shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

DSDS als Selbstaufklärung über die Kulturindustrie

with 24 comments

ich zitiere den Artikel, weil Peter hier wunderbar darlegt, warum es trotz allem besser ist, diese Sendungen anzuschauen als die Spex zu lesen….

„Für die Kulturindustrie gilt dasselbe, da in ihr Kopfarbeiter nicht ausschließlich als
Planungsfunktionäre im eigentlichen Sinn auftreten, sondern darüber hinaus zur Ausarbeitung
von Konsensmustern der Lebensführung herangezogen werden. Musiker, Models, Regisseure,
Sportler und Talkmaster sind, wie Alex Demirovic (SPEX 09/03) zeigen konnte, eine neue
Kategorie von Intellektuellen: Promis. Sie sind an der Organisierung der Kultur insofern
beteiligt, als sie sich nicht nur über ihre Produkte, sondern vor allem über ihre industriell
abgefragten Meinungen zu Sex, Politik, Arbeit und Erfolgsrezepten im öffentlichen Raum
einschreiben. Sie kassieren hohe Gehälter und blockieren diesen Raum für andere Meinungen.
Leicht zeigen lässt sich das an der letzten »DSDS«-Staffel. Kaum als Superstar ausgerufen,
musste Sieger Tobias Regner die Quintessenz seiner »DSDS«-Erfahrung von sich geben: das
unbedingte Festhalten an seinen Träumen. Den 15.000 mit ihm angetretenen Promianwärtern
– gleichermaßen vom Traum angetrieben – musste das eigentlich wie der letzte Hohn
vorkommen. Tat es aber nicht. Dass es statistisch nur wenige schaffen, ist allgemein bekannt.
Bei »DSDS« wird dieses Prinzip selbst noch zur Show erklärt. Hier betreibt Kulturindustrie
quasi Selbstaufklärung. Dass Tobias »Glück gehabt!« hätte sagen müssen und die Massen
»Das hat nichts mit dem Festhalten an Träumen zu tun!« hätten antworten sollen, ist
Ausdruck dieser wechselseitigen Täuschung, der Ideologie kulturindustrieller Betriebsamkeit
schlechthin. Sie steckt noch in den letzten Nischen der Subkultur.“
Peter Scheiffele (2005): Raus aus dem Kulturbetrieb, rein in die Geschichte!, Spex 6/2006)

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Written by lars

2. Februar 2008 um 11:29

24 Antworten

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  1. Na, wobei’s immer gemein ist, auf „die Sichtbaren“ einzudreschen. Die Regisseure sind in der Regel völlig harmlos und eher Dienstleister wie Cutter und Redakteure auch. Die Strippen ziehen ganz andere …. und als „Sichtbarer“ mußt Du höllisch aufpassen, in sehr kurzer Zeit sehr viel Geld zu machen, dann bist Du verbrannt. So Dauerbrenner wie Bohlen gibt’s ja nur ganz wenige, und diese ganzen Pannel- und Bluebox-Promis, Gott, schwerreich werden die auch nicht. Das ist schon so’n Text von jemandem, der nur zuguckt, aber sehr wenig Einblick in die realen Mechanismen hat. Das ist echt ein Problem auch der universitären Medienwissenschaften, die zielen extrem häufig am Gegenstand vorbei.

    momorulez

    2. Februar 2008 at 11:55

  2. Wobei der Peter überhaupt nich universitär angebunden ist. Klar ist daws eher ein Zuschauen. Aber es gehjt schon auch und vor allem um die Ebene der Darstellung. Ob sie dann tatsächlich hohe Gelder kassieren, ist noch mal eine andere Frage. Ich lese das stärker in die Richtung der „conspiscous production“: Kulturindustrie muss gar nicht mehr verbergen wie sie produziert, sondern macht aus ihren Selektionsprozessen ein schlagkräftiges Verwertungsargument. Zudem wird auf die organischen Intellektuellen abgezielt, denen als Aufgabe ja die Organisation der entsprechenden Ideologie zukommt: Gerade iin dem Bereich, den Du as „Sichtbarkeit“ bezeichnest. Ich lese das nicht als Eindreschen, sondern als Bewertung dieser „Sichtbaren“ innerhalb des kulturindustriellen Apparates. Und noch viel stärker als Kritik an der Medienreflexion a la Spex oder testcard, die dann immer mit dem Nimbus des Widerständigen auftreten, unter der Hand dann aber wieder Bewertungskategiren wie Charisma, Kreativität, Genie usw. einführen.

