shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Noch mehr weiche Themen: „The Sublime Is Now“

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„Viele seiner Bildtitel lenken die Interpretation auf die (paradoxe) Vorstellung eines Beginns. Das Wort, wie ein Blitz in der Dunkelheit, oder eine Linie auf einer leeren Fläche, trennt, teilt, begründet einen Untersched, macht diesen Unterschied, so gering er auch sein mag, spürbar und begründet so eine sinnliche Welt. Dieser Beginn ist eine Antionomie. Er findet in der Welt statt, als ihr ursprünglicher Unterschied, der Beginn ihrer Geschichte. Er ist nicht von dieser Welt, weil er sie erzeugt, er kommt aus der Vorgeschichte oder aus der Geschichtslosigkeit. Dieses Paradox ist das der Performance oder des Vorkommnisses. Das Vorkommnis ist der Augenblick, der unvorhersehbar „fällt“ oder „geschieht“, der aber, ist er einmal da, Platz nimmt in dem Raster desssen, was geschehen ist. Jeglicher Augenblick ist der Beginn, vorausgesetzt, er wird mehr nach seinem quod als nach seinem quid erfaßt. Ohne diesen Blitz gäbe es nichts oder das Chaos. Der Blitz ist „die ganze Zeit“ da (wie der Augenblick), und niemals da. Die Welt hört nicht auf zu beginnen. Die Schöpfung bei Newman ist nicht der Akt von jemandem, sie ist die Tatsache, daß es (dies) mitten im Unbestimmten geschieht.

Wenn es also ein „Sujet“ gibt, dann das „Augenblickliche“. Es geschieht jetzt und hier.“

Jean-Francois Lyotard, Der Augenblick, Newman, in ders.: Das Inhumane, Wien 2006, S. 99

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Written by momorulez

23. Februar 2008 um 18:47

6 Antworten

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  1. Klingt nach einer ästhetisierenden Wende des „Jetzt der Erkennbarkeit“ von Benjamins Erkenntnis- und Wahrheitsbegriff; vom vorbeihuschenden Bilds des Vergangenen und von der blitzhaften Erkenntnis, deren langnachrollender Donner der Text sein soll.

    lars

    23. Februar 2008 at 20:22

  2. Ja, aber vergiß nicht die Kantischen Wurzeln auch bei Benjamin. Auch für Adorno war die Analyse des Erhabenen bei Kant ganz außerordentlich maßgeblich.

    momorulez

    23. Februar 2008 at 22:12

  3. Und was soll das sagen?

    che2001

    23. Februar 2008 at 23:44

  4. Das einzig wirklich Beständige liegt in der Veränderung.

    Dr. Dean

    24. Februar 2008 at 0:35

  5. Das ist ein Text über die Bilder von Barnett Newman

    http://images.google.de/images?hl=de&q=Barnett+Newman&btnG=Bilder-Suche&gbv=2

    in dem Lytoard unter anderem die These vertritt, dieser habe den Moment, den Augenblick, in dem etwas in die Welt tritt, etwas beginnt, in’s Bild gesetzt. Etwas, daß nicht abkünftig ist. Be!

    Das ist ja ein uraltes Thema, von dem schon alle Mythen handeln, das Kant in seinen Antonomien behandelt hat und Aristotetes zur These vom ersten unbewegten Beweger getrieben hat: Wieso ist etwas und nicht vielmehr nichts, und wie fängt das dann an? Das ist sozusagen der göttliche Funke, der erste Atemzug, der jeder Idee noch innewohnt, so als Wort zum Sonntag formuliert.

    momorulez

    24. Februar 2008 at 9:37

  6. Ja, das ist das Tolle bei Newman, nämlich, dass endlich einer in der Lage war, an der antagonistischen Vaterfigut Mondrian kritisch abgearbeitet, das Bild wieder Malerei (Painting, nicht Picture) werden zu lassen, zum „wilden Zeichen“, ich glaube, Thursz hat das so genannt. Ich glaube ausserdem, dass die historische Situierung der Erfindung Newmans nicht genügend diskutiert wird, nämlich der Massenmord in Europa. – Er ist ja auch 1964 bei seiner Europa-Reise nicht nach Deutschland gefahren, aber nach Colmar, um Grünewalds Isenheimer Altar anzusehen. Das ist nicht unwichtig.
    Jedenfalls: er hat den Mondrian gewissermassen umgestülpt, da dass die Energie sichtbar wurde, in der die Dinge enthalten sind, bevor sie sich materialisieren. Mondrian hatte die Dinge immer weiter isoliert und seinen ganzen Abstraktionsprozess darauf aufgebaut. Newman konnte deswegen die Malerei, oder das Gemälde, zum Ort einer Begegnung machen, an dem das Erhabene hervorgerufen wird.
    (Scheint ja auch zu funktionieren, es wurden ja mind. drei SAchen zerstört, sogar mit Begründungen.)

    T. Albert

    24. Februar 2008 at 18:09


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