shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Kunst ist eine Haltung, die hervorgeht aus dem Widerstand gegen jede Art autoritärer Ambitionen. (Jan Hoet)

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13 Antworten

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  1. Na, so gerne ich da einstimmen würde…. was ist mit D’Annunzio, Marinetti oder gar Breker? Machten die keine Kunst? Oder machten sie Kunst ohne Kunst als Haltung? Oder impliziert dieses Hervorgehen „aus dem W§ioderstand gegen jede Art autoritärer Ambitionen) eine kulturelle Wurzel (das ist ein blöder Begriff, im Moment fällt mir aber kein besserer ein), die man jeweils anders realisert?

    lars

    2. Februar 2008 at 11:01

  2. hähä! wusstich doch , dass das kommt. denk ich auch die ganze zeit. der hoet war ja mal boxer, da ist man manchmal etwas schnell präzis.
    ich schliesse mich dem aber an, und schliesse die anderen einfach aus. machten die auch. „der krieg ist kunst“ beinhaltet ja schon ausschlussverfahren aller art, „ITALIA!“ auch, „Deutsche Kunst!“ auch. für die genannten kollegen war ja auch das menschentöten kunst und sie organisierten sich als originärer bestandteil ihrer regimes, und schlossen andere aus. was kunst ist wussten die ganz absolut.
    im gegensatz dazu denke i ch mit hoet, sie ist eine haltung, mit sartre, wir suchen das absolute, deswegen sehen unsere arbeiten vielleicht nicht aus wie „kunst“.

    T. Albert

    2. Februar 2008 at 12:56

  3. Falle zugschnappt. Wär aber auch schade gewesen, wenn sie links liegen geblieben wäre.

    Also trennst Du zwischen einem stärker emphatischen Kunstbegriff und einem institutionalistischen/funktionalistischen Begriff.

    [Kann ich ja sagen, bin ja kein Künstler, sondern wie Momo zurecht hinweist, ein Universitärer, und daher immer etwas an der Realität vorbei 😉 ]

    Ich weiß ja immer nie so genau, wie ich das Phänomen verhandlen soll. Einerseits bin ich ja voll bei Dir, wenn es um die Frage geht, worin Kunst bestehen soll. Andererseits sehe ich auch, was denn so von verschiedenen Positionen aus in den Definitionsraum der Kunst hinein genommen wird.

    Und wenn ich es mit der Kulturindustriethese kopple, bleibt mir weniger die Haltung zur Kunst als Widerständigkeit gegen das Autoritäte, sondern die Haltung zur Kunst als Erfahrung des Ästhetischen…aber wäre das überhaupt etwas anderes?

    lars

    2. Februar 2008 at 13:20

  4. Ich sach mal: Kunst als Praxis ist schon ganz grundsätzlich anti-autoritär selbst dann, wenn der Künstler autoritären Doktrinen folgt. Das liegt in der Nicht-Logik ihres Vollzuges, sozusagen. Das ist dann alerdings keine Aussage über ihre „Werke“.

    momorulez

    2. Februar 2008 at 13:26

  5. Die Nicht-Logik ihres Vollzugs steht dann aber immer noch vor dem Problem der Intersubjektivität? Oder nicht?

    lars

    2. Februar 2008 at 13:38

  6. Kunst als Praxis ist schon ganz grundsätzlich anti-autoritär – find ich auch.

    Lars, ich sehe das tatsächlich als Machtfrage. Erfahrung des Àsthetischen – ja, klar, aber sind wir ja nun auf dem rutschigsten Boden überhaupt. Was ist denn das Ästhetische? Momo wirft mir ja immer hin, ich würde das mit Moral ineinssetzen. Mach ich auch. Das Ästhetische steckt ja überall drin, aber ich weiss ja nicht, wie Proust den Krieg beschrieben hätte, den die futuristischen Kollegen so geil fanden, dass sie dran gestorben sind, einige.Andere haben es sich dann anders überlegt, nachdem sie bemerken mussten, dass ihre ästhetische Kraft dem Schrecken nicht gewachsen war (Carra). Kunst kann sich als menschliches Mittel in ihrer relativen Schwäche zum Schrecken nur affirmativ und apologetisch verhalten, und dann wird sie sein Bestandteil und ihr eigenes Ästhetisches löst sich drin auf. Wenn sie aber auf der Nicht-Logik ihres Vollzugs besteht, und die Werke von daher entstehen lässt, und die Nicht-Logik auch thematisiert, dann ist sie für den Unsinn nicht zu gebrauchen und wird fast von selbst widerständig gegen das Autoritäre: das sieht ja jeder Machthaber sofort, die Diktatoren und Terroristen nehmen das ja tödlich ernst, weil sie Bescheid wissen um Wirkmächtigkeit und ihre Mittel. Für die ist das kein Spiel, wie vielleicht für Künstler.Dann kriegen auch die Künstler Ärger, die dem autoritären Doktrinen folgen.(Nolde war ja sehr verwundert, der Herr Trottel.)

