shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Löschen und spul zurück!

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„Als man ankam

wollte man werden

die Geschichte schreiben

die Doofen sollten sterben

der Plan

als man damals nach Hamburg kam … „

Na, wenn das kein Tagesmotto ist. Beim dem Song muß ich immer an das 4:o im Pokal gegen Bochum denken, weiß auch nicht, warum. Wahrscheinlich, weil mir am nächsten Tag im ICE auf dem Weg nach Köln immer Tränen in die Augen schossen, wenn dieses Lied aus dem MiniDisc-Player drang. Weil sie mir erschienen, die Bilder, als die Bochumer Fankurve unserer Mannschaft zujubelte und das ganze Stadion als Antwort in „VFL, VFL“-Chöre ausbrach.

Einer dieser kurzen, großen Momente der Uopie, die’s nur am Millerntor gibt. Die’s nur in Hamburg gibt.

Hamburg-Bashing ist ja derzeit trendy, manch Neuköllner Blogger gefällt sich darin, die Existenz des Dammtor-Bahnhofs durch die Distanznahme vom Pöbel zu erklären, und da ist sogar was dran, ich steig da auch immer ein. DIE ZEIT schickt ausgerechnet Münchener Journalistinen zur Kulturberichterstattung an die Elbe, und die sehen dann eben auch, was sie sehen wollen: Hier seien nur Zahlenmenschen unterwegs, die Kunst nur dann verstehen, wenn sie der protestantischen Predigt entpricht und Geld wert ist. Na, wenn sie’s braucht …

Jedoch: In der Tat hat der aktuelle Senat die schönste Stadt der Welt in Richtung einer polizeistaatlichen Schein-Idylle gedrängt. Daß der Freiherr von Beust einst von Schills Gnaden den Bürgermeister-Sessel bestieg, das setzte er dann auch in Politik um. Per Hunde- und Rauchergesetz die Bürger drangsalieren, Punks von der Reeperbahn vertreiben, eine lebenswerte und Eigenständigkeit fördernde Universitätslandschaft einebnen, öffentlichen Raum verscherbeln und „Off-Szenen“ von oben verordnen wollen: Wer die spontane Ordnung einer Stadt wie Hamburg austreiben will, der hat sie nicht verstanden. Kein Wunder, daß die größten Menschenfeinde dieser Bürgerschaft sich aus den Walddörfer-Gymnasien rekrutieren. Die kennen städtisches Leben gar nicht. In der SPD gibt es davon auch welche.

Die ist zwar für chronisch schlecht gelaunte Berliner, die als Essenz des Daseins den Kampf begreifen, oder barocke Münchner, die nix als störungsfreie Gemütlichkeit und Gruppenkuscheln suchen, auch schwer nur zu erschließen, diese Stadt. Das Understatement, das Konzept des Innenraums auch draußen, die Enstpannung in der Weite und dem Gefühl von Meer und Mehr, der Verzicht auf die große Geste, es sei denn, der FC St. Pauli siegt (der HSV ist kein Hamburger Verein, das sei nur am Rande erwähnt, der wurde in Norderstedt oder so gegründet, ecter Etikettenschwindel): Das muß man halt leben können. Dieses Schmunzeln und der trockene Spruch, der in zwei Silben mehr zu sagen weiß als ’ne ganze Kölner Büttenrede: Das muß man atmen, um es zu lieben.

Also, liebes Hamburg: Wählt den von Beust aus dem Rathaus, so sympathisch er ja ist – ein Bürgermeister von der BILD und des Immobilienhais Gnade ist selbst für „Zahlenmenschen“ nix. Und wenn der Naumann dann von der Linkspartei Gnade in’s Rathaus ziehen sollte, von mir aus: Wer fortwährend die Gleichung „links = rechts“ wiederholt, der hat wirklich rein gar nix begriffen. Immer noch lieber vertrottelte DKP-Spinner als Kai Diekmann. Aber der muß ja eh nach Berlin – da paßt er auch hin.
Ansonsten, liebe Spieler des FC St. Pauli: Bitte nicht immer vorm Tor noch mal eben so norddeutsches Liedgut durch die Gehörgänge fließen lassen. Nee, ignoriert das mal, King Boris sitzt ja auch auf der Haupttribüne und gibt euch diesbezüglich seinen Segen.

Gegen Fürth heute doch lieber wiederholt zeigen, daß ihr – wie ganz Hamburg – very british seid.
Ihr schafft das.

