shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

The Poppiness of Shifting Reality

with 26 comments

Also wage ich mich mal wieder in die Höhle der Co-Autoren…

Dass wir mit den Liberalen derzeit so gut auskommen, woran liegt das?  Auf der Oberfläche wohl daran, dass in den letzten Threads vorwiegend über musikalischen Geschmack diskutiert wird. Nun wissen wir seit Bourdieus „Die feinen Unterschiede“, dass an den Geschmack „Distinktion“ geknüpft ist. Haben wir es also mit einem Shift in der Diskussion zu tun – hin zu einem symbolischen Kampf um den richtigen Pop, der nicht so aggressiv ausgefochten wird, gar in munteren oder auch düsteren Tönen sich abspielt?

Andererseits: Pop und Linke sind ja hier ein gern diskutiertes Thema. Und die Frage nach der Kultur hat darin ja einen zentralen Knoten, den zu zerschlagen, neu zu küpfen oder einfach anders zu beleuchten wir uns ja auch immer wieder vornehmen…

Aber wie ist es einzuschätzen, wenn Pop in Diskussionen um die Kritik der Ausländerfeindlichkeit und liberaler Ungleichheitsdebatten auftaucht?  Kürzlich hatte hier jemand vertreten, dass die Dynamik der Diskussionen, das Auftreten eines topos in verschiedenen Diskussionszusammenhängen, das Kreuzen von Argumentationen in mehreren Threads der große Vorteil der Blogosphäre seien. Das ist ja im Kern das Fortschrittsargument der Netzwerktheoretiker, seien sie eher vom Schlage Manuel Csatells oder eher von Hardt/Negri. Ich muss die ganze Zeit an Gilles Deleuze und das Wuchernde des Rhizoms denken, oder an eineTumor.

Aber ist Pop wirklich ein Rhizom, dass sich unter der Oberfläche unserer Diskussionen abspielt, und an Punkten hervorbricht? Bilden sich im Namen des Pop neue, temporäre Allianzen, Pop-Cluster, die andere Assoziationen konterkarieren? Und wenn Pop so wichtig ist, warum ist dieses gerade ein so starkes Kontrastmittel für die Schreibenden von Shifting Reality, dass der eine „nach hause“ möchte, der andere nur noch „Shift!“ ruft, der dritte  gar nicht mehr weiß, was er dazu schreiben soll?

Vielleicht ist Shifting Reality auf eine zweite Bewegung angewiesen, in der Realität aufplatzt. Popping Reality. Vor meinem inneren Auge ist ständig das Bild von aufplatzenden Baumwollkapseln präsent. Aber irgendwie kann ich dieses Rhizom Pop immer weniger begreifen.

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Written by lars

12. Februar 2008 um 11:48

26 Antworten

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  1. Hm. Wenn man sich irgendwie mag, sich bei den ernsten Themen aber ständig in die Wolle kriegt, weil die Meinungen entweder zu unterschiedlich sind oder man befürchten muß, aneinander vorbei zu reden, dann ist so ein kleines Gespräch über was verhältnismäßig harmloses und unkontroverses vielleicht auch einfach nur kurzzeitiger Eskapismus und der Thread, in dem es stattfindet, dem Zufall überlassen?

    David

    12. Februar 2008 at 11:59

  2. Ja, das Wohlfühlargument sehe ich auch, dass zufällige weniger. Denn mich wundert’s schon ein bißchen, weil ja z.B. für Momo Pop eminent wichtig ist, auch unter der Perspektive von Emanzipation…

    lars

    12. Februar 2008 at 12:08

  3. Das Zwerchfell ist die bizarrogenste Zone des menschlichen Körpers und Vorstufe künftiger Evolutionsstufen der Intelligenz, was sich in dem Satz „Wer zuletzt lacht, lacht am Besten“ allegorisch verbirgt. Außerdem sind ja z.B. Statler und David durchaus cool, das kommt nur bei den politischen Grundsatz- oder den Philosophiedebatten nicht so zum Tragen.

    che2001

    12. Februar 2008 at 12:09

  4. Nun, ein kurzer Überblick: Ich hatte einen Kommentar von Che falsch verstanden, woraufhin Momo den Vorschlag machte, nur noch mit Regieanweisung zu kommentieren und ich zwei Kommentare in Pentametern verfaßte und mich später als Pentameterrorist bezeichnet, was Statler böswillig mit Pentagrammen verknüpfte um mich des Satanismus zu bezichtigen (allerdings gar nicht mal so unberechtigt 😉 und Momo auf den Artikel über Slayer brachte, den Statler mit dem Verweis auf Flogging Molly beantwortete, was wiederum Dean dazu veranlaßte, diese als „britische EAV“ zu bezeichnen und dann zu meinen EAV-Links führte, womit das Faß dann endgültig geöffnet war. Hat schon was zufälliges, oder?

