shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Die Süddeutsche und ihre sprachverlotterte Begriffsverwirrung

with 26 comments

Wenn man denn erst im Radio eine Schwarz-(wie meine Lunge)-Buch-Autorin über mentale Programmierung durch Scientology im Falle Tom Cruise berichten hört und danach diesen Artikel in der Süddeutschen liest, dann hat man’s doch. Der große Verdacht scheint sich zu erhärten: Die könnten’s sein, die hinter diesem verdrehten Gequassel rund um’s Rauchverbot stecken!

Weil, daß sie einen dominieren wollen, wie Hunde das im Spiel miteinander tun, diese Leute wie Herr Jakobs, das sei ihnen ja gegönnt, Mensch und Macht gehört halt auch zueinander. Aber diese Begriffsverwirrungen, die da auftauchen, die müssen Gehirnwäsche-Hintergründe haben.

Sowas wie Signalverknüpfung ist das: Wenn ich meinem Hund „Rolle“ sage, ihn einmal um sich selbst drehe, ihm ein Leckerli gebe und das immer wieder tue, dann macht der ja auch irgendwann eine Rolle, so ganz von selbst, wenn ich „Rolle“ sage – hat also das Signal „Rolle“ mit einer Handlung verknüpft, ohne freilich die Bedeutung des Wortes „Rolle“ zu verstehen. Ähnliche Signalverknüfungen finden sich ja aktuell in den Blogs gegenüber bei Namen wie „Jessen“ oder „Ypsilanti“ – und eben auch bei diesem Hirntoten da bei der SZ. Und da fragt man sich ja doch, was eigentlich schlimmer ist, eine zugequartzte Lunge oder das Abhandenkommen der Denkfähigkeit?

Gesetzestreue wie unter Wilhelm Zwo wieder zum Zweck an sich selbst, nicht als das begründete Nachvollziehen einer Regel zu begreifen, das ist der erste Schritt ins Jenseits der Vernunft, und da waren die Inder ja schon im 16. Jahrhundert weiter. Am schlimmsten aber diese völlig sinnverfälschende Verwendung von „Toleranz“, ein Wörtchen, das ja eh schon problematisch ist – das ist so ähnlich wie dieses Wörtchen „Einsicht“, das in der BILD immer unter Fotos steht, wenn Leute hier in Hamburg ihren Yorkshire-Terrier anleinen angesichts massiver Sanktionsdrohungen. Was hat denn das mit „Einsicht“ zu tun?

Genau so die unsinnige Verwendung „Toleranz“ im Text. Kann der Mensch nicht wenigstens „Rücksicht“ schreiben? Bisher zumindest ist dieser Terminus da passender, ja der, der machte da wirklich Sinn. Was darüber hinaus interessant ist, ist, daß „Rücksicht“ irgendwie outer ist als „Toleranz“. Würde ich jetzt selbst signalverknüpft weiterschreiben, dann legte ich jetzt los und sähe den Grund darin, daß „Rücksicht“ eben zum allgemeinenRaubtierkapitalismus nicht paßt, das ist da ja reines Gutemenschgetue und mindert den wirtschaftlichen Erfolg; „Toleranz“ stört nicht weiter und wird noch dann erwartet, wenn Existenzen im Sinne der Gewinnmaxierung zertrümmert werden. Stimmt natürlich alles gar nicht, war jetzt reine Signalverknüpfung meinerseits 😉 …

Nun ändern sich Verwendungsweisen mit der Zeit, aber dieses gezielte Einführen von ideologisch motivierten Umdeutungen, nee, das gibt’s sonst nur in autoritären Regimen. Solchen, wo eine Mauer die Freiheit schützt. Und wahrscheinlich auch bei der Scientology.

Zu „Toleranz“ gehört vor allem immer jemand, der jemand anders in seinem So-oder-so-Sein toleriert, aber noch lange nicht akzeptiert, so richtig Sinn macht das eh nur in der Relation „Mehrheit“ und Minderheit“. Und Intoleranz im Falle von Nichtrauchern wäre, sie nur dann in der eigenen Nähe zu dulden, wenn sie auch rauchten.

