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Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Dummheit und Wissenschaft

with 21 comments

„Der Maßstab einer kritischen Auseinadersetzung mit der jüngeren Hochschulentwicklung sollte nicht die in der Tradition des deutschen Idealismus stehende Vorstellung sein, die Universitäten seien allein der Wissenschaft als Selbstzweck verpflichtet. In ihnen reiben sich seit dem 19. Jahrhundert notwendigerweise die Ansprüche der höheren Berufsausbildung und der Wissenschaft. Doch das ist nicht die einzige Konfliktlinie. Eine andere durchzieht die Wissenschaft selbst. Denn die Ausrichtung auf Berufsausbildung hat Rückwirkungen auf das wissenschaftliche Wissen.Es dient der Herrschaftsausübung: es wird Sachwissen und die Form des Wissens erarbeitet und vermittelt, das diejenigen benötigen, die in Wirtschaft, Politik, Verwaltung Aufgaben des Kommandos, der Führung, der Hierarchie und des Gewinns wahrnehmen, die sich in hohen und Herrschaftspositionen reproduzieren. Herrschaft unter kapitalistischen Bedingungen wird mittels Wissen ausgeübt. Dies zieht die wissenschaftliche Rationalität in Mitleidenschaft. Wissenschaft wird auf ein formales Rüstzeug der Beweisführung reduziert; das Wissen wird zum objektivierenden und von der Erfahrung abgespaltenen Wissen, wertneutral und ohne reflexiven Einbezug der Praxis dieses Wissens selbst. Dementsprechend stellt sich die Frageob hochschulpolitische Entwicklungen zur Demokratisierung nicht nur der Hochschule als Institution, zur sozialen Öffnung, größerer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, sondern auch zur Demokratisierung des Wissens selbst führen.
Angesichts einer heuen Stufe der technokratischen Hochschulreform sollten also nicht hehre humanistischen Bildungsidelae beschworen werden, die seit mehr als einem Jahrhundert schon überholt sind. Vielmehr ist die wissenschaftliche Tendenz zu kritisieren, die die hoch Ausgebildeten zu bekennenden Funktionsträgern der Macht werden lässt, die sich für die Komplexität der Gesellschaft blind und taub machen.“

Alex Demirovic (2004): Wissenschaft oder Dummheit. Die Zerstörung der wissenschaftlichen Rationalität durch Hochschulen, in Prokla 137, 34 (4), S. 497.

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Written by lars

8. Februar 2008 um 0:15

21 Antworten

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  1. Wenn das jetzt eine Antwort auf meinen letzten Eintrag ist, dann bin ich beleidigt.

    momorulez

    8. Februar 2008 at 9:14

  2. Dann führen wir doch einfach das amerikanische Modell ein: Vor dem hoch spezialisierten, vierjährigen PhD-Studium erstmal ein eher wenig spezialisierter, allgemeinbildender Bachelor, in dem man die Studenten auch mit reflexivem Rüstzeug versorgen kann.

    Die Frage ist nur, ob das dann später auch noch genutzt wird.

    statler

    8. Februar 2008 at 9:43

  3. Das würde mich mittlerweile soweiso mal genauer interessieren, stelle immer wieder fest, daß ich über das amerikanische System viel zu wenig weiß, auch und gerade über das Stipendiatensystem nicht, aber auch sonst.

    Mir kommtt das immer so vor, als würde irgendwas angloamerikanisches wilhelminisch interpretiert, bei diesem ganzen Umbau hier. Was dort also relativ offen, vielfältig und fexibel ist, wird hier strikt bürokratisch dann in Sozialtechnologie gewendet, unter dem Banner der „Effizienz“, weil irgendwas aus der Ökonomie falsch verstanden wurde. Kann das sein? Oder sehe ich das anglomerikanische System zu rosig?

    momorulez

    8. Februar 2008 at 10:01

  4. @Momo: Keine Sorge, das war nicht gegen Dich gemünzt. Aber das ist eher meine Einschätzung von Wissenschaft…

    @statler: Das war eigentlich einmal der Sinn der Magisterstudiengänge. Und hier wurde ja der BA eingeführt, um den Verbleib im Universitätssystem zu reduzieren.

    lars

    8. Februar 2008 at 10:13

  5. Das wilhelminische stimmt wahrscheinlich sogar. In den USA kannst Du ohne Probleme z.B. an einem guten liberal arts-college einen Bachelor mit philosophischem Schwerpunkt machen, und danach irgendwo anders ein PhD-Studium in VWL anfangen. Oder umgekehrt. Ich glaube, Medizin ist dort so ziemlich das einzige Fach, bei dem man sich schon früher komplett spezialisieren muß.

