shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Eine Schlammschlacht erreicht die Wissenschaft

with 40 comments

Der Bielefelder Soziologe Wilhelm Heitmeyer hat nun „Islamophobie“ unter die Äußerungsformen menschenverachtender gesellschaftlicher Pathologien aufgenommen. Wie ich aus wirklich sehr gut unterrichteten Kreisen weiß, kriegt man in gewissen antideutschen Kreisen bereits hektische Flecken 😉

http://www.handelsblatt.com/News/Journal/Vermischtes/_pv/_p/204493/_t/ft/_b/1390369/default.aspx/wissenschaftler-erklaeren-kritik-zur-krankheit.html

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Written by che2001

20. Februar 2008 um 8:44

40 Antworten

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  1. Früher oder später musste es so kommen … Was mich am Begriff „Islamophob“ so stört, ist, dass er eine Haltung, die rassistisch / kulturalistisch sein kann (und in der Regel auch ist), abe nicht muss, pathologisiert. „Islamophob“ läßt keine Differenzierunge zu – wer Angst vor dem Islam hat, und ihn deshalb ablehnt, ist eben krank, gestört usw.. Umgekehrt kann der Begriff, weil er keine Differenzierung zuläßt, auch von fanatischen Muslimfressern a la „P.I.“ „umgedreht“ werden. „Islamophobie“ als „natürliche“ Abwehrreaktion auf die islamische Gefahr, etwa so, wie Fieber eine Abwehrreaktion auf eine akute Infektion ist. Oder Niesen auf eine Reizung der Nasenschleimhäute.

    Vielleicht wäre „antiislamisch“ eine Alternative. Dieser Begriff würde auch eine Differenzierung zu „Antiislamistisch“ erlauben, denn antiislamistisch kann man sein, ohne den Islam als Religion / Tradition zu veranscheuen.

    MartinM

    20. Februar 2008 at 10:47

  2. Ja, nur finde ich die Sichtweise des Handelsblatts bemerkenswert, die sich argumentatorisch schon mit den Mustern der Antideutschen deckt. Ich bin nun wahrhaftig kein Freund von Heitmeyer und nicht der Auffassung, jede menschenverachtende Haltung zwingend pathologisieren zu müssen (was mich dann allerdings in Distanz zu den „Elementen des Antisemitismus“ bringen müsste, die ich eigentlich ganz gut finde). Aber hier wird von Vornherein die Möglichkeit ausgeschlossen, dass systematischer Antiislamismus zu den faschistoiden,rassistischen Ideologemen gehören könnte und, wie das gewisse Leute mit Nela Kelek und Ayaan Hirsi Magan ja auch gemacht haben, mit der Verfolgungsposition von Konvertiten aus dem Islam gegen den Islam als Solchen argumentiert und dabei die Tatsache, dass es Heitmeier um Rassismus von Deutschen gegen Migranten geht völlig ausgeklammert. Das einzige Problem, das übrigbleibt, ist die Intoleranz des Islam. Diese Diskursstrategie ist nichts Anderes als Gehirnwäsche.

    che2001

    20. Februar 2008 at 11:25

  3. Wenn ich Dich richtig verstehe, ist auch der „Handelblatt“-Artikel Bestandteil der Schlammschlacht. Bitte verstehe meine Kritik am pathologisierende Begriff „Islamophobie“ nicht in dem Sinne, dass ich mir den sehr eindimensionalen, eben nicht differenzierende, Artikel zueigen mache.