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Written by momorulez

24. Februar 2008 um 11:11

10 Antworten

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  1. […] Auch, dass die Sitzer auf der Nordtribüne schnell herausfanden, dass sich trampeln ebenda wie eine Herde Elefanten anhört, hat sich ein wenig auf den Rasen übertragen. Ein Anrennen und Anlaufen gegen agessiv-schlaue Fürther war das heute. Wuchtig hinten und im Mitelfeld, Petersen, Boll und Trojan Spitze und gewaltig in Form, schafften den Aufstiegsaspiranten an den Rand einer Niederlage. Schön, auch wenn vorne immer wieder Norddeutsche Lieder in den Hirnen weiter wabern, statt Instinkt. […]

  2. Danke, daß Ihr Fürth doch noch auf Distanz gehalten habt…

    statler

    24. Februar 2008 at 21:14

  3. Wir hätten die sogar noch mehr auf Distanz gehalten, wenn unsere Jungs mal meine Einträge hier lesen würden … insbsondere die „very british“-Pointe … absurderweise mußte ich mich dann erst an Herrn Naumann vorbeidrängeln, um in’s Stadion zu kommen, um nach dem Spiel amüsiert einem einer Diskussion zwischen dem einen von Fettes Brot und ein paar süßen Jungs zu lauschen, so tauchten dann doch Elemente des Geschriebenen in der Wirklichkeit auf …. trotzdem: also, so dermaßen viel verdattelte Chancen leistet sich wirklich kein anderer Zweitligist, eigentlich haarsträubend …inclusive Elfmeter verschossen … wenn die auch nur die Hälfte der Chancen reinmachen würden, de unseren, wären wir eurer direkter Verfolger … sie haben in der zweiten Halbzeit zwar gekämpft wie die Götter und Fürth glatt an die Wand gespielt, aber dieses Rumgestocher vorm Tor, daß noch nicht mal im 5-Meter-Raum zum Treffer reicht, schlimm.

    Eure Einbruch verstehe ich auch nicht. Als ihr am Millerntor wart, war das ein besserer Erstliga-Auftritt eures Teams, wie kommt das, das ihr so zusammensackt? Ihr könntet DIE Übermannschaft sein …

    momorulez

    24. Februar 2008 at 22:16

  4. Wenn ich das richtig verstehe (hab nach der Winterpause noch kein Spiel ganz gesehen, nur Ausschnitte) ist es wohl wieder die traditionelle Gladbacher Chancenseuche, die uns regelmäßig heimsucht und auch schon für zwei Abstiege verantwortlich war.

    Heute hätten wir wohl auch wieder das dritte oder vierte Tor schießen MÜSSEN, haben es aber nicht. Also, falls hier ein erfahrener Fußballstürmer-Psychiater mitliest — am Niederrhein gäbe es auch Geld zu verdienen. Prozac für Neuville!

    statler

    24. Februar 2008 at 22:37

  5. „Heute hätten wir wohl auch wieder das dritte oder vierte Tor schießen MÜSSEN, haben es aber nicht. “

    Jetzt verstehe ich’s – das Problem haben wir von euch übernommen 😉 … der Herr Schnitzler kommt ja von euch. Wat ein Chancentod. Das 1:1 hat er zwar gemacht, aber das ging gar nicht anders nach einer Zauber-Ecke von Philip Trojan, und der kommt aus Bochum, siehe oben.

    momorulez

    25. Februar 2008 at 8:27

  6. „öffentlichen Raum verscherbeln“ – das soll jetzt welchen speziell meinen?

    Le Roi

    25. Februar 2008 at 9:28

  7. Schanzenturm, Landeskrankenhäuser, demnächst die Baubehörde …. ob diese ganze Bebauuung da in Övelgönne schon zu SPD-Zeiten geplant war, weiß ich tatsächlich nicht, das ist aber auch so ein Fall. Und die zeitweise aufkeimende Agitation gegen „Penner“ vor Luxusgeschäften zähle ich auch dazu.

    momorulez

    25. Februar 2008 at 9:34

  8. Ich hätte da noch das Bismarckbad in Altona zu bieten. Eine Schande für die GAL übrigens, die da mitgemacht hat!

    ring2

    25. Februar 2008 at 9:50

  9. Deshalb hab ich die ja auch nicht gewählt … im Zuge der Hundesgesetzdiskussion kamen Briefe von GAL-Oberen aus Altona an die Oberfläche, da drang eine paternalistische Mentalität hoch, Hallelujahl. Ganz schlimm.

    Und Du votierst jetzt drüben für schwarz-grün, Horror – wie kommst Du eigentlich da drauf?

    momorulez

    25. Februar 2008 at 10:29

  10. Die von Freiherr von Beust nach der Wahl so genannte „liberale Großstadtpartei“ trifft auf älter gewordene Bürgerskinder. Das ist der Plan: Es wird aufgeräumt. Zum Ausgleich etwas Vorgartenidylle, mehr Grün an den Bäumen. Vielleicht sogar abgeschaffte Studiengebühren, wobei, bevor es soweit kommt, also soooo unglaublich weit, bevor das wirklich so kommt, schmeißen sich die Rechtsaußen der Hamburger SPD der CDU an den Hals.

    „Wir sind billiger“ bzw. „Mit uns kann die CDU regieren, ohne Abstriche zu machen“ bzw. „Lieber Ole, spende bitte uns Deine Aura – wir wollen regieren“

    Politische Marktwirtschaft. SPD und Grüne im Unterbietungswettbewerb.

    Dr. Dean

    25. Februar 2008 at 12:29


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