shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Das haben die von da, als der Willy noch Frahm hieß!

with 53 comments

„Über die DDR, die Mauer und die Stasi kann dagegen in der Bundesrepublik jeder behaupten, was ihm gerade so durch den Kopf geht.“

Na, das ist ja empörend. Das geht nicht. Das geht gar nicht. Das sollte man ändern. Überhaupt sollte das Sagbare und das Unsagbare mal wieder kräftig reguliert werden. Ich fordere hiermit ein Wahrheitsministerium. Mit Claus Christian Malzahn als Minister.

„Doch seit geraumer Zeit wird an der Ehrenrettung der zweiten deutschen Diktatur gearbeitet. Da wird dieser deutsche Staat von Stalins Gnaden zu einer „kommoden Diktatur“ (Günter Grass), zu einem mehr oder weniger berechtigten sozialistischen Experiment, schließlich sogar zum „besseren deutschen Staat“ umgemodelt. Hätte es die Mauer und die Stasi nicht gegeben – dann hätte man sich im realen Sozialismus doch eigentlich ganz wohl gefühlt, lautet der Subtext solcher Botschaften. Und fröhliche Unterhaltungsfilme wie „Sonnenallee“ oder „Good bye Lenin“ haben die Idee des „gefühlten Sozialismus“ – den es freilich nur im Kino gab – noch heftig verstärkt. Immerhin kam man mit „Das Leben der Anderen“ der ebenso tristen wie brutalen Wirklichkeit schon näher – auch wenn sich so ein sympathischer Stasi-Mann wie der von Ulrich Mühe verkörperte Offizier, der seine Opfer schützt, in der DDR wohl nirgendwo nachweisen lässt. „

Genau dafür sollte man Ministerien einrichten, daß das nicht mehr vorkommt. Man braucht solche, die schon vorher prüfen, ob ein Stoff wie „Sonnenallee“ oder eine Figur wie die von Mühe gespielte der historischen Realität entspricht. Und durch die „grünen Elefanten“ lassen wir uns auch nicht mehr ablenken. Diesmal nicht. Wäre doch gelacht.

Überhaupt ist jedes Bekenntnis, daß man sich in der Datscha auch mal wohl gefühlt hat, Spaß beim Sex hatte oder gar beim Trampen durch Ungarn das Leben genossen hat, ab sofort eine Verhöhnung der Opfer der SED-Diktatur. Daß Kids am Fenster zu einer Stones-Platte tanzen und damit fast einen Volksaufstand provozierten: Nix da, in Sack und Asche gehet!

Ab sofort gehören auch Berichte über die Edelweißpiraten und die Swing-Jugend auf den Index. Oops, jetzt isses mir auch passiert. Tadelt mich.

Aus der DDR kann man NIX lernen, als daß sie Scheiße war. Alles Scheiße. Alles, was die erlebten: Scheiße. Auch Bärbel Bohley: Alles Scheiße! Auch was die wollten damals, die vom „Neuen Forum“, bevor aus „Wir sind das Volk“ „Wir sind ein Volk“ wurde: Neinneinnein, das war das gar nicht MÖGLICH in der DDR, das gab’s nicht. Feeling B.’s „Wir wollen immer artig sein, denn nur so hat man uns gerne“ auch nicht: Das könnte ja am Ende auch heute noch subversiv sein …

Nur die BRD war immer schon gut. Durch und durch gut. Straußens Millardenkredit gut, Willy Brandts „Wandel durch Annäherung“ schlecht, dann doch, das war undeutsch, volksschädlich, ein Einknicken war das, das hatte der noch von damals, ’29 oder so, als der noch Frahm hieß, Sie wissen schon. Also, wo wir schon dabei sind, die alten Schlachten zu schlagen, meine ich. Immerhin schreitet die DKPisierung der Bundesrepublik unaufhörlich fort, weil diese Linken einfach nicht AUSSTERBEN WOLLEN. UND ALLE SIND WIE DIESE FRAU VERWESER DA VON DER LEINE!

„Natürlich finden sich solche Überzeugungen, wie gerade in Niedersachsen geäußert, auch bei nicht wenigen Linken im Osten. Allerdings hat man in den Parteigliederungen dort begriffen, dass solche Thesen, wenn überhaupt, mal am linken Stammtisch fallen dürfen – und nicht vor der Kamera.“

Eben. Die alten Kader wissen halt, wie man das macht.

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Written by momorulez

16. Februar 2008 um 21:06

53 Antworten

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  1. Dabei fand ich Frau Malzahn immer äußerst sympathisch, weis noch als sie mal Zahnschmerzen hatte, der Ärmsten bleibt auch nix erspart, da hat ihr wohl einer Kuckucksei untergejubelt. Ja das warn noch Zeiten, Frau Malzahn kinderlos und, im Vergleich zu dem was einem heute so alles geboten wird, waren die „Geh doch rüber“ Sprüche eigentlich richtig nett. Nicht dass das jetzt was mit Deinem Artikel zutun hätte, aber es mußte einfach mal gesagt werden. Schönen Sonntag.

    balou

    17. Februar 2008 at 0:17

  2. Frau Malzahn? Ach, hören Sie doch auf! Ich sage Ihnen was, der fehlte es an entschiedener Haltung, ja, wenn sie auf ihre Weise charmant „Geh doch rüber!“ gesagt hat, um den jungen Protestierer zum Kaffee einzuladen, dann war das, ähm, wie nennt man das doch gleich? Appeasement! Pfui!

    Überhaupt. Dieser linke Stammtisch. Gefährlich! Früher wie heute. Das weiß doch jedes Kind: Wenn der über „soziale Gerechtigkeit“ spricht oder „Mindestlöhne“, dann steht da immer ein DKP-Mann dahinter. Solange irgendwo noch ein DKP-Mitglied überhaupt/i> vorhanden ist, können wir nicht sicher leben. Freiheit oder Sozialismus!

    Nein, ich spreche mich hier entschieden gegen die Weichheit, gegen die antiwestliche Verlotterung einer Frau Malzahn aus, und – weil es nicht anders geht – für Herrn Malzahn. Wenn wir nicht begreifen, dass heute größte Gefahr droht, sobald irgendwo ein irgendwer sich verharmlosend zur StaSi äußert, dann steht morgen schon der Russe vor der Tür!

