab, gleichzeitig wurden rechtsextreme, gewalltätige Jugendgruppen zeitweise enorm populär. Ehe jetzt der große Aufschrei losgeht, ich bin mir der Problematik des Begriffs sehr bewusst, aber: Zeitweise war es, keineswegs nur im Osten, für viele Jugendliche Hip, Ausländer zu verprügeln oder Asylbewerberwohnheime anzuzünden, und ebenso war es für die autonome Szene hip, mit Schlagstöcken bewaffnet selber auf Nazijagd zu gehen. Ich nehme an, dass es rein zahlenmäßig zur Hochzeit der Pogrome und Gegenaktionen 1990-93 sowohl Faschos als auch Antifas im jeweiligen gesellschaftlichen Spektrum enorm hip waren. Die weiteren 90er Jahre zeichnen sich dann durch eine verwirrende Diversifizierung von Lebensstilen aus, einen enormen Bedeutungszuwachs des Yuppietums während des NE-Hypes und parallel dazu, aber vor allem seit 2000, eine, wie nb festgestellt hat, enorme Verbreitung von bewusst prolligem Auftreten a´la Tom Gerhardt oder Ercan & Stefan. Seit Mitte der 90er dominiert im Gefolge der Dancefloor-Bewegung auch eine Zunahme von Jugendoutfits, die von allen außer den Jugendlichen selber als extrem unhip angesehen würden, wie übergroßen Pumpitup-Schuhen, bewusst schlecht sitzenden Jeans etc. Hipness heute ist ein babylonisches Chaos. Und in dieser Situation versuchen Neocons die gesellschaftliche Hegemonie zu erlangen.

P.S.: Hipness ist immer ein Lebensgefühl, das eine ausdrucksstarke Minderheit hat, niemals der arrivierte gesellschaftliche Mainstream. Für die Herrschnden stellt Hipness, je nach Temperament und KOnstellation, den Untergang des Abendlandes, ein Polizeiproblem oder ein interessantes gesellschaftliches Phänomen dar. Weite Teile der Bevölkerung , vor allem in der Provinz, bleiben von Hipness unberührt. 

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28 Antworten

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  1. Willst Du jetzt Hipness von Pop unterscheiden, bzw. Hipness mit guten Pop identifizieren?

    Und was sagt die Umstrukturierung der Jugendkulturen über die Klassenkompromisse/kulturelle Hegemonien aus?

    Und mal ganz spitz gefragt: Wie ist das Verhältnis von Kulturindustrie und Hipness? Jugendkulturen sind ja spätestens seit den 50er Jahren fast immer auch Konsumkulturen, das gilt/galt ja durchaus auch für die Autonomen (z.B: in der Ablehnung bestimmter Marken usw.)

    lars

    23. Januar 2008 at 0:25

  2. Der Popdiskurs bzw. Popbegriff, wie ihn z.B. Momorulez verwendet war mir fremd. Wenn ich hier den Begriff Hipness verwende, mag das teilweise das gleiche bedeuten oder sich überschneiden, aber ich kann es nicht beurteilen, weil ich von Popkultur nichts verstehe. Hinpness ist für mich ein eigenständiger Begriff. Was die Umstrukturierung
    der Jugendkulturen über Klassenkompromisse,kulturelle Gememonien und Klassenverhältnise im Allgemeinen aussagt,ist eine offene Frage, die ich hier den Mitdiskutanten stelle; andernorts wurde schon behauptet, es gäbe zwischen politischer Gesinnung, Musikgeschmack und Lifestyle überhaupt keinen Zusammenhang mehr, was ich bestreite.

    Kulturindustrie und Hipness ist ein weiteres weites Feld. Ist ja erstaunlich, wie die Verhältnisse sich gewandelt haben: Ein Schwarzer Block ohne Carharrt-Klamotten,Ray-Ban-Sonnenbrillen und Chucks,Nikes oder Dockers geht gar nicht mehr, während die Szene sich anfang der 80er die Klamotten nach Gewicht (Kilo 10 Mark) im Second-Hand-Laden gekauft hat.

    che2001

    23. Januar 2008 at 9:38

  3. Na, die „große Erzählung“, die Du das auffächerst, ist selbst schon wieder so kanonisiert (wozu ich ja meinen Teil beigetragen habe), daß sie eigentlich so nicht stimmen kann. Zudem Du da implizit schon jenen „Pop“-Begriff auch in Anspruch nimmmst, den ich manchmal verwende – gerade in der „Nazis sind Pop“-Passage, da hat der Guido Schröter oder Schröder oder so ähnlich ein hervorragendes Buch dazu geschrieben.