    lars

    2. Februar 2008 at 13:04

  3. „Kulturindustrie muss gar nicht mehr verbergen wie sie produziert, sondern macht aus ihren Selektionsprozessen ein schlagkräftiges Verwertungsargument.“

    Na, die eigentlichen Selektionsprozesse bekommt aber kein Schwein mit …

    momorulez

    2. Februar 2008 at 13:23

  4. Das ist doch aber auf der Ebene der Legitimation erst einmal gar nicht nozendig. Es geht doch dabei weniger um die Partizipation am Medienapparat als um die Durchsetzung eines allgemeinen Prinzips des „Nicht jeder kann…“ und der damit notwendigen Etablierung des Prinzips einer selektiven und stets unsicheren Zuweisung von Lebenschancen.

    lars

    2. Februar 2008 at 13:35

  5. Ich stimme Momo zu, denn die Selektionsprozesse in DSDS sind ja inszenierte Show, sozusagen eine „Sportveranstaltung“, bei der zwar wir bei „echten“ Sport offen ist, wer am Ende „gewinnt“, bei der aber im Gegensatz zum Sport ein großer Teil der „Spielregeln“ und vor allem der komplette Prozess der „Mannschaftsaufstellung“ im Verborgenen bleibt. Und wie die „Schiedsrichter“ agieren, bleibt auch weitgehend im Dunkeln.

    Was wir als Zuschauer sehen, ist bestenfalls die Spitze des Eisbergs. Wobei diese „Spitze“ in manchen Fällen auch nichts als eine Styropor-Atrappe sein dürfte. DSDS täuscht Transparenz nur vor. (Womit die Show doch wesentliche Entscheidungsprozesse, vor allem in der Politik und in Großunternehmen, entspricht.)

    MartinM

    2. Februar 2008 at 14:18

  6. Ich halt’s da mittlerweile auch wirklich wieder mit variierten Basis-Überbau-Modellen. Und dieses „Das ganze Leben eine Casting show“, na, die, die wirklich prekär leben, werden zum Casting ja gar nicht erst zugelassen, so realgesellschaftlich. Und das Ganze funktioniert aufgrund seiner Dramartuzurgie, nicht aufgrund seiner Ideologie. Nun sind Dramarturgien oft auch sowas wie die Form der Ideologie, aber bei Dir liest sich immer so intendiert von den Institutionen selbst, und das ist nicht so. Da ist die Ideologie Effekt von innerinstitutionellen Parametern der Vorstellung dessen, was denn „populär“ sei. Wenn die Mutter Theresa-Show Chancen hätte, würde das auch gemacht, ebenso „Wer wird der nächste Marx“.