    Carl Christian hat Recht. Freiheit für Carl Christian! Und sofortige präventive Verhaftung all jener krypto-Kommunisten, welche seine warnenden Worte für übertrieben und hysterisch halten. DDR-Verharmloser. Sowie jener Kreise, welche in Gefahr stehen, Carl Christians wohlabgewogene Weltsicht anzuzweiifeln. Sofort hinter Gitter! Für die Freiheit und und, und, äh, unserer Grundwerte.

    Denn darum geht es doch.

    /* Satiremodus: off */

    Dr. Dean

    17. Februar 2008 at 6:28

  3. @balou:

    Ich hatte ja ganz große Angst vor Frau Malzahn, damals, als mir das im Kindergarten vorgelesen wurde … vor diesem Tunnel davor allerdings noch mehr, durch den die mußten mit der tapferen Emma …. wahrscheinlich wurden da die Grundfesten meiner Haltung gelegt, bei dieser furchterregenden Frau Lehrerin, so im Sinne des Antiautoritären, was ja auch auf dem Index steht, seitdem Herr Aly verkündet hat, was Zettel immer schon wußte: Die waren wie die Nazis, die Antiautoritären!

    Und unser Lummerland-Erfinder, der gehörte doch auch zu dem Pack, Zen und so, oder? Zeitdiebe erfinden, also wenn das keine kommunistische Indoktrination war, da steckten doch auch die Erichs dahinter …

    Schönen Sonntag auch!!!

    @Dean:

    Stellen Sie sich mal vor, Sie wachen morgens auf, schauen aus dem Fenster – und auf Ihrem Rasen steht ein russischer Panzer! Und irgendsoein Kosake steigt aus, grinst Sie frech an und schifft in hohem Bogen in Ihren Swimming-Pool …. war jetzt nur sinngemäß zitiert, war trotzdem lustig 😉 …

    momorulez

    17. Februar 2008 at 9:21

  4. So, und jetzt noch mal richtig:

    „Es denken die Leute von gestern wieder an morgen
    Ja, Sie reden hier immer von
    FRIEDEN FRIEDEN FRIEDEN FRIEDEN
    Als ob das eine Erfindung von Ihnen wäre
    Herrgott nochmal
    wer will denn so was nicht
    den FRIEDEN
    aber
    haben Sie sich auch mal vorgestellt:
    Sie wachen morgens auf
    öffnen die Schlafzimmertüre nach draußen
    die Sonne scheint
    Sie recken sich
    da sehen Sie mitten auf Ihrem englischen Rasen
    steht
    ein RUSSISCHER PANZER

    Ja – da hilft es Ihnen überhaupt nichts
    wenn Sie rufen:
    Runter von meinem Rasen
    und zwar schnell
    DAWAI DAWAI
    Wetten, daß der bleibt?
    Klettert vielleicht sogar aus der Luke
    stellt sich oben drauf
    schifft im hohen Bogen
    in den Swimming-pool
    wollen Sie so einen
    FRIEDEN

    Ja, Sie nennen so was
    HIRNGESPINSTE
    Hör’n Sie zu
    Ich kenn‘ den RUSSEN
    Sommer einundvierzig
    bis nach Stalingrad
    übrigens war das ein schwerer Fehler von HITLER
    wir hätten damals weiter geradeaus
    direkt nach MOSKAU durch
    Der ZANGENGRIFF
    von Norden und von Süden her
    der war grundfalsch
    Und nach dem Kriege dann noch zweimal dagewesen
    mit NECKERMANN herumgereist
    auf alten Spuren sozusagen
    ganz ordentlich wieder aufgebaut
    ist alles nicht mehr so ganz primitiv wie damals
    trotzdem
    der RUSSE hat sich nicht geändert

    Verstehen Sie mich nicht falsch
    ich habe überhaupt nichts gegen ihn
    ich sage nur
    der RUSSE ist ein BÄR
    Gutmütig und bequem
    aber auch unberechenbar und sehr gefräßig
    man muß ihm furchtlos gegenübertreten
    vor der NEUTRONENBOMBE hat er Angst
    Vor der VERSAFTUNG
    So was mag er nicht – der Meister Petz
    IWAN IWANOWITSCH
    jetzt soll er doch mal aus der Höhle kommen

    So – und wenn es nach Ihnen ginge
    dann wären wir seinen Prankenschlägen
    schutzlos ausgesetzt
    Herrgott nochmal – begreifen Sie doch endlich
    Diesmal sind wir nicht allein
    Diesmal ist der AMI doch auf unserer Seite
    wollen mal sehn
    was er dann für Augen macht
    der IWAN
    wenn auf einmal NATO-PANZER
    auf dem Rasen stehen
    in unserem KÖNIGSBERG
    Ja – es denken die Leute von gestern wieder an morgen“

    FRANZ JOSEF DEGENHARDT

    von hier:

    http://aureliane.blog.de/?tag=mitwelt-umwelt-eigenwelt

    momorulez

    17. Februar 2008 at 9:32

  5. @momo

    man merkt, dass ich wohl doch älter bin und Frau Malzahn in etwas gefestigteren Entwicklungsphasen erlebt habe.

    Bedauerlich nur, dass unser lieber Dr.Dean wohl irgendwo im Busch sozialisiert wurde und von der verehrten Frau Malzahn nix mitbekommen hat. Nix für ungut.

    balou

    17. Februar 2008 at 9:47

  6. @balou:

    Bin tatsächlich näher an der 40 als an der 60 😉 … sogar sehr nahe an der 40 …. Momo (ja!, ja!) und „Die unendliche Geschichte“ habe ich dann aber schon selbst gelesen! Kann mich auch noch gut dran erinnern, als bei „Lemmy und die Schmöker“ (kennt das noch jemand?) „Momo“ vorgestellt wurde …

    Und den Degenhardt habe ich bei irgendeinem „Künstler für den Frieden“ auch noch live gehört, glaube ich! Ich meine, das wäre sogar hier am Millerntor gewesen, weiß ich aber nicht mehr ganz genau, ob der dabei war. Joan Baez hat aber das „We shall overcome“ gesungen, das weiß ich noch, und ich finde das bis heute nicht peinlich … das zum Generationenthema. Auch wenn Che mich jetzt wieder anpfeifft, daßich nicht betone, daß ich zur gleichen Zeit auch „Östro 430“ gehört habe 😉 …

    Ich glaube, Dean hat damals schon Eucken, Erhardt und Röpcke gelesen 🙂 – sorry Dean, auch von mir nix für ungut! Was waren denn Deine Lieblings-Kinderbücher?