    Der Bolschewik-Schick war ja auch Gorbi-inspiriert und hat zudem eine ähnliche Relevanz wie z.B. Moonboots in den 70ern (die ja bei unseren Huren auf dem Kiez noch immer hip sind 😉 ). Was hingegen fehlt, ist das ganze Dance-Szenario von Disco (schwarz und schwul vereint, allen heutigen Unkenrufen zum Trotze) über High Energy und House bis Techno, von Mororder bis West-Bam, sozusagen. Und die ganzen Hip Hop und Skater etc.-Kulturen zudem. Und zudem, daß in den „V.I.P.“-Lounges im Trinity ’88 oder so ja auch nur das selbe Distinktionsgeschehen stattfand, daß es unter Autonomen genu so gab und gibt, nur daß die Zugangscodes andere waren. Wenn man das Ganze mit Bourdieu vom ästhetischen und politische Gehalt abkoppelt, was man aber bei einer solchen Lebensstil-Analye, wie Du sie vornimmst, auch tun muß, glaube ich.

    Der Hipster ist ja selbst ’ne Popdiskurs-Figur, die in den frühen 80er ziemlich populär war, und die hat einfach nur den berühmten Distinktionsgewinn auf den Punkt gebracht. Die ganzen Eklektizismen gab’s aber immer schon, ist doch Mythos, daß die Guten die Sex Pistols hörten und die Bösen Spandau Ballet, bei den meisten ging das auh ohne weiteres beides, und Madonna wurde sogar von Sonic Youth geliebt. Und nach den Pumphosen-FeministInnen gab’s ja gute Gründe, so wie Spandau Ballet rumzulaufen. Gründe rein ästhetischer Art.

    Die Halbstarken waren übrigens keine Hipster, sondern exkat das, was heute als „Jugendkriminalität“ diskutiert wird. Rock’n’Roll war Unterschichten-Kultur, anders als die Exis und ihr Jazz oder später der Beat, und erst da eigneten sich die Mittelschichtskids einen Habitus an, der auch vom Rock’n’Roll inspiriert war, aber viel „weiblicher“ -und wir reproduzieren dann duiese Lennon-Perspektive. Der wahre „working class hero“ ist aber Elvis, der „It’s no or never“ singt, noch nicht mal der von „Hound Dog“, der war reine Jugendkultur. RR war noch so richtig Macho, trotz Elvis‘ Androgynität. Und der Kommunismus war denen schnurz, die haben eher auf ein extrem autoritäres Klima reagiert.

    Halte das auch zunehmend für zweifelhaft, sich das Ganze über die „Tribes“ zu erschließen. Glaube eher, daß man das in medial-technologische Entwicklung, also Produktivkraftentwicklung (kein RR ohne Vinyl-Single, Kino z.B.), ökonomischen (kein Beat ohne Kids, die plötzlich Geld in der Tasche hatten), ästhetischen und politischen Gehalt splitten muß, wenn man’s analysiert, und die Perspektiven interagieren dann je unterschiedlich. Und je nachdem, welche Perspektive man dann einimmt, stellt sich das Phänomen auch anders dar, weil es es „an sich“ ja auch gar nicht gibt.

    Und man kann auf jedes Pop-Phänomen natürlich eine politische Perspektive einnehmen, und dann sind sogar Spandau Ballet politisch. Aber es gab mit Style Council und und den Blow Monkeys ja auch „Champagner-Sozialisten“, die dann dem Hetero-Männlichkeitskult der Göttinger Autonomen wahrscheinlich zu schwul war 🙂 , aber die sind ja, Deinem Text zum Trotze, nun auch nicht Gipfelpunkt der westlichen Kulturgeschichte, und danach begann der Verfall 😉 …

    momorulez

    23. Januar 2008 at 10:18

  4. Was Deinen Pop-Begriff angeht, ist mir dieser in Teilen immer noch unklar, da bist Du einfach versierter als ich, selbst wenn ich den Begriff implizit verwende. Die Perspektive, aus der ich das betrachte, ist natürlich gänzlich subjektiv, nämlich an dem orientiert, was ich selbst erlebt habe, insofern bin ich mein eigener Diederichsen, Ihr dürft mich Didi nennen ;-).

