shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Umfrage

with 35 comments

Na, dann machen wir doch mal weiter. Auch wenn man mir jetzt Krodilstränen unterstellt: Statlers aktuellen Rückzug finde ich voll verständlich, aber sehr schade, in letzter Zeit habe ich ihn wieder sehr gerne gelesen – erhol Dich gut! Gute Fastenzeit! Und lies ab hier nicht weiter, Du würdest Dich bestätigt fühlen 😉 …

Er verwies, heute morgen erst gelesen, noch mal auf Habermas in der Diskussion bei den Unverlinkbaren, da fühle ich mich immer angesprochen, also, werden wir diskursiv: Was sind die Merkmale eines rechtsextremen Menschenbildes?

Es werden einem ja immer irgendwelche Reflexe hinsichtlich éines vermeindlich instrumentalisierten Nazi-Vorwurfes untergeschoben; das ist auch sehr praktisch, spätestens seit Walsers Rede beliebt, dann ist man Opfer und braucht sich nicht mehr zu rechtfertigen für das, was man so schreibt, weil dann praktischerweise die Anderen die Bösen sind. Und einem selbst geht’s natürlich nur um Wahrheit. Dann kommen auch brav liebgewonnene Kommenatoren herbei und schelten die Bösen billig, also, Butter bei die Fische:

Was ist ist ein rechtsextremes Menschenbild?

Anhand dessen kann man dann ja überprüfen, ob hier wirklich nur Feindbildpflege betrieben wird, oder ob der Konflikt nicht ein sehr tiefer, sachlicher ist – oder auch, ob nur wieder der linke Stammtisch krakeelt und sich irgendwie moralisch aufwerten will, indem man sich am Knie der Anderen reibt. Könnte ja wahr sein.

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Written by momorulez

5. Februar 2008 um 9:46

35 Antworten

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  1. Zunächst mal würde ich sagen, dass ein biologistisches Menschenbild rechtsextrem ist. Dazu gehören die Annahme einer naturgegebenen Verteilung von Intelligenz in der Bevölkerung (meist genetisch vermittelt) bzw. biologisch bedingter, verhaltensmäßig nicht überwindbarer Geschlechtsrollenunterschiede und die Zuordnung von Verhaltensweisen zu Ethnien, in der Gesamtheit ein geschlossenes Weltbild aus diesen Komponenten. Da kann man dann selber überprüfen, wo man das wiederfindet. Ich würde bei unseren Spezis ja sagen, dass es nie explizit so artikuliert wird, aber in Einzelkomponenten schimmern Reminszenzen eines solchen Weltbildes mal immer wieder durch. Wobei sich die Frage stellt, ob denen eigentlich klar ist, wo das her ist, was sie vertreten…

    che2001

    5. Februar 2008 at 10:10

  2. is ihnen offensichtlich nicht ganz klar.

    T. Albert

    5. Februar 2008 at 10:12

  3. Also ich würde das mal semantisch aufteilen: Was Che sagt, stimmt ja völlig, dass sind eben biologistische, rassistische oder kulturalistische Formen, die als Argumentationen auf der Rechten Seite auftauchen.

    Aber: rechtsextrem besteht aus einer doppelten Komponente nämlich „rechts“ und „extrem“. Ich würde ja (schon aufgrund der katholischen Soziallehre, ein Kumel nannte die immer „Herz-Jesu-Marxisten“) erst einmal eine Struktur des rechten Denkens herausarbeiten, und dann dessen Radikalisierung anschauen. Ich würde einen Elitismus bzw. einen Autoritarismus, Antiegalitarismus und bis zu einem gewissen Grade auch einen Antidemokratismus (Verstanden als Ablehnung eines Modells der Herrschaft, das auf dem Willen des Volkes basiert) als Kernelemente des rechten Denkens bestimmen.

    In das Zentrum des rechtsextremen Diskurses würde ich generell aber Demokratiefeindlichkeit, Fremdenfeindlichkeit (worin sich ja Biologismus, Kulturalismus und Rassismus kreuzen, mit unterschiedlichen Schwerpunkten) und Nationalismus sehen.