    Ach, der muß noch raus: Wir haben tatsächlich mit „Gummitieren“ (Walt Disney-Figuren und so) Parlament gespielt!

    Miraculix war immer der Präsident, der Pichelsteiner mit der Keule war der Verteidigungsminister, der Inspektor vom rosaroten Panther SPD-Generalsekretär, weil ich fand, daß der aussah wie Egon Bahr, und Waldorf, kein Witz, war CSU-Vorsitzender! „Das Tier“ war bei den Grünen, zusammen mit Gargamel von den Schlümpfen, weil der für mich so Öko-Opa-mäßig aussah 🙂 …. Statler weiß ich nicht mehr genau, ich glaube aber, daß der CDU war.

    momorulez

    17. Februar 2008 at 10:03

  7. Also, bei „Frau Malzahn“ dachte ich eher an sowas in der Art. Balou, an welche Frau Marzahn hätte ich denken müssen? Zu:

    Ich glaube, Dean hat damals schon Eucken, Erhardt und Röpcke gelesen 🙂 – sorry Dean, auch von mir nix für ungut! Was waren denn Deine Lieblings-Kinderbücher?

    *hihi* Der Verdacht, dass ich schon ganz früh mit Eucken angefangen haben müsste, der trifft sogar zu.

    Ich war so ein richtiges Bücherkind, und griff mir kurz nach dem Gymnasium dicke Wälzer über anorganische Chemie und, ja: Eucken. Röpkcke war weniger mein Fall, Ehrhardt zu primitiv – jedenfalls das, was es so in Bibliotheken gab. Dafür hat der Leppin großen Eindruck auf mich gemacht – ich habe da mehr und Klügeres rausgelesen, als da drin stand. Aber zurück zu den Kinderbüchern: Lesen hatte ich mir als 5-Jähriger selbst beigebracht – und als kleine Leseratte hatte ich in Kindertagen sehr viele Lieblingskinderbücher. Räuber Hotzenplotz wurde gelesen, Pippi Langstrumpf und ganz besonders wichtig war mir die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgerson mit den Wildgänsen. Das Buch hatte ich enorm geliebt, was auch daran lag, dass ich es von meiner großen Schwester bekam, kurz bevor sie aus dem Haus geprügelt wurde. Urmel aus dem Eis, stapelweise Enid Blyton usw. usf.

    Nun, nachdem das geklärt ist, stellt sich die Frage: Welche Bücher hat wohl Claus Christian als Kind gelesen? „Die großen deutschen Panzerschlachten 39-45“ oder „unser Kaiser Wilhelm„. Sowas, vermute ich.

    Dr. Dean

    17. Februar 2008 at 10:49

  8. Äh: Nicht „kurz nach“ dem Gymnasium, sondern „kurz vor“.

    Dr. Dean

    17. Februar 2008 at 10:50

  9. Lustig, das sind wieder echte Generationsbücher, die Kinderbücher, meine ich. Hotzenplotz, Pipi Langstrumpf, Die kleine Hexe, Das kleine Gespenst, Urmel, einfach großartig, öfföff, ab in die Mupfel – auch Enid Blyton, die Bücher habe ich verschlungen, ebenso die drei ???.

    Während andere Kids auf dem Sportplatz waren, habe ich mich in der Bibliothek verkrochen. Karl May habe ich aber auch viel gelesen, „Krabat“ von Preußler habe ich geliebt wie kaum was anderes. Hatte dann auch so ’ne richtige Fantasy-Phase, mit „Der kleine Hobbit“ und so, aber auch bei Goldmann, da gab’s ’ne Reihe mit so schwarzen Buchrücken, die mochte ich supergerne.

    Dann trat bei mir aber zum einen Sartre in mein Leben und hat das entscheidende Gleis gelegt, zum anderen habe ich mich aber eher mit Literatur und Lyrik beschäftigt, den Dichtern und Journalisten in Weimar, Kästner, Tucholsky, den Expressionisten und so, alles in der Oberstufe. Und auch meine Liedermacher und deren Texte waren da für mich immens wichtig. Die Fachbuch-Phase setzte dann eher mit dem Studium ein. Bis ich den Foucault-Schock überwunden hatte, sind fast 10 Jahre vergangen.

    Und Herr Malzahn wirkt eher, als habe er 68er-Lehrer gehabt und hätte sich geärgert, daß das Berufsverbot nicht tiefer griff …. wahrscheinlich mußte der immer Christa Wolf lesen und Plenzdorff, und alles aus der Reihe „Neue Frau“, „Wie vergewaltige ich einen Mann“, „Schattendmund“, „Ich schau in den Spiegel und seh meine Mutter“ und den „Tod des Märchenprinzen“ 🙂 …. und in den Deutschstunden mußte er BAP-Texte interpretieren, das gab’s bei uns auch ….

    momorulez

    17. Februar 2008 at 12:06

  10. Was Du immer für tiefenpsycholgische Analysen anführst – wahrscheinlich hat der Ärmste beim Ballen der Faust in der Tasche die Klöden erwischt, der folgende Krampf hat ihn dann völlig erledigt. So, jetzt brauch ich mal was Anspruchsvolles und hol mal die Mama Bücher aus dem Regal.