    Zum Thema Rock´n Roll:

    Ich schrub „In den 50ern waren Bebop, Cool Jazz, Rhytm and Blues und Rock´n Roll hi p(es weiß heute ja kaum noch wer, dass Rock und Jaszz gemeinsame Wurzeln haben und Musik von der Straße sind), die zugehörigen subkulturellen Bewegungen waren Beatniks, Exzistentialisten und Halbstarke. Ihre Rebellion war eine Rebellion gegen den restaurativen Geist der 50er, gegen den Kalten Krieg, gegen Kommunistenjagden und moralische Säuberungskampagnen, die Rebellion äußerte sich aber weniger politisch (wobei die Anti-Bundeswehr-Demos der 50er, bei denen immerhin Philip Müller erschossen wurde und der Verleger Rowohlt zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurde heute vergessen sind) als in erster Linie kulturell: Man wollte anders leben als die Alten.“ und wollte damit die ganze Spannbreite von Halbstarkenkrawallen (klar war das Jugendkriminalität, die Grenze zwischen dieser und Subversion aber durchaus fließend,ähnlich wie 10 Jahre später bei den Haschrebellen), die kleinbürgerlich-studentischen Schwabinger Krawallen, Mods against Rockers bis hin zur jugendrevoltierenden Komponente innerhalb der „Kampf dem Atomtod“-Bewegung zum Ausdruck bringen,was in dieser Kürze natürlich missverständlich ist. Ich verweise da mal auf den Elefantenpress-Band „Bikini. Kalter Krieg und Capri-Sonne.“ und den Folgeband „CheShahShit. Die sechziger Jahre zwischen Cocktail und Molotow.“ Und wenn es bei uns hip war, zweimal die Woche mit dem Knüppel Straßenkampf zu trainieren und wir ganze Hecken wegrauchten und Gangsta-Rapper für Migranten-Jugendliche heute Vorbild-Funktion haben,so frage ich mich, ob es zwischen „hip“ und Jugendkriminalität nicht auch fließende Übergänge gibt.

    Bedaure, was „“Champagner-Sozialisten”, die dann dem Hetero-Männlichkeitskult der Göttinger Autonomen wahrscheinlich zu schwul waren“ angeht, war ich trotz Einbindung in die autonome Szene

    a) selber Champagner-Sozialist und wohnte jahrelang mit jemanden zusammen,der am Trachtenjankerl Sektglas&Sichel trug und

    b) hatte die Göttinger autonome Szene keinen Hetero-Männlichkeitskult. Einen Militanzkult zeitweise schon, wo aber dann Lederlesben mit zu den Gekulteten gehörten, und hinsichtlich „Männlichkeit“ ist diese Szene vor allem durch hochmoralische Sexismusdebatten und den niemals gelungenen Versuch einer Dekonstruktion von Hetero-Männlichkeit gekennzeichnet. „Jeder Mann ist ein potenzieller Vergewaltiger“ sozusagen als Motto, das die Debatten in den Männergruppen bereits zu Voraussetzung nahmen.

    che2001

    23. Januar 2008 at 10:53

  5. „Was Deinen Pop-Begriff angeht, ist mir dieser in Teilen immer noch unklar“

    Der ist ja auch unklar, wie Pop selbst 😉 … nee, ich changiere da auch unzulässig zwischen verschiedenen Verwendungsweisen hin und her.

    „Und wenn es bei uns hip war, zweimal die Woche mit dem Knüppel Straßenkampf zu trainieren und wir ganze Hecken wegrauchten und Gangsta-Rapper für Migranten-Jugendliche heute Vorbild-Funktion haben,so frage ich mich, ob es zwischen “hip” und Jugendkriminalität nicht auch fließende Übergänge gibt.“

    Definitiv. Das ist ja eine der diversen Absurditäten an der Diskussion. Natürlich gibt’s Subkulturen, in denen es schlicht zum Status/zur Street-Credibilty gehört, auch mal im Knast gesessen zu haben. Recht ist ja das gesellschaftliche Subsystem, das sowieso im Pop nur hinsichtlich des Urheberrechts eine Rolle spielt, und das wurde im Bartheschen Sinne als eine Variante des „Todes des Autors“ in den frühen House- und Techno-Szenen ja auch vehement infrage gestellt.