Auch sonst finden sich da Begriffe im Text, die eher ästhetischen Ressentiments gleichen denn großer Moraldiskussion: „Rauchergehabe“ zum Beispiel. „Ist es die Lust an der Provokation, das schnelle Gefühl von Freiheit und Abenteuer, das die Schmidts trieb“ schreibt der Mann, was natürlich an sich empörend wäre, wer macht denn sowas? Spricht da der Neid? Jetzt haben sie schon ihr Gesetz, aber nein, sie wollen erst dann ruhen, wenn sie noch den letzten erlegt haben …

Nee, der Herr Hans-Jürgen Jakobs sollte mal lieber schleunigst seiner eigenen Vorbildfunktion gerecht werden und, statt dem gedanklichen Mob zu folgen, wenigstens Begriffe sinnvoll verwenden, wenn er schon unsinnige Positionen vertritt. Immerhin schreibt er in einer renommierten Zeitung, und wenn Kids sowas lesen und dann auch noch richtig finden, na, dann Neues Deutschland, manmanman … ich weiß schon, warum ich die FR abonniert habe und nicht diese zum Dussel neigende SZ. „Raucher, kauft keine Süddeutsche!“ wäre man ja versucht zu schreiben, wenn man denn bereit wäre, von Herrn Jakobs was zu lernen … aber selbst das, dieses gelegentlich zu tuen, lasse ich mir von Herrn Jakobs nicht wegverordnen.

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Written by momorulez

26. Januar 2008 um 11:01

Veröffentlicht in Baggage

26 Antworten

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  1. Was oft vergessen wird:
    Als guter Demokrat hat man nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, gegen Gesetze zu verstossen, deren Sinn man nicht einsieht.
    Insofern handelt Schmidt voellig korrekt.

    Totalverweigerer

    26. Januar 2008 at 11:47

  2. Ja, „Mob“ ist das richtige Wort. Aber wieso forderst Du von dem Herrn Jakobs Vorbildfunktion ein? Er macht ja seinen gleichschalterischen Job, wie der Nichtraucher-Initiant in Wiesbaden auch.
    Mir fallen so viele eklige Bezeichnunugen ein, die ich lieber nicht sage. Ich sage nur: Lumpenproletariat!

    T. Albert

    26. Januar 2008 at 14:02

  3. Ja, die Vorbildfunktion hat er. Und wer weiß, vielleicht ist der Anschluss an den Mob schon längst einer Identität mit diesem gewichen. Mehrheitsfähig und zielgruppenorientiert hat ein Chefredakteur zu sein. Und wenn man sein Geschreibsel so ließt, dann mag ich mir nicht vorstellen, welche Seilschaften sich hinter ihm auftun.
    Deutscher Medienadel: Hans-Jürgen Jakobs, Giovanni di Lorenzo, …

    christianK

    26. Januar 2008 at 14:14

  4. @T. Albert:

    Ja, stimmt eigentlich, Denunziantentum befördernde Kollektivisten wie Herr Jakobs, ganz zu schweigen von dem jessenesken Rentner da aus Wiesbaden, können das wohl schon deshalb nicht, also Vorbild sein, weil’s dafür ja Individuen braucht 😉 … womit ich dank der Pointe nun doch die entscheidende Abgrenzung zum liberalen Jargon vollzogen hätte, uff …

    @Christian K.:

    Wohl wahr – die marktanalogen Strukturen als Killer der grundrechtsbasierten Demokratie …

    momorulez

    26. Januar 2008 at 14:46

  5. übrigens mal an die Nichtraucher, deren ich seit 17 Jahren auch einer bin: Ihr glaubt doch nicht, dass es bei diesen ganzen merkwürdigen Kampagnen gegen das Rauchen, vulgo die Raucher, Body-Mass-Index-Dissidenten, Warmduscher, undso, um deren Gesundheit und die „Rechte“ der jeweiligen „Gegenseite“ geht? An eben dieser Geschichte sieht man doch gut, dass nicht.
    Eine Studentin von mir wurde mal in einen Studiengang nicht aufgenommen, weil sie zu dick war. So, ich werde jetzt doch gemein: diese ganzen „Gesundheitsdebatten“ gehen einher mit Euthanasiediskussionen, merkwürdiger Verrechtlichung des Selbstmordes, der Einführung von Lagern unbestimmter Qualität für Jugendliche, der Rechtsunsicherheit für Ausländer, der Abschaffung von Rechten für Flüchtlinge. Das ist doch alles nichts weiter als kurzhosige, vegane Schäferhundliebe. Alles gleichzeitig.

    T. Albert

    26. Januar 2008 at 15:55

  6. Es mag sein, dass das Gesetz auf einer Welle neuer Gängelung daherkommt.

    Vom Ergebnis her bewerte ich es aber unter dem Strich positiv und zwar als einen der seltenen Fälle, in denen die Intention abzulehnen ist aber das Ergebnis trotzdem stimmt.

