shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Wieso Design?

with 39 comments

Ja, man kann natürlich die These vertreten, daß man schon beim Blog-Layout sich dem Diktat des Funktionalen zu entziehen habe und es nicht so wahnsinnig darauf ankomme, daß man auch gut lesen kann, was da steht. Das Sperrige und Sich-Entziehende sei ja viel wichtiger.

Und zudem kann man proklamieren, daß es gut sei, wenn die Farben in etwa den Anarcho-Taschen-Kalendern entsprächen, die ich damals auch stolz – zu recht stolz, andere waren damals schließlich z.B. Jungen Union! Und noch Schlimmeres! – mit mir rumschleppte und in angenehm verqualmten Cafés demonstrativ auf den Bistrotisch legte, ach, das waren Zeiten, als in Frühstückscafés noch die Zigaretten im leeren Ei, also der Schale, ausgedrückt wurden! Insofern bin ich ja pro sozialrevolutionäre Akte diesbezüglich, aber wenn’s doch scheußlich aussieht?

Das ist ja alles so trivial nicht, diese Frage nach Design, Layout etc.. Wie Zeitungen z.B. aussahen, als ich lesen lernte, das war doch sehr anders als heute. Für mich ist wie in vielen anderen Fällen auch die TEMPO das Symptom der Zäsur hierzulande – klar, die haben in angloamerikanischen Ländern geklaut, aber das war schon ganz angenehm, dieses aufgeräumte Layout mit viel mehr Platz und schönen, klaren Fotos im Gegensatz zu dieser zugeschissenen Bleisatz, Offset und Letra-Set-Ästhetik, die davor so herrschte.

Nun war das zugleich eine Zäsur hinsichtlich eines Primats der Form vor dem Inhalt, nicht umsonst war das auch jene Ära. als die Riefenstahl-Ästhetiken von Herb Ritts und Bruce Webber und wie die alle hießen wieder eine Formensprache etablierten, die, na, ja auch auf Klarheit setzte, aber was in diesem Kontext so als klar begriffen wurde, das hat ja doch auch was mit Hygiene-Vorstellungen zu tun. Somit war die Innovation des Layouts irgendwie auch Vorbote von Rauchverbot, Video-Überwachung und Penner vor Nobel-Boutiquen vertreiben.

Später drängelten sich dann neu chaotisierte Flyer-Ästheken aus diesen ganzen Techno-Welten in die Zeitungen, hier ist ein Nachhall dank der Tag-Wolke zu sehen. Das war aber verglichen mit der Bleiwüsten-Dichte guter, alter Postillen doch schon wieder eher Inszenierung denn wirklich ernst zu nehmen, deshalb die Frage: Was soll Design und Layout bei Blogs eigentlich?

Auch, weil sich da diese ganze CI und USP-Markenbildungsscheiße einschleicht, und wenn selbst bildende Künstler die Fassung verlieren (ätsch), und andere zu KFC-Konzerten gehen, aber das nicht mögen, wenn ganz Ähnliches im Netz wuchert, „Knülle im Polit-Büro“ halt, nur weil man stündlich das Layout wechselt, Dritte gar unterstellen, man würde sich „nicht wohl in seiner Haut fühlen“ und hier Cronenburgs „Die Fliege“ wittern – ja, sollte man das denn nicht genau deshlab eigentlich ständig tun? Ich mach’s jetzt einfach mal wieder 😉 …

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Written by momorulez

3. Februar 2008 um 10:52

39 Antworten

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  1. Zustimmung, mit dem einen Unterschied: Tempo war für mich eine Mischung aus Playboy ohne Erotik und Refenstahlisierung. Als diese Zeuitschrift erschien, gab es ja echt GenossInnen, die überlegten, ob man jetzt eine Kampagne gegen die Yuppiesierung der Medien starten müsste. Abgesehen davon, dass Tempo nichts originelles hatte, sondern nur die Aufmachung von Wiener, dem Berliner Tip und dem Göttinger Charakter kopierte.

    che2001

    3. Februar 2008 at 11:00

  2. Die haben ja auch bei ID und so geklaut, die Frage selbst, nämlich „Warum Design“ und auch „Wie Design?“ wird nur kaum noch diskutiert in breiteren Öffentlichkeiten, weil sich diese proppere Wohlstandleere irgendwie durchgesetzt hat.