    Und auf das mit dem „zu schwul“ kam ich jetzt auch eher, weil Du die karategestählten Ledermänner manchmal ein wenig schwarzeneggeresk darstellst 😉 … und in diesem Schema sind als ästhetisches, nicht sexuelles Kriterium dann ja Boy George oder Duran Duran „zu schwul“. Und Boy George hat schon tolle Sachen gemacht, und neben dem vielen Schrott von Duran Duran finde ich „Wild Boys“ immer noch großartig …

    momorulez

    23. Januar 2008 at 12:25

  6. Ich kannte mal schwarzeneggereske linke Schwule mit Männer-Pinups an den Wänden ihres Versammlungsraums 🙂

    che2001

    23. Januar 2008 at 12:39

  7. Ja, das gibt’s auch 😉 …

    momorulez

    23. Januar 2008 at 13:15

  8. Un schwuppdiwupp ist wieder Leben in der Bude. 😉

    lars

    23. Januar 2008 at 13:53

  9. @Halte das auch zunehmend für zweifelhaft, sich das Ganze über die “Tribes” zu erschließen. Glaube eher, daß man das in medial-technologische Entwicklung, also Produktivkraftentwicklung (kein RR ohne Vinyl-Single, Kino z.B.), ökonomischen (kein Beat ohne Kids, die plötzlich Geld in der Tasche hatten), ästhetischen und politischen Gehalt splitten muß, wenn man’s analysiert, und die Perspektiven interagieren dann je unterschiedlich. — Klaro, keine sexuelle Revolution ohne Antibabypille und Nachkriegswohlstand, kein Rap ohne das Stattgefunden- und politisch gescheitert sein von Black Power usw.

    Duran Duran und Boy George fand ich nicht scheiße weil „zu schwul“, sondern weil mir die Musik einfach nicht gefällt. Mit Harmony Pop z.B.von Marilyn konnte ich noch was anfangen, aber nicht damit, dafür mit Heavy Metal und auch mit Weltmusik, Rai usw. Zugegeben fand ich die Performance von Boy George auch ziemlich lächerlich.Den Typus „abgefuckter Junkie“ finde ich als Sänger/in halt überhaupt nicht überzeugend, einer der Gründe, weshalb ich für Amy Winehouse vielleicht Mitleid empfinden,die aber nicht toll finden kann.

    che2001

    23. Januar 2008 at 14:17

  10. Das mit dem Phänomen, das eigentlich gar keines ist, gefällt mir gut. Eine geradezu Obi-Wan-sche Weisheit, die daraus spricht.

    Pop ist tot, es lebe die Doppelsalmisierung der Welt.

    ring2

    23. Januar 2008 at 14:18

  11. Alles Hop?

    che2001

    23. Januar 2008 at 15:23

  12. Das an sich nicht ist, im Sinne des Dings an sich, meine ich, nicht eigentlich nicht ist, ich verfalle hier doch nicht in den Jargon der Eigentlichkeit 😉 – kein Phänomen ohne je schon spezifische Perspektive … etwas Beochbachtetes kann nicht wahr sein, sondern höchstens, daß es ist und daß ich es beobachte und was ich darüber sage oder schreibe …

    Ach, und „Do you really want to hurt me“ ist schon super, was mir aber auch erst auffiel, als die Violent Femmes es gecovert haben …

    momorulez

    23. Januar 2008 at 15:37

  13. Der Physiker wäre jetzt bei Schrödingers Katze, und mit Violent Femmes sind wir jetzt ja auch wieder bei den Kampflesben am Wackersdorfer Bauzaun 😉

    che2001

    23. Januar 2008 at 15:48

  14. http://www.youtube.com/watch?v=G9wOt27rJSo&feature=related – seufz … dieses Ding ist ja alles, visuell, was man an den Eighties doof finden mußte, und ich finde den (und auch „justify my love“) trotzdem soooooo großartig und diesen Song so dermaßen, ja, tatsächlich bewegend, daß der für mich so ein ganz bestimmtes, wundervolles Eighties-Feeling abschließend zusammenfaß, auch wenn der musikalisch schon sehr Nineties ist. Da weine ich immer fast …