    Die *unmittelbare* Schädigung Dritter ist doch der Lackmustest, mit dessen Hilfe man die grundsätzliche Legitimität staatlicher Eingriffe überprüfen kann.

    DER_Herrlimann

    26. Januar 2008 at 18:05

  7. Ja, um von der permanenten, mittelbaren Schädigung abzulenken, die Kapitalismen nun mal strukturell mit sich bringen …

    momorulez

    26. Januar 2008 at 18:21

  8. @Momo

    Über Deine Lesart kann man natürlich streiten. Ein FDPler würde sicher dagegen halten.

    Das von mir aufgestellte Kriterium sollte, so hoffe ich zumindest, in den meisten politischen Lagern nachvollzogen werden können.

    DER_Herrlimann

    26. Januar 2008 at 18:43

  9. Man kann den Jugendlichen ja viel anhaengen, aber SZ Leser werden die wenigsten 🙂

    Erik

    26. Januar 2008 at 18:56

  10. @DER-Herrlimann:

    Na, natürlich kann man das Kriterium nachvollziehen, und ebenso natürlich hat die FDP seit ihrem wirtschaftliberalen Schwenk sowieso immer und grundsätzlich unrecht 😉 … dieses Kriterium rechtfertigt aber nicht das Gesetz, sondern allenfalls eine Kennzeichnungspflicht für Raucherkneipen-und restaurants. Und es rechtfertigt auch nicht, dümmlich über „a bisserl Toleranz“ zu schwätzen, wenn’s doch um Rücksicht geht, die ja in einer Gesellschaft, in der Bürger- durch Besitzrechte ersetzt werden, ansonsten so scheißegal ist wie nix anderes, auch dank der FDP …

    @Erik:

    Schon mal was von „Smirting“ gehört? Das entgeht Dir jetzt halt 🙂 …

    momorulez

    26. Januar 2008 at 20:07

  11. Die *unmittelbare* Schädigung Dritter ist doch der Lackmustest, mit dessen Hilfe man die grundsätzliche Legitimität staatlicher Eingriffe überprüfen kann.

    Ich denke, da wird mir Che zustimmen: Wenn sich in den Bergen jemand den Hals bricht, dann sind nicht die Berge schuld.
    Was natürlich nicht heißt, daß man die mit ausreichend Gewalt nicht beseitigen könnte.

    @Smirting: http://mentalschnupfen.org/item/221

    David

    27. Januar 2008 at 4:45

  12. @David:

    Schöner Text da drüben bei Dir 😉 … finde das auch eklig, daß sich Nichtraucher einem überall aufdrängen. Pentrantes Volk.

    Aber der Vergleich mit den Bergen funzt natürlich trotzdem nicht, die handeln ja nicht …

    momorulez

    27. Januar 2008 at 10:38

  13. Vulkane wenigstens rauchen. Mehr tut ein Raucher auch nicht.

    David

    27. Januar 2008 at 14:26

  14. Ich fühle mich heute auch wieder so vulkanisch, Fauch 🙂 …

    momorulez

    27. Januar 2008 at 14:34

  15. Bei allem Verständnis für deinen Furor über die SZ und über den Herrn, der meinte, Schmidt wegen eines Fotos (und eben nicht aufgrund persönlicher Rauchbelästigung) anzeigen zu müssen, aber zu dem hier:

    „Und Intoleranz im Falle von Nichtrauchern wäre, sie nur dann in der eigenen Nähe zu dulden, wenn sie auch rauchten.“

    Ich frage mich ernsthaft, ob das jetzt nur billigste Polemik ist oder ob du die Realität einfach nur etwas selektiv wahrnimmst: Intoleranz ist für das „nur dann in der eigenen Nähe zu dulden, wenn sie auch rauchten.“ gar nicht notwendig, noch nicht mal sonstwie bewusstes Handeln. Gleichgültigkeit reicht absolut aus. Denn die Situation ist schlicht die: Ein Nichtraucher hat in Gegenwart eines Rauchenchen keinerlei Möglichkeit, nicht zu rauchen. Ihm bleibt – abgesehen vom Nichtdulden des Rauchenden in der eigenen Nähe – nur das Passivrauchen.

    micha42

    27. Januar 2008 at 15:14

  16. @micha42:

    „Gleichgültigkeit reicht völlig aus.“ Entweder ich bin falsch gewickelt, oder Du bestätigst genau das, was da geschrieben steht. Eben weil die Gleichgültigkeit noch keine Intoleranz ist, wäre die Intoleranz eben das nicht tolerieren des Nichtrauchens, oder? Aber dann verstehe ich nicht, was Dich aufregt.

    christianK

    27. Januar 2008 at 15:32

  17. @christianK:

    Du bestätigst genau das, was da geschrieben steht. Eben weil die Gleichgültigkeit noch keine Intoleranz ist, wäre die Intoleranz eben das nicht tolerieren des Nichtrauchens, oder?