    Ich habe leider den Karl Mannheim und seine Studie zu den Konservativen nie gelesen, muss das auch mal nachholen.

    lars

    5. Februar 2008 at 10:33

  4. Gaube auch, daß, was Lars schreibt, richtig ist. Weil es sozusagen in sich rechtsextreme Positionen gibt, z.B. die Behauptung qualitativ irgendwie höherwertigerer Rassen, ein pseudowissenschatlicher Biologismus etc. – also exakt das, was der Che so aufzählt.

    Es gibt aber auch Graduelles, das je nach Ausprägung dann in’s Rechtsextreme sozusagen ausschlagen kann. Es gibt z.B. auch einen rechten Autoritarismus, der eher sanftmütig daherkommen kann, aber ebenfalls z.B. durch das auch politisch durchzusetzende Diktat von Lebensformen dann in’s Rechtsextreme kippt. In diesem Kontext kann man das Mullah-Regime im Iran dann guten Gewissens als rechtsextrem bezeichnen. Extrem strikte und nicht weiter begründete Hierarchie ist auch immer ein rechtsextremes Kriterium, ebenso jedoch die Unhinterfragbarkeit und eben Verzicht auf das, was sowohl Popper als auch Kant als auch die Kritische Theorie als „kritisch“ im Sinne der Hinterfragung der Voraussetzungen des eigenen Denkens betrachten – insofern trägt jede Ontologie (außer der Sartres) tatsächlich zumindest sowas wie rechtsextremes Potenzial in sich. Sind ja immer auch „Wahrheitsdiktaturen“, die dabei rauskommen. Der Begründungsmodus und das Zustandekommen von Begründungen spielt da für mich auch mit rein.

    Klarer müßten wir das noch fassen, was hinsichtlich der „sozialen Frage“ rechtsextrem bedeutet. Für mich ist ja ein entscheidendes Merkmal die „Solidarität unter Gleichen“ als Leitkritrium für POLITISCHES Handeln, da wird es aber Gegenargumente geben.

    momorulez

    5. Februar 2008 at 10:53

  5. Wenn Du so argumentierst,müsstest Du es aber gegen nichtbiologistische/kulturalistische Strömungen unter den Konservativen abgrenzen. Denn Wertkonservative, Christlich-Konservative usw. sind nicht unter biologistische Rechte subsummierbar, da täte man ihnen schweres Unrecht. Insofern stellt sich mir schon die Frage nach einer rechtsextremen Denkstruktur bei Leuten, die Bell Curve, Eysenck und Jensen vertreten, auch wenn sie nicht politisch extrem handeln.

    che2001

    5. Februar 2008 at 10:57

  6. Was ist ist ein rechtsextremes Menschenbild?

    Ein rechtsextremes Menschenbild ist in jedem Fall ein rassistisches Menschenbild.

    Es wird davon ausgegangen, eine Gruppe von Menschen habe feste Eigenschaften, die unveränderlich ihr Schicksal und die Möglichkeiten bestimmen bzw. in der Bewertung diese Gruppe minderwertiger machen.

    Entscheidend ist, dass die Mitglieder der Gruppe die Eigenschaften auch nicht ablegen könnten, wenn sie wollten und sich anstrengten. Es muss von einer festen Verdrahtung ausgegangen werden. So wie ein Hase nichts daran ändern kann, ein Hase zu sein und kein Hund.

    Was dann als Begründung herangezogen wird, der Gruppe Rechte zu entziehen, sie einer besonderen Behandlung zuzuführen und sie zu diffamieren.

    NUB

    5. Februar 2008 at 11:07

  7. Oder eben, wenn die Gruppe rein willkürlich als positiv und höherwertig definiert wird (vgl. „Arier“ im Dritten Reich), erfolgt eine Bevorzugung.

    NUB

    5. Februar 2008 at 11:09

  8. @Momo: Das wäre für mich ein Aspekt der Demokratiefeindlichkeit auf das politische Handeln. Also extremer Antiegalitarismus.

    @Che: Ich würde tatsächlich eine solche Unterscheidung machen. Nicht jeder der konservativ ist, ist rechtsextrem. Und rechte Denkstrukturen können durchaus unterschiedlich sein.

    ich halte daher die Neoliberalen zwar für durchaus rechts, aber weder für konservativ noch für rechtsextrem.