    MartinM

    20. Februar 2008 at 12:05

  4. Das ist eine neue Dimension: Die Schlammschlacht erreicht nicht nur die Wissenschaft, sondern hat vorher schon das Handelsblatt erreicht. Danke für den Hinweis;-)

    che2001

    20. Februar 2008 at 12:14

  5. Ist der Mann nicht Soziologe statt Psychologe? *korinthenkack*

    googlehupf

    20. Februar 2008 at 16:14

  6. Habe die Korinthe geschluckt, guckstu oben!

    che2001

    20. Februar 2008 at 16:27

  7. Ha! Endlich hab‘ ich auch mal Recht auf dem Blog hier. 😉

    googlehupf

    20. Februar 2008 at 16:52

  8. Das macht Dich hupfen?

    che2001

    20. Februar 2008 at 16:56

  9. Die Konzepte von Heitmeyer sind aber vom Design her stark an der sozialpsychologischen Einstellungsmessung orientiert, und einige der regelmäßig veröffentlichten Co-Autoren in den „Deutschen Zuständen“ sind von der Ausbildung her auch Sozialpsychologen.

    lars

    20. Februar 2008 at 18:37

  10. Im Grunde ist das die Weiterentwicklung von Adornos und Levinsons F-Skala.

    che2001

    20. Februar 2008 at 18:51

  11. Ja. Im Prinzip schon, aber der Adorno hatte wenigstens noch eine qualitative Analyse dabei.

    lars

    20. Februar 2008 at 19:06

  12. @MartinM
    Differenzierung ist immer eine gute Empfehlung. „Antiislamisch” sind aber die wenigsten islamophoben Äußerungen, dazu fehlt mesit schon jede Kenntnis „des“ Islam. Die „Diskussionen“ um Islamisten sind durchtränkt von Angst und Projektionen. Das ist z.T. durchaus pathologisch, aber auch simple irrationale Ängste werden durchaus mit Recht als „phobisch“ bezeichnet.

    flatter

    21. Februar 2008 at 0:32

  13. …. dannn muß man aber schon auch die Wut, den Haß, die programmatische Entmenschlichung etc. in das“-phob“ irgendwie mit hineindenken.

    momorulez

    21. Februar 2008 at 7:40

  14. Diese Schlammschlacht hat sich aus dem Web2.0 in die akademischen Kreise erhoben – zu Recht. Denn sobald ein Großteil der Bevölkerung derart panisch auf all das reagiert, was „islam“ im Titel hat, wird es soziologisch relevant.

    Was soll man denn noch groß dazu sagen? In jedem Forum wird hemmungslos die islamistische Gefahr beschworen, in zahllosen Blogs wird die Islamisierung der westlichen Welt prophezeit. Antiislamismus ist der falsche Begriff – Islamophobie passt. Es passt perfekt auf die herrschenden Zustände, und es passt perfekt auf den herrschenden Zeitgeist. Meiner Meinung hätte der Herr Heitmeyer, der zuweilen ja auch fragwürdige Einfällt hat, keinen gelungeneren Terminus finden können, der den Nagel derart heftig auf den Kopf trifft. Manch einem sollte es eine Mahnung sein, wie es theolounge in seinem Blog andenkt. Ich hoffe nur, dass politisch vorgegangen wird gegen die wachsende Islamophobie. Bildung statt BIld – wäre die Devise. Wobei man auch das Handelsblatt oder die Welt statt der Bild einsetzen könnte. Da lobe ich mir doch die ausgewogene Berichterstattung der Zeit

    derfototim

    21. Februar 2008 at 9:17

  15. Das eigentliche Problem ist doch, daß Heitmeyer von absolut zulässigen, kritischen Bewertungen der Religion des Islam auf Islamophobie schließt. In dieser Form definiert ist nicht PI islamophob, sondern jeder, der ein paar Einwände gegen radikalen Islam hat.

    Das läuft, wenn man es so macht, tatsächlich auf ein Kritikverbot hinaus: Willst Du nicht als islamophob gelten, dann schweige lieber. Da könnte Heitmeyer auch bei 2/3 der Bevölkerung eine ausgeprägte Katholophobie diagnostizieren, und hier im Blog würde es vor Hayekophoben nur so wimmeln.

    statler

    21. Februar 2008 at 9:44

  16. Das ist zwar richtig, ich gebe allerdings zu bedenken, dass nachzuprüfen wäre, ob Heitmeyer denn die Zuordnung „islamophob“ tatsächlich so verkürzt vornimmt wie in dem Artikel angegeben. Ich glaube keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe.

    che2001

    21. Februar 2008 at 10:06

  17. @Statler:

    Na, da setzt Du aber wie so oft eine Symetrie voraus, die es so nicht. Es gibt nun mal sowas wie Dominanzkulturen, Hegemonien etc, das kann man hier nicht einfach ausklammern.