    balou

    17. Februar 2008 at 14:18

  11. Sorry – muss heißen: „Mama Muh“ Bücher – kann ich nur empfehlen.

    balou

    17. Februar 2008 at 14:19

  12. Das erste Buch, das ich gelesen habe war „Flipper“. Dann kamen natürlich die ganzen Otfried Preußlers, Meister Eder und sein Pumuckl, Enid Blyton und Astrid Lindgren, die drei ??? und Karl May, James Fennymore Cooper, Jack London, Die Schatzinsel und Jules Verne, außerdem jede Menge Comics, Asterix, Donald Duck, Fix und Foxi, Spirou, Gaston, Leutnant Blueberry, Umpah-Pah, was bei mir eine Liebe zum französischen Comic begründete, die bis heute anhält. Später las ich dann Franquin, Manara, Prado usw. Die eigentlichen Knderbücher gaben wir unter Gleichaltrigen nicht zu, weil das zu weich war für richtige Jungs. Als wir in der zweiten Klasse einen Zoo besuchten und die Lehrerin uns auf die Streichelwiese führte zum Kaninchen und ziegleich knuddeln, boykottierten wir Jungs das und fingen stattdessen ein Wettrennen mit dem Alphamännchen der Schimpansen entlang des Gehegegitters an, schließlich war Tarzan unser Vorbild. Wir machten damals auch Mutproben wie über den Zaun eines von einer Schäferhündin bewachten Geländes klettern, um zu testen, ob die wirklich scharf war (war sie nicht, im Gegenteil, die kuschelte mit uns) und auf einem Frachthof den Spielgefährten an Händen und Füßen auf eine Frachtpalette zu fesseln und auszupeitschen, wer schrie, hatte verloren – aber ich schweife ab.

    Sehr schnell kam bei mir wissenschaftliche Literatur hinzu, vor allem Paläontologie, Biologe, Geologie und Astronomie, mit 15 war ich bei Relativitätstheorie und Quantenphysik angekommen. Jede Woche las ich ein Perry-Rhodan- und Atlan-Heft, alles von Reinhold Messner, und Jaques Cousteau, die den Tarzan in seiner Vorbildfunktion ersetzt hatten. Dann kamen Erich Fromm und Alexander Mitscherlich sowie Wilhelm Reich. Mit 18 hatte ich dann eine esoterisch-gnostische Phase und las Bo Yin Ra und Baird Spalding sowie Elisabeth Haich´s „Einweihung“. m Abi-Alter kamen dann Charles Bukowski, Bommi Baumann, Daniel Cohn-Bendit, Petr Kropotkin und Peter O. Chotjewitz und Eckhard Siepmann sowie P.P.Zahl, , an der Uni dann Horkdorno, Arschinow, Volin, Emma Goldmann, Bakunin, Frantz Fanon, viel später Marx. Mit Begeisterung las ich Illuminatus! und überhaupt alles von Wilson, daran anknüpfend Eco und vom Erscheinen des ersten Bandes an Autonomie Neue Folge, außerdem Klaus Meschkat und Bahman Nirumand und Abdol Hossein Behrawan. Als die erste „Tempo“ erschien, waren meine Leib- und Magenblätter konkret, Titanic, Arbeiterkampf, Atom-Express, Subversion und Ästhetik&Kommunikation sowie Spektrum der Wissenschaft. Un die Anti-Gentech-Zeitschrift „E. Colibri“, Ingrid Strobl und die Antiimp-Postille „Al Karamah“. Ich erinnere mich an ein Plenum, wo tatsächlich überlegt wurde, Aktionen gegen „Tempo“ in der Tradition des Anti-Springer-Kampfs zu machen, weil dieses Blatt die Yuppiesierung fördere, wurde aber nichts draus, zum Glück hatte man bessere Themen. Natürlich las ich auch radikal, „Texte der RAF“, „Früchte des Zorns“ (von den RZ, nicht von Steinbeck) und gehörte zu den Verteilern der Clockwork 129a), das war aber nicht wirklich meine Welt. Ich lese bis heute auch englische und französische Underground- und „Asphaltliteratur“ z.B. Steward Home, kenne hingegen die klassischen deutschen Dichter nur kursorisch. Von denen habe ich Grimmelshausen, Lessing, Goethe, Schiller, Heine und Büchner sowie Freiligrath gelesen, könnte aber Eichendorff nicht von Celan, Claudius oder Rilke auseinanderhalten. Vom Gesamtwerk der Manns kenne ich nur den Untertan und den Zauberberg, dafür habe ich viel von Fontane und Hauptmann geschmökert. Als für mich auschlaggebendste politische Theoretiker würde ich Detlef Hartmann und Karl Heinz Roth bezeichnen.

    che2001

    17. Februar 2008 at 15:35

  13. @Che:

    Jetzt haste aber gleich alles verraten 😉 …. und sowas wie den Harten geben, weil man sonst als zu weich galt, das war komischerweise mein Problem nicht. In der Hinsicht habe ich wenig auf die Glocke bekommen, obwohl ich ganz klassisch sogar mit Freundinnen mit Barbiepuppen spielte 😉 … Big Jim, auch als „Winnetou“-Figur, fand ich aber auch scharf. Und, ja, Jungs, ich hatte sogar eine Wunderhaar-Barbie, da staunt ihr! Sowat Dolles war euch Opfern der Heteronormavität dann schlicht versperrt!

    Ja, Comics, klar. Favoriten waren bei mir Tim und Struppi, Asterix und Batman. Und Lucky Luke, und, noch’n Klischee, Prinz Eisenherz. Komische Kombi, eigentlich. Und bei Büchern immer schon Krimis. Die liebe ich einfach, und mein Weltbild ist nachhaltig von Agatha Christie bestimmt 🙂 … und natürlich von den „wasistwas“-Büchern, wie konnte ich die vergessen?

    Bei der TEMPO schreiben, das war damals für mich der Traum schlechthin, ich beichte. Und bei uns war eher die Spex Pflichtprogramm, seltsamerweise auch der Musik-Express. Und irgendwann auch wieder die BRAVO. Ansonsten hat man immer mal wieder in ID, The Face und so geguckt und fand das überragend, und Stadtzeitungen waren schon auch wichtig. Habe z.B. oft den Tip aus Berlin gekauft.

    Und gab’s in Göttingen in der einen Fußgängerzone nicht so einen schmalen Laden namens „Sonderbar“? Hieß die so? Sowas fand ich schick, obwohl meine Schwester mich immer mit in’s „Pink“ schleppte, das war mir aber eigentlich zu uncool.