    Spannend wird es dann an dem Punkt, wo sich tatktische oder strategische Blöcke im Diskurs bilden, man eben Argumente der rechtsextremen mit denen der Neoliberalen verbindet, manchmal auch gerade nicht im Bewußtsein dieser Traditionen oder als Abgrenzung zu anderen Positionen.

    Machen wir ja mitunter ja auch 😉

    lars

    5. Februar 2008 at 11:35

  9. soll heißen: dass wir uns an andere Diskurse anschließen.

    lars

    5. Februar 2008 at 11:36

  10. @NUB:

    Ja, in der Tat, rechtsextrem ist die Negation von Freiheit auch auf der deskriptiven Ebene. Und zwar ganz fundamental ansetzend, also nicht erst in einer Relation zu Staat, z.B., wo dann negative Freiheit zum Tragen kommt.

    Deshalb verstört mich das ja immer so, daß in manch „liberalen“ Köpfen positivistische Wissenschaft und politische Freiheit recht unvermittelt nebeneinander rumstehen – da wird auf einer Ebene negiert, was auf der anderen gefordert wird.

    momorulez

    5. Februar 2008 at 11:41

  11. Ich versuche es mal ganz allgemein:
    Für mich ist das wesentliche Merkmal des „Rechtextremismus“, dass er Ungleichheiten (einschließlich eingebildeter Ungleichheiten) als „naturgegeben“, „unveränderlich“ oder „gottgegeben“ (das gibt es ja auch) nicht nur hinnimmt (das wäre Fatalismus, in einigen Fällen auch nur pragmatisch), sondern überhöht.
    Die Ungleichheit wird:
    – moralisch überhöht (in dem Sinne, dass z. B. Erfolgreichere als „besser“, auch moralisch besser, gesehen werden),
    – zur prinzipiellen Unterscheidungen überhöht bzw. übertrieben (das ist z. B. bei Rassismus und der Hautfarbe der Fall)
    – zu unumstößlichen Wertkategorie („ewigen Wahrheiten“) hochstilisiert.

    Rechtsextreme denken immer anti-egalitär, allerdings nicht immer elitär.
    Rechtsextreme neigen dazu, sich auf die Seite des „Stärkeren“ zu stellen – „Recht des Stärkeren“.
    Ausnahme: sie selbst sind unterlegen – dann deuten sie Schwächen in Stärken um. (Klassisches Beispiel: Hitler und seine mangelhafte Schulbildung / fehlende Berufsausbildung.)
    Typisch (da fasse ich mal einige Aussagen vorangegangener Postings zusammen), ist, dass Rechtsextreme auch eindeutig sozial bestimmte (oder auch rein zufällige) Ungleichheiten Ontologisieren. In der Praxis läuft die Ontologisierung (bis auf die „religiöse Rechte“ und einige rechte Esoteriker) auf eine Biologisierung hinaus.

    Dieser Ansatz erlaubt es auch, „rinke“ und „lechte“ Positionen einzuordnen. Die „Volksgemeinschaftsideologie“ des NS, die nach innen (für „richtige“ Deutsche, „Volksgenossen“) eine eher egalitäre, nach außen aber eine schroff anti-egalitäre (ultra-rassistische, ultra-nationalistische usw.) Position einnahm, wird also zu recht, trotz „sozialistischer“ Ideologie-Versatzstücke, rechtsextrem genannt.

    MartinM

    5. Februar 2008 at 11:43

  12. @Martin:

    Das mit dem „Recht des Stärkeren“ war noch mal entscheidend, Danke!

    momorulez

    5. Februar 2008 at 11:56

  13. Ein Schluesselaspekt ist fuer mich der folgende:
    Das rechtsextreme Menschenbild ist auch vor allem eins mit totalitaerem Anspruch, welches unmoeglich mit anderen Menschenbildern koexistieren kann.
    Wobei: muesste ein dem entgegengesetztes Menschenbild dann nicht die Aktzeptanz des rechtsextremen beinhalten?