    „Bei seinen Umfragen ordnet er einen Menschen bereits als islamophob ein, wenn er dem Satz „Der Islam hat eine bewundernswerte Kultur hervorgebracht“ nicht zustimmt oder sein Kind nicht von einer Muslimin mit Kopftuch unterrichten lassen will.“

    Die Behauptung des kulturellen Gefälles anderen „Kulturkreisen“ gegenüber wie die gleiche Vorstellung aus der Perspektive der Mehrheitsgesellschaft gegenüber Minderheiten formuliert IST in Deutschland konstitutiv für rechte Diskurse.

    Und die Kopftuchfrage ist zu differenzieren in die Frage nach islamistischem Symbol, was ich als pauschale Aussage als anmaßend, und eben in Lebensformen verortete Kritik, was ich als unzulässig empfinde.

    Ich finde, daß man auch zu akzeptieren hat, wenn eine Nonne, ein Transvestit oder eine Frau im Minirock Kinder unterrichtet. Und wer da rumwettert, erhebt seine eigene Lebensformvorstellung zum normativen Kriterium, und auch das ist ein Kennzeichen rechter Gesinnung.

    Dieser Friedman-Trick, Rassismus, Kulturalismus etc. zur Geschmacksfrage zu erheben, klappt nicht immer …

    momorulez

    21. Februar 2008 at 10:13

  18. @Kopftuch: Ist die Lüneburger Heide eigentlich Teil des Nahen Ostens? Wenn ich da Spargel kaufen fahre, laufen die meisten Bäuerinnen mit Kopftuch rum. Als ich Kind war, taten das fast alle alten Frauen, die sozial unterhalb der Mittelschicht waren. Sind das, Ogottogott,nein, Inschallah alhamdulillah, die verborgenen muslimischen Wurzeln Norddeutschlands? 🙂

    che2001

    21. Februar 2008 at 10:58

  19. Die gibt und gab es aber in jeder ländlichen Gegend, auch in Bayern und Schwaben.

    Zu Heitemyer: Nach eineigem rumsuchen scheint es, dass Islamophobie über eine Skala mit 2 items gemessen wird:

    Bis 2004 lauteten diese::

    „Die Muslime in Deutschland sollten das Recht haben, nach ihren eigenen Glaubensgeset-zen zu leben.“

    und

    „Es ist allein Sache der Muslime, wenn sie über Lautsprecher zum Gebet aufrufen.“

    Seit 2004 werden folgende items verwendet:

    „Durch die vielen Muslime hier fühle ich mich manchmal wie ein Fremder im eigenen Land.“

    „Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden.“

    Andere items lassen sich zumindestens in der jüngsten Ausgabe der „Deutschen Zustände“ und im Netz nicht finden.

    Quellen:
    Heitmeyer, W. ( 2007): Deutsche Zuständ: Folge 5, Frankfurt/Main: Suhrkamp, S. 26/27.

    http://www.berlin.de/imperia/md/content/lb-lkbgg/bfg/nummer20/03_heitmeyer.pdf

    lars

    21. Februar 2008 at 11:29

  20. Sieht aus nach „Verdacht bestätigt“.

    che2001

    21. Februar 2008 at 12:18

  21. Auf die Items trifft Statlers Einwand auch nicht zu, oder?

    momorulez

    21. Februar 2008 at 12:22

  22. Aber es geht Heitmeyer doch nicht darum, gemäßigt Religionskritik abzudecken – die m.E. jedoch bereits unsinnig wäre, da jeder Gläubige anders mir seiner Religion umgeht. Er weist nur völlig zu Recht auf das Problem der generalisierenden Panikmache hin. Und wer sich einmal in entsprechenden communitys umhört, weiß, dass dieses Problem existiert.