    @Balou:

    “Mama Muh” Bücher? Nie gehört …. mein Lieblings-Stofftier war aber tatsächlich meine „Kuschelkuh“ aus dem Quelle-Katalog! Ein sehr ausdrucksstarkes Vieh! Deren Lieblingslied war „Tränen lügen nicht“, es gab sogar ein Kuschelkuh-Journal, und die hat uns so viel Spaß gemacht, daß mein Vater sich irgendwann auch noch eine zulegte 😉 …

    MomoRules

    17. Februar 2008 at 16:10

  14. Frühzeitig gealtert und das Beste nicht mit gekriegt?

    http://www.oetinger.de/buecher/figuren/mama-muh.html

    balou

    17. Februar 2008 at 16:34

  15. Die Sonderbar war Kult, da landete man nachts nach JUZI-Parties, Aufreißtouren oder Scherbendemos. Sie war vor allem auch Treff des politisch unkorrekten Teils der linken Szene. Ich war ja gerade in GÖ, aber ob es die S-Bar noch gibt weiß ich nicht, ich gestehe es zu meiner Schande ein.

    che2001

    17. Februar 2008 at 16:46

  16. @Balou:

    Scheint so – nie zuvor gehört von Mamma Mu 😦 …

    @Che:

    „Sie war vor allem auch Treff des politisch unkorrekten Teils der linken Szene“

    Deshalb mocht ich’s da wahrscheinlich 🙂 … das ist aber auch ziemlich genau 20 Jahre her, daß ich da war.

    momorulez

    17. Februar 2008 at 17:09

  17. Da fällt mir ein, dass ich euch ganz wesentliche Kinderbücher unterschlagen habe: Die Bücher von Edgar Allen Poe. Enorm wichtig für den 10-jährigen Dean waren aber auch zoologische Nachschlagewerke.

    (Falls jemals von den Rechtslibertären eine Untersuchung gestartet werden würde, welche Kinderbücher „linke Gesinnungen“ fördern würden: Hier werden Sie geholfen!)

    Dr. Dean

    17. Februar 2008 at 17:24

  18. @Momo: Big Jim? Ich hatte Action Tream, die waren viel cooler, ätsch!

    @Dean: Ich hatte ja frühzeitig das Bedürfnis, jede Banalität zu verwissenschaftlichen. Als im Fernsehen die zeichentricksderie „Die Biene Maja“ lief, ließ ich mir „Die sozialen Faltenwespen Mitteleuropas“ schenken, um das Thema von der ernsten Seite anzugehen 😉

    che2001

    17. Februar 2008 at 18:03

  19. @Dean:

    Poe fand ich tatsächlich auch super, allerdings die Verfimungen noch viel toller als die Erzählungen 😉 … wobei die mit dem Herz, das unter den Dielen schlägt, und das mit dem Fass Amantillado, da gingen ja schon Welten auf. Oder besser unter. Oder diese Geschichte mit dem Mahlstrom, die hatte ja schon einen gewissen Sog 🙂

    Und Brehms Tierleben habe ich auch geliebt, hatte auch so einen Bildband „Wunderwelt der Tiere“ oder so, da habe ich ständig drin rumgeblättert.

    Außerdem gab’s da diese seltsame Phase, wo ich alles über Papageien und andere exotische Vögel wissen wollte und sogar ständig über Vogel-Ausstellungen flanierte ….

    @Che:

    Action-Team fand ich Scheiße! Da war nix schön oder ästhetisch, alles nur funktional.

    Bei Big Jim hingegen, da ahnte ich irgendwas … und die Geschichte mit der „Biene Maja“ ist ja schrecklich! Der Mensch ist doch nur im Spiel ganz er selbst …. oder wenn er in einem russischen Landhaus hockt, über das Glück philosophiert und nach Moskau will, aber nicht hinzieht. Das hätte ich damals allerdings noch nicht verstanden, als ich von meinem Big Jim träumte, ohne es zu wissen 😉 …

    momorulez

    17. Februar 2008 at 18:45

  20. Action Team hatte echte Haare, Big Jim aus Kunststoff aufgespritzt. Neeneennee, die waren besser. Ganz großartig bei Poe finde ich „Grube und Pendel“, da und bei „aus der Teife“ von Walter de la Mare ist der spätere Lovecraft schon angelegt. Übrigens muss ich gestehen, etwas unterschliffen zu haben. Die ganze klassische Science-fiction von Asimov bis Lem und die ganze klassische Fantasy von Tolkien bis Gor gehörte bei mir natürlich auch dazu, das muss man ja gelesen haben.

    che2001

    17. Februar 2008 at 19:26

  21. Harmlos-konservative, die ich kenne, die haben in ihrer Kindheit Perry Rhodan verschlungen und dazu die „lustigen Taschenbücher“.

    (Sind wir der Quelle konservativer Meinungsbildung auf der Spur?)

    Dr. Dean

    17. Februar 2008 at 19:33

  22. Anyway, Herr Malzahn (nur echt mit zwei „c“ im Doppelvornamen) hat m.E. zu intensiv Davids Mädchenkritik gelesen, ohne dabei zu bedenken, dass dieses Projekt, ähnlich wie NSK, parodistische und ausgesprochen subversiv-ironische Züge hat, und besser garnicht erst ernst genommen werden sollte.

    Dr. Dean

    17. Februar 2008 at 19:39

  23. @Che:

    „Action Team hatte echte Haare“ -also, wenn Du das als „echte Haare“ betrachtest, möchte ich ja lieber nicht mehr über Dein sinnliches Erleben wissen 🙂 …. bei Big Jim konnte man sie sich VORSTELLEN, das war viel wichtiger, sozusagen als Vorstfe zum sinnlichen Erleben Und der Winnetou hatte abgesehen davon sogar lange Haare, nicht diese fiesen Stoppeln auf Plastik, die die vom Action-Team hatten.

    „Grube und Pendel“ habe ich damals auch gelesen, buuuuuh, das fand ich fies …

    @Dean:

    Die „lustigen Taschenbücher“ hatte ich allerdings auch …. Perry Rhodan fand ich furchtbar. Und ich glaube, den Konservativen prägt weniger, was er gelesen hat, sondern eher die Art, wie er glaubt, das wieder loswerden zu müssen und für „kindisch“ zu halten. Da hatte Adorno schon recht.