    Nö. Er duldet (=toleriert) im Endeffekt doch Nichtraucher tatsächlich nicht in seiner Nähe. Nur (unterstelle ich mal) nicht absichtlich. Weshalb ich den Begriff tolerieren an dieser Stelle für falsch halte.

    Das regt mich bzw. fällt mir deshalb auf, weil ich den Eindruck habe, dass er hier einen Vergleich zum Tolerieren von Rauch durch Nichtraucher suggerieren will, das er wohl vermisst.

    micha42

    27. Januar 2008 at 16:16

  18. Ich glaube, Micha24 meint, daß man intolerant sei, wenn man in Gegenwart von Nichtrauchern raucht, weil man sie zum Rauchen – eben Passivrauchen – zwänge und somit zum Wegegehen nötige, ihre Gegenwart somit nicht toleriere. Das ist mir aber echt für eine Verwendungsweise von „Toleranz“ nun doch ’ne Nummer zu sophisticated. Dann sind auch Autofahrer intolerant, weil sie mich auf der Straße nicht meinem Hund spazieren gehen lassen, weil sie mir nur die Wahl zwischen überfahren werden oder wegbleiben lassen. Und deren scheiß atme ich ja übrigens auch ein, den ganzen Tag.

    Ich halte meine Position aufrecht, daß das alles was mit Rücksicht zu tun hat, aber mit „Toleranz“ rein gar nix. Und daß moralische Argumente da, seitdem das Ganze in Gesetzesform gegossen ist, eh keine Rolle mehr spielen, weil die Wechselseiitigkeit entfällt. Jetzt gelten die Regeln von Herrschaft und Widerstand, Denunziantentum und Freiheit.

    momorulez

    27. Januar 2008 at 16:25

  19. Sorry, Micha24, wir haben gerade parallel gepostet, dann hatte ich Dich aber zum Teil richtig verstanden, glaube ich …. nein, ich finde nicht, daß Nichtraucher Rauch tolerieren müßten. Wir haben bei uns im Büro z.B. die Regel „sobald ein Nichtraucher sich gestört fühlt vom Rauch, wird es Nichtraucherbüro“. Sonst nicht.

    Deshalb plädiere ich ja für eine Kennzeichnungspflicht von Raucher-Kneipen, aber auch entsprecehenden Zonen in öffentlichen Räumen. Das ist z.B. schlicht eine Unverschämtheit, daß es Universitäten keine Raucherräume mehr gibt. Und auch, daß Kneipiers nicht entscheiden dürfen, ob sie nun Raucher- oder Nichtracherkneipe sein wollen, daß der kleinere Raum der Raucherraum sen muß etc., das hat für mich auch mit dem Geist des Grundgesetzes nix mehr zu tun, das ist die Erschaffung des besseren Menschen im Sinne der DDR. Auch die Bahn gehört schlicht boykottiert wegen der Abschaffung der Raucherabteile.

    momorulez

    27. Januar 2008 at 16:34

  20. Tja, die liebe Marktlösung. Die wäre mir ja auch am liebsten, nur aus einem mir schleierhaften Grund gab es sie nie. Dabei liegt (resp.: lag) der Gedanke doch nahe, als Wirt mal auszuprobieren, ob für die Raucher, die zu verlieren man befürchtet, womöglich Nichtraucher nachrücken, die bisher (sprich: vor 2008) nur die Möglichkeit hatten, passiv zu qualmen oder auf gesellschaftliches Leben weitgehend zu verzichten.

    Ansonsten kannte ich das mit dem Raucher- und Nichtraucherraum in Kneipen, (wenn überhaupt!,) dann zu meinem Leidwesen eher so, dass der NR-Raum der kleinere war.

    Auch die Bahn gehört schlicht boykottiert wegen der Abschaffung der Raucherabteile.