    momorulez

    2. Februar 2008 at 14:26

  7. Ja aber hallo: Genau darum geht es doch! Um die Frage, wer sich den jeweligen Apparat aneignet, welche Vorstellungen vom Glück, vom Populären. Es geht doch nicht darum, dass die Ganze Welt eine Casting Show ist, dann wären wir ja bei Schlingensief und Pollesch und selbst populistisch. Aber es geht doch darum, dass sich in dieser Dramaturgie/ideologie etwas niederschlägt, was ich mit Adorno mal als „Dankbarkeit für die funktionale Vereinnahmung“ beschreiben würde. und in diesem Sinne, d.h. vor dem Hintergrund einer Auseinadersetzung um die hegemoniale Einrichtung der medialen Repäsentation der Gesellschaft übernimmt die sichtabre Spitze des Eisbergs die Funktion der organischen Intellektuellen, denen es obliegt, diese Ideologie zu artikulieren. das sagtdoch nichts darüber aus (a) ob sie Urheber dieser Weltsicht sind, ob sie (b) tatsächlich zu dieser Haltung stehen und (c) welchen Interessen sie damit eigentlich dienen, d.h. welche Gruoppen hier hegemonial geworden sind. Aber sie arbeiten mit an der Ausarbeitung einer Semantik von willkürlicher Selektion, von Abhängigkeit gegenüber nicht demokratisch legitimierten Entscheidungsträgern und von einer geforderten inübung von Dankbarkeit gegenüber den jeweiligen Arbeitsgebern. Bei DSDS ist ja die alte proletarische Kritik des „Wes Brot ich fress, des Lied ich sing“ noch mal äußerst populistisch und affirmativ gewendet.

    lars

    2. Februar 2008 at 14:48

  8. Immer Eure Abkürzungen! Ich hatte lange gerätselt, was DSDS bedeuten soll. ch habe diese Sendung noch nie gesehen (würde ich auch nie tun), und als auf einem anderen Blog mal jemand „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ postete, musste ich mich erstmal schlau fragen, um das zu kapieren. DieseTrash-Unterhaltungswelt ist für mich weiter entfernt als z.B. ein Steinzeitvolk auf den Andamanen.

    che2001

    2. Februar 2008 at 15:29

  9. Che, Du bist eben ein trauriger, spassfreier etatistischer Linker. Ganz bös, Scheiss scheisse zu finden.

    T. Albert

    2. Februar 2008 at 15:34

  10. @Lars:

    „Um die Frage, wer sich den jeweligen Apparat aneignet, welche Vorstellungen vom Glück, vom Populären.“

    Was soll denn das sinvoll heißen? Wer sich eignet denn da was an? Und was hat das Popluäre mit dem Glück zu tun?

    „Dankbarkeit für die funktionale Vereinnahmung“

    Das ist so allgemein, das sagte doch nich spezifisches über DSDS aus.

    Vielleicht über GZSZ oder damals NKTOB oder CitA oder BH 920210 🙂 ….(WJWNEWÜA).

    momorulez

    2. Februar 2008 at 15:43

  11. 90210

    neukind uff dr strass

    2. Februar 2008 at 16:09

  12. Da bleib´ich doch gleich bei den MEW, der DdA, den MfenA, dem Zirkular, A&K, Ä&K sowie Phase 2 und Subversion.

    che2001

    2. Februar 2008 at 16:10

  13. es fällt mir zugegebenermassen schwer, Eurer Diskussion zu folgen. Ich weiss nicht, was und wer sich selbst aufklärt. Versteh ich nicht. Übrigens hat dieser Junge in gewisser Weise seinen Körper eingesetzt.Und zwar gegen sich selbst, aber das hat er immerhin gezeigt, dass es u. U. so weit kommen kann. Ich finde auch nicht, dass irgendjemand versagt hätte, die Eltern des Jungen, oder diese lumpenproletarischen, halbseidenen Typen am Jury-Tisch. Auch die jenigen, die jetzt diesen armen Jungen da nächtens beschimpfen, handeln völlig in der Logik der SAche. Sie müssen schliesslich sich schliesslich so mitteilen, wie es in dieser Sendung vorgemacht wird. Sie schreiben eben die dort vorgeführten Verhaltensweisen fort, das ist alles. Es gibt ja gar nichts jenseits mehr. Kein Junge und keine Eltern würden sich solchen unwürdigen Idiotien unterziehen, wenn sie was anderes kennen würden, was sie relativierend dagegen halten könnten. Sehr einfach: wir hätten früher gesagt, bei euch hackts wohl, ich führ mir doch nich selber vor, während du mich vorführst, du Dieter. Ich habe was zu tun und will mir nicht das Leben versauen. Ausserdem mussten wir Hausaufgaben machen, jetzt mal im Ernst. Und die, die den da jetzt beschimpfen, das wird sich rausstellen in der Springerpresse, sind wahrscheinlich mehrheitlich kriminelle Türken-und Albanerjungs, die nicht zur Schule gehen und für diese ganze Misere im Bildungswesen verantwortlich sind. – Ich hab übrigens jetzt zweimal in diesen Mist reingesehen, und ich muss sagen, angesichts dessen, wie da junge Leute, sechzehnjährige Kinder, die eigentlich in der Schule sitzen sollten, um was zu lernen, tun, was sie sollen und eine Art von Sprache hinnehmen, wie sies sollen, weil diese Sprache Ausweis von „AutoritäT“ ist, hätte vor einigen Jahren jeder noch gesagt, dass eine solche Sprache und Sprechweise pure Gewalt sind. DAS hat der Junge zum Ausdruck gebracht, und wenn er in der Lage gewesen wäre, sich in seiner Situation und ihre Ursachen zu erkennen, dann hätte er sich anders eingesetzt. Aber dazu ist die Angst in der Struktur zu sehr ihr genuiner Bestandteil, und die Trennung von sich selbst mittlerweile verinnerlichte Pflicht. – Der hätte denen einfach eine reinsemmeln sollen, die Idioten, die ihn jetzt beschimpfen, auch.