    Und daraus erklären sich wahrscheinlich diese eliminatorischen Hoffnungen des Herrn Malzahn, dieser autoritäre Gestus, dieses alles in einen Sack packen und raufhauen. Sowas wie „Sonnenallee“ macht dem wahrscheinlich Angst.

    momorulez

    17. Februar 2008 at 19:49

  24. Ja Momo, die Frage ist nicht allein, was man gelesen hat, sondern wie es biographisch verortet wird, in wie weit es zur Heranbildung eines Sinns für das Andere dient.

    lars

    17. Februar 2008 at 20:25

  25. Mich wundert ja dieser verletzt-aufgeregte Ton von Hr. Malzahn und die Länge seines Artikels. Wenn irgendwo in einem Provinzparlament eine depperte KPD-Parlamentärin – weitab jeglicher Einwirkung auf Exekutiventscheidungen – Stuss äußert, dann wiegt das in meinen Augen weitaus weniger als z.B. die vieldutzendfachen Verbalausrutscher von Schäuble.

    Da hat er einmal zwar auch was gesagt, durchaus Sinnvolles, aber seine große Aufgeregtheit und Ergriffenheit, die ihn wegen ´ner blöden KPD-Kuh anfällt, die wirkt auf mich, als ob er sich in diesem Fall persönlich betroffen fühlt.

    Ich kanns nicht verstehen. Und so jemand leitet die Politikredaktion vom Spiegel.

    Dr. Dean

    17. Februar 2008 at 21:38

  26. Zum einen liegt das wohl am Beruf des Journalisten, der aseine Geschichte dramatisieren muss, zum anderen aber scheint die (vorläufige) Etablierung der Linke tatsächlich so etwas wie eine Bedrohung der sich als bürgerlich verstehenden Linken zu sein.

    lars

    17. Februar 2008 at 21:48

  27. Ja, kann sein, so ist das wohl. Zu schnell mobilisierbaren alten Feindbildern kommt der große Frust über die Aussichtslosigkeit des schwarzgelben Projektes. Da trifft man politische Verabredungen mit BILD und FAZ, reitet Kampagnen, hat „endlich“ die Feindschaft mit Focus überwunden usw. usf. – und die deutsche Bevölkerung weigert sich beharrlich, nach rechts zu marschieren. Das könnte bei ihm Verzweiflungsgefühle auslösen.

    Und in diesem Rahmen spielt eine KPD-Kuh der Linken in einem Landesparlament für ihn eine größere Rolle als ein skandalöser Innenminister. Außerdem ist es ein cheap shot.

    (Das kann er gut brauchen, denn nach der Frühverrentung von Preuß ist Malzahns Stellung in der Brandtwiete schwieriger geworden.)

    Dr. Dean

    17. Februar 2008 at 22:13

  28. Na ja, für Leitungsaufgaben auch in journalistischen Fällen muß man ja selbst weder was können noch wissen, man muß eigentlich nur die richtigen Qualifikationen bündeln und die eigenen Defizite kompensieren können. Ich kenn mich da aus 😉 …

    Das hat er wohl diesmal vergessen, daß das reicht, und dachte, er muß jetzt auch mal. Und dann soll man ja Themen setzen, also nicht nur über Frau Dingens aus Hannover sich amüsieren, sondern das Ganze zum Trend aufblasen, um bei Platzhirschereien ggf. Terrain abgesteckt zu haben im Spiel des „wer verurteilt heute wen?“ – röhr!

    Wie Tante Schirrmacher ja auch im Falle des Koch-Wahlkampfes den Lacher mit der Inländerfeindlichkeit aufbereitet hat. Und in beiden Fällen greift man dann in die Mottenkiste – meistens sind das dann Themen, die irgendwann in den 50ern ooder 60ern mal diskutiert wurden und die verlängert werden wie andere, kalte Suppe auch. Typisch Provinz halt.

    Aber die „Leitartikel“-Kultur ist eben auch ’ne Leidkultur, sach ich mal. Die von diLorenzo neigen ja auch zum logisch-sprachlichen Desaster in ihrer aufgeblasenen Trutschigkeit, und als Blattmacher hat der schon so ein Try & Error, so ein Austarieren drauf, das gar nicht nur übel ist.

    Was aber bei SpOn auch nicht der Fall ist, da zieht man halt alles in den Dreck und überzieht wahlweise mit Empörungs- ooder zwanghaftem „Ich mach mich jetzt lustig!“-Gestus. Dreck mit Sauce, sozusagen.

    momorulez

    17. Februar 2008 at 22:16

  29. Ach Leute, der kann doch der Frau Mahlzahn, dem großen Drachen der Weisheit, nicht das Wasser, oder wie es hier heißen müsste, Feuer reichen 😉

    che2001

    17. Februar 2008 at 23:32

  30. Ja, aber er bietet immerhin einen Sonntag-Nachmittag lang ein Gesprächsthema 😉 …

    momorulez

    17. Februar 2008 at 23:49

  31. Ich sage da nur: Puppenkiste live…auch wenn da nie Urmel oder Jim Knopf oder die4 Katze mit Hut aufgeführt wurde…

    lars

    17. Februar 2008 at 23:51

  32. Was habe ich davon geträumt als Kind, einmal diese Plastikfolien, die Meer und Mehr zugleich waren, live zu sehen … das ist wie mit den Haaren von Big Jim, dieses Plastikfolien-Meer!

    Öch woiß nöch, wös söll es bedoiten …. Ö rösörötö Wölke Wötz!

    momorulez

    18. Februar 2008 at 0:05

  33. Dann versuchts doch mal mit rückwärts-Psychologisierung:

    Was hat der durchschnittliche Liberale in Kindheit und Jugend gelesen um so verdorben zu werden ;)?

    googlehupf

    18. Februar 2008 at 0:27

  34. Vermutlich hat er deklassierte Klassenkameraden dafür bezahlt, für ihn zu lesen, weil er aus reichem Hause kam und sich die Klassenarbeiten schreiben ließ 😉 …

    momorulez

    18. Februar 2008 at 8:04

  35. Ja, aber der Witz war natürlich auch: Man geht da als Kind hin, und dann wird da der Froschkönig gespielt anstatt Urmel. Und dann war die Bühne, das Plastikme(e)(h)r auch immer etwas kleiner, ferner…

    lars

    18. Februar 2008 at 9:23

  36. @googlehupf
    Als Hardcore-Linksliberaler habbichs mehr mit Beobachten, an Stelle des Unterstellens oder ideologisch angenehmer Spekulation. * U.a. daraus erwächst auch das Misstrauen gegenüber dem eigentlich theologischen Wunschtraum einer universalen, jegliche Probleme lösenden „unsichtbaren Hand“. Einfach: Weil die Wirklichkeit komplexer ist, wenn man sie genau beobachtet, als dass man sie auf derart simple Formlen bringen köönte.