    Für mich wird sie damit ausnahmsweise wieder ein Stück attraktiver. 😀

    micha42

    27. Januar 2008 at 16:57

  21. Deine Blog-Uhr geht, wie’s aussieht, eine Stunde vor. Es ist jetzt 16:00, und dieses Posting wird wohl einen Zeitstempel von 17:00 bekommen.

    micha42

    27. Januar 2008 at 16:59

  22. Tja, die liebe Marktlösung. Die wäre mir ja auch am liebsten, nur aus einem mir schleierhaften Grund gab es sie nie.

    Das ist mir in der Tat auch schleierhaft. Da schaft es eine Minderheit von zwanzig-nochwas Prozent Rauchern doch tatsächlich, die überwältigende Mehrheit der Nichtraucher derartig zu knechten, daß denen nichts weiter mehr übrigbleibt, als zu weinend zu Papa Staat zu rennen und zu flehen: „So tu doch was, so tu doch was, die sind alle so böse, böse, BÖSE!“

    Am interessantesten finde ich es dann, wenn (nicht von Dir, aber das ist schon passiert) die Raucher schließlich dafür verantwortlich gemacht werden, daß ein Produkt, an dem sie kein Interesse haben, nicht angeboten wurde.

    Warum hat es die vornehme Riege der Nichtraucher nicht zustande gebracht, sich selbst zu dem benötigten Angebot zu verhelfen? Warum sind sie auf die Kooperation von Rauchern angewiesen und unfähig, einfach ihr eigenes Ding durchzuziehen? Das ist wirklich schleierhaft und ich kann es mir nur damit erklären, daß das Interesse an Rauchfreiheit jetzt im Regelfall nicht so groß war. Das ist wie mit güldenen Klobrillen: Selbst kaufen würde man sie nicht, aber wenn der Staat sie spendiert, sagt man nicht nein.

    David

    27. Januar 2008 at 17:34

  23. @Micha24:

    Wieso Marktlösung? Das ist einfach plausibel, und das kann man auch sonstwie beschreiben, da muß man nicht schon wieder „Markt“ bemühen. Zudem z.B. ein Kennzeichnungspflicht von Gen-Gemüse ja nun gerade von am Markt Aktiven als ganz schröcklicher Verwaltungsakt und staatliche Bevormundug gegeißelt wird, und hat die Unterscheidung von Herren – und Damenclos nun auch ’nen Marktgehalt?

    Klar ist aber, daß jeder halbwegs vernünftig denkende Mensch auf diese Lösung einlassen können müßte, gäbe es da nicht diese widerwärtigen Glaubenskrieger, denen es ja gerade NICHT um Rücksicht, sondern um irgendwas anderes geht …

    „Für mich wird sie damit ausnahmsweise wieder ein Stück attraktiver.“

    Warum? hast Du Dich immer in’s Raucher-Abteil gesetzt, um Dich dann über die Intoleranz der Raucher aufzuregen? 😉 …

    Unsere Blog-Uhr geht übrigens vor, weil wir der Zeit einen Schritt voraus sind! Zeit knechtet!

    @David:

    Du sprichst mir aus der Seele 😉 …

    momorulez

    27. Januar 2008 at 18:11

  24. @David:

    Warum hat es die vornehme Riege der Nichtraucher nicht zustande gebracht, sich selbst zu dem benötigten Angebot zu verhelfen?

    Oh, einer „vornehmen Riege“ gehöre ich also an. Sieh an. Aber immerhin bist du auf meine Frage, wieso Wirte auf den bewussten naheliegenden Gedankengang nicht kommen, gleich gar nicht eingegangen, sondern hast die Angelegenheit per Gegenfrage übergangen. Das ist doch auch schon mal was.

    Könnte es vielleicht sein, dass sich die Antwort auf deine Frage aus dem ergibt, was ich bereits oben schrieb:

    …nur die Möglichkeit hatten, passiv zu qualmen oder auf gesellschaftliches Leben weitgehend zu verzichten.

    Um das zu ändern, bräuchte man schon ziemlich weitreichende Organisation, um die nötige kritische Masse aufzubringen. Schließlich hätte man nur was ändern können, wenn viele gleichzeitig weggeblieben wären. Dass das nicht zustandekam, muss wohl an der oft beklagten Intoleranz der Nichtraucher liegen und ist – und das ironiefrei – zweifellos sehr schade.