    Kulturindustrie: Auch ne Machtfrage im praktischen Leben. Kunst hat mit deren Ästhetiken nicht so viel zu tun ausser als Rohstoffarsenal, in das reingegriffen wird, um Industrie draus zu machen. Irgendwo hat sie sich versteckt, aber um sie zu entdecken, musst du als Künstler, besser: als Maler, Bildhauer, Videoskulpteur, eine ständige Fluchtbewegung, die dich ihre Richtung treibt, vollziehen, weg von denen, die die künstlerischen Mittel und Methoden immer sofort industriell sich einverleiben und nutzbar machen. Du siehst, ich hab einen ziemlich spiessigen Begriff von der Sache.

    T. Albert

    2. Februar 2008 at 14:14

  7. huch. Muss da erstmal nachdenken, bevor ich was darauf antworte. Nicht wegen der Spießigkeit… die ist ja mittlerweile an ganz anderen Orten zuhause, z.B. im rheinischen Karneval oder im zeitgenössischen Kabarett (ja, ich weiß da gibt es Ausnahmen)

    lars

    2. Februar 2008 at 14:29

  8. @Lars:

    Nö, wieso denn? Man kann doch künstlerischen Vollzug auch mit Anderen machen, teilen etc., und wie man da rangeht, ist sowieso immer intersubjektiv konstituiert.

    @T. Albert:

    „Momo wirft mir ja immer hin, ich würde das mit Moral ineinssetzen. Mach ich auch. Das Ästhetische steckt ja überall drin,“

    Werfe ich Dir das vor? Nö. Ich plädiere allenfalls für eine methodische Trennung der Sphären, die unterschiedlichen Begründungsweisen und Sprachformen entsprechen, aber real geht sowieso alles querbeet, und z.B. die prinzipielle Offenheit für neue Erfahrungen, die Kunst erst zur Kunst macht, die ist natürlich als Haltung dem Anderen gegenüber auch moralisch gehaltvoll, wenn man die Perspektive wechselt. Aber das irgendwas irgendwo drinsteckt, macht ja nicht die Identität zwischen beidem aus.

    momorulez

    2. Februar 2008 at 14:33

  9. Ich plädiere allenfalls für eine methodische Trennung der Sphären,

    jaja, das isses ja, was mir immer schwerer fällt. Weil ich mich als Produzierender mit all dem ganzen Theoriekram, den ich da so im Ranzen mit mir trage, und der daraus resultierenden Ästhetik (die ja immer auch iregendwie eine Spezialästhetik sein soll) eben auch relativieren muss gegenüber der schlichten Tatsache, dass KUNST als Erfahrung und Ausdrückens des Ästhetischen eben eine ursächliche Angelegenheit ist; die steckt in uns drin, unabhängig von Produktionsbedingungen, die nämlich ihrerseits u. U. verwandelt werden müssen durch die hervorgebrachte Produktion: wie konnte, und für mich ist das wirklich eine unmenschliche Fragestellung, wenn ich das mit zeitgleichen Arschlöchern wie D`Annunzio und Breker vergleiche, Charlotte Salomon mitten im laufenden Massenmord ein Werk malen? Wofür? Wozu? Wir reden mehr über Breker und seine Komplizen als über Charlotte Salomon, die eben ein Mensch war und deswegen Kunst gemacht hat, mit allem drum und dran. (- Ich fang ja auch an mich zu langweilen in dem Ganzen. )

    T. Albert

    2. Februar 2008 at 14:55

  10. Schrieb das nur, weil Deine Nicht-Logik des Vollzugs so unvermittelt, irgendwie monadisch daher kam. Zumal ich dann die Stelle des Werkes (als Objektiviertes, und damit auf jeden Fall etwas Intersubjektives ) nicht mehr ausmachen kann.

    lars

    2. Februar 2008 at 14:57

  11. Gefällt mir, der Spruch. Auch wenn er – historisch gesehen – natürlich nicht stimmt. Weil fast alle Künstler, auch die bedeutendsten, für Menschen, die sich als „Autoritäten“, sprich mächtig und reich waren, arbeiteten.

    MartinM

    2. Februar 2008 at 21:27

  12. Momo, ich kann nur hoffen, dass Du damit recht hast: „Kunst als Praxis ist schon ganz grundsätzlich anti-autoritär selbst dann, wenn der Künstler autoritären Doktrinen folgt.“

    MartinM

    2. Februar 2008 at 21:29

  13. ja, das kann der hoet natürlich so auch erst im 20. jahrhundert sagen. es ändert sich ja auch gerade wieder.

    T. Albert

    2. Februar 2008 at 21:40


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