    David

    12. Februar 2008 at 12:16

  5. Der Schrägsatz sollte nach „Slayer“ eigentlich aufhören.

    David

    12. Februar 2008 at 12:17

  6. Nochmal anders ausgedrückt: http://ontology.buffalo.edu/smith/heidegger/lied.mp3 😉

    David

    12. Februar 2008 at 12:42

  7. @David: Ich glaube wir sprechen von zwei verschiedenen Ebenen…
    Das einzelne Posts und die Entwicklung von solchen Threads angeht: Du sagst Zufall, ich würde es eher die mehr oder weniger koordinierbare Flugbahn eines Themas nennen. Aber das sind Graduierungen.
    Andererseits wollte ich einfach noch mal fragen, ob die Diskussionen um Pop einfach nur parallel laufen, so wie du es vorschlägst, oder ob es nicht auch einen strukturellen Zusammenhang wzioschen Pop und unseren anderen Themen gibt, und wie der sich gestaltet.

    lars

    12. Februar 2008 at 12:54

  8. Na gut, wenn Du das so siehst….

    [audio src="http://www.monochrom.at/sowjet-unterzoegersdorf/55-parteitag/planwirtschaftsdarbietung/monochrom__sowjet-unterzoegersdorf-------ich_will_planwirtschaft.mp3" /]

    lars

    12. Februar 2008 at 12:57

  9. Ha! Den ersten Teil habe ich gespielt!

    David

    12. Februar 2008 at 13:00

  10. Aber das Lied ist mir neu.

    David

    12. Februar 2008 at 13:01

  11. Was man alles so zufällig findet! Muß ich mir demnächst mal durchlesen, da werden die wirklich wichtigen Fragen gestellt: http://ontology.buffalo.edu/smith/articles/Mountains.htm

    David

    12. Februar 2008 at 13:04

  12. es wuchert eben ein Rhizom ins Andere. Alles wuchert durcheinander, dem Deleuze ja auch die Nägel an den Schreibehändchen. Damit konnte er dem Wuchernden natürlich nur zusehen, aber nicht drin graben.

    T. Albert

    12. Februar 2008 at 13:57

  13. Ich geniesse das gerade sehr, denn mein Zugang zu den meisten Themen hier ist ja dilletantisch.

    ring2

    12. Februar 2008 at 15:52

  14. @Ring2: Okay, mit Genießen kann ich was anfangen.

    @David: „Ha! Den ersten Teil habe ich gespielt!“ — Was heißt denn das?

    lars

    12. Februar 2008 at 16:34

  15. „Sowjet Unterzögersdorf“ ist (oder zumindest gibt es) ein Adventure-Game.

    David

    12. Februar 2008 at 18:35

  16. Schimanski: „Frau Poppinger!“ , „Poppinga, Herr Kommissar!“, „Ja, Frau Poppinger.“

    T. Albert

    12. Februar 2008 at 21:16

  17. Für mich ist Pop erst mal eminent wichtig, weil er mich verfolgt, seitdem ich halbwegs klar denken kann. Der taucht immer wieder auf, klopft mir auf die Schulter, tritt mir in die Eier, umarmt mich, zieht mich runter, läßt mich abheben, mal absichtlich, mal unaufgefordert . Und ständig werde ich sabottiert, wenn ich ihn machen will.Und wenn ich ihn machen soll, mag ich ihn nicht.

    Pop kann auch nur Katalysator sein, wenn’s um Emanzipation geht – oder Symptom für solche, die eher auf gesellschaftlichen Ebenen stattfindet. Und Pop kann nur da Katalysator sein, wo’s um die Ausdfifferenzierung von Lebenstilen geht.

    Da beißt sich das Ganze aber in der Regel dann irgendwann in den Schwanz, wenn die entstehenden Codes zu straff geschnürt werden, dann ist es aber auch kein Pop mehr, sondern subklturimanente Leitkultur.

    Und Pop ohne Distinktion geht eh nicht, insofern ist da im Keim immer schon was potenziell Ekliges angelegt.