    Mußte ich gerade loswerden, erlebe gerade mal wieder bei Youtube meine späte Jugend nach …

    momorulez

    23. Januar 2008 at 15:55

  15. http://www.youtube.com/watch?v=5nyfJdm3G5M – das noch mal als eine andere Perspektive auf die Eighties …

    momorulez

    23. Januar 2008 at 16:06

  16. Na gut, dann konntere ich mit dem, was mich so prägte

    che2001

    23. Januar 2008 at 16:19

  17. che2001

    23. Januar 2008 at 16:20

  18. Na, das ist doch ein recht breites Spektrum 😉 …

    momorulez

    23. Januar 2008 at 21:29

  19. So bunt, wie wir sind 😉

    che2001

    24. Januar 2008 at 0:12

  20. Hm … das war so die erste Reaktion, die ich beim Lesen des Eintrags hatte. Momorulez hat oben dann darauf hingewiesen, dass diese Schilderung kanonisiert sei. Und eben diese Kanonisierung, die (scheinbar) so gut funktionierende Einteilung ist eine, die eine Gegenprobe vom Besonderen her zumindest mit meiner Erfahrung nicht übereinstimmt.

    Wenn ich die späten 90er und die letzten Jahre betrachte, dann bin ich mir nicht sicher, ob man bspw. von Hip-Hops wirklich sprechen konnte. Klar, es gab Konzerte, die im Sinn der Kanonisierung eindeutig waren. – Wobei ich selbst da nicht sicher bin, wie weit das eher der Vermarktung als dem Selbstanspruch entsprochen hat.

    Sobald man aber den Alltag von Menschen, die von außen als dem Hip-Hop zugehörig empfunden wurden, betrachtet, war das damals gegen Mitte bis Ende der 90er – zumindest in meinem weiteren Bekanntenkreis – schon auffällig oft so, dass die Etikettierung von außen schlicht falsch war. Die Jungs haben oft nicht Hip-Hop gehört, haben sich selbst mehr als anarchisch empfunden, und wenn sie nachts mit ihren Dosen losgezogen sind, dann trugen sie wie auch sonst auch keine Baggys – und sei’s nur, weil es sich damit so schlecht rennt. Und natürlich haben sich die als links empfunden … dennoch kam das Etikett Hip-Hop, das im Deutschland der späten Neunziger als zunächst einmal unpolitisch galt.

    Wie weit das am eigenen Bekanntenkreis liegt, kann ich nicht sagen, aber der Verdacht, dass es den ausgeprägten Wunsch gibt, eben nicht Teil einer Jugendbewegung zu sein – die Etikettierung soweit möglich nicht zuzulassen, in der Uni bloß nicht als Physiker zu erscheinen, wenn man Physik studiert, bloß nicht als Philo-Student zu erscheinen wenn man Philosophie studiert, im der Redaktion des Indiesenders bloß nicht als Indiefresse aufzutauchen … letztlich wohl eine recht modebewusste Haltung, die sich in der Selbststilisierung gegen die Schubladen wehrt; und sich freut und Erfolg hat, wann immer die Etikettierung von außen offensichtlich Misserfolg hat.

    So weit das Beispiel. Im Großen betrachtet, frage ich mich, ob es diese Grenzaufweichungen schon immer gegeben hat – und damit die Kanonisierung den nachträglichen Triumph der Schubladen bedeutet? Oder ob das neu ist? Ist es neu, dann wäre es vielleicht interessant zu fragen, wie weit die Uniformierung Europas durch H&M & Co. eine solche Abgrenzung auf der Ebene der Mode provoziert? Und auch, wie weit die Liaison (oder Verschmelzung?) von Techno und Indie auf der Ebene der Musik Ausdruck dieses Phänomens ist? Und auch, ob es ein politisches Pendant dazu gibt?