    gerda

    5. Februar 2008 at 13:49

  14. Che, würdest Du bitte die Freundlichkeit besitzen und etwas feiner differenzieren? Es ist ja nicht so, dass Du es nicht könntest … Wenn Du mich als BLOG-Autor auch nur ganz entfernt mit McDonalds oder BurgerKing in Verbindung bringst, ist das wirklich ganz weit unter der Gürtellinie.

    stefanolix

    5. Februar 2008 at 13:59

  15. Nein, Dich bringe ich mit denen nicht in Verbindung. Ich habe daher aus Rücksichtnahme und umMißverständnisse zu vermeiden umeditiet, ist das OK?

    che2001

    5. Februar 2008 at 15:21

  16. Na ja, mit etwas Fingerspitzengefühl hätte man schreiben können, dass sich in Gummersbach sowohl Liberale als auch Libertäre getroffen haben …

    Ich war nicht in Gummersbach und gehöre nicht zum IuF, aber könntest Du (könntet Ihr) auch in dieser Beziehung mal einen Gang zurückschalten? Bringt doch mal etwas Konkretes auf den Tisch. Was ist denn an dieser Einladung aus dem Google-Cache so schlecht? Was ist per se an dem IuF-Blog schlecht?

    stefanolix

    5. Februar 2008 at 16:20

  17. Ich finde eher das IuF schlecht als das dazugehörige Blog. Die völlige Abschaffung von Arbeitnehmerrechten als unternehmerische Freiheit zu verkaufen, nee, das ist wirklich Klassenfeind!

    che2001

    5. Februar 2008 at 16:29

  18. @Stefanolix:

    Also, wenn ich mir das Programm von dem IuF so anschaue, überkommen mich aber auch arge Zweifel, was das denn wohl so soll.

    Diese Veranstaltungen da, „Sozialstaat als Religion“ und so, das ist schon ziemlich sinnfrei. Vielleicht strotzte ja der Vortrag vor Brillianz, aber die Ankündigung liest sich wie K-Gruppen-Rhetorik aus den 80ern.

    Auch Interviews, die tageschau.de gegeben wurden, die google ich noch mal raus bei Gelegenheit, sind nun reines Kampfgebrüll, wo mit dem Hinweis, irgendwas sei „sozialistisch“, alles mögliche mal eben abgewehrt wird, also so ziemlich das, was man uns heute nun gerade ständig unterstellt.

    Man kann ja sonstwas gegen den Sozialstaat einwenden, aber wie landet man denn da bei „Religion“? Nummern ziehen als eine Form des Opladen-Lutschens? Anträge ausfüllen als Beten? Und da wirft uns jemand Reduktion auf Kampfgetümmel vor, das ist schon ziemlich lustig …

    Ich finde aber in der Tat die Differenzierungen auch wichtig und habe sie im anderen Thread übrigens explizit vorgenommen, was Dich betrifft.

    Und wenn andernorts jetzt der Vrweis auf institutonelle Verflechtungen als Inbegriff des Schäbigen behauptet wird, da wird’s dann echt grotesk, während genau dort Argumente von Gewerkschaftsmigliedern- und Beratern wie Bofinger sofort als reine Interessenpolitik, die einer hehren Wahrheit entgegenstünde, behandelt werden. Jo@chim macht doch auch keinen Hehl aus seiner FDP-Mitgliedschaft, warum auch?

    momorulez

    5. Februar 2008 at 16:45

  19. Aua. Wo steht SteffenH (als IuF-Blogger) bitte für die »völlige Abschaffung von Arbeitnehmerrechten«? Und nur um ihn geht es in dem Zusammenhang BLOG und IuF.

    Und vergiss bitte auch nicht die andere Seite, die gern mal für die völlige Abschaffung von Unternehmerrechten eintritt …;-)

    stefanolix

    5. Februar 2008 at 16:51

  20. Zu der Seite gehören aber selbst wir nicht! Also, mertheitlich, vermute ich.

    Wer weiß, vielleicht bin ja irgendwann selber einer, und dann blogge ich bei euch mit 😉 …

    momorulez

    5. Februar 2008 at 16:53

  21. So, noch eine Antwort für MomoRulez und dann gehe ich zum Sport. Wenn Du nur kurze Zeit suchst, findest Du ähnliche Rhetorik auch bei den Linken.