    Von den wenigen linksliberalen Dogmen ist der Vorrang der Beobachtung vor der Spekualtion eines der wenigen, die eigentlich unverrückbar sind. Das heißt: Ich kann Dir Deine Frage nicht beantworten – bin aber neugierig, ob da noch Einblicke bzw. Antworten auf Deine Frage kommen.

    Würde ich mich einer wilden Spekulation hingeben, würde ich vermuten, dass das mitfühlende Interesse für Tiere mit sozial fortschrittlicher Gesinnung korrelliert. Wenn das stimmt, dann gibt es in den Kinderstuben eines rechtslibertären Bloghausen tendenziell weniger Tierbücher. Je sozialdarwinistischer jemand argumentiert, umso weniger. Ich würde außerdem vermuten, dass die Rechtslibertären, als sie noch Kinder und Jugendliche waren, etwas häufiger sich für Technikkrams interessiert haben. Ansonsten habe ich aber – und das hier war schon ziemlich wild – null Idee. Da müssten die mitlesenden Herrschaften schon selber antworten.

    * Anmerkung: (typisch rechts wäre es in diesem Zusammenhang beipielsweise, „die“ Linken – ausgerechnet – als eine generalisierbare einheitliche Strömung anzusehen, wo man unterschiedslos „die“ 68er, die RAF und typische 80er-Jahre-Millieus in einen Sack tun kann – ähnlich wie Aly – um darauf besinnungslos und differenzierungsarm verbal herumzuknüppeln – an Stelle präziser differenzierender Beobachtung ist die ideologische Distinktion getreten)

    Dr. Dean

    18. Februar 2008 at 10:56

  37. @Dean:

    „Von den wenigen linksliberalen Dogmen ist der Vorrang der Beobachtung vor der Spekualtion eines der wenigen, die eigentlich unverrückbar sind. “

    Um mal von links zu ergänzen: Da ist die Teilnehmerperspektive nicht minder konstitutiv für alles, was man denkt, wie eben auch die Beobachtung. Ein Unterschied um’s Ganze.

    momorulez

    18. Februar 2008 at 11:10

  38. Das, was Aly da vertritt, ist sozusagen die bürgerliche, marxentkernte Variante der antideutschen Standardposition. Ich denke schon, dass das weniger Alys nur persönliche Auffassung als vielmehr Linie bei der Reemtsma-Stiftung ist.

    che2001

    18. Februar 2008 at 11:18

  39. @ Che
    Ich glaube eher, dass sich in diesem lausigen Machwerk, in dem K-Gruppen systematisch mit 68 verwechselt werden, die reine, pure Auffassung von Aly niederschlägt, dazu sein wie auch immer konstituierter Hass auf „die“ Linken sowie der Frust – so vermute ich es inzwischen tatsächlich – über seine prekäre Privatgelehrnteexistenz. Zudem ist das, was er betreibt, eine wohlfeile Marktlücke. Aber was es auch immer sein mag, die Reemtsma-Stiftung ist insgesamt nicht so hinterwäldlerisch reaktionär wie Aly. Er steht für sich selbst.

    Dr. Dean

    18. Februar 2008 at 11:53

  40. @Marktlücke: Deswegen ist konkret ja immer abwechselnd antideutsch und antiimperialistisch, weil Gremliza 2 verschiedene Kundenkreise bedient 😉

    che2001

    18. Februar 2008 at 11:58

  41. Die konkret hat Kunden?

    Dr. Dean

    18. Februar 2008 at 12:57

  42. Für mein politisches Spektrum ist die konkret ein Leitmedium, „große“ Presse sozusagen. Und dass die inhaltliche Ausrichtung der in ihr vertretenen Beiträge bzw.das Verteilungsverhältnis antideutsch-antiimperialistisch und antiislamistisch-antirassistisch nichts Anderes ist als punktgenaues Zielgruppenmarketing habe ich aus linken Buchhändlerkreisen.

    che2001

    18. Februar 2008 at 13:50

  43. Nach dem Begriff „Leidkultur“ ist hier zumindest „Leidmedium“ fällig.

    Ich hielt es immer für möglich, dass derart a) schlecht geschriebene und b) schlecht analysierende politische Artikel, inklusive der Heftung, ihren wirren Daseinszweck eigentlich nur daraus beziehen, dass deren Autoren und Macher mit bestimmten Organen unseres Staates eng kooperieren. So kann die linksextremistische Szene (zu deren Fans ich nicht gehöre) gleichzeitig radikalisiert, marginalisiert, unterwandert und gespalten werden. Schreiben eigentlich Thomas Uwer, Justus und Ralf Schröder auch in der konkret? Ich weiß es nicht genau, schließlich lese ich deren Dreck nur ungern, aber wegen dem sogenannten Daseinszweck habe ich da ganz konkrete Erwartungen. Es würde an ein Wunder grenzen, wenn diese Knaben nicht dabei wären.

    Womit zur konkret eigentlich auch alles gesagt ist.

    Dr. Dean

    18. Februar 2008 at 15:09

  44. […] Alles nur ein Versehen – Britney Dingsbums vergisst zu bezahlen … und ansonsten empfehle ich einfach mehr Gelassenheit, wie wär’s mit ner Runde Augsburger Puppenkiste? […]

  45. Ja siehste Dean, und ich bin ja der Meinung, dass, wenn man den Unsinn von Thomas Uwer oder Thomas von der Osten-Sacken weglässt oder nur liest, weil man sich ärgern will und sich auf Oliver Tolmein, Georg Fülberth, Peter O. Chotjewitz., „Hier konkret!“, Grmelizas Kolumne und Gremlizas Express beschränkt, eines der scharfzüngigsten, bestgeschriebenen und manchmal sogar informativsten Magazine deutscher Sprache hat. Auch wenn es sehr schade ist, dass es die Kolumnen und Literaturkritiken der wunderbaren Christel Dormagen dort nicht mehr gibt und Peggy Parnass und Thomas Ebermann dort gleichermaßen verschwunden sind.