    christianK

    24. Januar 2008 at 10:31

  21. Um Mistverständnissen vorzubeugen: Hip meinte ich im Sinne von Hipness, nicht von Hip Hop. Hop habe ich hier nur als Wortspiel eingebracht. Die Begriffe Hip bei mir und Pop bei Momorulez kreisen darum, welche subkulturellen Trends von Ausstrahlungskraft auf Jugendkulturen und auch politische Bewegungen sind. Den Begriff Hip Hop hingegen kenne ich mit zwei sehr disparaten (Be)Deutungen: Auf der einen Seite die bereits kommerzialisierte,komplett merchandiste Rap-und Breakdance-Popkultur im Gegensatz zur ursprünglichen autonomen Subkultur der Schwarzen in den communities, zum Anderen aber auch die Aneignung dieser Subkultur, oft mit fließenden Übergängen zu Raggamuffin einerseits und House/Triphop andererseits gerade in der linksradikalen Szene.Die Autonome Antifa (M) in ihren jüngeren Jahrgängen und ihr Ableger AJF (Antifa Jugend Front) rannte in den 90ern ja überwiegend im Hip Hop- Outfit und später dann technomäßig umher. Baseballkappen, Pump-it-up-Schuhe, Public-Enemy-T-Shirts und dann Adidas-Trainingsjacken oder – Hosen (nie beides zugleich) bzw.Anzüge,die an das Star-Trek-Outfit erinnerten, das habe ich als typisches Autonomen-Outfit der Zeit von 1992-97 kennengelernt,welches die Schwarze-Lederjacken-Tigerhosen-Dr.Martens-Palituch-Kluft der Spätachtziger ablöste und seinerseits vom Carhartt-Chucks-Outfit abgelöst wurde.

    che2001

    24. Januar 2008 at 11:19

  22. „Den Begriff Hip Hop hingegen kenne ich mit zwei sehr disparaten (Be)Deutungen: Auf der einen Seite die bereits kommerzialisierte,komplett merchandiste Rap-und Breakdance-Popkultur im Gegensatz zur ursprünglichen autonomen Subkultur der Schwarzen in den communities, zum Anderen aber auch die Aneignung dieser Subkultur, oft mit fließenden Übergängen zu Raggamuffin einerseits und House/Triphop andererseits gerade in der linksradikalen Szene.“

    Man kann das kaum trennen – es gibt kein wirkliches Außerhalb der Kommerzialität … die einzigen, die’s mal wirklich versucht haben, sind z.B. die Indie-Firmen Ende der 70er, Anfang der 80er, aber die wurden ja auch gnadenlos plattgewalzt. Es gibt durchaus lebensweltliche Kontexte und Subkulturen, in denen auch Neues entsteht, aber sobald veröffentlicht wird, ist man auch drin – die Aufteilung in die Guten und die Bösen funzt nicht. Auch im „bereits kommerzialisierten“ findet ja allerlei statt, was nicht nur doof ist. Ansonsten gilt doch immer die Immanz des kapitalistischen Systems, innnerhalb dessen man sich je unterschiedlich positionieren kann.

    momorulez

    24. Januar 2008 at 12:26

  23. Na ja, aber der eigentliche Höhepunkt des Rap in den hoods war 1980-83, als bei uns gerade die Neue Deutsche Welle schwappte, Topacts damals Africa Bambaata, Grandmaster Flash, Run D.M.C. Die Hip-Hop-Welle, die ab 1988 weltweit losging – und erst zu dieser Zeit wurde diese Musik in Deutschland populär – war schon zu einem großen Teil Sache etablierter Plattenlabels und professioneller Merchandising-Firmen, die erste Welle hingegen in viel stärkerem Masse Indie- und Ghettokultur. Ab 1992 ging der Kommerz dann selber in die Ghettos, „straigt outa Compton“ wurde zum Markenzeichen.

    che2001

    24. Januar 2008 at 12:45

  24. Auch das ist doch Mythologie. ICE-T z.B. ist Ende der 80er gestartet, Public Enemey meines Wissens auch, und diese Unterscheidung „eigentlicher Höhepunkt des Rap“ versus auch so multigesteuerte Kommerzheinis fällt bei einem Snoop und der ganzen Dr. Dre.Schiene in sich zusammen, weil Du da ja nicht die gleichen Kriterien anlegen kannst wie z.B. bei den Indies und Kommerz-Heinis der NDW. Zudem Kurtis Blow, Rapper’s Delight und The Message nun auch nicht nicht-kommerziell waren. Konnte man hier ja auch kaufen. Und die Plattenspieler auf den Ghetto-Tischen waren auch nicht in Hinterhof-Manufakturen gebastelt. Zudem diese ganzen zusammenkopierten und Letra-Set gebastelten Flyer und Fanzines aus den frühen 80ern auch ’ne Form von Merchgandising waren, wenn Du so willst.