    derfototim

    21. Februar 2008 at 12:42

  23. […] liefern dann und wann mal einen politisch verwurstbaren Beitrag, sind aber im politischen Tagesgeschäft nicht auf der Jagd nach dem neuesten Skandal, dem neuesten […]

  24. Wie heilt oder behandelt man die denn?
    Strukturell? Mehr Moscheen in Neubrandenburg?
    Individuell? Du seit mein Chef Türke ist, hab ich mich an Lamm voll gewöhnt.

    oder medikamentös?

    ring2

    21. Februar 2008 at 13:35

  25. Hmmm, okay. Die Presse und ich, wir hatten da wohl noch die Items im Hinterkopf, die bis 2004 abgefragt wurden.

    statler

    21. Februar 2008 at 14:16

  26. @Ring2:

    Vielleicht einfach mal Entwicklungen passieren lassen? Das beste Mittel gegen Phobien ist zum einen Desensibilsierung, was nix anderes heißt als „Gewöhnung an“, und ein Sich-Einlassen auf Erfahrungen statt auf „Vorstellungen von“.

    @derfototim:

    Ja.

    momorulez

    21. Februar 2008 at 14:29

  27. Das Problem an den Heitmeyer-Studien ist, dass diese – methodisch – den Befragten vorformulierte Ansichten in den Mund legen, um anschließend, m.E. überzogen, dann den Befund einer weit verbreiteten Islamphobie zu verkünden.

    Ich werfe Heitmeyer und seinem Team einen Mangel an Seriosität vor. Bei der Diskussion der „Ergebnisse“ fehlt es in beinahe jeglicher Hinsicht an sozialwissenschaftlicher Präzisison und Vorsicht.

    Mit anderen Worten: So sehr sich Heitmeyer in vielen Angelegenheiten verdient macht, es drängt sich der Eindruck auf, dass er & sein Team systematisch versuchen, soziologische Befunde zu dramatisieren.

    Mit diesem unzureichenden Set an Fragen lässt sich nicht auf eine ernsthafte und diskussionswürdige Weise Islamphobie messen. Man misst vielmehr das, was man den Befragten in den Mund gelegt hat – und räumt diesen nicht einmal (!) die Möglichkeit zur Enthaltung ein.

    Das ist unseriös. Ein Soziologe, der so arbeitet, gehört für seine Methodik verdammt.

    Dr. Dean

    21. Februar 2008 at 18:26

  28. Der Vorwurf der Hayekophobie sticht.

    Dr. Dean

    21. Februar 2008 at 18:28

  29. @Dean: Ja, hm. Ich finde die items auch recht mager. Wie gesagt, Heitmeyer macht den Fehler, vor allem sozialpsychologische Einstellungsmessungen vorzunehmen. Und was er ja eigentlich messen möchte ist ein Einstellungssyndrom. was er Gruppenbezogene Menschenfeindlchkeit nennt. Da hat er einfach ein Komplexitätsproblem. Der Zusammenhang, den er abgreifen möcht. der wäre ja an sich schon interessant. Aber da stößt einfach ein standardisierter Fragebogen an seine Grenze. Ganz banal, wenn man 10 Variablen erheben möchte, dann kannst Du nur je 2-3 items aufführen. Ansonsten macht Dir keiner mehr mit. Das lässt dann keine Differenzierungen mehr zu. Oder Du müsstest ein ganz augeklügeltes Matchingverfahren für riesige Stichproben anwenden, die dann je immer nur zwei oder drei Variablen mit 7 oder 8 items abgreifen, und die Du dann später miteinander korrelieren könntest. Aber das bezahlt Dir ja niemand. Dann bräuchtest Du sicherlich Stichproben, die in die zehntausende gingen.