    Und jetzt versucht mal im Bologna-Deutschland, zwischen Bachelor und Master einen interdisziplinären Sprung zu machen. Da wird gerade nicht darauf vertraut, daß der Student, wenn er sich für das neue Fach interessiert, schon motiviert genug sein wird, sich einzuarbeiten. Nein, wenn es überhaupt geht, dann wird von den Fachwechslern noch verlangt, vorher jede Menge Semesterwochenstunden im Bachelorstudium ihres neuen Faches zu hören und dazu Prüfungen zu schreiben.

    statler

    8. Februar 2008 at 10:43

  6. @Statler:

    ich finde das echt grausig. Auch wenn Stefanolix ja meint, ich würde nur alten Zeiten nachhängen, die unter Aktualitästbedingungen keine Rolle spielten und ich das alle zwei Tage hier schreibe: Wenn irgendwas persönlichkeitsbildend und berufsqualifizierend war, dann die Möglichkeit, auch mal in Ethnologie und Französisch reinzuschnüffeln und nebenbei jobben zu können.

    Im Nachhinein ärger ich mich auch, statt Sozial- und Wirtschaftgeschichte nicht lieber VWL oder Jura im Nebenfach gehabt zu haben.

    Und eben auch leben zu können nebenher. Hier tauchen so oft Bewerber auf, die NULL Lebenserfahrung haben, weil sie superstraight alles „richtig“ gemacht haben, und mit denen ist rein gar nix anzufangen.

    Ja, ich wiederhole mich, das ist aber schlimm, wenn man Arbeit zu vergeben und den Leuten völlig falsche Qualifikationen eingeredet werden und man keine guten Leute findet.

    momorulez

    8. Februar 2008 at 10:54

  7. Die berühmten „Lebenstheoretiker“ (null Lebenserfahrung) stammten früher (was gar nicht so lange her ist) meistens aus „besserem Haus'“ – behütete Kindheit, keine Notwendigkeit, etwa neben Schule/Studium zu jobben, anerzogene Abneigung gegen die „schmuddeligen“ Ecken der Stadt / der Medienwelt / der Politik …
    Ich war als Obenstufenschüler, in einer sozial ungewöhlich durchmischten Schule erstaunt darüber, wie naiv einige meiner Mitschüler aus finanziell gut situiertem Elternhaus waren – einige, den es gab einige, die gezielt auf die „härten des Lebens“ vorbereitet worden waren, etwa, weil sie später mal „das Geschäft“ übernehmen sollen, wozu man Lebenstheoretiker nun mal nicht brauchen kann.
    Umgekehrt kam ich mir naiv vor gegenüber einigen Mitschülern, die wiklich im Leben kämpfen mussten.

    Ich vermute, dass die mangelnde Lebenserfahrung Deiner Bewerber, momorulez, neben den schmalspurigen Studiengängen auch darauf zurückzuführen sind, dass Studies, die sich „durchs Leben schlagen mussten“, schon aus finanziellen Gründen ausselektiert wurden. Und die, die von ihren Eltern (oder eigenem Ehrgeiz) dazu getrieben wurden, die dunklen Seiten der Realität kennenzulernen, die Abgründe hinter den Fassaden, die werden, wenn sie überhaupt studieren, etwas anderes, „handfesteres“ Studieren. Sprich: die Schmalspurstudenten lernen das Leben auch nicht indirekt, durch Freunde, Bekannte, kennen.
    Inzucht, vom „guten“ Kindergarten bis zur „Elite“-Uni.