    Ich würde das Beispiel mit der Religion nicht in einem Vortragstitel verwenden. Aber wenn Du Dir ein wenig Zeit nimmst, findest Du beispielsweise zwischen Sozialstaatsgläubigkeit und Religion die Parallele »es gibt eine höhere Macht, die schon alles richten wird«. Diese höhere Macht wird über Mindestlohn und Manna-Verteilung schon alles zum Guten wenden.

    Nichts wird sich von selbst wenden …

    Die FDP ist nun alles andere als libertär und alles andere als marktradikal. Insofern passt eine FDP-Mitgliedschaft wirklich nicht ins Bild …

    PS: Die Differenzierung dürfen wir doch inzwischen gegenseitig voraussetzen(?)

    stefanolix

    5. Februar 2008 at 17:01

  22. „Wenn Du nur kurze Zeit suchst, findest Du ähnliche Rhetorik auch bei den Linken.“

    Habe ich doch nie bestritten.

    „findest Du beispielsweise zwischen Sozialstaatsgläubigkeit und Religion die Parallele »es gibt eine höhere Macht, die schon alles richten wird«.“

    Nein, es gibt ein demokratisch verfaßtes Gemeinwesen, in das ich gerne investiere, weil ich zumindest irgendwie Einfluß darauf nehmen kann. Man kann natürlich immer irgendwas irgendwo reininterpretieren (ich übe mal kurz den Rayson, das mit den eleganteren Formulierungen dann im nächsten Schritt).

    „Diese höhere Macht wird über Mindestlohn und Manna-Verteilung schon alles zum Guten wenden.“

    Also. die Argumente für Mindestlohn lasen sich aber sehr anders …

    momorulez

    5. Februar 2008 at 17:08

  23. @gerda:

    Ja, Zustimmung.Wobei das dann ja auf dieses alte Problem mit der „Keine Toleranz für die Intoleranten“ hinausläuft, und eigentlich ist das wirklich haarig …

    momorulez

    5. Februar 2008 at 17:09

  24. Begriffe die ich spontan mit einem rechtsextremen Menschenbild verbinde sind: Sozialdarwinismus, Chauvinismus, Rassismus, Sexismus, Totalitarismus

    Biologismus ist meines Erachtens zwar eine vebreitete Steilvorlage für einige dieser Ismen aber weder notwendige noch hinreichende Bedingung.

    Die Graduelle Abstufung dieser Ismen ist auch zu beachten.

    „ich halte daher die Neoliberalen zwar für durchaus rechts, aber weder für konservativ noch für rechtsextrem.“
    Das ist eine Wahrnehmung mit der ich – mal in die Linke Brille reinversetzt – leben kann. Auch wenn meine Eigenwahrnehmung eine andere ist. Da wird man wenigstens nicht als Monster deklariert.

    googlehupf

    5. Februar 2008 at 20:33

  25. @Googlehupf:

    Nix läge mir ferner, als neoliberale Positionen pauschal als rechtsextrem einzustufen. Weil mit Sicherheit viele, die Positionen aus dem Denk-Kontext vertreten, fest davon überzeugt sind, daß es den meisten Leuten dann besser ginge, wenn nur konsequent privatisiert, dereguliert, flexibilisiert etc., halt utilitaristisch abgefedert, das Ganze. Finde ich zwar alles nicht, aber das ist schon noch wat anderes. Und es ist immer noch mal ws anderes, über die Voraussetzungen eines „guten Lebens“ zu reden, als von außen Menschen Wege zum Glück verordnen zu wollen.

    Beim Biologismus sehe ich’s allerdings fundamental anders. selbst dann, wenn das alles auch ohne ginge, halte ich das Denken in sich schon für faschistoid, wobei ich mit „Biologismus“ ja immer Positionen meine, die aus „biologischen“ Vorraussetzungen dann Wertigkeit von Personen und auch politische Forderungen ableiten. Was einen reinen Materialismus angeht, der sich kriitischer Methoden bedient, sieht die Sache dann anders aus.