    T. Albert

    2. Februar 2008 at 16:27

  14. ach Momo, woher soll ich denn das wissen, so als Außenspieler … Du sprachst davon, dass die Entscheidungsträger ganz andere seien, dass es um deren Vorstellung vom Poplären gehe und nicht um die präsentierten Vorstellungen vom Glück. Der Punkt ist doch der: Wenn Du auf innerinstitutionelle Parameter anstellst, frage ich mich: wer artikuliert die in diesen Institutionen (ich halte die ja eher für Organisationen, ist aber eine andere Frage) und wer hat denn da eine Vorstellung vom Populären oder viom Glück (dass es auch um die Frage des Glücks in diesen Sendungen geht, ist nun wirklich nicht von der HAnd zu weisen)? Wenn diese internen Prozesse jedoch nicht sichtbar sind, können sie für die Zuschauer nur vermittelt durch das Sichtbare eine Rolle spielen. Wenn Du jetzt sagst, dass das die Sendungen weder sichtbar machen, was sich innen drin abspielt, noch funktional auf das Außen ausgerichtet sind, dann müsste ich das alles überhaupt nicht mehr ernst nehmen. dann hätte ich es nur noch mit einem spezifischen Arbeitssektor unter anderen zu tun, der mit internen Konflikten kämpft und nicht mit einem Modus der repräsentation von Gesellschaft. Dafür reicht dann tatsächlich eine Systemtheorie der Art Luhmanns. Aber selbst der hat ja von einer Realittäsverdopplung der Welt durch die Massenmedien gesprochen, was ja ganz ähnlcih konzipiert ist wie bei Horkdorno die These, dass die Kulturindustrie den selben Alltag noch mal anbiete.

    Also wenn wir uns um interne Differenzierungen bemühen wollen, dann müssen wir schon auch sowas wie Trägergruppen, Eigentümer der internen Positionen usw. ausmachen können, die auch unterschiedliche Funktionen inne haben, in Produktion, Distribution, Vermittlung, Repräsentation etc., ansonsten geht mir tatsächlich der Witz der Marx’schen Analyse flöten, dass nämlich der Markt eine Form des Politischen darstellt.

    Außerdem geht es ja nicht darum die Spezifik von „Deutschland sucht den Superstar“ herauszuarbeiten, sondern es als Symptom einer kulturindustriellen Konstellation zu lesen, als Epiphänomen oder wenn Du so willst, als Überbau. Die Sendung ist doch interessant, weil sich darin die gesellschaftliche Ordnung aufspüren lässt, während Du mir ja unterstellst, ich würde überall DSDS sehen. Aber das ist doch Quatsch. Diese sendung ist ein Kampffeld, in dem zum Ausdruck gebracht werden soll, was woanders doch schon längst gültig ist, aber so nicht benannt werden soll/kann: ein unebdingtes Wettbewerbs- und Ausleseprinzip, welches das Scheitern den individuellen Unfähigkeiten zuschlägt, während die auf Selektion abgestellte Struktur dafür nicht zur Verantwortung gezogen werden kann.

    lars

    2. Februar 2008 at 16:41

  15. ich meinte meins auch ! bezüglich des andern postings von sich kringelnden lachern. klar.