    Und da hast Du dann schon recht, soweit ich weiß arbeitet der Heitmeyer überhuapt nicht mit offenen Fragen. Oder mit qualitativen Zusatzverfahren wie Gruppendiskussionen oder Leitfadeninterviews, mit denen man eine Kontrollvalidierung durchführen könnte. Die Bücher sind ja auch zumeist dahingehend aufrgebaut, dass zuerst ein kleienr theortische teil zum Konstrukt und zur Lage der Nation kommt, dann kommen einige statistische Auswertungen und zum Schluß meistens noch Interviews mit idealtypischen Einzelfällen, die zumeist auch iregndwelche Experten sind und dann in der ZEIT veröffentlicht werden. genau das ist es, was Du als Dramatisierung und Che mal so schön die Heitmeyerisierung und Leggewiesierung der Wozialwissenschaften nannte. Da its aber ebenso der ZEIT anzulasten, die ja als erstes Veröffentlichungsorgan der Heitmeyer’schen Analysen dient.

    Das ist aber auch ein wirkliches sozialtheoretisches Problem. Der heitmeyer ist im Prinzip bei der Durkheimschen Anomiethese stecken geblieben, die ja einen Zerfall der Gesellschaft an eine schwindende Bindung der Moral knüpfte, wobei er da im Prinzip Moral = Gesellschaft = Zwangscharakter positiv identifiziert. Daher auch diese Tendenz zum Konservativismus in den Analysen: Die Gesellschaft fliegt gleich in die Luft und dann herrscht pure Anomie.

    lars

    21. Februar 2008 at 19:43

  30. Der Vorwurf, den Dr. Dean gegenüber der heitmeyerschen Studie macht, nämlich, dass aufgrund eines recht kleines Sets an Fragen, über deren Aussagewert man geteilter Meinung sein kann, trift m. E. auf sehr viele „aufsehenerregenden“ Studien der letzten Jahre zu.
    Als drastisches Beispiel greife ich mal den von der Bertelsmann-Stiftung in Auftrag gegebenen „Religionsmonitor“ hinaus – hierzu in meinem Blog: http://martinm.twoday.net/stories/4548622/
    Es ist nicht ganz leicht, die Fragen so zu beantworten, dass man am Ende „nicht religiös“ ist. Hinzu kommt ein sprachlicher Trick: In der Studie werden für die Religiosität der Befragten drei Gruppen unterschieden: „Nicht religiös“ – „religiös“ – „hoch religiös“ – und nicht, wie üblich: „Nicht religiös“ – „religiös indifferent/unentschieden“ – „religiös“.
    Deshalb ist das als sensationelle neue Erkenntnis verkaufte Ergebnis, das außerdem ganz im Sinne des Auftraggebers sein dürfte, nicht verwunderlich: „Jeder fünfte Bundesbürger ist ein hochreligiöser Mensch.“

    Heitmeyers Studien sind wahrscheinlich nicht annähernd so manipulativ, aber fragwürdig: nach der alten Fragestellung hätte ich die Frage „Es ist allein Sache der Muslime, wenn sie über Lautsprecher zum Gebet aufrufen” ganz klar und *unabhängig* von meiner Haltung zum Islam mit „nein“ beantwortet. In dem Moment, in dem ich mich durch den Muezzin-Ruf in meiner Ruhe gestört fühle, endet meine Toleranz. Auch religiös begründeter Lärm ist Lärm, das gilt für Kirchturmglocken genauso wie für Rasenmäher, Autos oder laute Musik – wobei Musikern sehr viel schneller und leichter „der Lautsprecher“ verboten wird, als den Kirchen das Bimmeln zur nachtschlafender Zeit.
    Also wäre ich nach dieser Fragestellung nicht nur „Islamophob“ (besser: anti-islamisch) sondern auch anti-christlich (oder „christophop“).

    MartinM

    21. Februar 2008 at 20:06

  31. Ja, klar. Aber das ist diese Art von self fulfilling prophecy, die darin besteht, nur wenige items auswählen zu können, daher die prägnantesten zu nehmen und dabei selbst stereotyp zu werden.

    Zu Bertelsmann sage ich mal nichts, da bin ich nämlich sowas von phob.

    lars

    21. Februar 2008 at 20:19

  32. Kann ich verstehen – ich nämlich auch. (Auch wenn ich die „Bertelsmänner“ nicht für die bösen Drahtzieher hinter den Kulissen halte.)