    @“So kann die linksextremistische Szene (zu deren Fans ich nicht gehöre) gleichzeitig radikalisiert, marginalisiert, unterwandert und gespalten werden.“ — gelle, mit Streitkultur hastes nicht so, da nimmt man lieber Verschwörungstheorie.

    che2001

    18. Februar 2008 at 18:01

  46. @”So kann die linksextremistische Szene (zu deren Fans ich nicht gehöre) gleichzeitig radikalisiert, marginalisiert, unterwandert und gespalten werden.” — gelle, mit Streitkultur hastes nicht so, da nimmt man lieber Verschwörungstheorie.

    Was ich angesprochen habe, bitte ich so zu verstehen, ganz genau so, wie ich es formuliert habe – als Möglichkeit. Eine andere, keineswegs unwahrscheinliche Möglichkeit besteht darin, dass in den angesprochenen Szenen derart viele Hirntote wandeln, dass eine Unterwanderung (die übrigens: garnicht als Verschwörung bezeichnet werden kann) absolut nicht nötig ist, um eben genau das zu bewirken, was die Zeitschrift „konkret“ ganz konkret, Monat für Monat bewirkt: Sie – und ein erheblicher Teil ihrer Autoren – tragen dazu bei, dass die intellektuelle Kraft des Linksextremismus kaum mehr messbar ist, und dass die linksextremistische Szene, die sich absurder Weise u.a. an konkret orientiert,
    a) radikalisiert
    b) gesellschaftlich marginalisiert
    c) unterwandert und
    d) gespalten wird.

    a) bis d) sind nun einmal Fakt – ich wüsste keinen Weg, wie man zu einer anderen Analyse gelangt. Eine andere Frage ist es, welches Ausmaß und Zielsetzung die angesprochene Unterwanderung hat. Wie gesagt: Es besteht in Anbetracht der hohen Frequenz von Hirntoten allemal genügend Möglichkeit dafür, dass Linksextremisten (eben auch: weil sie Extremisten sind) von ganz alleine für a) bis d) sorgen.

    Ich gebe allerdings zu bedenken: Für den deutschen Staats- und Verfassungsschutz sowie befreundete Organe waren die Ergeignisse von 1967ff ein echter Schocker. Da hat sich innerhalb weniger Jahre eine Gefahr entwickelt, die erstens ganz real war und zweitens – hier ist der Terrorismus nicht gemeint – den Kontrollfreaks derartiger Organe nicht duldbar erschien, zumal in Hinblick auf die reale gesellschaftliche Wucht, die letztlich zwar nur reformerische Wirkung hatte, nichtsdestotrotz eben sehr groß war. Die Methoden zur künftigen Eindämmung derartiger Entwicklungen mussten naturgemäß im Vorgeld linksextremistischer Gruppen angesiedelt werden. Und dass diese Dienste, ich behaupte: systemimmanent, dabei obstruktive Techniken nicht scheuten, ist an vielen anderen Beispielen längst erwiesen.

    Was wiederum nichts darüber sagt, in welchen Ausmaß dies zur Geltung kommt, und ob – wie ich es und andere seheh – die antideutsche Bewegung zu beachtlichen Teilen Erscheinungsmerkmal ebendieser Prozesse und Gefechtslage darstellt. Ich habe allerdings Beweise dafür, dass unterer Aktivistenchargen der Antideutschen von einem bestimmten Umfeld für ihre obstruktiven Aktivitäten finanziert werden – und ich würde mich daher sehr wundern, wenn der dabei sichtbare Arbeitsansatz etwas nur Einmaliges darstellen sollte, mit keinerlei Versuchen verbunden wäre (ähnlich übrigens und auch längst erwiesen: bei der NPD), extremistische Gruppen zu steuern.

    Und als nützliche Deppen des Linksextremismus bieten sich die Antideutschen dafür ohnehin an.

    Che, Du soltlest allerdings nicht vergessen, dass ich echte Beweise an der Hand habe. Über deren Bedeutung und Einordnung kann man streiten. Aber ein Mann z.B. wie Ingo Way, um einen weiteren Namen zu nennen, den muss und kann man „finanziert“ nennen.

    (wobei wir hier lustiger Weise die fdogs streifen und auch die Welt des Ralf Schröder)

    Wie würdest Du solche Beweise werten, Che? Glaubst Du wirklich, dass diese Organe im Fall des Linksextremismus mit deutich geringerer Intensität arbeiten und mit anders gearteten Strategien als im Fall der NPD?

    Ich glaube das nicht.

    Dr. Dean

    18. Februar 2008 at 19:28

  47. Ich würde zwar konkret, wobei ich mich selber linksextrem verorte, noch nicht mal durch die Bank als linksextrem bezeichnen, sondern eher als so eine Art Feuilletonblatt für salonlinke Akademiker. Noch in den 80ern las das auch der durchschnittliche Juso. Dass CIA, Secret Service usw. in großem Stil Medien und Gruppen infiltrieren kann als gesichert angesehen werden, darüber berichtete sogar schon mal der HR. Ich habe meinerseits echte Beweise dafür, dass Huntington auf der Gehaltsliste des Pentagon steht. Doch hat dies nichts mit der Redaktion von konkret zu tun.

    che2001

    18. Februar 2008 at 19:45

  48. Ich bin auch finanziert!

    momorulez

    18. Februar 2008 at 20:09

  49. There is plenty of gold, so I´ve been told at the Hessische Landeszentralbank.

    che2001

    18. Februar 2008 at 22:05

  50. Ich bin sogar richtig durch’s Großkapital finanziert!

    momorulez

    18. Februar 2008 at 22:12

  51. […] SPD des Bloggers Neumann ist ebenso Architekt dieses Zentraleregisters für unsere Kinder, das sich Frau Malzahn nicht besser hätte ausdenken können und das engagierte Schulleiter und Lehrer zwingt rechtlose […]

  52. Ich bin nur Mittelstand… das ist gemein! Niemand will sich mit mir verschwören, die einzige Verschwörung, die es bei uns gibt, ist ein Meineid, für den man sich mit „man wird sich doch noch mal verschwören dürfen“ entschuldigt.

    che2001

    18. Februar 2008 at 22:34

  53. Linkssaloniken dürfen schwören und verschwören.

    Dr. Dean

    18. Februar 2008 at 22:52


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