    Kannst Du denn mit dem jetzt gerade installierten Layout leben? Ist nicht einfach nur weiß, aber übersichtlich,und das Header-Bild kann auch ständig ändern …

    momorulez

    3. Februar 2008 at 11:05

  3. Früher war aber weniger Lametta.

    Oder: Das Design von Gestern kam etwas lesbarer rüber.

    statler

    3. Februar 2008 at 11:28

  4. Nur weil sich Firmen des Grafikdesigns bedienen, muss es deswegen nicht zwingend schlecht sein.
    Unabhaengig vom Leute verarschen kann man damit auch die Lesbarkeit steigern.
    Wer hat gegen Augenkrebsvermeidung etwas einzuwenden?

    Mach doch noch mal das erste, das mit dem weissen Hintergrund und dem dicken roten Balken oben, aber mit schmalerem Text. Maximal 60 Zeichen breit oder so.

    harras

    3. Februar 2008 at 11:34

  5. „Kannst Du denn mit dem jetzt gerade installierten Layout leben?“

    Was ist denn das bitte anderes als die Frage „fühlst du dich denn wohl in dieser Haut“? 😉

    David

    3. Februar 2008 at 11:39

  6. Leben kann ich damit schon, finde es aber langweilig.

    che2001

    3. Februar 2008 at 11:41

  7. @Statler:

    Meinst Du das ganz generell, oder auf unser neues Design bezogen? Zudem es zu den Traumata meiner Kindheit gehörte, als statt Gold und Flitter und Engelchen auf einmal nur noch puristisch Strohsterne und echte Äpfel am Christbaum hingen 😦 …. das war der gleiche Übergang wie jener von leckeren Rouladen und Frikadellen zu Ratatouille mit Körnern drin … buah, schlimm war das …

    @David:

    Aber das, womit man lebt, ist doch nicht in einem drin …

    @Che:

    Ich suche noch mal ein sozialrevolutionäres Header-Bild 😉 …

    momorulez

    3. Februar 2008 at 12:15

  8. Ich muss jetzt erst mal meine Fassung wieder gewinnen. Bin ja noch völlig erledigt, auch die Messe eben hat mir in der Frage nicht weitergeholfen, in die der Design-Schreck mich getrieben hat. Momorules, Du willst mich nur in irgendwas reinreissen, bis ich mich nicht mehr wiederfinde. So isses! So!

    Jetzt geh ich spazieren. Lametta, ja.Darüber denk ich auch nach.

    T. Albert

    3. Februar 2008 at 12:18

  9. Was mich jedenfalls betrifft, so ist meine Haut auch nicht in mir drin. Das wäre ja nachgerade ekelhaft!

    David

    3. Februar 2008 at 12:28

  10. @T. Albert:

    Ach wer sich findet, hat sich doch schon verloren 😉 … hast Du nicht was Schönes für den Header? Obwohl ich das Schwein ja eigentlich ganz gut finde, Dank an wimmer.andres! http://www.flickr.com/photos/gezeichnet/2042689913/

    Und der hat ja geschrieben, sein Foto sei öffentlich!

    @David:

    Ach je nachdem, wo man so an sich rumknabbert 🙂 …

    momorulez

    3. Februar 2008 at 12:31

  11. Meine autokannibalische Aktivität hält sich noch in Grenzen. Aber, tatsächlich, das hatte ich nicht bedacht…

    David

    3. Februar 2008 at 13:05

  12. Das Headerbild finde ich übrigens ausnehmend hübsch.

    David

    3. Februar 2008 at 13:08

  13. Ich finde das auch super 😉 …

    momorulez

    3. Februar 2008 at 13:42

  14. Das Layout, das gestern noch hier war, fand ich etwas klarer und übersichtlicher, aber das ist Geschmackssache.
    Hier ist vor allem der sehr kleine Font etwas irritierend, da habe ich das Gefühl, daß ich bei längeren Texten mit einem Opernglas vorm Laptop sitzen muß.