    MartinM

    8. Februar 2008 at 12:10

  8. Mensch, ich hätte was darum gegeben, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte besuchen zu können, so im Nachhinein. Von den drei Semestern VWL ist mir nur noch der Cournot’sche Punkt in Oligopolsituationen in Erinnerung geblieben. 😦

    lars

    8. Februar 2008 at 12:19

  9. Also, ich würde meine Studenten da sehr in Schutz nehmen. Wenn ich nach dem Abi an die Universität komme und mir alle einreden, daß ich erstens in der Regelstudienzeit fertig sein und zweitens in dieser Zeit möglichst zehn internationale Praktika absolviert haben soll, dann lerne ich halt nur auf die Klausuren und schaue nicht, was links und rechts vom in der Prüfungsordnung engst definierten Pflichtstoff noch so alles los ist. Wenn man die Rahmenbedingungen sieht, dann finde ich es im Gegenteil erstaunlich, wie weit der Horizont von vielen Studis trotz allem noch ist.

    Kurz und gut, hier kommt mein Masterplan für die Reform der Bologna-Reform:

    1.) Bachelor-Studium auf vier Semester Regelstudienzeit verkürzen. Dafür ist der Bachelor eine Art verlängertes studium generale mit wenig oder gar keiner fachlichen Spezialisierung, dafür vielen Wahlmöglichkeiten und einer Betonung auf den Erwerb allgemeiner methodischer Kenntnisse, die in vielen Spezialisierungen nützlich sind.

    2.) Master-Studium mit sechs Semestern Regelstudienzeit. Hier kann es dann zu einer stärkeren Spezialisierung kommen als z.B. in den traditionellen Magister-Studiengängen, vielleicht indem man nur ein Haupt- und ein Nebenfach studiert.

    3.) Im Doktorandenstudium wird der Arbeit an der Diss noch ein Jahr mit Doktorandenseminaren vorgeschaltet, von denen nur die Hälfte in dem Fach absolviert werden, in dem auch die Diss geschrieben wird.

    Punkt 1) wäre schon allein deshalb wichtig, weil es (glaube ich) immer schwieriger wird, zum Zeitpunkt des Abiturs schon eine gut informierte Entscheidung über das Studienfach zu treffen. Klar gibt es die Leute, die ab der fünften Klasse wissen, daß sie mal Hirnchirurg werden wollen. Aber wer weiß zum Zeitpunkt des Abiturs schon, daß es sich auch lohnen könnte, Altphilologe zu werden? Also wäre so eine akademische Schnupperphase ziemlich hilfreich.

    In der Masterphase kann man sich dann auf das Gebiet, in dem man irgendwo in der Privatwirtschaft arbeiten will, spezialisieren. Und wer in die Wissenschaft will, der wird durch Punkt 3) nochmal davon abgehalten, ein kompletter Fachidiot zu werden.

    statler

    8. Februar 2008 at 13:02

  10. Wellcome back on deck, Statler! Ich muss sagen, dass Dein Modell einer Hochschulreform etwas hat.

    che2001

    8. Februar 2008 at 13:41

  11. @Martin:

    Ja. Deshalb plädiere ich ja im Gegensatz dazu dafür, den Leuten auch Raum für Erahrungen nebenher zu geben.

    Gut, Praktika sind ja sogar vorgesehen, aber sonst?

    @Statler:

    Ich wollte den Studis/Absolventen selbst das jetzt auch gar nicht vorhalten. Die werden einfach oft, natürlich auch nicht immer, falsch qualifiziert zumindes für jene Berufe, wo’s um Selberdenken und sich selbst organisieren geht, was bei uns hier wichtiger als alles andere ist.

    Und diese Umstrukturierung, wie Du sie baust, fände ich auch plausibel.

    Als ich mir die aktuellen Bachelor-Pläne in Philosophie mal angeguckt habe – das geht gar nicht, sich in solch verschulter Form da wirklich einzuarbeiten. So versteht man die Pointen gar nicht. da nraucht man tatsächlich eine gewisse Anlaufzeit.

    Umgekehrt kann ich mir so „Generalisten“, die sich vor allem in den zwei Jahren selbst ihre Pläne bauen müssen, auch in meinem beruflichen Umfeld dann wieder ganz gut vorstellen.

    Funktionieren Collges in den USA so? Kenne ich ja nur aus dem Fernsehen, aber ein wenig so kommt das dann ja rüber …

    momorulez

    8. Februar 2008 at 14:44

  12. Ganz so funktionieren sie nicht, weil der Master dort nicht die gleiche Bedeutung hat wie hier. Dort dauert der Bachelor vier Jahre und bleibt für die meisten der einzige Abschluß. Die Leute, die wirklich in die Wissenschaft wollen, hängen dann ein meistens nochmal vierjähriges PhD-Programm dran. In diesen Doktorandenprogrammen wird dann oft noch ein Master-Grad verliehen, und zwar meistens, nachdem man die Lehrveranstaltungen hinter sich hat und bevor man sich nur noch auf die Arbeit an der Dissertation konzentriert. Aber der Master ist eigentlich von eher geringem Interesse — eher so eine Art Trostpreis für diejenigen, die ihre Diss dann doch nicht fertig schreiben.

