shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Die Bilder im Kind

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„Beizeiten lernte ich es, in die Worte, die eigentlich Wolken waren, mich zu mummen. Die Gabe, Ähnlichkeiten zu erkennen, ist ja nichts als ein schwaches Überbleibsel des alten Zwanges, ähnlich zu werden und sich zu verhalten.  Den übten Worte auf mich aus. Nicht solche, die mich musterhaften Kindern sondern Wohnungen, Möbeln, Kleidern ähnlich machten. Ich war entstellt von Ähnlichkeit mit allem, was um mich war. Ich hauste wie ein Weichtier in der Muschel im neunzehnten Jahrhundert, das nun hohl wie eien leere Muschel vor mir liegt. Ich hlate sie ans Ohr. Was höre ich? Ich höre nicht den Lärm von Feldgeschützen oder von Offenbachscher Ballmusik, nicht einmal Pferdetrappeln auf dem Pflaster oder die Fanfaren der Wachtparade. Nein, was ich höre, ist das kurze Rasseln des Anthrazits, das aus dem  Blechbehälter in einen Eisenofen fällt es ist der dumpfe Knall, mit dem die Flamme des Gasstrumpfs sich entzündet, und das Klirren der Lampenglocke auf dem Messingstreifen, wenn auf der Straße ein Gefährt vorbeikommt. Noch andere Geräusche, wie das Scheppern des Schlüsselkorbs, die beiden klingeln an der Vorder- und Hintertreppe; endlich ist auch ein kleiner Kindervers dabei.
‚Ich will Dir was erzählen von der Mummerehlen.'“
Walter Benjamin (1987): Berliner Kindheit um neunzehnhundert, Frankfurt/Main: Suhrkamp, S. 59.

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Written by lars

21. Februar 2008 um 21:47

Veröffentlicht in Von Sternen und Sternbildern

4 Antworten

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  1. Eigentlich hatte ich nur Bilder aus Picassos rosa Periode gesucht, weil gerade bei den Artisten-Bildern oft auch ganz andere Kinderbilder bei sind. Und finde dieses:

    http://www.uni-stuttgart.de/idg2/lehre/farbe1.html

    Und, siehe da: Herr Runge über Farben und Licht wird zitiert 😉 …

    Nichtsdestotrotz: Wenn man runterscrollt, ist dieses Artisten-Mutter-Kind-Bild von Picasso doch nicht einfach Aufsicht auf Elend, das ist doch viel, viel mehr. Das ist großartig.

    Und die ganzen Jesus-Bilder haben wir bemerkenswerterweise auch irgnoriert, alleine dieser fette Klops auf Raphaels Madonna, das ist doch noch mal ’n ganz anderer Blick …. auch diese deformierten Kugeln bei Leonardo, die wundern mich immer wieder, weil bei dem alles transzendent schwebt, nur die ganzen Babys grundsätzlich etwas daneben aussehen.

    momorulez

    21. Februar 2008 at 22:09

  2. An den mittelalterlichen Madonnenbildern sieht man ja auch häufig das Christkind als kleinen Erwachsenen.

    Ist jetzt, was sich so beio Googel auf den ersten Seizeten bei „Madonna+Mittelalter“ findet.

    lars

    21. Februar 2008 at 22:39

  3. Mich wuerden eher die darstellung der „Kinder in Bild“ interessieren.

    karaganga

    22. Februar 2008 at 20:05

  4. […] Lars hat ja häufig und in diversen Zusammenhängen betont, dass ihm im Falle von Philosophie und Wissenschaft die „kleine Form“ am Herzen läge und sinnvoll scheine, zugleich allerorten fehle und delegitimiert würde – deren Meister ja durchaus jene sind, die philosophisch gerne mal auf’s Ganze als Unwahres gehen, so z.B. Theodor W. Adorno. Vielleicht läßt sich anhand dessen denken, wieso Adorno so „ästhetisch“ agiert, schreibend, wird ja ständig behauptet, dass, aber selten nur eingelöst, warum. Rayson bei den B.L.O.G.s tat häufig seine – für mich trotz politisch gegenteiliger Ansichten sehr gut nachvollziehbare – Vorliebe für Davila und dessen funkelnde Gedanken kund, Lars beruft sich eher auf Walter Benjamin, für wieder andere ist Karl Kraus zitieren angemessen im Sinne der „kleinen Form“. […]


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