    T. Albert

    2. Februar 2008 at 17:00

  16. @T. Albert:

    Ich bekenne, mir den Link noch gar nicht angeguckt zu haben bzw. das, was er verlinkt …ich schreibe hier wie üblich nur drauflos. Und finde das Layout hier übrigens gerade total uncool.

    @Lars:

    Keiner der Enscheidungsträger denkt auch nur im Entferntesten an kulturelle Hegemonie, allenfalls an Marktanteile, geschweige denn an eine Selbstrepräsentation der Gesellschaft. Und die Vorstellungen des Populären sind die Gesetze der Unterhaltung, die auch im TV-Journalismus alles dominieren – was unterhält den Zuschauer und bewegt ihn dazu, dranzubleiben? Das aber nicht, weil man den manipulieren möchte, sondern weil man Werbekunden gewinnen will oder aber Quote erreichen. An Glück denkt da auch keiner, nur an temporären Spaß.

    Diese Geetze der Unterhaltung sind in der Tat sowas wie Systemlogiken, vielleicht sogar binär codiert im Sinne von unterhaltend/anstrengend oder so.

    „dann hätte ich es nur noch mit einem spezifischen Arbeitssektor unter anderen zu tun, der mit internen Konflikten kämpft und nicht mit einem Modus der repräsentation von Gesellschaft.“

    Ja, ich denke, daß das zumindest im Selbstverständnis derer, die da arbeiten, so ist. Will man da jetzt irgendwas ablesen, was darüber hinausgeht, dann geht das zumindest nicht, indem man irgendwelche Herrschaftansprüche da reinprojiziert.

    Das ist ein Sich-Unterwerfen unter die GfK. Somit der Sieg der Gaußschen Normalverteilung. Was sich aber übirgens gerade ändert durch das massive Aufkommen von Spartenkanälen und somit noch viel klarerer Marktförmigkeit, Segmentierung nach Produkt-Typen. Das wird den Privaten sehr zu schaffen machen, und irgendwann ragen dann die öffentlich-rechtlichen wie großen Säulen aus einem ausdifferenzierten Kommerzbrei hervor und zielen weiter auf die berühmte, deutsche Mitte, die ja der Gipfel der Normalverteilung ist.

    „ansonsten geht mir tatsächlich der Witz der Marx’schen Analyse flöten, dass nämlich der Markt eine Form des Politischen darstellt.“

    Nein, eben nicht. DAS IST ja das Politische und die totale Immanenz: Alles ist marktförmig, und auf diesem wählt man zwischen Produkten aus. Und daß Menschen dann auch solche sind, das ist übrigens auch die Pointe der Verdinglichungskritik … und manche haben eben die Funktion, sadistische Gelüste auszuleben.

    momorulez

    2. Februar 2008 at 17:30

  17. @Hegemonie: Diese ist ein Effekt, eine Konfiguration des Feldes und nicht der Ausdruck eines Willen zur Herrschaft. Dass die Produzenten und Regisseure und Techniker und Schreiber nicht herrschen wollen, völlig klar. Auch dass ihnen ihre hegemoiale Position selbst nicht klar ist, kann ich nachvollziehen. Aber so wie Du Dein Arbeitsfeld beschreibst, gibt es doch andauernd Kämpfe um Ressourcen, Zeit, Inhalte. Kapitaöisierung und Warenförmige Durchgestaltung aller beteiligten ist dennoch eine Strategie bzw. ein strategisches Dispositiv (Strategien ohne Kopf).