    Die BA-Programme selbst sind meistens zweigeteilt. Im ersten oder in den ersten beiden Jahren wird viel Wert auf ein breites Programm gelegt, eben akademische Allgemeinbildung. Irgendwann während des BA-Studiums (spätestens im dritten Jahr) muß man sich dann für einen sogenannenten „major“ entscheiden, also für ein Fach, auf das man seinen Schwerpunkt legen will. Das ist aber auch im dritten und vierten Jahr nicht das einzige Fach, d.h. es ist zwar ein Schwerpunkt, aber man hat auch dann noch die Möglichkeit, neben dem major andere Fächer zu belegen, die einen interessieren.

    Einen richtigen Tunnelblick für ein einziges Spezialgebiet bekommt man also allenfalls im Doktorandenprogramm, aber vorher hat man große Freheiten.

    statler

    8. Februar 2008 at 15:52

  13. Und dann machen die hier so komische Sachen – warum eigentlich? Für mich liest sich das viel sinnvoller.

    momorulez

    8. Februar 2008 at 16:10

  14. Jaaaa, das ist jetzt mal eine richtig gute Frage. Aus dem Blauen heraus würde ich mal vermuten, daß Bologna wieder ein typisch europäischer Kompromiss war: eine Gruppe von Ländern hat eine Tradition von zweistufigen Abschlüssen unterhalb des Doktors, eine andere Gruppe besteht darauf, daß jeder BA unbedingt für jeweils ein Fach berufsqualifizierend sein muß… und wenn man alle diese Einzelansprüche zusammenschraubt, dann kommt ein Monster dabei raus.

    Was unglaublich dumm ist. Also, mir als altem Traditionalisten blutet ja sowieso schon das Herz, wenn hier ein 700 Jahre alter Abschluß wie der Magister Artium mal einfach so abgeschafft wird. Aber wenn man sich schon einen radikalen Traditionsbruch leistet und versucht, in bildungspolitischer Planwirtschaft was ganz neues zu schaffen, dann sollte man halt wenigstens versuchen, die besten Elemente aus den Bildungswesen dieser Welt zu vereinen. Aber stattdessen machen die sowas.

    statler

    8. Februar 2008 at 16:54

  15. Die Hauptthese von Demirovic ist, so wie ich sie verstehe, dass die Ausrichtung von Wissenschaft auf Verwertungserfordernisse gesellschaftliche Blindheit, aber auch einen Mangel an Wissensreflexion produziere. Diese Kritik halte ich – allerdings eingeschränkt – für durchaus richtig.

    Demorovics impliziter Gegenentwurf, obwohl hier in der Passage nicht so formuliert, ist die „kritische Wissenschaft„, was sich zunächst noch nett anhört – aber meines Erachtens in der Gefahr einer ideologisierten Wissenschaft steht.

    Wobei ich – bedingt auch durch meine wissenschaftstheoretischen Auffassungen – einen gewissen Anteil ideologisierter, „kritischer Wissenschaft“ für sehr wünschenswert halte, auch aus Gründen der Wissenschaftsvielfalt.

    Demirovic wischt mit großer Geste „humanistische“ Bildungsideale weg, (Anmerkung: Demirovic ist hier begrifflich ungenau, da vor allem von ihm die Humboldtschen Hochschulideen gemeint sind), aber sein Gegenentwurf, so sehr ich ihn mir als Beimischung für den Wissenschaftsalltag wünsche, ist kein tauglicher Gegenentwurf.

    Eine Ergänzung. Nicht mehr – aber auch nicht weniger.

    Insofern kann man auch damit leben, dass Demirovic eigentlich Propaganda betreibt, und damit leider auch entwertet, dass Teile seiner Kritik – an: zu sehr an Verwertungsinteressen orientierer Wissenschaft – ausgesprochen beachtlich sind.