    Glaube aber gar nicht, daß das nun hier das Verbindende ist. Das liegt, glaube ich, ’ne Ebene tiefer. Sind alles Leute, die ich mag in der Art, wie sie kommunzieren, die sich hier rumtreiben, und so was ganz fundamental Zwischenmenschliches ist doch dem Pop gegenüber prioritär, behaupte ich mal. Kann aber sein, daß da ’ne Punk-Vergangenheit z.B. ’ne Mentalität bedeutet, die sich diesem auftrumpfenden, elaborierten und schlipstragendem Personalberater-Gestus manch Liberaler dann entzieht. Wie gesagt: Nur mancher.

    Und für mich ist ja Utopie auch eher die Konzentration auf solche zwischenmenschlichen Basics. Habermas nennt das Intersubjektivität. Laut Heidegger ist das übrigens eine Form des Seins, nicht des Seienden. Bei dem heißt das Mit-Sein. Deshalb hat der das aber auch nicht verstanden.

    momorulez

    12. Februar 2008 at 22:39

  18. Potenziell eklige Intersubjektivität. Das ist Pop.

    Meine Subjektivität mag euch immer dann, wenn zwischen den ganzen Fakten und Worten euer Subjekt durchscheint. Meist fehlen die Worte, da können dann Videos aus der eigenen Jugend mehr ausdrücken. Manchmal.

    ring2

    12. Februar 2008 at 23:53

  19. Das sehe ich alles aus einer anderen Perspektive, da ich einerseits Kind einer ziemlich radikalen Subkultur bin, andererseits mich aber in einer Anzugträger-Arbeitswelt verdinge, bis zu der Popkultur nie vorgedrungen ist.

    che2001

    13. Februar 2008 at 8:23

  20. @Ring2:

    „Meine Subjektivität mag euch immer dann, wenn zwischen den ganzen Fakten und Worten euer Subjekt durchscheint.“

    Danke.

    Aber alles Bewußtsein ist doch Bewußtsein von etwas und sprachlich verfaßt …

    @Che:

    Was das Distinktionsverhalten von Subkulturen anbetrifft, da haben wir tatsächlich sozusagen traditionell einen Dissens, da prallen dann Walzer und die „Liberals“ ja immer mal wieder aufeinander.

    Lustigerweise leben einige Netz-Liberale genau von einer sochen – strukturell -Form des Distinktionsverhaltens: Alle Masse, nur wir nicht. Alles Antisemiten, Stalinisten, Leugner der wirtschaftlichen Realität, der Freiheit und der Eigenverantwortung, alles Kollektivisten, alles Antiamerikaner, Träumer Das ist zutiiefst illiberal. Weil’s Subjekt-Subjekt-Relationen ignoriert.

    Bezweifel übrigens, daß Popkultur in den Anzugträgerwelten keine Rolle spielt …

    momorulez

    13. Februar 2008 at 9:44

  21. da ich einerseits Kind einer ziemlich radikalen Subkultur bin, andererseits mich aber in einer Anzugträger-Arbeitswelt verdinge

    Ist das eigentlich nicht ein bißchen so, als hätte Che irgendwann für Batista gearbeitet? 😉 SCNR

    David

    13. Februar 2008 at 10:08

  22. Heißt das nicht SNCF? 🙂

    momorulez

    13. Februar 2008 at 10:19

  23. Sorry Could Not Resist.
    Den Witz hattest Du doch erst kürzlich schonmal gebracht, oder?

    David

    13. Februar 2008 at 10:24

  24. Ja, deshalb mußte ich jetzt einfach noch mal 😉 … Pop lebt vom Ritual.

    momorulez

    13. Februar 2008 at 10:26

  25. RATP! 🙂

    Ich bin lange Zeit so kompromisslos in meiner Artikulation gewesen, dass die Tür in bestimmte Positionen in Wissenschaft und Presse irgendwann zu war und mir nur noch eine Tätigkeit in einer sehr viel konservativeren Ecke blieb.Treppenwitz, irgendwie.

    che2001

    13. Februar 2008 at 10:43

  26. „Bezweifel übrigens, daß Popkultur in den Anzugträgerwelten keine Rolle spielt …“

    … wird nur shizophren vom Feierabend getrennt. Das ist bei allen Tätigkeiten mit Verkleidung so.

    Bei den Mädchen mit Schneeanzügen genauso, wie beim Busfahrer.

    Erik

    13. Februar 2008 at 19:35


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