    Dass ihre Arbeit dennoch hegemoniale Effekte zeitigen, ist eine Frage der gesellschaftlichen Logik und keine der individuellen Sinnstiftung. Die gesellschaftliche Funktion der Medien geht eben nicht in den Köpfen der Macher auf, freilich haben sie (möglicherweise nicht intendierte) Nebenfolgen auf der Seite der Rezeption, und die ist gesellschaftstheoretisch mindestens genauso wichtig. ich muss keine Medienanalyse machen, wenn ich über den vermittelten Inhalt und deren Rückkopplung an den Produktions- und Vermittlungsapparat nichts aussagen kann.

    @Verhältnis von Ökonomie und Politik: Freilich ist Ökonomie das Politische. Aber dass deren Deckungsgleichheit eine historische Form darstellt, ist bei Marx ja zentral: Nicht umsonst will er eine Kritik der politischen Ökonomie. Es ist nicht für alle Zeiten ausgemacht, dass Politik mit Ökonomie zusammenfällt und Menschen Waren sind. DARUM geht es uns doch, oder? Das dies so kommen konnte, darin zeigt sich Hegemonie, dass wir es fast schon als selbstverständlich ansehen, alles unter der Frage käuflich/nicht käuflich, rentabel/nicht rentabel betrachten, ist der Effekt einer Vielzahl von Strategien, die sich auf ganz verscheidenes richteten und auch solcher, die diese Strategien zu bündeln und zusammenzuführen suchten.
    Aber man muss diese ausmahen können. Ansonsten bleibt die These, dass das Ökonomische das Politische sei, reines Postulat.

    lars

    2. Februar 2008 at 18:17

  18. @Momorules

    aber ich hab doch das layout jetzt nicht gemacht. Wie kommst Du denn darauf?

    T. Albert

    2. Februar 2008 at 18:28

  19. @Lars:

    „Dass ihre Arbeit dennoch hegemoniale Effekte zeitigen, ist eine Frage der gesellschaftlichen Logik und keine der individuellen Sinnstiftung.“

    Ja, aber wie denn? Was ist denn dann „Gesellschaft“ und was „geellschaftliche Logik“? Je älter ich werde, desto mehr frage ich mich, was sowas überhaupt heißen soll. Das sagt und schreibt sich immer so leicht daher, aber irgendwie entgleitet einem doch dann jede Spezifik, was ja künstlerisch ganz sinnvoll ist und politisch vielleicht sogar auch, aber mit einem wie auch immer gefaßten Begriff von Wahrheit kann das doch eigentlich nix mehr zu tun haben?

    „Die gesellschaftliche Funktion der Medien geht eben nicht in den Köpfen der Macher auf, freilich haben sie (möglicherweise nicht intendierte) Nebenfolgen auf der Seite der Rezeption, und die ist gesellschaftstheoretisch mindestens genauso wichtig. ich muss keine Medienanalyse machen, wenn ich über den vermittelten Inhalt und deren Rückkopplung an den Produktions- und Vermittlungsapparat nichts aussagen kann.“

    Was heißt denn „gesellschaftliche Funktion“ in diesemZusammenhang? Was für ein Begriff von „Gesellschaft“ ist das? Von wo aus guckst Du Dir denn sowas an? Ich kann mir was über interne Funktionsweise von Produktionsapparaten was vorstellen, auch über das forschen, was bei Rezipienten ankommt, auch Inhalte analysieren – aber wie bekomme ich das denn zu einem solchen Gesamtkonstrukt verwoben, daß solche Aussagen möglich sind:

    „Hegemonie: Diese ist ein Effekt, eine Konfiguration des Feldes und nicht der Ausdruck eines Willen zur Herrschaft. Dass die Produzenten und Regisseure und Techniker und Schreiber nicht herrschen wollen, völlig klar. Auch dass ihnen ihre hegemoiale Position selbst nicht klar ist, kann ich nachvollziehen.“

    momorulez

    2. Februar 2008 at 18:34

  20. @T. Albert:

    Nee, wollte ich Dir doch gar nicht unterstellen, ich hatte Dir gegenüber nur ein Mitteilungsbedürfnis diesbezüglich …

    momorulez

    2. Februar 2008 at 18:35

  21. Na ja, indem Du zuallererst mal die sich realisierenden Zweck-Mittel-Relationen anschaust. Machst Du ja auch, wenn Du sagts dass die Produzierenden was ganz anderes im Kopg haben als mir ihnen zu unterstellen unterstellt wird. Ich kann ja z.B. schon zeigen, wie eine Oragnsiation funktoniert, wie etwa Schule mittels Zertifizierung und Verteilung von Lebenschancen funktioniert, egal ob die Deutschlehrerin einfach nur eine gute Stunde machen möchte oder der Mathelehrer von sienem Fach begeistert ist. Man kann auch für die Hochschule zeigen, dass sie nun dank ebstimmter Akteure und real sich vollziehender Entscheidungen einen Huschulpolitischen Markt etablierten und den Studienerfolg auf Zeitaufwand umstellten. Da kann man ja schon sowas wie Klassenkompromisse oder -effekte beschreiben (systematische Überbewertung von Mittelschichtsangehörigen durch die Lehrer; andere Strategien der Studienorganisation in verschiedenen Klassen ). Man kann auch zeigen, dass diese politisch-ökonomischen Strategien mit bestimmten sozial benennbaren Positionen im jeweiligen Feld einhergehen.
    Da ist die Bourdieusche Forschung ja immer sehr stark gewesen.

    Und dann kann ich mr ja das auf unterscheidlichen Ebenen anschauen, mit wechselnden Blicken sozusagen. Eine Freundion von mir beginnt gerade eine Arbeit zur Diskrepanz ziwchsne den Zielen und Funktionen, die die Politik etwa den Institutionen der frühkindlichen Erziehung (Krippen und so) zuschreibt bzw.. den angestrebten Änderungen bzw. dem tatsächlichen Funktionieren der Institutionen, den tatsächlichen Nutzern etc.

    Die Steuerung dieser Institutionen (Aufnahmebedingugngen,Quoten etc.) ist den Nutzern gegenüber doch total opak, folgt doch einer ganz anderen Rationalität und ist dennoch wirksam, schränkt Hanldungsmöglichkeiten ein oder erscheint als völlig irrational.

    Du kannst auch fragen: wie werden bestimmte Handlungsweisen legitimiert, konsensfähig gemacht oder ins Alltagsbewußtsein übernommen.

    Wenn Geo mir ständig erklärt, dass alle meine Verhaltensweisen genetisch bestimmt werden, der Neurophysiologe dann auch noch alles mit den Synapsen erklärt werden, wenn die Managementliteratur irgendwelche antiken Physiognomietheorien mit Herrschaftsanalogien aus dem Tierreich verknüpft, die FDP-CDU-FDP-Grünen ihr Heil in der Marktform und im Wettbewerb suchen, man sich ständig dafür legitimieren muss, dass man das nicht so sieht, und dann noch alles mit überstandardisierten Forschungsmethoden beweisen soll, weil andere Verfahren nicht zugelassen sind bzw. nicht akzeptiert werden: Das ist Hegemonie. Der Realitätszwang hat auch die kritische Forschung fest im Griff.

    lars

    2. Februar 2008 at 19:18

  22. Ja, aber das ist alles die Ebene, auf der ich die ganze Zeit argumentiere. Du hast mit einem etwas unfaßbaren Begriff von „Gesellschaft“ weiter oben aber so eine eigentümliche Draufschau betrieben.

    momorulez

    2. Februar 2008 at 19:20

  23. Ach quatsch, wenn Gesellschaft alles durchzieht, muss man sich auch alles anschauen…

    lars

    2. Februar 2008 at 19:26

  24. … und dann kann man immer noch einzelne Gruppen ausmachen, die eine bestimmte Ideologie auf den Punkt gebracht artikulieren. Das suspendiert natürlich nicht die anderen Blickwinkel-

    lars

    2. Februar 2008 at 19:28


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