    Aber vielleicht, Spekulation, ganz wilder Gedanke, könnte es ja noch andersrum klappen: wenn das gesetzliche Verbot eine Weile bestünde und dann wieder abgeschafft werden würde (keine Ahnung, wie wahrscheinlich diese Voraussetzung des folgenden ist), würden Nichtraucher ihrem Wirt gegenüber vielleicht anders auftreten, weil sie mittlerweile wissen, dass es auch anders geht. Das wäre aus meiner Sicht schon deshalb interessant – vgl. dein „Wie Motten zum Feuer, die blöden Quälgeister“ – weil ich zu gern mal sehen würde, wieviele der für ihre Toleranz bekannten Raucher in gemischten R/NR-Freundeskreisen bereit wären, aus freien Stücken mit in ein NR-Lokal (oder auch nur in den NR-Bereich eines Lokals mit separaten R- und NR-Bereichen) zu gehen. Und zwar nicht nur mal ausnahmsweise, sondern an einem signifikanten Anteil aller gemeinsam verbrachten Abende.

    die überwältigende Mehrheit der Nichtraucher derartig zu knechten, daß denen nichts weiter mehr übrigbleibt, als zu weinend zu Papa Staat zu rennen und zu flehen

    Ach, die überwältigende Mehrheit der Nichtraucher ist zu Papa Staat gerannt und hat ihn angefleht? Ich dachte bisher, das wären bestenfalls ein paar obskure Grüppchen gewesen, die, angespornt von diversen Ärzten, von der Politik dankbar angehört wurden. Schließlich lenkt das schön von anderen Themen ab. Die NR, die ich so kenne, und darunter sind einige recht puritanisch gewordene Ex-Raucher (Konvertiten eben), haben wie auch ich aus praktischen Gründen einfach nur wenig gegen das bestehende gesetzliche Verbot. Aber dieses gefordert? Nö. Vielleicht lebe ich aber auch einfach nur in einer überproportional unmilitanten Gegend.

    Wie auch immer, ich bin sehr gespannt, wieviele Raucher – die sich ja jetzt gezwungenermaßen in einer ähnlich alternativreichen Lage sehen wie ich bis Ende 2007 – in Zukunft tatsächlich wegbleiben, wieviele Raucherclubs entstehen und sich halten können, und wieviele Raucher vielleicht doch einfach nur alle halbe Stunde 5 Minuten vor die Tür gehen. Es gibt da meiner Beobachtung nämlich eine ganz eigenartige Sache (na obwohl, so eigenartig nun auch wieder nicht): viele, wenn auch bei weitem nicht alle, Raucher sitzen bei und zwischen ihren Zigaretten recht ungern in Schwaden des Rauchs (vieler) anderer Raucher. Sie finden Passivrauchen anscheinend auch recht lästig! Vielleicht ist aber auch das nur eine Anomalie meiner Heimatstadt.

    So, wenn ihr mich jetzt bitte entschuldigt, ich muss nachsehen, was in Hessen abgelaufen ist, auch wenn es mich nicht direkt betrifft.

    micha42

    27. Januar 2008 at 19:45

  25. @momo

    Guten Morgen,
    die Glaubenskrieger sind eklig, zweifellos. Ich kenne sie auch aus der anderen Richtung. Die werden sich jetzt zweifellos vermehren, aus naheliegenden Gründen. Womit auch klar wäre, woher die anderen kommen.

    Und nein, ich bin nicht autoaggressiv genug, um mich ins Raucherabteil zu setzen. Manchmal musste ich aber da durch um zum Klo zu kommen. Das hat mir dann i.d.R. schon gereicht.

    Und manchmal musste ich auch im Raucherabteil bleiben, weil woanders schier kein Steh(!)Platz mehr zu finden war. Diese ganz schlimmen Zeiten sind aber zugegebenermaßen schon seit 1989/’90 vorbei, als Nebenwirkung jener Zeit.

    micha42

    28. Januar 2008 at 8:39

  26. @Micha24:

    Guten Morgen zurück!

    Bei den ICs war das auch wirklich albern gelöst, aber z.B. bei den ICEs, wo’s nur noch einen Raucherwagen am Kopf des Zuges gab oder aber zwischen 1. Klasse und Speisewagen, da gab’s eigentlich keinen Grund zum meckern … höchstens für die paar 1. Klasse-Kunden, die dann mal durchmußten, um in den Speisewagen zu kommen, was aber auch nur die eine Variante betraf.

    momorulez

    28. Januar 2008 at 9:53


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