    momorulez

    5. Februar 2008 at 21:14

  26. „Rechtsextrem“ ist (neben den bereits genannten Eigenheiten des Menschenbildes) eine retardierte Psyche, die innere Ordnung, ganz wie Kinder vor der formaloperationalen Phase, aus äußerer Ordnung bezieht. Hierarchien und festgelegte Wertigkeiten spielen eine ebenso wichtige Rolle wie begleitende Projektionen. Daher fußt das rechtsextreme Menschenbild auf einer vereinfachten Differenzierung in „wir“/“die anderen“ oder etwa „deutsch/undeutsch“. Nach Zuordnung zum Kollektivsubjekt oder einer Projektion des „Anderen“ werden den Gruppen je Eigenschaften zugeordnet, wobei reale Beobachtung keine Rolle mehr spielt, bzw. so selektiert wird, daß es den Status der Gruppe bzw. ihrer Mitglieder je bestätigt. Grundsätzlich ist diese Struktur übertragbar, daher bedarf es der „Rechten“ auch konkreter Selektionsvorgaben wie Staatsangehörigkeit, „Rasse“ etc. Dabei zeichnen sich diese Vorgaben dadurch aus, daß sie starr sind, im Gegensatz etwa zu religiösen oder sonstigen „politischen“ Selektionskriterien. Man gehört qua Geburt dazu – oder eben nicht. Dieser Aspekt wiederum lockt all jene an, die nichts anderes zu bieten haben, um sich soziale Akzeptanz zu verschaffen.

    flatter

    5. Februar 2008 at 22:51

  27. @Flatter:

    Danke!

    Aber träfe das denn dann nicht auch auf die „Zerrbilder“ zu, die „wir“ uns von „den Neoliberalen“ machen? Da ist ja strukturell nicht so weg von dem, was manch einer da drüben behauptet, daß wir es über „sie“ denken würden?

    „eine retardierte Psyche, die innere Ordnung, ganz wie Kinder vor der formaloperationalen Phase, aus äußerer Ordnung bezieht.“

    Einverstanden, wenn das „retardiert“ und „vor“ da rausnimmt, sonst hätte das ja die Implikation, daß Nicht-Rechtsextreme gegenüber den Rechtsextremen sozusagen die Übermenschen wären? Und ist das dann nicht ein Widerspruch in sich selbst?

    Ansonsten glaube ich schon, daß das sehr präzise ist, dieses „die innere Ordnung aus der äußeren Ordnung“ ziehen, und was diese Reinheits- und Hygiene-Vorstellungen betrifft, die sich daraus ergeben können, die sich auf wissenschaftlich-theoretischer wie historisch-faktischer Ebene als immer wieder sehr dominant erweisen, kann man, glaube ich, tatsächlich auch mal psychoanalytisch ansetzen.

    Das korrespondiert dann auch mit der Struktur Ich-Schwäche und über-dominantes Über-Ich, das zum gelegentlichen „Überschwappen“ des Es führt, vereinfacht gesagt, das in den Studien zum utoritären Charakter herausgearbeitet wird.

    MomoRules

    5. Februar 2008 at 23:09

  28. Zu alledem, was hier gesagt wurde möchte ich noch hinzufügen, dass zum rechtsextremen Wesen die Unmöglichkeit, sich selbst zu betrachten, hinzukommt. Eine merkwürdige Entpersönlichung, die dann dazu führt, dass ich bepisst und schmuddelig auf dem Rasen stehe, den rechten Arm hebe und mich doch irgendwie groß fühle.

    ring2

    5. Februar 2008 at 23:18

  29. @autoritärer Charakter plus rechtsextrem:
    Als typisches Beispiel der psychologischen Dimension würde mir die Hauptfigur aus Heinrich Manns „Der Untertan“ einfallen.

    lars

    5. Februar 2008 at 23:33

  30. @Momo:
    „wobei ich mit “Biologismus” ja immer Positionen meine, die aus “biologischen” Vorraussetzungen dann Wertigkeit von Personen und auch politische Forderungen ableiten. Was einen reinen Materialismus angeht, der sich kriitischer Methoden bedient, sieht die Sache dann anders aus.“

    Für mir hat der Begriff Biologismus erstmal keine Implikationen für Wertigkeit von Personen und daraus abzuleitenden Forderungen. Ist vermutlich was du als reinen Materialismus bezeichnet hast.
    Kann sein, dass ich den Begriff „falsch“ verwende.

    googlehupf

    6. Februar 2008 at 0:29

  31. @ring2:

    Ja, es gibt dieses Externalisierungsprinzip: Man attackiert dann alll den Barbaren und Volksverrätern eigene, „abgespaltene“ Persönlichkeitsbestandteile, und das verbietet dann auch, dieses Prinzip, sich selbst zu betrachten.