    @ Statler
    Deine Ideen (s.o.) zu einer Hochschul-Reform finde ich gut, und sogar sehr gut. Nach dem „Master“ halte ich allerdings eher drei als zwei Semester für sinnvoll – und ich würde es dann „Graduierten-Studium“ nennen, den Doktor hier nur optional.

    Blöderweise hat sich der deutsche Staat auf die EU-Vorgabe „Bologna“ verpflichtet, und, wie es scheint, für alle Ewigkeit.

    *seufz*

    Dr. Dean

    8. Februar 2008 at 17:02

  16. Bei „Reformstaub“ war mal so ein herrlicher Text über den Bologna-Prozeß, ich glaube, um den Luhmannschen „Emergenz“-Begriff zu illustrieren. Das wurde die These vertreten, es habe noch nicht mal einen formalen Beschluß hierzu geben, sondern eine Konferenz hat Empfehlungen ausgesprochen. Und irgendwie haben das alle behandelt wie ein unumkehrbares Dekret. Eigendynamik von Kommunikationsprozessen, sozusagen.

    Bin ja vehementer Verfechter von Demokratisierung, aber diese Zentralisierung und Vereinheitlichung ist IMMER Murks. Da bin ich ganz bei „euch“.

    momorulez

    8. Februar 2008 at 17:04

  17. Habe das @Statler vergessen bei dem Reformstaub-Kommentar.

    momorulez

    8. Februar 2008 at 17:05

  18. Blöderweise hat sich der deutsche Staat auf die EU-Vorgabe “Bologna” verpflichtet, und, wie es scheint, für alle Ewigkeit.

    Bemerkenswerter Weise ja nicht einmal „der deutsche Staat“, sondern die Länder. Und das finde ich wirklich beeindruckend, daß das sang- und klanglos, ohne nennenswerte öffentliche Debatte (oder habe ich da was verpaßt?) über die Bühne gegangen ist. In 16 Ländern. Einfach so.

    David

    8. Februar 2008 at 17:25

  19. @ Momorulez, David

    Man könnte es so sehen: Bei „Bologna“ hat sich genau das ereignet, was man auch den „Fluch der Bürokratie“ nennen könnte: Eine zentrale Bürokratieinstanz entschied für die Wissenschaft in ganz Europa gemäß planwirtschaftlicher Methodik – und begründete diese mit den planwirtschaftlichen Klassiker:

    Es gäbe ein unabweisbares Erfordernis nach europaweiter Einheitlichkeit der Bildungsabschlüsse, zur Schaffung eines (angeblich ansonsten nicht vorhandenen) „gemeinsamen Hochschulraumes„.

    Taktisch geschickt wurde dieses Anliegen verwoben mit der Vorstellungen zur Studienzeitreduzierung und verbesserter Praxisorientierung. Kritik am Bolognaprozess wurde als Anliegen linker Minderheiten systematisch marginalisiert.

    Wozu braucht es dann noch eine breite öffentliche Diskussion? Die es m.E., in Teilen jedenfalls, durchaus gab. Es gab jedoch, in den maßgeblichen hochschulpolitischen kaum einen ernsthaften – und den Bolognaprozess wirklich hinterfragenden – Diskurs. Wer hochschulpolitisch „rechts“ war, fand den Bolognaprozess ganz wunderbar.

    (Nebenbei bemerkt: Bologna als Universität hat eine der grausigsten wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten, mit dem besonderen Schwerpunkt einer besonders üblen Betreuung von Studierenden).

    Leicht polemisch überzogen könnte man auch sagen:

    Rechtsgerichtete Hochschulpolitiker mögen Methoden der Planwirtschaft, jedenfalls, solange sie damit ihre Ideen verwirklichen können, und dies noch mehr als linksorientierte Kräfte…

    Dr. Dean

    8. Februar 2008 at 17:51

  20. Implementiert werden mußte das alles aber doch durch die jeweiligen Kultusministerien. Und die haben alle klaglos mitgezogen, und das unabhängig von der jeweiligen Regierungspartei. Das finde ich ja gerade so schemelhaft.

    David

    8. Februar 2008 at 18:00

  21. Das passiert doch überall, auch beim Jugendschutz: Es weden von der deutschen Rechtsprechung nur noch Vorgaben der EU exekutiert. In dieser Hinsicht bin ich überzeugter Separatist.

    che2001

    8. Februar 2008 at 18:47


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