    statler

    3. Februar 2008 at 14:04

  15. Ist das jetzt schon Formstalinismus?

    David

    3. Februar 2008 at 14:14

  16. Nee, eher der Ruf nach Verständlichkeit, würde ich mal sagen – und die Schriftgröße ist ja bestimmt irgendwie veränderbar, ich weiß nur nicht wie. Habe doch im wahren Leben für sowas Mitarbeiter 😉 …

    Außerdem darf man uns jetzt guten Gewissens das Schweine-Blog nennen 🙂 !

    momorulez

    3. Februar 2008 at 14:32

  17. Könnte man zumindest die Autoren wieder erkennbar werden?

    lars

    3. Februar 2008 at 14:52

  18. …lassen!

    lars

    3. Februar 2008 at 14:53

  19. Damit kann ich jetzt sehr gut leben. Außerdem ist die Schriftgröße sogar behindertengerecht und wir können uns um den Preis fürs barrierefreie Internet bewerben.

    che2001

    3. Februar 2008 at 14:54

  20. stimmt, 1. hab ich mich längst verloren,
    2. können wir uns wirklich, also IHR, ich hab nie nirgends hier rumgeschraubt, damit ich mich nicht versündige, könnt Ihr Euch wirklich um den preis für barrierefreies internet bewerben, weil ältere herren die barriere jetzt gar nicht mehr sehen können, nicht mal mit dem opernglas, das statler mir gerade leiht. ich tippel ja völlig blind hier rein.

    T. Albert

    3. Februar 2008 at 15:10

  21. Immerhin, mein Problem mit der Farbenblindheit hat sich einigermaßen gelegt. Gestern nacht war dfas zeitweise richtig fies (das Design mit der roten Überschrift vor blauem – oder war es lilanem? Hintergrund bei gleicher Helligkeit, hat mich fast so wahnsinig gemacht wie den talbert)

    lars

    3. Februar 2008 at 15:17

  22. aber ich meine natürlich nicht, dass ich mich in meiner haut nicht wohl fühlen würde im gegenteil, gerade jetzt strotze ich noch mehr als ohnehin vor selbstzufriedenheit und hab meine freude beim falschlesen. ist doch super, david.

    die sau können wie ab und an mal durch ein kamel ersetzen, oder ein foto von rene weller.

    T. Albert

    3. Februar 2008 at 15:21

  23. lars, wie können doch dann in 2 wochen zusammen zum augenarzt gehen.

    T. Albert

    3. Februar 2008 at 15:23

  24. @Zudem es zu den Traumata meiner Kindheit gehörte, als statt Gold und Flitter und Engelchen auf einmal nur noch puristisch Strohsterne und echte Äpfel am Christbaum hingen 😦 …. das war der gleiche Übergang wie jener von leckeren Rouladen und Frikadellen zu Ratatouille mit Körnern drin … buah, schlimm war das …

    uuuups, das kenne ich aus meiner Familie gar nicht. Bei meinen Eltern war dieses Jahr erstmals ein Weihnachtsbaum unter 3 m Höhe im Einsatz, und Rouladen, wildschweinbraten usw. sind dort immer noch sehr angesagt. Ratatouille habe ich zum ersten Mal im Leben als 21 Jähriger auf einem Campingplatz in Avignon gegesssen und muss mich bis heute moralisch dafür rechtfertigen, wenn ich in Anwesenheit meiner Eltern ausländisch koche.

    che2001

    3. Februar 2008 at 15:27

  25. Au ja, Rene Weller! Und ich glaube, die Autorennamen, das müssen wir jetzt selbst machen,kann sich ja jeder noch seinen Theobald Tiger und so ausdenken, auch wegen Roland Barthes, diese dann über oder unter den Text schreiben – und in unseren Zitate-Phasen isses ja eigentlich eh schnurz.

    momorulez

    3. Februar 2008 at 15:30

  26. @Che:

    Na, meine Familie ist ja irgendwie sowas wie ein zeitgeschichtles Sterotyp … der oder das Stereotyp? … Muttern ließ sich auf dem Höhepunkt der Scheidungswelle scheiden, studierte an einer Fachhochschule Sozialarbeit, las dann die EMMA, hatte lauter zottelige Kommilitonen (sagt man das heute noch?) um sich rum, die meinen Anzüge tragenden Vater als Spießer verunglimpften, und dann wurde halt auch das Essen und die Einrichtung adäquat umgestellt … Bauernschränke statt Schrankwand und das ganze Programm …

    momorulez

    3. Februar 2008 at 15:34

  27. du meinst, bei den zitaten isses schnurz, wer dran steht?

    dann wird statler wieder sauer. sowas steckt mir dann lang noch in den knochen.

    T. Albert

    3. Februar 2008 at 15:35

  28. Ach Georgette singt hier doch auch gerade „Alles von mir!“ …

    momorulez

    3. Februar 2008 at 15:38

  29. ja, stimmt ja: is alles von mir.(Naja, gut, gibt witzigere Witze. Wenn keiner lacht. lach ich halt selbst.Eigentlich muss man alles selbst machen. Wahrscheinlich muss ich für das Rene-Weller-Foto sorgen. Seien wir mal ehrlich.)

    T. Albert

    3. Februar 2008 at 15:42

  30. @Momo/eigene Namen: Klingt nach diesen alten Bandnamen-Contests in meiner Jugend…
    @talbert: begleite Dich gerne, muss ab3er nciht sein, an der Farbenblindheit lässt sich ledier wenig drehen… Wollte schon als Kind Tiger in Orange malen und für meine Eltern trugen sie dann ein apfelgrünes Fell.

    lars

    3. Februar 2008 at 16:09

  31. aber dann solltest Du überhaupt malen!

    Franz von Stuck, bei dem auch Klee studiert hat, soll auch farbenblind gewesen sein. Hab ich mal gehört.

    T. Albert

    3. Februar 2008 at 16:15

  32. Versuch mich ja auch unregelmäßig daran. Das blöde ist nur: Auf den Öltuben steht die Farbe immer schon drauf. Ich bräuchte jamenden, der mir die Farbpalette immer anders zusammenstellt.

    lars

    3. Februar 2008 at 16:19

  33. mach doch die Augen zu, wenn Du die FArben aus den Tuben quetschst.

    – Mit den Budenbrocks, das versteh ich gar nicht, wie kommen die denn auf diese zeitliche Einordnung?

    T. Albert

    3. Februar 2008 at 16:23

  34. Lässt sich glaube ich nur aus der Erwartungshaltung an Tests ablesen: Die erste gestellte Frage muss sich doch zwangsläufig auf die in der Vorlesung zuerest vorgestellte historishce Episode (ging um Wandlungen von Bildungsinstitutionen)handeln, oder?

    lars

    3. Februar 2008 at 16:46

  35. @Momorulez: Das ist auch eine Generationenfrage. Was Deine Mutter gemacht hat, machten bei mir die Schwestern.

    che2001

    3. Februar 2008 at 16:58

  36. Fein, fein das Schwein. Die Suhle. Schoen.

    ring2

    3. Februar 2008 at 17:33

  37. Zum Design mit dem Schwein sei gesagt, dass, was sich reimt, in diesem Fall nicht gut ist, und zwar hauptsächlich wegen der anstrengend kleinen Schrift. Und dabei bin ich noch gar nicht sooo alt. Und den Autor eines Beitrags sieht man auch nicht, noch nicht mal in der Übersicht, im Beitrag schon gar nicht.

    micha42

    3. Februar 2008 at 19:11

  38. Na, das mit der Schriftgröße ändert Ring 2 noch, irgendwie geht das nämlich! Und die Beiträge werden jetzt nur noch mit Autor gestempelt, wenn der Autor dazu Lust hat – finde das ja zunehmend besser …

    momorulez

    3. Februar 2008 at 19:20

  39. […] es bei SR in den letzten Tagen fast schon zu Nervenzusammenbrüchen kam, fand ich trotzdem, dass es mal […]


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