    @Googlehupf:

    Na, Wort sind bestimmt durch ihren Gebrauch … das ist für mich einfach Biologie, nicht Biologismus, und dagegen gibt’s ja wenig einzuwenden. Richtige Biologen wissen ja um die Vorbehaltlichkeit ihrer Aussagen, und dann eigentlich auch nix schief gehen …

    momorulez

    6. Februar 2008 at 8:50

  32. @Momorulez: Ich sehe das nicht so, daß „retardiert“ zu einem Übermenschen-Status führt. Es sagt ja niemand, daß jemand, der nicht ganz ausentwickelt ist, damit weniger „wert“ wäre. „Ich-Schwäche“ geht vielmehr in dieselbe Richtung: Es fehlt halt die Kompetenz zur Selbstdistanz und Relativierung. Ein Phänomen übrigens, das durch Ängste sehr gefördert wird.
    Die „Zerrbilder von den Neoliberalen“ beschreibt diese Struktur genuin tatsächlich dann, wenn sie den Status der Erben als Geburtsrecht gegen die Habenichtse in Stellung bringen. Einige der schärftsten Ideologen gehen tatsächlich so weit, und dann ist der Unterschied zum Rechtsextremismus nur noch einer der Geschmacksrichtung. Allerdings gehen die wenigsten wirklich so weit. Vielmehr ist ihnen oft eine schreckliche Naivität zueigen. Sie glauben tatsächlich, jeder wäre seines Glückes Schmied und schließen daraus, daß „Leistung“ den freien Zugang zum Glück für jedermann ermöglicht. Das ist im Einzelfall nicht weniger traurig, aber eben etwas anderes als Rechtsextremismus.
    Schließlich ist es ja nicht so arg wichtig, wie das Kind heißt, Differenzierung ist immer die bessere Wahl. Ich mag deshalb auch die bei linken Bloggern beliebte Vokabel „wirtschaftsfaschistisch“ überhaupt nicht.

    flatter

    6. Februar 2008 at 23:35

  33. Ich plädiere hier, aus ähnlicher und gereifter Abneigung, für den Begriff „Wirtschaftsautoritarismus„. Ich meine, das trifft es besser – nämlich eine Ideenwelt, in der „die“ Wirtschaft und ihre vermeintlichen Erfordernisse als zentrale Bezugspunkte des sozialen Daseins gedacht wird, als autoritäre und im Regelfall prioritäre Instanz..

    Dr. Dean

    7. Februar 2008 at 0:01

  34. Zur Ausgangsfrage: Wo der Mensch nicht mehr als Wert an sich gedacht wird, sondern nur aufgrund seines (angenommenen und in der Wirtschaft erwiesenen) Leistungsvermögens, dort rutscht der Neo“liberale“ in neurechte Gefilde, und dies umso mehr, je stärker der implizite oder explizite Sozialdarwinismus deutlich wird.

    Sicherlich gibt es hier auch Übergangsbereiche. Die Nähe zu rechtsextremistischen und/oder neurechten Menschenbildern ergibt sich aus ebendieser Unfähigkeit und Unwilligkeit (!) der meisten Neo“liberalen“, sich von Sozialdarwinismus abzugrenzen.

    Was das Menschenbild betrifft, gibt es nun leider eine leicht erreichbare Übergangsstrecke zwischen Anti-Egalitarismus und Rechtsextremismus. Einen Wall dagegen könnte z.B. ein christliches Menschenbild sein – was aber von Hardcore-Neo“liberalen“ oft abgelehnt wird.

    Es ist selbstverständlich sehr eindeutig rechtsextrem, wenn sich sozialdarwinistisches Denken mit Rassismus mischt. Jedoch, nicht erst der Rassismus rückt ein Menschenbild in die Nähe des Rechtsextremismus.

    Dr. Dean

    7. Februar 2008 at 0:12


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