    MartinM

    21. Februar 2008 at 21:01

  33. Die operieren ja ganz offensiv in den Kulissen.

    lars

    21. Februar 2008 at 21:12

  34. Kulissenschieber.
    (sind sie auch)

    Dr. Dean

    21. Februar 2008 at 22:49

  35. Eher „Draht“ als „Zieher“.

    MartinM

    22. Februar 2008 at 10:04

  36. Dagegen hatte 1992 Wolfgang Pohrt mit seiner Studie „Auf dem Weg zur inneren Einheit“, die an die Adorno/Levinsonsche F-Skala anknüpfte noch Innterviews geführt, die jeweils über mehrere Seitem dokumentiert und mit persönlichen Urteilen und auch Stimmungen verknüpft wurden. Im Mainstream heutiger Sozialwissenschaft undenkbar!

    che2001

    22. Februar 2008 at 10:06

  37. Oder sie sind nur Kulisse, und da versteckt sich jemand anders hinter 😉 …

    momorulez

    22. Februar 2008 at 10:39

  38. Um meine kryptische Methapher zu verdeutlichen:
    Viele aus bürgerrechtlicher oder bzw. und sozialstaatlicher Sicht problematische Entscheidungen (z. B. die Hartz-Reformen) werden gefällt, weil unsere Eliten in Interessen verflochten sind. Das gilt auch für Privatisierung „auf Teufel komm raus“ oder ökonomisch wenig plausible Steuerbefreiungen. Die Interessenverflechtung, die Vernetzung läuft über „Drähte“ – im Sinne der Redensart „ich habe einen Draht zu“ – oder: „Kanäle“, „Medien“, „Treffpunkte“ usw.. Einer dieser „Drähte“ ist die Bertelsmann-Stiftung.
    Es handelt sich m. E. nicht um eine Verschwörung, sondern um ein System der Korruption, in der eine Hand die Andere wäscht – einen „Klüngel“.

    MartinM

    22. Februar 2008 at 10:41

  39. Ich würde hier nicht von Korruption sprechen. Eher von einem „selbstkorrumpierenden System„. Das heißt, die korrumpierende Absicht fehtl den meisten Akteuren – was die Angelegenheit für die übrigen Bürger nicht unbedingt erträglicher macht.

    Aus meiner Kenntnis von Bundestagsabgeordneten und „Verantworungsträgern“ heraus behaupte ich, dass hier im Wesentlichen Mechanismen soziologischer Aufmerksamkeitssteuerung eine Rolle spielen. Wenn also ein einflussreicher Abgeordneter den von MartinM angesprochenen, objektiv widersinnigen, unplausiblen Steuerbefreiungen zugestimmt hat, so tut er das selbst i.d.R. aus dem reinen Gefühl, dabei die objektiv beste oder sogar unvermeidliche Wahl getroffen zu haben, und ist dabei – ohne, dass es ihm selber bewusst ist – von einem sehr speziellen Elitendiskurs gesteuert, bei dem die jeweiligen Maßnahmen, welche tatsächlich nur Partikularinteressen dienen, mit scheinwissenschaftlichen Argumentationen als so gut wie unabweislich dastehen.

    Mit anderen Worten, und weniger verdreht formuliert: Die Beratungs- und internen Kommunikationssysteme der Abgeordneten sind es, welche eine Schieflage haben. Hier können sich – erfolgreich – Lobbyisten weidlich austoben, während sowohl die Normalbürger, wie auch eine der Objektivität verpflichtete Wissenschaft mit ihren in vielen Fragen sehr dissenten Stellungnahmen außen vor bleiben. Gerade dieser Dissenz erreicht den Abgeordneten in seiner Entscheidungsfindung nicht mehr, vielmehr glaubt er, glaubt er ehrlich, aus dem reinen Trunk der Wissenschaft zu trinken, was tatsächlich nichts anderes als erfolgreiches Agenda Setting sogenannter „Politikberatung“ darstellt.

    Keine Verschwörung steckt dahinter, sondern viel tiefer liegende Probleme.

    Dr. Dean

    22. Februar 2008 at 15:33


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