    momorulez

    24. Januar 2008 at 12:59

  25. „diese Unterscheidung “eigentlicher Höhepunkt des Rap” versus auch so multigesteuerte Kommerzheinis“ habe ich nicht gemacht. Ich schrab „eigentlicher Höhepunkt des Rap in den hoods“, d.h. den Schwarzenvierteln.Was dann kam, ging über diese hinaus und war Teil der Musikindustrie (was erstmal gar keine Gut-Böse-Aussage beinhaltet. Seither ist Rap/Hip Hop keine genuine Subkultur mehr sondern beides – Subkultur und Kulturindustrie, von Band zu Band und Label zu Label mal mehr das Eine oder das Andere und in völlig verschiedenen Ausprägungen. Das war nie anders, auch Punk, Hardrock, Glam&Glitter, Psychedelic, Rock, Beat, Rock´n Roll haben ähnliche Entwicklungen durchgemacht (ein tolles Buch, „Das Geschäftsjahr 1969“, behandelt die Geschichte des Disco-Stroboscops, und während ich das hier schreibe, höre ich „Summer of 69“). Ich wollte einfach nur sagen, den Begriff Hip Hop kenne ich erst zu einem Zeitpunkt, als die Kommerzialisierung schon ziemlich weit fortgeschritten wahr (ich habe nicht geschrieben „pöse“) und diese Musik mit dazugehörenden Fanartikeln,Mode usw. den deutschen Musikmarkt eroberte (etwa ab 1988), während ich Rap zu einem Zeitpunkt zur Kenntnis nahm, als die ganze Chose sich noch hauptsächlich in den Schwarzenvierteln abspielte und das Musikbusiness hierzulande andere Schwerpunkte hatte. Das war eher eine rezeptionsbiografische Aussage als eine qualitative.

    che2001

    24. Januar 2008 at 13:13

  26. @Che: Es war mir schon bewusst, dass Du hipness nicht auf Hip Hop bezogen hattest ^^
    ———
    Aber die Unterscheidung von kommerziell erfolgreich oder nicht, ist denke ich nur bedingt hilfreich, da die Zuschreibung „das ist Hip-Hop“ sowohl von „innen“, wie von „außen“ stattfindet & funktioniert. Ich glaube nur nicht, dass es jemals eine irgendwie halbwegs homogene Hip-Hop-Kultur gegeben hat, sondern eben erst nachträglich ein „das war der Anfang“ konstruiert wird, während die Gegenwart nur ein immer verschiedenes, grenzüberschreitendes Nebeneinander kennt.
    Als Beispiel: Während in dem Vorort, in dem ich aufgewachsen bin, eine „Verbrüderung“ zwischen, naja, da fängt es schon mit den Schwierigkeiten an, eben „uns“ und der Hochhaussiedlung, die vor allem von türkischen und albanischen Familien bewohnt wurde, stattgefunden hat und das Unterscheidungsmerkmal zu „den anderen“, mit denen man „Stress hatte“ nicht über die Musik möglich war, war das im benachbarten Vorort völlig anders. Dort wurden völlig andere Unterscheidungsmerkmale (der Selbststilisierung) als relevant empfunden und auch völlig andere Oppositionen gelebt.
    Auch wenn sich für solche Geschichten aus Vororten keine großen Strömungsnamen nennen lassen, entspricht das doch der häufigen, alltäglichen Realität.

    Wenn solche Beobachtungen – wovon ich ausgehe – auch in amerikanischen Stadtteilen der frühen 80er gemacht werden konnten, dann scheint es doch zweifelhaft, ob es jemals diese „ursprüngliche“ Hip-Hop Kultur gegeben hat.

    christianK

    24. Januar 2008 at 13:25

  27. Gute Beobachtung, versuche das gerade mit meinen verschiedenen Viertel-Erfahrungen abzugleichen.

    Die Unterscheidung von kommerziell erfolgreich oder nicht habe ich so allerdings gar nicht vorgenommen und halte ich hier auch für irrelevant. Mir ging es um unterschiedliche Phasen: Musik einer kleinen Minderheit in ghettoisierter Situation und inzwischen Massenmusik geworden. Der Link zur Alltagsrealität in den Vierteln ist allerdings viel interessanter.

    che2001

    24. Januar 2008 at 14:29


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